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Shima no Koji :: Grundinformationen :: Abgebrochene Nebenplays

Einfach mal in Ruhe lesen? Falsch gedacht!
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BeitragThema: Einfach mal in Ruhe lesen? Falsch gedacht! Einfach mal in Ruhe lesen? Falsch gedacht! EmptyMi 12 Feb 2020 - 23:35
Einfach mal in Ruhe lesen? Falsch gedacht!



Einfach mal in Ruhe lesen? Falsch gedacht! B22TmHT

Teilnehmer: Serah & Benedict
Startort: Raum E7 - Schulbibliothek
Zeitpunkt:  21. Mai 2015

Beschreibung:
Benedict tut mal wieder das, was er am besten kann: alleine sein; oder zumindest versucht er das.
Auf der Suche nach einem guten Buch zieht er sich in die Schulbibliothek zurück, wo sein einsames Lesevergnügen jedoch von Serah vereitelt wird.


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Wie von einem Riesen am Kragen gepackt und quer durch die Welt gerissen, sprang die Tür zur Schulbibliothek ruckartig auf. Von der Klinke war kaum etwas zu hören gewesen. Nur das Bewegen der Scharniere konnte binnen eines flüchtigen Augenblicks aufgenommen werden. Doch statt einer Kavallerie, die mit vergleichbarem Karacho in den Raum stürmte, stand nur Benedict im Türrahmen und schaute spekulativ hinein. Die Bibliothekarin rümpfte bereits die Nase und warf einen erwartungsvollen Blick zu ihm. Zeitgleich machte sie ihm unmissverständlich klar, dass er sein Verhalten zu überdenken hatte, setzte er auch nur einen einzigen Schritt in die Bibliothek. Benedict lief ein kalter Schauer den Rücken hinab, als er die alte Dame erblickte.

Die Schule war bereits aus und der Großteil der Jugendlichen strömte in jede nur erdenkliche Richtung, insofern diese aus dem Gebäude herausführten. Nur die wenigsten taten etwas anderes – so auch Benedict. Statt zurück zum Wohnheim zu gehen, sich auf das Abendessen zu freuen oder in die Jogginghose zu springen für einen ausgiebigen Sprint, hatte er Kurs auf das Erdgeschoss und die dort befindliche Bibliothek genommen. Es dürstete ihn nach einem neuen Buch, welches er sich ausleihen konnte. Außerdem musste er das alte zurückgeben, weshalb er als erstes an den Tresen ging, hinter dem die alte Schachtel von Bibliothekarin saß.
Innerhalb der letzten sechzig Sekunden hatte sie ihn weder vergessen noch ihm für seinen Auftritt verziehen. Grimmig schaute sie über ihre Lesebrille zu ihm in seine verzogene Visage. Man konnte Benedict ansehen, dass er das Buch lieber über den Tresen geworfen und weggegangen wäre, ohne auch nur ein einziges Wort sagen zu müssen. Doch so einfach war es leider nicht. Stumm legte er das Buch vor der Frau ab und zeigte zudem seinen Ausweis vor. Beides wurde quittiert und schon durfte er gehen.
Es ging für ihn tiefer in den Raum vorbei. Die Schreckschraube hinter sich lassend passierte er die langen Tische, an denen nur eine einzige Seele saß. Kaum zwei Sekunden später fand er sich schon zwischen den Regalen wieder, die ruhig endloser sein durften, als es die Realität festlegte.

Benedict wollte sich nicht als besonders gewieft bezeichnen, doch er versuchte, mehrere Fliegen mit einer Klatsche zu schlagen. Der Rassekundelehrer hatte der Klasse aufgetragen, nach der Schule ein paar Recherchen anzustellen und gegebenenfalls etwas aus dem Stegreif vorzutragen. Das war zwar grundsätzlich keine Aufgabe, über die sich der Nazaire freute und erst recht nicht sich drum bemühte, doch ein plötzlicher Einfall änderte seine Einstellung grundlegend. Benedict hatte ohnehin vorgehabt, ein Buch zum finsteren Mittelalter und dessen keltischen Sagen zu suchen; also ein Buch zur Artussage. Und zu Artus gehörte auch Merlin – ein Zauberer -, der wiederum ein Thema für den Rassenkundeunterricht sein konnte, weil Magier eben. Außerdem rankten sich einige sagenhafte Gerüchte um den guten Mann, von denen Benedict bereits gehört, sich aber noch nicht eingängig damit beschäftigt hatte. Sagen und derartiges waren ja total sein Ding. Das kam daher, weil er quasi selbst einer entsprang. Jedes Mal, wenn er eine solche Geschichte las, musste er sich vorstellen, dass es Realität war, was das Buch ihm weißmachen wollte und es keine wirren Hirngespinste eines Menschen waren. Außerdem überlegte er, was daran falsch sein konnte und wie es tatsächlich abgelaufen sein konnte. Menschen neigten zur Übertreibung, was sich in ihren Erzählungen widerspiegelte.

Hervor aus den Dschungel an Bücherregalen trug der Blondschopf zwei Bücher unter dem rechten Arm geklemmt. Das eine war ein eher sachliches Buch über Rassen, die eine besonders enge Verbindung zum Menschen pflegten – so wie Magier – und das andere war eine Sammlung keltischer Erzählungen und Sagen. Mit diesen beiden ließ er sich am Ende eines der beide langen Tische nieder, saß damit mit dem Rücken zum Fenster und hatte Blick auf die Eingangstür. Benedict hatte bewusst diesen Platz gewählt, denn die andere Person saß am gegenüberliegenden Tisch und am gegenüberliegenden Ende. Er saß also möglichst weit entfernt von dem jungen mit der dicken Hornbrille. Nicht dass er Platzangst besaß, doch je weniger die Möglichkeit bestand, sich über die Schulter schauen zu lassen, desto entspannter konnte Benedict lesen. Und so schlug er das erste Buch, die Geschichtensammlung auf. Sein Finger wischte über das Inhaltsverzeichnis, bis es an der Seitenangabe für die Artussage hängen blieb. Da sollte er etwas zu diesem Merlin finden. Angeblich, so hatte Benedict mal gelesen, soll der Magier keine zwei menschlichen Eltern besitzen. Manche Erzählungen berichten vom väterlichen Teufel, was wiederum bedeuten konnte, dass er zur Hälfte ein Dämon war und somit eigentlich kein wirklicher Magier … oder?
Benedict schlug die Seiten um und begann zu lesen, kaum begrüßte ihn die erste Überschrift des neuen Kapitels.


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Die Schulglocke entließ ihre Mitschüler und sie in die Freiheit und obwohl sie buchstäblich Hummeln im Hintern hatte, wild darauf sich in ihre täglichen Sportübungen zu stürzen, entschied sie sich für die Bibliothek. Serah las gerne und viel, besonders zu Themen von denen sie nichts wusste - der Stapel an Büchern in ihrem Zimmer waren der Beweis dafür, weshalb die Bibliothek durchaus als einer ihrer Lieblingsorte durchging. In der Regel war hier nur wenig los bis auf vereinzelte Schüler, die die Nase in Bücher steckten und so nicht störten. Die Aufgabenstellung war nicht fordernd, wer an Recherchearbeit scheiterte wäre an einer Schule sowieso falsch gewesen, viel mehr die Auswahl an Rassen machte es der Schülerin schwer. Schließlich wurde ihr erst vor kurzem klar was sie ist, aber weitere Details dazu besaß sie nicht. Es wäre naheliegend gewesen sich ein Buch über Dämonen zu suchen und sich damit zu befassen - so konnte sie gleich etwas über „sich“ lernen und parallel etwas für den Unterricht vorbereiten. Blöderweise lag das entsprechende Buch bereits in ihrem Bücherstapel, weshalb dieses Vorhaben ins Wasser fiel. Außerdem wollte sie es in aller Ruhe lesen und Notizen machen.

Serah öffnete die Tür zur Bibliothek vorsichtig, um selber das Quietschen dieser zu vermeiden und sah sich kurz um. Bis auf die Bibliothekarin und zwei Schüler - einen kannte sie tatsächlich - befand sich niemand hier. Ein Glück. Kurzer Hand verschwand sie zwischen den Bücherregalen, ließ es sich dabei nicht neben die Buchrücken behutsam mit ihren Fingerkuppen zu berühren, während Sie nach passenden Titeln suchte. Für eine Rasse hatte sie sich bereits entschieden: Werwölfe. Über den Vorfall in der Vergangenheit sprachen die Wenigen, daher ging sie nicht davon aus, dass Aufzeichnungen davon zu finden sein würden - aber die Schülerin wollte die Wesen selbst verstehen. Offensichtlich herrschte grundsätzlich eine Abneigung gegen diese, welche sie sich jedoch nicht erklären konnte, immerhin war in Isola nichts „normal“. Ob sie bereits einem Werwolf begegnet war? Sie konnte es nicht sagen, wusste es selbst von Mitschülern nicht, auch wenn die Frage danach ihr immer auf der Zunge brannte - im selben Moment kam sie auch auf einen Gedanken, welchen sie in die Tat umsetzen würde.
Ihr Blick blieb an einem dicken Schmöker Hängen, dessen Inhalt sich auf allgemeine Daten zu div. tierischen Rassen beschränkte und Beispiele aus der Menschenwelt - ob historisch war oder Fiktion - aufführte.

Sie nahm es sich aus dem Regal, betrachtete dabei den roten samtigen Einwand und fuhr über die Goldene Prägung dessen. Serah musste lächeln. Keine Flecken, keine Abnutzung war zu erkennen - entweder ging jeder damit pfleglich um oder interessierte sich nicht dafür - was auch immer es war, so mochte sie ihre Bücher. Bewaffnet mit Buch, Notizbuch und Stift setzte sie sich zu den beiden Schülerin. Ohne Worte, ohne ein Lächeln oder Nicken zur Begrüßung nahm sie vor dem Blondschopf Platz.
Das Inhaltsverzeichnis überflog sie dabei bis sie bei W, wie Werwolf hängen blieb und die entsprechende Seite aufschlug. Im Notizbuch notierte sie bereits den Titel und das Datum - alles musste seine Ordnung haben. Sie würde dabei einfach vorgehen: Die entsprechenden Kapitel lesen und sich Notizen zu bekannten Fakten machen, bevor sie Geschichten zu den Wesen aufgriff. Allerdings wollte die Dämonin sich dabei nicht nur auf alte Geschichten beziehen - das wäre langweilig. Sie wollte wissen wie aktuell auf Isola auf Werwölfe reagiert wurde oder ob sie einen entlarven konnte, anhand dessen Reaktion. Sie verfolgte dabei keine bestimmte Taktik, außer das die ehrlichsten Reaktionen kamen, wenn die Testsubjekte nichts von dem Vorhaben wussten. Die beiden Schüler waren vorhin, als ihr der Gedanke kam, somit zu ihren Testsubjekten geworden.

Serah hob das Buch an, las einige Zeilen und vergrub sich nahezu darin, während ihr Blick zwischen den beiden Jungen hin- und herging. „Hier ist ein Werwolf.“, sagte sie und brach damit auch eine Regel, die ihr selbst wichtig war: Absolute Ruhe in der Bibliothek. Die Bibliothekarin strafte ihre Worte keine Sekunde später mit einem lauten „Psssst!“, während der Schüler mit Hornbrille aufschreckte und sich unruhig umsah. Sie hingegen schenkte ihm ein falsches Lächeln, bevor er verschwand. So schnell hatte sie noch nie jemanden seine Sachen packen und gehen sehen - selbst zum Unterrichtsschluss nicht. Ihr Plan war allerdings schlecht durchdacht gewesen. Er war nun weg und seine Reaktion allerdings kaum aussagekräftig. War er gegangen, weil er sich vor diesen fürchtete oder weil sie ihn ertappte? Serah verzog unzufrieden das Gesicht und notierte sich seine Reaktion - es war zwar nicht eindeutige, aber besser als irgendwelche Menschenstorys. Ihre blauen Augen blieben an ihrem Gegenüber hängen, jetzt wurde sie ganz plump: „Und, bist du einer?“, richtete sie sich an ihn, gespannt auf seine Reaktion.


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Weit war er nicht gekommen, als er das erste Mal unterbrochen wurde. Dabei lag das angefangene Kapitel noch blutend vor ihm und wartete darauf, ausgenommen zu werden. Ein Mädchen mit kaugummiknalligen Haaren kam heran. Hatte er sicher schon mal gesehen; hoffentlich nicht vor ein paar Minuten im Klassenraum. Vielleicht sollte er doch mal seinen Mitschülern Beachtung schenken, damit er nicht alsbald in ein unvermeidbares Fettnäpfchen trampeln konnte. Andererseits hatte er es so lange schon geschafft, ohne diese Mühe auszukommen. Warum also ändern? Die anderen interessierten sich ja auch nicht für ihn; drum konnte er getrost den Spieß umdrehen.
Zum Glück verschwand das Mädchen zwischen den Regalen. Das letzte, was ihm gefehlt hätte, war so eine, die ihm vor den Augen herumwackelte. Natürlich sah sie viel zu gut aus – so wie fast jede auf Isola und in dieser Schule. Bei der Freakshow hier ging es doch gar nicht um Vampire, Dämonen, Engel und so ein Gestrüpp. Es ging um freakig schöne Leute, die erst mit dem Gewinn des Schönheitswettbewerbs ihr Abschlusszeugnis bekamen.
Was eine irre Welt …, dachte sich der Nazaire und steckte die Nase zurück in sein Buch. Die Brillenschlange am anderen Tisch wurde ihm gerade richtig sympathisch. Warum? Weil er sich weder umdrehte noch Benedict ansprach. Wie auch der Blondschopf, gab es für den Unbekannten einzig und allein sein Buch. Nur … mit ihm in eine Schublade geworfen werden wollte Benedict auch nicht. Der sah ja mal total wie der letzte Streber aus – fast schon zu stereotypisch. Passte absolut nicht zu der Eliteauswahl von Isola. Wobei … Benedict passte da auch nicht rein. Also … Verdammt! Innerlich schellte er sich für den Gedanken, weil er nur unterstrich, mit dem Streberlein in einem Eimer zu landen. Am Ende würde man die beiden noch für Freunde halten. Darauf konnte Ben getrost verzichten. Da war er lieber für sich allein bis ans Ende seiner Tage … und ließ sich auf dem Sterbebett noch von seiner Schwester aufziehen, nie ein Mädel abgeschleppt zu haben. Tch.
Zurück zum Buch … Lancelot hatte was vor!

Doch wer hätte es gedacht, vorerst würde Benedict nichts über die ritterliche Intrige lesen dürfen. Das Kaugummi-Mädchen war zurück. Nicht dass er sich beim Lesen groß bewegte; dennoch verharrte er in seiner Pose, als er merkte, dass sie sich ausgerechnet genau ihm gegenüber hinsetzte. Der Tisch war gefühlte Kilometer lang und dann war da auch noch ein zweiter. Aber sie … sie musste sich ja ausgerechnet bei ihm hinsetzen. Hoffentlich plappert die jetzt nicht los … Benedict wartete stumm, vergaß dabei zu lesen. Scheinbar nicht …
Innerlich erleichtert atmete er ganz langsam durch, sodass es niemandem auffiel. Dann legte er seine Aufmerksamkeit wieder ins Buch – irgendwohin. Benedict suchte die Zeile, welche er zuletzt gelesen hatte, doch er fand sie nicht. Aus seinem Kopf war gar entschwunden, was er eben noch gelesen hatte …
Lancelot. Ah! Das erste Schlagwort kehrte zurück und allmählich wusste er wieder, in welche Richtung er sich orientieren musste. Zur Sicherheit fing er allerdings wieder am Anfang der Seite an. Es schadete nicht, mehrmals zu lesen. So prägte sich der Inhalt besser ein – meistens.

Kaum hatte er zurückgefunden zu der verlorenen Stelle und freute sich darüber, dass es nun endlich losging mit der Intrige, als … What?! … der Kaugummi seltsam quietschte.
Benedict schaute schmaläugig auf, ohne nennenswert den Kopf zu heben. Sie sollte bloß nicht auf ihn aufmerksam werden. Werwolf? Benedict war verwundert über den plötzlich Auswurf. Die Bibliothekarin war es bestimmt auch, doch statt nachzufragen, ermahnte sie den Kaugummi nur, ruhig zu sein. In Bibliotheken redete man halt nicht. Wusste doch jeder. Und Benedict genoss es deshalb hier so sehr. Zwar war er selbst von der lauten Natur, wenn er denn mal natürlich sein durfte; doch die Zurückgezogenheit in einer stillen Bibliothek besaß einen ganz eigenen Zauber, welcher ihn nicht zum ersten Mal verführt hatte. Am liebsten war ihm diese Stille jedoch, wenn sie nicht von den Atemgeräuschen andere Personen unterbrochen wurde; oder eben von den unerklärlichen Aussagen dieser.
Benedict hatte gemerkt, dass die Brillenschlange aufgeschreckt war. Fürchtete der sich etwa vor Werwölfen? Oder … ist er einer? Den schmaläugigen Blick wurde er nicht los, nur schickte er ihn dieses Mal hinüber zu der Hornbrille. Lange beobachten konnte er diese jedoch nicht, denn der Typ steckte sich sogleich seine Sachen unter den Arm und hastete nach draußen. Die alte Frau hinter der Theke schaute ihm noch grimmig nach, dann warf sie eben diesen Blick zu dem Kaugummi. Bevor sie auch Benedict damit strafen konnte, senkte er wieder die Nase und tat so, als wenn er die ganze Zeit über fleißig gelesen hätte. In Wirklichkeit aber stand er wieder vor demselben Problem wie vor wenigen Sekunden: Er wusste nicht mehr, wo er aufgehört hatte. Verdammter Mist!

»Und, bist du einer?«

Schockartig zogen sich seine Muskeln zusammen. Die Finger erstarrten mit der Seite dazwischen geklemmt. Benedict hoffte inständig, dass sie nicht ihn meinte, doch gleichzeitig war ihm bewusst, dass nur noch er da war. Nie und nimmer hatte sie die alte Frau angesprochen. Das wäre reiner Selbstmord gewesen. Also konnte es nur sein, den sie meinte. Also musste er wohl …
Benedict hob langsam, wirklich sehr langsam den Kopf in kurzen, ruckigen Bewegungen. Fließend sah definitiv anders aus.
Zuerst wollte er antworten, ehe ihn der Blick der Bibliothekarin über Kaugummis Schulter hinweg traf. Die alte Schachtel roch bereits das Verbrechen. Also schüttelte er nur drei Mal hastig den Kopf. Mit dem Zeigefinger tippte er sich fragenden Ausdruckes auf die Brust, als wolle er sichergehen, dass sie wirklich ihn meinte. Dann wanderten seine Augen über ihr Gesicht, nahmen es zum ersten Mal wirklich zur Kenntnis. Sah ja nicht schlecht aus, aber das Thema hatte er schon zu Beginn durchgekaut. Dafür hätte er ihr nicht direkt auf die Nase starren müssen. Nur … irgendwie lag in ihren Augen etwas … eine … irgendwas Leeres; oder er täuschte sich. Sie schaute ihn so seltsam an, als würde gleich noch mehr passieren als eine Rassenanschuldigung.
Über Nase und Augen hinweg wanderte sein Blick über ihre Stirn, den tief hängenden Pony und … zwei rote Hörner. Hörnchen … Croissants! Nein! Warte, das war was anderes … Benedict fragte sich, warum sie rote Croi- … Hörnchen trug. So weit er wusste, besaßen Werwölfe so etwas nicht. Die liefen aber tagsüber auch nicht mit Hundeohren herum oder so. Von denen besaß sie aber auch keine. Konnte also kein Werwolf sein, oder?
»Du aber auch nicht«, murmelte er leise, sodass nur sie ihn verstehen konnte und nicht die alte Schachtel, die selbst wieder am Lesen war. Benedict spekulierte ein Mal über Kaugummis Schulter hinweg, vergewisserte sich, dass die Alte beschäftigt war und schaute dann wieder in die blauen Augen vor sich. »Soweit ich weiß, gibt es keine gehörnten Werwölfe«, legte er für sich fest. »Und warum zur Hölle haust du sowas überhaupt plötzlich hier raus? Tickst du nicht mehr richtig? Oder riechst du die Viecher?«


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Das Buch hatte sie mittlerweile niedergelegt und kritzelte stattdessen in ihrem Notizbuch. Es war der Junge mit der Hornbrille, welchen sie grob skizzierte und stichpunktartig seine Reaktion sowie ihre Schlussfolgerungen notierte. Insgeheim war Serah doch ein kleinwenig enttäuscht, dass sie nicht mehr aus ihm herauslesen konnte. Immerhin war sie jedoch in ihrer Annahme, dass die Menschen sich vor diesen Wesen fürchteten, bestätigt worden. Die Wunden von damals saßen wohl noch tief, aber verübeln konnte sie es niemanden – schließlich war sie nicht anwesend gewesen zu diesem Zeitpunkt. Fehlende Aufzeichnungen dazu machten es ihr dabei nicht leichter, um zu verstehen was der Auslöser des Angriffs war. Andere darüber ausfragen konnte sie in der Regel auch nicht, da diese das Thema entweder vermieden oder sich aus dem Staub machten.
Ihr Stift wanderte einige Zeilen weiter runter und begann den Blondschopf vor Ihr zu skizzieren. Sie war kein Picasso noch besonders begabt darin zu zeichnen, das war offensichtlich, aber das hielt die Schülerin nicht davon ab ihn zu zeichnen. Zwischenzeitlich sprang ihr Blick vom Papier zu ihm, nicht dass ihr etwas entging.

Seine Reaktion fiel ähnlich, wie die des Hornbrillen-Jungen aus, auch wenn er nicht flüchtete – zum Glück. Andernfalls hätte die Bibliothekarin spätestens zu diesem Zeitpunkt vermutlich mit einem Buch nach ihr geschmissen, schließlich war sie der Auslöser für die Unruhen. Der Blick Benedicts wanderte vorsichtig über den Buchrand hoch, sie hingegen sah ihn nun unentwegt an. Ihre Worte lösten offensichtlich etwas in ihm aus, aus der Starre rührte er sich zögerlich und wollte sich vergewissern, ob denn wirklich er gemeint war. Für einen Moment hob sie verwirrt eine Augenbraue an, den Kopf schief legend. Wen sollte sie sonst meinen? Mit Sicherheit nicht den Stuhl auf dem er saß, weshalb sie ihm kurz zu nickte. Die Dämonin glaubte kurz er wäre etwas langsam im Mitdenken, allerdings löste sich diese Vermutung in Luft aus, nachdem er schlussfolgerte, dass auch sie kein Werwolf war.
Serah sah ja wohl kaum aus wie ein Flohteppich – gleichwohl musste sie zugeben, dass sie bislang noch keinem Werwolf begegnet war, aber sie ging einfach davon aus, dass diese auffällig waren. „Richtig, ich bin keiner.“, bestätig sie ihm seine Annahme noch einmal und lehnte sich nach vorne und stützte ihr Kinn auf ihren Händen ab. Jetzt wurde es doch noch interessant und ihr Beitrag im Unterricht dürfte genauso spannend ausfallen. Das stimmte sie zufrieden, sehr sogar. Auch wenn sich ihr Stift nicht rührte, notierte die Kusanagi fortgehend die Reaktionen des Blondschopfes, um sie später dann aufschreiben zu können und entsprechend ihren Vortrag vorzubereiten. Er wirkte aufgebracht und konnte nicht verstehen, wieso sie so etwas laut erwähnte – als wäre es etwas völlig beiläufiges.

Serah suchte Anhaltspunkte zu seinen Gefühlen in den grünen Augen ihres Klassenkameraden. „Wieso stört dich das, Benedict?“ Seinen Namen nannte sie nur, um sicherzugehen, dass sie auch damit richtig lag. Im Unterricht mochte er schon ab- und an mal gefallen sein, jedoch war ihr Namensgedächtnis mit einem Sieb zu vergleichen, wenn sie nichts Wichtiges mit diesen verband. „Und nein, ich rieche sie nicht.“ Konnten sich Werwölfe überhaupt gegenseitig riechen? Vor allem: wie rochen diese? Typisch nach nassem Hund oder gab es spezifische Duftnoten? Fragen, denen sie später noch auf den Grund gehen würde, um keine Details aus zu lassen. Ginge es nach ihr so war sie davon überzeugt sie würden wie Hunde riechen, nicht derart penetrant, da sie zum Teil menschlich waren, aber irgendwo würde sie diese Duftnote verstecken. „Außerdem“, sie deutet auf das Buch in seinen Händen. „Bist du doch mit derselben Aufgabe, wie ich beschäftigt.“, stellte sie leise fest, bevor sie leicht schmunzelte. Hoffentlich ging niemand genauso wie sie an dieses Thema ran. Daten aus Vergangenheit konnte jeder vortragen, aber das was in ihren Augen wichtig war, war das hier- und jetzt. „Habe ich dir deine Rasse gemopst?“, hakte sie nach und wollte ihn offensichtlich nur ärgern. Sie hatte bereits ergiebig den Einband seines Buchs studiert – es handelte definitiv nicht von Werwölfen. Sie lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und musterte ihn noch einmal – sie hatte ihn definitiv kalt erwischt. „Aus Büchern kann jeder vortragen, ich wollte etwas tagaktuelles zu dem Thema beitragen.“ Was sie nicht alles für die Wissenschaft – wenn es so genannt werden konnte – tat.


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Ein wenig stolz war er ja schon darauf, dass er genau erkannt hatte, kein Werwolfsmädchen vor sich sitzen zu haben. Doch zeigen würde er dies niemals. Nur Streber freuten sich darüber, wenn sie eine Frage richtig beantworteten; und so ein Langweiler war Benedict natürlich nicht. Also bewahrte der Abkömmling des Perses sein eigenwilliges Pokerface, um sich keine Blöße zu geben. Nur coole Guys kamen auch gut bei den Mädels an. Nicht dass ihm das wichtig war, aber wenn sie ihn für cool fand, nervte sie ihn vielleicht weniger oder machte sich hinter seinem Rücken über ihn lustig oder …
Wie war das noch gleich mit dem Pokerface und der Blöße? Ersteres hielt keine Minute und Zweiteres tränkte sein Gesicht von jetzt auf gleich, als sie plötzlich seinen Namen erwähnte. Verdammt, verdammt, verdammt, verdammt! Sie kannte ihn also doch; und vermutlich sollte auch er sie kennen, denn bestimmt gehörten sie zur selben Klasse. Doch Benedict achtete auf niemanden und somit war es halt nur eine Frage der Zeit gewesen, bis er in eben genau dieses Fettnäpfchen trat. Jetzt gab es nur noch zwei Dinge, auf die er hoffen konnte. Erstens: Sie würde seine Ahnungslosigkeit nicht mitbekommen, was eigentlich schon vergeben war, da er gerade sicherlich den mehr als deutlichen Eindruck eines Ertappten machte; zweitens: Er würde künftig besser aufpassen, damit so etwas kein zweites Mal passierte.
»Äh, äh«, er stammelte, was das Zeug hielt, um auf ihre Frage zu antworten, doch war noch immer vom jüngsten Schock zerstreut. Hatte wie eine Bombe eingeschlagen und alles Selbstbewusstsein zerfetzt, was da in ihm gehaust hatte. »Na, ist halt nervig, eh?«, versuchte er sich wieder zu fangen und schob seine ablehnende Haltung zu allem und alles vor. Das half ihm dabei, sichere Worte zu finden und stabilere Sätze auszuspucken. »Haust so was raus und dann gucken dich alle doof an, weil sie glauben, du hast ‘ne Schraube locker.« Anfangs noch mürrisch, nahmen seine Worte zum Ende hin wieder an Stärke ab. Wenn er ehrlich zu sich war, war ihre Aktion eben schon ziemlich cool gewesen. Ungeachtet aller Konsequenzen hatte sie einfach rausgehauen, was ihr gerade durch den Sinn ging. So was mochte er und hatte er in seiner letzten Schule sogar selbst praktiziert. Da war er aber auch ein etablierter Rowdy gewesen, der gelernt hatte, von seinem Ruf zu profitieren und seine Hater zu ignorieren – oder eben zu verprügeln. Hier aber auf Isola war er in einem neuen Territorium und fühlte sich noch fehlplatzierter als in der Welt der Menschen. Ihm fehlte aber auch ein wirklicher Ruckzugsort. Sein Zuhause mit seiner Mom und Sis … das war sein Rückzugsort gewesen, wo er durchschnaufen konnte nach einem harten Rowdy-Tag.
Benedict behielt seine heimliche Bewunderung für sich. Andernfalls hätte man sie auch nicht heimlich nennen können. Ihre Antwort auf das Riechen nahm er stumm zur Kenntnis und auch sonst unterließ er es vorerst, etwas von sich zu geben. Zu sehr schämte er sich noch wegen seines Unwissens und ärgerte sich über seine mangelnde Natürlichkeit.
Erst als sie auf die Hausaufgabe und das Buch in seinen Händen verwies, konnte er nicht länger schweigen und musste etwas sagen. Coole Jungs schwiegen nicht wie schüchterne Streber mit dicken Hornbrillen.
»Äh, ne, eigentlich nicht«, antwortete er lediglich und verpasste die Chance, das Thema auszuweiten, indem er ihr davon erzählte, auf welche Rasse er es abgesehen hatte. Das lag schlichtweg daran, dass Ben es nicht gewohnt war, Gespräche am Laufen zu halten und vor allem mit Mädels Dialoge über zehn Sekunden hinaus zu führen.

Als der Kaugummi ihm gegenüber plötzlich seine Quellenwahl für die Hausaufgaben indirekt kritisierte, indem sie meinte, dass sie lieber Tagaktuelles nutzte, musste er unweigerlich verdutzt aufschauen. Das klang für ihn ziemlich schlau und machte auch Sinn. Es war auch definitiv cooler als stumpfes Bücherlesen. Fast wirkte sie schon wie eine kleine Indianer Jones, die sich lieber in Grabkammern warf, statt über diese in dicken Wälzern zu grübeln. Das Mädchen war nice, keine Frage. Nur ihre Haare schreckten ab. Aber ansonsten .. jo. Nur … diese Kaugummi-Haare … Benedict würde brauchen, um darauf klarzukommen.
»Dann solltest du dir wen suchen, der wirklich ‘nen Werwolf ist«, meinte Benedict auf ihren schlauen Spruch hin und wandte desinteressiert wirkend den Kopf zur Seite. Wenn er ganz, ganz ehrlich zu sich war, würde er sich gleich ärgern, wenn sie nun wirklich aufstand und ging, um solch einen Werwolf zu suchen. Doch natürlich würde er nie und nimmer dazu stehen. Es war einfach seine Schutzhaltung, Desinteresse vorzutäuschen. »Ich bin jedenfalls keiner«, fügte er noch hinzu und schellte sich innerlich mit einer unsichtbaren Hand im Schatten.
»Schau doch mal in der Mondklasse. Hab gehört, da soll’s welche geben.« Von wem auch immer er sowas hätte hören können, wo er doch mit kaum wen redete als mit seinem Spiegelbild; und dieses wusste sicherlich nicht mehr als er selbst. Allerdings konnte er sich eine logische Begründung auf die Schnelle zusammenreimen. »Macht zumindest Sinn … Vollmond und so. Da würde ich als Werwolf sofort hingehen.«
Redete er gerade zu viel? Benedict war sich unsicher. Für ihn fühlten sich seine Sätze wie tausende an. Und doch hatte er das panische Gefühl, dass was passierte, wenn er aufhörte. Also setzte er einfach wieder an und improvisierte weiter.
»Wenn du die aber nicht riechen kannst, wird’s schwer, die ausmachen. Kannst auch einfach fragen, aber ob dir da wer antwortet. Hm. Glaub nicht. Hab gehört, dass Werwölfe hier nicht so die beliebtesten sind. Gab’s wohl irgendeinen Vorfall oder so.«
Okay, jetzt fühlten sie sich wie Millionen Sätze an und Benedict empfand eine Art Scham, so viel gesagt zu haben, weshalb er abrupt wieder aufhörte und die Lippen aufeinanderpresste. Kurz spionierte er zu seiner Gegenüber, ließ jedoch genauso schnell wieder ab, als sich ihre Augen trafen.


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Sie starrte ihn fast schon an, wie ein Raubtier, dass seine Beute nicht aus den Augen verlieren wollte, kaum dass sie ihn skizziert hatte. Es war richtig gewesen ihn nicht aus den Augen zu verlieren, denn mit dem Fallen seines Namens entglitten ihm fast die Gesichtszüge, ganz zu schweigen von der aufsteigenden Röte. Erwischt., dachte sie sich in diesem Augenblick, schloss jedoch damit auch aus, dass er ein Werwolf war. Seine Reaktion wäre ansonsten sehr spät ausgefallen und so einen langsamen Eindruck machte der Schüler nicht. Die Aufsteigende Panik, die sie in seinen Augen sah, veranlasste ihre Mundwinkel dazu amüsiert zu zucken, bevor sie den Kopf leicht schief legte. Eine Haltung die suggerieren sollte, dass sie angreifbar war - offenbar konnten andere Personen in falscher Sicherheit gewogen werden, laut der Lektüre zur Körpersprache, die sie in Zeiten der Schlaflosigkeit in wenigen Nächten verschlungen hatte.
Serah kam sich nicht angreifbar vor, Ganz im Gegenteil. Viel eher fühlte es sich so an, als wäre sie diejenigen, die die Fäden zog und Benedict wäre nur die Marionette, die zu ihrer Unterhaltung zappeln musste. Ihr Blick ließ nicht von dem Schüler ab, während sie beiläufig ihre Gedanken zu ihm und sein Verhalten stichpunktartig notierte - daraus machte sie kein Geheimnis, wollte er es lesen, hätte er nur kurz darauf schauen müssen. Reagierte er immer so deutlich auf das was sie sagte oder behauptete, wäre es einiges zu merken gewesen, weshalb sie sich für die einfache Variante entschied: mitschreiben. Im schlimmsten Fall sprang er ihr an den Kragen und würde sich mit ihr Streiten - aber dafür wäre sie sich nicht zu schade gewesen. So käme die Dämonin dann doch zum Sport - hierbei war sie ganz pragmatisch.

Stotternd suchte er nach Worten und wurde sofort abweisend, den coolen spielend. Nichts, das sie abhalten würde ihn weiter auszuquetschen - solange bis die Schreckschraube von Bibliothekarin sie mit Büchern malträtierte, weil sie zu laut waren. Außer den Beiden war sonst niemand in der Bibliothek, weshalb sie die Regeln am liebsten ignoriert hätte - aber vermutlich laß die alte Frau wieder irgendeinen erotischen Hausfrauenroman auf den sie sich konzentrieren musste. Es schüttelte sie bei dem Gedanken daran kurz, bevor sie sich wieder ihrem Gegenüber widmete.
Er war also davon überzeugt, dass sie eine Schraube locker hatte - so seine Worte, allerdings scheiterte der Blondschopf daran es ihr glaubhaft zu vermitteln, da seine Stimme gegen Ende an Kraft verlor. Er war also ein schlechter Lügner - seinem vorangegangen Verhalten nach vermutete Serah eine gewisse Unsicherheit, aber sie war keine Psychologin um sich damit auseinander zu setzen, obgleich ihre Fragen wie die einer klangen. „Wieso ist die das wichtig?“, erwiderte sie auf seine Frage und ließ den Stift fallen. „Glauben das alle, muss ich mich auch mit niemandem herumschlagen, der Nerven könnte. Wie ich dich jetzt gerade.“ Eine völlig willkürliche Behauptung, die sie in den Raum stellte - aber an seiner Stelle wäre es ihr so ergangen, schließlich störte sie ihn beim Lernen. Viel mehr: sie drängte sich auf. Benedict wirkte jedoch nicht großartig verärgert oder genervt, daher konnte sie sich wohl glücklich schätzen - das deutete immer auf gute Chancen hin etwas herauszufinden, obwohl er ihr im Augenblick das Offensichtliche vor Augen hielt. „Daran hab ich noch gar nicht gedacht!“ Sarkasmus war deutlich aus ihrer Stimme herauszuhören, bevor sie amüsiert lächelte. Hatte sie ihn so unerwartet erwischt oder dachte er nur nicht über seine Worte nach?

Die Schülerin ging nicht weiter darauf ein, horchte dafür auf, als er zu erst erwiderte kein Werwolf zu sein und ihr im Anschluss den Rat gab sich in der Mondklasse umzusehen. Seine Begründung dafür klang völlig an den Haaren herbeigezogen und mehr wie eine Ausrede, das hätte sie ihm am liebsten auch gesagt - jedoch kam ein Schwall an Worten und Informationen aus ihm heraus, dass sie ihn nicht unterbrechen wollte. Ihm nichts aus der Nase ziehen zu müssen machte ihr die Arbeit definitiv leichter, auch wenn sie bislang noch nichts aufgreifen konnte, das im Vortrag nützlich gewesen wäre - da würde sie später sich noch etwas zusammen reimen müssen. „Weißt du genaueres über den Vorfall?“ Die Ereignisse aus dieser Nacht interessierten sie brennend, weshalb sie in ihrer Neugierde einen Stuhl weiterrückte, ihn erwartungsvoll ansehend. Sie erwartete Nervosität, die sie ihm jedoch nehmen wollte - nicht aus Mitleid, sondern Aufregung ließ oftmals wichtiges in Vergessenheit geraten. War Benedict damals dabei gewesen, wäre alles, was er nun sagen würde, von Bedeutung gewesen. Sie wollte alle Details, ganz gleich wie unschön sie waren. Ihre Fähigkeiten mit Fakten etwas Brauchbares zu schaffen waren beeindruckend, ihr Umgang mit anderen Personen jedoch nicht, weshalb sie auf subtile Art versuchte ihn zu beruhigen. „Bist du nervös?“ Gleich mit der Tür ins Haus zu fallen war die einfachste und ihr Bekannte Variante - so gab sie ihm direkt zu verstehen, dass es keinen Sinn hatte irgendetwas vorzuspielen. Ihre Frage war sinnlos, sein Verhalten beantwortete ihr diese - zusammengepresste Lippen zeugten nicht davon, dass der Junge wohl ein wasserfallartiger Gesprächspartner war.

Serah spürte zwischenzeitlich immer wieder die stechenden Blicke der alten Hexe, die sie auszublenden versuchte. Das noch nichts nach ihr geworfen wurde, grenzte wohl an Glück. Vielleicht half es genauso salopp zu sprechen wie er - im Vergleich zu ihr sprach Benedict recht zwanglos. Wäre sie nicht derart von der eigenen Perfektion überzeugt, hätte sie möglicher Weise geglaubt zu steif zu sein. Sie versuchte es auf seine Art. „Mach dich mal locker!“, das fühlte sich komisch an, vor allem weil sie es kaum so hinbekam. Sie gab ihm - unbeholfen - einen sanften Klaps auf die Schulter, das taten zumindest die Jungs-Cliquen in Magazinen. „Hast du Angst vor 'nem Mädel oder was?“ Bei ihr Klang es definitiv alles andere als natürlich, so dass sie es direkt wieder bleiben ließ - am Ende glaubte er wirklich, dass sie eine Schrauber locker hatte. Nicht, dass es sie interessierte. „Ich will nur den Vortrag vorbereiten, daher sind mir Details zu dem Vorfall wichtig. Kein Grund panisch zu werden... außer es liegen Traumata vor.“ Über die Folgen der Überlebenden hatte sie noch nicht nachgedacht - erklärte jedoch wieso viele nicht darüber sprachen. Vielleicht musste sie mehr Überzeugungsarbeit leisten - sein hölzerner Ausdruck kam ihr da nur gelegen. „Vielleicht kann ich dir ja auch helfen?“, flüsterte sie fast schon zaghaft, ihre Hand behutsam auf seinem Knie platzierend - abgefunden mit einem - so glaubte sie doch - unschuldigem Wimpernschlag. Oftmals reichte schon leichter Körperkontakt um Jungs breitzuschlagen. Es wäre nicht das erste Mal, wenn sie so ihren Willen durchsetzte. Benedict machte keinen undurchdringbaren Eindruck - es musste klappen! Ihr erwartungsvoller Blick war dabei einem weichen Lächeln gewichen. Wehe, das ging schief.


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Er fühlte sich sooo, sooo, soooooo dumm. Und sie machte absolut keinen Hehl daraus, ihm zu zeigen, dass sie es auch dachte. Zumindest wertete Benedict ihre Gegenfrage und ihren Sarkasmus in diese Richtung. Was hatte er sich nur dabei gedacht, so eine dumme Erklärung bezüglich der Mondklasse und wo man Werwölfe finden konnte, rauszuhauen? Benedict verstand es nicht. Keine fünf Sekunden waren seine Worte alt und schon verstand er nicht, wie sie es über seine Zunge geschafft hatten. Pure Dummheit hatte ihnen den nötigen Tritt gegeben, damit sie herausfielen und sich vor Kaugummi lächerlich machten … ihn vor ihr lächerlich machten. Einerseits fühlten sich ihre Worte anklagend an. Ihren verbalen Finger spürte er pochend auf seiner Brust und ließ sich von diesem immer weiter in die Defensive drücken. Andererseits war da auch dieser Zug an seinem Kragen, nachdem sie sich mit einem einfachen sarkastischen Satz über ihn lustig gemacht hatte. War es Niederschlag und Herausforderung zugleich? Benedict verstand sie nicht. Vor allem aber verstand er sie nicht, weil sie sich ihm so selbstsicher behauptete. Er dagegen musste mit seinen eigenen Einbrüchen und Ausbrüchen kämpfen, zeigte dabei sicherlich einen lächerlichen Anblick. Wer ist die nur?, stieg es ihm wieder in den Kopf. Dieses Mal fragte er jedoch nicht, weil er wissen wollte, wie ihr Name war, sondern weil er sich wunderte, was sie ritt, so auf ihn zuzugehen. Vielleicht hatte er sie ja unbewusst verärgert und sie zahlte es ihm nun indirekt heim. Oder aber sie gehörte zu dieser Sorte, die gerne nervöse Jungs ärgerte. Vielleicht war es das aber auch nicht und Benedict wäre gut damit beraten, sich einfach nur die Haare zu raufen.
Am Ende grummelte er nur vor sich her und bemerkte dabei, wie sie etwas auf Papier kritzelte. Schreibt die etwa, während sie mich massakriert? Und was überhaupt? Aber nachschauen wollte er auch nicht. Das traute er sich nicht, so sehr hatte sie ihn eingeschüchtert. Und als ihm dieser Umstand bewusstwurde, stieg Wut in ihm auf. Es war nicht so viel, dass sie äußerlich sichtbar wurde, noch in seinen Worten mitklang. Sie tauchte einfach nur auf, wurde schrittweise mehr und beeinflusste den Nazaire hinterhältig.

Zum Unglück wurde es mit fortschreitenden Sekunden kein bisschen besser. Nicht nur sein emotionales Level entschärfte sich nicht. Auch seine Gesprächspartnerin – wenn man sie denn so nennen konnte – ließ nicht locker. Das einzig Glückliche für Benedict konnte sein, dass sie bei dem Vorfall mit den Werwölfen nachhakte. Warum war das gut so? Weil Benedict nahezu keine Ahnung davon hatte. Er konnte also getrost sagen, dass er keine Ahnung hatte. Doch während er in seiner grummeligen Art darüber nachdachte und sogar schon antworten wollte, kamen schon die nächsten Worte über Kaugummis Lippen.

What?!

Nun hatte sie ihn wirklich eiskalt erwischt. Nicht dass er sich bei irgendwas erwischt fühlte, auch wenn es Sinn ergeben hätte. Es war mehr ein plötzlicher Unglaube, der ihn zum einen sprachlos machte und zum anderen nahezu reaktionslos. Das einzige, was er aufbrachte, waren zwei weit geöffnete Augen. Kann die Gedanken lesen?, musste er sich unweigerlich fragen und musterte sie erstmal schmaläugig. Zum Test dachte er daran, sie in ein Fass voll Pudding stopfen zu wollen, weil er noch nie Kaugummi-Pudding gegessen hatte. Doch selbst nach der dritten Wiederholung zeigte sie keine passende Reaktion. Gedankenlesen war also doch nicht ihre versteckte Fähigkeit. Waren es also nur haltloses Selbstbewusstsein und den Finger zielgenau Wunden stecken zu können.
Natürlich war er nervös, aber so richtig. Sie machte ihn aber auch total wirsch mit ihrer Art, was ihn eigentlich verschrecken sollte, aber irgendwie … argh!!! … dieses Mädel war seltsam. Total seltsam. Sie kam ihm aufmüpfig, ungeniert und irgendwie weltfremd vor, so wie sie sprach und schaute. Doch vor allem die ersten beiden Adjektive wollte Benedict für gewöhnlich für sich behaupten. Wenn sie ein männlicher Kaugummi wäre, Benedict hätte sich ganz anders verhalten. Doch sie musste ja unbedingt ein Mädchen sein. Warum zur Hölle muss sie ein Mädchen sein?, schrie der Nazaire innerlich, ohne darauf von einer göttlichen Stimme eine Antwort zu bekommen. Die Frage war aber auch ohnehin vollkommen unsinnig, weshalb Benedict froh sein konnte, sie nicht laut herausgeschrien zu haben.

Ohne dem Blondschopf die Möglichkeit zum Sammeln und Verschnaufen zu geben, brachte Kaugummi direkt den nächsten Hammer: Locker werden sollte er. Und das sagte sie, während sie ihren Blick wie mit gierigen Greifhaken an ihn heftete und so absolut gar nicht selbst locker wirkte. Anspannung oder Nervosität konnte Benedict zwar auch nicht erkennen, aber auf alle Fälle war sie ihm kein passendes Vorbild. Die Königskrone setzte sie dem Ganzen mit dem plötzlichen Klaps auf seine Schulter auf. Benedict hatte schon misstrauisch beäugt, wie sie näher herangerückt war. Nun zeigte sich, dass sie dadurch in der Lage zu solchen hinterhältigen Angriffen war.
Stumm zuckte Benedict zusammen, als er den Klaps spürte. Sollte ihm das helfen? Dachte sie eigentlich mal nach? Wer wurde denn lockerer, wenn ein Mädel ihm auf die Schulter klopfte und meinte, er solle mal lockerer werden? Selbst wenn es die hässliche Schachtel da drüben gewesen wäre, hätte es nicht geholfen. Bei einem scharfen, jungen Gestell war es dann noch schlimmer.
Übrigens konnte sich Benedict eine seiner jüngsten Fragen direkt selbst beantworten. Mit ihrem konkurrenzlosen Talent, den Finger in brennende Wunden zu stecken, sprach sie eine seiner größten Schwächen an: Mädels. Selbstverständlich hatte er keine Angst vor denen, aber mit ihnen umgehen konnte er auch nicht. Im Grunde traf sie also direkt ins Schwarze … vielleicht auch nur an den Rand des Schwarzen … zu viel Treffsicherheit wollte Benedict ihr dann doch nicht einräumen, weil es sein Stolz und sein Frust in Personalunion verboten.

Wer dachte, dass an dieser Stelle das Finale abgeschlossen war, der hatte nicht bedacht, dass in den besonders fiesen Spielen nach dem vermeidlichen Oberbösewicht der Oberoberbösewicht folgte und einem direkt alle Leben wegratzte. Eben noch eindringlich und fordernd, ihn mit seinen größten Problemen konfrontierend … wollte sie sich plötzlich und beschwichtigend erklären, schob den Vortrag wieder ins Rampenlicht, an dem sie allein Interesse hatte. Außerdem hatte sie sein Zusammenzucken wohl als kleine Panikattacke gewertet, weshalb sie ihm zusätzlich sagte, nicht panisch werden zu brauchen, insofern er unter keinem Trauma litt. Dabei überlegte er kurz, ob sich nicht gerade jetzt ein neues Trauma bildete. Dann hätte er auch endlich eines in Verbindung mit einem Mädchen und konnte dem Schulpsychologen sagen, dass alles ihre schuld war. Ihre ganz allein. Doch – verdammt nochmal – er kannte nicht mal ihren Namen. Wie sollte er sie so verfluchen oder anschwärzen? Was war das nur für eine abgrundtief böse Welt …

In dieser letzten Dunkelheit versinkend, spürte er plötzlich eine zaghafte Berührung auf seinem Knie. Ein wohliges Gefühl machte sich von dort aus und schoss ihm durch den gesamten Körper. Auf einmal wurde sein Gemüt auch wieder ruhiger. Erstmals seit Kaugummis Auftauchen, verspürte er wieder Entspannung …
Das ganze dauerte in der Realität nur eine Sekunde. Danach wurde aus der angenehmen Wärme ein brennender Stich. Benedict schaute an sich herab, sah Kaugummis Geste und schreckte im nächsten Moment bereits quiekend auf – männlich quiekend natürlich. Noch bevor er verarbeiten konnte, was er unterbewusst getan hatte, flog schon ein dickes Lineal quer durch den Raum und landete zielsicher mit ordentlich Wumms an seiner Stirn.
Es schmerzte, keine Frage; und Benedict wusste genau, in welche Richtung er schauen musste. Mit ausgestrecktem Arm und blitzenden Augen starrte ihn die Bibliothekarin eindringlich an. Sie brauchte nichts sagen. Er wusste genau, was sie von ihm wollte … bzw. was sie nicht von ihm wollte. Lärm wollte sie nicht. Ruhe wollte sie.
Benedict hatte es übrigens direkt wieder auf seinen Stuhl befördert, wo er sich kurz noch die schmerzende Stirn hielt. Danach schaute er schon grimmig Kaugummi an.
»Ey, was sollte das denn? Damit hilfst du mir ganz sicher nicht!«, maulte er flüsternd drauf los. »Ich tatsch dich auch nicht einfach an.« Und als hätte sie es nicht anders verstanden, drückte er kurz mit zwei Fingern auf eines ihrer Knie, wo sie ihn eben erst berührt hatte. »So!«
Plötzlich bemerkend, was er getan hatte, dass er einfach so ein Mädchen berührt hatte, stieg ihm schlagartig die Röte in die Wangen und drohte, sein gesamtes Gesicht zu überfluten. Das Kinn leicht hebend wandte er den Blick sofort ab, um sich nicht noch mehr die Blöße zu geben. Missmutig verzog er die Miene und verschränkte die Arme vor der Brust.
»Und ich hab auch keine Ahnung von dem Vorfall. Bin noch nicht so lange hier und hab mit niemandem darüber gesprochen. Hab nur hin und wieder was aufgeschnappt, mehr nicht. Nix besonderes und nix detailliertes.« Sie konnte also darauf verzichten, ihn zu dem Thema zu löchern. Er würde ihr nichts sagen können. Wenn sie was wissen wollte, musste sie sich also wen anders suchen. Wie wäre es mit einem Werwolf? Davon gibt’s bestimmt einige in der Mondklasse, weil … Ach ne … Benedict hätte sich fast selbst mit derselben Sache zwei Mal verarscht.

»Und ja«, wurde er nun plötzlich kleinlaut. Die Anspannung wich aus seinen Gesichtszügen und seinen Armen. Der strenge Griff seiner Hände lockerte sich. Seine gesamte Haltung sackte etwas zusammen, während er sprach. »ich hab Probleme mit Mädels. Aber keine Angst!« Sein Blick wirbelte zu ihr herum, wirkte streng und flehend zugleich, sodass man nicht wusste, ob er Akzeptanz verlangte oder darum bettelte. »Verstanden?«, setzte er nochmal nach. »Vor allem mit dir hab‘ ich Probleme«, gab er ungeniert zu, machte nun sogar wieder einen sichereren Eindruck. »Weiß nicht, wie du dich so sicher geben kannst. Kommst hier rein, fragst nach Werwölfen. Dann starrst du mich an und willst irgendwas von mir wissen. Und glaub mir, dein Blick ist wie ein Amboss, der auf einem liegt. Wie soll man da denn locker werden? Und auch … auch …« Er wedelte mit dem Finger in Richtung ihrer Hand. »… auch damit hilfst du nicht …«
Stückweise wurde Benedict bewusst, wie sehr er plötzlich von seinem Inneren plauderte, als wäre er die verkürzte Hörbuchversion eines dicken Schmökers. Mit ihrer unnatürlichen und eindringlichen Art hatte sie ihn irgendwie getriggert, wenn auch er sich immer noch wie ein Schlappschwanz vorkam, so wie er hier wackelte.


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Würde sich nicht sehen, wie er atmete hätte sie glatt geglaubt, das er erstarrt war. Lag es an ihrem Versuch seinen Jargon nachzumachen? In diesem Fall konnte sie ihm keine Vorwürfe machen, immerhin war selbst sie nicht über die eigene Darbietung überzeugt - wer darauf reinfiel, musste schon ziemlich blind und taub sein. Traf beides nicht auf den Schüler zu - vielleicht arbeitete er auch Schweigend eine Taktik aus, um ihr die Aufdringlichkeit heimzuzahlen. Konnte, ihrer Meinung nach, jedoch nicht sein, denn diejenigen, denen sie ihre Aufmerksamkeit schenkte, konnten sich darüber glücklich schätzen, dass sie sich überhaupt dazu herabließ. Im Augenblick verfolgt die Dämonin damit nur ein Ziel, Informationen aus ihm locken, weshalb sie ihn um den Finger wickeln wollte - aber alle Versuche zeigten nicht die von ihr gewünschte Wirkung. Serah wollte, dass er sich entspannte, um endlich seinen Redefluss zu lösen - denn nur so konnte sie etwas in Erfahrung bringen, aber ihre Worte ließen ihn stutzig werden und spätestens als sie den Körperkontakt suchte, bemerkte sie deutlich, dass sie eine Grenze überschritt. In ihren Gedanken spielte sie seine Reaktion dabei immer wieder ab, teilweise verlangsamt um sich seinen Gesichtsausdruck einprägen zu können, denn so etwas hatte sie noch nicht gesehen - zumindest in Bezug auf sie. Bei ekelhaften Tierchen reagierte sie sicher ähnlich, aber doch nicht bei jemanden wie der Kusanagi? Wie von der Tarantel gestochen sprang Benedict auf und... quiekte? Verdutzt darüber blinzelte die Dämonin verwirrt, bevor ihr das einzige - was sie mit solchen Lauten assoziierte - in den Kopf Schoß. Er klang wie ein Meerschweinchen!

Auf diese Weise konnte sie zumindest - neben dem fehlenden Blutschwall - ausschließen, das er sich vor Schock die Zunge abgebissen hatte. Das hätte eine Sauerei gegeben und vermutlich etliche Verfluchungen durch die Bibliothekarin, deren Blick sie wie ein brennendes Stechen in ihrem Rücken spürte. Sie wollte ursprünglich aufstehen und ihn beruhigen - wenngleich mehr Berührungen vermutlich zu mehr Hektik geführt hätten - doch noch bevor sie sich im Stillen die passenden Worte dafür zurücklegte, bemerkte sie nur im Augenwinkel, wie etwas an ihre vorbeiflog.
Es klatschte zwei Mal laut. Das erste Mal, als das Lineal mit voller Wucht die Stirn ihres Mitschülers traf und das zweite Mal als dieses dann zu Boden fiel. Serah presste sich die Finger auf die Lippen, um nicht aufzulachen - dabei meinte sie das nicht einmal böse, denn sie konnte den Schmerz förmlich spüren, sonst wäre der Aufprall nicht SO laut gewesen. Sie musste nur über ihre eigene Einschätzung zur Bibliothekarin lachen. Jeder wusste, dass sie nicht unbedingt die freundlichste und jüngste war, aber für so geschickt und zielsicher hätte sie vermutlich niemand gehalten. Allerdings war nun klar, weshalb sich die Schüler an die Regeln hielten. Sie wollte nicht in Gefahr laufen ebenfalls mit irgendetwas beworfen zu werden, wer wusste schon was sich in den Schubladen nicht ihres Tisches verbarg, weshalb Serah sitzen blieb und darauf wartete, dass er sich wieder zu ihr setzte. Jetzt noch etwas in Erfahrung zu bringen dürfte schwer fallen, immerhin hatte die alte Hexe die Stimmung gänzlich ins Negative gekippt - wieso konnte sie auch nicht weiterhin wie eine Schlange vor sich hin zischen, um für Ruhe zu Sorgen?!

Gleichzeitig fand sie seine Reaktion völlig überzogen - was musste er auch aufspringen? Welche normale Person tat das? Wäre er sitzen geblieben, hätte er auch keine Bekanntschaft mit den Büroartikeln der Bibliothekarin machen müssen, davon war sie fest überzeugt. Anderseits warf dies weitere Fragen auf: Was zum Teufel veranlasste ihn zu solchen Reaktionen? Serah sprach zwar von Traumata durch den Werwolfsangriff, aber hatte offensichtlich irgendetwas mit Frauen durchlebt, anders konnte sie sich das nicht erklären. Er war verärgert, das zeigte der Schüler deutlich, aber das war in diesem Moment zweitrangig - sie betrachtete seine Stirn, deren Farbe zunehmend der einer reifen Tomate ähnelte. Müsste sie nicht um Ärger fürchten, hätte sie der alten Frau ihren Respekt gezollt.
Sein Maulen - das geflüstert eher dem unzufriedenen Jaulen eines Hundes glich - veranlasste sie dazu ihren Blick auf seine Augen zu senken und nicht weiterhin auf seine Stirn zu starren. Selbstverständlich war er wütend, aber dafür trug sie keine Schuld und Serah war bereit das gerne mit ihm zu diskutieren, als er es jedoch ihr gleich tat und kurz ihr Knie berührte, hielt sie inne. Klar, er wollte es ihr auf die gleiche Art und Weise heimzahlen, jedoch gab es nichts mehr, was sie hasste, als ungefragt angefasst zu werden. Es spielte nicht einmal eine Rolle, wie flüchtig oder kurz die Berührung erfolgte. In ihrem Gesicht rührte sich kein Muskel, aber innerlich wiederholte sie immer wieder den selben Satz. Ich werde nicht ausrasten. Ich werde nicht ausrasten. Ich werde nicht... Dementsprechend seufzte sie kurz, wieder halbwegs gefasst sich in ihrem Stuhl zurücklehnend.

Konzentriert sich ruhig zu verhalten, bemerkte sie die Rötung in seinem Gesicht nicht, eher sich ihr wieder zuwandte. Benedict wusste nichts über den Vorfall - wäre auch zu einfach gewesen, dennoch nahm sie sich Notizbuch und Stift, um das eben passierte aufzuschreiben. Daraus machte die Kusanagi auch kein Geheimnis, denn nach diesem Linealvorfall würde er definitiv nicht noch einmal laut werden. Trotzdem erreichte sie ihr Ziel, obwohl sie nicht mehr damit rechnete: seine Zunge war gelöst. Er bestätigte ihre Vermutung und gab seine Unsicherheit, als solche empfand die Dämonin es, ihr gegenüber zu. Es ausgesprochen zu hören, war noch etwas anderes und fühlte sich nach Bestätigung an - Bestätigung, dass sie mit anderen spielen konnte. Strichpunkt nach Strichpunkt folgte: hat Probleme mit Mädchen, mag es nicht angefasst zu werden...
Ohne jede Hektik oder Motivation sich zu beeilen, notierte sie ihre Beobachtungen seelenruhig, bevor sie ihren Stift ablegte. Ein zufriedenes Lächeln schlich sich auf ihre Lippen, als sie ihn ansah. Ihr Blick wirkte also wie ein Amboss - das nahm sie als Kompliment auf und freute sich darüber, obwohl er es mit Sicherheit nicht so meinte. „Schade, dann muss ich wohl doch Bücher wälzen.“ Als hätte sie es nicht auch ohne seine unzufriedensstellende Antwort vorgehabt.

Der Beitrag zum Unterricht würde entsprechend trocken ausfallen und etwas Schwung durch die Reaktion des Schülers mit der Hornbrille bekommen - besser ging es nicht, wenn jeder zu dem Thema schwieg. Ärgerlich.
Serah befasste sich auch nicht mehr weiter damit, interessanter war ihr Mitschüler geworden. „Oh, ich weiß, dass du ein Problem mit mir hast.“, meinte sie und legte den Kopf schief. Das Lächeln wich für einen kurzen Augenblick einem Grinsen, bevor dieses wieder verschwand. „Mich trifft jedoch keine Schuld. Ich wollte dir nur helfen!“ Die Dämonin beteuerte es zwar, aber er hatte sie wahrscheinlich bereits durchschaut. „Du hast mein Interesse geweckt.“, gab sie ehrlich zu, um zu sehen wie er reagierte, bevor sie fortfuhr. „Ich weiß, wie ich auf andere wirke, aber so eine Reaktion habe ich zuvor noch nie gesehen.“ Aus diesem Grund wollte sie noch mehr darüber wissen und ungeniert nachzufragen, bereitete ihr keine Schwierigkeiten. „Was ist dein Problem mit Mädchen?“ Nachdem er offensichtlich dazu bereit war ein bisschen zu Plaudern, stellte sie keine weiteren Versuche an irgendetwas aus ihm entlocken zu wollen, das führte immer zu etwas anderen, als das sie sich erhoffte. Außerdem wollte sie kein Verbot fürchten - woher sollte sie sich sonst Bücher holen, ohne dafür zahlen zu müssen? „Hätte ich gewusst, dass du so reagierst“ Sie lehnte sich zu ihm rüber „und sie noch so gut zielen kann, hätte ich dich nicht berührt.“ Dadurch wäre ihr zwar dann das ganze Spektakel entgangen, aber er wäre wesentlich entspannter gewesen. Auf Groll konnte sie momentan verzichten. „Kannst du dann überhaupt unter Mädchen sein, wenn es nicht gerade der Unterricht ist?“ Eine Frage folgt der anderen - sie war wirklich neugierig geworden. „Was wirst du beim Ball morgen tun? Quiekend wegrennen, wenn jemand auf dich zu kommt?“ Die Vorstellung war durchaus lustig, weshalb sie diese überhaupt erwähnte - würde er nämlich genauso handeln, dann war ihr Lachen garantiert, aber die Schülerin wollte nur eine ehrliche Antwort. Sie konnte es sich nicht vorstellen, wie sich jemand mit so einem Problem - was genau es nun auch war - fühlte. Im Unterricht war selbst immer recht unauffällig gewesen, weshalb sie seinen Namen nur flüchtig kannte - oder sie blendete schlichtweg alles und jeden aus, wenn es darum ging. Er war ihr nur heute aufgefallen, dabei jedoch weder negativ noch positiv - er war einfach... laut und ungehalten.


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Nicht nur, dass es Benedict total peinlich war, über seine Schwäche gegenüber Mädchen gesprochen zu haben, er fühlte sich auch vollkommen unwohl und unruhig, was sie nun damit machen würde. Normalerweise müsste sie diese Information nun nehmen, ihn auslachen und ihn damit aufziehen, wann immer sie die Chance dazu hatte. Welcher Kerl war schon cool, wenn er unfähig war, mit Mädels zu sprechen? Natürlich keiner. Das war so eins der Grundkriterien für einen Loser. Früher hatte Benedict das meist mit Hampeleien, Gemecker, vorgetäuschter Arroganz oder gar Beleidigungen überspielen können. Doch hier auf der Insel fühlte er sich nicht mehr so routiniert wie beispielsweise in Philly, seiner wahren Heimat. Auf der anderen Seite hatte er in der Schule hier noch nicht erlebt, wie jemand gehänselt wurde. Als würde das hier niemand kennen. Es war so seltsam, dass er es schon verdächtig empfand. Ganz und gar nicht existent … das ging nicht, das konnte nicht sein. Es musste also deutlich geheimer stattfinden, als es in der Menschenwelt stattfand. Anders konnte es Benedict nicht glauben.

Aber zurück zu Kaugummi … leckerer Kaugummi … aber das nur unter uns und Benedict. Wenn er zu lange von ihr angestarrt wurde, stieg ihm die leichte Röte immer automatisch in die Wangen. Damit würde er wohl nie zurechtkommen. Da konnte er noch so alt und erfahren werden, den starrenden Blick eines Mädels mit Coolness zu kontern, würde nie zu seinen Stärken gehören – nie, nie, nie.
Und statt ihn nun auszulachen, meinte sie erst nur, dass sie wusste, dass er ein Problem mit ihr hatte. Gut, es hatte sich auch offensichtlich abgezeichnet. Sein Verhalten musste unmissverständlich gewesen sein – selbst für sie. Aber beruhigen konnte sich der Nazaire deswegen nicht. Es ließ die Last auf seinen Nerven kein bisschen schrumpfen. Ganz im Gegenteil. Als sie plötzlich behauptete, sie würde keine Schuld treffen, wurde das Gewicht sogar noch schwerer. Benedict verstand nicht, wie sie da jetzt drauf kam. Zuerst stimmte sie ihm zu, dass er ein Problem mit ihr hatte, dann jedoch verneinte sie, dass sie daran schuld war. Aber wenn … und dann … und … Aaaaargh! Benedict wollte sich nicht nur innerlich die Haare raufen, am liebsten auch äußerlich. Und er verstand sie einfach nicht. Kein bisschen. Nicht mal im Ansatz. Mädchen waren ohnehin undurchschaubar, doch dieses Exemplar hier musste eine Königin der weiblichen Rasse sein, so gut beherrschte sie diese verwirrende Fähigkeit.

Aber hey, wie schon so oft an diesem scheidenden Tag schaffte sie es, nochmal eine Ladung draufzupacken und Benedict zu überraschen, wo er eigentlich dachte, dass es nicht mehr schlimmer werden konnte … Er hatte ihr Interesse geweckt. Ich hab … what the … Das geht doch gar nicht! Ich mein … häääääää … was geht nur mit der ab und … wow
Benedict hatte keine Ahnung, wie sie das machte. Sie musste irgendein krankes Genie sein, in deren Hände jeder Verstand zu weicher Butter wurde. Wenn sie wusste, wie sie auf andere reagierte, dann hätte sie sowas verdammt noch mal lassen müssen. Wer ging denn schon auf Leute zu und stieß die vor den Kopf, obwohl man wusste, dass genau das passieren würde? Gröbste Fahrlässigkeit, die es gab, wenn nicht sogar schon Vorsatz. Und doch … ja … Benedict war auch so einer – zumindest bisher. Er wusste, wie er mit seiner raufenden Art bei anderen ankam und dass er damit nichts an seiner Einzelgängerrolle änderte, sie nur noch verstärkte. Doch trotzdem änderte er nichts an seinem Verhalten. Genau beschreiben, warum, konnte er nicht. War ihm zu kompliziert und er war auch kein Psychotherapeut, der ihn bis ins tiefste Detail verstehen musste. Benedict wollte sich nicht verstehen, so abstrus das auch klingen mochte.
Und Kaugummi wollte er auch nicht verstehen, trotz der Tatsache dass sie ihn so viele Fragen in den Kopf gezaubert hatte wie lange keiner mehr.

Natürlich wollte sie wissen, was sein Problem mit Mädchen war. Warum auch nicht? Sie sah eine klaffende Wunde und kramte ungeniert mit dem Finger in dieser. So was tat nicht weh. Ach … niiiiemals. Nur leider saß Benedict da und wusste nicht, was er darauf sagen sollte. Noch nie hatte er erlebt, dass ihn jemand so unnachgiebig gebohrt hatte. Normalerweise hatten die anderen bereits das Interesse verloren oder waren von ihm angepisst. Besonders wenn sie merkten, dass er Probleme hatte, mit ihnen umzugehen, ging es entweder in die aggressive oder die ignorante Richtung. Also wieder ein Argument dafür, dass dieses Mädchen nicht normal war.
Schön, dass sie ihn nicht plötzlich angetatscht hätte, wenn sie vorher gewusst hätte, wie er reagiert. Klar, konnte sie nicht wissen, weil er es ihr nicht gesagt hatte. Aber er sagte anderen auch nicht, dass er nicht starb, wenn man ihm etwas in den Bauch rammte. Trotzdem versuchte es niemand … zumindest nicht oft. Von daher … sie konnte doch nicht einfach herumtatschen und sich damit rausreden, dass sie nicht geahnt hatte, wie der andere darauf reagiert.
Aber bevor Benedict sie deshalb anprangern konnte, lenkte sie das Gespräch zurück zu seinem Mädchenproblem und ihrer Wissensgier, warum er dieses besaß. Das Sahnehäubchen war am Ende noch, was er beim anstehenden Ball machen würde und ob er da quiekend wegrennen würde. Jetzt macht sie sich aber über mich lustig, oder?

Benedict war etwas zurückgewichen mit seinem Oberkörper, nachdem Kaugummi sich ihm wiederum genähert hatte. Ein wenig wie das gejagte Vieh vorkommend, drängte sie ihn abermals in die Defensive. Entsprechend zurückhaltend klang auch seine Stimme. Der allgemeine Flüsterton kam allerdings von der Angst vor dem nächsten Linealtreffer.
»Weiß nicht, es ist einfach so. Ich konnte noch nie so gut mit denen.« Er grummelte etwas. »Weiß gar nicht, warum ich dir das überhaupt erzähle. Normalerweise gehe ich Mädels wie dir aus dem Weg, viel zu nervig. Die meisten interessieren sich aber eh nicht für mich. Wer will schon was von ‘nem peinlichen Kerl, der einen nur anstammelt.« Und nun grummelte er sich selbst an.
»Weißt du eigentlich, wie peinlich das ist, so was zu sagen? Und allein daran zu denken, auf diesem beschissenen Ball aufzutauchen, dreht sich mir schon der Magen um. Ich kann dir sagen, was ich da tun werde: gar nichts! Weil ich da nicht hingehen werde. Hab besseres zu tun.« Das behauptete er jetzt einfach mal. Solange sie ihn nicht fragte, was er denn Besseres zu tun hatte, würde er damit auch kein Problem haben. Sie sollte sich um ihr eigenes Zeug kümmern und was sie selbst auf dem Ball tat, denn anscheinend wollte sie ja dahin. Erste gute Nachricht: Benedict würde ihr im Wohnheim an dem Abend nicht begegnen und eine erneute Ausfragerei befürchten müssen.
»Und außerdem … warum löcherst du mich eigentlich damit? Ich dachte, du wolltest für deine Hausaufgaben recherchieren? Ich bin definitiv kein gutes Thema. Stattdessen kannst du mal irgendwas Peinliches von dir erzählen, damit ich hier nicht alleine total dumm dasitze.«
Klar, ausgleichende Gerechtigkeit; trotzdem empfand er seine Forderung als unglaublich dumm. Als wenn er hier ein Recht auf so was hatte. Wer hackte denn zum Beispiel auf anderen rum und ließ dann auf sich selbst herumhacken? Niemand! Genau …


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