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 O1 - Büro des Direktors

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BeitragThema: O1 - Büro des Direktors   Sa 25 Dez 2010 - 15:45

das Eingangsposting lautete :



Büro des Direktors




Das Büro der Direktion ist im Gegensatz zu den restlichen Räumen der Schule sehr klein, verfügt aber dennoch über aussreichend Möbel. Neben dem Schreibtisch des Direktors befindet sich auch ein weiterer Tisch, auf welchem 2 Bildschirme eines Computers Platz gefunden haben. In der Mitte des Raumes befinden sich ein Tisch und zwei Sitzbänke. So manch vorschriftswidriger Schüler wird hier schonmal gesessen haben, aber auch für Lehrer ist dies ein wichtiger Ort, um bestimmte Dinge mit der Direktion besprechen zu können.



     
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Bernardo
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BeitragThema: Re: O1 - Büro des Direktors   Do 8 März 2018 - 20:54

Zumindest ein Stück weit half es, von jemandem zu hören, dass man nichts hätte tun können oder man sich keine Vorwürfe machen brauchte. In den seltensten Fällen hörten die Menschen dann zwar mit ihrem Selbstzweifel auf – und auch Engel waren da kaum anders -, aber es beruhigte die Seele wenigstens etwas. Und wenn es nur darum ging, seine Gedanken und Gefühle zu teilen, so war es ein menschliches Verlangen. Bernardo würde wohl erst annähernd zufrieden sein, wenn er den Kindern in die Augen schauen und sagen konnte, dass es ihnen – wieder – gutging. Wenn er daran seinen Anteil haben konnte, wäre er umso beruhigter, denn das war seine Chance, Ausgleich zu seinem vergangenen Fehler zu schaffen. »Danke«, sprach er sanft, nachdem Julia versucht hatte, ihm seine Last von der Seele zu schieben.
Es ermutigte ihn, zu hören, dass sie derselben Meinung war und dieselbe Einstellung für die künftigen Wochen in sich führte. Nichts war schlimmer als dazustehen und zu erkennen, dass man der einzige war, der den Gehalt der Lage erkannte und die folgenden Reaktionen, die zu tätigen waren.

Aber Julia hatte auch Recht, dass es vergebens war, sich nun gegenseitig von der eigenen seelischen Last zu erzählen. Sie selbst hatte sich zurückhalten können, dabei hatte Bernardo die Trauer in ihr spüren können. Das sagte ihm nicht nur sein engelhafter Spürsinn sondern auch seine weitreichende Lebenserfahrung, mit deren Augen er die junge Direktorin betrachtet hatte. Man konnte ihr keinen Vorwurf machen, unaufrichtig zu sein, man konnte sie nur loben, in diesem Moment die richtigen Reaktionen gezeigt zu haben. Vielmehr sollte man Bernardo dafür schelten, sich hinzusetzen und erst mal die Atmosphäre zu drücken, nachdem er sie mit kleinen humoristischen Spitzen nach oben drücken wollte. Es war wohl diese seichte Melancholie, die ihn seit seiner Ankunft verfolgte und an seinem Geist herumhangelte wie ein quirliger Lemur. Die Zeit würde den kleinen Quälgeist sicherlich irgendwann aus dem Haus jagen. Bernardo machte sich also keine allzu großen Sorgen. Es zeigte lediglich seine Menschlichkeit, die ihm doch so wichtig war.

Mit dem Themenwechsel zu den anstehenden Unterrichtsstunden schaffte es die Direktorin, den Hünen wieder in seine Verfassung vor der melancholischen Einlage zu befördern. Doch das Ende des Wochenendes war gar nicht mehr so fern und in diesem Büro schien nur eine einsame Frau zu arbeiten. Sicher machte sie einen starken Eindruck, aber in Anbetracht der Umstände und dem Arbeitsaufwand – sicher stand der Stapel auf ihrem Schreibtisch symbolisch – machte sich ein wenig Bedenken im Kopf des Engels breit.
Ferner sprach Julia die neue Lehrkraft an, welche auf Isola erwartet wurde. Vala, nannte er den Namen der gesuchten Frau in Gedanken. Wenn Bernardo ehrlich war, hatte er gar keine neue Nachricht mehr von der Engländerin erhalten. Zwar hatte er sie höchstpersönlich darum gebeten, auf Isola den Posten einer Lehrerin zu bekleiden, aber außer einem Interessenbekenntnis und eine herzliche Zusage an ihn hatte er nichts mehr gehört. Scheinbar hatte sich nach seiner Empfehlung alles von selbst geklärt. Es freute ihn. Zum einen wegen der Unterstützung und zum anderen weil er seine alte Bekanntschaft wiedersehen konnte. Bernardo war gespannt auf ihre Arbeit.

Bernardo nickte seiner Chefin zu, als sie ihm zusicherte, über den aktuellen Stand der Unterrichtsgestaltung Bescheid zu bekommen. Ihre nachfolgenden Worte wiederum erwärmten sein altes Herz. Sie machte ihren Job wirklich gut – allein in diesen wenigen Minuten. Ein Vertrauensverhältnis war immer wichtig. Man musste zeigen, dass man auf den anderen baute und sich seiner Zuarbeit bewusst war bzw. diese schätzte. Und Bernardo war froh, unterstützen zu können.

Als das feminine Knurren die Atmosphäre durchbrach, folgte diesem das Auflachen eines Bären. Vermutlich würden andere vor ihrem Chef nicht eine solche Reaktion zeigen, doch der alte Mann konnte sich in solch eine Rolle kaum noch hineinzwingen. Drum nahm er kein Blatt vor den Mund und amüsierte sich hörbar über die plötzliche Einlage Julias.
»Sagt man nicht: Speise morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettler?« Er lächelte sie tadelnd an. »Es scheint, als hättet ihr es heute verkehrtherum angehen wollen, hm?«
Bernardo lehnte sich zurück und legte die Hände mit der offenen Handfläche nach oben in den Schoß. Die Fingerspitzen berührten sich. »Ihr Geist braucht Kraft, um all die Arbeit abwälzen zu können. Und diese Kraft nimmt er sich von ihrem Körper. Also sollten sie auch ausreichend frühstücken. Nehmen sie das am Besten nicht auf die leichte Schulter. Auch wenn Emotionen einem schnell mal den Hunger rauben können.« Da war wieder diese Großvater-Belehrung, mit der er die Personen in seiner Umgebung nicht harsch kritisieren, sondern sie nur auf den rechten Weg zurückholen wollte. Er sah es selbst als kleinen Schubser an, den jeder irgendwo brauchte, um sich zu besinnen. Viele scheiterten an diesem kleinen Schritt auf Grund von Stress, Trauer, Wut, Stolz, … und verdrängten dann sogar so natürliche Dinge wie das ausgiebige Frühstück am Morgen. Frauen achteten ja auch gerne mal auf ihre Linie, doch wenn Bernardo im Augenwinkel richtig gesehen hatte, war die werte Direktorin eher am Ende eines solchen Programmes statt am Anfang. »Und – zumindest wenn ich von mir spreche – hat ein ausgiebiges, ruhiges Frühstück auch einen großen Erholungswert.«










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BeitragThema: Re: O1 - Büro des Direktors   Fr 9 März 2018 - 17:58

Ihre Worte um dem gerade angereisten Kollegen etwas Mut zuzusprechen, schienen ihre Wirkung zu entfalten. Er sagte nichts dazu, schien es aber durchaus in einem positiven Wege aufzunehmen. Wenn schließlich nicht sie sich von ihrem momentanen Zustand lösen konnte, dann sollte sich, wenigstens ihr Kollege nicht von einem Trauergeist packen lassen. Schließlich war er nicht auf der Insel gewesen. Es war somit außer Frage was er hätte tun können. Dennoch beschäftigte ihn das Thema in seinem inneren wahrscheinlich brennend. Nicht gerade untypisch, wie die Direktorin fand. Allein seine kurz abwesend wirkende Haltung, bevor sie auf den Unterrichtsplan zu sprechen kam, lieferte der aufmerksamen Geschäftsfrau den wohl benötigten Beweis. Über was genau er da allerdings gerade grübelte, das vermochte die Blondine nicht zu sagen. Schließlich konnte sie keine Gedanken lesen. Lediglich einem flüchtigen Blick seinerseits, zu ihrem Schreibtisch, konnte sie ein paar Dinge abgewinnen. Schob diese aber sehr schnell wieder beiseite, weil sie gerade auch nicht großartig von Belang waren. Der Weißhaarige würde schon etwas sagen, sollte ihm etwas in den Sinn kommen.

Die Stimmung änderte sich während des Gespräches erst, als sie ihm aufrichtig und etwas sentimental mitteilte, wie sie sich über seinem Präsenz hier eigentlich freute. Der erste Anflug von einem Nicken, in einem gerade sonst so stillen Gespräch war für sie dann schon Signal genug von ihm. In dieser Situation musste er auch nicht viel sagen, wenn Worte gerade sowieso überflüssig waren. Die Reaktion von Bernardo erfüllte sie in jedem Falle mit Freude. Sie war sich am Anfang, wo er durch diese Bürotür trat, nicht unbedingt sicher gewesen, ob sie auf ihn bauen könnte. Auch wenn das ein ziemlich fieser Gedanke war, für welchen die Direktorin sich gerade auch innerlich rügte. Ihre Erfahrung im Management hinterließ eben auch hier ein paar Spuren. Nun aber schienen alle Zweifel wie von einem großen Besen hinweggefegt. Man konnte deutlich erkennen wie sie sich entspannte, eine auch etwas lockerere Haltung annahm und sich ein deutliches Lächeln auf ihrem Gesicht abbildete. Sie freute sich über seine Bestätigung und das zeigte sie ihm auch offen.

Diese Mimik in ihrem Gesicht hielt sich in dem Aspekt aber nur kurz. Denn ihr Magenknurren brachte sie dazu ihren Blick leicht beschämt von dem Engel abzuwenden. Ihr war das peinlich, aus vielerlei Gründen. Man stelle sich einfach nur einen Raum mit verschiedenen Anzugträgern im 67. Stock eines Turmes aus Glas vor und plötzlich knurrte der Magen der Chefin…laut…für alle hörbar. Das ziemte sich also so gar nicht für eine Bardera. Bernardos lachen machte das Ganze dann noch etwas peinlicher für sie und erwischte sie im Grunde genommen auch ziemlich unvorbereitet. Einen kurzen Moment konnte sie ihr Erstaunen im Gesicht nicht zurückhalten. Doch, auch wenn sie es so nie zugegeben hätte, das Lachen des Engels steckte sie irgendwie an. Es dauerte auch nicht lange und sie stellte den Blickkontakt wieder her. Zwar immer noch etwas beschämt, aber es ging so langsam wieder. Die plötzliche Fröhlichkeit ihres Kollegen machte das ganze etwas erträglicher für sie.

Ihr Gesichtsausdruck musste während der „Belehrung“ auf jeden Fall sehr göttlich anzusehen sein. Man konnte sogar einen ganz kleinen Anflug von kindlicher Aufmüpfigkeit erkennen. Er wirkte fast wie ihr Ernährungsberater oder einer dieser Gurus in diesen „Zen und Frieden“-Gruppen. Zumindest machte er es sich nicht zum Auftrag, sie auf die vegane Seite konvertieren zu wollen. Was schon einmal positiv zu vermerken war.

„Ich weiß nicht was ich dazu sagen soll…“, versuchte sie in einem Anflug spontaner Erklärungsnot anzusetzen um nicht ganz sprachlos dazustehen. Wohlgemerkt erst, nachdem sie die Erklärung mit dem Kaiser, König und Bettler anhören durfte und seine erreichte Endposition auf dem Sofa betrachtete. Übel nahm sie es ihrem Kollegen aber bei weitem nicht. Sie war im Moment sogar etwas amüsiert darüber, so getadelt zu werden. Es folgte ein kurzes, verlegenes Kratzen am Hinterkopf. „Ich muss sagen, dass ich mich jetzt irgendwie etwas schlecht fühle.“. Wenn man gehört hat, wie beinahe Lobpreisend Bernardo über das Essen im generellen gesprochen hatte, dann war es das wirklich. So ein kleines bisschen fühlte sich Julia wie ein belehrtes Kind. „Ich hatte heute Morgen lediglich nicht wirklich die Zeit dazu.“. Rechtfertigte sie sich leicht kleinlaut vor dem Engel, während ihre Hand sich wieder neben die Andere auf dem Tisch platzierte. Obwohl diese Aussage nicht so ganz stimmte. Zeit hatte die Dämonin heute Morgen reichlich gehabt, allerdings war sie, was der Engel gegenüber wohl bald merken würde, wenn er es nicht sogar schon wusste, eine Art Arbeitstier. Nur wenige Sachen brachten sie dazu mal von ihren Plänen abzulassen.

Aber nun lief auch ihr so ein bisschen das Wasser im Mund zusammen. Schließlich klang die Ansage ihres Gegenübers so anspornend, das sie nicht anders konnte als sich ein ausgiebiges Frühstück vorzustellen. Ihrem Magen schien der Gedanke auf jeden Fall zu gefallen, denn dieser meldete sich noch einmal zu Wort, oder wie man Magensprache auch immer nannte. „Sagen sie, sie waren nicht zufällig mal Ernährungsberater? Zumindest vom Hobby her?“, scherzte sie nun um das zweite knurren zu überspielen. Musste jedoch in Gedanken eingestehen, dass dies wohl nicht das letzte Mal sein würde.

Julia überlegte kurz, ihr Blick wanderte zum Schreibtisch, dann wieder zu ihrem Gesprächspartner. Schlussendlich gab sie ihrem Magen, ihrer Vernunft und zu einem großen Teil auch dem Weißhaarigen vor ihr, Recht. „Wissen Sie, vielleicht sollte ich doch noch etwas zu mir nehmen. Ich sollte wohl schauen, wo ich etwas Geeignetes zu mir nehmen kann.“. Sie lachte kurz ein wenig amüsiert auf. „Bevor mein eigener Magen mich am Ende noch verspeisen will. Was wohl, wie ich anmerken darf, nicht sehr vorteilhaft wäre.“. Nun aber schärfte sich ihr Blick kurz und beinahe schon ein wenig neckisch, überbrachte sie ihm eine Herausforderung in einer subtilen Handgeste. Man konnte es als kleinen Racheversuch für die Belehrung gelten lassen, obgleich es auch von ihrer Seite mehr Scherzhaft gemeint war. „Sie wissen nicht zufällig, wo das sehr gut und ausgewogen möglich wäre, oder?“. Er schien doch so bewandert in Sachen essen, mal schauen. Sie schwieg, nun ein kleines, schelmisches Grinsen ihre Lippen zierend, als ob sie gerade die Börsentalfahrt eines Rivalen begutachten würde….

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BeitragThema: Re: O1 - Büro des Direktors   Fr 9 März 2018 - 21:59

»Um ehrlich zu sein ja, zumindest zum Teil«, ging er auf die scherzhafte Frage Julias ein, ob er denn einst Ernährungsberater war. »Ich war zeitlich Fitnesscoach und während des Medizinstudiums bekommt man auch das eine oder andere mit.« Er grinste unschuldig hinterher, als wäre es das Normalste der Welt. Man könnte auch meinen, der Mann wollte nur dick auftragen, aber bei Bernardo ging es tatsächlich nur darum, Informationen mitzuteilen bzw. Fragen zu beantworten – mochten sie auch scherzhafter Natur sein. Missverstand man ihn bei seinem Vorhaben, war das schade, aber deshalb würde er nicht jedes Mal auf seine Intentionen hinweisen.

So machte sich der Hüne auch keine weiteren Gedanken darüber, wie seine Worte aufgenommen wurden, sondern lauschte stattdessen aufmerksam dem nachfolgenden Eingeständnis der Lady Bardera.
Es musste diese Fähigkeit der Frauenwelt sein, mit der sie es alle schafften, jegliche Atmosphäre nach ihrem Belieben einzufärben. Bernardos früher Frauen konnten dies, Valerye konnte dies – um die kommende Lehrerin wieder in die Gedanken zu holen – und Julia konnte dies ebenso. Sie nutzten ihre Mimik, die gefühlt aus einer Millionen Farben bestand, während die Züge des Mannes nur durch Rot, Blau und Gelb wiedergespiegelt wurden. Allein darüber hätte Bernardo lachen können, doch so grinste er nur über seine eigenen Gedanken hinweg. Ihm gefiel, wie Julia mit der Situation umging und versuchte, sich wieder in eine bessere Ausgangslage zu befördern. Fast konnte man meinen, sie fordere den Engel heraus. Aber um Erfolg zu haben, hätte sie ein paar tausend Jahre früher aufstehen müssen.
»Grundsätzlich würde ich mal behaupten: Bei ihnen daheim im Kühlschrank.« Zu einem gesunden Leben gehörte auch ein bewusster Einkaufsplan. »Dann würde mir noch mein eigener Kühlschrank einfallen, aber der ist wohl der am weitesten entfernte.« Er lachte kurz auf, ebbte aber schnell wieder ab, um erneut einen nachdenklichen Vorschlag zu unterbreiten: »Ich kenne da ein Café im Herzen der Stadt. Eigentlich kennt es wohl jeder. Aber wenn ihr euch von eurem geliebten Schreibtisch trennen wollt, können wir überprüfen, ob ihr das Café auch kennt.« Er würde sie auch nicht lange aufhalten. Sicher dachte sie als erstes darüber nach, wie viel Zeit sie wohlmöglich mit dem externen Frühstück verbrauchen würde und wie viel ihr im Umkehrschluss noch bliebe, um weiter zu arbeiten. An sich hatte Bernardo nichts Weiteres vor. Er könnte ihr auch eine Hand reichen oder sich darum kümmern, wo Valerye blieb bzw. wann sie vorhatte, auf Isola aufzuschlagen.










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BeitragThema: Re: O1 - Büro des Direktors   Sa 10 März 2018 - 22:59

Julia hatte im ersten Moment mit einer Menge gerechnet, aber nicht damit, dass ihr Kollege ein Medizinstudium abgeschlossen hatte. Hatte sie das in der Akte von ihm überlesen? Sie glaubte nicht daran, wollte jetzt aber auch nicht aufstehen um das noch einmal genaustens nach alter Manier zu prüfen. Aber sie schätzte ihn nicht wie ein Lügner ein, eigentlich würde sie ihm das nicht mal im entferntesten Gedanken unterstellen. Er war sicherlich schon um einiges älter als er aussah, daran hatte sie keinen Zweifel. Der Gedanke kam ihr bereits damals in einem geringen Umfang. Außerdem war auf dieser Insel nicht immer alles so, wie es schien. Die Direktorin selbst bildete dort ja auch keine Ausnahme. „Medizinstudent und Fitnesscoach?“. Wiederholte sie, den Gedanken zur Seite schiebend, letzten Endes erstaunt und mit fragender Mimik. „Das hätte ich ihnen so gar nicht angesehen.“. Sie war innerlich in diesem Moment mit sich zufrieden. Das knurren zu überspielen hatte anscheinend gewirkt. Sie hoffte nur, das es nun nicht noch einmal so schnell passieren würde.

Allein dieser Sachverhalt spornte Julia noch einmal zusätzlich an und beflügelte sie in ihrer, nun folgenden, subtilen Herausforderung dem Engel gegenüber. Dementsprechend selbstsicher präsentierte sie sich bei ihrer Stillen Pause vor Bernardos Antwort. Nur um bei der allerersten Aussage ziemlich unvorbereitet getroffen zu werden. Die Direktorin hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit. Wie meinte er das, bei ihr zuhause? Unterbewusst zog sich ihre linke Augenbraue etwas nach oben, während ihr Gesicht etwas überrumpelt aussah. Er nahm sie gerade auf den Arm, oder? Besonders als er seinen eigenen Kühlschrank erwähnte, fühlte sich die Blondine in gewisser Weise bestätigt. Okay, die Racheaktion von ihrer Seite aus, war nach hinten losgegangen. Sie ging schon zu einem leichten schmunzeln über. Letzten Endes gab er der jungen Frau dann den Rest, in dem er ein Café in der Stadt erwähnte und die Herausforderung auch noch indirekt wieder an sie zurückwarf. Mit einem zufriedenen Lächeln lehnte sie sich zurück. Sie sprach es nicht aus, aber wenn eine Frau wie sie sich nicht zu einem Thema weiter äußerte, dann hatte sie sich in diesem Punkt geschlagen gegeben. Im positiven Sinne, versteht sich.

Nach einer kurzen Denkpause, so könnte man es nennen, kehrte ihr schelmisches Grinsen zurück und sie lehnte sich, erneut in einer herausfordernden Position, nach vorne. „Finden wir es raus, Herr Gavri-El. Sagen wir, ich trenne mich von meinem Schreibtisch.", gab sie ihm als Bestätigung für seinen Vorschlag. Die Arbeit würde sie auch später machen können. Aber dieses Mal mit volle Magen. Außerdem, so leicht würde sich eine Julia nicht geschlagen geben. Obwohl es ihr letzter Versuch war, dem werten Kollegen erbitterten Widerstand zu leisten. Mehr war schlichtweg unnötig und – wie sie fand – nicht mehr lustig. „Ich zähle auf Ihre Empfehlung.“.
Mit diesen Worten erhob sich die Blondine langsam von der Sitzgelegenheit und erhob sich langsam und sicher in eine aufrechte Position. Sie ging selbstredend nicht sofort los, sondern wartete bis sich Bernardo ebenfalls erhoben hatte. Ein Akt der Höflichkeit, selbstverständlich für die Direktorin. Dann machte sie sich auf zu ihrem Überzieher-Mantel, welcher dort über einem Kleiderhaken hing. Obgleich es keine Verabredung in diesem Sinne war, er könnte ihr beim Anziehen des Überziehers helfen. Aber ob er das tat, war ihm überlassen. Schließlich war es kein Weltuntergang und - ehrlich gesagt - so gut kannten sie sich nun auch nicht. „Wir können auch sofort los. Ich brauche ja nicht viel.“. Sie lächelte zufrieden, während sie die Möglichkeit nutzte um ihren Laptop auf dem Schreibtisch zuzuklappen und ihren Schlüssel in die Hand zu nehmen. Sie wurde ein klein wenig lockerer, wie man ihr auch sehr einfach anmerken konnte. Kurz darauf versuchte sie den Blickkontakt aufzubauen. „Soll ich sie mitnehmen? Oder wollen sie laufen?“. Sie spielte kurz mit dem Schlüssel in ihrer Hand. Die Direktorin wusste schließlich nicht, dass er selbst mit einem Gefährt hier war. Sie hatte es während ihrer Träumerei am Fenster nicht wirklich mitbekommen. „Wir könnten auch laufen, aber ich könnte vor Hunger versuchen Bäume unterwegs anzuknabbern.“. Sie lachte amüsiert.

Letzten Endes aber, verließen beide das Gebäude auf dem Weg zum Café

Tbc: Café Morges?

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BeitragThema: Re: O1 - Büro des Direktors   So 11 März 2018 - 10:35

Bernardo fragte sich, was so alles in seiner Akte über ihn stehen mochte. Dass man nicht seine gesamte Vergangenheit aufdröseln konnte, dafür hatte er selbst gesorgt. Doch wenigstens die Qualifikationen des Herrn Prof. Dr. Gavri-El sollten nicht im Verborgenen bleiben. Das anstehende Frühstück würde da sicher Zeit und Raum bieten, um mit Missverständnissen oder Mängeln aufzuräumen. Am Ende machte es vermutlich trotzdem keinen Unterschied, denn was zählte, war, ob er den Kindern etwas für das Leben beibringen konnte oder nicht. Bernardo hatte selbst in seiner Vergangenheit Dozenten getroffen, die nicht über die Fähigkeit verfügten, Wissen zu vermitteln – mochten sie noch so weise in ihrem Fachbereich sein. Pädagogik war nun mal etwas, was nicht durch fremdes Fachwissen vorgegeben wird.

Mit einem Lächeln begrüßte er die Einwilligung der Direktorin und stand nur wenige Sekunden nach ihr auf. Während sie nach ihrem Überzieher griff, dachte der Hüne kurz darüber nach, dass man einer Dame in diesen Momenten zur Hand gehen konnte. Doch war er hier im Büro seiner Chefin und nicht in einer Bar, wo er Frauen imponieren wollte. Für ihn selbst war es fast schon unangemessen, jetzt einen auf körpernahen Gentleman zu machen. Zudem Japaner frühzeitigen Körperkontakt nicht pflegten. Zumindest kannte er die Kultur der Ostasiaten noch von früher, während seiner stillen Jahre auf der Hauptinsel. Und zu guter Letzt: Bernardo schätzte Julia immer noch als starke, stolze Frau ein. Als solche war sie sicherlich drauf bedacht, sich wenig helfen zu lassen. Ob richtig oder falsch – zumindest schenkte sie ihm keinen kritischen Blick, der ein Fehlverhalten bezichtigte.
Ganz im Gegenteil, die Haltung der Direktorin wurde zunehmend lockerer und auch ihr Verhalten zeugte von ansteigender Entspannung. Vermutlich tat ihr allein schon die Aussicht auf ein gemütliches Frühstück gut.

»Weder noch«, antwortete er mit einem wissenden Grinsen. »Ich werde nicht zulassen, dass sie fahren, wo es ihnen schon nicht blendend geht. Ich werde sie mitnehmen.« Bernardo zückte seine eigenen Schlüssel. »Solange es ihnen nichts ausmacht, sich einen Helm über die Frisur zu stülpen? Mein Motorrad hat einen Seitenwagen, da können sie es sich gemütlich machen.«
Keine Widerworte zulassend öffnete er die Tür des Büros und ließ Julia durchtreten. Zwar klinkte er nach ihr ein, doch musste sie die letzte an der Tür sein, da sie den Schlüssel zum Abschließen besaß. Danach ging es ruhigen Schrittes hinab ins Erdgeschoss und durch den Haupteingang nach draußen, wo die Fahrzeuge standen. Im Fußraum des Zero-GTO-Seitenwagens seiner schwarzen Triumph Rocket holte Bernardo den angekündigten Helm heraus. Er sollte ihr eigentlich passen, wobei man Bernardo fragen konnte, warum er so was mit sich herumtransportierte. Er hätte ihn auch in einer Lagerdimension ablegen können, aber das hatte er beim letzten Mal vergessen.
Wenigstens an dieser Stelle konnte es sich der Hüne nicht nehmen lassen, den Gentleman zu spielen. Beim ersten Mal konnte es noch schwer sein, problemlos einzusteigen. Man ›fiel‹ immerhin tief mit dem Gesäß, weshalb Bernardo ihr seine Pranke anbot, um sich beim Einsteigen abzustützen.
Danach konnte es aber auch schon losgehen. Der Gavri-El mussten nur noch selbst seinen nostalgischen Helm auf die Rübe packen und die Maschine starten. Kraftvoll und leidenschaftlich zugleich knurrte ihn der Motor an, ehe er mit der Gasbetätigung erst richtig loslegte.


tbc: Die Stadt | Stadtzentrum | Barádori | Cafe Morges










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