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 Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]

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AutorNachricht
Isalija
Sonnenklasse Schülerin
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Isalija

Zen 128
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BeitragThema: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Do 5 Apr 2018 - 19:37

das Eingangsposting lautete :

Hier mal etwas doch... öhm... persönliches meinerseits. Mir liegt das Werk sehr am Herzen, deshalb würde ich mich über Feedback ziemlich freuen. :3
Es gibt ein Kapitel pro Woche.
Hoffe, ihr habt viel Spaß beim Lesen! ♥


*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

P.s. Hin und wieder werden ein paar Dinge nachträglich geändert.
Dabei treten aber keine Veränderungen in der Story oder der Charaktere auf.


*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Klapptext


Skaisa Misullis war erst 17 Jahre alt und hatte doch mehr erlebt, als die meisten anderen in ihrem Alter. Das Leben meinte es nicht gut mit ihr und doch ist sie voller Zuversicht. Als sie dann Jason auf einer Party kennen lernt und er nach 5 Minuten  davon überzeugt ist, dass sie die perfekte Frau für ihn ist, ahnt sie nicht, dass sich ihr Leben vollkommen ändern würde.

















Isalija "spricht",
denkt und handelt.


Zuletzt von Isalija am Sa 12 Mai 2018 - 22:37 bearbeitet; insgesamt 6-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Fr 8 Jun 2018 - 23:14

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Hochintelligent wie ich bin ist mir bis eben gar nicht aufgefallen, dass das zweite versprochene Kapitel nicht da ist D:
Entschuldigt! v.v
Das stelle ich heute richtig, in dem ich diesmal wirklich wirklich zwei Kapitel hochlade ^^'
Viel Spaß o/

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*


Kapitel 9

 Vier Tage später stand ich unschlüssig vor Adrians Haustür und wartete, dass geöffnet wurde. Ich wusste, es war eine ziemlich blöde Idee auf seine SMS, eine Bitte ihm noch eine Chance zu geben, einzugehen und herzukommen, um mit ihm darüber zu reden. Dennoch stand ich nun hier und hatte jedem, der von Heiligabend wusste, gesagt, dass ich mich mit Tara traf.
 Als Adrian mir schließlich öffnete, wirkte er erschöpft. Er hatte Ringe unter den geröteten Augen und seine Kleidung sah aus, als würde er sie bereits eine Weile tragen.
 „Skai.“, begrüßte er mich erleichtert und zog mich an sich, um mich zu umarmen. „Ich bin so froh, dass du hier bist.“
 Ich seufzte schwer. „Freu dich nicht zu früh, Rian. Noch weiß ich nicht, ob ich es vielleicht bereuen soll.“
 Mit hängenden Schultern trat er einen Schritt zurück. „Ja, du hast Recht.“, murmelte er und trat beiseite, damit ich herein kommen konnte.
 „Sind deine Eltern nicht da?“
 „Nein, die sind gestern in den Urlaub geflogen und kommen erst nach Silvester nach hause.“
 „Sie gehen ohne dich?“
 „Ich wollte nicht. Ich...“ Er fuhr sich durchs Haar. „Weißt du, ich hatte dich damit überraschen wollen. Eigentlich war das ein Urlaub für dich und mich. Ich habe sogar mit deinen Eltern gesprochen und alles geklärt, aber dann...“
 „Dann bist du ausgerastet.“
 Ein Seufzen. „Ja. Es... Es tut mir so leid. Ich weiß, es ist schon furchtbar für dich, wenn ich so mit dir umgehe, während wir allein sind. Aber dann noch vor deinen Eltern...“
 „Und vor Jason.“
 Er verzog den Mund. „Ich habe viel darüber nachgedacht und denke, dass ich der letzte bin, der sich darüber aufregen sollte, dass du und Jason euch geküsst habt, nachdem du mich mit Janne gesehen hast.“
 „Zwei Mal.“
 „Und du hast ja gesagt, dass Jason unter Drogen stand, also wolltest du es wahrscheinlich gar nicht.“
 „Es ist kompliziert.“
 Unsicherheit huschte über sein Gesicht. „Also wolltest du es?“
 „Ich sagte ja bereits, dass Jason unter Drogen stand. Ich würde dir ja alles erzählen, aber ich habe keine Lust, dass du dich wieder darüber aufregst und mir Dinge unterstellst.“
 „Tue ich nicht.“, beteuerte er sofort und ging mit mir ins Wohnzimmer. „Erzähl es mir.“
 Ich zögerte noch kurz, rieb mir über die Nase, schloss dann aber die Augen und erzählte es ihm. Er blieb still und hörte aufmerksam zu. Natürlich regte er sich auf, als ich letztendlich sagte, dass ich zugestimmt hatte mich von Jason küssen zu lassen, aber er sagte nichts.
 „Verstehe.“, murmelte er schließlich, „Das ist vernünftiger als mein Alkoholpegel.“
 Erleichtert, dass er es verstand, atmete ich auf.
 „Es tut mir wirklich leid, dass ich so ausgerastet bin. Ich weiß, es sind zwei unterschiedliche Dinge, ob ich vor anderen ausraste, oder nur vor dir.“
 Ich presste die Lippen aufeinander.
 „Natürlich ist es schon schlimm genug, dass ich ausgerastet bin. Und dann... Ich...“ Er griff nach meinen Händen. „Ich halte dich nicht für eine Schlampe.“
 Unsicher biss ich mir auf die Unterlippe.
 „Einer der Gründe, weshalb ich mit dir zusammen sein wollte, war, dass ich sicher sein konnte, dass du niemals fremd gehen würdest. Dass du treu bist.“
 Ich senkte den Blick und erinnerte mich unwillkürlich an die erste Nacht, die ich bei Jason verbracht hatte.
 „Ich...“ Für ein paar Sekunden hielt er den Atem an. „Ich bin ein furchtbarer Freund, das weiß ich. Ein... unzumutbarer Beziehungspartner. Ich möchte ehrlich mit dir sein und kann einfach nur hoffen, dass du mir verzeihen kannst, was ich getan habe.“
 Bei seinen Worten erstarrte ich und sah vorsichtig zu ihm auf. Ein paar Mal öffnete er den Mund, um anzufangen, schloss ihn dann aber wieder und dachte nach.
 „Am Anfang unserer Beziehung, da... Ich... habe ein paar Mal... Ich glaube vier oder fünf mal. Ich habe mit Tara geschlafen.“
 Von einem Moment zum nächsten wurde mir speiübel. „Was?“
 „Es bedeutete nichts. Und ich habe das auch schnell wieder beendet. Ich sage dir das, weil ich möchte, dass du weißt, dass ich von jetzt an ehrlich bin und... Ich habe Janne geküsst, als ich betrunken war und ich erinnere mich auch an die Party vor Heiligabend. Aber ich habe sie nicht angefasst, als sie bei mir war. Sie hat mir etwas vorbei gebracht.“
 „Etwas vorbei gebracht?“
 „Ja.“ Müde rieb er sich die Stirn. „Ich... hin und wieder hab ich gekifft. Und sie hat mir Gras gebracht.“
 Sofort riss ich meine Hände aus seinen und rückte ein Stück von ihm ab.
 „Skai, bitte. Ich hör damit auf, versprochen. Ich versprech's dir!“
 „Du hältst dich nie an das, was du sagst.“
 „Ich werde es in Zukunft tun. Bitte, gib mir noch diese Chance. Nur diese eine. Wenn ich es wieder vermassle, lass ich dich in Ruhe. Ich schwör's dir.“
 „Adrian, selbst wenn ich sie dir geben würde, meine Eltern haben gehört, wie du mit mir gesprochen hast. Sie wollen dich nie wieder in meiner Nähe haben. Ich habe dir erzählt, was in meiner Vergangenheit passiert ist. Ich habe dir alles erzählt.“ Nur nicht von Josse. „Und du hast mich so behandelt.“
 „Es tut mir leid.“ Tränen füllten seine Augen. „Skaisa, bitte, es tut mir leid. Ich sage nie wieder etwas in der Art. Bitte. Es tut mir leid. Es tut mir leid!“
 Es war verstörend, anzusehen, wie er begann zu weinen und seine Handballen auf die Augen drückte.
 „Scheiße. Ich liebe dich. Ich liebe dich wirklich.“
 „Aber dann darfst du mich nicht so behandeln.“
 Er nickte. „Ich weiß. Und ich werde es auch nicht mehr tun. Aber bitte, gib mir noch eine Chance.“
 Ich seufzte schwer und ließ die Schultern sinken, sah auf meine Hände herab, ließ das alles auf mich wirken. „Hast du sonst noch irgendwas getan?“
 „Nein. Nur Tara, Janne und hin und wieder ein Joint, ehrlich.“ Er zögerte und sah zu mir auf. „Ist es für dich schlimm, wenn ich Pornos schaue, wenn du nicht da bist?“
 Daraufhin verzog ich das Gesicht, beugte mich vor und vergrub das Gesicht in meinen Händen. „Ja.“, antwortete ich schließlich, „Es macht für mich keinen großen Unterschied, ob du Pornos schaust oder mit Tara ins Bett gehst, weil du dich in beiden Fällen anderen Frauen zuwendest. Ich meine, klar, mit Tara zu vögeln ist schlimmer, aber trotzdem...“
 „Okay, dann werde ich das auch lassen.“
 Während er das so sagte, erinnerte ich mich, was Jason gesagt hatte. Ich kann nicht alles auf einmal sein lassen. „Wird es nicht schwierig mit allem auf einmal aufzuhören?“
 „Ich krieg das hin, wenn das bedeutet, dass du bei mir bleibst. Ich tue alles, was notwendig ist.“
 Ich schloss die Augen und ließ mir das alles erneut durch den Kopf gehen.
 „Bitte.“, bat er leise, „Ich liebe dich.“
 Wahrscheinlich werde ich es bald bereuen, aber... „Na gut. Aber wenn du mich nochmal so anschreist-“
 „Nie wieder.“, unterbrach er mich hastig und zog mich an sich. „Versprochen, Baby.“ Stürmisch verteilte er Küsse in meinem Gesicht, bis er seine Lippen auf meine presste. Immer wieder, als müsse er sich klar machen, dass das hier echt war. „Nie wieder.“ Dann vergrub er das Gesicht an meinem Hals und hielt mich einfach nur fest.
 Bitte lass das kein Fehler gewesen sein.

 Zwei Stunden später ging ich unruhig in meinem Zimmer auf und ab und starrte auf mein Smartphone. Ich wollte Jason von dem Gespräch erzählen, wusste aber nicht, wie ich das angehen sollte.
 Jason, hast du kurz Zeit? Ich muss dir etwas erzählen. Das klang gut für den Anfang. Ich hab dich angelogen, ich war gar nicht bei Tara. Nein. Das war eine schlechte Idee. Ich hab heute Adrian getroffen. Wir haben geredet. Ich verzog das Gesicht. Auch nicht gut. Ich bin nicht ganz ehrlich gewesen, als ich sagte, ich gehe zu Tara. Nein, verdammt!
 Wenn ich ihm direkt sagte, dass ich ihn angelogen hatte, würde er- Nein, er würde eben nicht ausrasten. Schlimmer wäre seine Reaktion auf das, was danach kam. Ich durfte eine schwierige Nachricht nicht mit etwas schlechtem beginnen.
Adrian hat mich- „Verdammt nochmal!“ Skaisa, du bist Autorin. Dir muss doch etwas ordentliches einfallen.
 Um mich zu beruhigen setzte ich mich aufs Bett und atmete mit geschlossenen Augen tief durch, leerte für einen winzigen Augenblick – länger war es mir gar nicht möglich – den Kopf und dachte an etwas vollkommen anderes.
 Katzen.
 Katzen waren toll. Die Babys sind süß und ich mochte das Gefühl der Pfoten auf der Haut. Ihr schnurren war wie eine Massage für meine Sinne. Ich liebte es mit Katzen zu kuscheln und wünschte, wir hätten eine. Leider hatten wir nicht den Platz für eine Katze, auch wenn wir in einem Haus wohnten.
 Mit einem traurigen Seufzen lenkte ich meine Gedanken zurück zum eigentlichen Problem. Ich war gerade mal drei weitere Möglichkeiten durchgegangen, als mein Smartphone klingelte. Überrascht zuckte ich zusammen und sah darauf hinab, ehe ich das Gesicht verzog, weil es Jason war. Für einen kurzen Moment dachte ich darüber nach es klingeln zu lassen, entschied mich dann aber dagegen.
 „Hey, Tiger.“, begrüßte ich ihn.
 „Hey, Kätzchen.“, entgegnete er amüsiert, „Bist du noch bei Tara?“
 „Nein, ich- Ähm... Tatsächlich wollte ich gerade mit dir darüber reden.“
 „Ist etwas passiert?“
 „So in etwa.“, antwortete ich zögerlich.
 „Wurde jemand verletzt?“
 „Nein, nein, nicht sowas. Ich... Versprich mir bitte, dass du dich nicht aufregst.“
 „Na, das fängt ja klasse an.“ Ein tiefes Durchatmen. „Du warst gar nicht bei Tara, nicht wahr?“
 „Nein.“
 Ein Seufzen. „Und wo dann?“
 „Ich... Also, weißt du...“ Wieder zögerte ich etwas. „Adrian hat mich angeschrieben.“
 „Du hast dich mit Adrian getroffen?“
 Na toll, jetzt regt er sich natürlich doch auf. „Er wollte nochmal über alles reden und bat mich ihm eine Chance zu geben.“
 „Du hast doch hoffentlich nein gesagt.“
 Unsicher schwieg ich.
 „Skaisa, ist das dein Ernst? Er zieht so etwas ab und du machst einfach weiter?“
 „Nein, nicht einfach so. Er hat versprochen sich zu ändern. Er sagte, er ist ehrlich zu mir und-“
 „Hat er dich etwa auch noch belogen?“
 „Naja, ich weiß, dass er mit einer Frau herum geknutscht hat. Zwei Mal. Und, weil er ab jetzt ehrlich sein will, sagte er mir, dass er ganz am Anfang was mit Tara hatte.“
 „Also hat er dich betrogen.“
 „Er hat es schnell wieder beendet. Und er hat hin und wieder wohl Joints geraucht, aber er hört auf damit. Er will ehrlich sein und hat versprochen, er behandelt mich nicht mehr so wie bisher. Er sagte mir, er tut alles, was nötig ist, damit ich bei ihm bleibe.“
 „Und du glaubst ihm den Scheiß?“
 „Er hat geweint, Jason. Ich konnte ihm ansehen, dass es ihm schlecht geht.“
 „Wie kannst du ihm sowas glauben? Der ändert das in fünfzig Jahren nicht!“
 „Ich möchte das selbst herausfinden. Ich gebe ihm diese Chance und-“
 „Und dann macht er weiter wie vorher und du lässt das auch noch zu! Skai, du bist doch intelligent! Lass nicht ständig mit dir herum spielen!“
 „Ich muss es versuchen, Jason. Ich möchte daran glauben, dass er sich ändert.“
 „Na schön, wie du willst. Versuch es und lass dich weiter von ihm wie Dreck behandeln. Aber renn danach ja nicht zu mir.“
 „Jason-“
 Er hatte bereits aufgelegt. Frustriert hielt ich einen Moment inne und rieb mir die Augen, ehe ich ihn zurück rief. Während ich dem Freizeichenton horchte begann ich unruhig im Zimmer auf und ab zu gehen, bis seine Mailbox ansprang. Also rief ich erneut an. Nach dem vierten Mal musste er sein Mobi ausgeschaltet haben, denn ich wurde direkt zur Mailbox weitergeleitet.
 Enttäuscht ließ ich mich wieder auf mein Bett sinken und kämpfte gegen die Tränen an. Ich wollte nicht, dass Jason so wütend auf mich war, dass er meine Anrufe nicht mehr entgegen nahm. Tatsächlich fürchtete ich mich davor, dass er unsere Freundschaft beenden würde. Er war mir wichtig, bedeutete mir etwas. Diese Freundschaft zu verlieren, nach allem was passiert war, würde sehr weh tun.
 Vielleicht braucht er jetzt einfach nur Zeit, um das alles zu verarbeiten. Er meldet sich sicher, wenn er sich beruhigt hat.
 Leider war ich nie gut darin zu warten, wenn mich etwas quälte. Eine Weile war ich versucht ihn nochmal anzurufen, ließ es aber, weil ich wusste, dass ich eh nur die Mailbox erreichen würde.
 „Scheiße!“, rief ich aus und biss die Zähne so fest aufeinander, wie ich die Augen zusammen kniff.
 Ich wollte nicht schon wieder weinen. Ich hasste das. Also dachte ich darüber nach, womit ich mich ablenken konnte.
 Vielleicht soll ich mit Adrian darüber reden. Aber er würde sich wahrscheinlich eher darüber freuen, statt mich zu trösten. Mit Tara kann ich nicht reden. Nicht, nach dem, was Adrian mir erzählt hat. Mom und Dad würden wissen wollen warum ich mit Jason diesen Streit hatte und wären sicher alles andere als glücklich, wenn ich ihnen von dem Gespräch mit Adrian erzähle.
 Langsam begriff ich, dass ich sonst niemanden hatte. Tara war meine einzige weibliche Freundin gewesen, Jason mein allerbester Freund und Adrian mein Freund. Ich hatte sonst keine Freunde und mit meinen Verwandten mütterlicherseits verstand ich mich nicht sehr gut.
 Ich könnte versuchen mit Noëlle zu sprechen.
 Sie war meine erste Freundin an dieser Schule gewesen und wir hatten uns auf Anhieb gut verstanden. Dank ihr lebte ich mich hier gut ein und war echt froh gewesen sie kennen gelernt zu haben. Die Freundschaft lief gut und half mir damals sogar mich von Josse abzulenken. Dann fand ich aber meine erste Beziehung. Mit ihrem Bruder.
 Rückblickend betrachtet verstand ich nicht, wie ich auf ihn hatte herein fallen können. Noëlle hatte ihn mir vorgestellt und es mehr oder weniger arrangiert, dass ich ihn besser kennen lernte. Ich hatte ihn von Anfang an gemocht. Er war attraktiv, aufmerksam und er hatte mich immer so angesehen, als würde ihm gefallen, was er sah.
 Unsere Beziehung war allerdings sehr einseitig. Er hatte einiges daran gesetzt mich rumzukriegen, was wahrscheinlich ziemlich einfach gewesen war. Sein Interesse an mir war danach schnell abgeklungen, was mir damals jedoch nicht wirklich klar gewesen war. Offenbar hatte ihn lediglich die Jagd gereizt, die ich ihm quasi gar nicht geboten hatte, und war dann von Frau zu Frau gegangen.
 Wahrscheinlich wäre es mir aufgefallen, wenn ich mich nicht ständig von seinen Ausreden hätte einlullen lassen.  Noëlle hatte von allem gewusst, mir aber nichts erzählt. Sie hatte gesagt, sie wolle mich nicht verletzen und sie hätte ihrem Bruder ständig gesagt, er solle es mir sagen und Schluss machen, aber dem schien es zu gefallen eine Frau parat zu haben, die er ins Bett nehmen konnte, wenn er keine andere aufriss. Man könnte sagen, ich saß quasi nur auf der Reservebank.
 Müde ließ ich mich aufs Bett fallen und legte mein Smartphone beiseite. Ich wollte nicht mit  Noëlle sprechen. Es wäre wahrscheinlich auch ein sehr unangenehmes Gespräch gewesen.
 Als ich gähnte und merkte, wie träge ich mich fühlte begriff ich, dass etwas nicht stimmte. Schwerfällig griff ich nach meinem Nachtschrank und zog die Schublade auf, um mir die aktuelle Palette meiner Eisenpräparate anzusehen und zählte nachdenklich nach. Ich hatte die Packung vor einem Monat angefangen. In jeder Palette befanden sich 10 Präparate. Eine hatte ich bereits geleert. In dieser hier waren noch 6. Ich nahm jeden zweiten Tag eine. Vor einer Woche hatte meine letzte Regelblutung geendet.
 Ich stöhnte auf. Verdammt. Umständlich schob ich mich auf die Beine und ging hinunter. „Dad?“
 „Ja?“
 „Kannst du mit mir zum Arzt fahren? Ich würde gern mein Ferritin testen lassen.“ An der Wohnzimmertür blieb ich stehen, woraufhin er von der Zeitung in seinen Händen aufsah.
 „Bist du wieder müde?“
 „Ja. Ich weiß nicht, ob es am Eisen liegt.“
 „Okay.“ Sorgfältig faltete er die Zeitung zusammen.

 Zwei Tage später saß ich wieder bei meinem Arzt, der sich gerade die Werte ansah, ehe er den Mund verzog.
 „Dein Wert liegt bei 28.“, verkündete er dann, „Nimmst du dein Eisen noch?“
 Viel zu niedrig. „Ja. Also, jeden zweiten Tag, wie Sie gesagt haben.“
 „Auf nüchternen Magen?“
 Da zögerte ich etwas und dachte zurück. „Nicht immer. Und hin und wieder vergesse ich sie auch.“
 „Du solltest sie auf nüchternen Magen nehmen. Nimm sie die nächsten drei Wochen täglich und dann wieder alle zwei Tage. In drei Monaten machen wir dann noch einen Check.“
 „Okay.“
 Er reichte mir den Zettel mit den Werten. „Iss etwas mehr Rind und Linsen. Und versuch Verletzungen zu vermeiden.“
 „Mach ich.“
 „Du solltest auch mit deiner Frauenärztin sprechen, ob sie dir eine Pille verschreiben kann, die die Blutung etwas verringert.“
 Ich nickte.
 „Gut. Brauchst du ein neues Rezept für die Präparate?“
 „Ich habe noch drei Viertel einer Packung. Das reicht etwas über einen Monat.“
 „Dann schreibe ich dir noch eine hunderter Packung auf.“ Während er das sagte schob er seine Brille zurecht und kritzelte etwas auf einen Zettel, den er mir reichte. „Gib das der Sprechstundenhilfe, sie gibt dir dann das Rezept.“
 „Vielen Dank.“
 „Aber gerne doch.“
 Sanft lächelte er mich an und schüttelte mir und Dad die Hand, ehe er mit uns das Behandlungszimmer verließ, um zum nächsten Patienten zu gehen. Es dauerte ein paar Minuten, bis ich das Rezept bekam und fuhr mit Dad noch in meine Stammapotheke, ehe wir nach hause fuhren.
 „Ich werde deiner Mutter sagen, dass sie die nächsten Wochen viel mit Rind kochen soll.“, bemerkte Dad sanft.
 „Danke, Dad.“
 „Ruf Doktor Denver am besten jetzt an, damit du es nicht vergisst.“
 Da ich genau das bereits wieder vergessen hatte, holte ich mein Smartphone heraus und wählte die Nummer meiner Gynäkologin, um einen Termin zu vereinbaren, damit ich die Dinge mit ihr besprechen konnte.
 „Gleich Montag schiebt sie mich kurz dazwischen. Ich kann jederzeit vorbei kommen.“
 „Okay. Soll ich dich fahren?“
 „Nein, danke, das schaffe ich.“
 „Wie geht’s eigentlich Jason? Du hast ihn die letzten Tage gar nicht erwähnt. Trefft ihr euch Samstag nicht? Oder morgen zu Silvester?“
 „Nein, wir... haben uns gestritten.“
 „Ach so? Was ist passiert?“ Als ich nicht sofort antwortete, sah Dad überrascht herüber. „Hast du Angst, dass du Ärger bekommst?“
 „Ja.“, gab ich zu.
 Er seufzte. „Skai, Liebes, ich werde dich nicht schelten. Du wirst bald 18 und damit alt genug, um zu wissen, was du tust.“
 „Und wenn du und Mom es trotzdem nicht gutheißt?“
 „Allem vorweg musst du wissen, dass wir nur wollen, dass es dir gut geht und du glücklich bist. Wir werden uns Sorgen machen und vielleicht werden wir sauer sein, aber das tun wir nur, weil du uns sehr viel bedeutest. Weil wir dich lieben. Verstehst du?“
 Langsam nickte ich und sah auf meine Hände herab.
 „Du kannst immer mit uns sprechen.“
 „Okay. Danke.“
 „Also... Was hast du mit Adrian gemacht?“
 Überrascht weiteten sich meine Augen. „Woher weißt du...“
 Er lächelte schräg. „Von all den Dingen, die du hättest tun können, erscheint mir Adrian das einzige Übel zu sein, das Jason genug aufregt, um sich so sehr mit dir zu streiten.“
 Ich seufzte schwer und begann zu erzählen. Wie immer war Dad einfach nur leise, während er zuhörte und blieb sogar mit mir im Auto sitzen, nachdem er vor unserem Haus geparkt hatte, damit ich ausreden konnte. Als es dann soweit war verzog er nachdenklich den Mund und rieb sich über die Wange.
 „Da Jason so impulsiv ist, kann ich nachvollziehen, warum er nicht mit dir redet.“, merkte er an, „Es ist ein bisschen, als hätte er zu viel Alkohol getrunken und dir gesagt, er trinke nicht mehr, um dir dann zu sagen, dass er doch wieder trinkt. Er ist enttäuscht und verletzt.“
 „Hmm, ja. Das hab ich mir schon gedacht. Ich habe bloß Angst, dass das unsere Freundschaft zerstört.“
 „Hast du nochmal versucht mit ihm zu reden?“
 „Ich habe es direkt am Anfang versucht, aber er hat sein Handy wahrscheinlich ausgeschaltet. Dann dachte ich, er braucht nur Zeit und meldet sich, wenn er soweit ist.“ Ich rieb mir die Augen. „Ich bin müde.“
 „Okay. Dann lass uns rein gehen. Du kannst dich ein bisschen hinlegen.“
 „Aber wenn ich jetzt schlafe, kann ich heute Nacht nicht mehr schlafen.“
 „Wie wäre es dann, wenn ich dir eine heiße Schokolade mache?“
 Ich stöhnte vor Wonne. „Ich hab dich so lieb, Dad.“
 Mit einem leisen Lachen stieg er aus.

 Am nächsten Tag, Silvester, lag ich fast den ganzen Tag unten auf der Couch und las ein Buch, während Mom Snacks vorbereitete. Es kamen ein paar Verwandte und Freunde meiner Eltern zu Besuch.
 „Dad.“, hob ich irgendwann an und sah zu ihm auf, während er gerade begann die Möbel zu verschieben.
 „Ja, Kleines?“
 „Was ist eigentlich mit deiner Seite der Familie?“
 Überrascht sah er herüber. „Was meinst du?“
 „Ich meine... Deine Eltern. Geschwister, Onkel, Tanten. Habe ich noch mehr Cousinen und Cousins?“
 Ein trauriges Lächeln legte sich auf sein Gesicht. „Es gibt ein paar Verwandte, ja. Aber ich habe keinen Kontakt mehr zu ihnen.“
 „Warum?“
 Nun hielt er inne und ließ den Blick über den Tisch gleiten, der vor ihm stand. „Manchmal tut man Dinge, die man hinterher furchtbar bereut. Aber sie sind trotzdem unverzeihlich.“
 „Also haben sie etwas schlimmes getan?“
 „Nein.“, entgegnete er und schüttelte den Kopf. „Ich war es, der was getan hat.“
 „Oh.“ Unsicher, wie ich darauf reagieren soll, sah ich eine Weile auf mein Buch herab. „Haben sie dir nicht verziehen?“
 „Ich weiß es nicht.“
 Ich seufzte leise. „Erzählst du mir von deiner Familie?“
 Da zuckte sein Mundwinkel. „Fast alle sind aus Litauen. Und bis auf mein Onkel Dovydas sind sie alle her nach Amerika gezogen.“ Er hob den Tisch hoch und trug ihn zur Wand herüber. „Meine Eltern, Aras und Nijole, wohnten früher mit mir und meiner Schwester Daina in Toronto. Sie müsste jetzt 27 Jahre alt sein.“ Als er sich umdrehte, sah er ein paar Sekunden nachdenklich die gegenüberliegende Wand. „Tatsächlich habe ich eine ziemlich große Familie, musst du wissen. Es gibt fünf Elternpaare in der Generation meines Vaters. Er und meine Mutter, Aras und Nijole. Dann gibt es Romas und Ona, Dovydas und Elena, Nojus und Gabija und Kajus und Sonata. Bis auf No und Gabi haben sie alle Kinder.“
 „Also, deine Cousinen und Cousins.“
 „Ja. Also... Romas und Ona haben zwei Kinder. Levantin ist in meinem Alter und sein Bruder, Matas ist ein Jahr älter als du. Er hatte eine Schwester, Liova, aber sie ist jung verstorben. Dovydas und Elena haben, meines Wissens nach, nur einen Sohn. Darius. Kajus und Sonata haben eine Tochter, Lilita.“
 Neugierig setzte ich mich auf. „Und haben die auch Kinder und sind verheiratet?“
 „Bei den meisten weiß ich das nicht, um ehrlich zu sein. Ich habe den Kontakt zu den meisten etwa zu der Zeit abgebrochen, als ich deine Mutter kennen gelernt habe.“ Er dachte einen Moment nach. „Soweit ich weiß wurde Levantin damals Vater. Ich glaube, er hat die Mutter auch geheiratet. Lilita hatte damals bereits einen Freund und ich kann mir gut vorstellen, dass die beiden auch geheiratet haben.“
 „Verstehe.“, murmelte ich und senkte etwas den Blick. „Also weißt du von genau einem Verwandten, der etwa in meinem Alter ist?“
 Da verstand er langsam und seufzte auf, ehe er herüber kam und sich zu mir setzte. „Skai, wenn du möchtest, dann kann ich einen meiner Cousins kontaktieren und fragen, was sich so getan hat. Damit du ein bisschen mehr erfährst.“
 Ich verzog das Gesicht. „Das musst du nicht, Dad. Es wird sicher einen Grund geben, weshalb du den Kontakt abgebrochen hast. Ich möchte nicht der Grund dafür sein, dass du eine alte Familienfehde aufleben lässt.“
 Er lächelte schräg und küsste mich auf die Stirn, ehe er mich an sich drückte. „Tut mir leid, mein Schatz.“
 „Ist schon okay. Da ich sie nicht kenne, vermisse ich sie nicht und bisher kam ich auch so gut ohne sie zurecht.“
 „Stimmt.“, murmelte er leise, „Soll ich dir noch mehr von ihnen erzählen?“
 „Gerne.“
 Also begann er zu erzählen. Davon, wie nahe er und seine Cousins sich gewesen waren. Wie sie Lilita als Kinder geärgert hatten. Er erzählte von den hiesigen Familienfeiern zu Weihnachten und je mehr er erzählte, umso mehr begriff ich, dass er seine Familie sehr vermisste. Das, was er getan hatte, musste wirklich schlimm gewesen sein, wenn sie so viele Jahre nicht in der Lage waren ihm zu verzeihen.
 „Deine Familie klingt viel sympathischer als Moms Familie.“, bemerkte ich irgendwann.
 „Oh, sag ihr das nicht, aber du hast Recht.“, entgegnete er amüsiert und stand auf, um seine Arbeit fortzusetzen.
 10 Minuten später kam Mom herein und bat mich ihr zu helfen, die Tische ein wenig zu dekorieren und die Snacks herein zu bringen.

 Eine halbe Stunde vor Ende des Jahres saß ich im Garten auf unserer Bank und schaute auf den Schnee auf unserem Rasen. Bisher war der Abend recht ereignislos verlaufen, wie die letzten Jahre auch. Es waren dieselben Menschen zu Besuch wie sonst.
 Und genau das machte mich traurig.
 Ich vermisste es mit Jason zu reden und sehnte mich danach mich irgendjemandem mitteilen zu können, doch es gab nicht wirklich jemanden, mit dem ich sprechen konnte. Wie immer.
 Mit einem leisen Seufzen sah ich auf meine Hände herab und rieb sie ein wenig aneinander. Eigentlich war ich ziemlich müde und wollte schlafen. Ich war mir sogar sicher, dass es niemanden stören würde, wenn ich mich bereits schlafen legte. Es würde wahrscheinlich zu mir passen. Zu Silvester noch vor Mitternacht schlafen gehen und ins neue Jahr schlafen. Aber ich wusste, wenn ich jetzt schlafen ginge, würde ich mich einsamer fühlen als jetzt, obwohl ich hier draußen auch schon allein war.
 Mein Smartphone vibrierte in meiner Tasche und als ich es heraus holte, sah ich, dass ich eine Nachricht erhalten hatte.

 Adrian: Hallo, Herzblatt. Ich weiß, es ist noch zu früh, aber du weißt ja, um Mitternacht wird keine Nachricht durchkommen. Deshalb wünsche ich dir jetzt schon ein frohes und gesundes neues Jahr. Ich liebe dich.

 Ich seufzte schwer als ich das las und starrte ein paar Sekunden darauf herab. Er hatte diesmal selbst eine Party organisiert und feierte gerade mit einem Haufen Leuten im Haus seiner Eltern.
 Für ein paar Sekunden starrte ich einfach nur die Nachricht an und dachte an nichts, ehe ich antwortete.

 Skaisa: Hallo, Rian. Danke, das ist sehr lieb von dir. Ich wünsche dir auch ein frohes und gesundes neues Jahr.

 Aus irgendeinem Grund brachte ich es nicht über mich die vier Worte Ich liebe dich auch zu schreiben. Es wunderte mich recht wenig, dass Adrian auf die Nachricht nicht antwortete.
 „Du erkältest dich hier draußen.“
 Ich schrie vor Schreck auf und zuckte heftig zusammen, als ich Jasons Stimme plötzlich neben mir an der Tür hörte. Dann realisierte ich, dass es Jasons Stimme war, sah auf und sprang abrupt auf, als ich ihn sah.
 „Jason.“, kam es mir nur dümmlich über die Lippen, „Was... Was machst du denn hier?“
 Er seufzte und ließ den Blick einen Moment gleiten. „Ich weiß nicht, hab nicht wirklich nachgedacht.“ Ein paar Sekunden lang stand er nur schweigend da. „Ich war auf Adrians Party.“
 „Ah.“, machte ich und wrang mit den Händen, ehe ich den Blick auf den Boden richtete.
 „Ja...“ Wieder ein paar Sekunden Stille. „Ich hab mich gewundert, dass du nicht da bist.“
 „Ich bin zu Silvester immer zuhause.“, entgegnete ich nur.
 „Ja, das sagte die Cactula mir auch.“
 Ich warf ihm einen Blick zu. „Du... hast mit ihm gesprochen?“
 „Sprechen ist... vielleicht nicht der richtige Ausdruck.“
 „Hm...“
 Schweigen breitete sich aus. Ich wusste nicht genau, was ich jetzt tun sollte. Ich freute mich, dass er da war, allerdings war ich mir nicht sicher, ob er sich auch freute oder warum er genau hier war. Nun standen wir einfach nur herum, während mir zunehmend kälter wurde.
 „Ist dir kalt?“, fragte er irgendwann, als ich mir über den Arm rieb.
 „Etwas.“, gab ich zu, „Ich saß hier schon eine Weile.“
 „Sollen wir rein gehen?“ Er deutete auf die Tür.
 Ich zögerte etwas. „Naja, eigentlich bin ich raus gegangen, um dem kleinen Menschenhaufen zu entgehen.“
 „Wir können ja in dein Zimmer gehen. Du siehst etwas müde aus.“
 „Ja.“, murmelte ich unsicher, „Okay.“
 Er trat einen Schritt beiseite, damit ich an ihm vorbei hinein gehen konnte, ehe er mir folgte. Ich gab den anderen Bescheid, dass ich in mein Zimmer ging und wahrscheinlich bald schlafen würde und wie ich es erwartet hatte störte es niemanden. In meinem Zimmer angekommen ließ ich mich der Länge nach auf mein Bett fallen und vergrub das Gesicht in meinem Kissen, während Jason bei mir am Bettrand Platz nahm. Ich gähnte lang und tief ins Kissen, ehe ich zu Jason sah. Dieser sah besorgt auf die kleine Tüte auf meinem Nachttisch, auf dem das Logo der Apotheke zu sehen war.
 „Bist du krank?“, fragte er.
 „Mmmh...“, machte ich daraufhin, „Das sind nur Eisenpräparate.“
 „Also... ist dein Wert gesunken?“ Sein Blick fiel auf den Zettel neben der Tüte und zaghaft griff er danach, um sich anzuschauen, was darauf stand.
 „Er ist minimal unter dem Minimum. Der Referenzbereich liegt zwischen 30 und 120. Aber das kannst du ja da sehen.“
 „Ja.“, murmelte er, „Bist du deshalb so müde?“
 „Mhm...“, stimmte ich zu, „In ein paar Tagen bin ich etwas wacher. Warum bist du nun eigentlich hier?“
 „Ich hab gehofft, du würdest dich freuen.“, gab er zu und zögerte etwas. „Ich werde mich nicht entschuldigen.“
 „Nein. Ich versteh das schon. Ich hab mir bloß Sorgen gemacht, weil du nicht mehr mit mir gesprochen hast.“
 „Ich musste das erst mal verarbeiten.“ Er legte den Zettel zurück und sah dann vorsichtig zu mir. „Bist du mir böse?“
 „Bist du es mir?“
 „Ein wenig.“ Ein Schulterzucken. „Er wird dir wieder weh tun. Und das will ich nicht. Aber es ist deine Entscheidung. Ich... möchte wenigstens für dich da sein, wenn es soweit ist.“
 „Danke.“, murmelte ich trocken.
 „Du weißt, wie ich das meine.“
 „Ja.“ Ich gähnte erneut.
 „Du solltest schlafen.“
 „Ich möchte noch bis Neujahr warten.“
 Sein Blick glitt zu den Präparaten. „Du sagest mal, man kann an dem Mangel sterben.“
 „Ja.“
 „Wie?“
 Einen Moment dachte ich nach. „Ich sagte dir damals, dass der Körper Eisen für die Produktion von roten Blutkörperchen braucht.“
 „Ja. Und die sind für den Sauerstofftransport zuständig.“
 „Genau. Wenn mein Eisenwert sinkt bekomme ich irgendwann eine Anämie, wie jetzt wahrscheinlich.“ Ich rieb mir über die Wange. „Bei einer Anämie beschleunigt sich Atmung und Herzschlag, weil Organe sonst unterversorgt sind. Über einen längeren Zeitraum kann das zu Herzmuskelschwäche führen. Wenn diese schwere Blutarmut nun lange anhält...“
 „Dann stirbst du an Sauerstoffunterversorgung?“
 „Oder an einem Herzinfarkt. Aber ich nehme regelmäßig die Präparate.“
 „Reicht das denn?“
 „Die allein würden reichen. Meine Mutter hat sich auch viel informiert und wird in nächster Zeit sehr eisenhaltig kochen. Wir haben sogar Säfte, in denen Eisen enthalten ist.“ Ich verzog den Mund.
 „Du siehst ja begeistert aus.“
 „Du hast ja keine Ahnung, wie das schmeckt.“
 Langsam hob sich sein Mundwinkel. „Ich hoffe, dir geht es bald besser.“
 „Das wird wieder.“
 „Gibt es eigentlich irgendwas, das man tun kann, um so einen Eisenmangel vorzubeugen?“
 „Genug Eisen konsumieren.“
 „Ja, aber du sagtest, dein Körper hat Probleme damit das Eisen durch die Nahrung aufzunehmen.“
 „Ja. Mit den richtigen Nahrungsmitteln kann man dagegen an steuern, aber...“ Ich seufzte. „Es klingt blöd, wenn ich sage, dass sowas nichts für mich ist, oder?“
 „Ist okay.“
 „Meine Tante Martha regt sich immer darüber auf. Die Gesundheit sei wichtiger als mein Geschmack und ich solle mich nicht wie ein kleines Kind benehmen. Aber als ich ihr sagte, dass Karotten gegen Nachtblindheit helfen, wollte sie das nicht hören. Karotten seien so widerlich, da ist sie lieber Nachtblind.“ Ich grummelte.
 „Klingt nach einer eingebildeten Zicke.“
 „Ja.“, jammerte ich, „Und Onkel Mortimer... Eigentlich ist er wirklich ein netter Mann. Ich unterhalte mich gern mit ihm. Aber wenn ihm irgendwas nicht gefällt, was du sagst, sei es, dass du zum Beispiel der Meinung bist, dass chemische Medikamente nicht gut sind, dann fängt er an zu meckern was das Zeug hält und behauptet, man wisse ja nicht, wie wichtig solche Dinge heutzutage sind und dieser pflanzliche Kram sei doch was von Scharlatanen.“
 „Du scheinst deine Verwandten nicht sehr zu mögen.“
 Ich seufzte schwer. „Naja... Die mütterlicherseits sind schon sehr anstrengend.“ Einen Moment lag ich nur herum, ehe ich mich etwas aufsetzte. „Ich hab Dad heute nach seiner Familie gefragt.“
 „Und was sagt er?“
 „Offenbar ist sie recht groß. Mein Großvater, Aras, hat wohl vier Geschwister.“
 Nachdenklich zog er die Brauen zusammen. „Es ist nicht gerade üblich als Tochter die Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins der Eltern zu kennen.“
 „Wahrscheinlich nicht. Aber nach dem, was Dad mir erzählt hat klingt seine Familie viel sympathischer.“ Wieder machte ich eine kurze Pause. „Ich habe eine Tante.“
 „Väterlicherseits, meinst du?“
 „Ja. Daina.“ Unsicher knabberte ich an meiner Unterlippe. „Aber Dad sagte, er hätte etwas getan, was seine Familie ihm wohl nicht verzeihen kann.“
 „Das muss lange her sein, wenn du niemanden davon kennen gelernt hast.“
 „Oh ja. Er sagte, er brach den Kontakt zu der Zeit ab, in der er Mom kennen lernte. Es muss schlimm gewesen sein.“
 „Oder seine Familie ist sehr nachtragend.“
 Mit einem schweren Seufzen rutschte ich zu ihm herüber und legte mich so hin, dass mein Kopf in seinem Schoß lag. „Ich hab dich vermisst, Jason.“
 „Tut mir leid, dass ich so lange gebraucht habe. Ich war ziemlich wütend.“
 „Auf mich?“
 „Hauptsächlich auf die Cactula.“ Er stoppte. „Naja und auf dich. Aber gleichzeitig liebe ich es, wie du immer an das Gute glaubst. Es ist beeindruckend, dass du die Hoffnung einfach nicht aufgibst.“
 „Manchmal tue ich das.“, widersprach ich.
 „Ach ja?“
 „Ja. Aber weißt du, welche Hoffnung ich bereits aufgegeben habe?“
 „Welche?“
 „Dass du irgendwann aufhörst es bei mir zu versuchen.“
 Er lachte leise. „Du bist eben eine sehr intelligente junge Frau.“
 „Ja, das bin ich.“ Ich gähnte lange. „Wie spät ist es?“
 „In ein paar Minuten ist es soweit.“
 „Hmmm...“
 Als er mir eine Hand auf die Seite legte, seufzte ich leise und griff nach seiner anderen, ehe ich die Augen schloss.
 „Erzählst du mir etwas?“
 „Was möchtest du hören?“
 Nachdenklich schürzte ich die Lippen, ehe ich zu ihm aufsah. „Eine Geschichte!“
 Er rümpfte die Nase. „Eine Geschichte? Ich, der angsteinflößende, alkoholverderbte Schläger-Frauenheld Jason Whitaker, soll dir eine Geschichte erzählen?“
 „Du hast Recht, das wäre albern. Von deinen Geschichten bekäme ich sicher Albträume.“ Ich drehte den Kopf zurück und schloss wieder die Augen. „Was war dein schönstes Erlebnis?“
 „Oh, das ist einfach. Es geht um eine Frau.“
 „Hmmm...“
 „Eine wirklich hübsche Frau. Das war auf so einer Party. Ich hatte vorher getrunken und Drogen genommen. Stunden später ging es mir dann ziemlich dreckig, also hab ich mich in ein Badezimmer geschleppt.“
 Mein Mundwinkel zuckte.
 „Ich bin da eingeschlafen. Und als ich aufwachte war da diese Frau. Ein bisschen klein, braun gefärbte Haare-“
 „Woher weißt du, dass sie gefärbt sind?“
 „Ihr Ansatz war bereits um mehrere Zentimeter herausgewachsen.“
 „Ah. Verstehe.“
 „Also, sie stand da und schaute mit den schönsten Augen, die ich je gesehen habe, zu mir herab...“

 Drei Monate später verließ ich erleichtert die Arztpraxis und winkte Jason mit dem Zettel meiner Ferritinwerte.
 „Wie sieht's aus?“, wollte er wissen, „Was für einen Wert hast du?“
 „65.“, verkündete ich lächelnd.
 „Das liegt im Referenzbereich.“, bemerkte er.
 „Genau. Er sagt, mit dem Wert kann man gut leben.“
 „Sehr gut. Das beruhigt mich.“ Er hielt mir die Tür seines Autos auf. „Wollen wir dann?“
 „Sehr gerne.“ Ich stieg ein und wartete geduldig bis er eingestiegen war. „Was machen wir jetzt?“
 „Jetzt bringe ich dich nach hause?“
 Überrascht blinzelte ich ihn an. „Nach hause? Warum?“
 „Weil dein Vater mich angerufen hat. Er möchte dir wohl etwas erzählen.“
 „Oh. Okay.“ Ich runzelte die Stirn. Was wollte er mir sagen? „Habe ich irgendwas angestellt?“
 „Ich denke nicht.“
 „Ich auch nicht.“
 Er lachte. „Warum fragst du dann?“
 „Keine Ahnung, vielleicht gab es ein Missverständnis. Und er wollte mit mir reden, nicht mit dir?“
 „Er sagte, und ich zitiere: Komm mit meiner Tochter nach Hause, wenn sie die Ergebnisse hat. Ich will ihr etwas erzählen.
 Nachdenklich schürzte ich die Lippen. „Hast du etwas angestellt?“
 „Nicht, das ich wüsste.“
 „Hmmm...“
 20 Minuten später betrat ich mit Jason das Haus und sah mich um.
 „Sind wieder da!“, rief ich herein.
 „Sehr gut!“, rief Dad zurück und kam kurz darauf die Treppe herunter.
 „Jason sagte, du möchtest mir etwas sagen.“
 Er lächelte sanft. „Ja. Setz dich schon mal.“
 „Okay.“ Unsicher warf ich Jason einen Blick zu, ehe ich mit ihm ins Wohnzimmer ging. „Worum geht es denn?“
 „Das erfährst du gleich!“, rief Dad aus der Küche.
 Das machte mich nervös. Im Wohnzimmer zog ich meine Jacke aus und legte sie neben mich, ehe ich einfach nur wartete. Ein paar Minuten später kam Dad mit einem Kaffee zurück.
 „Ich hab nachgedacht.“, verkündete er, als er sich setzte.
 „Okay.“, antwortete ich langsam.
 „Ich habe auch mit Geneva gesprochen und wir sind uns einig, dass es nur richtig wäre, wenn du auch meinen Teil der Familie kennen lernst.“
 Ich öffnete den Mund, um zu antworten, schwieg dann aber überrascht.
 „Es wird wahrscheinlich nicht einfach, weil ich von vielen keine Kontaktdaten habe und einige auch nicht mit mir sprechen wollen. Aber ich habe mit meinen Eltern telefoniert.“
 Mir wurde der Hals eng.
 „Sie halten zwar nicht viel von mir, aber sie würden sich freuen, wenn sie dich kennenlernen könnten. Wenn du also möchtest, kann ich sie einladen oder wir fahren mit dir hin. Jason oder Adrian können natürlich mitkommen.“
 Noch immer wusste ich nicht genau, was ich sagen sollte. Ich konnte sie kennenlernen. „Ich... würde sie sehr gerne kennenlernen.“
 „Das freut mich.“ Sanft lächelte er mich an. „Dann frage ich sie, ob sie damit einverstanden wären herzukommen. Sie sagten, sie sprechen mit Daina, aber ich weiß nicht, was sie davon hält.“
 „Das macht nichts! Ich möchte nicht, dass du-“
 „Das ist in Ordnung, Skaisa.“, unterbrach er mich sanft, „Ich finde es trauriger, dass ich nicht in der Lage bin dir mehr zu geben.“
 Hastig schüttelte ich den Kopf. „Du bist mein Dad. Und du bist der beste Dad der Welt.“
 „Danke, Kleines.“ Mit einem weiteren Lächeln griff er nach seinem Mobi. „Dann werde ich sie mal anrufen.“
 „Okay. Ich gehe mit Jason nach oben.“
 „Macht das.“
 Damit stand ich auf und ging mit Jason hinauf, wo ich mich auf mein Bett sinken ließ.
 „Freust du dich?“, fragte er und setzte sich zu mir.
 „Ja, schon. Aber ich hab auch Angst.“
 „Warum?“
 Hilflos zuckte ich mit den Schultern. „Ich kenne sie nicht. Vielleicht mögen sie mich nicht.“
 „Warum sollten sie dich nicht mögen? Du bist eine wundervolle junge Frau.“
 „Danke, Jason.“
 „Wenn du möchtest, bin ich dabei, wenn du sie triffst.“
 „Das könnte wirklich helfen.“
 „Willst du auch Adrian fragen?“
 „Nein, ich... Ich glaube, er würde das nicht verstehen. Seine ganze Familie verhätschelt ihn.“
 „Das erklärt, warum er eine Cactula ist.“
 Ich lachte leise.
 „Gib's zu er hat sich kein Deut verbessert, seit letztem Weihnachten.“
 Mit einem schweren Seufzen ließ ich die Schultern hängen. „Ich fürchte nicht.“, gab ich zu.
 „Warum verlässt du ihn nicht? Willst du warten, bis er dich wieder demütigt? Bis er dich vor Menschen, denen du etwas bedeutest, bloßstellt?“
 „Das ist nicht so einfach.“
 „Warum nicht? Sag ihm einfach, du hättest nachgedacht. So hat er doch auch angefangen.“
 „Also, genau genommen sagte er- Moment. Woher weißt du das?“ Misstrauisch sah ich ihn an.
 „Ich versuche mich mit ihm zu verstehen, damit du nicht ständig wütend auf mich bist.“
 „Tatsächlich?“
 „Ja.“ Er verzog das Gesicht. „Ich gebe zu, ich hab ihn abgefüllt, damit er mir endlich erzählt, wie ihr euch vertragen habt.“
 Da schlug ich ihm gegen die Schulter. „Jason!“
 „Ich kann nun mal nicht anders, als ihn nicht zu mögen. Ich schaue in sein Gesicht und es schreit förmlich Schlag mich ein!
 Mit einem Seufzen ließ ich die Schultern hängen. „Du bist eben doch ein Schläger.“
 „Bin ich nicht.“, protestierte er, „Das würde bedeuten, dass ich es gerne tun würde.“
 „Aber du tust es gern.“
 „Ich schlage gern Menschen, die es verdienen, aber das heißt nicht, dass ich es generell mag mich zu prügeln. Da ist ein Unterschied.“
 Erneut seufzte ich schwer. „Mit deinen Augen würdest du an jedem etwas finden, das einen Menschen zu einem Menschen macht, der es verdient.“
 „Das ist auch wieder was anderes.“
 Ich schlang die Arme um seinen Oberarm und lehnte mich an ihn. „Ich mag dich trotzdem, du Schläger.“
 „Ich bin kein Schläger.“, murrte er.
 „Dann bist du eben mein Bodyguard.“
 Das schien ihm schon eher zu gefallen. „Abgemacht. Wie sieht meine Bezahlung aus?“
 „Du willst auch noch etwas dafür haben, dass du Menschen in meinem Namen verprügeln darfst?“
 „Bekomme ich Küsse?“
 „Nein.“
 „Oh, komm schon.“ Er vergrub das Gesicht in meinem Haar. „Ich hatte schon so lange keinen mehr.“
 „Und das ist gut so.“
 Ein enttäuschtes Seufzen.
 „Du darfst Adrian schlagen, wenn er es übertreibt.“
 „Darf ich ihn auch verprügeln?“
 Für ein paar Sekunden zögerte ich. Nur, damit ich mich nicht schlecht fühlte. „Na gut. Aber nur, wenn es wirklich schlimm war.“
 „Wenn er übertrieben hat, dann war es schlimm.“
 „Naja, es ist ein Unterschied, ob er beispielsweise fremd geht oder mich vor anderen demütigt.“
 „Stimmt.“, murmelte er, „Dilemma.“
 „Warum?“
 „Wenn er fremd geht, was dir weniger schadet, dann kann ich ihn nicht verprügeln. Wenn er dich demütigt, was dir mehr schadet, kann ich ihn verprügeln.“ Es war offensichtlich, dass er keine der beiden Möglichkeiten mochte.
 „Du willst ihn wirklich bluten sehen, oder?“
 „Nein, nein. Wenn ich sichtbare Spuren hinterlasse, hilft ihm das nur, wenn er mich anzeigt.“
 „Hämatome sind auch sichtbare Spuren.“
 „Ja, aber das kann man fälschen. Wenn ich aber Blut auf meine Kleidung kriege oder mir die Fäuste aufschürfe sieht das anders aus.“
 „Es ist ein bisschen gruselig, dass du so genau darüber nachgedacht hast. Wie lange planst du schon Adrian zu verprügeln?“
 „Seit ich dich kenne, aber das hat damit nichts zu tun. Ich bin früh an die falschen Leute geraten und wurde ständig in Straßenschlägereien verwickelt. Mit der Zeit fängt man an nachzudenken und lernt.“
 „Und du kannst Adrian zusammen schlagen, ohne ihn zu verletzen?“
 Er zuckte mit den Schultern. „Klar. Stundenlang. Ich könnte ihn auch mit einem Schlag kampfunfähig machen. Ich kann ihn auch innerhalb von einer halben Minute umbringen oder-“
 Als Dad sich an der Tür räusperte, verstummte Jason abrupt und sah mit mir herüber. Mein bester Freund fluchte leise.
 „Langsam fange ich an zu bezweifeln, dass du der richtige Umgang für meine Tochter bist.“, bemerkte mein Vater.
 „Dass ich zu all diesen Dingen fähig bin, heißt lediglich, dass ich sehr gut auf Ihre Tochter aufpassen kann. Wer ist also besser geeignet als ich?“
 Eine kurze Stille. Dann: „Skaisa, meine Eltern würden gern am Wochenende zu Besuch kommen. Von Freitag bis Sonntag. Ich weiß, die Samstage gehören eigentlich deinem...“ Er deutete auf Jason. „Schläger, aber...“
 Diesmal stöhnte Jason auf. „Ich bin kein verdammter Schläger.“
 „Reg dich nicht auf.“, beruhigte ich ihn, „Das macht es nur schlimmer. Sagtest du nicht eh, es interessiert dich nicht, was Menschen von dir halten.“
 „Ich weiß ja nicht, ob es dir aufgefallen ist.“, flüsterte er mir zu, „Aber das ist dein Vater. Eigentlich muss ich dafür sorgen, dass er mich mag.“
 „Er mag dich ja.“, flüsterte ich zurück, ehe ich zu Dad sah. „Wochenende klingt toll. Jason kann ja hier übernachten. Wenn das okay ist. Ich hätte ihn gern dabei.“
 „Okay.“ Er sah zu Jason. „Nur eine Nacht oder beide?“
 „Wenn Sie erlauben, dann beide.“, antwortete er.
 „In Ordnung. Skai, du kümmerst dich dann um das Gästebett?“
 „Ja, mach ich.“, kam es daraufhin von mir.
 „Okay. Esst ihr zwei mit oder geht ihr auswärts essen?“
 Fragend sah ich zu Jason auf, der mich offenbar gerade fragen wollte, was ich wollte. Als er meinen Blick sah, hielt er inne und überlegte. „Wir... essen mit, danke.“, verkündete er dann mit einem Blick zu Dad, „Jetzt noch auswärts zu essen würde bedeuten, dass es spät wird und Skai muss ja morgen in die Schule.“
 Ich stöhnte. „Erinnere mich nicht daran.“
 Er lachte leise. „Hey, wenn du willst, hole ich dich ab.“
 „Keine Chance, morgen ist Mittwoch. Der Tag gehört Adrian.“
 Seufzend rollte er mit den Augen und ich sah noch, wie Dad amüsiert ging.

















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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Fr 8 Jun 2018 - 23:25

Kapitel 10

 Frustriert vergrub ich das Gesicht in meinen Händen und versuchte die Stimmen der streitenden Menschen auszublenden. Ich hätte nachdenken sollen. Einfach nur ein paar Minuten nachdenken und mir Gedanken machen. Dann wäre das hier nicht passiert, Jason wäre nicht kurz davor Adrian ins Krankenhaus zu befördern und meine Großeltern würden nicht so einen schlechten Eindruck von mir bekommen.
 „Sie ist meine Freundin, nicht deine! Sie liebt dich nicht einmal! Zwischen euch ist nichts als Freundschaft, also hör auf dich zwischen uns zu drängen!“, brüllte Adrian gerade.
 „Eben weil wir Freunde sind habe ich ein gutes Recht mich zwischen euch zu drängen!“, fauchte Jason zurück, „Sie bedeutet mir viel und ich hab keine Lust weiter zuzusehen, wie du sie verbal attackierst!“
 Fünf Minuten, hätten gereicht, Skaisa. Aber was hast du stattdessen getan? Genau, du hast deine Zeit damit vergeudet darüber nachzudenken, ob deine Großeltern dich mögen würden.
 „Sie kommt wirklich nach unserem Leo. Zieht Ärger magisch an.“, bemerkte Nijole, meine Großmutter resigniert und seufzte.
 „Ich glaube kaum, dass es Ärger ist, den sie anzieht, sondern diese Männer.“, korrigierte Aras grummelnd, „Sie kann ja nichts dafür, dass diese Jungs sich nicht benehmen können.“
 „Oh, ich wünschte Levin wäre hier.“
 Aras lachte leise.
 „Er hat ein Händchen dafür Streit zu schlichten.“
 „Bei vier Kindern braucht er das auch.“
 Als Adrian Jason schließlich genug provoziert hatte, damit dieser zuschlug, stöhnte Aras auf.
 „Ich bin viel zu alt für sowas.“, bemerkte er.
 „Dieser Junge hat aber auch eine Energie.“
 „Jason.“, hob ich dagegen nur müde an und sah hilflos zu, wie er Rian auf den Boden warf. „Hör bitte auf. Dad wird nur wieder wütend, weil ihr euch in unserem Haus prügelt.“
 Er hielt gerade lange genug inne, um mich anzuschauen. „Ich kann auch in den Garten gehen.“
 Missbilligenden schürzte ich die Lippen. „Wie wäre es, wenn du ihn einfach loslässt und dich auf den Stuhl da setzt, damit wir wie zivilisierte Menschen reden können?“
 Adrian schnaubte. „Wie zivilisierte Menschen? Der weiß doch nicht mal, was zivilisiert überhaupt bedeutet!“
 Er lernt es nie, dachte ich mir, als Jason wieder begann ihn zu schlagen und sah zu meinen Großeltern. „Es tut mir so leid.“, versuchte ich es, „Ich habe einfach nicht nachgedacht und aus versehen beide zu heute eingeladen. Sie können einfach nicht anders, als sich gegenseitig zu provozieren.“
 „Ach, keine Sorge.“, murmelte Aras, „Ich kenne genug Idioten, um zu wissen, dass es nicht deine Schuld ist. Und außerdem bist du meine Enkelin.“
 Mein Mundwinkel zuckte.
 Nijole nickte zustimmend und tätschelte liebevoll die Hand ihres Mannes. „Ich höre andauernd Geschichten über Kinder unserer Familie und Schlägereien sind immer dabei. Aber, du liebe Güte, dieser Jason ist wirklich ein starker Mann.“
 Er hatte Adrian gerade einmal quer durch den Raum geworfen und dabei fast den Fernseher zerstört.
 „Jason.“, versuchte ich es erneut.
 Er hatte gerade Anstalt gemacht zu Adrian zu gehen, der sich mühselig aufrappelte, blieb aber stehen, als er mich hörte. Da atmete er tief durch, machte kehrt und ließ sich auf den Platz neben mir fallen.
 „Noch ein falsches Wort, um er kann sich ein neues Gebiss besorgen.“, murmelte er leise.
 „Lass dich einfach nicht von ihm provozieren.“
 „Wenn er dich wieder verbal angreift, wird meine Faust Stammkunde in seinem Gesicht.“
 In diesem Moment schwankte Adrian ein wenig und packte den nächstbesten Gegenstand, um sich festzuhalten, rechnete jedoch nicht damit, dass er sich mitbewegen würde und ging damit zu Boden.
 Das war's mit dem Fernseher. Dad wird nie wieder einen von beiden ins Haus lassen.

 Einige Stunden zuvor
 „Deine Großeltern?“, wiederholte Adrian überrascht, „Ich dachte, die leben in Atlanta.“
 „Nicht die mütterlicherseits.“, entgegnete ich und knabberte auf meinem Daumen herum. „Meine Großeltern väterlicherseits.“
 „Und die kennst du bisher nicht?“
 „Nein.“
 „Hmmm...“ Er trank einen Schluck von seinem Coffee to go, warf den leeren Becher in einen Mülleimer, an dem wir vorbei gingen, und nahm meine Hand. „Aber warum machst du dir Sorgen, dass sie dich nicht mögen könnten? Du bist doch nett, freundlich und höflich. Sowas mögen alte Menschen.“
 „Kennst du das Sprichwort Wie der Vater, so der Sohn?“
 „Ja, aber du bist kein Junge.“
 „Das macht keinen Unterschied. Es bedeutet, dass, so wie die Eltern sind, so ist auch das Kind. Dad hat irgendwas getan, was seine Familie ihm nicht verzeihen kann, also denken sie vielleicht, ich tue genauso unverzeihliche Dinge.“
 „Pff... Wer denkt denn sowas?“
 „Weißt du, ich hab mal so eine Sache gehört.“
 Er hob eine Braue, hörte aber zu.
 „Da war ein Mann, der wurde Vater von Zwillingen. Und dieser Mann war ein Schwerverbrecher. Was denkst du, was wurde aus den Kindern?“
 Er zögerte, dachte nach. „Kriminelle?“
 „Siehst du? Du denkst genauso.“
 „Ja, aber doch nur, weil die Kinder wahrscheinlich von ihrem Vater beeinflusst wurden und damit aufgewachsen sind. Was soll sonst mit ihnen sein?“
 Ich rollte mit den Augen. „Einer von ihnen wurde Kriminell, wie du sagtest.“
 „Na also.“
 Bei dieser Unterbrechung gab ich ihm einen Klaps. „Hör zu. Einer wurde Kriminell. Als man ihn fragte warum, sagte er: Weil mein Vater so ist, wie er ist. Der andere wurde erfolgreicher Geschäftsmann. Als man ihn fragte warum, sagte er: Weil mein Vater so ist, wie er ist.“
 Verständnislos sah er auf mich herab.
 „Das heißt, dass man nicht zwangsläufig wie der Vater sein muss. Du kannst ihn als Vorbild nehmen, um wie er zu werden und in seine Fußstapfen treten... oder du entscheidest dich es besser zu machen und wählst einen anderen Weg.“
 Ich sah ihm an, dass er sich noch immer unsicher war, was ich meinte, aber er sagte nichts. „Verurteilst du deinen Vater, weil er etwas getan hat?“
„Nein! Er ist mein Vater. Ich liebe ihn.“
 „Warum sollten seine Eltern ihn dann verurteilen? Er ist ihr Sohn, also klingt es doch logisch, wenn sie ihn trotzdem lieben. Warum also sollten sie dich nicht mögen?“
 „Es besteht eine fiffty fiffty Chance, dass ich der böse Zwilling bin, Rian.“
 Nun stöhnte er genervt. „Gott, hast du Probleme.“
 Als wir bei mir ankamen, sagte ich Mom und Dad Bescheid, ehe ich mit Adrian hinauf in mein Zimmer ging. Dort angekommen stellte ich meine Tasche beiseite. Ich merkte, wie Adrian einen Blick auf das Gästebett warf, dass noch in Einzelteilen an der Wand lehnte, ehe er seine Tasche beiseite stellte, zu meinem Bett ging und es sich darin gemütlich machte.
 „Willst du jetzt wirklich Hausaufgaben machen?“, fragte er gereizt.
 Ich hatte mich gerade gesetzt und wollte tatsächlich die Materialien für die Hausaufgaben herausholen, hielt nun aber inne. „Naja, dann sind sie fertig.“
 „Vergiss die Schule, es ist Wochenende. Du kannst sie noch Sonntag machen. Komm lieber her.“
 Ich zögerte etwas, seufzte dann aber. Er hat ja Recht. Also ließ ich alles liegen und ging herüber zum Bett, wo er mich an sich zog, bis ich auf ihm lag. „Kein Sex heute.“
 Er verzog den Mund. „Nicht? Warum?“
 „Ich bin nervös, meine Eltern sind unten und wir erwarten Besuch.“
 „Es wird doch wohl keiner einfach so herein platzen, oder?“
 „Naja, meine Eltern klopfen für gewöhnlich, wenn die Tür zu ist, aber-“
 „Na also.“ Er küsste mich sanft. „Wir müssen halt etwas leise sein.“
 Ich wollte noch protestieren, doch er verschloss hastig meinen Mund mit seinem. Dennoch hielt ich seine Hände fest, als er wenige Minuten später versuchte mich auszuziehen.
 „Rian, ich hab nein gesagt.“, murmelte ich.
 Seine Hände glitten unter mein Oberteil und suchten nach dem Verschluss meines BH. „Ich mach auch kurz. Ich hab den ganzen Tag an deine Titten gedacht.“
 „Ich möchte heute aber nicht. Außerdem kommt noch-“
 „Skai, Baby. Bitte.“, unterbrach er mich.
 Er schob gerade eine Hand in das Körbchen meines BHs, als die Tür plötzlich aufgestoßen wurde. Da sich die Tür hinter mir befand, konnte ich nicht sehen wer es war, ganz im Gegensatz zu Adrian und dessen Gesicht sprach Bände. Es dauerte ganze fünf Sekunden, bis er die Stille unterbrach.
 „Was macht der denn hier?“
 Ein mir wohlbekanntes Schnauben ertönte von der Tür. „Sie hat mich eingeladen, Dämlack.“
 Als Adrian aufgebracht den Blick abwendete, löste ich mich seufzend von ihm und griff nach hinten, um meinen BH wieder zu schließen.
 „Ich hab versucht es dir zu sagen.“, erklärte ich, „Aber du wolltest nicht zuhören.“ Dann sah ich zu Jason und formte mit dem Mund Entschuldige.
 Er zuckte nur mit den Schultern und rollte mit den Augen, als wolle er sagen Was soll's? Damit benahm er sich reifer als Adrian.
 „Dann hast du es nicht gut genug versucht.“
 Ich zog die Brauen zusammen und sah zu meinem Freund. „Nicht gut genug versucht? Du hast mich ständig unterbrochen. Was hätte ich machen sollen? Aufstehen, damit du dich noch mehr aufregst?“
 „Wie auch immer.“, murmelte Jason, „Sie sind da.“
 Ich sprang auf. „Wer?“
 „Deine Großeltern. Ich bin gerade ausgestiegen, als sie ankamen.“ Er beobachtete Adrian und schürzte die Lippen, als denke er nach.
 Ob er wohl etwas ausheckte? Hoffentlich nicht. Dennoch folgte ich seinem Blick, jedoch aus einem anderen Grund. „Kommst du mit runter?“
 „Ja, gut.“, grummelte er und stand auf.
 Ich wartete im Flur, bis er ein paar Schritte vor mir war und flüsterte zu Jason. „Bitte streitet nicht.“
 „Ich versuch's.“, entgegnete er, „Ich wusste zwar nicht, dass er auch da ist, aber... ich hab den ganzen Morgen geboxt.“
 „Danke.“
 „Gern.“ Damit beugte er sich herab und hob seine Tasche auf, die er mit seinen Beinen verdeckt hatte. „Ich bin gleich da, ich bring die nur eben in dein Zimmer.“
 „Okay.“
 Meine Großeltern hörte ich bereits im Flur und blieb einen Moment stehen. Adrian wartete offenbar auf mich. Wie es schien unterhielten sie sich gerade mit meinen Eltern.
 „Ich bin froh zu sehen, dass es euch gut geht.“, sagte gerade eine männliche Stimme, bei der es sich wohl um Aras handelte.
 „Ihr habt ein wirklich hübsches Haus.“, bemerkte dann eine weibliche Stimme. Nijole.
 „Geneva hat es ausgesucht.“, antwortete Dad, „Wir wollten eine ruhige Gegend.“
 „Mmmmh, ja. Eine ruhige Gegend ist was feines. Habt ihr auch einen Garten?“
 „Ja.“ Diesmal war es Mom. „Ich war ganz überrascht, dass Leo so einen grünen Daumen hat.“
 Aras lachte. „Ja, den hat er von seiner Mutter. Sie lässt sogar Unkraut hübsch aussehen und tote Blumen blühen.“
 „Ach, du alter Übertreiber.“, entgegnete Nijole, „Tote Blumen blühen nicht, solange sie nicht aus Plastik sind.“
 „Sag das der Palme in unserem Wohnzimmer.“
 „Das ist ein Ficus, Liebling.“
 „Es ist ein Baum.“
 Nijole lachte auf.
 „Du siehst, deine Mutter lässt mich noch immer wie ein Taugenichts aussehen.“
 „Aber nicht doch. Du bist sehr intelligent.“
 „Das sagst du jetzt nur, weil unser Sohn vor uns sitzt.“
 „Letzten Monat hat er unser Auto repariert, weil es ihm zu lange gedauert hätte es in die Werkstatt zu bringen. Er sagte, die machen ihre Arbeit eh nicht richtig und nach zwei Wochen müsste es wieder hin. Seitdem schnurrt der Wagen wie ein Kater.“
 „Ich wusste gar nicht, dass du dich mit Autos auskennst.“, bemerkte Dad.
 „Naja, in Internet findet man heutzutage alles.“
 „Wo bleibt eigentlich Skaisa?“, hörte ich Mom daraufhin fragen.
 Adrian stieß mich daraufhin liebevoll an.
 Ich atmete kurz durch und machte dann einen Schritt ins Wohnzimmer. „Hier bin ich schon.“

 Gegenwart
 „Was ist denn hier passiert?“
 Erschrocken sah ich zur Wohnzimmertür, wo Dad verärgert zu uns herüber sah. Jason und ich waren schnell zu Adrian gelaufen, um den Fernseher wieder hinzustellen, und ihn uns anzusehen, doch es war offensichtlich, dass er den Sturz nicht überlebt hatte. Adrian wirkte noch etwas benommen, als ich ihm geholfen hatte sich hinzusetzen und Jason den Schaden begutachtete. Bis jetzt.
 „Also-“
 „Ich hab Adrian verprügelt.“, erklärte Jason direkt, „Und als er versucht hat aufzustehen, hat er den Fernseher umgeworfen. Ich bezahle den neuen.“
 Ich stöhnte auf, als ich Dads Mimik sah. „Bitte, das ist meine Schuld.“
 Da hob er die Braue. „Hast du Adrian etwa geschlagen?“
 Ein Zögern. „Nein, aber-“
 „Mach dich nicht verantwortlich für das Benehmen von Anderen.“ Dann sah er zu Jason. „Du weißt, was ich davon halte, wenn du dich in meinem Haus mit jemandem prügelst.“
 Dieser seufzte. „Entschuldigen Sie. Nächstes Mal schleife ich ihn in den Garten. Versprochen.“
 „Sei nicht so streng mit ihm.“, bemerkte Aras, „Es ist schwierig für einen jungen Mann einfach nur zuzusehen, dass die Frau, die man liebt, jemand anderen liebt. Oder als ihr Freund zuzusehen, dass sie einen Mann mag, der sie ebenfalls liebt.“
 „Daina hatte ein ähnliches Problem, erinnerst du dich?“, bemerkte Nijole, „Ihr Mann  hatte diese Freundin, die total in ihn verliebt war. Es hat sie jedes Mal aufgebracht, wenn die beiden sich getroffen haben.“
 Dad seufzte schwer. „Ich finde es nur nicht in Ordnung, dass sie es im Haus tun, wo Dinge kaputt gehen können.“
 „Nun, da hast du Recht.“
 „Der Garten ist eine gute Alternative.“, stimmte Aras zu. Dann fiel sein Blick auf die Uhr. „Nun dann, wir sollten langsam gehen. Es wird spät.“
 „Wo übernachtet ihr?“
 „In einem Gasthaus ganz in der Nähe. Wie hieß das noch gleich?“ Er sah seine Frau fragend an.
 „Es ist das Inn au roi noir.“
 „Genau.“
 „Ah, das kenne ich.“, bemerkte Mom, als sie herein kam. Dann zog sie verwundert die Brauen zusammen. „Was ist mit dem Fernseher passiert?“
 Dad seufzte schwer und massierte sich das Nasenbein. „Erzähl ich dir später. Wärst du so lieb Adrian in die Küche zu bringen? Ich glaube, ihm geht’s nicht so gut.“
 „Doch, doch. Mir geht’s gut, Mr. Misullis.“, widersprach dieser sofort.
 Mom betrachtete ihn einen Moment. „Wenn das so ist, kannst du mir beim Kochen helfen, Adrian.“
 Er stöhnte auf, folgte ihr aber widerspruchslos. Meine Großeltern standen daraufhin auf.
 „Ich bin wirklich froh, dass wir hergekommen sind.“, bemerkte Aras.
 Nijole nickte zustimmend und streckte die Hand nach mir aus, als ich herüber kam. „Skaisa ist eine wirklich reizende junge Frau.“ Sie drückte mir einen Kuss auf die Wange. „Lass dich von den beiden Jungs nicht unterkriegen, Kleines.“, meinte sie dann auf litauisch, „Die sind noch grün hinter den Ohren.“
 „Aber den Bengel in der Küche solltest du abschießen.“, fügte Aras in derselben Sprache hinzu, „Ich glaube, der ist nichts für dich.“
 Wieder nickte meine Großmutter zustimmend. „Da hat er Recht. Aber du wirst schon selbst wissen, was du brauchst, nicht wahr?“ Wieder küsste sie mich auf die Wange.
 Dann trat Aras einen Schritt näher und umarmte mich fest. „Lass uns morgen doch einen Stadtbummel machen.“
 Tränen der Freude traten mir in die Augen. „Sehr gerne.“
 „Ach, jetzt wein doch nicht.“, murmelte er und rieb mir mit den Fingern über die Wange. „Es ist doch alles gut.“
 „Ich bin einfach nur... so glücklich.“
 Mit einem Seufzer drückte er mich erneut an sich, woraufhin ich mein Gesicht an seiner Brust barg. Er murmelte mir leise Worte ins Ohr und tätschelte mir liebevoll den Rücken. Als er sich irgendwann von mir löste, lächelte ich und wischte mir hastig über die Wangen.
 „Danke, dass ihr hergekommen seid.“
 „Das sind wir gerne, Skaisa.“, antwortete Nijole, „Aber für heute müssen wir wirklich gehen. Morgen sind wir zum Frühstück wieder hier. Okay?“
 Ich nickte hastig. „Okay.“
 Damit verabschiedeten sie sich noch von den anderen, ehe sie gingen. Dad brachte sie noch an die Tür, weshalb ich schließlich allein mit Jason im Wohnzimmer war.
 „Was habt ihr geredet?“, fragte er neugierig, als ich zu ihm ging, „Du hast geweint.“
 „Ich hab mich gefreut.“, erklärte ich, „Morgen machen wir einen Stadtbummel. Bist du dabei?“
 „Klar.“
 „Brauchst du irgendwas, um dich abzureagieren?“
 Er dachte eine Weile nach und ich war mir sicher, dass ihm, so wie er mich ansah, auch ein paar sehr unanständige Gedanken kamen.
 „Oh, benimm dich.“, warnte ich ihn.
 „Ich hab doch gar nichts gesagt.“
 „Aber du hast was gedacht.“
 Leise lachend senkte er den Blick.
 „Beantworte meine Frage.“
 „Ich glaub, hier gibt es nichts, was mir hilft.“
 „Du kannst ja Liegestütze machen.“
 „Ich versuch es. Du kannst dich ja auf mich legen.“
 Misstrauisch kniff ich ein wenig die Augen zusammen, woraufhin er abwehrend die Hände hob.
 „He, ich dachte da an ein Gewicht, nicht an sexuelle Anspielungen.“ Er zögerte. „Obwohl es sicher reizvoll wäre, wärst du dabei nackt.“
 Daraufhin schlug ich ihm so lange gegen die Schulter, bis er begann zu lachen und mich an sich zog.
 „Es ist so süß, wenn du versuchst mich zu schlagen.“
 „Ich habe dich geschlagen.“
 „Wenn es weh tut, würde ich es schlagen bezeichnen. Aber das war eine liebevolle Massage, Kätzchen.“
 Ich schmollte.
 „He.“, protestierte er daraufhin, „Schau nicht so. Sonst will ich dich beißen.“
 „Mich beißen?“
 „Ja.“ Sein Daumen berührte meine Oberlippe. „Gleich hier.“
 Da schlich sich Röte auf meine Wangen.
 „Wenn ihr dann fertig seid mit dem Turteln.“, hob Dad an der Tür an, woraufhin ich von Jason abrückte. „Der Fernseher.“
 Jason zuckte mit den Schultern. „Ist hinüber. Ich bezahle, wenn Sie einen neuen kaufen. Auch wenn Adrian ihn kaputt gemacht hat, es war meine Schuld.“
 „Du siehst nicht gerade so aus, als würdest du es bereuen.“
 „Naja, ich hätte mit ihm in den Garten gehen sollen, das sehe ich schon ein.“
 „Du bereust es also nicht ihn verprügelt zu haben?“
 Daraufhin sah Jason zu mir und musterte mich etwas, ehe er wieder zu Dad sah. „Nein.“
 „Warum?“
 „Adrian denkt nicht nach, wenn er in Rage ist. Wenn ich ihn nicht angegriffen hätte, hätte er weiter gemacht.“
 „Mit?“
 „Damit Skai zu verletzen.“
 Dad ließ sich das einen Moment durch den Kopf gehen. „Statt also dafür zu sorgen, dass er nicht damit anfängt versuchst du ihn mit roher Gewalt daran zu hindern, sobald es soweit ist?“
 Da spannte Jasons Körper sich an. „Es ist nicht so, dass ich es provoziert hätte. Adrian fühlt sich bereits von meiner Anwesenheit gestört. Skaisa hat mich eingeladen. Ich bin dieser Einladung gefolgt. Um das von eben vorzubeugen hätte ich-“ Abrupt unterbrach er sich selbst und presste die Lippen aufeinander, ehe er schwer ausatmete und den Blick abwendete. Dann, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, verließ der das Wohnzimmer.
 „Jason?“ Verwundert sah ich ihm hinterher, ehe ich zu Dad sah. „Dad, was... Was sollte das?“
 „Ich finde es nicht in Ordnung, dass er rohe Gewalt als Universallösung betrachtet.“
 „Adrian weiß ganz genau wie reizbar er ist und hat das ausgenutzt. Jason hat Recht, er hat ihn nicht provoziert.“
 „Es geht nicht darum, ob er ihn provoziert hat, Skai. Selbst wenn Adrian ganz ohne Anlass anfängt irgendwas zu tun kann Jason ihn nicht einfach angreifen. Angenommen mein eigener Vater hätte etwas gesagt, was hätte er dann getan? Hätte er auch ihn angegriffen?“
 Ich öffnete bereits den Mund, um zu verneinen, hielt dann aber inne. Dann schüttelte ich vehement den Kopf. „Jason unterscheidet zwischen Menschen. Er schlägt nicht einfach drauf zu. Ich weiß, du hältst ihn für einen Schläger, aber selbst wenn ich ihn manchmal so bezeichne- Er ist kein Schläger, Dad.“
 Ihm waren seine Zweifel deutlich anzusehen.
 „Wirklich.“
 Ich wusste nicht, wie ich ihn davon überzeugen sollte und als er weiterhin skeptisch blieb, ging ich einfach mit einem Seufzen und hängenden Schultern an ihm vorbei und eilte hinauf.
 „Jason?“, hob ich an meiner Zimmertür an und fand ihn nachdenklich auf meinem Bett sitzend. „Alles okay?“ Hinter mir schloss ich meine Zimmertür und setzte mich neben ihn.
 „Ja.“, antwortete er.
 „Wirklich alles?“
 Er atmete kurz durch. „Dein Vater hat Recht.“
 „Was meinst du?“
 „Ich betrachte rohe Gewalt als Lösung für alles.“
 „Das stimmt nicht.“
 „Wäre ich nicht hier gewesen hätte Adrian dich sicher nicht so behandelt.“
 Ich rollte mit den Augen. „Natürlich hätte er das. Dagegen hättest du auch nichts tun können.“
 „Ihn anzugreifen war trotzdem unnötig.“
 „Du hättest auch einfach schweigend sitzen bleiben können.“
 Wieder presste er die Lippen aufeinander.
 „Aber dann wäre es sicher schlimmer gewesen. Ich hätte ihn einfach nicht einladen sollen. Ich habe nicht nachgedacht.“
 Er schnaubte und legte den Kopf in den Nacken. „Hör auf dir selbst die Schuld zu geben, Skai. Dein einziger Fehler bestand darin dich ein weiteres Mal auf Adrian einzulassen, weil du ein herzensguter Mensch bist und an das Gute glauben möchtest. Nicht darin Adrian einzuladen, weil er dein Freund ist und deine Großeltern zu Besuch sind. Oder mich einzuladen.“
 „Ich sag es dir gerne nochmal klarer, Jason. In meinen Augen hast du nichts falsch gemacht. Außer ihn im Haus anzugreifen. Wir hätten ihn natürlich auch fesseln und knebeln können, aber-“ Ich seufzte schwer.
 „Ich verstehe noch immer nicht, wie du noch mit ihm zusammen sein kannst. Auch, wenn du diese Abhängigkeit hast. Du musst doch einen Selbsterhaltungstrieb haben.“
 Unsicher, wie ich darauf reagieren sollte, tat ich das Erste, was mir einfiel. Schweigen.
 „Ich meine... Du bist sehr intelligent. Du bist stark.“ Er sah zu mir. „Dein Vater ist bereit sich seiner Familie zu stellen, um dich glücklich zu machen. Warum kannst du nicht... Ich meine... Ich habe das Gefühl, dass du ihn mittlerweile nicht einmal wirklich magst.“
 Unruhig wich ich seinem Blick aus.
 „Was hält dich bei ihm?“
 „Du sagst das nicht, damit ich frei für dich bin, oder?“
 „Fuck, nein.“ Er machte eine kurze Pause. „Natürlich wäre ich verdammt glücklich, wenn du dich auf mich einlassen würdest, aber ich würde dich auch dann noch unterstützen, wenn du mir sagen würdest, dass du dich Hals über Kopf in Damian verliebt hättest.“
 „Und bei Quinn?“
 Er rümpfte die Nase. „Dann würde ich an deinem Verstand zweifeln. Quinn, Skaisa? Wirklich?“ Langsam schüttelte er den Kopf.
 „Man kann sich nicht aussuchen, in wen man sich verliebt. Also? Was, wenn es Quinn wäre? Würdest du mich dann auch noch unterstützen?“
 Zögerlich ließ er den Blick etwas schweifen.
 „Was, wenn ich noch immer über alle Maße in Adrian verliebt bin?“
 Ihm war sein innerer Kampf deutlich anzusehen.
 „Dein Vater. Stell dir vor, ich würde mich in ihn verlieben.“
 Allein die Vorstellung schien ihn zu schockieren. Er wirkte etwas blass, als er schwer schluckte und sich mit der Hand übers Gesicht wischte, ehe er sie vor seinem Mund liegen ließ.
 „Scheiße.“, murmelte er dann heiser, „Ich-“ Er schluckte erneut. „Scheiße, Skaisa, sag sowas nicht.“
 „Was wäre wenn? Könntest du mich dann auch noch unterstützen?“
 Ohne noch ein Wort zu sagen schüttelte er nur den Kopf. Dann beugte er sich vornüber, vergrub die Hände in seinem Haar und starrte auf den Boden zwischen seinen Füßen, die Ellenbogen auf seine Knie gestützt.
 Ich bin zu weit gegangen. Das Wissen lag mir seltsam schwer im Magen. „Tut mir leid.“, murmelte ich, „Das war zu viel.“
 „Du hast doch Recht, verdammt nochmal.“, fauchte er, „Aber... scheiße, allein bist du besser dran als mit Adrian. Das weißt du selbst.“ Danach hörte ich ihn irgendwas über Bilder murmeln, die er nicht los wurde, ehe er das Gesicht in seinen Händen vergrub. „Verdammt, nochmal Skaisa. Mein beschissener Vater? Wie- Wie könntest du den auch nur mögen?“
 „Denk nicht mehr daran, das war nur eines dieser Was wäre wenn-Sachen. Ich mag ihn gar nicht.“
 „Fuck.“ Als er sich etwas aufrichtete und sich aufgelöst und irgendwie zerstreut die Haare raufte, bemerkte ich, dass seine Augen ganz rot waren. „Fuck!
 „Jason.“
 Sanft griff ich nach ihm, schlang vorsichtig die Arme um seinen Hals, um ihn an mich zu ziehen. Als er mich daraufhin an sich drückte, hatte ich das Gefühl, als hätte ich einen Welpen getreten.
 „Alles, Skai, aber nicht mein Vater. Nicht er.“ Seine Stimme zitterte. „Nicht er.“
 „Nicht er.“, wiederholte ich zustimmend, „Versprochen. Tut mir leid, dass ich das auch nur angedeutet habe.“
 Sein Atem ging schwer und ich spürte, wie sein Atmen ein paar mal erzitterten. Ich hatte ihn schwer getroffen, ihn zutiefst erschüttert. Mit nur einem einzigen Satz. Zu spüren, dass ich ihm so viel bedeutete, dass es ihn so fertig machte sich diese Situation auch nur vorzustellen, ließ mir klar werden, dass die drei Worte, die er unmittelbar vor Weihnachten gesagt hatte, völlig benommen und unter Drogen, vollkommen ernst zunehmen waren.
 Ich liebe dich, Skaisa.

















Isalija "spricht",
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Zuletzt von Isalija am Di 3 Jul 2018 - 13:10 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Sa 16 Jun 2018 - 14:22

Kapitel 11

 Leonas
 Grübelnd saß ich im Wohnzimmer und starrte die Nummer an, die meine Mutter mir gegeben hatte. Die Nummer meiner Cousine Lilita. Offenbar war der Kontakt zwischen meinen Eltern und den anderen auch stark eingeschränkt, auch wenn sie sich immer auf den neuesten Stand hielten.
 „Hast du noch immer nicht angerufen?“, fragte Geneva mit einem liebevollen Lächeln, als sie herein kam.
 Ich seufzte schwer, lächelte aber zurück. „Ich hab ein bisschen Angst. Sie ist damals auch anwesend gewesen. Sie hat mit Levantin geredet, nachdem ich...“ Zögerlich räusperte ich mich. „Du weißt schon.“
 „Ich verstehe.“ Sie nahm vorsichtig auf meinem Schoß Platz, woraufhin ich die Arme um ihre Taille legte. „Aber sie können dir nicht auf Ewig böse sein. Du musst mit ihnen reden.“
 „Das habe ich damals doch versucht. Ich habe- Ich entschuldigte mich sogar bei Violeta, ich-“
 „Ich weiß.“, unterbrach sie mich sanft und nahm mein Gesicht in ihre Hände. „Das weiß ich. Aber ich bin auch in der Lage darüber hinwegzusehen, dass du so etwas getan hast. Ich sehe, dass du es bereust. Jedes Jahr quälst du dich deshalb. Das ist nicht zu übersehen.“
 Die Schuldgefühle hatten sich so tief in mich hinein gefressen, dass ich dieses nagende Gefühl fast jeden Tag spürte. Ich würde alles geben, um meine Tat rückgängig zu machen.
 „Ruf sie an. Ich bin mir sicher, Lilita wird dich verstehen.“ Sie drückte meine Hände. „Wenn du es nicht für dich tun kannst, dann tu es für Skaisa. Du weißt, sie wird deine Familie brauchen.“
 „Nein.“, widersprach ich sofort, „Wir haben uns darauf geeinigt, dass du diese Therapie machen wirst. Sie braucht dich dringender als einen Haufen Fremder, die ihren Vater nicht leiden können.“
 „Leo, du weißt, dass die Chance auf eine Heilung unter 22% liegt.“
 Mein Herz sank in meiner Brust und mein Hals brannte, zog sich zusammen. „Du machst diese Therapie. Und du wirst diese... diese Krankheit los.“
 Liebevoll küsste sie mich auf die Lippen. „Jetzt ruf schon deine Cousine an. Ich bin mir sicher, sie freut sich von dir zu hören.“ Noch ein Kuss. „Du hast nur ein paar Stunden um ihr alles über unsere himmlische Tochter zu erzählen, ehe Skai von dem Stadtbummel zurück kommt.“
 Ich schluckte schwer und ließ den Blick wieder auf den kleinen Zettel in meiner Hand fallen. Lilita Strasdas. Sie hatte definitiv Janis geheiratet.
 „Vielleicht sollten wir bis nach der nächsten Untersuchung warten.“, überlegte ich laut, „Wenn wir uns sicher sind.“
 „Skaisa wird sie brauchen, Leo. Meine Familie wird sie nicht nehmen.“
 Tief atmete ich durch und schloss einen Augenblick die Augen. „Wir könnten beide diese Therapie machen. Einer von uns sollte es doch schaffen, oder nicht?“
 „Du hast wieder diesen Blick.“ Sanft fuhr sie mir mit beiden Händen durchs Haar.
 „Ich will das nicht akzeptieren ohne alles versucht zu haben.“
 „Wir haben alles versucht. Du weißt, diese Therapie gibt es nur ein paar zusätzliche Jahre.“
 Ich legte ihr eine Hand an die Wange. „Ich würde jedes einzelne Opfern, wenn es bedeutet, dass du es schaffst.“
 Sie legte ihre Hand auf meine und schloss für einen Moment die Augen. „Ich weiß.“ Glücklich schmiegte sie ihr Gesicht in meine Hand. „Ich liebe dich so sehr, Leo.“
 „Ich liebe dich auch.“
 „Lass uns Skaisa dieses Geschenk machen. Das wird unser letztes sein.“
  Der zweite Satz war wie ein Schlag in die Magengrube und mir schossen Tränen in die Augen. Ein Kloß bildete sich in meinem Hals, doch ich musste stark sein. Für unsere Tochter.
 „Du hast Recht.“
 Dann wählte ich die Nummer.

















Isalija "spricht",
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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Di 3 Jul 2018 - 13:28

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Puh, nachdem die letzten beiden Wochenende ziemlich anstrengend waren, kam die Ecke hier leider etwas zu kurz.
Deshalb hab ich euch hier auch wieder beide fehlende Kapitel aufbereitet.
Tut mir leid für die Verzögerung.
Viel Spaß beim Lesen c:

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Kapitel 12

  Skaisa
  Juni
  Zwei Tage. Nur noch zwei Tage.
  Ich schob meine Aufregung zur Seite und rollte mich in meinem Bett herum. Es war Samstagmorgen und Jason hatte für heute abgesagt, weil er etwas wichtiges erledigen musste.
  Ob er sich daran erinnert, dass ich übermorgen Geburtstag habe? Immerhin hatten wir erst gestern darüber gesprochen und er hatte vor herzukommen.
  Schwer seufzend starrte ich an die Wand, ehe ich mich auf die andere Seite drehte und nach meinem Smartphone griff. Um mich etwas abzulenken ging ich ein paar alte Unterhaltungen durch. Unter anderem die Unterhaltung, die ich letzten Monat mit Adrian geführt hatte, als ich mich von ihm trennte.
  Er hatte natürlich versucht mich umzustimmen und es war mir verdammt schwer gefallen nicht nachzugeben, doch ich hatte es durchgezogen und seit dem nicht mehr mit ihm gesprochen. Es war seltsam zu wissen, dass wir dennoch auf dieselbe Schule gingen und uns manchmal über den Weg liefen. Jedes Mal, wenn er mich sah, hatte ich das Gefühl, er wolle mit mir reden, doch ich wich ihm immerzu aus.
  Tara, deren Freundschaft ich schon vor einer ganzen Weile ein Ende bereitet hatte, hatte begonnen auf mich einzureden, weshalb ich mich im Unterricht auf einen anderen Platz setzte.
  Murrend drehte ich mich auf den Rücken und sah an die Decke. Was soll ich heute machen?
  Als mein Magen knurrte, verzog ich das Gesicht und stand schließlich auf. In der Küche traf ich auf Dad, der gerade telefonierte. Er lächelte mich warm an und küsste mich auf die Wange, ehe er das Telefonat freundlich beendete.
  „Guten Morgen, Kleines.“, begrüßte er mich.
  „Morgen, Dad.“ Von einer kleinen Welle Sehnsucht gepackt, schlang ich mit einem Seufzen die Arme um seinen Oberkörper. „Mir ist so langweilig.“
  Er lachte leise. „Der Tag hat doch eben erst angefangen.“
  „Ja und er wird furchtbar lang. Jason hat heute keine Zeit.“
  „Ach nein?“
  Ich murrte unglücklich. „Ich weiß nicht, was ich mit heute machen soll.“
  „Du kannst dein Liebesgeständnis an ihn üben.“
  „Dad!“, rief ich aus und rümpfte die Nase. „Ich liebe ihn nicht.“
  „Wirklich nicht?“
  „Nein.“
  „Du gehst wegen ihm sogar auf ein paar Partys.“, gab er zu bedenken.
  „Ja und das ist jedes Mal eine schlechte Idee. Immer wenn ich auftauchte war er mit mindestens einer Frau im Bett und hat Alkohol getrunken.“
  „Vielleicht solltest du anfangen ihn vorzuwarnen, wenn du auf eine Party gehst.“
  „Aber dann macht es nicht so viel Spaß. Er schaut immer so schockiert, wenn er mich sieht.“
  Da lachte er amüsiert auf und drückte mich an sich. „Woher hast du nur diese sadistische Ader?“
  „Ich glaub, ich hab mich bei ihm angesteckt.“, murmelte ich, ehe ich mich mit einem kleinen Seufzen von ihm löste, um mir etwas zu Essen zu machen. „Wo ist Mom?“
  „Einkaufen.“
  Überrascht sah ich vom offenen Kühlschrank vor mir zu Dad. „Aber das habt ihr doch gestern schon.“
  „Ja, aber du hast Montag Geburtstag. Ich muss sie gleich noch anrufen und sagen, dass du zuhause bist. Jason hat uns einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht.“
  „Ich hoffe, ich bekomme trotzdem Kuchen.“
  „Natürlich. Du bekommst alles, was du dir wünschst.“
  Ich ließ mir die Worte einen Moment durch den Kopf gehen. „Mit dir, Mom und Jason habe ich eigentlich alles, was ich brauche, um glücklich zu sein.“, bemerkte ich dann und sah wieder in den Kühlschrank. „Mir ist am wichtigsten, dass ihr alle glücklich seid.“
  „Skaisa.“
  Der seltsame Ton, mit dem Dad meinen Namen aussprach, brachte mich dazu ihn anzuschauen. „Ja?“
  Sein Blick war warm und voller Liebe. „Komm her.“
  Ohne zu zögern schloss ich den Kühlschrank und ging zu Dad herüber, der mich daraufhin umarmte, fest an sich drückte und mit der Hand über mein Haar streichelte.
  „Es gibt nichts in unserem Leben, was deine Mutter und mich glücklicher macht als dich glücklich zu wissen.“, erklärte er mir dann.
  „Dann passt es ja gut, dass ich glücklich bin, wenn ich euch und Jason habe.“
  Er lachte leise. „Ja, das stimmt.“ Dennoch drückte er mich enger an sich. „Ich liebe dich, mein Schatz.“
  „Ich euch auch, Dad.“ Und ich liebte Momente wie diese, in denen er oder Mom mich einfach nur festhielten. Ich fühlte mich dann so wunderbar geliebt, geborgen und sicher.
  Er löste sich erst von mir, als mein Magen wieder knurrte und lachte leise. „Na gut, dann iss mal was.“
  Verlegen rieb ich mir mein rechtes Ohrläppchen, ehe ich wieder zum Kühlschrank ging. „Ich habe ein neues Buch angefangen.“
  „Ach ja? Worum geht’s?“
  Während ich erzählte, begann ich mein Frühstück vorzubereiten. „Um eine junge Frau, die ihre erste Liebe aus dem Kindergarten nach über zehn Jahren wiedersieht und sich ein weiteres Mal in ihn verliebt.“
  „Das klingt sehr romantisch. Wo ist der Haken?“
  „Er ist bereits glücklich verlobt.“
  „Also gibt es kein Happy End mit ihm?“
  „Mit ihm nicht, nein.“
  Er hob eine Braue. „Raus damit.“
  „Tatsächlich ist sie die Cousine der Verlobten. Sie erfährt erst zur Verlobungsfeier, dass es ihre Kindergartenliebe ist, die heiratet. Auf der Feier lernt sie auch seinen jüngeren Bruder kennen, der nichts anderes im Sinn hat als Röcken hinterher zu jagen.“
  „Dachtest du da etwa an Jason?“
  Mein Mundwinkel zuckte. „Sicher nicht. Der jüngere Bruder setzt sich jedenfalls in den Kopf sie ins Bett zu kriegen und weil sie traurig ist- immerhin verliebt sie sich zum zweiten Mal in denselben Mann und dann ist er bereits glücklich verlobt. Weil sie also traurig ist und Trost braucht kriegt er sie recht schnell ins Bett. Alkohol war auch im Spiel.“
  „Deine Protagonistinnen trinken Alkohol?“ Er wirkte ernsthaft überrascht.
  „Die eine oder andere, ja.“
  „Ich sollte unbedingt mal lesen, was du da schreibst.“
  Ich lächelte ihn an. „Würdest du?“
  „Natürlich.“
  Vor Freude machte mein Herz einen kleinen Sprung.
  „Erzähl weiter. Sie haben miteinander geschlafen.“
  „Genau. Hinterher fühlt sie sich noch elender und sagt ihm auch, dass das nicht nochmal passieren darf.“
  „Aber er möchte nochmal?“
  „Ganz besonders nachdem sie sagte, dass das nicht passieren wird.“
  „Und während er es ein weiteres Mal versucht verliebt er sich in sie, nehme ich an.“
  „Bis über beide Ohren.“
  „Und sie?“
  „Irgendwann auch.“
  Da lächelte Dad sanft. „Du bist eine hoffnungslose Romantikerin. Ich hoffe, du wirst irgendwann genauso glücklich wie deine Protagonistinnen.“
  „Danke, Dad.“ Ich kam herüber und küsste ihn auf die Wange.

  Den Rest des Wochenendes hatte ich damit verbracht an dem Buch zu schreiben, das ich Dad beschrieben hatte. In der Nacht von Sonntag zu Montag war ich dann so nervös, dass ich erst sehr spät einschlief, doch das schränkte meine Aufmerksamkeit nicht ein, weil ich am Montag selbst zu aufgeregt war um müde zu sein.
  Als ich von der Schule nach hause kam warteten Mom und Dad bereits mit dem Kuchen und heißem Kakao. Wie jedes Jahr aßen wir den Kuchen und unterhielten uns über die Ereignisse meines letzten Lebensjahres, ehe ich schließlich ein paar Geschenke bekam. Obwohl es ein wirklich schöner Tag geworden war, war ich jedoch nicht so glücklich, wie ich es erwartet hatte.
  „Ist alles okay?“, fragte Dad, als er es bemerkte, woraufhin Mom mich prüfend ansah.
  „Ja, ich... Ich glaub, ich bin bloß etwas traurig, weil Jason nicht da ist.“, gab ich zu und aß noch etwas von dem Kuchen. Er hat es vergessen.
  „Du kannst ja zu ihm gehen, wenn du willst.“, schlug Mom vor.
  „Aber wir feiern meinen Geburtstag doch immer zusammen.“
  „Heute ist aber dein 18. Geburtstag.“, gab Dad zu bedenken, „Ich denke, zur Feier deiner Volljährigkeit kannst du den Rest des Tages ruhig mit Jason verbringen.“
  „Seid ihr sicher?“
  „Aber natürlich.“, entgegnete Mom lächelnd und küsste mich auf die Wange. „Soll dich einer von uns fahren?“
  „Nein, vielen Dank. Zu Fuß ist es ja nicht ganz so weit.“
  „In Ordnung.“
  „Schreib uns aber bitte eine Nachricht, wenn du vorhast bei ihm zu übernachten.“, bat Dad, „Nur, damit wir uns keine Sorgen machen.“
  „Okay.“ Eifrig sprang ich auf. „Das Stück esse ich morgen auf!“, rief ich und eilte bereits die Treppe hinauf.
  „Möchtest du nicht etwas von dem Kuchen mitnehmen?“, fragte Mom laut genug.
  Ich hielt einen Moment inne. „Das auf meinem Teller und zwei Stücke für Jason!“ Dann lief ich weiter in mein Zimmer.
  In Windeseile packte ich eine Tasche und schrieb Jason eine Nachricht, dass ich mich spontan auf dem Weg zu ihm machen würde, wobei ich ihn zitierte und sagte, dass ich ja jederzeit vorbeikommen durfte. 10 Minuten später stand ich in der Küchentür und packte vorsichtig die Box mit dem Kuchen ein.
  „Wenn was ist, melde ich mich.“, bemerkte ich, ehe ich die Tasche schulterte und zur Tür ging.
  „Grüß Jason von uns.“
  „Mache ich.“ Ich gab beiden noch einen Kuss auf die Wangen, ehe ich mit einem Abschied auf den Lippen das Haus verließ.
  Für gewöhnlich brauchte ich etwa 25 Minuten zu Fuß zu Jasons Haus. Diesmal brauchte ich nur etwa 18. Da Jason aber nicht auf meine Nachricht geantwortet hatte, war ich völlig nervös, als ich schließlich vor seiner Tür stand. Unsicher knabberte ich an meiner Unterlippe und verlagerte mein Gewicht abwechselnd auf das linke und das rechte Bein, ehe ich schließlich klingelte.
  Es blieb überraschend lange still, weshalb ich mich bereits fragte, ob er vielleicht gar nicht zuhause war. Dies war das erste Mal, dass ich spontan zu ihm ging.
  Gerade als ich darüber nachdachte, ob ich wieder nach hause gehen oder nochmal klingeln sollte, wurde die Tür geöffnet und ein überraschter Damien sah mich an. Er trug nichts weiter als eine Shorts.
  „Ähm...“, machte ich unsicher, während er nur fluchte.
  „Fuck.“ Dann sah er sich über die Schulter, ehe er wieder zu mir sah. „Was machst du denn hier?“
  „Bin ich... ähm... ungelegen?“
  Er verzog den Mund. „Sehr sogar.“ Als lautes weibliches Lachen zu hören war, sah er sich erneut über die Schulter. „Warum bist du hier?“
  „Naja, ich... Also, ich hab heute Geburtstag und... ich dachte ich verbringe des Rest des Tages mit Jason. Ich wusste nicht, dass ihr heute hier seid. Mit Frauen?“
  „Eigentlich bin nur ich und Frauen hergekommen.“ Nachdenklich rieb er sich über den Mund. „Wie alt bist du heute geworden?“
  „18.“
  Er stöhnte auf. „Verdammt.“
  „Damien, wo bleibst du denn?“, rief eine Frau.
  „Darf- Also... Was macht ihr so?“
  Ein Anflug von Panik huschte über sein Gesicht. „Wenn ich dir das sagte dreht Jason mir den Hals um. Fuck, warte kurz.“ Hastig schob er die Tür etwas zu und wendete sich ab. Ich hörte, dass er sich mit einer Frau unterhielt, eine andere als die, die ihn gerufen hatte. Er wimmelte sie ab und sagte, er sei gleich wieder da. Kurz darauf öffnete er die Tür wieder. „Tut mir leid. Kannst du vielleicht später nochmal herkommen?“
  Enttäuscht sanken meine Schultern herab. „Entschuldige, ich wollte nicht stören. Jason hat nicht auf meine Nachricht geantwortet, sonst wäre ich wieder umgedreht. Ich hätte vielleicht zuhause bleiben sollen.“
  Während ich redete wurde er sichtbar nervöser, bis er schließlich den Kopf schüttelte. „Nein, nein. Ist okay. Lass mich nur-“ Er bedeutete mir kurz zu warten und schob die Tür ganz zu.
  Unschlüssig stand ich herum und knetete meine Hände. Vielleicht sollte ich einfach wieder gehen. Ich seufzte. Das war eine echt blöde Idee, Skaisa. Eine wirklich echt blöde Idee. Mit einem tiefen Seufzen wendete ich mich bereits von der Tür ab und wollte gehen, als sie wieder geöffnet wurde.
  „Willst du etwa doch gehen?“, fragte Damien verwundert.
  Ich sah herüber. „Ich will wirklich nicht stören.“
  „Es ist dein 18. Geburtstag, Skai. Wir sind nur hier unten, also kannst du hoch in Jasons Zimmer gehen. Ich befürchte es sieht etwas... Also... Du siehst wahrscheinlich sofort, was wir so gemacht haben, also...“ Er atmete hörbar aus und warf abermals einen Blick über die Schulter. „Eigentlich sollte ich das nicht machen, aber ich bringe dich kurz hoch, okay.“
  „Bist du sicher?“
  Er nickte. „Ja. Schließ dich einfach ein, wie sonst auch immer. Ich sag Jason in etwa... einer halben Stunde, dass du da bist, okay.“
  „Wenn es so unpassend ist-“
  „Komm rein.“, drängte er mich daraufhin nur und zog die Tür weiter auf. „Mir tut es nur leid, dass ich ausgerechnet heute die Idee hatte die- Also... herzukommen. Ich wusste nicht, dass du heute Geburtstag hast.“ Sanft nahm er meine Hand und zog mich herein, ehe er die Tür zuwarf. „Wenn wir schnell machen bemerken sie uns nicht.“
  Deshalb legte er einen ziemlich schnellen Schritt vor, als er mich die Treppe hinauf führte. Am obersten Absatz angekommen hatte er mich gerade vor sich geschoben, als ich Jason von unten hörte.
  „Alter, Damien, hier unten spielt die Musik!“, rief er hinauf, „Du hast selbst gesagt, dass es mal was anderes ist im Wohnzimmer zu vögeln.“
  Ich riss die Augen auf. „Was?“
  „Schsch.“, zischte Damien mir daraufhin zu und schob mich weiter. „Ich bin gleich wieder unten, ich hol nur was!“, rief er dann hinunter, ehe er mit zuflüsterte. „Das tut mir verdammt leid, Skaisa.“
  „Was zum Teufel macht ihr da?“
  „Das werde ich dir nicht sagen.“
  „Was willst du denn holen?“, rief Jason wieder.
  Damien fluchte einige Male. „Ich glaub mein Handy ist noch in deinem Zimmer!“
  „Hast du nicht diese... Frau da eingeladen, als wir runter gegangen sind? Du hast doch telefoniert. Dein Handy muss hier unten sein!“
  Als nun Schritte auf der Treppe zu hören war, schob er mich schneller vorwärts. „Ab mit dir.“, murmelte er mir zu und gab mir einen Schubs ins Zimmer, weshalb ich beinahe hingefallen wäre.
  „Damien!“
  „Sei leise.“
  „Mit wem redest du da?“, fragte Jason.
  Hinter mir zog Damien die Tür zu. „Mit niemandem.“
  „Ich hab dich doch reden hören. Wer war da an der Tür?“
  „Bloß so ein Typ, der sich verlaufen hat.“
  „Ich seh dir doch an der Nasenspitze an, dass du lügst. Wen hast du da in mein Zimmer geschmuggelt?“
  Ich seufzte schwer und rollte mit den Augen, als Damien beteuerte hier sei niemand. Dann ließ ich den Blick gleiten und hatte das Gefühl, als hätte man mir einen Hieb in den Magen verpasst. Neben einer beachtlichen Menge an Kleidung – überwiegend von Frauen – lagen ein paar geöffnete Kondomverpackungen herum. Mitten auf dem zerwühltem Bett lag eine offene Schachtel direkt neben einem schwarzen Tanga.
  Haben die etwa gerade... eine... Orgie?
  Mir wurde schlecht. Hierher zu kommen war mit Abstand die schlechteste Idee, die ich heute haben konnte.
  „Verdammt, hör auf scheiße zu labern!“, donnerte Jason plötzlich.
  „Okay, aber reg dich ab, ja.“, entgegnete Damien, „Und hau mir keine rein.“
  „Das tue ich, wenn du nicht sofort sagst, wer da in meinem Zimmer ist.“
  „Skaisa.“
  Als es daraufhin abrupt still wurde, machte ich unbehaglich einen Schritt von der Tür weg.
  „Du verarscht mich.“, kam es kurz darauf von Jason.
  „Nein.“
  Unmittelbar danach wurde die Tür aufgerissen und Jason sah herein. Als er mich sah erstarrte er und sah alles andere als begeistert aus. Glücklicherweise trug er ebenfalls eine Shorts.
  Dumme Idee, dumme Idee, dumme Idee.
  Ganz langsam drehte er sich zu Damien um. „Warum zum Teufel hast du das gemacht?“, fragte er ihn halblaut und sah aus, als wolle er ihn erwürgen.
  „Ich konnte sie nicht wegschicken, Jason. Sie ist wegen dir hier.“
  „Weshalb sollte sie sonst hier sein? Warum hast du mir nicht gesagt, dass sie an der Tür steht?“
  „Weil du gerade-“ Er unterbrach sich und knirschte mit den Zähnen, ehe er ihm etwas so leise sagte, dass ich es nicht hören konnte.
  „Aber warum bringst du sie dann ausgerechnet in mein Zimmer? Sieh dir doch mal an, wie es hier aussieht.“
  Ich konnte sehen, wie Damien das Gesicht verzog und mir einen entschuldigenden Blick zuwarf. „Wohin hätte ich sie sonst bringen sollen?“
  „Jason?!“
  Mein bester Freund stöhnte bei dem Klang der dritten fremden Frauenstimme verzweifelt auf. „Scheiße, schick sie weg.“, bat er Damien dann und machte bereits einen Schritt ins Zimmer.
  „Ich kann auch gehen.“, bemerkte ich unsicher.
  Daraufhin sah Jason zu mir. „Nein, du bleibst.“, entschied er und begann nach und nach ein Kleidungsstück nach dem anderen zur Tür zu werfen. „Lass mich nur alles in Ordnung bringen.“
  Ich zog mir die Lippen zwischen die Zähne und atmete tief durch. „Nein, wirklich, ich... Ich weiß nicht, ob ich noch Lust hab hier zu bleiben.“
  Er sah aus, als hätte ich ihn geschlagen. „Gib mir nur eine Viertelstunde um aufzuräumen und-“ Er deutete zur Tür, an der noch Damien stand. „Verdammt, du sollst sie wegschicken!“
  „Alle?“, hakte dieser nach.
  „Alle!“
  „Okay, okay. Ich brauche nur die Kleidung.“
  „Was denkst du, was ich hier gerade tue?“ Er warf noch immer Frauenkleidung zur Tür.
  „Ich hab's kapiert.“
  „Damien, weißt du wo Jason ist?“ Frau vier.
  „Wie viele Frauen sind denn hier? Sechs?“, kam es mir genervt über die Lippen.
  Beide Männer verzogen das Gesicht.
  „Noch mehr?“
  „Warte unten.“, meinte Damien gerade an Frau vier, während Jason sagte: „Bitte, Skai, das willst du nicht wissen.
  „Sind es mehr oder weniger als zehn?“
  Damien begann die Kleidung aufzusammeln, die Jason ihm mit nun ungeteilter Konzentration zuwarf. Keiner von beiden schaute zu mir.
  „Mehr als zehn.“, murmelte ich daraufhin und seufzte. „Ich hätte nicht herkommen sollen.
  „Du bist jetzt hier.“, entgegnete Jason, „Also bleibst du auch.“
  „Du hast da über zehn Frauen und ich habe überhaupt kein Problem damit nach hause zu gehen.“
  Tief durchatmend hielt Jason inne und raufte sich die Haare, ehe er herüber kam und eine Hand nach mir ausstreckte. „Skai-“
  „Wag es ja nicht mich damit anzufassen.“, fuhr ich ihn an.
  Sofort zog er die Hand zurück und presste die Lippen aufeinander. Einen Moment schwieg er, sammelte sich. „Ich möchte, dass du bleibst. Bitte. Damien sorgt dafür, dass die Frauen gehen und ich räume auf und geh duschen und... dann können wir reden, okay.“
  Wieder zog ich mir die Lippen zwischen die Zähne. Diesmal jedoch, damit ich ihm keine Beschimpfungen an den Kopf warf.
  „Weißt du überhaupt, warum ich hier bin?“, fragte ich, sobald ich mich gefasst hatte.
  Unsicherheit legte sich auf sein Gesicht.
  „Natürlich hast du es vergessen.“
  Ich konnte fast sehen, wie seine Gedanken rasten. Mit einem Mal weiteten sich seine Augen und er sah zu Damien.
  „Welches Datum haben wir heute?“
  „Du hast es vergessen!“, warf ich ihm vor, noch ehe Damien antworten konnte.
  Daraufhin schloss Jason die Augen und atmete aus. „Es- Es tut mir leid.“
  „Du hast es vergessen und feierst stattdessen eine Orgie.“
  „Oh, Gott verdammt!“ Mit diesen Worten ließ er sich auf sein Bett sinken und vergrub das Gesicht in den Händen. „Skai, Liebling, es tut mir so leid.“
  „Wir haben Freitag noch darüber gesprochen.“
  „Ich weiß.“
  „Du wolltest sogar zu mir kommen.“
  „Es tut mir leid! Sowas kommt nicht wieder vor.“
  „Was ist denn da los?“, hörte ich die dritte Frauenstimme auf dem Flur.
  „Geh wieder runter und nimm das hier mit. Ihr solltet besser gehen.“, antwortete Damien mit gedämpfter Stimme.
  „Nein, ist schon okay.“, ging ich dazwischen, „Ich will nach hause.“
  „Nein!“, fuhr Jason sofort auf und sprang auf. „Bleib, bitte. Es tut mir leid, dass ich deinen Geburtstag vergessen habe. Lass mich das kurz alles in Ordnung bringen, bitte.“
  „Ich habe wirklich keine Lust mehr.“
  „Lass es mich wieder gut machen.“ Unschlüssig ließ ich den Blick gleiten. Noch immer lag Frauenkleidung herum und die Kondomverpackungen hatte er noch gar nicht angerührt. „Bitte, Skai.“
  Im nächsten Moment hörte ich Damien protestieren, ehe eine nackte Frau in der Tür auftauchte.
  „Jason, wo bleibst du denn?“, fragte sie und zog einen Schmollmund, ehe ihr Blick abschätzend auf mich fiel. „Wer ist das denn?“
  Ich dagegen rümpfte die Nase. Sie war tatsächlich ziemlich hübsch, hatte eine Figur von der ich nur träumen konnte, lange voluminöse weinrote Haare und ein verdammt schönes Gesicht. Allerdings war sie nun mal vollkommen nackt und stand da, als würde sie gerade über das Wetter sprechen. Als ich dann auch noch diverse Flüssigkeiten bemerkte, musste ich den Blick abwenden.
  „Geh wieder runter.“, hörte ich Damien sagen.
  „Nicht ohne Jason.“, entgegnete sie, „Er hat mitten drin aufgehört.“
  „Dabei bleibt es auch.“, meinte nun Jason, „Zieh dich an und geh.“
  „Was? Ich bin nicht den ganzen Weg hergekommen, damit du mich unbefriedigt wieder nach hause schickst!“
  „Nicht mein Problem. Verzieh dich.“ Dann sah er zu mir. „Können wir ins Bad gehen und da reden?“
  „Liegt da auch irgendwas rum?“, fragte ich.
  „Nein.“
  Sofort setzte ich mich in Bewegung.
  „Jason!“, beschwerte sich die Frau.
  „Hau ab!“, fauchte er zurück, ehe er mir ins Bad folgte und die Tür schloss. Ohne inne zu halten ging er weiter zur Dusche. „Ich ziehe mich nicht aus.“, erklärte er, als er das Wasser aufdreht.
  „Ich dachte, du wolltest reden.“
  „Ja, aber ich will dich auch umarmen.“ Während er das sagte griff er bereits nach einem Schwamm und gab Seife darauf, ehe er begann sich gründlich abzuschrubben.
  Ich drehte mich um. „Zieh dich ruhig aus, ich schau nicht hin.“
  „Bist du sicher?“
  „Ja.“
  „Na gut...“
  Wenige Sekunden später hörte ich seine nasse Shorts auf dem Badezimmerboden landen. Etwas ungeduldig starrte ich die Tür vor mir an und wartete.
  „Kannst du die Türen abschließen?“, bat Jason kurz darauf, „Ich will nicht, dass jemand herein kommt.“
  „Okay.“, murmelte ich und schloss die Tür vor mir ab, ehe ich versuchte so zu der anderen Tür zu gehen, dass ich nicht direkt zu Jason sah. Das war nicht gerade einfach, weil die Tür praktisch neben der Dusche war.
  Warum schließt er sie nicht einfach selbst ab?
  Als ich ihn aus dem Augenwinkel sah, wusch er sich gerade gründlich den Oberarm, als würde er versuchen sich die erste Hautschicht herunter zu schrubben. Ein ganz kurzer Blick in sein Gesicht zeigte mir, dass er von sich selbst angewidert war und ich wusste, dass er verstand, warum ich gerade nicht von ihm berührt werden wollte.
  Ich wendete den Blick wieder ab und schloss die zweite Tür ab, ehe ich die Stirn daran lehnte. Es war nicht zu übersehen, dass er sich gerade nicht wohl fühlte, dass er sich schlecht fühlte. Und als ich ihm vorsichtig einen weiteren Blick zu warf, begegnete ich seinem.
  „Ich dachte, du schaust nicht her.“, bemerkte er und drehte sich so, dass ihn von der Taille abwärts nur von hinten sah.
  „Tut mir leid, ich... wollte dein Gesicht sehen.“, gab ich zu und wendete den Blick wieder ab.
  „Es stört mich nicht, wenn du herschaust. Ich will dich bloß nicht in Verlegenheit bringen. Selbst wenn es dich von dem ablenken würde, was passiert ist.“ Er seufzte schwer. „Ich hab Scheiße gebaut und das tut mir leid.“ Damit drehte er das Wasser ab und den Geräuschen nach zu urteilen trat er aus der Dusche. Kurz darauf sagte er: „Du kannst wieder herschauen.“
  Als ich ihn ansah hatte er ein Handtuch um seine Hüften geschlungen. Ich wich nicht aus, als er die Hand hob, um sie mir an die Wange zu legen.
  „Es tut mir wirklich leid.“, entschuldigte er sich abermals und lehnte seine Stirn an meine.
  „Ich habe mich seit Tagen auf heute gefreut.“, entgegnete ich, „Ich war so aufgeregt wie seit Jahren nicht mehr. Erst dachte ich, du hättest es einfach nur vergessen. Das kann ja passieren, aber dann komme ich her und...“
  Aus seinem Zimmer drang ein Poltern herüber, woraufhin Jason sich mit einem genervten Knurren abwendete, zur Verbindungstür ging, sie aufschloss und beinahe aus der Angel riss.
  „Was zum Teufel tust du da?“, fuhr er die Person dort an.
  „Raste nicht gleich aus.“, fauchte Damien ihn an, „Ich räum dein Zimmer auf, du Trottel.“
  Ein paar Sekunden lang schwiegen die beiden sich nur an, ehe Jason die Luft ausstieß. „Sorry.“, murmelte er dann.
  „Zieh dir einfach was an und mach weiter, damit ich ein Auge auf die Frauen werfen kann.“
  Mein bester Freund wischte sich ein paar Tropfen aus dem Gesicht, ehe er zu mir sah. „Warte bitte kurz. Ich beeile mich, okay.“
  „Na gut.“, murrte ich.
  „Gib mir schon mal deine Tasche.“
  Ich reichte sie ihm und lehnte dann mit der Hüfte am Unterschrank, während er in sein Zimmer ging. Kurz darauf ging ich zum Waschbecken herüber und betrachtete seine Auswahl an Aftershave und Deo, wobei ich feststellte, dass er kein Parfum hatte. Vielleicht mochte er einfach kein Parfum. Nicht, dass er eins brauchte. Wann immer er mich umarmt hatte, war mir nur zu deutlich gewesen, wie gut er roch. Wenn es davon ein Parfum gäbe würde ich sofort eine Großbestellung davon anfordern.
  Neugierig roch ich nach meiner Inspektion an den einzelnen Flaschen und begann unbewusst die, die ich weniger mochte, auszusortieren. Diese stellte ich auf den Tisch weit links neben dem Waschbecken, während die guten Gerüche an ihren Platz zurück kehrten.
  „Was machst du da?“
  Peinlich berührt sah ich abrupt zu Jason auf, der, nun mit einer lockeren Jogginghose bekleidet, in der Tür stand. Er zögerte kurz, ehe er herüber kam und mir von hinten die Arme um die Taille legte, wobei er mir einen Kuss auf die Schulter drückte.
  „Du riechst an meinem Aftershave?“, fragte er amüsiert und lehnte seine Wange an mein Haar.
  „Naja, ich... Ich bin neugierig, was du für Gerüche benutzt.“
  „Ich benutze sie selten. Ich dusche jeden Tag, deshalb brauche ich nicht oft Deo. Meistens benutze ich auch geruchloses Aftershave.“
  „Ach so?“ Verwirrt sah ich mich um.
  „Ich hab es vor ein paar Tagen leer gemacht und noch kein neues gekauft.“ Durch den Spiegel sah ich, wie er auf die aussortierten Flaschen schaute. „Magst du die nicht?“
  „Sie sind irgendwie... Naja... sehr kräftig und... penetrant.“
  „Dann werfe ich sie weg.“
  „Was? Aber, waren die nicht teuer oder so?“
  Er zuckte mit den Schultern. „Ich werde sie eh nicht benutzen.“ Ein warmer Kuss auf mein Ohr. „Bist du noch sauer auf mich?“
  „Ja.“
  Langes Ausatmen. „Es tut mir wirklich leid.“
  „Es wird nicht besser, nur weil du dich entschuldigst, Jason.“, entgegnete ich und sah ihn im Spiegel an.
  Seine Arme schlangen sich enger um mich. „Ich weiß.“ Beschämt wich er meinem Blick aus. „Ich fass nie wieder eine andere Frau an.“
  „Sag das nicht einfach so.“ Während ich das sagte stellte ich das Aftershave, das ich in der Hand hielt, an den Waschbeckenrand und griff nach der nächsten Flasche. „Das macht es nur wirklich schlimm, wenn du wieder mit einer ins Bett gehst.“
  „Ich gehe mit keiner anderen mehr ins Bett. Versprochen.“ Als er sich an meinen Rücken drängte, spürte ich sein Herz in seiner Brust pochen. „Ich will keine anderen Frauen mehr. Selbst heute musste ich die ganze Zeit an dich denken. Ich habe die anderen gar nicht wahrgenommen.“
  „Ich weiß nicht, ob ich geschmeichelt oder angewidert sein soll.“, murmelte ich und stellte die Flasche zu den Aussortierten. „Es waren mehr als zehn Frauen.“
  Als er seufzte, glitt sein Atem über meinen Hals und verursachte bei mir eine Gänsehaut. „Ich will damit sagen, dass ich das Interesse an anderen Frauen verloren habe. Du bist die einzige, die ich noch sehe.“
  „Es ist schwer das zu glauben, nach dem, was ich eben mitbekommen habe.“
  „Okay.“, hauchte er, „Gut. Du musst es nicht sofort glauben.“
  Ein zaghaftes Klopfen an der Tür ließ uns beide aufschauen. Es war eine angezogene Brünette, die etwas unsicher zu uns herüber schaute. Bei dem Gedanken daran, dass Jason sie vor einer halben Stunde noch angefasst und geküsst hatte, versteifte ich mich und schob seine Hände von mir.
  „Skai.“, kam es ihm entschuldigend über die Lippen, „Es-“
  „Ich brauch' jetzt etwas Zeit.“, unterbrach ich ihn sofort, woraufhin er seufzte und einen Schritt von mir weg machte, ehe er zu der Frau sah. „Was willst du?“
  „Ich wollte mich erst nur verabschieden. Damien sagte zwar, wir sollen einfach gehen, aber ich war mir nicht sicher, ob das auch für mich gilt. Brauchst du vielleicht Hilfe beim Aufräumen?“
  „Hier oben nicht. Du kannst Damien fragen.“
  „Okay.“ Zögerlich warf sie mir einen kurzen Blick zu, ehe sie uns zuwinkte. „Tut mir leid, dass ich euch zwei gestört habe. Bis gleich.“
  „Ja, bis gleich.“
  Nachdem sie gegangen war, sah ich Jason entgeistert an.
  „Was ist?“, fragte er verwirrt.
  „Bis gleich?“, wiederholte ich.
  „Ja, sie ist-“ Da schloss er die Augen. „Ich hab sie nicht angefasst. Das ist eine Freundin von Damien. Er mag sie echt gern, deshalb ist sie öfter dabei, wenn wir uns treffen oder herkommen. Hast du sie bisher nie gesehen?“
  „Nein.“
  „Soweit ich weiß steht sie auf ihn. Er weiß das und hat sie heute eingeladen, um sie abzuschrecken.“
  „Mag er sie nicht auf die selbe Weise?“
  „Doch, aber...“ Er zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, das muss Damien dir erzählen.“
  „Okay.“ Ich warf einen Blick zur Tür. „Bist du fertig?“
  Er folgte meinem Blick. „Ja, fast. Ich muss noch die Sachen in die Wäsche bringen und das Bett neu beziehen.“
  „Soll ich hier warten?“
  „Nein, du kannst ruhig rüber kommen.“
  Einen Moment zögerte ich. „Ist es okay, wenn ich in die Küche gehe?“
  Nachdenklich fuhr er sich durchs noch immer feuchte Haar. „Theoretisch schon. Wir sind nicht dort gewesen. Aber ich weiß nicht ob neben Damien und ähm...“ Eine kurze Denkpause. „Olivia. Genau. Ich weiß nicht, ob neben Damien und Liv noch jemand da ist.“
  „In Ordnung.“ Ich ging an ihm vorbei ins Zimmer und trat zu meiner Tasche, um die Box mit dem Kuchen herauszuholen.
  „Was hast du da?“, fragte er neugierig, während er die Wäsche zusammensammelte.
  „Etwas, das du nicht verdient hast.“
  Damit verließ ich das Zimmer und ging hinunter. Damien, der nun ebenfalls angezogen war, und die Frau, Olivia, verließen gerade mit einer weiteren Frau das Wohnzimmer. Ich fragte nicht wer das war, sondern blieb einfach wartend vor der Treppe stehen, während Damien sie energisch zur Tür zu schieben versuchte.
  „Verdammt, Dae!“, rief sie aus und wich seinen Händen aus, um ihn böse anzufunkeln. „Ich sagte, ich will mit Jason sprechen, bevor ich gehe.“
  „Er will aber nicht.“, entgegnete Damien daraufhin und drehte sie wieder zur Tür.
  Olivia blieb schweigend neben der Wohnzimmertür stehen und beobachtete das ganze ruhig.
  „Mir ist scheißegal, was er will.“, fauchte die Frau, „Sag ihm, ich will mit ihm reden. Ich werde nicht gehen, ehe ich nicht mit ihm gesprochen habe.“
  Ich schürzte die Lippen und fragte mich, ob ich einfach in die Küche gehen und die beiden ignorieren sollte. Dann bemerkte mich Olivia, die mich entschuldigend anlächelte.
  „Hi. Tut mir leid, für das Durcheinander.“ Unsicher wrang sie mit den Händen. „Du bist Skaisa, richtig? Damien hat dich erwähnt.“
  Zustimmend nickte ich ihr zu und bemerkte, wie die Frau ihren Blick auf mich richtete, ehe sie wieder zu Damien sah.
  „Warum darf sie bleiben?“, fragte sie dann verärgert, „Hat sie irgendein besonderes Talent für Blowjobs?“
  Damien warf mir über die Schulter einen Blick zu und gab der Frau dann einen Schubs zur Tür. „Sie hat dich nicht zu interessieren. Verschwinde, bevor mir die Hand ausrutscht.“
  „Du willst mich ehrlich schlagen?“ Provokativ hielt sie ihm die Wange hin. „Na los! Mach doch.“
  „Treib's nicht zu weit.“
  „Du schlägst ja doch nicht zu.“ Sie stieß ihn an. „Jetzt sag Jason endlich Bescheid.“
  Mit einem leisen Seufzen trat Olivia zu mir. „Ich bin Olivia. Du darfst mich gern Liv nennen, wenn du willst.“
  „Ich denk drüber nach.“, murmelte ich und warf der Frau einen verunsicherten Blick zu.
  „Beachte sie nicht weiter.“ Zurückhaltend tätschelte sie mir den Unterarm. „Wolltest du ins Wohnzimmer?“
  „In die Küche.“
  „Okay, ich begleite dich, wenn du nichts dagegen hast.“
  „Nein, ist in Ordnung.“
  Also gingen wir zu zweit in die Küche, wobei ich bemerkte, wie die Frau uns mit ihren Blicken quasi erdolchte. Ich hörte wie sie weiter mit Damien diskutierte, also schob ich die Küchentür zu, damit es ruhiger wurde.
  „Kennst du die beiden schon lange?“, fragte Liv und setzte sich auf einen Barhocker, während ich in den Arbeitsbereich ging, um Teller herauszuholen.
  „Fast ein Jahr.“, antwortete ich, „Möchtest du Kuchen?“
  „Oh, sehr gerne.“
  Als ich die Box öffnete, stellte ich fest, dass Mom alles eingepackt hatte, was noch übrig war. Also war genug da.
  Liv sah mir neugierig zu. „Hast du Geburtstag?“
  „Ja. Ich bin heute 18 geworden.“
  „Oh, herzlichen Glückwunsch! Deshalb das ganze Chaos.“ Sie stützte ihren Kopf in ihre Hand. „Jason mag dich wirklich sehr.“
  „Ja, ich weiß. Für meinen Geschmack mag er mich etwas zu sehr.“
  „Ach so? Ich dachte ihr hättet was am Laufen.“
  „Nein, nein. Ich meine, ich mag Jason wirklich sehr gern, fühle mich auch wohl. Er ist.. attraktiv, ohne Frage und ich finde ihn auch anziehend, aber...“
  „Aber?“
  „Ich kann nicht mit jemandem zusammen sein, der pro Woche mit einem Dutzend Frauen schläft und mit Vorliebe Alkohol trinkt.“
  Sie blinzelte überrascht. „Ich verstehe. Das muss für ihn echt schwer sein.“
  „Wie meinst du das?“
  „Nun, ich bin total in Damien verliebt, weißt du. Ich weiß, dass er die Finger nicht von anderen Frauen lassen kann. Er nimmt hin und wieder Drogen und auch er trinkt wirklich gern Alkohol. Aber ich liebe ihn trotzdem.“ Sie zuckte mit den Schultern, während ich den Kuchen auf vier Teller verteilte. „Vor anderthalb Jahren habe ich es ihm gestanden und ich gestehe es ihm seit dem immer wieder, aber er möchte nicht. Er sagt, er sei nicht der richtige für mich.“ Traurig sah sie auf die Arbeitsfläche vor sich und zeichnete mit dem Finger ein Muster nach. „Wenn er betrunken oder high ist fässt er mich an. Küsst mich. Einmal hätte er sogar fast mit mir geschlafen. Aber wenn er dann wieder nüchtern ist rührt er mich nicht an. Jedenfalls nicht so. Er ist nett und charmant, aber... er sieht mich nicht an, als würde er mich wollen.“ Einen Moment schwieg sie, ehe sie mich matt anlächelte. „Ich weiß genau, wie Jason sich bei dir fühlen muss.“
  „Das klingt ziemlich frustrierend.“, bemerkte ich unglücklich. Ob Jason frustriert ist? Verzweifelt?
  „Es ist schwierig.“, gab Liv zu, „Und die Momente, wenn er mich anfässt und küsst, sind, als würde man einem Ertrinkenden ein paar Tropfen Wasser geben. Aber ich will sie nicht missen. Ich weiß, was ich bei Damien finden kann und möchte darauf warten.“
  „Aber wenn er sagt, er sei nicht der richtige... und er sich nicht ändert...“
  „Tatsächlich versucht er immer wieder mir zu zeigen was für ein furchtbarer Partner er wäre. Es tat wirklich weh zuzusehen, wie er all die Frauen heute anfasste, mit ihnen schlief ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen.“
  „Du hast zugesehen?“
  Sie knabberte auf ihrer Unterlippe herum. „Anfangs ja. Ich habe gehofft er würde mich irgendwann ansehen. Aber dann habe ich es nicht mehr ertragen können und bin woanders hingegangen. Vermutlich ist er zufrieden damit, wie es gelaufen ist.“
  „Wenn er dich mag wird er wohl kaum zufrieden damit sein dich verletzt zu haben.“
  „Er ist einer der Menschen, die ein Pflaster lieber mit einem Ruck abziehen, statt es langsam und vorsichtig zu machen.“
  Sie wollte gerade noch etwas hinzufügen, als die Tür geöffnet wurde und die beiden Männer herein kamen. Damien wirkte gereizt und Jason genervt. Als sie jedoch den Kuchen sahen, wirkten sie beide hoffnungsvoll.
  „Bekomme ich eins davon?“, fragte Damien und trat eng neben mich. „Oh, bitte sag ja. Ich verhungere.“
  „Dafür schuldest du mir aber einen Gefallen.“, entgegnete ich.
  „Ich mach alles was du willst.“
  „Das war ganz schön einfach.“ Ich gab ihm einen der Teller und reichte auch Liv einen. Als ich Jason einen hinhielt wirkte er überrascht. „Du hast ihn nicht verdient, aber ich bin kein Unmensch.“
  „Danke.“, murmelte er daraufhin und nahm ihn entgegen.
  Dann reichte ich allen eine Kuchengabel, ehe wir begannen zu essen.
  „Das“, hob Damien kurz darauf an, „ist der beste Kuchen, den ich je gegessen habe. Hast du noch mehr davon?“
  „Drei Stücke sind noch da.“
  Als er mir seinen Teller hinhielt, gab ich ihm noch etwas. „Wer hat den gebacken?“
  „Meine Mutter. Sie ist eine Göttin der Küche.“
  Jason schmunzelte. „Ihre Sandwiches könnte ich den ganzen Tag lang essen.“
  „Verdammt.“, kam es daraufhin von Damien, „Darf ich mir Skaisa nicht für eine Weile ausleihen?“
  „Vergiss es.“
  Da sah Damien zu mir. „Willst du nicht meine Freundin sein, statt dich von dem da anbaggern zu lassen?“ Er deutete mit dem Kopf zu Jason, der ihm daraufhin in die Seite schlug.
  „He, passt auf den Kuchen auf!“, warnte ich die beiden, „Und ich will ganz sicher nicht deine Freundin sein, Damien.“
  Er verzog das Gesicht, als hätte ich ihm gerade körperliche Schmerzen zugefügt. „Aber warum nicht?“
  „Du bist weitaus schlimmer als der da.“ Ich ahmte sein Kopfnicken nach, woraufhin er begann leise zu lachen.
  „He.“, beschwerte sich daraufhin Jason, „Ich gebe mir allerlei Mühe.“ Dann schob er Damien beiseite, damit er neben mir stehen konnte. „Vielen Dank für den Kuchen.“ Er stellte den Teller beiseite und nahm mir meinen ab, ehe er mich in seine Arme zog. „Und ich weiß, es kommt etwas spät, aber... Alles Gute zum Geburtstag.“
  Dann verteilte er etwa zwei Dutzend Küsse in meinem Gesicht, bis mein Bauch nicht mehr aufhörte zu kribbeln. Den letzten Kuss drückte er mir sanft auf die Lippen und war dabei ganz vorsichtig, als erwarte er, dass ich ihn dafür schlug. Als ich aber nichts dergleichen tat, küsste er mich erleichtert etwas länger, inniger. Ich ließ ihn eine Weile gewähren, genoss den Kuss sogar, schob ihn irgendwann aber wieder von mich, weil mir Bilder im Kopf herum schwirrten, wie er irgendwelche Frauen beglückte.
  „Man, das war ja richtig niedlich.“, bemerkte Damien, „So hab ich meine Freundin in der Junior High geküsst.“
  Jason warf ihm einen finsteren Blick zu. „Im Gegensatz zu dir weiß ich eben was angebracht ist.“
  Liv, die rücksichtsvoll auf ihren Teller geschaut hatte, hob nun den Blick und lächelte mich warm an. „Ich hoffe, du bist nicht sauer, wenn ich jetzt gehe. Wahrscheinlich störe ich hier nur.“
  Sofort schüttelte ich den Kopf. „Ach nein, tust du nicht. Ich bin wirklich froh zur Abwechslung mal eine richtige Frau kennen zu lernen. Die einzigen, die ich bisher zu Gesicht bekam, waren alle läufige Hündinnen.“
  Die beiden Männer verschluckten sich.
  „Und Jason ist nicht gerade die beste Begleitung, um irgendwo anders Freunde zu finden. Den Kerlen droht er mit der Faust und die Frauen schauen nur ihn an.“
  „Ich weiß was du meinst.“, bemerkte Liv und streckte die Hand aus um meine zu berühren. „Ich gebe dir gern meine Nummer, wenn du möchtest.“
  „Sehr gerne.“
  „Verdammt.“, hob in dem Moment Jason an und sah mich entgeistert an. „Hast du die Frauen eben wirklich als läufige Hündinnen bezeichnet?“
  Resigniert sah ich zu ihm. „Ja. Und weder du, noch deine Freunde machen den Eindruck als würde es sie stören.“
  Immerhin hatten die beiden den Anstand zu erröten. Ich tauschte mit Olivia die Nummern aus und folgte ihr zur Tür, um sie zu verabschieden.
  „Wir sehen uns dann demnächst.“, meinte sie an Jason und umarmte ihn kurz, wobei sie ihm auf die Schulter klopfte.
  „Ja, ja.“, entgegnete er und tätschelte ihr den Schopf.
  Damien übersprang sie geflissen, als sie sich mir zuwendete. „Ich schreibe dir die Tage. Wir können uns ja mal zum Essen irgendwo treffen.“
  „Das wäre echt schön.“, antwortete ich und drückte kurz ihre Hand.
  „Ich wünsche euch dann noch einen schönen Abend.“ Sie hob nochmal zum Abschied die Hand und trat zur Tür.
  „Willst du mich nicht zum Abschied umarmen?“, fragte Damien enttäuscht.
  Sie ignorierte ihn einfach. „Bye bye.“
  „Olli, komm schon.“
  Seine Worte blieben ungehört, was Liv damit unterstrich, dass sie die Tür mit Nachdruck hinter sich zuzog. Jason, der mir einen Arm um die Schultern legte, seufzte.
  „Man, du hast es dir bei ihr wirklich versaut.“
  Sein Freund ließ die Schultern hängen. „Halt den Rand. Du hast dich nicht mal an Skaisas Geburtstag erinnert.“
  „Ja, aber ich lass sie nicht dabei zusehen, wie ich es mit fünf Frauen gleichzeitig treibe.“
  „Halt's Maul. Es ist besser so für sie.“
  „Du siehst nicht so aus als würdest du das wirklich denken.“
  Damien schnaubte. „Ich kann mich nicht wie du für eine Frau einfach ändern, egal wie heiß sie ist. Nichts für Ungut, Skai.“
  Ich winkte ab. „Ich nehm's nicht persönlich. Du bist ja nicht ernsthaft an mir interessiert. Liv an dir aber schon.“
  „Habt ihr geredet?“
  „Jepp.“
  Unsicherheit huschte über sein Gesicht. „Was hat sie gesagt?“
  „Kurz gesagt, dass du ein ziemliches Arschloch bist, dass es darauf ansetzt sie so oft es geht zu verletzen.“
  Seine Augen weiteten sich.
  „Dachtest du ernsthaft, dass es ihr nicht weh tut, was du da machst?“, fragte Jason ungläubig, „Es wundert mich manchmal, dass sie überhaupt noch mit dir spricht.“
  Er rieb sich über den Mund. „Sie hat kein einziges Wort mehr zu mir gesagt.“, gab er zu und warf einen Blick zur Tür, ehe er den Kopf schüttelte. „Sie kriegt sich wieder ein.“
  „Ich hoffe nicht.“, brummte Jason, „Du hast sie nicht verdient und sie hat es nicht verdient so behandelt zu werden.“
  „Kümmer dich um deinen eigenen Dreck.“ Damit riss er die Tür auf und ging.
  „Jason.“, tadelte ich ihn daraufhin.
  „Was?“
  „Hol ihn zurück?“
  „Teufel, nein. Warum sollte ich?“
  Ich sah ihn finster an, woraufhin er genervt mit den Augen rollte und Damien fluchend hinterher trottete. Meine Wenigkeit begab sich unterdessen wieder in die Küche, wo ich die Teller und Gabeln abspülte. Einige Minuten später hörte ich Damien laut fluchen.
  „Scheiße, lass mich los, du Drecksack!“
  Verdutzt ging ich an die Küchentür und stellte fest, dass Jason ihn offensichtlich im Schwitzkasten herein gezogen hatte. Nun warf er die Tür zu und schob Damien vor sich, ehe er zu mir sah.
  „Zufrieden?“
  Als Damien daraufhin perplex von Jason zu mir sah, konnte ich nicht anders als zu lachen.
  „Was sollte das?“, wolle Damien verärgert wissen und sah mich fragend an.
  „Tut mir leid.“, entgegnete ich lachend, „Ich wollte, dass Jason dich zurück holt, aber ich dachte, er würde es auf die friedliche Art tun, statt dich einfach ins Haus zu zerren.“
  Verwirrt runzelte er die Stirn. „Und warum wolltest du, dass er mich zurück holt?“
  „Weil ich Geburtstag habe.“
  Er blinzelte einige Male. „Und?“
  „Willst du nicht mit uns feiern?“
  Nun zeichnete sich Erkenntnis auf seinem Gesicht ab. „Oh. Ach so.“ Nachdenklich rieb er sich den Nacken und legte den Kopf etwas zurück. „Wenn du willst, gern. Du springst nicht zufällig nackt aus einer Sahnetorte, oder?“
  „Natürlich nicht!“, fuhr Jason ihn an, ehe er zu mir sah. „Wehe du ziehst auch nur eine Socke aus!“
  Ich schürzte die Lippen. „Ich hatte eigentlich schon vor, mir etwas anderes anzuziehen.“
  „Darf ich zuschauen?“, fragte Damien hoffnungsvoll.
  Jason hob bereits die Faust, weshalb ich schnell herüber hastete und mich an seinen Arm hängte.
  „Hey, hey. Keine Gewalt an meinem Geburtstag, okay. Du schuldest mir was.“
  Nachgiebig ließ er die Faust wieder sinken. „Na gut. Aber hör wenigstens auf mit ihm zu flirten.“
  „Was, bist du etwa eifersüchtig?“, stichelte Damien amüsiert.
  Ich sah resigniert zu ihm auf. „Wenn du ihn weiter ärgerst, dann wird mein ganz besonderer Wunsch dir die Nase ein weiteres Mal zu brechen.“
  „Du blutrünstiges kleines Häschen.“ Mit diesen Worten packte er mich plötzlich und zauste mir so lange das Haar, bis ich anfing mich zu beschweren und mit den flachen Händen auf seinen Oberkörper schlug. Er lachte jedoch nur verzückt. „Meine Güte, wie süß ist das denn? Versuchst du mich zu schlagen?“
  „Oh, nicht du auch noch.“, stöhnte ich auf.
  Jason brach in Gelächter aus.
  „Fuck.“, brach es nur weiter aus Damien heraus. „Mach das nochmal!“
  „Nein.“
  „Komm schon.“
  „Nein und jetzt lass mich los.“
  Ohne auf eine Reaktion zu warten zog Jason mich aus seinen Armen und drückte mich stattdessen an seinen eigenen Körper.
  „Skaisa ist mein Kätzchen.“, wiederholte er die Worte, die er bereits fallen gelassen hatte, als ich Damien kennen gelernt hatte. „Die geb ich nicht her.“
  Damien dagegen fasste sich ans Herz. „Ich glaub, ich hab mich verliebt, Jason.“
  Als ich begann zu schmollen, stöhnte er gequält auf.
  „Lass sie in Ruhe.“, forderte Jason daraufhin, „Krall dir lieber Liv.“
  „Aber Liv ist nicht... nicht... Skai.“
  „Das ist nicht mein Problem.“
  „Hört auf damit, das ist peinlich.“, ging ich dazwischen und versuchte meine Haare zu entwirren. „Jason, Damien muss selbst begreifen, dass Liv perfekt für ihn ist. Da bringt es nichts ihn zu triezen und zu provozieren.“
  Plötzlich lachte Damien auf. „Es ist nicht so, dass ich das nicht begriffen habe. Ich weiß das nur zu deutlich.“, bemerkte er verbittert, „Aber ich bin nicht der Richtige für sie. Das beweist schon die Tatsache, dass sie wegen heute verletzt ist.“
  „Sie ist verletzt, weil du sie verletzen wolltest.“, korrigierte Jason, „Du warst nie der Typ, der sich gleich mehrere Frauen auf einmal nimmt.“
„Nicht so wie du?“, fragte ich ihn mit verengten Augen.
  Er überging das. „Ich erinnere mich daran, wie du mir vor einer Weile sagtest, dass du dich gern auf eine einzige Frau konzentrieren willst. Dass du eine Beziehung willst. Du hast die Chance direkt vor der Nase.“
  „Jason, ich habe es versucht.“, entgegnete Damien ernst, „Ich habe versucht mit allem aufzuhören. Aber ich konnte es nicht.“
  „Mach es doch wie Jason.“, schlug ich vor, „Eins nach dem anderen.“
  Verwundert zog Damien die Brauen zusammen. „Wie meinst du das?“
  „Jason hört auch nicht mit allem auf einmal auf. Es sind nicht allein die Drogen, die mich gestört haben. Es sind auch die Frauen und der Alkohol, aber er weiß, dass er nicht alles auf einmal lassen kann, also fing er mit dem schlimmsten an.“
  „Den Drogen.“, murmelte Damien und sah zur Tür. „Ich nehme andere Drogen als Jason es getan hat. Die machen abhängig.“
  „Wir können dir helfen, wenn du willst.“, schlug Jason vor.
  Ich nickte zustimmend. „Ich weiß, du würdest dasselbe für uns tun, wenn wir darum bitten.“
  Er starrte uns ein paar Sekunden einfach nur an, ehe er schwer ausatmete und plötzlich grinste. „Man, ihr sagt schon uns und wir, als wärt ihr bereits ein Paar.“
  Als ich bemerkte, dass er Recht hatte, stieg mir Hitze ins Gesicht. „So- So meinte ich das nicht!“
  „Oh, ich aber schon“, widersprach Jason amüsiert.
  „Du hast dich vor Olli und mir küssen lassen.“, bemerkte Damien.
  „Ja, aber- Das war nur- Grrr.“ Ich vergrub das Gesicht in den Händen. Das ist so peinlich.

















Isalija "spricht",
denkt und handelt.


Zuletzt von Isalija am Di 3 Jul 2018 - 18:37 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Di 3 Jul 2018 - 13:30

Kapitel 13

 Die Monate vergingen und mit der Zeit wurde mir klar, dass ich mich immer mehr in Jason verliebte. Wie er es versprochen hatte rührte er keine andere Frauen mehr an, was ich schon allein daran bemerkte, dass mich vermehrt die vernachlässigten Frauen ansprachen, damit ich Jason in Ruhe ließ. Als eine davon drohte mir die Haare abzuschneiden, entschied ich, dass ich damit aufhören sollte spontan auf Partys aufzutauchen. Stattdessen verbrachte ich zunehmend mehr Zeit mit Damien, der sich darauf konzentrierte für den Anfang den Frauen abzuschwören, weil das Liv wohl am schwersten verletzte.
  Diese war zu einem wahren Goldstück von Freundin geworden. Besonders, nachdem sie erfahren hatte, dass Damiens Sinneswandel mir zu verdanken war. Irgendwann war sie mit verweintem Gesicht vor unserer Haustür aufgetaucht und hatte sich dankbar in meine Arme geworfen. Ich hatte mich etwas seltsam dabei gefühlt und ihr unbeholfen auf den Rücken geklopft, während Dad uns amüsiert allein gelassen hatte.

  Ein paar Monate nach meinem 19. Geburtstag – genauer gesagt, der Tag, an dem Jason und ich uns vor genau zwei Jahren kennen gelernt hatten – war ich mit Jason auf dem Weg zu einer Feier, wie er es nannte.
  Ich vermutete, er nannte es nur so, damit ich nicht sagen konnte, dass ich auf keine Party gehen wollte, aber ich sagte nichts, als ich ihn begleitete.
  Es fand in einem Haus in einem Nachbarort statt und Jason kannte wohl den Besitzer schon seit Jahren. Da Damien ihn nur ein halbes Jahr länger kannte als ich, war ich neugierig auf die Menschen, die er wohl vorher schon kannte – was letztendlich der Grund dafür war, warum ich überhaupt mitkam.
  Als wir ankamen war die vermeintliche Feier bereits in vollem Gange, wirkte aber nicht so aufgepumpt wie die Partys, auf denen ich Jason sonst immer begegnet war. Im Vergleich dazu wirkte es tatsächlich nur wie eine kleine Feier.
  Etwas behaglicher betrat ich mit Jason das Haus und griff nach seiner Hand, damit wir einander nicht verloren, woraufhin er unsere Finger miteinander verschränkte, wie er es immer tat, wenn wir uns in eine Menschenmenge begaben. Als würde man ein Schloss noch ein zweites Mal abschließen.
  „Jason?“, ertönte nur wenige Augenblicke später eine ungläubige Männerstimme. „Jason Whitaker? Sehe ich das richtig?“
  Der Mann neben mir begann zu lächeln. „Gavin! Scheiße, du hast noch immer dieses Frauengesicht!“
  Da tauchte ein Mann vor uns auf, den man, der Männlichkeit in allen Ehren, als verdammt schön bezeichnen konnte. Jason wirkte durch und durch maskulin aber dieser Mann war weich und zierlich wie eine Elfe. Mit langen Haaren, Brüsten und weniger Stoppeln könnte er als Frau durchgehen.
  „Sag das nochmal und ich klau dir deine Freundin.“
  Die beiden umarmten sich brüderlich, klopften sich ein paar dutzend Mal auf die Schultern und lösten sich dann wieder voneinander.
  „Das hier ist Skaisa.“, stellte Jason mich dann vor, „Ich bin nach zwei Jahren endlich kurz davor sie endlich rum zu kriegen, also lass deine Finger von ihr.“
  Neugierig richteten sich zwei leuchtend blaue Augen, umrahmt von den schönsten Wimpern, die ich je gesehen hatte, auf mich. „Nicht zu fassen. Freut mich echt dich kennen zu lernen. Ich bin Gavin.“ Er beugte sich herüber, um mich auf die Wange zu küssen und griff zusätzlich mit beiden Händen nach meiner freien Hand, um sie zu drücken. „Ist das erste Mal, dass ich höre, dass Jason eine Beziehung anstrebt.“
  „Ähm... freut mich ebenfalls. Ist das erste Mal, dass ich jemanden kennen lerne, der Jason länger als zweieinhalb Jahre kennt.“
  Gavin grinste. „Ich kenn ihn fast mein ganzes Leben lang, aber wirklich befreundet waren wir nie so richtig. Du solltest mal Travis kennen lernen.“
  „Travis?“, hakte ich nach und sah neugierig zu Jason. Ich konnte mich daran erinnern, dass er ihn mal erwähnt hatte.
  Dieser verzog den Mund. „Travis ist umgezogen.“, erklärte er dann, „Keine Ahnung, wo der jetzt steckt.“
  „Ach, echt?“ Gavin blinzelte. „Ist was passiert?“
  „Hast du davon nichts gehört? Das ist etwa... drei Jahre her.“
  Er riss die Augen auf. „Weiß sie davon?“
  „Wovon?“, wollte ich wissen.
  Jason wand sich ein wenig. „Das erzähle ich dir ein anderes Mal. Wichtig ist nur, dass ich seit Jahren keinen Kontakt mehr zu Travis habe. Es ist aber auch nicht so, als würde ich ihn wollen. Wie auch immer.“ Er winkte ab, womit das Thema offenbar erledigt war. „Wer ist alles hier? Kenne ich ein paar davon?“
  Die nächsten zwei Stunden war ich damit beschäftigt einen Haufen alter Freunde von Jason kennen zu lernen und lauter witziger und interessanter Geschichten über ihn zu hören. Jason konnte jedoch jedes Mal mit einer ebenso witzigen Geschichten kontern.
  Interessanterweise waren die Frauen hier nicht so aufdringlich wie in unserem Ort. Hin und wieder kam eine herüber und flüsterte Jason etwas zu, doch wenn er den Kopf schüttelte, zuckten sie lediglich mit den Schultern und gingen weiter, bis sie es schließlich nicht mehr versuchten.
  „Woher kennst du all die Leute?“, fragte ich, nachdem wir uns von einem Paar weiblicher Zwillinge verabschiedet hatten, die davon schwärmten wie schön die Zeit doch gewesen war, als Jason noch öfter in der Nähe gewesen war. An der Art und Weise, wie sie das sagten, war eindeutig zu erkennen, dass es sich nicht um sexuelle Anspielung handelte, sondern um einfache ereignisreiche Erinnerungen, die nichts mit Sex zu tun hatten.
  „Ich habe mal für ein paar Jahre hier gewohnt. Das war in meiner rebellischen Phase, drei Jahre nachdem mein Vater akzeptiert hat, dass mein Erzieher nicht der richtige Umgang für mich war.“
  „Du meinst, du bist von zuhause abgehauen?“
  „Naja, nicht so ganz. Ich lief zwar davon, aber mein Vater hat mir die Wohnung bezahlt, weil er nicht wollte, dass ich, sein Sohn und Erbe, in irgendeiner gammligen Bude lande und für Skandale sorge.“
  „Einen ganz kurzen Moment dachte ich schon dein Vater sei ein bisschen väterlich gewesen und hätte eingesehen, dass du Zeit für dich brauchst.“
  „Er ist kaum zuhause, da habe ich genug Zeit für mich.“
  Stimmt. „Wie auch immer. Ich habe jetzt wirklich Durst. Gibt es hier etwas ohne Alkohol?“
  „Du wirst die Feiern hier drüben lieben. Alles, was Alkohol enthält wird mit einem roten Punkt gekennzeichnet.“ Er zog mich zu einem Tisch mit allerlei Getränken. „Gavin mixt gern alle möglichen Getränke mit Alkohol.“ Er deutete auf diverse Soda- und Saftflaschen, auf denen alle ein roter Punkt und ein Buchstabe war. „Die sind alle alkoholhaltig. Alle mit einem blauen Punkt“ Er deutete auf besagte Flaschen. „sind alkoholfrei.“
  „Das ist ein wirklich gutes System.“
  „Du siehst, du hast eine große Auswahl an Getränken. Aber wenn du sicher gehen willst, kann ich vorher probieren.“
  „Das wäre toll. Ich bin noch etwas misstrauisch.“
  Mit einem verständnisvollem Lächeln goss er mir etwas Saft ein und nippte daran, ehe er es mir reichte. „Ungefährlich.“, verkündete er.
  „Danke.“ Es war ein Segen etwas trinken zu können. Und ein noch größerer Segen war, dass Jason Recht hatte. Ich trank etwa vier verschiedene Getränke mit blauem Punkt und alle waren alkoholfrei. „Mischt niemand einfach so etwas dazu?“
  „Warum sollten sie?“
  „Um Menschen betrunken zu machen, die es nicht sein wollen.“
  Er hob eine Schulter. „Wenn man dabei erwischt wird, fliegt man raus. Alle finden es gut, wie es ist. Hier begegnen sich die Leute mit Respekt und Rücksicht.“
  Es gefiel mir hier wirklich. „Gibt es nicht immer ein schwarzes Schaf?“
  „Leider ja. Aber wenn du bei mir bleibst, passiert dir nichts. Wenn ich mal nicht in der Nähe bin, halte dich an Gavin, okay.“
  „Okay. Danke.“
  Er lächelte, als ich ihm einen Kuss auf die Wange drückte. „Kommst du mit der Menge an Menschen zurecht?“, fragte er dann aufmerksam.
  „Es ist schon schwierig. Bis auf dir sind alle fremd.“
  „Aber?“
  „Naja, mit dir ist es erträglich. Aber allzu lang möchte ich nicht mehr bleiben.“
  „In Ordnung. Sag Bescheid, wenn du gehen möchtest.“
  „Mach ich.“
  Dann mischten wir uns noch ein wenig unter die Leute. Irgendwo trieb Jason noch ein paar alte Freunde auf, die ich noch nicht kennen gelernt hatte und schien ihnen soweit zu vertrauen, dass er mich für zwei Minuten allein ließ, um ins Bad zu gehen. Ich hatte nicht einen Moment Sorge, dass etwas passieren könnte.
  „Hast du Spaß?“, fragte er eine Stunde später, als wir uns am Rand eines tanzenden Haufens im Tankt der Musik hin und her wiegten.
  „Ich denke schon, ja.“
  Er küsste mich auf den Hals. „Ist dir etwas aufgefallen?“
  Nachdenklich ließ ich den Blick durch den Raum gleiten. „Nein. Was denn?“
  Leise lachend drückte er die Wange an meinen Kiefer. „Ich warte, bis du es bemerkst.“
  „Okay. Aber bis dahin müsste ich einmal auf Toilette.“
  „Gut. Soll ich dich hin bringen?“
  „Nein, danke, ich finde es schon.“
  „Ich komm hinterher, wenn du länger als 5 Minuten brauchst.“
  „Einverstanden.“
  Dann gab er mir einen kleinen und sehr süßen Kuss auf die Lippen. „Ich liebe dich.“
  Da spürte ich es. Wärme. Sicherheit. Geborgenheit. Ein kleines Feuer, das mich von innen wärmte. Ich fühlte mich leicht und... unbeschwert. „Ich liebe dich.“
  Ich spürte, wie er überrascht den Atem anhielt, ehe er mich ein weiteres Mal küsste. Obwohl er sich gerade von mir lösen wollte, schlang er die Arme fest um mich und küsste mich, als gäbe es kein Morgen mehr.
  Amüsiert lachte ich kurz darauf auf und schob ihn sanft von mir. „Jason, ich muss immer noch ganz dringend auf Toilette.“
  Unzufrieden seufzend ließ er mich los. „Na gut. Aber beeil dich.“
  „Versprochen.“
  Als ich in den Flur trat fühlte ich mich beschwingt und konnte nahezu spüren, wie mein Körper Endorphine ausschüttete. Ich begann gut gelaunt mit der Musik zu summen und suchte das Badezimmer auf. 2 Minuten später, als ich das Bad wieder verließ und zurück zu Jason gehen wollte, versperrte mir plötzlich jemand den Weg.
  „Hallo, Hübsche.“, begrüßte er mich lächelnd, „Ich hab das Gefühl, ich hätte dich schon mal irgendwo gesehen.“
  Überrascht trat ich einen Schritt zurück, weil ich beinahe in ihn hinein gelaufen war, und sah zu ihm auf. „Hm, nein. Ich glaube nicht.“
  Nachdenklich rieb er sich mit dem Daumen über die Unterlippe. „Bist du sicher?“
  „Ja. Entschuldige, aber mein Freund wartet-“ Ich wollte mich an ihn vorbei schieben, aber da griff er plötzlich nach meinem Arm und zog mich wieder vor sich.
  „Aber, aber. Nicht so schnell.“, lachte er, „Wie heißt du?“
  Ein Seufzen kam mir über die Lippen. „Skaisa. Aber ich meine es ernst. Mein Freund ist nebenan und wartet auf mich.“
  „Pff.“ Er rollte mit den Augen. „Der wird doch noch ein paar Minuten warten können, oder nicht?“
  Mein Blick fiel auf die Hand, mit der er mich festhielt. „Ich weiß nicht. Er ist etwas ungeduldig.“
  „Wie wäre es, wenn wir uns dann verstecken, hm?“ Ohne eine Antwort abzuwarten zog er mich den Flur entlang, weg von Jason, der Musik und den tanzenden Menschen.
  „Nein, warte. Ich möchte zurück.“
  „Ach komm. Nur 10 Minuten.“ Ein freundliches Lächeln. „Ich tu dir schon nichts.“
  Mir wurde etwas unbehaglich, wollte ihn aber auch nicht vor den Kopf stoßen. „Ich möchte nicht so lange weg bleiben.“ Während ich das sagte, warf ich mir einen Blick über die Schulter und hoffte, dass Jason bereits nach mir suchte. Doch ich sah ihn nirgendwo. Andererseits war ich auch erst etwa 3 Minuten unterwegs und er sprach von 5. „Wir sollten nicht so weit weg gehen.“
  „Tun wir doch nicht. Achtung, Stufe.“
  Verwirrt sah ich nach vorn und stellte fest, dass er mich nun eine Treppe hinauf zog. „Wie heißt du überhaupt?“
  „Ich verrate ihn dir nur, wenn du versprichst nicht zu lachen.“ Ein amüsierter Blick. „Keine Angst, ich suche bloß eine Ecke, in der man in Ruhe reden kann.“
  „Ich würde mich wohler fühlen, wenn wir unten bleiben.“
  „Ach komm schon, nur ein paar Minuten.“ Er hielt mir vier Finger hin.
  Obwohl ich ein ungutes Gefühl bei der Sache hatte, seufzte ich nur schwer. „Wie ist dein Name?“
  „Melkior.“
  Verwundert zog ich die Brauen zusammen. „Melkior?“
  „Ja. Ein ziemlich bescheuerter Name, oder? Meine Mutter hat mich nach einem der heiligen drei Könige benannt.“
  „Ach so.“ Mein Magen zog sich zusammen, als er mich in ein Schlafzimmer zog und ich blieb an der Tür abrupt stehen, weshalb ihm meine Hand entglitt.
  „Was ist?“, fragte er überrascht.
  „Das ist ein Schlafzimmer.“, entgegnete ich und machte einen Schritt zurück.
  „Ja. Und?“
  „Ich... würde es vorziehen, wenn wir nicht in einem Schlafzimmer wären.“
  „Hier oben ist sonst nur ein Badezimmer.“, entgegnete er und griff erneut nach meinem Arm, um mich weiter herein zu ziehen und die Tür zu schließen.
  „Kann die Tür offen bleiben?“
  „Aber dann schaut ständig jemand herein.“
  Genau das möchte ich ja. „Worüber möchtest du reden?“
  „Ach, über dies und das.“ Er setzte sich aufs Bett und klopfte neben sich, damit ich mich zu ihm setzte.
  Unsicher trat ich näher und ließ bewusst so viel Abstand zwischen uns, wie möglich.
  „Bist du von hier?“, fragte er neugierig.
  „Nein.“ Mein Unbehagen ließ mich nur kurz antworten. Vielleicht wurde ihm langweilig. „Und du?“
  „Ja. Ich wohne ein paar Straßen weiter.“ Sein Kopf legte sich etwas schräg. „Wirklich, ich könnte schwören, ich hätte dich schon mal gesehen.“
  „Ich glaube, ich würde mich daran erinnern, wenn ich schon mal mit dir gesprochen hätte.“
  Er murrte zustimmend. „Skaisa, sagtest du, ja?“
  „Ja.“
  „Hmmm...“ Eine unangenehme Stille breitete sich aus.
  „Gehst du oft auf Partys?“, fragte ich, um die Stille zu durchbrechen.
  „Hin und wieder mal.“ Wieder wurde es ruhig. Die Musik drang nur sehr leise durch die Tür.
  „Ich sollte wieder zurück gehen.“, murmelte ich und wollte aufstehen.
  „Nein. Nein, warte.“, protestierte er sofort und zog mich wieder aufs Bett. „Ich bin noch nicht fertig.“
  „Ich-ich möchte wieder runter. Lass mich bitte los.“
  Stattdessen zog er mich quer übers Bett, bis ich darauf lag. „Ich erinnere mich wieder.“, bemerkte er dann und lächelte seltsam.
  Unterdessen versuchte ich ihm meinen Arm zu entwinden. „Lass mich los.“
  „Skaisa Misullis.“ Als er sich mit einem Mal über mich beugte, versuchte ich ihn wegzuschieben, doch er leckte mir bloß über den Kiefer. „Du müsstest jetzt 19 sein.“
  Woher weiß er das? „Was willst du von mir?“
  Kurz rümpfte er die Nase, ehe er an mir herab sah und mein Shirt hoch zu schieben begann. „Ich will dich zur Abwechslung mal anfassen, statt dir nur dabei zuzusehen.“
  Kalte Schauer überfielen mich. Statt mir dabei zuzusehen? Wage erinnerte ich mich daran, was meine Therapeutin mir einmal gesagt hatte. Das Problem bei Internetkontakten ist, dass man die Menschen meistens nicht sehen kann. Ich schluckte schwer und spürte plötzlich Tränen in meinen Augen, weigerte mich zu glauben, wer sich da gerade über mich beugte.
  „Ich muss sagen, es hatte schon was.“, fuhr er fort, „Ich hab gar nicht damit gerechnet dich hier zu sehen. Was machst du hier?“
  Ich war wie erstarrt, als er begann meinen Bauch zu streicheln. Meine Muskeln verkrampften, mein Atem stockte, als würde selbst meine Lungen aufhören wollen zu arbeiten.
  „Hast du etwa Angst?“ Er lachte auf. „Mensch, Skai. Hab ich dir je Anlass gegeben Angst vor mir zu haben?“
  Oh ja. „Hör bitte auf.“, wisperte ich, „Lass mich gehen.“
  „Wir fangen doch gerade erst an.“ Dann schob er quälend langsam die Hand in das Körbchen meines BHs. „Hin und wieder schaue ich mir immer noch die Fotos an.“
  Tränen liefen mir übers Gesicht.
  „Ich kann sie deinem Freund zeigen. Ich bin mir sicher, er würde sie mögen.“ Seine Lippen glitten über meine Wange, ehe er mir ins Ohr flüsterte: „Ich für meinen Teil fand es wirklich ziemlich heiß zu sehen, wie du dich fingerst.“
  Scham ergriff mich. „Hör auf damit.“ Erneut versuchte ich ihn von mich zu schieben. Nach und nach schienen meine Gliedmaßen wieder zum Leben zu erwachen und ich begann mich zu wehren. „Lass mich los!“
  Er lachte bloß, packte meine Handgelenke und hielt sie mir mit einer Hand über dem Kopf fest. „Wenn du dich wehrst, tust du dir nur weh, Skybaby.“
  Jetzt hatte ich keinen Zweifel mehr daran, dass der Mann, der gerade begann mich auszuziehen, der Mann war, der sich als Josse ausgegeben hatte. Es hatte nur einen einzigen Menschen gegeben, der mich Skybaby nannte.
  „Du hast ein bisschen zugenommen.“, bemerkte er, nachdem er mir Shirt und BH über den Kopf geschoben hatte. Er griff nahezu genüsslich nach meiner Brust und senkte den Kopf herab, um sie zu küssen.
  „Loslassen!“, schrie ich abrupt auf und zerrte wie verrückt an meinen Händen. Gleichzeitig versuchte ich mich mit den Beinen von ihm weg zu manövrieren, doch dann schob er sein eigenes über meine Oberschenkel und drückte mich dort hinab.
  „Jetzt zick' doch nicht so rum.“, beschwerte er sich ruhig, „Sonst sorge ich dafür, dass dir das hier weh tut.“ Um seine Worte zu unterstreichen, grub er die Zähne in das Fleisch direkt unter meiner linken Brust, bis ich begann vor Schmerz zu schreien. Dann ließ er von mir ab und küsste sanft die Stelle. „Du solltest nicht so schreien.“, tadelte er mich dann, „Sonst hört dich noch jemand.“ Dann lachte er plötzlich. „Aber ich glaube, so laut kannst du gar nicht schreien. Die Musik ist selbst hier oben im Flur noch etwas zu laut.“
  Als ich spürte, wie er sich am Verschluss meiner Hose zu schaffen machte, begann ich mich wieder zu wehren. Diesmal so stark ich konnte.
  „Hör auf damit!“, schrie ich ihn an, „Lass mich los!“
  Ohne Vorwarnung schob er die Hand in meinen Slip und packte mich dort auf eine Art, die so schmerzhaft war, dass es mir den Atem verschlug.
  „Halt still!“, zischte er mich an, „Und sei endlich leise. Es interessiert sich niemand für deine Probleme.“
  Das ist eine Lüge! Da er den Griff nicht geschwächt hatte, hatte ich noch immer Probleme damit zu atmen. „Aufhören.“, keuchte ich leise und schluchzte.
  Da ließ er los und begann mich stattdessen sanft zu liebkosen. „Na also. Bleib einfach so liegen und halt deinen hübschen Mund.“
  „Ich will das nicht.“, weinte ich, „Bitte hör auf.“ Ein weiteres Schluchzen brach aus mir heraus. „Lass mich gehen.“
  Er machte weiter.

  Eine Ewigkeit später, als ich schon gar nicht mehr schreien konnte und mir etliche Stellen am Körper weh taten, wurde plötzlich die Tür aus den Angeln gerissen und landete mit lautem Poltern auf dem Boden. Der Mann, von dem ich mir sicher war, dass sein Name weder Josse, noch Melkior waren, wurde von mir herunter gerissen. Abrupt drehte ich mich auf die Seite, zog die Beine an und schob meine Arme vor die Brust. Mein ganzer Körper zitterte vor Erschöpfung und Angst. Ich nahm nicht wahr, was um mich herum passierte, bis plötzlich eine Decke über mir ausgebreitet wurde und jemand meinen Namen sagte.
  „Skaisa. Schau mich an. Liebling, sieh mich an.“
  Jason. „Jason?“
  „Ja, ich bin hier. Schau mich an.“
  Langsam begriff ich, dass ich die Augen zugekniffen hatte und öffnete sie langsam, ehe ich zu Jason aufsah, der sich über mich beugte. Sobald ich ihn sah fiel alle Angst von mir und ich brach erleichtert ein weiteres Mal in Tränen aus.
  „Jason!“
  „Ist schon gut.“, tröstete er mich sanft, als ich mich an ihn drängte. „Ich bin da.“
  „Ich will weg von hier. Weg von diesem Kerl.“
  „Er ist weg.“, versprach er, „Er wurde runter gebracht. Jemand hat die Polizei gerufen. Du bist in Sicherheit. Keiner fasst dich mehr an.“
  „Geh nicht weg.“
  „Ich bleibe bei dir. Versprochen.“ Fest drückte er mich an seine Brust. „Ich lasse dich nicht allein.“

  Als ich endlich mit Jason wieder zu ihm fahren konnte, ging bereits die Sonne auf. Ich hatte eine Aussage bei der Polizei gemacht und Jason hatte einen der Sanitäter beinahe verprügelt, weil der auf eine genauere Untersuchung bestehen wollte.
  „Wie geht’s dir?“, fragte Jason vorsichtig, als wir sein Zuhause betraten, und warf mir einen unruhigen Blick zu.
  „Ich bin müde.“, antwortete ich leise und trat näher, um mich an ihn zu schmiegen. Es fühlte sich so seltsam an weiter als einen halben Meter von ihm entfernt zu sein. „Schläfst du bei mir im Bett?“
  „Ich schlafe auf der Couch.“, entgegnete er sanft, „Du brauchst jetzt keinen aufdringlichen Kerl.“ Er küsste mich aufs Haar. „Soll ich dich hoch tragen?“
  „Mir tut alles weh.“
  Daraufhin hob er mich hoch und trug mich hinauf in sein Zimmer, wo er mich auf sein Bett legte. Dort hielt er nachdenklich inne.
  „Darf ich dich ausziehen?“
  „Es ist in Ordnung, wenn du es bist.“, antwortete ich, „Du würdest nie-“ Mein Hals schnürte sich mir zu. „Niemals so etwas- so etwas tun.“
  Im nächsten Moment lag er bereits neben mir und hielt mich fest. „Sch sch sch. Ist schon gut.“
  „Er kannte mich bereit, Jason.“, weinte ich, „Ich wusste nicht, wie er aussieht, wusste nicht, wie er klingt, aber ich kannte ihn irgendwie auch.“
  Immer wieder küsste er mich auf die Schläfe, auf die Stirn, auf mein Haar. „Er kommt nie wieder in deine Nähe.“
  „Er sagte, er hat Fotos und Videos. Er sagte, er könne sie dir zeigen und war sich sicher, dass sie dir gefallen würden.“
  Ich spürte, wie er schwer schluckte. „Er wollte dich bloß demütigen.“
  „Aber was, wenn er wirklich Fotos hat?“
  „Hast du der Polizei davon erzählt, dass ihr bereits einmal übers Internet Kontakt hattet?“
  „Ich hab es erwähnt, ja.“
  „Auch seine Drohungen über Fotos und Videos?“
  „Ja.“
  „Dann werden sie sicher seine Sachen durchsuchen. Wenn irgendwas existiert, dann sorge ich dafür, dass es verschwindet.“
  „Versprochen?“
  „Das schwöre ich dir.“
  „Danke.“
  Ganz sachte streichelte er mir über den Rücken, bis ich mich beruhigt hatte. Dann begann er mich vorsichtig auszuziehen und legte mich richtig ins Bett. Er blieb neben mir auf der Decke liegen und flüsterte mir beruhigende Worte zu, bis ich einschlief.

  Als ich aufwachte, fühlte ich mich wie gerädert. Mein Kopf schmerzte, meine Arme, Brüste- mein ganzer Körper tat weh und zwischen meinen Beinen brannte und pochte es. Ich stöhnte leise vor Schmerz und öffnete nur langsam die Augen. Einen Moment geriet ich in Panik, als ich Jason nirgendwo sah, doch dann kam er aus dem Bad ins Zimmer. Ein Handtuch hatte er um seine Hüften geschlungen, mit dem anderen trocknete er sich die Haare.
  „Hey.“, begrüßte er mich sanft und kam näher, um sich zu mir zu setzen. „Wie geht’s dir?“
  Ich rollte heran und schlang die Arme um ihn. „Mir tut noch immer alles weh.“
  „Soll ich dir ein heißes Bad einlassen?“
  „Nur, wenn du bei mir bleibst.“
  Er strich mir das Haar aus dem Gesicht. „Du brauchst sicher etwas Zeit für dich, um nachzudenken.“
  „Ich kann auch nachdenken, wenn du da bist.“
  Leise seufzte er tief. „Ich glaube nicht, dass ich mich beherrschen kann, wenn du nackt bist. Es war schon schwer genug dir den BH unter dem Shirt auszuziehen, ohne etwas unanständiges zu tun.“
  Ich schauerte etwas. „Ich hab irgendwie Angst davor mich zu weit von dir zu entfernen.“, gab ich zu.
  „Wie wär's, wenn ich die Tür zum Flur abschließe und hier im Zimmer bleibe, während du badest? Wenn du mich rufst, höre ich dich sofort. Ich kann auch die Verbindungstür offen lassen.“
  Ich schluckte schwer. „Okay.“
  Sanft löste er sich von mir und ging hinüber ins Bad. Kurz darauf kam er wieder und hob mich samt Decke auf seine Arme.
  „Jason?“
  „Ja?“ Er sah auf mich herab.
  „Gibst du mir einen Kuss?“
  „Bist du sicher, dass du das erträgst?“
  Mit einem Blick auf seinen Mund nickte ich, woraufhin er den Kopf zu mir herab senkte und so vorsichtig küsste, dass ich mich fühlte, als würde ich jeden Moment zerbrechen. Doch das wollte ich nicht, also schob ich ihm meine Hände in den Nacken und drängte mich ihm entgegen. Ein leises Stöhnen entfuhr ihm und er presste mich fest an sich, als er den Kuss erwiderte.
  Ich wollte nicht, dass dieser namenlose Mann von letzter Nacht mir das raubt, was ich erst gefunden hatte. Aber Jason war zu rücksichtsvoll und löste sich schon bald von mir.
  „Das reicht. Skai.“, murmelte er und drückte mir einige heiße Küsse auf die Wange. „Du musst niemandem etwas beweisen.“
  „Ich beweise nichts. Ich möchte einfach nur von dir geküsst werden.“
  „Zuerst musst du dich erholen.“
  Damit setzte er mich im Bad ab und ging hinüber in sein Zimmer.

  Einige Stunden später saß ich mit ihm im Wohnzimmer auf der Couch, kuschelte mich an ihn und schaute einen Film. Jason bewegte sich neben mir keinen Millimeter und würde wahrscheinlich sogar aufhören zu atmen, wenn ihm das möglich gewesen wäre. Außerdem war er unglaublich angespannt, fast als... hätte er Angst sich zu bewegen.
  Als er irgendwo mitten ihm Film schwer ausatmete, zog sich einiges in mir zusammen und ich grub die Finger in sein Oberteil, woraufhin er sofort die Luft anhielt, ehe er leise weiter atmete.
  „Alles okay?“, fragte er leise.
  „Ja.“, entgegnete ich sofort, „Entschuldige.“
  Eine hauchzarte Berührung ein meiner Schulter ließ mich so heftig zusammen fahren, dass er die Hand sofort zurück zog. „'tschuldige.“
  „Nein, ich...“ Deprimiert kniff ich die Augen zu und presste die Lippen aufeinander. „Ich hab mich bloß erschreckt.“ Und um ihm zu zeigen, dass es okay war, legte ich seine Hand wieder auf meinen Oberarm. „Siehst du? Alles okay.“
  Er schluckte schwer. „Skaisa... Ich tue dir nichts.“
  „Das weiß ich.“, beteuerte ich und kämpfte gegen einen Knoten an, der sich in meinem Magen bildete. „Du würdest mir nie weh tun.“
  Und doch zuckte ich zusammen, als er eine Hand hob, um meine Wange zu berühren. Außerdem schien er irgendwas in meinem Gesicht gesehen zu haben, denn sein Ausdruck verhärtete sich plötzlich und er zog die Hand langsam wieder zurück.
  „Ich sollte dich nach hause bringen.“, murmelte er.
  „Ich möchte noch etwas bleiben.“, widersprach ich.
  „Deine Eltern machen sich bestimmt schon Sorgen. Eigentlich wollte ich dich gestern Abend schon nach hause gebracht haben.“
  „Sie wissen, dass ich bei dir in guten Händen bin.“
  „Und trotzdem ist dir etwas passiert.“ Während er das sagte, wendete er den Blick ab und schaute auf meine Hand, die auf seinem Oberschenkel ruhte. „Ich hätte dich nicht allein lassen sollen.“
  „Sag nicht sowas. Niemand hätte ahnen können, dass das passiert.“
  „Ich hatte so ein komisches Gefühl, als du gegangen bist. Ich wäre dir fast hinterher gelaufen.“ Sein Kiefer arbeitete einen Moment. „Fuck, hätte ich das mal gemacht.“
  „Jason.“ Ich streichelte ihm über die Wange. „Das ist doch nicht deine Schuld. Du hast mich gerettet. Das allein zählt. Du bist gekommen und hast mich vor ihm gerettet.“
  „Da war es schon zu spät. Ich hätte das verhindern können.“
  „Das hätte ich auch.“, gab ich zurück, „Ich hatte tausende Chancen das zu verhindern. Nicht zuletzt, als er mich in das Schlafzimmer gezogen hat. Da hätte ich sofort umdrehen sollen.“
  „Bei dir ist das was anderes. Du willst an das Gute im Menschen glauben und gehst nicht gleich vom schlechten aus, wenn dir jemand sagt, dass er-“ Schnaubend unterbrach er sich selbst. „Scheiße, Skai. Du hast dich ja nicht mal nennenswert verteidigt, als ich dich damals an die Wand gedrängt habe.“
  „Du hast aber auch wirklich nichts getan.“
  „Aber er, verdammt nochmal!“
  Ich zuckte zusammen, als er lauter wurde, woraufhin er die Augen schloss, leise fluchte und den Kopf in den Nacken legte. Ein paar Augenblicke saß er einfach nur da und wartete, bis er sich beruhigt hatte.
  „Das ist nichts schlechtes.“, fuhr er schließlich ruhiger fort, „Das ist eines der Dinge, die ich an dir liebe, auch wenn das ein wenig naiv ist. Aber das macht dich zu einem positiven Menschen und das ist wunderbar.“
  „Jason...“ Ich wollte irgendwas dazu sagen, aber nichts von dem, was ich hätte sagen können, wäre passend gewesen
  „Na komm, Baby.“, meinte er kurz darauf, sah zu mir herüber und seufzte leise. „Ich bring dich nach hause.“
  Mein Magen verknotete sich etwas, doch diesmal senkte ich nur widerspruchslos den Kopf, woraufhin er aufstand und den Fernseher ausschaltete.

  Eine halbe Stunde später klingelte Jason an unserer Tür. Ich hielt seine Hand, hatte meine Finger mit seinen verschränkt, den anderen Arm um seinen geschlungen und lehnte mit dem Kopf an seinem Oberarm. Die Fahrt hierher hatte sich angefühlt, als wäre ich gejagt worden, obwohl nichts dergleichen passiert war.
  Als Dad die Tür öffnete, verspannte Jason sich etwas neben mir und räusperte sich. „Sir.“
  „Ah, da seid ihr zwei ja. Wir haben uns schon Gedanken gemacht, warum ihr gestern Abend nicht mehr hergekommen seid.“ Etwas erleichtert lächelte Dad, wurde jedoch wieder ernst, als er die Stimmung bemerkte. „Ist etwas passiert?“
  Mein Freund stockte, weshalb ich zu ihm aufsah und er zu mir herab blickte.
  „Wir haben bloß etwas gestritten.“, antwortete ich, als Jason wieder den Mund öffnete, um zu antworten. „Und wieder vertragen und... Wir sind...“
  Als ich nicht weiter sprach, stieß Jason die Luft aus. „Ich muss für ein paar Tage die Stadt verlassen.“, erklärte er dann, woraufhin Dad verständnisvoll nickte.
  „Ich verstehe.“, murmelte er, „Möchtest du noch rein kommen? Geneva kocht gerade.“
  Bei der Vorstellung, dass Jason jetzt schon gehen könnte, verkrampfte ich mich plötzlich und griff seine Hand fester, woraufhin er mit seinem Daumen über meinen Handrücken strich.
  „Sehr gerne.“, antwortete mein Freund dann, „Danke, Sir.“
  „Nichts zu danken. Gen freut sich immer dich zu sehen.“, entgegnete Dad und trat zur Seite, damit wir hereinkommen konnten.

  Die darauffolgenden Tage waren eine Qual. Es war sehr schwer gewesen mich von Jason zu verabschieden und die Vorstellung in die Schule zu gehen verängstigte mich mehr und mehr. Glücklicherweise stand bald die Prüfungszeit an, weshalb ich nicht mehr so oft hin musste. Die meiste Zeit lernte ich also, um mich davon abzulenken, dass Jason nicht in meiner Nähe war.
  Besonders schwierig war das abends, wenn ich ins Bett ging und ich begann nachzudenken. In der ersten Nacht überlegte ich, ob ich ihn anrufen oder anschreiben sollte, aber ich machte mir Sorgen, dass ich ihn bei irgendwas stören würde. Er hatte mir gesagt, er sei aus geschäftlichen Gründen nicht in der Stadt.
  Natürlich fragte ich mich da auch, was er beruflich eigentlich machte. War er Leiter eines Firmenimperiums, wie sein Vater? Vielleicht war er Besitzer einer Ladenkette. Erst dachte ich, er sei beruflich untätig, weil er so viel Geld hatte. Aber das war nicht das erste Mal, dass ich mitgekriegt hatte, dass er irgendwas machte. Ich wusste nur nicht was.
  Letztendlich vergingen vier Tage, ohne dass ich ein Wort mit Jason gewechselt hatte und ich abends nur mit großen Problemen einschlief. In der fünften Nacht wachte ich dann aus einem Albtraum auf und spürte Tränen auf meinen Wangen. Ich musste seine Stimme hören, also griff ich ohne Zögern nach meinem Mobi, wählte seine Nummer und wartete.
  „Skai?“, meldete er sich verschlafen, „Was ist los?“
  „Jason?“ Ich schluckte leise und zog die Nase hoch, ehe ich mich in meine Decke kuschelte. „Hab ich dich geweckt?“ Die Uhr verriet mir, dass es 3 Uhr morgens war.
  „Halb so schlimm. Was hast du? Weinst du etwa?“ Er klang besorgt.
  „Ich... Ich vermisse dich. Ich hab so viel Angst und... ich schlafe schlecht.“
  „Skaisa... Baby...“ Seine Stimme war ganz sanft. „Ich bin bald wieder da, okay? Morgen Abend geht mein Flug zurück.“ Im Hintergrund hörte ich Stoff rascheln. „Wenn du möchtest, können wir heute Abend telefonieren, bis du einschläfst.“
  „Das wäre toll.“, entgegnete ich lahm, „Ich hatte diese Nacht einen Albtraum.“
  „Möchtest du darüber reden?“
  „Es war nichts bedeutendes. Ich... Es war nur gruselig und ekelhaft. Um mich herum war alles schwarz und es griffen von überall Hände nach mir.“
  „Ich hoffe, es waren nicht meine Hände.“
  Das kam so unerwartet, dass ich auflachte. „Ich glaube kaum, dass es dann ein Albtraum gewesen wäre.“
  „Schön, das zu hören.“ Ein leises Seufzen seinerseits. „Ich vermisse dich auch, Skai.“
  „Musst du oft auf solche Geschäftsreisen?“
  „Nur sehr selten.“
  Nachdenklich malte ich vor mir auf das Kissen kleine Kreise. „Also... werden wir nicht oft getrennt sein?“
  „Das hoffe ich sehr.“ Seine Stimme klang ein wenig rau, als wären seine Gedanken gerade bei einem ganz anderen Thema. „Hast du wieder so eine Shorts und ein Shirt an?“
  Ich blinzelte überrascht und fasste mir an den Bauch. „Äh... ja. Die von dir, sogar.“
  Er... schnurrte. „Unterwäsche?“
  „Einen Slip.“
  „Wie sieht der aus?“
  Mein Gesicht wurde heiß. „Äh... hellgrau. Mit Spitze am Rand. U-und er hat eine kleine schwarze Schleife oben auf der Vorderseite.“
  „So süß...“ Er seufzte erneut. „Trägst du gern Spitzenunterwäsche?“
  „Sie ist hübsch.“, entgegnete ich leise.
  „Kätzchen.“, raunte er, „Wenn ich dir welche kaufe, trägst du sie dann?“
  „Wenn du-“ Unwillkürlich presste ich die Oberschenkel zusammen. „Nur, wenn sie nicht zu freizügig ist.“
  „Keine Sorge. Ich habe nicht vor falsche Gefühle in dir hervorzurufen.“
  Irgendwie schaffte er es mir eine Gänsehaut zu bereiten. „Jason...“

  Sobald Jason wieder da war, hing ich an ihm wie eine Klette und hätte am liebsten sogar die Prüfungen sausen gelassen, nur um bei ihm zu bleiben. Meine Ängste hatten mich bereits so weit im Griff, dass ich nach einigen Stunden getrennt von Jason begann zu zittern und mich paranoid umzusehen. Glücklicherweise bot er an mich morgens zur Prüfung zu fahren und auch wieder abzuholen, damit ich nicht länger von ihm getrennt war als nötig. Allerdings bemerkte ich im Laufe der Wochen, dass er sich trotz der körperlichen Nähe von mir zurück zog. Nach dem Kuss in seinem Zimmer hatte es keinen weiteren mehr gegeben und er versuchte immer seltener mich von sich aus zu berühren.
  Fast zwei Jahre später hatte sich die Situation nicht gebessert. Der Mann, der mich vergewaltigt hatte bekam einen Namen, den ich verdrängte, und wurde zu  lebenslänglich verurteilt, da herausgefunden wurde, dass ich nicht sein erstes Opfer war. Glücklicherweise hatte es weder Fotos noch Videos gegeben.

  Es war nun April und die Sonne gab sich jede Mühe die Erde zu erwärmen, weshalb ich zur Abwechslung mit Jason in seinem Garten auf einer Decke lag. Ich las ein neues Buch und erzählte ihm hin und wieder von Szenen, die ich besonders gut fand, während er mich einfach nur beobachtete.
  „Wie fühlst du dich?“, fragte er irgendwann.
  Ich sah zu ihm herüber. „Warum fragst du?“
  „Du wirkst in letzter Zeit so... traurig. Ist etwas passiert?“
  Es wunderte mich nicht, dass es ihm aufgefallen war. Dennoch fühlte ich mich nicht wohl dabei mit ihm darüber zu reden, obwohl ich ihm sonst auch alles erzählte. „Es ist bloß...“, hob ich langsam an und senkte den Blick. „Jason... sind wir ein Paar?“
  Er antwortete nicht. Stattdessen blieb er ein paar Sekunden reglos liegen, ehe er sich auf den Rücken drehte und in den Himmel schaute. „Damien und Liv haben sich letztens gestritten.“, bemerkte er irgendwann.
  „Ja, sie hat mit mir darüber geredet.“ Er wird dir darauf nicht antworten, Skai. „Sie hat Angst, dass er Schluss macht.“
  „Damien sagte, er hätte davor Angst, dass sie Schluss macht.“
  „Sie hat ihn geliebt, obwohl er vor ihren Augen mit fünf Frauen geschlafen hat. Da wird sie nicht wegen einem Streit Schluss machen.“, gab ich zu bedenken und schob das Lesezeichen zwischen die Seiten meines Buches, als mein neues Mobi, ein Geschenk von Jason, eine kurze Melodie spielte.

  Dad: Skai, deine Mutter und ich müssen dir etwas wichtiges sagen. Komm bitte so schnell du kannst nach Hause. Am besten ohne Jason. Du kannst hinterher mit ihm reden, wenn du möchtest.

  „Alles in Ordnung?“, fragte Jason.
  „Ja, ich... muss nach hause.“, antwortete ich nur und stand auf.
  „Ist etwas passiert?“
  „Keine Ahnung.“, murmelte ich und war bereits auf dem Weg hinein. Komm bitte so schnell du kannst nach Hause. Es war definitiv irgendwas passiert. „Ich melde mich später.“ Ich hatte ein wirklich ungutes Gefühl.
  Jason holte mich ein. „Soll ich dich fahren?“
  „Nein, nein.“
  „Skai.“ Er seufzte. „Rede mit mir.“
  „Ich sagte, ich melde mich später.“
  Die Angst vor dem, was meine Eltern mir sagen wollten, ließ mich grober klingen, als ich wollte. Ich öffnete bereits den Mund, um mich zu entschuldigen, weil er aussah, als hätte ich ihn geohrfeigt, doch dann drehte ich mich einfach um und ging.
  Ich beeilte mich, um nach Hause zu kommen und stellte wahrscheinlich einen neuen Rekord auf. Es war schwierig ohne Jason durch die Stadt zu laufen. Als ich das Haus betrat, fand ich Mom und Dad im Wohnzimmer, wo sie sich offenbar gerade unterhalten hatten und das Gespräch abbrachen, als sie mich hörten.
  „Ich bin da.“, verkündete ich, „Was ist los?“
  Mom lächelte mich entschuldigend an, während Dad aussah, als sei er am Boden zerstört. Aus irgendeinem Grund begann mein Herz wie wild zu pochen, als ich herein kam.
  „Mom? Dad?“ Ich setzte mich auf die Couch. „Was ist passiert?“
  Gequält wendete Dad den Blick ab, während Mom das Wort erhob. „Ich bin krank.“
  Verwirrt zog ich die Brauen zusammen und ließ den Blick zwischen ihnen hin und her gleiten. „Was meinst du mit krank? Krank wie erkältet oder verschnupft?“
  Sie schüttelte langsam den Kopf. „Es ist schlimmer als das, Liebes. Ich habe so lange dagegen angekämpft wie ich konnte, aber... es lässt sich mittlerweile weder verbergen noch bekämpfen. Ich habe es schon seit ein paar Jahren.“
  „Aber... Warum hast du nichts dagegen gemacht? Und was genau hast du?“
  Sie schluckte schwer. „Vor etwa fünf Jahren wurde bei mir Lungenkrebs diagnostiziert.“ Als ihre Hände kurz zitterten, verschränkte sie sie in ihrem Schoß und lächelte mich weiter an. „Ich habe alles getan, was ich konnte, weil ich für dich da sein wollte. Der letzte Ausweg war eine Therapie, die mir Zeit mit dir verschaffte. Leider habe ich davon nicht mehr sehr viel.“
  Mein Verstand hatte Probleme das zu begreifen. Sie war so fröhlich und sah so gesund aus wie immer. Selbst jetzt, wenn ich sie mir näher ansah, wirkte sie gesund, auch wenn sie ein bisschen bleich war. Das war hier in Kanada aber keine Seltenheit.
  „Ich... Ich verstehe das nicht.“, bemerkte ich, „Du- Du bist doch gesund.“
  Wieder schüttelte sie den Kopf. „Es ist okay, wenn du Zeit brauchst, um das zu verstehen. Wir... hielten es einfach für einen guten Zeitpunkt, um es dir zu sagen.“ Während sie das sagte, griff sie nach Dads Hand, der ihre sanft drückte.
  „Wie ist das passiert?“, fragte ich, während ich versuchte das alles zu begreifen. Lungenkrebs?
  „Erinnerst du dich an die Reise, die Leo und ich gemacht haben? Das ist etwa fünfeinhalb Jahre her. Wir waren in Südafrika.“
  Ich nickte langsam. „Ja. Ich hatte Ferien und bin für die drei Wochen bei Tante Jaenne gewesen.“
  „Kurz bevor wir da waren gab es eine Sanierung, von der man uns nicht in Kenntnis gesetzt hatte. Hinterher erfuhren wir, dass es eine Asbest-Sanierung war und wir uns eigentlich nicht dort aufhalten sollten, weil noch Rückstände in der Luft waren.“
  Je mehr sie sprach, um so realer schien es zu werden, doch ich weigerte mich das zu glauben.
  „Asbest vergrößert das Lungenkrebsrisiko und letztendlich hat es mich erwischt.“
  „Aber kann man das nicht heilen?“
  „Es gibt noch sehr viele Krebsarten, die nur schwer zu heilen sind.“, bemerkte Dad leise, „Die Wahrscheinlichkeit an Lungenkrebs zu sterben ist noch immer sehr hoch, auch wenn wir in den letzten Jahren sehr große Fortschritte in der Medizin gemacht haben.“
  Mom nickte sanft zustimmend, ehe sie plötzlich begann zu husten. Sofort griff Dad nach einer Schachtel Taschentücher und hielt es ihr eins hin, woraufhin sie es sich vor den Mund hielt. Sie hustete fast eine Minute lang, ehe sie sich vorsichtig den Mund abwischte und...
  Ihr Taschentuch war rot gefärbt. Die Erkenntnis, dass alles echt, real, dass sie wirklich krank war, traf mich mit der Wucht eines Güterzuges. Ein Teil von mir weigerte sich noch immer es zu glauben, obwohl der Beweis direkt vor mir in der Hand meiner Mutter war.
  Blut.
  „Man muss doch etwas dagegen tun können.“, hörte ich mich sagen. Ich fühlte mich wie betäubt.
  „Es gibt nichts, was wir nicht versucht hätten.“, entgegnete Dad und zog Mom an sich.
  „Aber...“ Fünf Jahre. Sie hat es bereits fünf Jahre. „Aber...“
  „Es ist okay, Skaisa.“, sagte Mom sanft, „Ich bin einfach nur froh, dass ich meine Zeit mit dir verbringen kann.“
  „Aber Mom... Wir müssen doch irgendwas tun können.“
  „Es tut mir leid, Skai. Der Arzt sagt, wenn alles gut läuft, habe ich noch etwa 8 Monate.“
  Das ist nicht einmal ein Jahr. Ich schluckte schwer. Das ist nur ein Traum. Für gewöhnlich neigte ich nicht zu Albträumen, doch ich war mir ganz sicher, dass das hier einer sein musste. Ein Albtraum.

  Ich hatte Angst mit Jason zu sprechen. Die ersten drei Tage hatte ich nichts von ihm gehört, doch am vierten schrieb er mir eine Nachricht. Er schrieb alle paar Stunden und als ich nach einer Woche nicht antwortete begann er anzurufen. Es tat weh ihn zu ignorieren. Es tat weh die Anrufe zu sehen. Es tat weh meiner Mutter zuzusehen, wie sie immer öfter Blut hustete.
  Nach einem Monat bekam ich die ersten Nachrichten von Damien und Olivia, die versuchten heraus zu kriegen, was los war. Kurz darauf erschien Jason das erste Mal unangekündigt vor unserer Tür, wo er, auf meine Bitte hin, von Dad abgewimmelt wurde.

  Noch am selben Tag lag ich abends am Schreibtisch und schrieb an einem meiner Bücher, als plötzlich etwas an mein Fenster prallte. Vor Schreck wäre ich beinahe vom Stuhl gefallen und sah entgeistert herüber. Kurz darauf sah ich einen kleinen Ball, der offenbar an mein Fenster geworfen wurde, ehe ich Jason hörte, der von draußen nach mir rief.
  „Komm an die Tür, verdammt nochmal!“, rief er herauf.
  Ich hatte mein Fenster angekippt und konnte ihn deshalb gut verstehen, doch ich bewegte mich nicht. Es war seltsam nach einem Monat seine Stimme zu hören und mir entging nicht, dass er ganz offensichtlich wütend war.
Da ich wusste, dass ich irgendwann nachgeben würde, wenn ich hier blieb, verließ ich mein Zimmer und setzte mich im Flur neben meiner Tür auf den Boden, wo ich die Beine anzog und meine Arme darum schlang. So fand mich Dad etwa 10 Minuten später.
  „Was ist los?“, fragte er besorgt und hockte sich vor mich.
  „Jason steht unter meinem Fenster.“, murmelte ich und starrte auf den Boden vor meinen Füßen.
  „Warum redest du nicht mit ihm?“
  „Ich kann nicht.“
  Sanft streichelte er mir übers Haar. „Irgendwann musst du mit ihm reden.“
  „Muss ich nicht.“ Ich verbarg mein Gesicht halb an meinen Knien. „Ich... Ich will nicht.“
  „Skai... Liebes...“ Er setzte sich neben mir auf den Boden und legte mir einen Arm um die Schultern. „Was ist passiert?“
  In meinem Hals bildete sich ein Kloß, ehe ich begann ihn von dem Vorfall auf Gavins Party zu erzählen. Ich behielt die Tatsache, dass ich den Mann vorher bereits gekannt hatte, für mich und erzählte ihm, wie Jason sich von mir distanzierte und nicht darauf antwortete, wenn ich fragte, ob wir ein Paar waren. Dann erzählte ich ihm von meiner Angst ihn wiederzusehen, mit ihm zu reden. Allein schon wegen Moms Zustand hatte ich täglich mindestens einmal eine kleine Panikattacke, wenn ich daran dachte, dass sie vielleicht sterben könnte. Dann noch Jason gegenüber zu treten und ihn vielleicht zu verlieren...
  Dad drückte mich fest an sich, während ich an seiner Brust weinte. Ich wollte, dass das aufhörte. Der Schmerz, die Angst, die Ungewissheit. Mit jedem Tag, der verstrich, hatte ich zunehmend das Gefühl unter dem Druck all der Ereignisse zu zerbrechen.

  Zwei Wochen später brach Mom das erste Mal zusammen und nach einem weiteren Monat musste sie in die Notaufnahme. Nachdem sie in den folgenden sechs Wochen regelmäßig aufgrund von Schwächeanfällen zusammengebrochen war und vermehrt an Atemnot und Fieberschüben litt, wurde sie wieder ins Krankenhaus gebracht, wo sie unter Aufsicht der Ärzte stationär behandelt werden sollte.
  Dad und ich besuchten sie alle paar Tage und brachten ihr ihre Lieblingsblumen, während ich regelrecht zusah, wie sie immer dünner und schwächer wurde.
  Aus 8 Monaten wurden 5, von denen sie 3 Monate lang litt und Schmerzen hatte. Als ich schließlich von Dad die Nachricht erhielt, dass sie nicht mehr aufgewacht war, weinte ich den ganzen Tag und zog mich vermehrt in mein Zimmer zurück. Das Haus wirkte leer, still und irgendwie kalt ohne meine Mutter. Als hätte man das Herz heraus geschnitten.

















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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   So 15 Jul 2018 - 22:55

Kapitel 14

  Anfang Dezember
  Gedankenverloren starrte ich aus dem Fenster des Autos, ohne etwas zu sehen. Eigentlich müsste ich aufgeregt sein, denn Dad fuhr mit mir zu seinem Cousin, der vier Kinder hatte. Allerdings fühlte ich mich seit der Beerdigung meiner Mutter, als hätte man mich in Watte eingewickelt. Ich spürte, dass Dad damit überfordert war, dass er nicht wusste, wie er mit mir umgehen sollte. Aber ich nahm ihm das nicht übel. Er litt immerhin selbst unter dem Verlust.
  Als wir nach mehr als anderthalb Tagen im Auto das Ziel offenbar erreichten, fühlte ich mich mehr wie eine Puppe, als wie ein Mensch. Dennoch raffte ich mich zusammen und stieg mit Dad aus.
  „Wie geht es dir?“, fragte er mich aufmerksam, nachdem ich den Wagen umrundet hatte.
  Ich zuckte hilflos mit den Schultern. „Ganz okay.“
  „Freust du dich nicht?“
  „Doch. Irgendwie schon.“ Tief in meinem Inneren. „Ich wünschte, Mom könnte das erleben.“
  Traurig senkte er einen Moment den Blick, ehe er mir eine Hand auf den Rücken legte, um mich zur Haustür zu führen. Dort zögerte er etwas, ehe er klingelte und wartete. Es war eine wunderschöne Frau um die 40, die uns öffnete. Allerdings gefror ihr Lächeln, als sie Dad sah.
  „Leonas.“, bemerkte sie kühl und musterte ihn einen Moment. „Was tust du denn hier?“
  Dad seufzte schwer. „Ich weiß, das letzte Mal, dass wir uns sahen, lief nicht gut.“, entgegnete er, „Aber ich möchte euch trotzdem meine Tochter vorstellen.“
  Da erst fiel ihr Blick auf mich, als hätte sie mich gar nicht bemerkt. Und obwohl sie meinem Vater mit einer gewissen Abneigung begegnete, lächelte sie mich freundlich an. „Hallo. Ich bin Violeta.“
  Ich lächelte matt zurück, ergriff jedoch nicht ihre Hand. „Ich bin Skaisa.“ Seit der Vergewaltigung vermied ich allerlei Arten von Berührungen, besonders die mit Fremden, während ich mich nach der Berührung eines ganz bestimmten Mannes sehnte. „Nett dich kennenzulernen.“
  „Dürfen wir reinkommen?“, fragte Dad vorsichtig.
  „Natürlich.“, entgegnete sie, zögerte jedoch, ehe sie beiseite trat.
  „Ist Levin nicht zuhause?“
  „Er holt gerade Vilija und Tevin ab. Sie waren die letzten beiden Tage bei Vilijas Patenonkel. Andrew Wyler, sagt dir das was?“
  „Ist das nicht der Arzt, über den alle sprechen?“
  Desinteressiert schaltete ich ab und sah mich abwesend um, wobei ich bemerkte, wie warm und gemütlich alles eingerichtet war. Violeta führte uns ins Wohnzimmer und als sie merkte, dass ich wenig Interesse an Konversation hatte, schlug sie vor, ich könnte mir das Haus anschauen oder in den Garten gehen.
  Ich zog den Garten vor, wo ich mich auf eine der zwei Schaukeln setzte und den Blick schweifen ließ. Es gab noch eine Rutsche und ein Baumhaus. Unter anderen Umständen wäre ich begeistert gewesen, doch heute ließ ich den Blick einfach nur zu dem Gras zu meinen Füßen gleiten.
  Am Rande registrierte ich die Geräusche eines Autos, das vor dem Haus hielt, ignorierte es aber und stieß mich vom Boden ab. Ich schaukelte nicht besonders lange, da ich für mich entschied, dass eine aktive Beschäftigung für meinen Kopf wahrscheinlich besser war, also ging ich zur Gartentür, wo ich überrascht stehen blieb.
  Dort stand ein fremder Mann mit einer jungen Frau und einem jungen Mann. Dem Aussehen nach zu Urteilen war die Frau die Tochter von Violeta, also war der ältere Mann wahrscheinlich ihr Vater. Wenn ich mich recht erinnerte müsste das Levantin sein. Aber wer war der andere Mann?
  Dad kommentierte gerade etwas, das Levantin gesagt hatte, als ich fand, dass das ein guter Augenblick war um seine Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen.
  „Dad.“
  Unerwarteterweise sahen sofort alle Anwesenden zu mir, was mir deutlich unwohl zumute werden ließ.
  „Ja?“, fragte Dad und sah mich aufmerksam an.
  „Ich- Ähm...“ Einen Moment betrachtete ich noch das junge Paar – denn es handelte sich zweifellos um ein Pärchen – ehe ich deren Anblick mied, weil es mich an Jason erinnerte. „Ich- Also... Bleiben wir sehr lange?“
  „Wolltest du noch etwas machen?“
  Unsicher hob ich eine Schulter, denn ich wollte nicht vor allen zugeben, dass ich mich mit all den Fremden etwas unwohl fühlte. „Ich hab da dieses neue Buch.“, sagte ich stattdessen ehrlich.
  „Hast du es nicht dabei?“
  „M-mh.“, machte ich nur kopfschüttelnd.
  „Verstehe. Ist es ein Taschenbuch oder ein eBook?“
  „Ein, äh, eBook.“
  „Du kannst mein Mobi nehmen, wenn du möchtest.“
  Ich zögerte einen Moment. Das letzte Mal, dass ich mich unter fremde Menschen begeben hatte, hatte nicht gut geendet. Doch ich konnte mich nicht den Rest meines Lebens verstecken, also ging ich herüber und ließ mir von Dad sein Mobi geben.
  „Ich lese draußen.“, murmelte ich dann und ging eilig wieder hinaus.
  Nachdem ich mich nochmal umgesehen hatte, wählte ich einen Platz unter einem Baum weiter hinten in einer Ecke des Gartens. Dort würde es sicher ruhig und angenehm sein. Ich war noch nicht lange hier doch das Klima war hier ganz anders als in Kanada.
  Bereits nach drei Minuten stellte ich fest, dass ich mein Passwort vergessen hatte, um auf mein Account zuzugreifen, also entschloss ich mich online auf der Plattform, auf der ich meine Bücher hochlud, um mir Feedback zu holen, eines meiner Werke zu lesen, um eventuelle Fehler zu finden.
  Allerdings blieb ich nicht sehr lange allein. Ich hatte vielleicht 5 Minuten Zeit zu lesen, ehe sich die Tochter von Levantin neben mich hockte.
  „Hey.“
  Ich las noch kurz einen Absatz zu Ende, ehe ich das Mobi sperrte und einsteckte. „Entschuldige, ich wollte nur den Absatz zu Ende lesen.“, bemerkte ich.
  „Was dagegen, wenn ich mich zu dir setze?“
  „Nein nein.“ Ich klopfte neben mir ins Gras, woraufhin sie sich neben mich fallen ließ. Einen Moment ließ ich den Blick über sie gleiten und bemerkte, wie schön sie war. „Ich bin Skaisa.“, stellte ich mich dann vor und winkte kurz, ehe ich an den Ärmeln meines Oberteils zog, damit sie über meine Hände reichten.
  „Ich bin Vilija.“, stellte sie sich freundlich vor, „Mein Adoptivbruder kommt gleich auch raus.“
  „Der, der vorhin neben dir stand?“
  „Ja.“
  „Oh.“ Peinlich berührt spürte ich Hitze in meinem Gesicht aufsteigen. „Ihr habt ausgesehen wie ein Pärchen.“
  Offensichtlich amüsierte sie das, denn sie begann zu Schmunzeln. „Das sind wir auch. Lange Geschichte.“
  Nickend starrte ich auf meine Knie und ließ ich mir das einen Moment durch den Kopf gehen, wobei ich feststellte, dass das eine das andere ja nicht ausschloss.
  „Was hast du gelesen?“, fragte sie neugierig.
  „Mh... einen Roman.“, antwortete ich wage, „Ein Liebesroman.“ Ich warf ihr einen ganz kurzen Blick zu, wobei ich mehr durch sie hindurchsah, als sie wirklich zu sehen und lächelte leicht.
  „Liest du gern?“
  „Ja. Ich liebe es regelrecht.“
  „Und... wie ist das so?“ Fragend legte sie den Kopf ein wenig schräg. „Ich meine, siehst du das bildlich vor dir oder...“
  „Oh, es ist wie ein Film zu schauen. Für mich jedenfalls.“ Ich warf ihr erneut einen Blick zu, ehe ich direkt an ihrem Ohr vorbei schaute, um ihr nicht ins Gesicht sehen zu müssen. „Ich hab eine gute Vorstellungskraft, deshalb fällt es mir leicht mir das alles vorzustellen.“ Es fällt mir leicht mir etwas vorzustellen, weil ich eine gute Vorstellungskraft habe? Innerlich schüttelte ich über die Wortwahl den Kopf. „Also, meine Fantasie ist recht lebhaft.“ Das klingt immer noch bescheuert. Doch das schien sie wenig zu stören.
  „Das muss cool sein so ein Buch zu lesen und alles vor sich sehen zu können.“, bemerkte sie, ehe sie fragte: „Worum geht es in dem Buch?“
  „Äh...“ Eine Mischung aus Aufregung, Scham und Scheue überfiel mich. „Es geht um... einen jungen Mann, der sich in eine taubstumme junge Frau verliebt hat.“, versuchte ich es so kurz wie möglich zusammenzufassen. „Er ist Schülersprecher einer Schule und da sie unbedingt auf eine normale Schule gehen wollte, hat ihr Bruder es ihr mit der Hilfe des Schülersprechers ermöglicht.“ Sehr viel mehr hatte ich bisher leider nicht geschrieben und auch nicht wirklich etwas dazu geplottet. Bei diesem Buch schrieb ich einfach nur drauf los.
  „Das klingt süß.“, bemerkte Vilija daraufhin.
  Wieder stieg mir Röte ins Gesicht. „Findest du?“
  „Du etwa nicht?“
  „Naja, also...“ Unruhig räusperte ich mich und ließ den Blick ein wenig schweifen, um nicht in ihre Richtung schauen zu müssen. „Ich bin mir noch nicht sicher, ob der Plot wirklich gut ist.“ Denn es gibt noch keinen richtigen Plot.
  Sie blinzelte überrascht. „Aber... hast du dir das Buch nicht deshalb ausgesucht?“
  Erst da begriff ich, dass sie ja nicht wusste, dass das, was ich gelesen hatte, mein eigenes Buch war. „Oh, nein nein nein, das ist kein gekauftes Buch.“, erklärte ich daraufhin schnell und verzog kurz das Gesicht, ehe ich ausführte: „Ich hab mein Passwort vergessen, deshalb kann ich das Buch nicht lesen, das ich lesen wollte, also dachte ich, ich könnte mein eigenes Korrekturlesen.“
  „Ähm, warte...“, meinte sie daraufhin sichtlich verwirrt, „Dein eigenes? Also hast du das selbst geschrieben oder wie meinst du das?“
  Ich nickte nur und bemerkte, wie ich Jason vermisste. Er hätte wahrscheinlich schon bei der Bemerkung, dass ich mir nicht sicher war, ob der Plot gut war, bemerkt, dass ich es geschrieben hatte. Innerlich stieß ich ein tiefes Seufzen aus, ehe ich den Gedanken von mich schob, da Vilija mich begeistert anschaute.
  „Oh, wow. Also bist du Autorin?“
  „Das ist nur ein Hobby.“, entgegnete ich, „Ich liebe es zu schreiben, aber ich denke, ich bin nicht wirklich gut.“
  „Darf ich mal etwas von dir lesen?“
  Verdutzt blinzelte ich. „Ähm... Ja... Klar. Ich kann dir ein Dokument per Mail schicken oder so.“ Ich fingerte ein wenig an dem Ärmel meines Oberteils herum und dachte darüber nach, welches Werk ich ihr wohl schicken sollte, als jemand zu uns kam. Überrascht sah ich auf und entdeckte den Mann, bei dem es sich um Vilijas Adoptivbruder handeln musste.
  „Hey.“, begrüßte er mich mit einem Nicken, woraufhin ich zaghaft die Hand hob. „Skaisa, richtig?“
  „Ja.“ Irgendwie erinnerte er mich an jemanden.
  „Ich bin Tevin.“
  „Freut mich.“ Dann fiel mir auf, dass ich ihn gerade anstarrte und riss abrupt den Blick von mir los. An wen erinnerte er mich? Wage bekam ich mit, dass er etwas sagte, war aber zu sehr in Gedanken vertieft, in der Hoffnung, mir würde aufgehen, an wen er mich erinnerte. Plötzlich reichte er mir ein Glas, woraufhin ich es einfach nur entgegen nahm. „Danke.“, murmelte ich und nahm es mit beiden Händen entgegen, weil mir schon so manches Glas aus der Hand gerutscht war, weil ich mich mit dem Gewicht verschätzt hatte.
  Als er mir danach eine Flasche Wasser reichte, bemerkte ich, wie durstig ich war und goss mir vorsichtig etwas ein, ehe ich ein paar Schlücke davon trank. Dann fiel mir auf, dass die beiden mich anstarrten.
  „Was ist?“ Fanden sie mein Benehmen vielleicht komisch? Hatte ich etwas im Gesicht?
  „Nichts, ich... bin bloß überrascht, dass du kein Make Up trägst.“, erklärte Tevin, „Vilija braucht kein Make Up, aber...“
  Unwillkürlich presste ich die Lippen aufeinander und erinnerte mich an die Beleidigungen, die ich mir von Adrian hatte anhören müssen. Ich solle doch etwas Make Up auftragen und die Unreinheiten und Unebenheiten kaschieren. Ich wäre sicher richtig schön mit Make Up und ich sei sicher um ein vielfaches anziehender, wenn ich welches trüge.
  Aber vielleicht hatte Tevin es nicht als Beleidigung gemeint. „Ich mag kein Make Up, auch wenn ich damit schöner wäre.“, erklärte ich schließlich, „Ich möchte, dass man mich sieht, wenn man mich anschaut, nicht eine Maske.“
  Die Stille, die sich daraufhin ausbreitete verunsicherte mich. Hatte ich etwas schlechtes gesagt?
  „Ich weiß, dass ich nicht gerade hübsch bin.“, rechtfertigte ich mich halblaut, damit es nicht so still war. „Aber ich habe nicht das Bedürfnis es zu verstecken und so zu tun, als sei ich hübscher, als ich bin.“
  Tevin wirkte daraufhin irgendwie sprachlos und öffnete den Mund, um etwas zu sagen, schwieg dann aber. Vilija dagegen starrte mich einfach nur an, als hätte ich gerade behauptet ein Einhorn gesehen zu haben.
  „Wer hat behauptet, du seist nicht hübsch?“, fragte Tevin schließlich, „Ich meine, ohne die Launen meiner Freundin auf mich ziehen zu wollen- Allein deine Augen sind ein echter Hingucker.“
  Daraufhin seufzte ich nur. „Danke. Wirklich. Danke, dass du es versuchst, aber...“ Adrian hatte mir sehr genau gesagt, dass ich alles andere als hübsch war. Jason hatte zwar etwas anderes behauptet, aber es gab genug andere, die einer Meinung mit Adrian gewesen waren. „Ich weiß, dass ich nicht hübsch bin. Es gibt vereinzelnd das eine oder andere, das hübsch aussieht, aber das Gesamtbild...“ Da merkte ich, dass ich mich in etwas hineinsteigerte und brach ab, wobei ich mit den Fingern auf meinem Knie trommelte und die Lippen aufeinander presste, um nicht noch mehr Unsinn zu erzählen.
  „Bist du eigentlich Single?“, frage Tevin unmittelbar.
  Ehe ich aber antworten konnte trat Vilija ihm gegen den Oberschenkel und lenkte ihn damit ab, was mir gerade nur allzu willkommen war, denn so genau kannte ich die Antwort eigentlich nicht.
Ja, Jason und ich hatten uns vor mehr als zweieinhalb Jahren unsere Liebe gestanden.
  Und ja, wir waren danach nicht mehr von der Seite des anderen gewichen, bis ich zu große Angst hatte ihn wiederzusehen.
  Doch er hatte nie auf meine Frage, ob wir ein Paar waren, geantwortet, hatte nie mit mir geschlafen und sogar aufgehört mich zu küssen und zu berühren. Vielleicht stieß es ihn ab, dass ein anderer Mann mich berührt hatte. Dass ein anderer Mann in mir gewesen, in mir gekommen war. Dass ich vergewaltigt worden bin.
  Vielleicht sah er mich seitdem mit anderen Augen und fand mich nicht mehr anziehend. Passierte das nicht hin und wieder? Dass ein Mann eine Frau nicht mehr anziehend fand, nachdem ihr etwas schlimmes widerfahren ist?
  Wahrscheinlich war der einzige Grund, weshalb er den Kontakt nach mir suchte, der, dass ich trotz allem eine seiner besten Freunde war. Wie Damien, Traver und Quinn, obwohl es sich letzterer oft mit ihm verscherzte. Jason hatte mir Seiten von sich gezeigt, die andere nicht kannten und wusste, ich würde ihn immer verstehen.
  Das musste der Grund sein, warum er da gewesen war. Bei mir. Unsere Freundschaft. Nicht etwa, weil er tatsächlich mit mir zusammen sein wollte. Ich hatte schon immer bezweifelt, dass ich tatsächlich perfekt für ihn war.
  „Tut mir leid, Skai.“, meinte plötzlich Tevin und riss mich aus den Gedanken. „Darf ich dich so nennen?“
  „Ja, klar.“, entgegnete ich ruhig, „Und ja, ich bin Single. Nachdem mein Ex“ Adrian. „mir offenbart hat, dass er wieder etwas mit meiner besten Freundin“ Tara. „hatte, hab ich eine gewisse Hemmung. Außerdem glaube ich, bin ich vielleicht etwas zu anstrengend.“ Ich hatte mir oft genug von Adrian anhören dürfen, dass ich zu viele Probleme hätte und aus Mücken Elefanten machen würde. „Und ich glaube, ich habe zu hohe Anforderungen, denke ich.“ Viele scheitern schon an meinem Wunsch nach Treue.
  „Wie meinst du?“, fragte Vilija überrascht, die mittlerweile auf Tevins Schoß saß, und sah herüber.
  Statt zu antworten zuckte ich einfach nur mit den Schultern, ehe ich Schritte an der Tür hörte und zum Haus sah. Dad kam gerade herüber und hockte sich vor mich.
  „Alles okay?“, fragte er mich liebevoll.
  „Soweit ja. Die beiden sind ganz nett.“
  „Kannst du dir vorstellen eine Weile hier zu wohnen?“
  Verwundert zog ich die Brauen zusammen. Hier wohnen? War er wirklich so sehr mit mir überfordert? „Ich denke schon.“, antwortete ich, „Es ist schön hier. Und ruhig, nicht wie zuhause.“
  „Hättest du etwas dagegen?“
  Zieht er das wirklich in Erwägung? Ich verzog den Mund. „An sich nicht, aber warum sollte ich hier wohnen?“
  „Naja, du hast vor kurzem dein Abschluss gemacht und hier in San Diego hast du sicher gute Chancen auf eine Karriere.“
  Eine Karriere... „Ich...“ Unsicher knetete ich meine Hände. „Ich weiß noch gar nicht, was ich machen möchte.“
  „Das musst du auch nicht. Du hast viele Talente und ein gutes Verständnis. Ich bin mir sicher, wenn du willst, findest du etwas, dass zu dir passt. Etwas, das dir Spaß macht.“
  „Schreiben macht mir Spaß.“, murmelte ich leise, „Aber davon kann man nicht leben.“
  „Du hast Talent. Du musst nur den Mut haben, es zu veröffentlichen.“
  Es klang, als wollte er mir San Diego schmackhaft machen, um mich loszuwerden. War ich eine Bürde?
  Als ich unbewusst die Knie weit anzog, seufzte Dad leise. „Ich würde mich freuen, wenn du eine Weile hier leben würdest.“
  Mein Magen verknotete sich. „Willst du mich nicht bei dir haben?“
  „Ich-“ Plötzlich brach er ab und schluckte schwer, ehe er sich neben mich setzte und an sich zog. „Doch natürlich, will ich dich bei mir haben. Aber ich denke, es würde dir gut tun, wenn du hier wärst. Deine Familie kennen lernst.“
  „Dafür muss ich doch nicht hier leben.“, protestierte ich, während meine Gedanken rasten. Wenn es stimmte, was er sagte, und er mich bei sich haben wollte, warum sollte er dann wollen, dass ich hier blieb? Besonders nachdem Mom- Ich spürte wie mir Tränen in die Augen steigen wollten und sich mein Hals beinahe schmerzhaft zusammenzog, wobei ich nach Luft schnappte. „Was... Was ist passiert?“
  Als er mich fester an sich drückte, ließen Vilija und Tevin uns allein, was mir das Gefühl gab, als wüssten sie etwas, das ich nicht wusste. Das wunderte mich relativ wenig, wenn Dad vorhatte mich hierzulassen.
  „Dad?“
  „Ich liebe dich mehr als alles andere, Skaisa.“, murmelte er an meinem Haar, „Du bist das Wichtigste in meinem Leben.“
  „Aber warum willst du mich dann hier lassen? Ich kenne hier niemanden. Ich habe hier niemanden.“
  „Weil ich es nicht ertrage zu sehen, wie du um mich trauerst, wenn du zusehen musst, wie ich dasselbe durchmache wie Geneva.“
  Das verschlug mir die Sprache. Dasselbe wie Mom? Aber das müsste doch bedeuten er hätte auch Krebs. Das ist unmöglich. Sie können doch nicht beide Lungenkrebs haben! Ungläubig schüttelte ich den Kopf. „Das ist nicht wahr!“
  „Skai, bitte.“
  „Das kann nicht wahr sein.“
  „Liebling.“ Seine Arme zitterten und ich realisierte, wie schwer das für ihn sein musste. „Es tut mir so leid. Wir haben... alles versucht.“ Sanft strich er mir das Haar aus dem Gesicht. „Das hier soll ein Geschenk von mir und deiner Mutter sein.“, erklärte er dann, „Sie wollte, dass du meine Familie kennen lernst, weil sie wusste, dass du sie viel lieber haben würdest als ihre.“ Er lachte traurig. „Verdammt, sogar sie mochte meine Familie mehr als ihre.“ Einen Moment schwieg er und wiegte mich still in seinen Armen. „Levantin hat vier Kinder und kann sehr gut mit ihnen umgehen. Und ich bin mir sicher, du wirst dich mit allen sehr gut verstehen. In Nullkommanichts wirst du hier mehr Freunde haben als zuhause.“
  Alles in mir weigerte sich gegen diese Idee, doch ich schwieg einfach nur, denn ich wusste, wenn ich irgendwas sagte, würde ich weinen, wie noch nie und er würde mich nicht hierlassen. Es würde uns beide quälen. Deshalb musste ich mich zusammenreißen. Für ihn. Damit er wusste, dass es mir gut gehen würde.
  Er saß noch eine Weile mit mir im Garten und erzählte mir von seinen Plänen, die Mom und er sich zurecht gelegt hatten. Sie hatten schon vor Jahren gewusst, dass sie beide irgendwann nicht mehr für mich da sein könnten und dann musste es jemand anderen geben, der es für sie tat. Ich war jemand, so sagte er, der das Gefühl brauchte geliebt zu werden. Jemand, der sich sicher fühlen musste, um aufzublühen.
  Ich verschwieg ihm die Ironie, dass ich nun innerhalb von einem Jahr alles verloren hatte was mir Sicherheit und Liebe versprach. Eins stand jedoch offensichtlich fest.
  Dad hatte nie vorgehabt mich heute wieder mit nach Hause zu nehmen.
  Irgendwann frischte es etwas auf, woraufhin ich mit Dad wieder hinein ging. Im Wohnzimmer setzte ich mich in einen Sessel und zog die Beine an, woraufhin Dad seufzend die Schultern hängen ließ.
  „Es tut mir leid, Skai.“
  Es kostete mich all meine Kraft bei den Worten nicht sofort in Tränen auszubrechen. Du musst stark für ihn sein. Du musst damit umgehen können.
  „Alles okay bei dir?“, hörte ich Vilija vorsichtig fragen, nachdem Dad das Wohnzimmer verlassen hatte.
  „Klar.“, antwortete ich knapp und zog die Ärmel über meine zitternden Hände, ehe ich zum Fernseher sah, um ihr und Tevin beim Spielen zuzusehen und mich abzulenken.
  Nach einer Weile kam Dad mit Levantin wieder herein.
  „Ich fahre dann wieder.“, verkündete Dad.
  Das Spiel wurde pausiert, ebenso wie mein Herzschlag und meine Atmung. Das hier würde wahrscheinlich das letzte Mal sein, dass ich Dad sah. Ich wollte mich in seine Arme werfen, ich festhalten, ihn anflehen mich mitzunehmen, doch ich regte mich nicht. Auch dann nicht, als Dad neben mich trat und sich hinhockte.
  „Verzeihst du mir?“, fragte er leise.
  Ohne darüber nachzudenken schüttelte ich den Kopf.
  „Du weißt, dass ich dich liebe. Ich möchte, dass es dir gut geht. Levantin wird gut auf dich aufpassen. Versprich mir, dass du artig sein wirst.“
  Wieder schüttelte ich den Kopf. Wenn er wollte, dass ich artig war, sollte er hierbleiben.
  „Sprich dich mit Jason aus. Ich bin mir sicher, er wird für dich da sein.“
  Alles in mir verkrampfte sich, als ich abermals den Kopf schüttelte. Irgendwann senkte er den Blick, ehe er sich herüber beugte und mich auf die Stirn küsste. Ich wollte nicht, dass er aufhörte. Stumm schrie ich ihn an, flehte, dass er blieb und gleichzeitig biss ich die Zähne fest aufeinander, als er seine Stirn an meine lehnte, um den Abschied in die Länge zu ziehen, als wolle er mich nicht verlassen. Als er mir schließlich übers Haar streichelte wusste ich instinktiv, dass es hier endete.
  „Ich liebe dich, Skaisa.“, flüsterte er mir zu, ehe er sich schließlich löste und ging.
  Ich liebe dich auch, Dad! Bitte bleib hier! Nimm mich mit!
  Doch alles war still, während er die Tür schloss, ins Auto stieg und losfuhr.
  Ich war nichts anderes als ein Objekt aus Asche, nach einem Brand, das bei dem leisesten Hauch einer Berührung in sich zusammen fallen würde. Minutenlang hielt ich diese Starre aus, bis Levantin neben mich trat und mir eine Hand aufs Haar legte.
  Er stellte mir eine Frage, aber alles, was ich hörte, war die Stimme meines Vaters. Langsam spürte ich wie die Barrieren in meinem Inneren rissen und nur wenige Sekunden später vergrub ich mein Gesicht in meinen Händen und weinte, bis mein ganzer Körper zitterte. Im nächsten Moment spürte ich bereits eine liebevolle Hand an meinen Rücken, als Levantin mich tröstete und wünschte mir nichts anderes, als dass es die Hand meines Vaters war.

















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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Mo 23 Jul 2018 - 12:40

Epilog

 Es dauerte lange, bis ich mich aus dem Zimmer traute, dass ich in Zukunft bewohnen sollte. Hin und wieder wachte ich morgens auf und dachte ich sei zuhause in Quebec, doch dann sah ich die fremde Tapete, die fremden Möbel, roch diesen fremden Geruch und erinnerte mich, dass ich weit von meiner Heimat entfernt war.
 Nach zwei Wochen hier bei meinen Verwandten fand ich, es sei vielleicht eine gute Abwechslung mit meinem Buch ins Wohnzimmer zu gehen und dort zu lesen, statt hier oben, obwohl ich mich vor den anderen seltsam entblößt fühlte. Aber es machte immerhin keinen Unterschied, ob ich nun oben in meinem Zimmer saß oder unten im Wohnzimmer, weil mir beide Orte noch immer fremd waren. Seit anderthalb Wochen las ich dieselbe Seite in meinem Buch, weil ich mich nicht konzentrieren konnte.
 Ich setzte mich in den Sessel, der mich irgendwie an Dad erinnerte und zog die Beine an.
 „Hey.“, begrüßte mich Tevin, der ein ziemlich dickes Buch in den Händen hielt, damit er Vilija nicht störte, die mit dem Kopf in seinem Schoß auf der Couch lag.
 „Hi.“, antwortete ich kurz und las zum dritten Mal in Folge die erste drei Worte des ersten Satzes auf der Seite.
 „Wie geht’s dir heute?“
 Daraufhin zuckte ich nur mit den Schultern und bemerkte, dass mein Mobi vibrierte. Ein Blick darauf verriet mir, dass es Jason war, der nun zum vierten Mal an diesem Tag versuchte mich zu erreichen. „Besser, denke ich.“, antwortete ich und legte das Mobi beiseite.
 „Möchtest du nicht ran gehen?“, fragte Vilija überrascht.
 „Besser nicht.“ Kurz darauf versuchte Jason es erneut.
 „Ich glaube, es ist dringend.“
 Nicht dringender als sonst. „Er ist bloß hartnäckig.“
 „Er?“, wiederholte Tevin und legte sein Buch beiseite, wobei ich einen Blick auf das Cover erhaschen konnte. Einblicke in die Psyche des Menschen. Die Tiefen der Psychologie. „Dein Ex?“
 Ich schnaubte unwillkürlich. „Bloß nicht.“ Es würde mich zerstören, wenn ich tatsächlich eine richtige Beziehung mit Jason gehabt hätte, ehe mein Leben sich in ein Albtraum verwandelte. „Nein, es ist... ähm... ein Freund. Es ist beinahe ein Jahr her, dass ich den Kontakt abgebrochen habe.“
 „Und nach diesem Jahr ruft er dich wieder an?“
 „Er hat nie damit aufgehört.“
 „Moment.“, ging Vilija verwirrt dazwischen und setzte sich auf. „Du hast den Kontakt vor etwa einem Jahr abgebrochen und er ruft dich trotzdem das ganze Jahr lang an?“
 „Und schickt Nachrichten, klingelt bei meinem Vater, steht vor meinem Fenster und ruft nach mir...“
 „Klingt nach einem Stalker.“, bemerkte Tevin, wobei ich mir nicht sicher war, ob er das wirklich ernst meinte oder nicht. „Du kannst wegen so etwas zur Polizei gehen.“
 „Oh, nein. Ich mag ihn.“ Sehr sogar.
 „Und warum hast du den Kontakt dann abgebrochen?“, fragte Vilija verwirrt.
 Mit einem Seufzen schob ich einen Daumen zwischen die Seiten meines Buches und klappte es zu, ehe ich herüber sah. „Es ist nicht so, dass ich ihn nicht gerne wiedersehen würde. Ich habe Gefühle für ihn. Aber damals habe ich erfahren, dass meine Mutter krank ist und er hat ein wirklich schweres Leben. Ich möchte ihm nicht noch mehr Probleme bereiten, indem ich ihm Sorgen bereite.“ Ich konnte ihnen nicht sagen, dass ich schlichtweg Angst davor hatte mit Jason zu sprechen. Wahrscheinlich würden sie es nicht verstehen, so wie Adrian oder Tara mich nie verstanden hatten.
 „Ist ein Kontaktabbruch da die richtige Lösung?“, fragte Tevin vorsichtig, „Ich meine, vielleicht kann er dich unterstützen.“
 „Er ist ein sehr... zorniger Mensch. Er hat seine sanfte Seite, aber wenn er nicht gerade wirklich gut drauf ist“ - Was, laut Damien, für gewöhnlich ein Normalzustand war, wenn ich nicht in der Nähe war. - „schreit er eigentlich nur herum und schlägt auf Dinge ein. Er würde mich nie verletzen, aber die Möglichkeit macht ihm Angst.“ Einen Moment dachte ich darüber nach, wie ich Tevin nun am besten begreifbar machen konnte, was mein Problem war. „Wenn ich ihm von allem erzählen würde, würde er ausrasten, Dinge zerstören, sich selbst verletzen und noch mehr herum schreien. Und jedes Mal, wenn ich bedrückt wäre, weil ich dabei bin sogar meinen Vater zu verlieren, würde er von vorn anfangen, weil es ihn frustriert, dass er nichts dagegen tun kann.“ Das entsprach alles der Wahrheit, also zuckte ich mit den Schultern.
 „Aber wenn du ihm so viel bedeutest, dass er so reagiert...“ Tevin machte eine kurze Pause. „Meinst du nicht, dass er dann nicht bereits sehr wütend ist, weil du nicht mit ihm redest?“
 „Wahrscheinlich.“ Nachdenklich sah ich erneut auf mein Mobi, als es vibrierte, und sah, dass Jason ein weiteres Mal anrief. Ich seufzte. „Aber so hat er mehr Zeit sein Leben zu regeln.“ Was soviel bedeutete wie: So kann er sich damit abfinden, dass ich nicht mehr da bin. Wieder zuckte ich mit den Schultern und widmete mich meinem Buch, um das Thema zu beenden.
 Glücklicherweise ließen die beiden das Thema danach auch fallen. Nach etwa einer halben Stunde hörte ich, dass die beiden sich unterhielten und starrte mehr oder weniger nur auf ein einziges Wort, wobei ich hoffte, dass den beiden nicht auffiel, dass ich in der ganzen Zeit, in der ich hier saß, nicht ein Mal umgeblättert hatte.
 Irgendwann vibrierte mein Mobi erneut.
 Wie immer warf ich einen Blick auf das Display, sah Jasons Namen und legte das Gerät mit einem Seufzen zurück.
 „Du solltest vielleicht mit ihm reden.“, bemerkte Vilija, woraufhin ich zu ihr herüber sah.
 Mit ihm reden. Sie ist nicht die erste, die das vorgeschlagen hat. Also versuchte ich eine andere Strategie um dem zu entgehen. „Und was soll ich ihm sagen?“, fragte ich, „Hey, Jason. Sorry, dass ich bisher nicht reagiert habe. Ach übrigens, ich wohne jetzt in San Diego bei dem Cousin meines Vaters. Hast du Lust vorbei zu kommen?“ Ich hob eine Braue und zu verdeutlichen, wie idiotisch ich die Idee hielt.
 „Wieso nicht?“, entgegnete sie daraufhin jedoch.
 „Dann würde er noch heute Nacht vor der Tür stehen und das ganze Haus zusammen brüllen.“, gab ich zu bedenken. Sie konnte das unmöglich für eine gute Idee halten.
 Sie sag fragend zu Tevin. „Sind Mom, Enio und Cynthia nicht eh in der Schule zu dieser Lesenacht?“
 „Sind sie.“, antwortete er.
 „Dann müssen wir nur Dad vorwarnen.“
 „Und vielleicht die Sicherheitsleute.“
 Entsetzt sah ich von einem zum anderen, als ich feststellte, dass ich nun mehr oder weniger keine Wahl mehr hatte, als Jason wirklich so eine Nachricht zu schreiben. Also griff ich mit einem schweren Seufzen nach meinem Mobi, dass bereits wieder verstummte.
 Verdammt. Allerdings kann mein Leben nicht noch schlimmer werden, als es ohnehin schon ist. „Ich schicke ihm die Adresse.“, informierte ich das Paar auf der Couch und tippte die Nachricht bewusst langsam, in der Hoffnung, dass irgendwas passieren würde, das mich unterbrach, damit ich sie nicht schreiben musste.

 Skaisa: Hey, Jason. Ich weiß, du bist sehr wütend auf mich, weil ich seit Monaten nicht reagiere, aber ich kann das erklären. Allerdings wohne ich nicht mehr bei meinem Vater, sondern bei seinem Cousin in San Diego. Hier ist die Adresse, falls du... Du weißt schon.

 Als würde das Mobi sich in Jason verwandeln und laut herumbrüllen legte ich es so weit von mir entfernt ab, wie ich nur konnte.
 „Wie schlimm kann es denn schon sein?“, fragte Vilija unwissend.
 „Du hast ja keine Ahnung.“, entgegnete ich trocken und stand auf, um Levantin vor dem drohenden Hurrikan zu warnen.

















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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Mo 23 Jul 2018 - 12:45

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

So, ihr Lieben, das war's leider schon mit diesem Werk.
Hier ist das Buch zu Ende und es geht auch nicht weiter.
Also das Buch.
Die Story schon.
(Ich schreibe keine Bücher ohne Happy End)

Ich hoffe sehr, dass es euch gefallen hat und würde mich freuen, wenn ihr mir ein kleines Feedback dalassen könntet.
Was mochtet ihr besonders, was fandet ihr nicht so toll, was kann ich verbessern?
Oder war das ganze Werk etwa tatsächlich so, als würdet ihr es in einem Buchladen kaufen O.o

Kommentare sind erwünscht!

Liebste Grüße
Isa~

P.s. Wie erwähnt geht ja die Story weiter. Das aber in einem zweiten Buch, dass ich, wenn der liebe Levi nichts dagegen hat, auch hier hochlade c:

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

















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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Mo 23 Jul 2018 - 20:35


So Isalein, jetzt wo ich offiziel mich als größten Groupie geoutet habe, muss ich natürlich auch mal was sagen! Vorallemweg muss ich dir sagen das ich unheimlich Stolz auf dich als Autorin bin. Du hast ein Durchhaltevermögen, davon können Andere nur träumen. Ich selbst könnte nie ein Buch schreiben, einfach weil ich die Geduld nicht hätte. Ich würde 3 Seiten schreiben, es weg legen und das wars dann. Doch bei dir ist das Anders. Du bleibst deiner Sache treu, deinen Charakteren und egal wie mans wendet und dreht: Du liebst deine Chars. Jeder einzelnes hat eine kleine bewegende Welt. Es ist detailreich, aber nicht so das man von dem Buch förmlich erschlagen wird. Und das gefiel mir von der ersten Zeile an. Mir gefällt es das Skaisa so mit den Gefühlen ringt. Das Leben ist kein Ponyhof und das hast du wunderbar rüber gebracht. Als Jason auf sich traf dachte ich tatsächlich 'lecker, denn würde ich nicht mal mit Handschuhe anfassen', aber mittlerweile liebe ich Ihn fast mehr als Skaisa. Haha. Wen ich vorallem am meisten mag (und das überrascht mich tatsächlich) ist Damien. Er findet zwar nur selten hier und da mal seinen Auftritt (und das ist gar nicht mal so schlimm), doch er hat diese gewisse Wichtigkeit in der ganzen Handlung das man sich freut ihn zu lesen <3. Ich hoffe auch er findet irgendwann sein Glück!

Ich glaube hier regnet gerade ziemlich viel Lob und etc, aber ich muss tatsächlich sagen das deine Geschichte, dein Buch und generell all das hier mich mega eingespannt hat. Jeden Sonntag/Montag oder wann auch immer, waren es 20-30 Minuten einer sehr sinnvollen Zeit, vorallem weil man sich darauf verlassen konnte das es das Kapitel gab und wenn mal nicht, TJA! Dann gabs halt den Bonus von zwei. Perfekt.

Ich danke dir, das du den Mut hast deine Kreativität frei lauf zu lassen. Das du jedes Kapitel hier rauf lädst um die Menschen glücklich zu machen. Ich danke dir, das du eine wundervolle Autorin bist.

PS: JA! Ich würde das Buch sofort kaufen. <3 (aber bitte mit hübschen Buchcover hihi.)


Over and Out <3

sniff

PSS: Wie kannst du mi das nur antun. Määh.
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Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]

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