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 Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]

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Isalija
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BeitragThema: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Do 5 Apr 2018 - 19:37

Hier mal etwas doch... öhm... persönliches meinerseits. Mir liegt das Werk sehr am Herzen, deshalb würde ich mich über Feedback ziemlich freuen. :3
Es gibt ein Kapitel pro Woche.
Hoffe, ihr habt viel Spaß beim Lesen! ♥


*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

P.s. Hin und wieder werden ein paar Dinge nachträglich geändert.
Dabei treten aber keine Veränderungen in der Story oder der Charaktere auf.


*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Klapptext


Skaisa Misullis war erst 17 Jahre alt und hatte doch mehr erlebt, als die meisten anderen in ihrem Alter. Das Leben meinte es nicht gut mit ihr und doch ist sie voller Zuversicht. Als sie dann Jason auf einer Party kennen lernt und er nach 5 Minuten  davon überzeugt ist, dass sie die perfekte Frau für ihn ist, ahnt sie nicht, dass sich ihr Leben vollkommen ändern würde.

















Isalija "spricht",
denkt und handelt.


Zuletzt von Isalija am Sa 12 Mai 2018 - 22:37 bearbeitet; insgesamt 6-mal bearbeitet
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Isalija
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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Do 5 Apr 2018 - 19:38

Prolog

Es war spät und ich war unglaublich müde, als ich mich ins Bett legte, jedoch von meinem Smartphone gestört wurde, das neben meinem Kissen vibrierte.

Tara: Hey, Hendrics schmeißt am Wochenende eine Party. Kommst du mit?

Angewidert verzog ich das Gesicht. Ich hasste Partys. Andererseits hatte ich schon seit Wochen nichts mehr mit Tara gemacht.

Skaisa: Um wie viel Uhr muss ich wo sein?
Tara: Klasse! Ich komme um 16 Uhr vorbei und hol dich ab. Basil fährt uns.
Skaisa: Okay, klingt gut. Ich werde fertig sein.
Tara: Zieh was hübsches an!

Erneut verzog ich das Gesicht, schrieb dazu aber nichts mehr. Stattdessen zog ich mich aus und legte mich schlafen.
Es war ja nur eine Party. Ein Abend.
So schlimm würde es schon nicht sein.

















Isalija "spricht",
denkt und handelt.
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Isalija
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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Fr 6 Apr 2018 - 12:12

Kapitel 1

 Es war Freitag. Die Sonne schien mich mit ihrer Wärme zu verhöhnen, während es viel zu wenig Wolken am Himmel gab. Wir wohnten in Kanada und es war trotzdem viel zu heiß. Verstand einer das Wetter!
 „Skaisa!“, hörte ich hinter mir die Stimme meiner besten Freundin, „Warte auf mich!“
 Ich blieb stehen, bis sie neben mir war und sah sah dann zu ihr auf. „Guten Morgen. Wie geht’s dir?“
 „Das fragst du mich jeden Tag!“
 Ich zuckte mit den Schultern. „Es interessiert mich eben, wie es dir geht.“ Versteht sie das einfach nicht?
 „Naja, egal. Du musst mir unbedingt helfen!“
 „Okay.“, murmelte ich, „Und wobei?“
 „Du verstehst doch Latein so gut!“
 Ich rümpfte die Nase. „Es geht. Warum?“
 „Ich brauche dringend Nachhilfe“
 Leise atmete ich kurz durch und ließ mir das durch den Kopf stehen. „Na gut. Was verstehst du nicht?“
 „Alles!“
 Daraufhin schüttelte ich nur den Kopf. „Du kannst nicht alles nicht verstehen.“
 „Doch. Ich verstehe kein einziges Wort.“
 „Du musst keine Vokabeln kennen, Tara. Also, du musst schon, aber das ist einfach nur lernen. Wichtig ist, dass du die Grammatik kannst.“
 „Aber das kann ich auch nicht.“
 „PPP?“, fragte ich, „AcI? Pc? Sagt dir das was?“
 „PC ist doch ein Computer, oder nicht?“
 Ich stöhnte auf. „Hast du im Unterricht denn gar nicht aufgepasst?“
 „Naja, weißt du... ich habe Latein immer in der ersten Stunde und in den letzten Wochen habe ich viel mit Basil unternommen.“
 „Du hast doch nicht im Unterricht geschlafen, oder?“
 „Latein braucht doch eh keiner!“
 „Warum hast du es dann gewählt?“
 „Ich dachte, wir wären dann im selben Kurs und dann hätte ich bei dir abschreiben können.“
 „Ich lasse dich doch nicht alles von mir abschreiben!“
 Sie sah mich vorwurfsvoll an. „Du willst also sagen, dass du mich im Stich gelassen hättest?“
 „Nein, ich hätte dir geholfen. Aber du musst im Unterricht aufpassen. Wenn du nicht aufpasst, bringt es nichts, wenn ich dir helfe.“
 „Ja, ja. In Zukunft passe ich besser auf. Hilfst du mir nun?“
 „Na gut. Wie wäre es Sonntag?“
 „Sonntag? Spinnst du? Da werde ich den ganzen Tag im Bett liegen und meinen Kater auskurieren.“
 „Deinen Kater?“, hakte ich nach und sah sie verwirrt an.
 „Ja. Du weißt doch. Von Hendrics' Party zu der wir gehen.“
 Einen Moment war mir die Überraschung wahrscheinlich ins Gesicht geschrieben, denn sie sah mich genervt an.
 „Hast du es wieder vergessen?“
 „Das ist morgen?“
 „Ja doch. Jetzt wage es nicht abzusagen. Dein Freund freut sich schon, dass er dich endlich mal auf einer Party sieht.“
 Da weiteten meine Augen sich nur noch mehr. „Adrian geht auch hin?“
 „Natürlich geht er hin, Dummkopf. Der lässt sich doch keine Party entgehen.“
 Innerlich sackte ich zusammen. So ein Mist. Ich hasste Menschen. Ich hasste betrunkene Menschen noch mehr. Aber ein betrunkener Adrian... Das Wochenende wird so scheiße. „Er hatte versprochen mit mir Sonntag schwimmen zu gehen.“
 „Ach so? Naja, daraus wird wahrscheinlich nichts. Das könnt ihr ja noch nächstes Wochenende machen.“
 „Das sagt er auch. Seit fünf Wochen.“, murrte ich unglücklich.
 „Du kannst ja einfach ein bisschen Rücksicht auf seine Wünsche nehmen. Ich meine, ihr macht doch ständig was zusammen.“
 „Drei mal die Woche.“, murmelte ich, „Und die meiste Zeit sitze ich dann nur neben ihm, während er mit Freunden quatscht, Spiele spielt oder schläft, weil er die Nacht durchgemacht hat.“
 „Siehst du, du siehst ihn oft genug!“
 Hat sie mir gerade zugehört? Ich seufzte enttäuscht, sagte aber nichts dazu. Sie war ein wenig schwierig und hatte eine andere Ansicht als ich. „Lass uns über etwas anderes reden.“
 „Wenn du willst.“ Sie betrat mit mir den Raum, in dem unser erster Kurs stattfand. „Nächste Woche kommt der nächste Band der Morgan-Reihe.“
 „Ich weiß, ich hab das Buch auf meiner Merkliste.“, entgegnete ich und lächelte, „Ich bin gespannt, was die Autorin sich für Henry ausgedacht hat. Ich meine, jetzt, da seine Geschwister endlich wissen, dass er nicht der Verräter war, sollten sie ihn doch endlich freundlicher behandeln, oder?“
 „Denke ich auch. Ich meine, eigentlich ist er ja nicht so ein Arsch, wie alle denken.“
 Ich nickte zustimmend. „Was denkst du, kennen wir die Frau, mit der er zusammen kommt?“
 „Ich dachte, er sei schwul?“
 „Was? Nein! Er ist total hetero. Erinnerst du dich nicht an die Szene im 4. Teil, als Jeremiah ihn mit seiner Ex im Bett erwischt hat?“
 Nachdenklich starrte Tara vor sich auf den Tisch, als wir unsere Plätze erreichten. „Stimmt. Das hatte ich ganz vergessen.“
 William, der in diesem Raum immer vor uns saß, sah resigniert zu uns nach hinten. „Redet ihr schon wieder über Bücher?“
 „Was dagegen?“, fragte Tara zurück.
 Ich setzte mich nur auf meinen Platz.
 „Naja, es ekelt mich schon etwas an zu hören wer es mit wem getrieben hat.“
 Ich rollte mit den Augen. „Weil wir auch non-stop über nichts als Sex reden.“
 „So klingt es manchmal.“, beteuerte er.
 „Werd erwachsen. Nur weil sich zwei Menschen küssen, haben sie nicht gleich Sex.“
 „Streberin.“
 „Besser Streber als schlechte Noten.“, entgegnete ich nur trocken und holte mein Material für den Unterricht hervor.
 Tara setzte sich neben mich. „Und überhaupt, wenn wir dich stören, dann setz dich doch woanders hin.“
 „Das hier ist der beste Platz im Raum.“, protestierte er, „Außerdem sind die anderen besetzt.“
 „Ich bin sicher, Lorie tauscht gern mit dir.“
 „Ich sitz doch nicht neben dem Pickelgesicht.“
 „Sei nicht so gemein.“, rügte ich ihn, „So schlimm ist es nun wirklich nicht.“
 „Hast du ihn mal aus der Nähe gesehen?“
 „George ist ein lieber Kerl.“
 „Etwas anderes kann er sich mit seinem Gesicht ja auch nicht leisten.“
 „Du bist widerlich.“
 „Sagte das dicke Kind.“
 Das saß. Ich hielt mich eigentlich nicht wirklich für dick. Ich war... mollig. Nicht so schlank wie Tara, die problemlos Größe XS tragen konnte, aber ich brauchte auch keine Größe L. M saß fantastisch, war sogar hin und wieder sehr locker luftig, genau so wie ich es mochte. Doch ich fühlte mich trotzdem nicht ganz wohl, war jedoch auch nicht motiviert genug mehr Sport zu machen, um etwas daran zu ändern. Es war nicht so, dass ich meinen Körper nicht mochte. Ich wünschte mir lediglich ein wenig... weniger Speck an Bauch und Oberschenkeln zu haben.
 „Nimm das zurück.“, forderte Tara William auf, der daraufhin schnaubte.
 „Warum, Barbie? Glaubst du etwa wirklich sie würde so etwas ernst nehmen?“
 Das tat ich tatsächlich. „Wieso sollte ich auch.“, sagte ich stattdessen, „Ist ja nicht so, als würde mich seine Meinung interessieren.“
 Als aber jeder nach vorn sah, um sich auf den Unterricht zu konzentrieren, zog ich mein Oberteil ein wenig hinunter, aus Angst, meine Haut könnte hervor lugen, wenn ich mich nach vorn beugte, um zu schreiben.

 Nach Schulschluss ging gemütlich nach hause. Unterwegs hörte ich wie immer meine Lieblingsband Headache und fragte mich, wann wohl ihr nächstes Konzert in der Nähe stattfand. Wenn ich Glück hatte, könnte ich vielleicht hingehen. Allerdings waren sie bisher nie in die Stadt gekommen. Sie war einfach nicht populär genug für solche Anlässe und Dad erlaubte mir nicht für ein Konzert, auf dem es von Betrunkenen so wimmelte, in eine andere Stadt zu fahren. Erst recht nicht allein. Nicht einmal mit Tara, die er streng genommen gar nicht mochte.
 Frustriert seufzte ich auf und schrieb Adrian eine Nachricht.

Skaisa: Hey, Rian. Ich hab jetzt Schluss und bin auf dem Weg nach hause. Tara sagte mir, dass du morgen auch auf Hendrics' Party bist.

 Einen Moment wartete ich, ob er die Nachricht sofort beantwortete, steckte das Smartphone nach wenigen Sekunden aber wieder ein. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis ich zuhause war, wo ich meine Kopfhörer einsteckte, ehe ich eintrat.
 „Bin zuhause!“, rief ich herein und schloss hinter mir die Tür.
 „Hallo, Schatz!“, rief Mom zurück.
 „Ist Dad noch nicht da?“
 „Noch nicht, er kauft noch ein.“
 „Okay.“
 Ich zog meine Schuhe aus und ging hinauf in mein Zimmer, wo ich mich an meinen Schreibtisch setzte, um meine Hausaufgaben zu erledigen. Einige Zeit später nagte ich gerade an einer komplizierten Aufgabe in Mathe, als mein Handy neben mir vibrierte.

 Adrian: Hey. Klar bin ich auf der Party. Warum?
 Skaisa: Wir wollten Sonntag schwimmen gehen.
 Adrian: Wollten wir? Oh, sorry, das hab ich vergessen. Können wir das auf Montag verschieben? Meine letzten beiden Stunden fallen aus und du hast doch eh früher Schluss.
 Skaisa: In Ordnung, aber diesmal wirklich.
 Adrian: Versprochen. Was machst du grad?
 Skaisa: Hausaufgaben. Mathe.
 Adrian: Hast du Lust vorbeizukommen? Ich hab sturmfrei.
 Skaisa: Später bestimmt. Ich muss erst die Hausaufgaben machen, sonst vergesse ich das wieder.
 Adrian: Komm schon, morgen sind meine Eltern schon wieder da. Es ist viel aufregender mit dir zu schlafen, wenn du nicht immer so still bist.

 Prompt wurde ich rot und presste die Lippen aufeinander. Warum dachte er immer nur an Sex, wenn er mich zu sich einlud?

 Skaisa: Ich hab nicht so Lust auf Sex.
 Adrian: Ich hab nicht so oft sturmfrei. Na komm schon. Wir schauen uns danach auch eine Folge des Cartoons an, den du da schaust.
 Skaisa: Das heißt Anime. Und ich hab die schon vor drei Wochen gesagt, dass ich mit der Serie durch bin.
 Adrian: Ich dachte, die schauen wir zusammen.
 Skaisa: Du wolltest nie weiter schauen.

 Als er daraufhin nicht reagierte, legte ich das Handy beiseite, um mich wieder auf die Aufgabe zu konzentrieren. Eine halbe Stunde später packte ich die Sachen ein und ging kurz in die Küche, um mir einen Snack zu machen.
 „Hey, Skai.“, begrüßte mich Dad, als er ebenfalls kurz in die Küche kam, um sich etwas zu trinken zu holen.
 „Hi, Dad.“
 Ich hielt ihm die Wange hin, als er zu mir kam, damit er mich auf die Wange küssen konnte und genoss den kurzen Moment der Nähe.
 „Wann gibt es Abendessen?“, fragte ich dann und beschmierte mir eine Scheibe Brot.
 „Ich fange um 17 Uhr an.“
 „Und was gibt es?“
 „Deine Mutter hat sich Pasta Bolognese gewünscht.“
 „Klingt super.“, bemerkte ich begeistert.
 „Was machst du heute noch?“
 „Ich weiß noch nicht. Adrian hat gefragt, ob ich zu ihm komme.“
 „Ach, der lädt dich mal ein?“ Seine Stimme triefte vor Sarkasmus. „Hat er Mist gebaut und muss sich entschuldigen.“
 Ich seufzte. „Hin und wieder lädt er mich mal ein. Und er hat kein Mist gebaut.“ Zumindest keinen richtigen. „Morgen gehen wir auf eine Party.“
 Das überraschte ihn wirklich. „Du gehst auf eine Party? Eine echte? Mit Alkohol und Musik und vielen Menschen?“
 Ich verzog das Gesicht. „Wenn du das so sagst hab ich keine Lust mehr.“
 „Und warum gehst du dann hin?“
 „Weil Tara gefragt hat.“
 „Ach so.“ Er rollte mit den Augen. „Tara, natürlich. Warum suchst du dir keine Freunde, mit denen du dich wirklich verstehst?“
 „Ich verstehe mich blen-dend mit ihr.“, widersprach ich, „Sie ist meine beste Freundin!“
 „Triff dich doch öfter mit Noëlle. Sie ist viel vernünftiger als Tara.“
 „Ich verstehe nicht, wie du das denken kannst.“, bemerkte ich und knabberte an meinem Brot. „Noëlle redet ständig nur von sich selbst und kennt sowas wie Empathie nicht.“
 „Aber sie kann Verantwortung übernehmen. Sie baut keinen Unsinn, wie Tara.“
 „Tara baut keinen Unsinn.“
 Er seufzte leise. „Das behauptest du. Aber ich bin mir sicher, du weißt es besser.“
 Murrend biss ich richtig von meinem Brot ab. „Ich gehe wieder hoch. Da ist noch ein Buch, das ich lesen will.“
 „Okay. Ich rufe dich, wenn das Essen fertig ist, also hör nicht mit Kopfhörern Musik.“
 „In Ordnung.“
 Als ich mein Zimmer erreichte hatte ich bereits aufgegessen und griff als erstes nach meinem Smartphone, ehe ich das Buch nahm, das ich lesen wollte und mich auf mein Bett verkrümelte, wo ich es mir gemütlich machte. Dann sah ich nach, ob ich Nachrichten bekommen hatte und stellte fest, dass Adrian mir gleich 4 geschickt hatte.

 Kommst du heute nun noch vorbei?
 Skaisa? Bist du noch da?!?!
 Hallo-ho! Ich rede mit dir! Antworte!
 Dann bleib halt zuhause, mir doch egal.


 Ich seufzte schwer und rieb mir über die Stirn, hatte allerdings kein Nerv für einen reizbaren Adrian und legte das Smartphone beiseite, um zu lesen. Keine zehn Sekunden später vibrierte mein Handy erneut.

 Adrian: ANTWORTE MIR!
 Skaisa: Reg dich nicht gleich auf, weil ich ein paar Minuten länger brauche! Ich war in der Küche und hab mein Smartphone in meinem Zimmer gelassen.
 Adrian: Warum hast du es nicht mitgenommen?
 Skaisa: Weil ich nur ein paar Minuten brauchte. In ein paar Minuten geht die Welt nicht unter.
 Adrian: Nimm es das nächste Mal mit, verdammt!
 Skaisa: Wenn ich denke, dass ich es brauchte, nehme ich es auch mit.
 Adrian: Ich will, dass du mir immer antworten kannst.
 Skaisa: Ich kann mein Smartphone nicht überall mit hinnehmen.
 Adrian: Wir reden später darüber, wenn du hier bist.
 Skaisa: Ich komme heute nicht.
 Adrian: Aber du sagtest, du würdest später herkommen.
 Skaisa: Du hast wegen nichts schlechte Laune und meckerst mich an. Darauf habe ich keine Lust.
 Adrian: Warum läufst du jetzt vor Problemen weg? Sagst du nicht immer, wir sollen reden, statt uns zurück zu ziehen?
 Skaisa: Ja, wenn es hilft. Aber du regst dich viel zu sehr über eine Kleinigkeit auf und meckerst nur rum. Ich hab keine Lust später noch von dir runter gemacht zu werden, nur weil es dir nicht passt, dass ich mein Smartphone für den Notfall auf laut lassen will.
 Adrian: Was soll der Scheiß, Skai? Ich dachte, du liebst mich! Da kannst du doch wohl mit mir über unsere Probleme reden und dein Smartphone lautlos stellen, damit wir die Zeit zusammen genießen können.
 Skaisa: Ich liebe dich, aber ich will vorsichtig sein. Wenn du mich auch liebst, kannst du es doch einfach akzeptieren.
 Adrian: Es stört mich aber. Es unterbricht uns ständig
 Skaisa: Es stört mich auch, dass du ständig spielst, wenn ich da bin, statt etwas mit mir zu unternehmen, aber daran änderst du auch nichts.
 Adrian: Warum sollte ich auch etwas daran ändern? Du warst es doch, der damals auf mich zukam. Ich kann jederzeit eine andere haben. Glaubst du, dir fällt das auch so leicht? Mit deinem Bauch? Deinen Oberschenkeln? Und deine Stimme? Weißt du eigentlich, wie nervig die manchmal ist?
 Skaisa: Das wird mir jetzt zu dumm. Wir sehen uns morgen. Ich lese jetzt.

 Mit Tränen in den Augen schaltete ich mein Handy auf lautlos und legte es mit dem Display nach unten auf meinen Nachttisch, ehe ich das Buch zur Hand nahm und begann zu lesen. Es dauerte ein wenig, bis ich mich wirklich auf den Text konzentrieren konnte, versank dann aber völlig in der Geschichte.

 Einen Tag später sah ich mich unbehaglich in Malcom Hendrics' Haus um und versuchte Tara zu finden, die sich mit einem Schulkamerad unterhalten und die ich nur 5 Sekunden aus den Augen gelassen hatte. Nun hatte ich keine Ahnung wo sie war. Ich hatte auch wenig Lust darauf Adrian zu suchen, also drängte ich mich durch die Menge alkoholisierter Leute zum hinteren Teil des Hauses. Als ich in den Garten trat, atmete ich erleichtert die frische Luft ein und fächerte mir die Kühle ins Gesicht, ehe ich mich umsah.
 Es war fast niemand hier. Eigentlich nur ich und ein Mann, der ein paar Meter entfernt auf einer Liege lag und in den Sternenhimmel starrte. Er hielt eine fast leere Flasche Whiskey in der Hand. Ich fragte mich einen Moment, ob es ihm gut ging, hatte aber auch Angst ihn anzusprechen. Betrunkene Menschen waren unberechenbar, wie ich wusste. Außerdem kannte ich ihn nicht.
 „Skaisa.“
 Innerlich seufzte ich auf, als ich Adrians Stimme hörte und sah zu ihm herüber. Einerseits war ich noch verletzt und sauer auf ihn, wegen dem, was er am Vortag abgezogen hatte, aber andererseits unternahm er selten etwas mit mir, weshalb ich ihn nicht abwies, als er mich küsste.
 „Ich bin froh, dass du hier bist.“, murmelte er an meinem Mund.
 „Du riechst nach Alkohol.“, beschwerte ich mich und wischte mir über den Mund, weil ich den Gedanken von Alkohol auf meinen Lippen abstoßend fand.
 „Ich hab ein bisschen Bier getrunken. Die Freunde von Hendrics' Bruder haben das gute Zeug leider schon ausgetrunken.“
 „Das gute Zeug?“, hakte ich nach, „Du meinst, das hochprozentige.“
 „Sag ich doch.“
 Ich seufzte. „So viel Alkohol ist eh nicht gut.“
 „Jetzt sei nicht wieder so eine Spielverderberin. Komm rein und tanz mit mir.“ Mit diesen Worten griff er nach meinen Händen und zog mich wieder hinein.
 „Ich kann nicht tanzen.“
 „Niemand hier kann tanzen.“
 „Ich fühle mich dabei nicht wohl.“
 „Jetzt sei kein Frosch.“
 Er zog mich in einen Raum, in dem sich eine beachtliche Menge Leute zur Musik bewegte, drückte mich an sich und begann zu tanzen, wobei er sich mehr an mir rieb, als etwas zu tun, das in irgendeiner Form ästhetisch aussah.
Ich dagegen fühlte mich alles andere als wohl in meiner Haut. Ständig stieß jemand gegen mich, zwei Mal schlug man mir fast ins Gesicht und es roch einfach überall nach Alkohol. Außerdem war es unangenehm warm und stickig. Ich hielt es wahrscheinlich 20 Minuten lang aus, ehe ich nach Adrians Schulter griff.
 „Ich hab Durst!“, rief ich ihm über die unerträgliche Musik zu.
 Wer auch immer den DJ spielte... er sollte bitte aufhören.
 Adrian, der mich wohl verstanden hatte, beugte sich zu mir herab. „Nebenan gibt es Bier.“
 „Du weißt, dass ich kein Alkohol trinke.“
 Er zuckte mit den Schultern. „Was anderes außer Alkohol und Leitungswasser gibt es nicht.“
 „Dann trink ich Wasser.“
 Er rollte mit den Augen und manövrierte mich aus dem Raum, um mich in ein Wohnzimmer zu verfrachten. Dort setzte er mich auf eine Couch. „Ich bin gleich wieder da, warte hier.“
 „Okay.“, murmelte ich und sah mich misstrauisch um, als sich ein Pärchen neben mich setzte.
 Adrian machte sich umgehend auf den Weg und während ich wartete begann das Pärchen zu knutschen und zu stöhnen. Dabei machten sie sich immer breiter und stießen gegen mich, weshalb ich mir nach einer Weile ein Kissen nahm und es zwischen uns quetschte. Irgendwann kam Adrian wieder und hielt mir einen Becher mit einer klaren Flüssigkeit hin. Da ich ihn kannte und misstrauisch war, roch ich vorsichtig daran, ehe ich daran nippte.
 Wasser.
 Also trank ich ein paar Schlücke und atmete erleichtert auf. „Danke.“
 „Kein Ding.“, entgegnete er, setzte sich neben mir auf die Couchlehne und strich mir das Haar aus der Stirn. „Warum bist du eigentlich hier, wenn du nichts von alledem magst?“
 Ich zuckte mit den Schultern. „Tara hat gefragt.“
 „Sonst sagst du doch auch immer ab.“
 „Ja, aber wir haben lang nichts mehr gemacht und ich dachte, wir würden hier zusammen bleiben. Aber nach einer halben Stunde war sie weg.“
 „Verstehe.“ Nachdenklich sah er mich eine Weile an, ehe er sich umsah. „Komm mal mit.“
 Als er das sagte, griff er nach meiner freien Hand und half mir auf, ehe er mich an allen möglichen Leuten vorbei in den Flur und die Treppe hinauf zog. Verwirrt zog ich die Brauen zusammen und fragte mich wohin er mit mir wollte.
 „Was hast du vor?“, fragte ich ihn vorsichtig. Hier oben war es glücklicherweise viel ruhiger.
 Als er eine offene Tür fand, warf er einen kurzen Blick herein, ehe er mich anlächelte. Bei diesem Anblick kribbelte mein Bauch wie verrückt. Er zog mich sanft in das Zimmer und schloss hinter uns die Tür ab, während ich überrascht feststellte, dass es sich um ein Schlafzimmer handelte.
 „Adrian? Was soll das?“
 Er umarmte mich von hinten und küsste sanft meinen Hals. „Du bist gestern nicht mehr vorbei gekommen.“, bemerkte er und griff nach meinen Brüsten.
 Zaghaft schob ich seine Hände beiseite. „Ich werde nicht hier mit dir schlafen.“
 „Kein Sex.“, beteuerte er, „Nur knutschten und kuscheln... und ein bisschen fummeln. Komm schon. Ich hab abgeschlossen, was soll also passieren?“
 Ich ließ mir das einen Moment durch den Kopf gehen. „Okay.“, murmelte ich dann und ließ es zu, dass er mich zum Bett schob und meinen Becher mit Wasser beiseite stellte. „Aber wenn du versuchst mich auszuziehen, gehe ich.“
 „Die Kleidung bleibt an.“, versprach er und schob mich auf das Bett herab, bis ich lag, damit er sich auf mich legen konnte, ehe er mich küsste. „Du siehst echt heiß aus in dem Shirt. Es ist tief ausgeschnitten.“
 „Es verrutscht ständig.“, murmelte ich und nestelte an dem Kragen, damit es mehr Schulter und weniger Brust zeigte, doch er zog prompt den Kragen wieder herunter.
 „Ich mag es so. Ich finde, es zeigt sogar ein bisschen zu wenig.“ Er senkte den Kopf, um mich auf den Hals, das Schlüsselbein und schließlich auf die Brüste zu küssen, wobei er versuchte den Kragen noch weiter hinunter zu ziehen. Als er einsah, dass das nicht funktionierte, seufzte er genervt und schob die Hände unter mein Shirt, um sie zu berühren. „Du reagierst nie, wenn ich sie anfasse.“
 „Ich bin da einfach nicht so sensibel.“, entgegnete ich beschämt und knabberte an meiner Unterlippe, während er meine Brüste knetete. Dann sah er wieder zu mir auf und drückte seine Lippen auf meine.
 Ich genoss die Küsse zwischen uns. Er war gut darin und ich fühlte mich ihm auf diese Weise nahe. Sicher, der Sex machte auch Spaß, allerdings war ich jedes Mal etwas enttäuscht davon, weil er nie an mich dachte.
 „Bläst du mir einen?“, fragte er einige Zeit später zwischen zwei heißen Küssen.
 „N-n-nein.“, stammelte ich.
 „Bitte Baby. Das hast du noch nie gemacht.“
 „Ich werde damit auch nicht anfangen.“ Allein bei der Vorstellung bekam ich einen Knoten im Magen.
 Er rieb sich an mir. „Ich bin so hart. Wenn du mir keinen bläst will ich mit dir schlafen.“
 „Ich hab nein gesagt. Du hast zugestimmt.“
 „Ich hab meine Meinung geändert.“
 Frustriert schob ich seine Hände weg, als er an meinem Hosenbund nestelte. „Adrian, ich will nicht.“
 „Scheiße, Skai. Ich bin mega hart wegen dir. Deine Handjobs sind schlecht, du lässt dich nicht von mir ficken und einen Blowjob gibst du mir auch nicht. Warum bin ich überhaupt mit dir zusammen?“
 Ohne ein weiteres Wort zu verlieren stemmte ich mich gegen ihn, bis er neben mir im Bett lag, sprang auf und hastete zur Tür. Sofort schloss ich auf und wollte die Tür gerade öffnen, als Adrian sie mit einer Hand zu drückte.
 „Wo willst du hin?“
 „Ich gehe.“, antwortete ich, „Du benimmst dich wieder wie ein Arschloch.“
 „Bleib hier. Es hat doch Spaß gemacht.“
 „Du hast mich bedrängt. Schon wieder. Ich habe nein gesagt und- Es ist immer dasselbe. Erst stimmst du zu und wenn es dir nicht mehr passt, änderst du einfach deine Meinung. Wenn ich so etwas machen würde, würdest du mich wieder runter machen und alles zwischen uns in Frage stellen, wie eben.“
 „Ich habe nichts in Frage gestellt.“
 „Du hast gefragt, warum du überhaupt mit mir zusammen bist.“
 „Das war doch nicht ernst gemeint, Baby.“ Versöhnlich streichelte er mir über die Wange. „Du weißt doch, dass ich dich liebe, oder nicht?“
 Dem war ich mir eben nicht sicher.
 „Oder?“
 Unbeholfen zuckte ich mit den Schultern, woraufhin er seufzte.
 „Dein Ernst jetzt?“
 „Du sagst es fast nie und verhältst dich auch nicht so.“
 „Das ändert nichts daran, dass es so ist. Ich liebe dich wirklich. Bleib noch etwas. Okay?“
 Am liebsten wäre ich eigentlich nach hause gegangen. „Ich muss auf Toilette.“
 Er betrachtete mich einen Moment prüfend, ehe er gereizt den Blick abwendete, die Hände hob und einen Schritt zurück trat. „Dann verpiss dich eben.“
 „Ich- Ich hab doch nur gesagt, dass ich mal aufs Klo muss.“, entgegnete ich ebenso gereizt.
 „Ja und danach haust du sicher nach hause ab. Aber okay, mach nur. Ich vögel einfach eine andere. Dauert sicher nicht lange eine zu finden.“
 „Du bist so ein- So ein riesen Arschloch!“
 Mit diesen Worten rauschte ich aus dem Zimmer, hörte aber wie er mir folgte.
 „Skaisa, scheiße. Warte. Das meinte ich nicht ernst.“
 Eilig lief ich die Treppe hinab und sah mich nach dem Badezimmer um, denn ich hatte nicht gelogen, als ich sagte, ich müsse auf die Toilette.
 „Skaisa!“
 Als ich hörte, dass er näher kam, bog ich eilig in den nächsten Flur ein und ging hastig weiter, bis ich ein Bad mit angelehnter Tür fand. Schnell ging ich hinein, schob die Tür zu und schloss ab. Zum Glück hatte die Tür ein einfaches Drehschloss.
 Als ich mich umdrehte, hielt ich jedoch überrascht inne. Da lag jemand auf dem Bauch direkt neben der Toilette. Dem Zustand der Sanitäranlage nach zu Urteilen hatte er sich übergeben. Es dauerte nicht lange, bis ich feststellte, dass es derselbe Mann war, der vor etwa einer Stunde im Garten auf der Liege gelegen hatte. Wahrscheinlich hatte er zu viel Whiskey getrunken.
 Vorsichtig trat ich etwas näher und stieß mit dem Fuß an seine Hüfte. „Hey, du.“ Ich musste ganz dringend auf Toilette, aber das würde ich nicht tun, wenn er jeden Moment wieder zu sich kommen würde. „Bist du wach?“
 Keine Reaktion. Ich beugte mich über ihn und suchte nach seinem Puls. Der schien in Ordnung. Und er atmete. Ein wenig zögerte ich noch, doch der Druck auf meine Blase schien sich zu vergrößern, seit diese bemerkt hatte, dass ich mich in der Nähe einer Toilette befand.
 Also griff ich hastig nach dem Toilettenpapier und wischte die Toilette ab, ehe ich abzog und- Misstrauisch sah ich auf den Kerl herab, der noch immer regungslos auf dem Boden lag. Als ich sicher war, dass er sich nicht regte, öffnete ich vorsichtig meine Hose. Meine Blase hatte es offenbar sehr eilig und ich war mehr als erleichtert, dass ich es rechtzeitig schaffte. Doch gerade als ich wieder nach dem Toilettenpapier griff, begann der Kerl vor mir auf dem Boden zu stöhnen.
 Oh bitte nicht! Nicht aufwachen!

















Isalija "spricht",
denkt und handelt.


Zuletzt von Isalija am Fr 27 Apr 2018 - 13:31 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Isalija
Sonnenklasse Schülerin
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Zen 106
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Outfit etc.: -Schuluniform[Bluse, Weste, Strümpfe, Rock, Masche, Schuhe]; Ohrschmuck mit Kettchen

BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   So 15 Apr 2018 - 10:40

Kapitel 2
 
  Es würde der peinlichste Moment meines Lebens werden, sollte er jetzt zu sich kommen. Also wischte ich mich so schnell ich konnte ab und sprang in dem Moment auf, als er begann sich zu regen. Ich schaffte es gerade meine Hose wieder hochzuziehen, als er sich auf den Rücken rollte. Eigentlich hatte ich erwartet, dass er von seinem eigenen Erbrochenen verschmiert war, aber er war tatsächlich ziemlich sauber.
  „Licht aus.“, murrte er und griff sich an den Kopf.
 Einen Moment blieb ich einfach nur wie erstarrt stehen, die Hände an meinem Hosenbund, damit sie nicht herunter rutschte, den Blick auf sein Gesicht gerichtet.
 Ich fand, für jemanden der offensichtlich gern Alkohol trank hatte er eine viel zu wohlklingende Stimme. Und er nuschelte nicht. Er klang fast schon... nüchtern. Und als auf seine Worte keine Reaktion folgte, öffnete er die Augen und sah sich um.
 „He, du.“, murmelte er, „Mach das Licht aus.“
 „Du solltest woanders hingehen, wenn du schlafen willst.“, entgegnete ich und schloss hastig meine Hose.
 Er zog verwirrt die Brauen zusammen. „Hast du dich eben erst angezogen? Hatten wir Sex?“
 Meine Augen weiteten sich. „Was? Nein! Du bist im Badezimmer und ich musste aufs Klo!“
 Das schien ihn noch mehr zu verwirren. „Hatten wir nicht?“
 „Nein.“
 Sichtlich desorientiert kratzte er sich über die Wange und sah sich um, woraufhin ich die Toilettenspülung betätigte. Er verzog das Gesicht. „Fuck, ist das laut.“
 „Wie gesagt, du bist im Badezimmer.
 Er stöhnte und setzte sich langsam auf, wobei er sich die Schläfe rieb ehe er zu mir aufsah. „Ich hab dich wirklich nicht gefickt?“
 „Ganz sicher nicht.“
 Nun ließ er den Blick über mich wandern. „Hmm... Hast du denn Lust zu vögeln?“
 Sofort trat ich ein paar Schritte zurück. „Nein, verdammt! Das ist ja... widerlich.“
 „Du findest Sex widerlich?“
 „Nein. Ich finde Sex mit einem Betrunkenen widerlich, der sich womöglich erst übergeben hat.“
 „Ich habe nicht gekotzt. Und ich bin nicht betrunken.“, entgegnete er, „Ich hab nur einen dunklen Raum gesucht, weil mein Kopf weh tut.“
 „Das Licht war aber schon an, als ich rein kam.“
 „Dann hat es wohl der Kerl angemacht, der hier gekotzt hat.“ Er betrachtete mich erneut. „Und du willst wirklich nicht vögeln?“
 Ich rollte mit den Augen. „Männer sind doch echt alle gleich.“
 Plötzlich lachte er auf. „Wenn das nur so wäre!“ Er kämpfte sich mühselig auf die Beine, wirkte aber sicher, als er erst einmal stand. Erst da fiel mir auf, wie groß er eigentlich war. „Wie heißt du?“
 „Ähm... Skaisa.“, antwortete ich zaghaft und machte nervös noch einen Schritt zurück. Warum bin ich eigentlich noch hier? „Ich- Ich wollte gerade gehen.“
 Sein Mundwinkel zuckte. „Hast du Angst, dass ich dich beiße?“ Er rieb sich über den Mund. „Ich gebe zu, das würde ich vielleicht sogar machen. Du bist nicht so ein Kauknochen.“ Bei diesen Worten machte er einen Schritt auf mich zu.
 Ich machte noch einen Schritt zurück. „I-i-ich wollte eh gehen. Ich wollte nur auf Toilette, ehe ich- ähm... gehe.“
 „Es ist echt spät.“, bemerkte er mit einem Blick zum Fenster, „Ich könnte dich fahren.“
 „Und uns um einen Baum wickeln? Nein Danke.“
 „Oh, glaub mir, ich bin schon stockbesoffen unfallfrei gefahren. Und außerdem bin ich nüchtern.“ Er trat noch einen Schritt auf mich zu und als ich zurück wich, spürte ich die Wand im Rücken.
 Verdammt. „Wie heißt du überhaupt?“
 „Jason.“, murmelte er, „Du siehst gar nicht aus, wie die Tussen, die Malcom sonst immer einlädt.“
 „Welche Tussen?“
 „Na, die Tussen.“ Er rollte mit den Augen. „Ich hab doch keine Ahnung, wie die Knochen heißen, die ich da vögel.“
 Ich rümpfte die Nase. „Du schläfst mit ihnen?“
 Er zuckte mit den Schultern. „Ein Mann hat eben Bedürfnisse.“
„Ja, wie schon gesagt. Männer sind eben gleich.“, murrte ich und sah zur Tür. Sie war nur vier, vielleicht fünf Schritte entfernt.
„Du hast ja ein echt gutes Bild von Männern.“, bemerkte er ironisch und befand sich mit einem Mal direkt vor mir. „Ich hab echt Bock dich zu vögeln.“
 „Ich passe.“, entgegnete ich und stemmte die Hände gegen seine Brust, als er sich an mich drückte. „Ich hab kein Interesse.“
 Sein Mundwinkel zuckte. „Du bist echt süß. Erfrischend nach all den Tussen da draußen. Wie alt bist du?“
 „Warum? Hast du Angst dich als pädophil zu outen?“
 „Du bist ja wohl kein Kind.“, entgegnete er mit gehobener Braue und sah an mir hinab. „Nicht mit den Titten.“
 Sofort hob ich die Hände, um mein Shirt zu richten, was er sofort nutzte, um noch näher zu rücken. Er war bereits so nahe, dass ich seinen Atem an meiner Stirn spüren und den Duft riechen konnte, der zweifellos von ihm kam. Ich hatte gedacht er würde nach Alkohol riechen, wie all die anderen Idioten im Haus, aber er roch tatsächlich angenehm.
 „Du bist doch keine Jungfrau, oder?“
 „Ich wüsste nicht, was dich das angeht.“, entgegnete ich und stemmte mich wieder gegen seine Brust. „Du bist zu nahe.“
 „Ich finde, es ist noch nicht nahe genug. Gehst du noch zur Schule?“
 „Lässt du mich in Ruhe, wenn ich ja sage?“
 „Highschool?“
 „Lass mich einfach gehen, okay?“
 „Wenn du Malcom kennst gehst du sicher auf seine Schule. Hast du was dagegen, wenn ich dich küsse?“
 „Ja.“
 „Aber ich würde gerne.“
 „Ich aber nicht, verdammt nochmal.“ Warum bewegte er sich eigentlich nicht, wenn ich versuchte ihn wegzudrücken?
 „Ich lass dich gehen, wenn du mich küsst.“
 „Nein!“
 „Na, dann kuscheln wir eben weiter.“ Er legte eine Hand auf meine Taille und ließ sie auf meinen Rücken gleiten.
 „Das ist sexuelle Belästigung.“ Ich hatte Mühe mir die Spur Angst, die sich in mir regte, nicht anmerken zu lassen.
 „Es sind genug Menschen im Haus. Du kannst schreien, wenn du willst. Ich bin mir sicher, man würde dich hören.“
 Ich zog es tatsächlich in Erwägung, konnte jedoch nicht genug Mut zusammen fassen. „Lass mich einfach gehen.“
 „Kannst du etwa nicht schreien?“, neckte er mich, „Du hast ein so zartes Stimmchen.“
 Hitze stieg mir ins Gesicht. „Ich kann sehr wohl schreien.“
 „Also willst du nicht? Vielleicht magst du es, wie es gerade ist.“
 „Tue ich nicht.“, widersprach ich sofort und schlug ihm gegen die Brust. Er zuckte nicht einmal. Nicht so wie Adrian, der mich deshalb sofort runter machte, mich beleidigte und im schlimmsten Fall sogar zurück schlug. Jason aber sah einfach nur auf mich herab und hob eine Braue.
 „Was war das denn?“, fragte er erstaunt, „Hast du- Hast du gerade versucht mich zu schlagen?“
 Noch mehr Hitze stieg mir ins Gesicht. „Ich habe es nicht versucht. Ich habe es getan.“
 „Verdammt.“, murmelte er, „Sei meine Freundin.“
 „Wa- Nein! Einfach nein! Warum sollte ich deine Freundin sein wollen? Das ist ja- Nein!“
 Er murmelte ein paar Mal meinen Namen. „Das klingt nicht englisch. Aber auch nicht französisch.“
 „Gut erkannt, Sherlock.“, entgegnete ich gereizt und versuchte erneut ihn wegzuschieben. Irgendwie hatte er es geschafft aus meiner Angst Wut zu machen.
 „Wenn du so weiter machst, bekomme ich noch den Eindruck, du wollest fummeln.“
 „Was zur Hölle ist mit dir schief gelaufen?“
 Er lachte einfach. Lachte! So ein Dreckskerl! „Oh, Baby, du bist echt süß.“
 „Nenn mich nicht so.“
 „Aber sowas sagt man zu seiner Freundin.“
 „Ich bin nicht. Deine. Freundin!“
 „Nicht so schüchtern.“ Er rieb seine Nase an meinem Haar. „Hast du morgen schon was vor?“
 „Ja!“
 „Was denn?“
 „Ich treffe mich mit meinem Freund.“
 „Ach, du bist vergeben?“
 „Bin ich so hässlich?“
 „Scheiße nein.“, entgegnete er lachend, „Du bist nur so schüchtern. Willst du deshalb nicht mit mir zusammen sein? Weil du einen Freund hast?“
 „Ich mag dich nicht, deshalb.“
 „Warum?“
 „Du bist aufdringlich, trinkst Alkohol, schläfst scheinbar mit allem was weiblich ist und wer weiß, vielleicht nimmst du auch noch Drogen.“
 „Hey, du bist gut.“
 Ich sah schockiert zu ihm auf. „Was?“
 „Hast du mich gestalkt oder so?“
 „Nein! Nimmst du etwa wirklich Drogen?“
 Er zuckte mit den Schultern. „Hin und wieder.“
 „Das ist- Das ist doch-“ Abscheu überfiel mich. „Nimm deine Hände von mir.“
 Überrascht hob er nun beide Brauen. „Was, stört dich das etwa so sehr?“
 „Das ist doch widerlich. Wer weiß, wo du die Hände heute schon überall hattest, was du in deinem Blut hast? Du warst dir ja nicht mal sicher, ob du mit mir geschlafen hast.“
 „Ich vergesse schnell die Gesichter der Frauen, mit denen ich schlafe. Wärst du so ein Kauknochen, hätte ich keine Zweifel gehabt, aber du bist nicht so mager. Deshalb war ich mir nicht
sicher.“ Erneut zuckte er mit den Schultern.
 „Du bist widerlich.“
 „Das höre ich nicht oft.“, bemerkte er.
 „Jetzt lass mich gehen.“
 „Wenn du mich küsst, lasse ich sofort los.“
 „Als ob!“
 „Denkst du, ich würde dich sonst vergewaltigen?“ Er schnaubte. „Das würde mir jede Chance bei dir zerstören.“
 Und obwohl ich ihn gar nicht kannte, nahm mir diese Aussage den Rest Angst, der sich noch in mir eingenistet hatte „Du hast gar keine Chance. Jetzt geh weg.“
 „Ein Kuss, Skaisa. Nur einer.“
 „Nein.“
 „In Ordnung. Ich mag es so nahe bei dir zu sein. Was wird wohl dein Freund davon halten?“
 „Er würde dir sagen, dass du deine dreckigen Finger von mir nehmen sollst.“ Würde er nicht. Er würde mich dafür verantwortlich machen, mir Untreue vorwerfen, mich runter machen, mein Selbstwertgefühl untergraben und mir damit drohen Schluss zu machen, ehe er betonen würde, dass ich mit meinem Aussehen keinen anderen kriegen würde. Dann würde er sagen, ich solle aufhören mich an Jason ran zu machen.
 Der erheiterte Ausdruck in Jasons Gesicht schwand, als hätte er jeden meiner Gedanken gehört, und wich ein wenig zurück. „Alles okay?“
 „Ja.“
 „Und warum siehst du dann aus, als würdest du gleich weinen?“
 „Vielleicht, weil mich ein riesiger schwarzhaariger Mann in einem Badezimmer an die Wand drückt und sich weigert mich loslassen, wenn ich ihn nicht küsse?“
 „Ich bin groß, aber nicht riesig.“, bemerkte er amüsiert und legte mir eine Hand an die Wange, fuhr mit dem Daumen unter meinem Auge entlang. „Was ist los?“
 „Das sagte ich doch gerade.“
 „Ich kauf dir das nicht ab. Bis ich deinen Freund erwähnt habe warst du noch aufmüpfig und hast dich gewehrt. Jetzt bist du traurig.“ Er zog die Brauen zusammen. „Habt ihr gestritten oder so?“
 „Es geht dich nichts an, was zwischen mir und meinem Freund ist.“
 „Und ob es mich was angeht. Er ist mir im Weg.“
 „Das wäre nur der Fall, wenn du bei mir landen könntest. Bilde dir nicht zu viel auf dich ein. Menschen wie dich mag ich nicht.“
 „Du weißt von mir bisher nur, dass ich Alkohol trinke, Drogen nehme und oft mit Frauen schlafe.“
 „Und dass du aufdringlich bist.“, ergänze ich, „Das sind alles Dinge, die ich nicht mag.“
 „Und äußerlich? Stoße ich dich optisch ab?“
 Da die Frage so ganz anders war, als die anderen, nahm ich mir einen Moment Zeit ihn zu mustern. Seine schwarzen Haare waren mittellang und völlig zerzaust, als käme er gerade aus dem Bett. Seine Augen, blau, waren klar, das linke heller als das rechte. Das helle hatte außerdem einen seltsamen grünen Fleck am rechten unteren Rand der Iris, der so groß war, dass er fast die Pupille berührte. Er war nicht kreisrund sondern sah eher aus, als hätte jemand grüne Farbe darauf tropfen lassen. Alles wurde von schwarzen dichten Wimpern umrahmt, die trotzdem nicht weiblich aussahen. Seine Nase war schmal und überraschenderweise gerade. Irgendwie hatte ich damit gerechnet, sie sei schief von einem Bruch.
 Als mein Blick auf seinen Mund fiel, konnte ich nicht anders, als ihn einen Moment einfach nur anzustarren. Immerhin wollte er mich küssen. Beinahe konnte ich mir vorstellen wie es wäre von ihm geküsst zu werden. Die untere Lippe war etwas voller als die obere. Als ich aber spürte, wie mir Hitze ins Gesicht stieg, ließ ich den Blick hastig weiter wandern.
 Er hatte kleine Narben. Eine zog sich direkt durch seine rechte Augenbraue, war aber kaum zu erkennen. Eine weitere befand sich an seinem Mundwinkel, war jedoch bereits sehr blass. Eine dritte fand ich an seinem Kiefer, etwas weiter hinten. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er sich beim Rasieren geschnitten hatte, denn ich hatte Narben von Rasierklingen bei Adrian gesehen und die sahen irgendwie anders aus. Dünner. Viel dünner.
 Das letzte, das mir auffiel, war, dass er sehr schlank sein musste. Er hatte kaum ein Gramm Fett im Gesicht, sodass sich beinahe sein Jochbein abzeichnete.
 „Dein Gesicht sieht ganz nett aus.“, verkündete ich irgendwann.
 „Nett?“, wiederholte er, als habe er das Wort noch nie gehört.
 Ich kann ihm schlecht sagen, dass er attraktiv ist. Das würde seinem Ego nur schmeicheln und seine Hoffnung schüren. „Du hast Narben.“, bemerkte ich stattdessen, „Woher hast du die?“
 „Von übermütigen Idioten, die denken, sie könnten sich mit mir anlegen.“
 „Dann bist du also auch noch ein Schläger.“, murmelte ich und sah auf seine Schultern.
 Er trug ein schwarzes Shirt, das recht eng anlag. Daher fiel es mir nicht schwer zu erkennen, dass er viel trainieren musste. Wahrscheinlich würde ich sein Bizeps nicht einmal mit beiden Händen umfassen können.
 „Ich wehre mich, wenn man mich angreift.“
 Ich hob eine Braue. „Daran zweifle ich nicht.“
 „Und für gewöhnlich schlage ich nicht ohne Grund zu.“
 „Für gewöhnlich.“, wiederholte ich.
 „Du hast ja wohl keine Angst vor mir, oder?“ Er wirkte fast schon besorgt, als er das fragte.
 Vielleicht lässt er mich gehen, wenn ich so tue als ob. „Du könntest mich ohne große Mühe zweiteilen. Oder vergewaltigen.“
 Er zögerte. „Ich könnte.“, gab er zu, „Aber ich will nicht. Ich habe noch nie eine Frau geschlagen oder zu irgendwas gezwungen und ich habe nicht vor anzufangen.“
 „Du zwingst mich gerade zu bleiben.“, widersprach ich.
 „Du hast Möglichkeiten, aber du nutzt sie nicht.“
 „Welche Möglichkeiten habe ich denn, wenn du-“ Der Klingelton meines Smartphones unterbrach mich. Mit einem schweren Seufzen stemmte ich mich gegen seine Brust, damit er etwas Platz machte, doch er regte sich keinen Millimeter. Dennoch holte ich mein Smartphone hervor und sah auf das Display.
 Als ich feststellte, dass es mein Vater war hob ich sofort ab. „Hallo.“, meldete ich mich auf litauisch, damit Jason nicht mithören konnte.
 „Tut mir leid, wenn ich dich störe.“, hob Dad an, „Ich hab darauf bestanden dich erst morgen zu fragen, aber deine Mutter möchte unbedingt heute noch wissen, ob du irgendwelche Möbel brauchst.“
 „Möbel?“, wiederholte ich verwundert, „Warum denn Möbel?“
 „Wir fahren demnächst los und holen eine neue Couch und einen neuen Couchtisch. Brauchst du etwas?“
 „Ach so, also... vielleicht ein neuer Drehstuhl. Und ein weiteres Regal.“
 „Ist es wieder voll?“
 „Ja.“
 Als Jason sich plötzlich dafür entschied mich auf die Wange zu küssen, schlug ich ihn ein weiteres Mal.
 „Lass das.“, zischte ich ihm zu.
 „Was?“, fragte Dad verwirrt.
 „Nicht du.“, entgegnete ich sofort, „Hier ist nur ein, äh... ein Freund, der es witzig findet an meinen Haaren zu ziehen.“
 Das tat Jason gerade wirklich. Er wickelte sich ein paar dünne Strähnen um seinen Zeigefinger und zupfte daran, als wäre ihm langweilig, wenn ich nicht mit ihm sprach.
 „Es ist bei dir auch erstaunlich still. Ich dachte, du seist auf einer Party.“
 Ich stehe hier allein mit einem aufdringlichen Kerl im Badezimmer an die Wand gepresst, aber mach dir keine Sorgen, Dad, ich hab alles im Griff. „Ja, aber ich bin in einem anderen
Zimmer. Hier ist keine Musik und wir sind nicht so viele.“
 „Wer ist das?“, fragte Jason schließlich leise, „Und was sprichst du da?“
 Ich schlug ihn erneut. „Halt dich Klappe.“, zischte ich so leise ich konnte.
 „Aber du brauchst so lange. Wann küsst du mich endlich?“
 Dad räusperte sich. „Skaisa. Ist das Adrian?“
 „Äh, ja. Ja, genau. Er ist etwas betrunken.“
 Er stöhnte auf. „Du solltest dich von diesem Kerl trennen.“
 Ich verzog das Gesicht. „Müssen wir jetzt darüber reden?“
 Ein Zögern. „Nein. Tut mir leid. Hab viel Spaß auf der Party und pass auf dich auf.“
 Dafür ist es vielleicht schon zu spät, überlegte ich mit einem Blick auf Jason, der meine Lippen anstarrte. „Werde ich, danke.“, murmelte ich, ehe ich schließlich auflegte und das Smartphone einsteckte.
 „Du hast schöne Lippen.“, bemerkte Jason im nächsten Moment.
 Ich seufzte schwer.
 „Was war das für eine Sprache?“
 „Jason, bitte. Ich habe dir gesagt, ich habe kein Interesse. Und ich will nach hause.“
 „Der Wegzoll ist nicht teuer.“
 „Ich küsse nicht einfach so irgendwelche Kerle.“
 „Ich will ja auch nur, dass du mich küsst.“
 „Ich will nicht.“
 Er zuckte mit den Schultern. „Hier nur zu stehen gefällt mir auch.“
 „Und wie lange hast du vor das zu tun?“
 Da erschien wieder dieser erheiterte Ausdruck. „Willst du es aussitzen? Oder hoffst du, dass irgendwann jemand in ein abgeschlossenes Badezimmer schaut?“
 Mein Blick fiel auf die Badezimmertür und mit einem Mal fand ich mich ziemlich dumm. Warum schloss ich auch eine Tür ab, wenn ein anderer Kerl mit mir im selben Zimmer war? Als mein Smartphone erneut begann zu vibrieren zuckte ich erneut zusammen. Diesmal erkannte ich bereits anhand des Rhythmus', dass es Adrian war.
 „Könntest du mich bitte loslassen?“, fragte ich Jason, wohl wissend, dass seine Antwort Nein war.
 „Für einen Kuss würde ich es tun. Willst du nicht an dein Handy?“
 Ich zögerte kurz, zog es dann aber langsam hervor. Ich starrte ein paar Sekunden reglos auf das Display, ehe ich abhob. „Ja.“, murmelte ich halblaut.
 „Wo bist du?“, wollte Adrian sofort wissen, „Niemand hat gesehen, wie du die Party verlassen hast. Bist du noch hier?“
 „Ja.“
 „Und wo?“
 Mit Jason allein im Bad. Er würde ausrasten, wenn er das wüsste. „Ich- Also-“
 „Skai. Sag schon.“
 „Ich möchte dich gerade nicht sehen.“
 Es war ein paar Augenblicke bedrohlich leise. Im Hintergrund hörte ich andere Gäste reden. „Bist du allen ernstes sauer auf mich wegen eben?“
 „Natürlich bin ich sauer.“
 Jason, der mich neugierig beobachtete, hob überrascht die Braue. „Ist das etwa dein Freund?“
 „Halt die Klappe.“, zischte ich ihm zu und schlug auf seinen Arm ein, mit dem er mich an der Taille hielt. „Und lass mich gefälligst los!“
 „Mit wem redest du da?“, wollte Adrian wissen.
 „Ich führe Selbstgespräche.“, entgegnete ich sofort.
 „Ist da jemand bei dir? Ein Mann?“
 „Hier sind viele Menschen, Rian. Wir sind auf einer Party.“
 „Und wo bist du nun? Ich will dich sehen.“
 „Ich dich aber nicht. Ich gehe gleich nach hause.“
 „Verdammt, Skaisa.“ Nun hatte er seine Stimme gedämpft. „Ich bin immer noch verdammt hart. Ich muss ständig an dich denken.“
 „Dann mach eben was dagegen.“
 „Ich würde ja, aber du lässt mich nicht.“
 Ich werde keine persönlichen Details vor Jason ansprechen. Ganz sicher nicht. Nein. „Ich lege jetzt auf.“
 „Scheiße nochmal, Skai! Wenn du jetzt auflegst such ich mir wirklich eine andere zum vögeln. Dann war's das mit uns, darauf kannst du Gift nehmen! Du weißt genauso gut wie ich, dass du das nicht willst, nicht wahr?“
 Einen Moment dachte ich darüber nach, was er gesagt hatte. Er klag, als sei es ihm ernst und das tat weh. „Du erpresst mich.“
 „Du hast mich seit zwei Wochen nicht ran gelassen.“
 „Ich hatte meine Gründe.“
 „Fuck. Man. Wo bist du, verdammt? Lass uns das in Ruhe unter vier Augen klären.“
  „Ich sagte, ich will dich nicht sehen. Außerdem klingst du, als wärst du betrunken.“
 Er murmelte etwas unverständliches vor sich hin. „Bist du taub oder so? Ist es dir so scheiß egal, ob ich eine andere ficke? Ich hab hier eine große Auswahl, weißt du? Und die sind bei weitem nicht so fett oder hässlich wie du.“
 Mein Atem stockte. Ich hatte mir schon einiges immer wieder anhören müssen, aber er hatte mich nie hässlich genannt.
 „Jetzt sag mir wo du bist.“
 Aus Angst, ich würde in Tränen ausbrechen, wenn ich etwas sagte, schwieg ich einfach nur.
 „Skaisa. Wo bist du?“
 Als mir einfiel, dass Jason mich beobachtete, hob ich die freie Hand und versuchte mein Gesicht zu verdecken.
 „Sag mir, verdammt nochmal, wo du bist, du kleine Schlampe!“
 „Bist du dir sicher, dass du mit so einem Kerl zusammen sein willst?“, hörte ich Jason trocken fragen.
 „Bist du grad mit einem anderem Kerl zusammen? Hast du dich von ihm ficken lassen?“
 Ich merkte, dass ich begann zu zittern und versuchte mich mich herum zu drehen, doch Jason hielt mich fest.
 „Du solltest einfach auflegen.“, riet er mir.
 „SKAISA!“, brüllte Adrian derweil am Handy.
 „Lass mich los.“, bat ich Jason nur mit gebrochener Stimme, „Bitte, lass mich los.“
 „Wenn du mir nicht sofort sagst, wo du bist-“
 Jason hatte mir das Smartphone aus der Hand genommen, aufgelegt und steckte es nun ein. „Dein Freund ist ein größerer Mistkerl als ich.“
 Ich schniefte nur, woraufhin wir einen Moment nur schweigend herum standen. Irgendwann rieb er sich über die Wange, als würde er nachdenken.
 „Mmmh... Weißt du was? Vor ein paar Jahren, als ich meine Grenze noch nicht kannte und zu viel getrunken habe, bin ich mal irgendwo außerhalb der Stadt auf einem Feld
aufgewacht.“
 „Wen interessiert das?“
 „Ja, wen nur?“, stimmte er zu, redete dann aber weiter, als hätte ich nichts gesagt. „Ich wusste nicht, wie ich dahin gekommen bin und trug nicht einmal eine Hose. Eigentlich trug ich nur meine Shorts. Ich weiß bis heute nicht wo mein T-Shirt abgeblieben ist.“ Er schwieg einen Moment. „Jedenfalls ging ich nach hause und rief meinen besten Freund an, mit dem ich zusammen trinken war. Er sagte mir, wir hätten gewettet, dass ich mich nicht trauen würde fast nackt durch die Stadt zu laufen und Ich bin dumm und kann gar nichts zu schreien.“
 Ich spürte, wie meine Mundwinkel zuckten. „Deshalb werde ich niemals Alkohol trinken.“
 „Es wurde noch schlimmer. Hinterher sind wir in ein Schnellimbiss gegangen, wo ich der Kellnerin wohl einen Lap-Dance angeboten habe, damit sie mir etwas zu Essen spendiert. Damals konnte ich nicht einmal tanzen. Sie hat wohl abgelehnt, uns rausgeworfen und mir lebenslänglich Hausverbot erteilt. Blöderweise gibt es da die besten Burger der Stadt.“
 „Du hast die Kellnerin vom Devils angebaggert?“
 „Sieht so aus.“
 „Aber sie ist doch sicher 60 Jahre alt!“
 „Unglaublich, dass sie dann einen Lap-Dance von einem Jungspund wie mir ausschlägt, was?“
 „Du bist arrogant.“ Ich zögerte kurz. „Was ist dann passiert? Wie kamst du auf das Feld?“
 Offenbar zufrieden, weil er meine Neugier geweckt hatte, lächelte er mich an. „Ich hatte Hunger. So richtig großen Hunger. Und weil ich nicht mehr ins Devils konnte, sind mein bester Freund und ich zu seiner Freundin gefahren. Sie ist zwei Jahre jünger als er, also etwa fünf Jahre jünger als ich und war sehr extrovertiert. Sie hat einen Blick auf mich geworfen und gesagt ich würde ihrem Freund Konkurrenz machen, also solle ich mir gefälligst etwas anziehen. Allerdings passen mir seine Sachen nicht, deshalb musste ich einen Rock von ihr und ein großes Shirt anziehen. Es gibt Fotos davon, warte.“
 Mit großen Augen beobachtete ich, wie er ein sehr modernes Mobi hervorzog – ein fortgeschritteneres Mobiltelefon, das mehr Kernfunktionen besaß, als ein Smartphone – und ein wenig darauf herum tippte, ehe er es zu mir herumdrehte. Daraufhin brach ich in Gelächter aus. Seine Haare waren sichtbar länger und er trug einen knallroten Minirock. Das Shirt war der Frau wohl zu groß, saß ihm aber wie angegossen, sodass er aussah wie ein Transvestit. Das ganze hatten sie abgerundet, indem sie ihm kniehohe Stiefel angezogen und geschminkt hatten. Seine Lider waren knall pink, wie seine Lippen. Seine Pose sollte vermutlich aufreizend sein und er warf der Kamera eine Kusshand zu.
 Ich musste so sehr lachen, dass mir irgendwann Tränen über die Wangen liefen.
 „Irgendwann fand Travis, dass wir nach hause gehen sollten, also machten wir uns auf dem Weg. Seiner Aussage nach war ich eine bezaubernde Frau, die heftig mit ihm geflirtet hat, auch wenn ich wohl unglaublich hässlich war.“
 Mein Bauch schmerzte vor Lachen und ich musste mich an ihm festhalten, um mich zu Boden zu gehen. „Hör auf, ich kann nicht mehr. Es tut weh!“
 „Wie ich aber letztendlich auf das Feld kam, weiß ich nicht mehr. Offenbar musste ich irgendwann dringend pissen, also hat er mich zwei Minuten allein gelassen. Als er mich gesucht hat, fand er nur noch die Schuhe. Ein paar Meter weiter den Rock und noch etwas weiter entfernt die Fetzen von dem Shirt. Seine Freundin war sehr sauer, weil es eines ihrer Lieblingsteile war.“
 Ich japste nach Luft und schlug ihm leicht auf die Schulter, ehe ich erneut in Gelächter ausbrach. „Du siehst auf dem Foto so albern aus.“
 „Ja, nicht wahr? Immer wenn ich denke, dass ich noch nie so tief in meinem Leben gesunken bin, sehe ich mir das Bild und denke mir, dass ich nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen bin.“ Er zauste mir das Haar. „Du siehst, egal wie scheiße deine Situation gerade ist, es gibt immer jemandem, den es schlimmer erwischt hat.“
 Langsam verebbte mein Lachen und ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. „Was?“
 „Hmmm... Ich wollte eigentlich nicht, dass du aufhörst zu lachen. Du hast ein schönes Lachen.“
 Nach einem kurzen Zögern seufzte ich nur und entspannte mich etwas. „Danke. Dafür, dass du mich abgelenkt hast.“
 „Immer wieder gern. Bekomme ich dafür eine Belohnung?“ Er schob mir sein Gesicht entgegen, aber ich hielt meine Hand davor.
 „Ich küsse dich nicht.“
 Daraufhin stöhnte er enttäuscht. „Aber wieso nicht?“
 „Du trinkst Alkohol. Du nimmst Drogen. Du gehst mit jeder ins Bett. Und du bist ein Schläger.“
 „Angenommen, ich würde all diese Sachen nicht tun. Würdest du mich dann küssen?“
 Unsicher zögerte ich. „Ich habe noch immer einen Freund.“
 Er schnaubte. „Wenn du noch immer mit ihm zusammen sein willst, musst du dich wirklich selbst hassen. Der benutzt dich doch nur. Du bist für ihn nur eine Puppe.“
 Ich zuckte zusammen. „Ich weiß.“
 Ungläubig sah er auf mich herab. „Du weißt das? Weshalb bist du dann noch mit ihm zusammen?“
 Daraufhin zuckte ich mit den Schultern. „Ich liebe ihn. Und er ist mir treu.“
 „Ach, ist er das? So klang er aber nicht.“ Er schüttelte den Kopf. „Der wartet doch nur auf eine Möglichkeit dich vor seinen Freunden bloßzustellen.“
 „Das stimmt nicht.“
 „Ich kann verstehen, wenn du das nicht glauben willst. Wirklich. Das ist immerhin eine Art sich selbst zu schützen. Aber so wird es nur schlimmer, wenn es soweit ist.“
 Finster blickte ich zu ihm auf. „Ich denke, es wäre besser, wenn ich jetzt gehe.“
 „Skaisa-“
 „Du kennst weder mich noch ihn, Jason. Nicht ein bisschen.“
 „Ich weiß, dass du eine aufmüpfische, loyale, junge Frau bist, die die schönsten Augen hat, die ich je gesehen habe, und weniger selbstbewusst ist, als sie sein sollte. Die Frau hier vor mir ist ziemlich stark, witzig und liebenswert. Und außerdem ist sie verdammt süß.“
 „Das sagst du nur, damit ich nicht sauer auf dich bin.“
 „Ich sage das, weil ich das so meine. Mir ist es egal, ob du sauer auf mich bist.“
 „Ach, ist das so?“
 „So ist das, Baby.“ Mit diesen Worten griff er mir schamlos an den Hintern, woraufhin ich wieder begann auf ihn einzuschlagen.
 „Nimm deine Hand da weg, du perverser Arsch!“
 Mit einem heiteren Lachen tat er diesmal, was ich von ihm wollte. „Na komm, ich bringe dich nach hause.“
 „Nur über meine Leiche.“
 Als er meine Hand nahm, wollte ich sie ihm entwinden, doch er hielt sie in einem stählernen Griff und löste sich von mir.
 „Lass mich los!“
 „So hab ich dich viel lieber, als traurig und widerstandslos.“ Er schloss die Tür auf und trat mit mir hinaus.
 „Loslassen!“, schrie ich ihn an.
 Natürlich tat er das nicht. Stattdessen grinste er nur in sich hinein und lotste mich durch den Flur, durch eine stinkende Menschenmasse, zur Haustür hinaus. Die ganze Zeit beschimpfte ich ihn, zog an meiner Hand und sagte ihm, er solle endlich seine schmierigen Finger von mir nehmen. Einige Gäste sahen uns mit Entsetzen zu, wie wir uns durch das Haus bewegten, bis wir es schließlich verlassen hatten.
 „Wenn du mich nicht augenblicklich loslässt, dann beiße ich dir in die Hand!“
 Mit großen Augen drehte er sich zu mir an. „Würdest du das wirklich tun?“
 „Und wie ich das tun würde.“
 Er stöhnte auf. „Fuck, Skaisa. Sei doch bitte meine Freundin!“
 Frustriert knurrte ich und stampfte tatsächlich mit dem Fuß auf. „Nein, verdammt! Ich mag dich ja nicht einmal!“
 „Hält Jason wirklich ihre Hand?“, hörte ich jemanden tuscheln.
 „Wer ist die?“
 „Ist das nicht Skaisa?“
 „Skaisa? Die aus Malcoms Klasse?“
 „Wirklich die?“
 „Skai?“
 Überrascht sah ich auf, als ich Taras Stimme hörte und war augenblicklich erleichtert. „Tara! Bitte, sag diesem Irren hier, dass er mich loslassen soll und ich kein Interesse an ihm habe.“
 Mit großen Augen kam sie näher und sah von mir zu Jason und zurück. „Ich soll dem da von dir einen Korb geben? Vergiss es. Sonst krieg ich nie wieder guten Vodka.“
 „Ist dir Alkohol wirklich wichtiger als mein Wohlergehen?“
 „Mir ist beides wichtig.“ Nachdenklich sah sie nochmal zwischen uns hin und her. „Was hast du mit ihr vor, Mister Jason?“
 Dieser bedachte sie misstrauisch. „Kennen wir uns? Sag mir bitte nicht, dass ich dich gevögelt habe.“
 Das ließ sie die Stirn runzeln. „Nicht, dass ich wüsste.“
 Erleichtert ließ er die Schultern sinken. „Gut. Ihr scheint Freunde zu sein. Das hätte zu Schwierigkeiten führen können.“
 „Es gibt keinen Grund für Schwierigkeiten.“, fuhr ich ihn an und zerrte erneut an meiner Hand. „Jetzt lass mich endlich los, du Affe!“
 „Um deine Frage zu beantworten...“ Er sah zu Tara, als würde ich nicht gerade versuchen mir die Hand auszureißen. „Ich bringe sie jetzt nach hause und versuche sie davon zu überzeugen meine Freundin zu sein.“
  „Du weißt, dass sie einen Freund hat?“
 Er zuckte mit den Schultern. „Den werde ich schon los, sobald ich sie überzeugt habe.“
 „Darauf kannst du lange warten.“, ging ich dazwischen und begann nun auf seine Hand einzuschlagen, bis ich aus Versehen meinen eigenen Finger traf und vor Schmerz das Gesicht
verzog. „Verdammt!“
 „Entschuldige.“, murmelte er, als wäre er daran Schuld. „Hat es sehr weh getan?“
 „Jason.“, tadelte ich ihn, als er den schmerzenden Finger auch noch küsste. „Lass das!“ So muss ich mir vorstellen, wie es wäre, wenn du mich küsst. Hör auf!
 „Kannst du mir sagen, wo sie wohnt?“, fragte er Tara freundlich.
 „Nope.“, entgegnete sie, „Sonst wird sie sauer auf mich.“
 „Na gut. Schönen Abend noch.“
 „Bye.“
 Damit ging er los und zog mich hinter sich her. Ich versuchte weiterhin mich von ihm los zu machen, aber er ignorierte mich einfach.
 „Verdammt, du weißt ja nicht einmal wo du hin musst.“, beschwerte ich mich irgendwann und zog verwirrt die Brauen zusammen, als er mich auf einen Spielplatz zog. „Was hast du vor?“
 „Sei nicht so misstrauisch. Ich tue dir nichts.“ Stattdessen blieb er mit mir mitten auf dem Spielplatz stehen und zog mein Smartphone hervor. Kurz darauf schürzte er die Lippen. „Wie ist dein Wischcode?“
 „Das sage ich dir doch nicht.“
 „Na gut, dann...“ Er sah nachdenklich darauf herab, ehe er es wieder einsteckte und sein Mobi hervor holte.
 „Du könntest es mir wieder zurück geben, weißt du?“
 „Aber dann läufst du einfach weg, wenn du es schaffst deine kleine Hand aus meiner zu ziehen.“, entgegnete er.
 Ich sah ihn ungläubig an. Er macht ja wohl Witze. Dann beobachtete ich, wie er ungeduldig etwas in sein Mobi eingab, wartete und wieder etwas eingab. Irgendwann nickte er und hob das Gerät an sein Ohr. Wen ruft er denn um diese Uhrzeit an?
 „Hallo, spreche ich da mit dem Vater von Skaisa?“, fragte er irgendwann.
 „Du rufst meinen Vater an? Bist du noch ganz bei Trost?“, fuhr ich ihn an.
 Er ignorierte mich. „Naja, es ist spät und ich würde sie gern nach hause bringen, damit sie nicht allein gehen muss. Aber ich kenne die Adresse nicht und sie ist ein bisschen... ähm... aufgebracht.“
 „Verdammt nochmal! Was soll der Mist?“, wollte ich von ihm wissen, während er lauschte.
 „Nein, ihr geht’s gut. Ist nur ein bisschen zickig.“
 „Zickig? Ich trete dich gleich!“
 Sein Mundwinkel hob sich und sein Mund formte tonlos das Wort Versprochen.
 „Grrrr, verdammt, Jason!“
 „Ja, tut mir leid für die späte Störung. Ich habe leider kein Auto, deshalb dauert es eine Weile, bis wir da sind, aber ich passe auf sie auf.“ Einen Moment schwieg er. „Natürlich. Ich würde niemals etwas tun, was sie nicht will.“
 „Dann lass mich endlich los!“
 „Sexuell, meine ich.“
 Als ich schließlich seine Hand an meinen Mund hob und tatsächlich, wie angedroht, hinein biss, riss er die Augen auf und sah auf mich herab.
 „Fuck, Skai.“, murmelte er, sich des Mobis an seinem Ohr sehr bewusst. „Was muss ich tun, damit du endlich zustimmst meine Freundin zu sein?“
 „Sei nicht so ein Arschloch.“, spie ich ihm entgegen und trat ihm so fest ich konnte vors Schienbein.
 „Sir, Ihre Tochter ist die hinreißendste Frau, die ich je kennen gelernt habe. Vielen Dank für die Adresse, ich bringe sie wohlbehalten nach hause. Sie haben mein Ehrenwort.“ Mit diesen Worten legte er auf und steckte sein Mobi ein, ehe er mich an sich zog. „Und jetzt zu dir, Kätzchen.“
 „Kä-Kätzchen?“, krächzte ich mit vor Schreck geweiteten Augen. Was hat er jetzt vor?
 „Lass mich dich küssen.“
 „N-n-nein!“
 „Bitte.“
 „Ich sagte nein!“
 Er stöhnte frustriert, löste sich aber von mir. Was jedoch nicht bedeutete, dass er meine Hand los ließ. „Dein Vater ist ein interessanter Mann.“, bemerkte er, als er weiter ging.
 „Ich werde nicht mit dir über meine Familie sprechen.“
 „Hast du Geschwister?“
 „Hörst du mir nicht zu?“
 Daraufhin schwieg er. Nach zehn Minuten gab ich es auf ihm meine Hand entziehen zu wollen, denn mir tat langsam das Handgelenk weh. Als Jason das merkte, erweichte sich sein Griff so weit, dass es aufhörte unangenehm zu sein.
 „Danke.“, murmelte ich irgendwann später.
 „Wofür?“, fragte er zurück.
 „Dafür, dass du mich nach hause bringst.“
 „Bekomme ich einen Kuss zur Belohnung?“
 „Nein!“
 Enttäuscht seufzte er.
 „Ich verstehe nicht, warum du so besessen davon bist. Wir kennen uns seit vielleicht einer Stunde.“
 „Damit kenne ich dich länger als fast alle anderen Frauen.“
 Skeptisch hob ich eine Braue.
 „Wie schon gesagt, ich vergesse meistens die Gesichter der Frauen, die ich-“
 „Hör auf das ständig zu sagen, das ist ekelhaft.“
 Verdutzt sah er mich an. „Du bist eine interessante Frau. Erklär mir das.“
 „Was gibt es da zu erklären?“
 „Warum findest du das ekelhaft?“
 „Denk mal darüber nach. Mit wie vielen Frauen schläfst du pro Woche? Drei? Vier?“
 Er überlegte einen Moment. „Eher so zwölf.“
 Ich rümpfte die Nase. „Was?“
 Ein Schulterzucken. „Ich habe jede Menge Energie und die muss irgendwo hin.“
 „Zwölf Frauen in sieben Tagen? Das sind fast zwei Frauen pro Tag.“
 „An manchen Tagen sind es drei, an einigen keine.“
 Ich gab ein angewidertes Geräusch von mir. „Wie findest du die Vorstellung aus einer Flasche zu trinken, die hunderte Leute vor dir angesabbert haben?“
 Er wirkte verstört. „Das ist wirklich ekelhaft.“
 „So fühle ich mich, wenn du mich bittest dich zu küssen.“
 Es war offensichtlich, dass ihm das zu denken gab. „Aber ich putze mir regelmäßig die Zähne.“
 „Würdest du aus einem geputzten Hundenapf essen?“
 „Hmmm...“ Nachdenklich rieb er sich über die Unterlippe. „Ich verstehe, wie du das betrachtest. Das ist natürlich ein Problem. Aber eine Sache musst du noch erklären.“
 Ich seufzte tief. „Schieß los. Ich hab eh nichts zu tun.“
 „Du sagtest, es stört dich, dass ich Alkohol trinke.“
 „Korrekt.“
 „Aber im Gespräch mit deinem Freund sagtest du, er klänge betrunken. Es stört dich also nicht, dass er trinkt?“
 „Das ist was anderes. Ich meine...“ Ich rieb mir über den Nacken. „Es stört mich nicht, wenn jemand trinkt. Jeder kann mit seinem Leben tun was er will, solange er andere nicht negativ beeinflusst. Wirklich. Wenn mein Partner das tut ist es für mich aber nur in Ordnung, solange ich keinen Kontakt zu ihm haben muss, wenn er getrunken hat.“
 „Aber du hast mit ihm telefoniert.“
 „Und das fand ich auch nicht toll. Ich würde es vorziehen, wenn er mich nicht anruft, wenn er betrunken ist. Einer meiner Ex Freunde hat etwas wirklich verletzendes in einem Gespräch gesagt, als er betrunken war. Das war der Grund für die Trennung.“
 „Willst du es deshalb nicht? Weil etwas verletzendes gesagt werden könnte?“
 „Nein. Also, auch. Ich... Ähm... Ich habe Angst vor betrunkenen Menschen.“
 Diesmal blieb er überrascht stehen und drehte sich zu mir um. „Angst?“
 „Ja.“
 „Ist dir mal etwas passiert?“
 Einen Moment dachte ich darüber nach mit ihm darüber zu reden, seufzte dann aber. „Jason, ich kenne dich erst eine Stunde und in dieser Zeit hast du nicht gerade viel getan um dir mein Vertrauen zu verdienen.“
 „Okay, dann merke ich mir die Frage für später.“ Damit ging er weiter und sah nachdenklich vor sich auf den Weg.
 „Warum nimmst du eigentlich Drogen?“
 „Es entspannt mich.“
 „Das verstehe ich nicht. Es gibt doch etliche andere Methoden sich zu entspannen ohne seinem Körper dabei zu schaden.“
 „Ich habe echt viel ausprobiert. Vielleicht erzähle ich dir das irgendwann. Nicht heute, okay.“
 Ist ihm vielleicht mal etwas passiert? Ich sollte mir darüber keine Gedanken machen, sonst wurde er mir vielleicht noch sympathisch.
 Plötzlich klingelte wieder mein Smartphone. Ich hörte diese Melodie jeden Tag, deshalb wusste ich ganz genau wofür sie stand.
 „Ist es schon 22 Uhr?“
 „Ja.“, antwortete Jason und holte mein Smartphone hervor, um es mir zu reichen. „Eine Erinnerung?“
 „Ja.“, murmelte ich daraufhin und schaltete den Alarm aus.
 „Für die Pille?“
 „Die nehme ich morgens.“
 „Wofür dann?“
 Ich zögerte etwas. Wahrscheinlich hätte ich eben mit ja antworten sollen, damit er nicht weiter nachfragte. Ich wollte ihm nicht meine ganze Geschichte erzählen. „Nicht weiter wichtig.“
 „Wenn du das sagst.“ Er warf mir einen Blick zu, wobei mir auffiel, dass ich mittlerweile neben ihm her lief, statt hinter ihm. „Bist du müde?“
 „Noch nicht. Mir ist bloß etwas langweilig.“
 „Wie wäre es mit einem Spiel?“
 Ich sah misstrauisch zu ihm auf. „Ein Spiel?“
 „Ja.“
 „Was für eins?“
 „Mmmmh...“ Er schürzte nachdenklich die Lippen. „Wer bin ich?“
 „Was?“
 „Du denkst dir eine Person aus, die ich bin und ich muss mit Fragen versuchen herauszufinden, wer ich bin. Dasselbe mache ich mit dir. Und wir stellen die Fragen abwechselnd. Es müssen Fragen sein, die mit Ja oder Nein beantwortet werden können. Wenn eine Frage mit Ja beantwortet wurde, darf die Person eine weitere Frage stellen. Bei Nein ist die andere Person dran.“
 „Okay. Das klingt witzig.“
 „Für den Anfang sollten wir Personen nehmen, die so ziemlich jeder kennt, sonst raten wir uns dumm und dämlich.“
 „Gut.“ Ich dachte eine Weile nach und stöberte in meinem Gedächtnis, bis ich mich für Napoleon entschied. Den müsste er kennen. „Okay, ich hab jemanden.“
 „Gut. Soll ich anfangen?“
 „Ja, bitte.“
 „Okay, also... Bin ich... fiktiv?“
 „Nein.“ Ich zögerte einen Moment. „Bin ich männlich?“
 „Nein. Ähm... Bin ich also real?“
 „Ja.“
 „Lebe ich noch?“
 „Nein, du bist tot.“
 „Wie herzlos von dir.“
 Ich konnte nicht anders, als leise zu lachen. „Bin ich etwa noch lebendig?“
 Er tippte sich an die Lippen. „Ich denke schon.“
 „Also bin ich weiblich und lebendig. Bin ich... ähm... bin ich populär?“
 „Ja.“
 „Ein Star?“
 „Kommt darauf an wie du Star definierst.“
 „Verstehe, also... Bin ich Schauspielerin?“
 „Nein.“ Als ich schmollte, lächelte er sanft. „Ich bin tot, also kennt man mich aus Geschichten.“
 „Ja.“
 „Weil ich real bin aus richtiger Historik denke ich. Also war ich weltbekannt?“
 „Ja.“
 „War ich...“ Er zupfte an seiner Unterlippe, während er nachdachte. Eine Geste, die mir recht bekannt war, weil ich es hin und wieder selbst tat. „Bin.“, korrigierte er sich dann, „Bin ich eher Krieger oder Denker?“
 „Du sagtest Ja oder Nein.“
 „Bin ich Krieger?“
 „Ja.“
 „Attila?“
 Ich lachte amüsiert auf. „Nein, tut mir leid. Obwohl ich überrascht bin, dass du ihn kennst.“
 „Macht du Witze? Er hat das alte Rom beinahe in die Knie gezwungen. Ein Hunne!“
 „Ich finde er war eher ein Denker. Ein Stratege.“
 „Na gut, da stimme ich dir zu. Wie auch immer, du bist dran.“
 „Ja.“, murmelte ich und dachte über das nach, was ich wusste.
 So ging es eine ganze Weile, bis Jason herausfand, dass er Franzose war. Direkt danach ging ihm auf, dass es Napoleon sein musste und neckte mich damit, dass ich meiner eigenen Figur nicht einmal nahe gekommen war. Er hatte sich für eine sehr bekannte Sängerin entschieden, an die ich nicht gedacht hatte, weil ihre Musik mir nicht sonderlich gefiel und ich sie daher nur selten hörte, wenn es gerade irgendwo lief.
 „So ein Mist.“, jammerte ich frustriert, „Der Antwort nicht einen Hauch nahe gekommen zu sein ist eine Schmach.“
Er lachte leise. „Nächstes Mal schaffst du's.“
Ich rümpfte die Nase. „Das bezweifle ich, wenn ich solche Sänger erraten muss. Das ist nicht meine Musikrichtung.“
„Du hörst also kein Pop?“, bemerkte er überrascht.
 „Nicht so gern.“
 „Was dann?“
 „Naja, ich mag Rock und Metal und Classic sehr gern.“
 „Interessante Kombination. Wie kommt man denn dazu?“
 „Naja, es... klingt einfach sehr schön, um es schlicht zu formulieren. Ich mag den Klang von fast allen Musikinstrumenten. Elektronik dagegen ist nicht so mein Ding.“
 „Was sind denn deine Lieblingslieder?“
 Ich zögerte kurz. „Kennst du die Band Headache?“
 Er blinzelte. „Never say, 'That was the last time'.“, sang er nur und mein Herz begann sofort vor Aufregung zu rasen.
 Nicht nur, dass er die Band und dieses Lied kannte. Er hatte auch eine unglaubliche Stimme. „Du kennst sie wirklich?“
 „Ich kenne keine bessere Rockband.“, gab er zu, „Aber sie sind nicht sehr bekannt.“
 „Tatsächlich ist es ein ziemlicher Zufall, dass ich sie kenne. Ich war auf Klassenfahrt in New York, als die Band noch sehr jung war. Damals hatten sie ein Open Air Konzert und wir waren in der Nähe bummeln. Ich habe es gehört und mich sofort in die Musik verliebt.“
 „Die Band war der Grund, weshalb ich gelernt habe Gitarre zu spielen.“
 „Bist du gut?“
 „Es geht, denke ich. Ich bin kein Jaydon. Aber ich denke, ich kann mich hören lassen.“
 Nachdenklich schürzte ich die Lippen. „Darf ich mal was hören?“
 Dass er deshalb errötete erfüllte mich mit erstauntem Entzücken. „Nur, wenn ich dafür wirklich einen Kuss bekomme. Du bist die Erste, die überhaupt erfährt, dass ich spielen kann.“
 „Oh. Und... warum hast du es mir erzählt?“
 „Ich fand es passend. Wir mögen beide dieselbe Band. Meine Freunde interessieren sich nicht für Musik.“
 „Hmmm...“ Ich betrachtete ihn einen Moment. „Was magst du so für Musik?“
 „Ich wollte dich eigentlich gerade fragen, was du für klassische Musik magst, aber...“
 Ich winkte ab. „Es kommt immer ganz auf den Klang an. Ich mag das Piano, aber nicht alle Lieder klingen schön. Auch Violinen und Cellos können sehr schön sein, aber einige Lieder bereiten mir Kopfschmerzen.“
 „Verstehe. Jedenfalls mag ich neben Rock eigentlich nichts weiter. Früher hörte ich ausschließlich Death Metal, aber heute bereitet mir das nur noch Kopfschmerzen, wie dir schlechte Kompositionen.“
 Mein Mundwinkel hob sich. Verdammt, jetzt finde ich ihn doch sympathisch. „Was magst du noch so?“, fragte ich in der Hoffnung, dass er etwas sagte, dass ich nicht mochte und ihn unsympathisch machte.
 „Ich fahre gern Motorrad. Wenn du willst, nehme ich dich mal mit.“
 Ich verzog ein wenig das Gesicht. „Tut mir leid, ich passe. Obwohl es schon cool ist, dass du Motorrad fährst.“
 „Liegt es an mir oder an dem Motorrad, dass du passt?“
 „Eigentlich müsste ich behaupten, dass es an dir liegt, aber das stimmt nicht. Ich fuhr mal bei meinem Vater mit und... Gelinde gesagt, es ist nicht mein Ding.“
 „Verstehe. Naja, es ist nicht für jeden was. Was machst du gerne? Lass mich raten.“ Er betrachtete mich ein wenig. „Du schminkst dich nicht und ziehst dich auch nicht so aufreizend an wie die Kauknochen.“, dachte er laut, „Ich weiß, dass du nicht gern auf Partys gehst. Du hast schönere Kurven, also machst du wahrscheinlich nicht so viel Sport. Liest du gern?“
 Ich gab mir alle Mühe nicht die Mundwinkel zu heben, doch es schien mir nicht zu gelingen, woraufhin er triumphierend lächelte und ich ihm gegen die Schulter schlug. „Wie kommst du darauf?“
 „Wenn man ungern auf Partys geht ist man meist besser in der Schule. Und es ist ein Klischee, dass gute Schüler gerne lesen. Dass du dazu noch eher weniger Sport machst unterstützt diese These. Liege ich richtig?“
 „Ja.“, schmollte ich, „Aber Tara liest auch gerne.“
 „Wer ist Tara?“, fragte er verwirrt.
 „Meine Freundin, mit der wir vor dem Haus gesprochen haben.“
 Er dachte einen Moment darüber nach. „Ach so, die. Ja, ich erinnere mich, dass du sie so genannt hast. Sie sah nicht sonderlich helle aus. Ich vermute, du liest mindestens doppelt so viele Bücher wie sie.“
 Ich rief mir in Erinnerung wie viele Bücher in ihrem Zimmer standen und wie viele ich bereits besaß und musste ihm ein weiteres Mal Recht geben. „Aber ich wette, du errätst niemals, nicht in einer Million Jahren, was mein liebstes Hobby ist.“
 „Herausforderung angenommen.“ Er betrachtete mich erneut, schwieg aber diesmal. „Was bekomme ich, wenn ich es herausgekriegt habe?“
 „Kommt darauf an, wie schnell du bist. Und du darfst niemanden fragen.“
 „Okay. Dann... was ist meine Belohnung nach einer Woche?“
 Ich dachte ein wenig darüber nach. „Wenn du dann nicht so ein Arsch bist, gehe ich dann mit dir einen heißen Kakao trinken.“
 „He, knüpf es nicht an weitere Bedingungen. Das ist nicht fair.“
 „Na gut. Ich werde dann definitiv mit dir einen heißen Kakao trinken.“
 Er lächelte. „Bei fünf Tagen?“
 „Ein Kinobesuch.“
 „Vier Tage?“
 „Ähm... Ein Essen zu zweit?“
 „Drei Tage?“
 Ich rümpfte die Nase. „Dann gehe ich richtig mit dir aus.“
 Er schürzte die Lippen. „Und wenn ich es Montag schon weiß?“
 „Wirst du nicht etwas übermütig?“
 „Ich warte darauf, dass du endlich den Kuss erwähnst.“
 „Okay, also... Ich küsse dich, wenn...“ Ich tippte mir nachdenklich auf den Mund. „Wenn du das herausfindest, bevor wir bei mir zuhause sind, du dich den ganzen Weg lang vorbildlich benimmst und... Ähm...“ Noch irgendwas wirklich schwieriges, komm schon. „Du musst... Du musst mir eine vernünftige Erklärung dafür geben, warum du unbedingt mit mir zusammen sein willst.“
 „Puh.“, machte er daraufhin und sah nachdenklich in den Himmel. „Das ist ganz schön viel für so wenig Zeit. Dann lass mich nachdenken.“
 Dann schwieg er. Und zwar ziemlich lange. Irgendwann kamen wir an einer Ecke vorbei, die ich kannte und wusste, er hatte nur noch etwa eine halbe Stunde. Ein Teil von mir hoffte, dass er es niemals herausfand, während ein anderer Teil fiebernd darum bettelte, dass er es schaffte. Immer wieder sah er auf mich herab, als wolle er etwas an mir prüfen, schüttelte dann den Kopf und dachte weiter nach. Hin und wieder äußerte er Vermutungen, bat mich aber nichts dazu zu sagen, solange er sich nicht ganz sicher war. Allerdings war er jedes Mal sehr weit davon entfernt richtig zu liegen. Also war es einfach zu schwer.
 Der aufgeregte Teil in mir war enttäuscht, während der andere unendlich erleichtert war. Aber ich wollte ja, dass es möglichst schwierig war, damit er es nicht schaffte. Ich wollte nicht von ihm geküsst werden. Ich mochte ihn nicht und ich war mit Adrian zusammen.
 Genau. Jason zu küssen ist das letzte, was ich will.
 „Oh, na klar.“, kam es irgendwann von Jason und er lächelte mich mit einem so warmen Lächeln an, dass es in meinem Bauch wie verrückt kribbelte. „Du schreibst Bücher.“
 Ich starrte ungläubig zu ihm auf. „Das... Du hast gemogelt“
 „Habe ich nicht.“
 „Das glaub ich dir nicht!“
 „Es war deine Wortwahl.“, erklärte er, „Es hat ein bisschen gedauert, bis es mir aufgefallen ist, aber du hast eine Art zu reden, wie sie nicht jeder nutzt.“
 Unschlüssig sah ich zu ihm auf.
 „Keiner sagt heutzutage zweiteilen, Skaisa.“
 Röte schlich in mein Gesicht. „Doch bestimmt.“
 „Man sagt auseinander reißen, spalten, halbieren oder am ehesten in zwei Teile teilen, aber zweiteilen ist für die meisten Mensch zu intellektuell. Und du sagtest gelinde gesagt. Sowas sagt nun wirklich keiner. Und ich bin mir ganz sicher, dass du sagtest, und ich zitiere: Der Antwort nicht einen Hauch nahe gekommen zu sein ist eine Schmach.“
 „Mach dich nicht darüber lustig.“, murmelte ich mit erhitztem Gesicht.
 „Das tue ich nicht. Ich mag das. Das zeugt von deinem Intellekt.“
 „Aber wie kommst du dann ausgerechnet darauf, dass ich Bücher schreibe. Niemand kommt auf sowas, egal wie gewählt ich mich ausdrücke.“
 „Ich hatte einen guten Anreiz. Mir ging alles mögliche durch den Kopf, die abwegigsten Dinge. Dann versuchte ich es mit offensichtlicheren Sachen.“ Er zuckte mit den Schultern. „Du liest Bücher. Also hab ich darüber nachgedacht und... Nun ja.“
 „Irgendwie kann ich nicht glauben, dass du nicht gemogelt hast.“
 „Ich gebe zu, ich war mir nicht hundertprozentig sicher. Ich habe gerade alles auf eine Karte gesetzt. Aber das erschien mir sehr schlüssig. Es... schien einfach zu dir zu passen.“
 „Zu mir zu passen?“
 „Ja. Du bist sehr zurückhaltend, auch wenn du mich gebissen hast und...“ Er seufzte. „Ich kann viele Dinge aufzählen, Skaisa. Aber ich möchte mir wirklich diesen Kuss verdienen, also... liege ich richtig?“
 Ich dachte einen Moment darüber nach, ehe ich zerknirscht nickte. „Ja.“
 Plötzlich wendete er das Gesicht ab und legte sich eine Hand vor die Augen.
 „Wehe, du lachst mich jetzt aus.“
 „Ich lache nicht.“, antwortete er, „Es ist nur so... wie kann man sagen? Entzückend wie du reagierst.“
 „Jetzt machst du dich doch darüber lustig.“
 „Nein, ich versuche mich dir anzupassen, in dem ich mich gewählter ausdrücke. Ich will, dass du verstehst, wie ich mich fühle, wenn ich dich sehe.“
 „Du bist so seltsam, Jason.“, bemerkte ich und seufzte tief, „Ich verstehe dich einfach nicht.“
 „Das tut kaum jemand.“
 „Und wie willst du mir dann erklären, warum du unbedingt mit mir zusammen sein möchtest?“
 „Das ist eigentlich ziemlich einfach. Ich finde dich perfekt dafür. Und je mehr wir uns unterhalten, umso perfekter finde ich dich.“ Er sagte das mit solch einer Entschlossenheit, dass ich keinen Moment zweifelte, obwohl ich es sollte. Ich kannte ihn immerhin kaum.
 „Perfekt für...“
 „Eine Beziehung mit mir. Ich suche schon lange nach einer Frau, die mich anspricht. Hin und wieder dachte ich, ich hätte eine gefunden, aber dann entpuppte sie sich als... naja... Dummy. Einige taten auch nur so, um mir zu gefallen. Du bist herrlich ehrlich, hältst mit deiner Meinung nicht vorm Berg und mir gefällt deine Einstellung.“
 „Obwohl sie gegen gefühlt alles steht, was du tust?“
 „Ich werde schauen, wie sich das entwickelt und wenn ich feststelle, dass du wirklich so perfekt bist, wie ich gerade denke...“ Er bedachte mich mit einem nachdenklichen Blick. „Dann werde ich alles daran setzen, Skaisa.“
 Mein Herz setzte einen Schlag aus. Es lag pure Aufrichtigkeit in seinem Blick. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er nur so tat als ob. „Also bist du dir noch nicht ganz sicher.“, bemerkte ich schließlich, als wir in meine Straße einbogen.
 „Ich gebe zu, das bin ich nicht. Im Moment wüsche ich mir natürlich nichts anderes als dich einfach zu packen und zu küssen, bis du nicht mehr weißt wo du bist, aber das kann auch einfach an der Aufregung liegen.“ Er sah sich ein wenig um. „Wir müssten gleich da sein.“
 „Ja.“, murmelte ich, „Das Haus da vorn mit dem Vordach.“
 „Ah, ja.“ Da es sich auf der anderen Straßenseite befand, wechselten wir schnell die Seite. „Habe ich alle Kriterien erfüllt?“
 Er klang so hoffnungsvoll, dass ich beinahe Angst davor bekam ihn zu küssen. Und je mehr ich darüber nachdachte, um so näher kam die Angst. Ich war scheu, das wusste ich. Tatsächlich war ich so scheu, dass ich engen Kontakt zu Menschen vermied, obwohl ich mich eigentlich danach sehnte umarmt zu werden. Gehalten zu werden. Ich ertrug so viel Nähe nur von wenigen Menschen und es in dem Maße, in dem ich es brauchte, von ihnen zu verlangen schien mir etwas zu viel, also genoss ich einfach was ich bekam und ließ es zu, dass mich die Sehnsucht überkam.
 Aber jemanden küssen, den ich erst zweieinhalb Stunden kannte? Jason küssen? Ich musste gestehen, er war tatsächlich sehr sympathisch geworden, doch ich wusste nicht, wie er sonst drauf war. War er immer so? Ist er nur auf Partys so? Wie ist er in Gesellschaft anderer?
 „Du grübelst.“, bemerkte er plötzlich und blieb mit mir stehen.
 Als ich überrascht aufsah, stellte ich fest, dass wir vor der Auffahrt meines Zuhauses standen. „Oh, entschuldige.“
 „Es ist okay, wenn du nervös bist. Du hast immerhin nicht damit gerechnet, dass ich es tatsächlich errate.“
 Ich verzog den Mund.
 „Sag einfach, hab ich alle Kriterien erfüllt?“
 „Theoretisch ja.“, antwortete ich ehrlich.
 Er atmete auf. „Gut.“, murmelte er und starrte ein paar Sekunden auf meine Lippen. „Ich würde dich gerne jetzt küssen, aber...“ Einen Moment dachte er nach, sah einfach nur meinen Mund an. „Darf ich mir den Kuss aufheben?“
 Überrascht weiteten sich meine Augen. „Was?“
 „So gern ich dich jetzt küssen würde, ich glaube es ist schon eine ganze Menge passiert, deshalb würde ich mir den Kuss für ein anderes Mal aufheben.“
 „Oh.“ Es verblüffte mich selbst, wie enttäuscht ich klang.
 Er schien es zu merken und lächelte. „Hast du Montag schon was vor?“
 „Tatsächlich wollte ich da mit Adrian schwimmen gehen.“
 „Hmmm...“, machte er und dachte nach, „Nein, wie ist Dienstag?“
 „Lange Unterricht.“
 „Wann hast du denn Schluss?“
 „So gegen 16 Uhr?“
 Seine Augen verengten sich ein wenig. „Ja, das sollte reichen. Ich hole dich ab und bringe dich noch vor 20 Uhr abends nach hause. Reichen zwei Tage, um alles sacken zu lassen?“
 „Bestimmt.“
 „Gut, dann...“ Wieder landete sein Blick auf meinen Lippen und er senkte sogar den Kopf. Dann hielt er plötzlich inne, seufzte und küsste mich stattdessen auf die Wange. „Dann sehe wir uns Dienstag.“
 „Okay.“
 Und dann, nach anderthalb Stunden, ließ er meine Hand los. Sie fühlte sich plötzlich ganz kalt an.
 „Schlaf gut.“, murmelte er, als ich mich umdrehte und nicht anders konnte, als zurück zu sehen, während ich die drei Stufen zur Veranda hoch stieg.
 Er wartete, sah mir nach. Als er merkte, dass ich nicht weiter ging, lächelte er wieder so liebenswürdig. Wie ein kleiner Junge, der herausgefunden hat, dass das Mädchen, dass er mochte, ihn ebenfalls mag.
 Was mache ich hier eigentlich?
 Hastig drehte ich mich wieder um und ging weiter. Zwei Schritte. Die Tür. Zwei weitere Schritte. Dann schloss ich die Haustür hinter mir und lehnte mich dagegen.
 Was für ein Abend. Mir brummte der Schädel. Es war so viel passiert.

















Isalija "spricht",
denkt und handelt.


Zuletzt von Isalija am So 6 Mai 2018 - 16:05 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Do 19 Apr 2018 - 23:39

Kapitel 3

 Den Sonntag hatte ich genutzt um zu lesen und einfach nur faul zu sein, während ich Montag mal wieder eine Auseinandersetzung mit Adrian hatte.
 Die Schule war vorbei und er hatte mir eigentlich versprochen nun wirklich mit mir schwimmen zu gehen, doch es sah ganz so aus, als hätte er andere Pläne.
 „Du hast es mir versprochen.“, beschwerte ich mich und ließ mich auf mein Bett fallen, während er genervt seufzte und mit den Augen rollte.
 „Wir machen das ein andern Mal.“, versuchte er es wieder, „Ganz sicher.“
 „Das wirst du beim nächsten Mal wieder sagen. Und beim Mal danach und danach auch. Du sagst das ständig, wenn wir geplant haben was zu unternehmen. Langsam denke ich, dass du gar nichts mit mir unternehmen willst.“
 „Das stimmt doch nicht.“ Versöhnlich kam er herüber, kniete sich hin und zog mich an sich heran, um sanft meine Lippen zu küssen. „Es macht Spaß, etwas mit dir zu unternehmen.“
 „Und warum machen wir dann so selten etwas?“
 „Morgen, ganz sicher. Ich sage alles ab, was morgen ansteht, damit wir schwimmen gehen können.“
 Ich verzog das Gesicht. „Morgen habe ich schon etwas geplant. Und ich habe einen langen Schultag.“
 Überrascht hob er die Brauen. „Triffst du dich mit Tara oder was hast du vor?“
 „Nein, ich-“ Ich treffe mich mit einem Kerl, der mich wahrscheinlich für perfekt hält, um mit ihm zusammen zu sein und dann alles daran setzen wird, damit ich seine Freundin werde. „Morgen gehe ich shoppen.“, log ich, „Es sind neue Bücher von meinen Lieblingsautoren herausgekommen und ich möchte sie mir unbedingt holen. Ich warte seit einem Jahr darauf, dass die Fortsetzung der Morgan-Reihe veröffentlicht wird. Und diesmal ist mein Lieblingscharakter einer der Protagonisten.“ Dieser Teil war gar nicht mal gelogen. Vielleicht würde ich Jason wirklich in eine Buchhandlung schleifen, um mir das Buch zu kaufen. Es war tatsächlich der Tag der Veröffentlichung. Hoffentlich hat er keine strengen Pläne.
 „Okay, also ist morgen Buch-Tag.“, murmelte Adrian desinteressiert, „Wie ist Mittwoch?“ Während er das fragte, warf er einen Blick auf die Uhr.
 „Ich hab einen Termin bei meiner Gynäkologin.“
 Er rollte mit den Augen. „Wann hast du das nächste Mal Zeit?“, fragte er nun hörbar genervt.
 Mit zusammen gepressten Lippen sah ich schweigend auf ihn herab, woraufhin er sich das Nasenbein massierte.
 „Hör mal, ich will wirklich mit dir schwimmen gehen.“ Wieder glitt sein Blick zur Uhr. „Können wir später den Tag ausmachen? Ich muss langsam los, sonst komme ich zu spät.“
 Enttäuscht seufzte ich. „Lassen wir das einfach. Ich merke doch, dass du eigentlich nicht willst.“
 „Ich sagte doch gerade, dass ich mit dir schwimmen gehen will.“
 „Ja, du sagst es, aber du meinst es nicht so. Geh einfach zu deinen Freunden.“ Ich griff nach dem Buch, das auf meinem Nachttisch lag und wollte mich auf mein Bett zurück ziehen, doch er hielt mich fest.
 „Ich meine es ernst, ich will wirklich.“
 „Ja, klar.“, entgegnete ich sarkastisch, „Musst du nicht weg? Na los, du kommst zu spät.“
 „Ich verstehe manchmal wirklich nicht, was mit dir falsch ist. Da sage ich dir schon, dass ich wirklich möchte und du glaubst mir nicht. Ich hab gedacht du würdest mir vertrauen, aber offenbar habe ich mich damit getäuscht.“
 „Oh, ich vertraue dir.“, widersprach ich und rückte zurück, bis ich es mir im Bett gemütlich machen konnte. „Aber ich bin nicht dumm, auch wenn du das denkst. Ich merke doch, dass du nicht mit mir schwimmen willst.“
 „Und die Möglichkeit vertun dich in einem sexy Bikini zu sehen?“
 „Zum einen habe ich keine sexy Bikinis...“ Ich schlug das Buch auf. „Und zum anderen findest du mich doch fett, also würde dich der Anblick von mir im Bikini doch eh abturnen.“
 Er stöhnte genervt auf. „Meine Fresse. Du hast echt Probleme, weißt du das?“
 „Ja und du wirst eins davon.“
 „Dann geh eben allein schwimmen. Dann muss ich wenigstens nicht deinen Rettungsring ertragen.“
 Ich presste die Lippen aufeinander und zwang mich nicht darauf zu reagieren, während er fortfuhr mich zu beleidigen. Letzten Endes nahm er sich seine Tasche und rauschte davon. Nachdem ich die Haustür hörte wartete ich noch ein paar Augenblicke, ehe ich das Buch zuschlug, mein Portmonee und Bikini in einen leeren Rucksack packte und damit hinunter ging.
 „Ich gehe schwimmen.“, informierte ich Mom, „Ich nehm die Inliner.“
 „Okay. Pass auf die Autos auf.“
 „Mach ich.“
 „Brauchst du Geld?“
 „Ähm... Ich müsste noch genug haben. Obwohl...“ Ich zögerte. „Kannst du mir zehn Dollar geben? Ich möchte mir morgen noch ein Buch kaufen.“
 „Natürlich, warte kurz.“
 Geduldig blieb ich an der Tür stehen und wartete, während sie ins Schlafzimmer ging und wenig später zurück kam.
 „Hier hast du zwanzig. Kauf dir was Süßes und nimm dir deine Streits mit Adrian nicht so zu Herzen.“
 Ich verzog das Gesicht. „Hast du uns gehört?“
 „Nein, aber ich sehe, dass du traurig bist. Er tut dir nicht gut, Liebes.“
 Ich ließ die Schultern sinken. „Ich liebe ihn, Mom.“
 „Hmmm....“ Nachdenklich betrachtete sie mich einen Moment. „Ich möchte, dass du dir selbst zwei Fragen stellst und ehrlich mit dir bist. Frage Nummer eins: Liebst du ihn wirklich? Nicht antworten.“ Sie hob eine Hand, als ich bereits den Mund öffnete. „Du sollst dich das selbst fragen. Frage Nummer zwei: Ist er es wirklich wert?“ Liebevoll streichelte sie mir über die Wange. „Du versteckst dich immer mehr. Ich frage mich hin und wieder, was er zu dir sagst, dass du das tust, aber ich habe das Gefühl, dass du nicht mit mir oder Leonas darüber reden willst.“
 Ich seufzte schwer.“
 „Pass bitte auf dich auf, Skaisa.“ Sanft küsste sie mich auf dir Stirn und streichelte mir übers Haar. „Wir lieben dich.“
 „Mach ich, Mom. Und ich liebe euch auch.“
 Das zauberte ihr ein warmes Lächeln ins Gesicht. „Dann amüsier dich schön.“
 „Danke, mach ich.“
 Damit verließ ich das Haus und zog mir meine Inline Skates an, um zum nächsten Schwimmbad zu fahren. Ich brauchte vielleicht eine halbe Stunde und war erleichtert, als ich endlich ankam. Die Schlange vor der Kasse war glücklicherweise nicht sehr lang, sodass ich 20 Minuten später im Bikini mit Badeshorts mein Handtuch an mich drückend die Schwimmhalle betrat.
 Es war mir etwas unangenehm allein hier zu sein, auch wenn ich die Bahnen selbst ausschließlich allein zog. Das war immerhin schlecht etwas, das man zu zweit tun konnte.
 Ich suchte mir gerade einen Platz, an dem ich mein Handtuch lagern konnte, als ich eine vertraute Stimme hörte.
 „Mach Platz da unten, sonst lande ich auf dir!“
 Ich erstarrte mitten im Schritt und drehte mich zum Sprungturm um. Da stand er auf dem 5-Meter-Turm und sah höhnisch auf jemanden herab, ehe er mit einem Sprung, den ich wahrscheinlich mit zehn Jahren Übung nicht so gut hätte absolvieren können, im Wasser landete. Zehn Sekunden später tauchte er wieder auf, strich sich sein schwarzes Haar aus der Stirn und lachte über etwas, das ihm ein Kerl gesagt hatte, der in seiner Nähe im Wasser trieb.
 Aus Angst, er könnte mich sehen, trat ich hastig an die Seite und stellte mich hinter eine Säule. Ganz ruhig, Skai. Das ist nur ein Zufall. Die Stadt ist groß, es gibt drei Schwimmbäder. Ich schluckte schwer und zog es ernsthaft in Erwägung mich umzuziehen, um in ein anderes Schwimmbad zu fahren, doch das wäre Geldverschwendung. Verdammt! Tief durchatmend drückte ich das Handtuch fester an mich, ehe ich vorsichtig an der Säule vorbei sah.
 Er zog sich gerade aus dem Wasser und ließ den Blick einen Moment über das Becken gleiten, ehe er eine Braue hob und etwas rief, das klang wie: „Mogelei wird mit einer gebrochenen Nase bestraft, du Waschlappen!“ Dann wischte er sich über die Nasenspitze und verschränkte die Arme vor der Brust.
 Da der Wasserstand etwas unterhalb des Beckenrandes lag, konnte ich nicht erkennen, wen oder was er beobachtete, doch solange er da stand, würde er mich wahrscheinlich bemerken, sobald ich heraus kam. Andererseits konnte ich nicht hier stehen und warten, bis er endlich ging.
 Verdammt, verdammt! Frustriert seufzte ich und knetete das Handtuch in meinen Händen. Dann muss ich es eben riskieren. Aufmerksam ließ ich den Blick durch die Halle gleiten, bis ich einen Platz für mein Handtuch fand, atmete kurz durch und ging dann zielstrebig darauf zu. Ich versuchte Jason aus dem Augenwinkel zu beobachten und bemerkte erleichtert, dass er den Blick nicht von dem Becken vor sich nahm. Dann erst realisierte ich, dass er nur eine enge Badehose trug und blieb neben der erhitzten Steinplatte, auf dem man es sich gemütlich machen konnte und auf dem ich mein Handtuch liegen lassen wollte, stehen und betrachtete ihn einen Moment.
 Einen sehr kurzen Moment.
 Denn in dem Moment, in dem ich mein Handtuch hingelegt hatte, bewegte er sich plötzlich. Schnell wendete ich mich ab und schob mein Handtuch an den linken Rand der Platte, ehe ich ein Haargummi von meinem Handgelenk über meinen Handteller schob und mir einen Pferdeschwanz band. Als ich zu den Startblöcken ging zwang ich mich den Blick zu Jason zu vermeiden und griff nach der Schwimmbrille, die an meinem Hals hing.
 Es hatte mich etwas angewidert, als meine Schwimmlehrerin vorletztes Jahr in der Schule gesagt hatte, ich solle in die Brille spucken, um zu vermeiden, dass sie von innen beschlug, aber... nun ja, es funktionierte. Zehn Sekunden später stand ich auf dem Startblock einer freien Bahn und beugte mich vor, bis meine Finger den Block berührten, während ich mir durch den Kopf gehen ließ, was ich damals gelernt hatte.
 Ich war kein Profi, aber ich wollte wenigstens versuchen es richtig zu machen. Diesmal wollte ich zwei Bahnen durchgehend tauchen, also musste der Sprung gelingen.
 Ich atmete tief durch und schloss die Augen. Nicht zu viel Luft anhalten. Noch ein tiefer Atemzug. Dann wippte ich ein paar Mal vor und zurück, ehe ich schließlich absprang und einen Bogen machte, ehe ich ins Wasser eintauchte.
 Tief genug, stellte ich zufrieden fest und tauchte, so schnell ich konnte.
 Die Wende hatte ich damals tagelang geübt und war nun mehr als froh endlich in der Lage zu sein eine fehlerfreie Rollwende darlegen zu können. Dann tauchte ich bereits zurück, spürte allerdings ein vertrautes Ziehen in der Brust, dem ich etwas Abhilfe schuf, indem ich ein wenig ausatmete.
 Etwa drei Meter vor Ende der Bahn tauchte ich auf und schnappte nach Luft, ehe ich mir die Brille vom Kopf riss und leise vor mich hin fluchte, wobei ich darauf achtete, dass sie von innen nicht nass wurde. Dann schwamm ich die letzten drei Meter, hielt mich an der eigens dafür angebrachten Stange unter dem Startblock fest und sah zurück auf die Bahn, während ich darüber nachdachte, was ich falsch gemacht hatte.
 Ich konnte die Luft zweieinhalb Minuten lang anhalten, also sollte ich genug Zeit haben. War ich vielleicht zu langsam? Vielleicht sollte ich es mit einer anderen Schwimmtechnik versuchen. Oder ich versuchte es so wie eben nochmal. Vielleicht hatte ich zu wenig Luft geholt, ehe ich sie anhielt.
 Nochmal. Mit dem Gedanken zog ich mich aus dem Wasser und setzte die Brille wieder auf, ehe ich auf den Startblock stieg. Nur ein bisschen tiefer einatmen. Ich trommelte nachdenklich an das kalte Gestein, als ich die Finger wieder daran legte. Vielleicht sollte ich erst ein paar Bahnen ziehen, ehe ich es nochmal mit Tauchen versuche. Doch dann schüttelte ich langsam den Kopf. Dann wäre ich erschöpft und nicht mehr schnell genug.
 Also sprang ich. Diesmal berührten meine Brüste einen Moment den Beckenboden, weshalb ich ein paar Zentimeter höher schwamm. Zu tief. Es sollte eigentlich kein zu tief geben, doch wenn ich zu tief schwamm, bekam ich Ohrenschmerzen und das lenkte mich ab. Die Rollwende verlief fehlerfrei und der Weg zurück schien vielversprechend. Ich spürte gerade, wie meine Lunge begann zu protestieren, als ich weit genug getaucht war, um wieder aufzutauchen. Die Nase direkt vor dem Startblock schnappte ich wieder nach Luft und lehnte meine Stirn dagegen, ehe ich die Brille hochschob und mich umdrehte, um die Bahn zu betrachten.
 Geschafft. Ich hab's geschafft! Ein Lächeln legte sich auf mein Gesicht und ein Glücksgefühl durchfuhr mich. Ich hatte hart mit mir selbst kämpfen müssen, um das zu schaffen, auch wenn ich keinen wirklichen Grund für dieses Ziel hatte. Ich hatte es einfach nur getan, weil ich es wollte.
 Nun setzte ich die Brille wieder auf und stieß mich entspannt vom Rand ab, um gemütlich ein paar Bahnen zu ziehen. Leider spürte ich bereits schon nach der dritten, wie mir die Puste ausging, weshalb ich aus dem Wasser stieg und mir mein Handtuch holte, ehe ich zu dem kleinen Kiosk herüber ging, der in der Nähe der Sprungtürme stand, um mir etwas zu trinken zu kaufen. Das Armband an meinem Handgelenk sorgte dafür, dass ich bezahlen konnte, wenn ich die Schwimmhalle verließ, sodass ich nicht ständig Geld mit mir herum tragen musste.
 „Skaisa?“
 Scheiße. Ich hatte Jason bereits wieder vergessen. Langsam sah ich zu ihm auf. „Äh... Hi.“ Ich zog mir die Schwimmbrille herunter, sodass sie um meinem Hals lag und wickelte mich fester in das Handtuch, da er begann mich zu mustern. „Du auch hier?“
 „Ja, ich- Ähm...“ Er sah zum Becken zurück. „Ein paar Freunde haben mich her geschliffen.“ Er machte keinen besonders begeisterten Eindruck. „Ich dachte du wolltest mit Adrian schwimmen gehen.“
 Ich blinzelte überrascht. „Ich wollte, ja. Ihm kam was dazwischen.“
 „Also bist du allein hier?“
 „Ja.“ Ich zog verwirrt die Brauen zusammen. Irgendwas war anders an ihm. „Alles in Ordnung?“
 „Ja, wieso?“
 „Du wirkst irgendwie... anders.“
 Er rieb sich den Nacken, als sei ihm etwas unangenehm und er warf erneut einen Blick zurück. „Hast du... zwei Minuten? Ich muss dir da was sagen.“
 „Naja, ich wollte mich gerade anstellen.“ Ich deutete auf den Kiosk, woraufhin er mich dorthin begleitete. „Worum geht’s denn?“
 „Um Samstagabend.“
 Ich hob eine Braue. „Warst du doch betrunken und weißt nicht mehr, was passiert ist?“
 „Ich war nicht betrunken und ich erinnere mich an alles.“, widersprach er, „Aber ich war high.“
 Wie von allein kniffen sich meine Augen misstrauisch zusammen. „Aha.“
 „Ich... wollte mich dafür entschuldigen, dass ich so aufdringlich war. Ich meine, alles was ich sagte, war ernst gemeint, aber eigentlich bin ich nicht so ein... übertrieben positiver Mensch.“
 „Übertrieben positiv?“
 Er fuhr sich mit der Hand durchs nasse Haar. „Ich habe dich an die Wand gedrängt und dich genötigt, ohne mir Gedanken darüber zu machen, ob du dich in meiner Nähe überhaupt wohlfühlst. Ich wollte dir das eigentlich schon gestern erklären, aber dann hab ich gemerkt, dass ich dich nicht nach deiner Nummer gefragt habe und... Du hättest sie mir wahrscheinlich auch nicht gegeben.“ Er rieb sich mit dem Daumen über den Kiefer und starrte auf meine Schulter.
 „Okay.“
 „Also... Tut mir leid. Ich hoffe, du bist mir nicht böse.“
 Ich dachte einen Moment darüber nach. „Ich fand es nicht schön von dir herumgeschubst und an die Wand gedrängt zu werden.“, gab ich zu, woraufhin er die Brauen zusammen zog.
 „Ich hab dich nicht geschubst.“
 „Das meine ich im übertragenen Sinne. Du hast mich immer wieder aufgeregt. Aber als du mich nach hause gebracht hast war alles in Ordnung.“
 „Obwohl ich dich dazu zwang meine Hand zu halten?“
 „Ich hätte darauf verzichten können, aber daran kann man jetzt auch nichts mehr ändern.“
 Er nickte langsam und ich bemerkte, was anders war. Samstag war er entspannt und ausgelassen, hatte überschwänglich gute Laune, wie ein kleiner Junge, der ein bisschen zu viel Süßes hatte. Nun war er angespannt und wirkte irgendwie... düster, als wäre er wütend.
 „Bist du mir sauer oder so?“
 „Was?“ Verwirrt sah er mich an. „Warum sollte ich?“
 „Ich hab dich ständig abgewiesen.“
 „Oh, nein. Das war gut so. Wenn ich high bin, denke ich nicht darüber nach, ob eine Frau wegen dem, was ich tue, sauer auf mich wird. Ich hätte dir nichts getan oder so, aber... Ich hätte wahrscheinlich- Also eigentlich ganz bestimmt versucht mehr als nur einen Kuss zu kriegen.“
 „Verstehe.“, murmelte ich verdutzt.
 „Ich hoffe, morgen steht noch. Ich verspreche auch, ich nehme vorher nichts.“
 Unsicher knabberte ich an meinem Mundwinkel. „Du solltest damit vielleicht aufhören. Das macht dich kaputt.“
 Er rollte mit den Augen. „Du bist nicht der erste Mensch, der mir damit kommt. Glaub mir, wenn ich sage, das die Alternative schlimmer wäre.“ Sanft schob er mich am Rücken an, als die Schlange vor mir aufrückte.
 „Hast du für morgen eigentlich etwas geplant?“
 „Musst du noch etwas erledigen?“
 Einen Moment verzog ich schüchtern den Mund. „Ich hatte gehofft einen kurzen Abstecher in einen Buchhandel machen zu können.“
 „Kein Problem.“
 „Wirklich?“
 Als ich ihn voller Vorfreude ansah, legte sich ein Lächeln auf sein Gesicht. Ein Lächeln, dass mich diesmal vom Hocker warf. Samstag war er verspielt und jungenhaft gewesen, aber heute war er erwachsen und reif.
 „Wirklich.“, beteuerte er amüsiert, „Kommst du oft zum Schwimmen her?“
 „Eher selten. Ich gehe ungern allein schwimmen. Und Lust darauf habe ich auch nicht sehr oft.“
 „Nächstes Mal kannst du gerne mich fragen.“
 „Nett von dir.“
 Als ich an der Reihe war kaufte ich mir eine Flasche Mineralwasser mit Kohlensäure und ließ es zu, dass er mich zu dem Platz begleitete, an dem ich mein Handtuch gelagert hatte.
 „Schwimmst du gern?“, fragte er unterwegs.
 „Schon. Ich tauche lieber, aber ich kann die Luft nicht so lange anhalten, wie ich möchte.“
 „Was ist denn dein Ziel?“
 „Oh, das habe ich heute erreicht.“ Ich legte mir eine Hand auf den Brustkorb. „Zwei Bahnen durchtauchen.“
 „Wow, das ist gut. Die meisten schaffen gerade mal eine halbe.“
 „Ich habe es viel geübt.“
 Er betrachtete die Bahnen, als wir an dem Becken vorbei kamen, in dem ich getaucht war und nickte anerkennend. „Hast du vor mal etwas derartiges später beruflich zu machen?“
 „Nein, das wäre mir zu anstrengend. Das hier ist nur zum Spaß, zur Entspannung und um Frust abzubauen.“
 Ein Muskel in seinem Kiefer zuckte. „Frust? Streit mit deinem Freund?“
 Ich seufzte. „Kommt dir gelegen, was?“
 „Nein.“
 Überrascht sah ich ihn an. „Nicht?“
 „Nein. Er verletzt dich. Ich sähe es zwar gern, wenn ihr euch trennt, aber nicht, dass er dich verletzt. Du warst Samstag den Tränen nahe. Was hat er gesagt?“
 Einen Moment zögerte ich, trank dann aber einen Schluck Wasser. „Ich werde jetzt noch ein paar Bahnen schwimmen, ehe ich wieder gehe.“
 Sein Kiefer mahlte und er verschränkte die Arme vor der Brust. „Skaisa.“
 „Ich werde dir nicht sagen, was er gesagt hat.“
 „Warum nicht?“
 „Weil es dich nichts angeht.“
 Er dachte darüber nach und nickte dann zu meiner Überraschung. „Das stimmt. Aber es interessiert mich, weil ich dich gern kennen lernen will.“
 Ich blickte auf die Flasche herab. „Ich möchte nicht darüber reden.“
 „Allgemein oder nur im Moment?“
 „Eher im Allgemein.“
 Er hob eine Braue. „So schlimm?“
 Ja. „Nein, ich- Ich mag es nur nicht die Angelegenheiten von Adrian und mir vor anderen auszubreiten.“
 Tatsächlich würde ich genau das gerne tun, aber ich wusste, was man mir dann sagen würde. Und wahrscheinlich hatte jeder Recht, der es sagte. Der aussprach, was ich dachte. Dass Adrian mich nur benutzte und ich mich um meiner selbst Willen von ihm trennen sollte. Manchmal wusste ich selbst nicht so genau, warum ich an der Beziehung so fest hielt. Aber ich wusste, wenn ich jemandem erzählen würde, was Adrian zu mir sagte, wäre es, als würde ich mein Innerstes entblößen. Allein die Vorstellung, das zu tun, ertrug ich kaum.
 „Wie auch immer, ich sollte wieder zu den anderen.“ Er deutete auf das Becken, in dem ein paar Kerle bereits versuchten seine Aufmerksamkeit zu bekommen.
 „Hör auf hübsche Frauen anzubaggern und beweg deinen Arsch hier rüber!“, rief einer herüber, als er merkte, dass Jason herüber sah.
 „Tut mir leid, die haben gekifft.“
 „Die haben- Ist das nicht gefährlich?“
 „Deshalb bin ich hier. Um sie davor zu bewahren unterzugehen wie Steine.“ Er zuckte mit den Schultern. „Ich freu mich jedenfalls schon auf morgen und... ich hoffe du bereust es nicht, dich mit mir verabredet zu haben. Auch hinterher.“ Einen Moment betrachtete er mich schweigend. „Viel Spaß noch beim Schwimmen.“
 „Danke. Viel Erfolg beim Babysitten.“
 Prompt begann er belustigt zu grinsen und ich spürte tausende kleine Schmetterlinge in meinem Bauch. „Vielen Dank, Skai.“ Als er sich herunter beugte, dachte ich einen Moment er wolle mich auf den Mund küssen. Doch stattdessen streifte er mit den Lippen meine Wange. Dafür packte er aber meinen Hintern und griff ordentlich zu, ehe er sich von mir löste. „Denk an mich.“
 Damit schlenderte er zurück zu den anderen Kerlen und warf sie ins Wasser, als sie begannen ihm Kommentare zuzuwerfen. Noch etwas aufgeregt von seiner plötzlichen Nähe setzte ich mich auf die beheizte Steinplatte und trank etwas Wasser, ehe ich das Handtuch zur Seite legte und wieder zum Startblock ging. Ich wollte mir gerade die Schwimmbrille aufsetzen, als mich jemand von hinten umarmte.
 „Hey, Baby.“
 Überrascht sah ich mir über die Schultern. „Adrian?“
 Er lächelte mich an und ich konnte nicht anders als vor Freude, dass er doch noch hergekommen war, zu lächeln und mich umzudrehen, um ihn zu umarmen.
 „Was machst du hier?“, fragte ich ihn und rieb meine Wange an seiner Schulter.
 Leise lachte er zufrieden und drückte mich an sich. „Ich hab nachgedacht und... naja, du warst schon im Recht, als du dich so aufgeregt hast. Ich wollte dir beweisen, dass ich es ernst meinte und hab den Jungs gesagt, dass ich früher gehe, um zu dir zu fahren, aber deine Mutter sagte, du seist schwimmen, also bin ich hergekommen.“
 „Wirklich?“ Ich sah zu ihm auf und er nickte zustimmend. „Das ist lieb von dir.“
 „Tut mir leid, was ich gesagt habe. Du siehst toll aus im Bikini. Wirklich.“
 Da biss ich mir verlegen auf die Unterlippe, woraufhin er sich herab beugte und mich küsste. Als ich ihn erwiderte, seufzte er erleichtert auf und schob mir eine Hand in den Nacken, löste sich bald aber wieder von mir.
 „Warst du heute schon tauchen?“, fragte er neugierig und löste sich langsam.
 „Ja, ich hab die zwei Bahnen geschafft.“
 „Gratulation!“ Ein weiterer kurzer Kuss. „Möchtest du die Strecke verlängern oder hörst du jetzt auf?“
 „Nein ich denke, ich werde hin und wieder einfach nochmal versuchen zwei Bahnen zu schaffen, um es zu halten.“
 „Das klingt gut.“ Er nahm meine Hand und verschränkte seine Finger mit meinen. „Wollen wir in den Whirlpool?“
 „Aber du bist noch nicht geschwommen.“ Er war noch trocken. „Lass uns erst noch etwas schwimmen, okay?“
 „Na gut. Wer zuerst vier Bahnen schafft?“
 „Du gewinnst sowieso.“, beschwerte ich mich und stellte mich auf den Startblock, während er den der Bahn daneben nahm.
 „Ich war lange nicht mehr schwimmen.“
 „Ja, aber du machst anderen Sport. Ich bin schon froh, wenn ich nach der dritten Bahn nicht ertrinke.“
 „Na gut. Dann schwimmst du vier Bahnen und ich schwimme, bis du fertig bist.“
 „Okay.“
 Kurz darauf sprangen wir ins Wasser. Er war natürlich viel besser in Form als ich und schwamm gut doppelt so viele Bahnen, bis ich erschöpft die vierte hinter mir hatte.
 „Kommst du raus?“, fragte er sanft, als ich mich an der Stange einhakte, um nicht einfach ins Wasser zu sacken.
 „Gib mir einen Moment.“, keuchte ich, woraufhin er herüber kam und von hinten ein Bein zwischen meine schob, damit ich darauf sitzen konnte und in der Lage war mich zu entspannen. „Danke.“
 „Du solltest vielleicht hin und wieder mal joggen. Es hört sich nicht gesund an, wie du gerade keuchst.“
 „Ist gleich wieder vorbei. Ich muss nur kurz atmen.“
 Er schien nicht überzeugt, sagte aber nichts weiter und wartete, bis ich nickte. Dann stieg er aus dem Wasser und hielt mir eine Hand hin, um mir zu helfen. Ich holte noch mein Handtuch und mein Wasser, ehe ich mit ihm den Whirlpool ansteuerte. Erst da merkte ich, dass er hinter den Sprungtürmen war und wir somit direkt an Jason und seinen Freunden vorbei mussten.
 Zumindest dachte ich das. Sie waren nicht mehr in dem Becken. Stattdessen hörte ich sie bereits, als wir uns dem Whirlpool näherten.
 „Ist wohl schon besetzt.“, murrte Adrian, als er die Gruppe Männer sah, die darin nichts als Unfug trieben.
 Jason hatte gerade jemanden in den Schwitzkasten genommen, während dieser versuchte ihm in den Bauch zu schlagen. Die anderen saßen im Kreis um die beiden herum und feuerten sie an. Als der arme Kerl Jason schließlich auf den Oberarm klopfte, pfiffen die anderen laut und Jason ließ ihm los. Offenbar hatte er gerade einen Kampf gewonnen. Oder eine Rangelei. Wie auch immer, der Verlierer sah ziemlich sauer aus, während Jason ihm warnende Blicke zuwarf.
 Also doch eine Auseinandersetzung.
 „Hmmm...“, machte Adrian neben mir und sah sich um.
 Ich sah zu ihm auf, während ich wartete, was er als Alternative aussuchen würde, und löste meine nassen Haare aus dem Zopf. „Wie wäre es, wenn wir etwas essen?“
 „Hattest du etwa noch nichts?“
 „Ähm... nein.“
 Er sah mich vorwurfsvoll an. „Du musst essen, Skaisa.“
 „Ich hab's vergessen.“
 „Du kannst das doch nicht einfach vergessen.“ Als er mir einen spürbaren Klaps auf den Hinterkopf gab, zuckte ich zusammen.
 „Au! Das tat weh.“
 „Vergiss nicht immer zu essen.“, tadelte er und schob mich an dem Kiosk vorbei zu dem kleinen Café. „Was möchtest du?“
 Ich rieb mir den Hinterkopf, der tatsächlich noch weh tat. „Milchreis.“, nuschelte ich.
 „Mit Zimt?“
 „Nein danke.“
 „Okay. Such schon mal einen Tisch, ich komme dann gleich. Willst du noch was trinken?“
 „Eine Coke vielleicht.“
 „In Ordnung.“ Damit griff er in meinen Nacken und zog mich zu einem Kuss heran, ehe er sich in die Schlange stellte.
 Da der vermeintliche Klaps recht schmerzhaft gewesen war, murrte ich vor mich her, ehe ich mir einen mit vier Stühlen aussuchte und Platz nahm, ehe ich mein Handtuch auf dem Stuhl neben mir legte. Einen Moment fragte ich mich, wie Jason wohl reagieren würde, wenn er Adrian sah, hoffte dann aber, dass diese Situation nie entstehen würde und sah zu meinem Freund herüber, der wohl gerade bestellte.
 Ich wartete geduldig. Da das Essen erst zubereitet wurde, dauerte es eine Weile und ich vertrieb mir die Zeit damit ein paar Badegäste zu beobachten, bis ich, mal wieder, Jason sah, der mit einem misstrauisch Blick zu seinen Kumpanen, die wahrscheinlich noch immer im Whirlpool waren, den man von hier aus nicht sehen konnte, die Umkleidekabinen ansteuerte.
 Das verwirrte mich. Hatte er nicht gesagt, er müsse auf die Jungs aufpassen? Warum ging er dann? Oder hatten sie vielleicht beteuert, die Wirkung der Drogen hätte nachgelassen?
 Er kennt sich wahrscheinlich aus und weiß, wann er ihnen glauben kann. Warum also ging er?
 Fünf Minuten später kam er aber wieder, also hatte er vielleicht nur telefoniert. Weit kam er aber nicht, denn einer seiner Kollegen kam ihm entgegen gelaufen und rammte ihm die Schulter in den Bauch, woraufhin er auf dem Rücken auf dem Boden landete. Ich rechnete bereits damit, dass einer der Aufsichtspersonen der Schwimmhalle eingreifen würde, doch es sah nicht einmal jemand herüber, als sie miteinander rangen.
 Es dauerte nur etwa 20 Sekunden, bis ich Blut sah. Und das schockierte mich. Die Rangelei hatte nicht sehr gewalttätig ausgesehen und doch wischte Jason sich gerade Blut aus dem Mundwinkel und stieß seinem Gegner das Knie in den Magen, ehe er ihn von sich schob und aufstand. Er murmelte irgendwas auf die am Boden kauernde Gestalt und wendete sich dann dem Kiosk zu, als er mich bemerkte.
 Er hielt inne, sah kurz auf seinen Kollegen am Boden und dann wieder zu mir, ehe er den Blick abwendete.
 „Tut mir leid, hat etwas gedauert.“, ertönte neben mir plötzlich Adrians Stimme, ehe er mir meinen Milchreis und die Coke hinstellte und mit seiner eigenen Mahlzeit vor mir Platz nahm.
 „Kein Problem.“, entgegnete ich und setzte ein Lächeln auf. Dennoch machte ich mir Gedanken um die Dinge, die ich gerade gesehen hatte. Ob es dem Mann gut ging, der da am Boden kniete?
 Ein vorsichtiger Blick an Adrian vorbei offenbarte mir, dass er sich gerade auf die Beine gekämpft hatte und nun auf die Umkleidekabinen zuging. Weshalb hatte er Jason wohl angegriffen?
 Ich schüttelte schnell den Kopf und konzentrierte mich auf Adrian.
 „Hast du was dagegen, wenn ich gleich noch mit zu dir komme?“, fragte er vorsichtig, „Ich weiß, wir haben gestritten, aber...“ Er griff nach meiner Hand. „Ich mach es wieder gut.“
 Ich seufzte schwer und dachte einen Moment darüber nach. Es konnte ja nichts schlimmeres passieren, als wieder mit ihm zu streiten, also... „Na gut.“, murmelte ich, „Aber meine Eltern werden zuhause sein.“
 „In Ordnung.“
 Wir begannen zu essen und unterhielten uns ein wenig. Es war lange her, dass wir einfach nur zusammen saßen und miteinander redeten. Als wir fertig waren, brachte er das Geschirr zurück und wir sahen nach, ob der Whirlpool nun frei war.
 Da stellte ich fest, dass Jason mich beobachtete. Nicht vom Pool aus, denn von dort hatte er uns nicht sehen können. Er befand sich in dem Becken der Sprungtürme an einer Ecke und hatte die Arme vor sich auf dem Beckenrand verschränkt, um seinen Kopf darauf zu legen. Sein Blick war alles andere als begeistert und als er merkte, dass ich ihn erwischt hatte, hielt er meinen Blick, als wolle er mich von Adrian wegzerren.
 Ich sah mich einen Moment um, weil er allein war und stellte fest, dass seine Freunde nicht zu sehen waren. Als ich den Blick daraufhin wieder zu ihm gleiten ließ und die Braue hob, zuckte er mit den Schultern und deutete in Richtung der Umkleidekabinen.
 „Rian.“
 „Hm?“ Er sah auf mich herab.
 „Wartest du kurz?“, bat ich ihn und sah kurz zu ihm auf. „Ich hab einen Freund gesehen und möchte kurz hallo sagen.“
 „So?“ Er wirkte überrascht. „Okay. Aber beeil dich.“
 „Geh schon mal vor und halt uns Plätze frei.“
 Er drückte mir noch einen leichten Kuss auf die Lippen, ehe er weiter ging und ich mich an Jason wand, der nun aus dem Wasser kam.
 „So, so.“, hob er an, als wir uns auf halbem Weg trafen, weil ich ihm entgegen kam. „Das ist also dein Freund, hm?“
 Ich folgte seinem Blick zu Adrian, sah dann aber wieder zu ihm auf. „Eigentlich wollte ich mit dir über etwas anderes sprechen.“
 Er schnalzte kurz mit der Zunge. „Und worüber?“
 Einen Moment ließ ich den Blick über ihn gleiten, was ich bisher versäumt hatte. Ich hatte bereits am Samstagabend einen guten Eindruck davon bekommen können, dass er kräftige Bizeps hatte und erkannte nun, dass sein ganzer Körper gut trainiert war.
 Plötzlich spürte ich seinen Atem an meinem Ohr. „Wenn du mich weiter so anstarrst, denke ich noch, du willst mich vernaschen.“
 Prompt stieg mir die Röte ins Gesicht und ich stieß ihm vor die Brust. „Jason!“
 Ein amüsiertes Lachen brach aus ihm heraus und er sah mit funkelnden Augen auf mich herab. „Na los, was willst du wissen?“
 „Ich... bin bloß neugierig.“
 Wartend neigte er den Kopf ein wenig zur Seite.
 „Dieser Typ, mit dem du dich da... ähm...“
 „Connor.“, merkte er an, „Er hat mich angegriffen, weil einer der anderen Idioten ihm gesagt hat, ich hätte seine Schwester gevögelt.“
 „Hast du?“
 Er verzog den Mund. „Bist du sauer, wenn ich dir sage, dass ich es nicht weiß?“
 Wenn ich so darüber nachdenke, ging es mir durch den Kopf, sollte mich das nicht wundern. Er sagte ja selbst, dass er sich an die meisten Gesichter nicht erinnert. „Also ist sie ein Kauknochen, hm?“
 Sein Mundwinkel kräuselte sich belustigt. „Ja. Ich merke, du verstehst mich.“
 „Wenn ich dir rate nicht willkürlich mit irgendwelchen Frauen zu schlafen... sagst du dann auch, das sei besser als die Alternative?“
 Sein Lächeln verblasste und er seufzte. „Du willst nicht erleben, wie ich bin, wenn ich...“ Er rieb sich über den Mund und warf einen Blick an mir vorbei. „Ich glaube, dein Freund wartet. Er hat sicher was dagegen, wenn du mit mir redest. Ich würde ihn wirklich gern reizen, aber ich will nicht, dass er dir weh tut.“
 „Jason-“ Ich fuhr mir mit der Hand durchs Haar. „Ich hab dir bestimmt schon zehntausend Mal gesagt, dass ich nicht mit dir zusammen sein will. Nicht nur, weil ich mit Adrian zusammen bin, sondern auch wegen... deiner Art.“
 „Lass das nur meine Sorge sein.“
 „Ich meine es Ernst. Wir können Freunde sein, aber ich werde nicht mit jemandem wie dir zusammen sein.“
 „Je öfter du das sagst, umso mehr hab ich das Gefühl, du willst dir das nur selbst einreden.“, merkte er vorsichtig an, „Ich habe dir bereits beim ersten Mal verstanden. Mach dir darum also keine Gedanken, okay?“
 Ich seufzte leise und nickte schließlich.
 „Wenn du dich von mir wirklich bedrängt fühlen solltest, dann sag es mir. Aber raste bitte nicht jedes Mal aus, wenn ich dich umarmen möchte.“
 Zögerlich öffnete ich den Mund. „Naja, das... ist... ähm...“ Mit geschlossenen Augen schüttelte ich kurz den Kopf. „Ich erkläre dir das ein andern Mal. Wir sehen uns morgen.“
 „Okay. Darf ich dich auf die Wange küssen? Dein Freund schaut nicht her.“
 Verlegen wich ich seinem Blick aus. „Aber... wirklich nur auf die Wange.“
 Das zauberte ein hinreißendes Lächeln auf sein Gesicht, ehe er sich herab beugte und sanft einen zarten Kuss auf meine Wange hauchte. Dabei legte er mir eine Hand an die Hüfte und strich mit dem Daumen über meine Haut.
 „Nicht wieder an den Arsch gehen.“, ermahnte ich ihn hastig, woraufhin er leise prustete.
 „Schade.“, murmelte er, ehe er sich löste. „Ich freu mich schon auf morgen. Ich hol dich dann an der Schule ab.“
 „In Ordnung.“, entgegnete ich und trat einen Schritt zurück. „Bis dann.“
 Er hob zum Abschied noch die Hand, woraufhin ich zurück winkte und zu Adrian eilte. Als ich den Whirlpool erreichte, drehte er sich gerade nach mir um und wirkte etwas misstrauisch.
 „Wer war der Kerl?“, wollte er wissen, als ich mich neben ihn setzte und an ihn schmiegte.
 „Nur ein Freund.“, entgegnete ich.
 „Er ist dir ziemlich nahe gekommen. Hat er dich geküsst?“
 Hat er es doch gesehen? „Zum Abschied auf die Wange.“, gab ich dann zu.
 „Und davor? Er hat sich zu dir herunter gebeugt.“
 „Er hat mir nur etwas zugeflüstert. Ein Scherz. Das ist alles.“
 Er wirkte noch unschlüssig, seufzte dann aber und schlang die Arme um mich. „Na gut. Was wollen wir heute Abend machen?“

 Zwei Stunden später lag ich mit Adrian in meinem Bett und kuschelte mich an ihn, während seine Hände auf Wanderschaft gingen.
 „Darf ich hier übernachten?“, fragte er halblaut und glitt mit dem Daumen unter mein Shirt, um damit über meinen Bauch zu streicheln.
 „Ich glaube nicht, dass meine Eltern das erlauben. Morgen ist Schule.“
 „Und wenn sie nicht wüssten, dass ich hier bin?“
 Ich hob eine Braue. „Das geht nicht. Erstens, sie würden es raus kriegen. Zweitens, wenn sie es rauskriegen, bekomme ich Ärger.“
 „Willst du dann bei mir schlafen?“
 „Ich darf unter der Woche nicht woanders übernachten. Und das weißt du.“
 Er seufzte. „Deine Eltern sind zu streng.“
 „Sind sie nicht. Du denkst das nur, weil du willst, dass es anders ist.“
 „Nein, es ist so. Du bist 17. Warum verbieten sie dir in der Woche bei jemandem zu übernachten oder jemanden hier übernachten zu lassen?“
 „Damit ich mich auf die Schule konzentriere.“
 Er seufzte genervt, schob dann aber eine Hand unter meinem Shirt auf meinen Rücken, ehe er mich küsste. Es war ein süßer Kuss. Ein Kuss, bei dem mir wohlig warm wurde und ich irgendwann begann mich an ihn zu drängen. Nach und nach zogen wir uns aus, während er meinen Körper liebkoste und sich auf mich rollte. Er küsste mich für eine Weile tief und drängend, streichelte mir über die Seite und schob seine Hüften dann an meine Lenden, um sich an mir zu reiben.
 „Du nimmst die Pille noch?“, fragte er mit heißem Atem an meinem Ohr.
 „Mhm.“, machte ich darauf mit einem Nicken und stöhnte leise auf, als er eindrang.
 Ich wusste, wie es werden würde, noch ehe er überhaupt anfing. Er begann sich zu bewegen, küsste meinen Hals und fummelte an meinen Brüsten herum. Dann bewegte er sich schneller, griff an meine Hüfte und knabberte an meinen Ohr, bis er schließlich kam und auf mich sank.
 Es machte Spaß mit ihm zu schlafen. Das tat es tatsächlich. Zumindest bis er kam. Ich blieb, wie immer, frustriert zurück und biss mir auf die Unterlippe, zu schüchtern, um irgendwas zu sagen. Dann rollte er sich von mir herunter, bedeckte meine Schulter mit Küssen und griff zum Nachttisch, um Taschentücher aus der Schublade zu holen. Eins davon reichte er mir, ehe er sich um sich selbst kümmerte.
 Die Lippen aufeinander gepresst wischte ich mich notdürftig ab, ehe ich aufstand und mir etwas anzog. „Ich gehe kurz ins Bad.“
 „Okay.“, murmelte er daraufhin und machte es sich in meinem Bett gemütlich.
 Im Bad machte ich mich schließlich richtig sauber und ärgerte mich über meinen eigenen Frust. Ich sollte froh sein überhaupt ein Sexleben zu haben, auch wenn es alles andere als erfüllend war.
 Ist er es wirklich wert?
 Nachdenklich sah ich in den Spiegel und dachte über die Frage meiner Mutter nach. Ich wusste, dass ich ihn liebte. Aber liebte er mich genauso?
 Es war nicht das erste Mal, dass ich darüber nachdachte und es beschäftigte mich, als ich wieder in mein Zimmer ging. Adrian, der offenbar ein Nickerchen gemacht hatte, sah verschlafen auf, als ich mich aufs Bett setzte.
 „Alles okay?“, fragte er träge und rollte sich auf den Rücken.
 „Können... Können wir reden?“
 „Jetzt?“ Er rieb sich über die Wange.
 „Es wäre mir sehr wichtig.“
 Als er mit den Augen rollte, als wäre ich kindisch, brach irgendwas in mir auseinander. „Wenn es denn sein muss?“
 Geduldig wartete ich, bis er sich etwas angezogen und mir gegenüber gesetzt hatte.
 Er gähnte schläfrig „Worum geht’s?“
 Unsicher knabberte ich wieder an meiner Unterlippe. „Liebst du mich eigentlich?“
 „Ja klar.“
 Ich wusste nicht warum, aber irgendwie fühlte es sich nicht richtig an das so zu hören. Als... hätte er es zu schnell gesagt, zu locker, als... würde er das nur so dahin sagen. „Was liebst du an mir?“
 „Deine Augen, deine Haare, deine sanfte Art, deine Nachgiebigkeit. Und du bist süß, wie... wie ein Welpe oder so.“
 „Wie ein Welpe?“
 „Ja, du weißt schon. Manchmal will ich dich halten und irgendwie drücken.“
 „Du willst mich... manchmal halten?“ Ich wünschte, ich könnte dich ständig halten.
 „Ja. Ich meine... Man, Skai, müssen wir das jetzt klären? Gibt es irgendein Problem?“
 Etwas unklar zuckte mit den Schultern. „Es ist irgendwie seltsam mit uns, oder nicht?“
 „Was meinst du mit seltsam? Willst du etwa Schluss machen?“
 Ich seufzte. „Ich sagte, ich will reden. Ich würde gerne versuchen eine Lösung zu finden, damit wir uns beide wohl fühlen und voran kommen.“
 „Aber ich fühle mich wohl. Du etwa nicht?“
 „Deshalb will ich ja mit dir reden.“
 Sichtbar verwirrt kratzte er sich über die stoppelige Wange. „Okay. Und was ist nun das Problem?“
 Ich brauchte ein paar Sekunden, um mich zu sammeln und eine Möglichkeit zu finden mich richtig auszudrücken. „Hin und wieder... habe ich das Gefühl, dass unsere Beziehung nicht... ausgewogen ist.“
 „Ausgewogen?“
 „Ja. Du forderst sehr viel von mir, aber ich fühle mich immer, als würde ich den kürzeren ziehen.“
 „Und was soll ich da machen?“
 „Es wäre nett, wenn... also, wenn du vielleicht ein bisschen mehr Rücksicht auf meine Gefühle und Wünsche nehmen würdest. Mehr Rücksicht auf mich.“
 Er blinzelte langsam. „Das tue ich doch.“
 „Ja, aber ich meine, etwas mehr. Wenn dir etwas nicht gefällt wirst du immer schnell ausfallen und fängst an mich zu beleidigen. Das ist sehr verletzend und... ähm... Naja, es schadet unserer Beziehung.“
 „Ich entschuldige mich doch immer dafür.“
 „Eigentlich entschuldigst du dich fast nie für das, was du gesagt hast.“, korrigierte ich vorsichtig.
 Er stöhnte auf, als wäre ihm das alles lästig und setzte sich anders hin. „Was genau willst du jetzt von mir?“
 „Das sagte ich doch. Ich möchte, dass du mehr Rücksicht nimmst.“
 „Kannst du nicht etwas genauer werden?“
 „Naja, du... Also, ich würde mich besser fühlen, wenn du...“
 Als ich nicht weiter sprach, hob er ungeduldig eine Braue. „Wenn ich was?“
 „Wenn du mich nicht mehr beleidigen würdest oder so. Wenn wir... mehr unternehmen. Zu zweit. Allein. Und wenn du vielleicht... beim Sex...“
 Nun hob sich auch die zweite Braue und für den Moment hatte ich seine ungeteilte Aufmerksamkeit. „Beim Sex?“, wiederholte er langsam.
 „Wenn du vielleicht...“ Verlegen druckste ich herum und schluckte, während ich rot wurde und meine Finger begannen zu zittern. „Etwas aufmerksamer wärst.“ So. Schritt eins erledigt.
 „Ich soll aufmerksamer sein? Macht es dir etwa keinen Spaß?“
 „D-d-doch, schon, nur... ich, ähm... Ich bin noch nie...“
 Ungeduldig atmete er durch. „Raus damit, Skai. Du bist noch nie, was?“
 „Gekommen.“, murmelte ich. Da hast du's! Schritt zwei erledigt. Ich hab's ihm gesagt. Jetzt ist er dran.
 „Na und?“
 Verdattert wusste ich nicht, was ich sagen sollte.
 „Du sagst doch selbst, du bist nicht sehr sensibel. Was soll ich da machen? Spielzeug kaufen?“
 Hitze stieg mir ins Gesicht und Scham breitete sich in mir aus. „N-n-nein. Ich dachte bloß-“
 „Was? Soll ich irgendwelche magischen Techniken anwenden? Ich kann doch nichts dafür, wenn du ein bisschen frigide bist.“
 „Ich-ich bin n-n-nicht frigide!“
 „Schau mir in die Augen und sag Penis.“
 Schamerfüllt wich ich seinem Blick aus. „Wir sind doch nicht im Kindergarten.“
 „Siehst du? Du kannst es nicht mal sagen und fängst schon an zu stottern, wenn ich eine andere Stellung vorschlage.“
 „Für sowas bin ich eben noch nicht bereit.“
 „Ich sag doch, du bist frigide.“
 Ich seufzte schwer. „Weißt du, vielleicht war es einfach eine blöde Idee zu denken, es würde etwas bringen mit dir über Probleme zu reden.“
 „Ja, klar, jetzt liegt der Fehler wieder bei mir.“ Mit einem Blick auf die Uhr stand er auf und zog sich an. „Ich gehe besser nach hause und lass dich mit deinen Problemen allein. Wir sehen uns morgen in der Schule.“
 „Okay.“, murrte ich nur und wich weiter seinem Blick aus, lehnte mich sogar weg, als er mich zum Abschied küssen wollte.
 „Man, wirklich?“, stöhnte er genervt und ging.
 Ist irgendwas falsch mit mir oder versteht er mich einfach nicht?
 Mit dieser Frage im Kopf machte ich mich fertig für's Bett und legte mich hin.

















Isalija "spricht",
denkt und handelt.


Zuletzt von Isalija am So 13 Mai 2018 - 15:36 bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Fr 27 Apr 2018 - 13:27

Kapitel 4

 Nachdem ich endlos lang wachgelegen und fast verschlafen hatte, war der Schulunterricht nichts als eine Qual für mich. Ich vermied es mit Tara zu sprechen, aus Angst, sie würde Fragen stellen, war aber nur schwer in der Lage dem Unterricht zu folgen. Im Sportunterricht war ich so nutzlos wie eh und je und wünschte nach der ersten von zwei Stunden, ich könnte mich einfach in eine Toilette einsperren und weinen.
 Ich hatte Judo und dank meiner wunderbaren Konzentrationsfähigkeit war ich in die falsche Richtung ausgewichen und hatte nun ein blaues Auge. Einige lachten, andere sorgten sich, wieder andere schüttelten genervt den Kopf. Als ich endlich Schluss hatte, wollte ich mich nur noch in meinem Bett verkriechen und beten, dass ich einfach schlafen konnte.
 „Autsch.“, bemerkte Tara, als sie mich nach der Doppelstunde sah und deutete auf mein Auge. „Du hast da was.“
 „Ich weiß.“, entgegnete ich gereizt und machte mich mit ihr auf dem Weg. „Wir haben ein paar Techniken geübt und ich hab nicht aufgepasst.“
 „Du bist ganz schön unkonzentriert heute. Ist gestern was passiert?“
 „Ich hab schlecht geschlafen.“, wich ich der Frage aus und mied ihren Blick. „Wie war Tanzen?“
 „Aufregend. Charlie hat sich das Oberteil ausgezogen, weil ihm so heiß wurde.“ Sie biss sich auf die Unterlippe. „Das hättest du sehen sollen. Oh, ich wünschte, du hättest auch Tanzen belegt.“
 Ich seufzte schwer und legte den Kopf schräg. „Ich verzichte, danke. Ich hab schon Probleme mit Judo. Mr. Carrington sagt, ich soll zuhause im Garten üben mich rückwärts fallen zu lassen. Weißt du, wie grausam das ist? Wir müssen uns fallen lassen, rückwärts abrollen und fließend wieder auf die Beine kommen.“ Um meinen Unmut zu unterstreichen fuchtelte ich sinnlos mit den Händen herum. „Ich komm nicht mal so weit mich fallen zu lassen.“
 „Mach es doch einfach.“
 „Ich hab immer Angst, mir weh zu tun.“
 „Dann hättest du Judo nicht belegen sollen.“
 „Aber ich will etwas, das mir nützlich ist. Selbstverteidigung ist wichtig.“
 „Und jetzt hast du ein blaues Auge. Es dauert sicher eine Woche, bis der weg ist.“, bemerkte sie trocken und holte Lippgloss heraus, den sie sich auftrug. „Möchtest du auch?“
 „Nein danke. Nach zwei Minuten ist er weg.“ Ich mochte das Gefühl nicht etwas auf der Haut zu tragen.
 „Was machst du heute noch so?“
 Ich schürzte nachdenklich die Lippen. „Ich weiß nicht. Jetzt wo du es sagst...“ An der Straße angekommen blieb ich stehen und sah mich um. „Jason wollte mich heute abholen.“
 Sie blinzelte perplex. „Jason? Etwa der Jason, der dich Samstagabend nach hause gebracht hat? Dieser Jason?“
 „Ja, warum?“
 „Ooooh, läuft da was zwischen euch?“ Sie wackelte mit den Augenbrauen.
 „Nein. Wir treffen uns bloß.“
 „Glaub mir, mit Jason trifft man sich nicht einfach. Er ist wirklich heiß.“
 „Hm...“, machte ich nur und zuckte mit den Schulter.
 „Ich an deiner Stelle würde ihn mir schnappen, ehrlich.“
 „Er nimmt Drogen.“
 „Na und? Wen interessiert das?“
 Resigniert warf ich ihr einen Blick zu. „Wartest du auf jemanden?“
 „Nein, ich wollte dir nur Gesellschaft leisten, bis Jason da ist.“
 „Ah, danke.“ Ich schob die Hände in meine Hosentaschen und warf einen Blick auf mein Smartphone. Es war noch nicht ganz 16 Uhr. Wir machten immer ein wenig früher Schluss, damit wir Zeit hatten uns umzuziehen.
 „Und was haben du und Jason so vor?“
 „Weiß ich nicht.“
 „Weiß Adrian, dass ihr euch trefft?“
 „Ähm...“ Zögerlich warf ich ihr einen Blick zu. „Nein. Sag ihm bitte nichts. Am Ende nörgelt er nur wieder rum und regt sich unnötig auf.“
 „Ich will mich ja nicht einmischen, aber J ist schon ein Grund, um sich aufzuregen. Ich kenne keine Frau, die sich nicht freuen würde mit ihm auf ein Date zu gehen.“
 „Jetzt kennst du eine.“
 „Also freust du dich gar nicht?“
 „Ich weiß nicht. Er sagt immer so Sachen und... Es wird hin und wieder unangenehm.“
 „Was sagt er denn?“, fragte sie neugierig.
 „Dass ich seine Freundin sein soll.“
 Plötzlich begann sie begeistert zu quietschen und sprang auf und ab. „Jason will mit dir zusammen sein?“
 „Jetzt reg dich mal ab. Ich hab nein gesagt.“
 „Aber wieso? Er ist heiß, hat echt viel Geld und Gerüchten zu Folge soll er echt gut im Bett sein?“ Letzteres flüsterte sie übertrieben laut.
 „Wen interessiert schon wie viel Geld er hat oder wie gut er ist?“
 „Oh, mich interessiert das schon. Ich hätte wirklich nichts dagegen mal eine Nummer mit ihm zu schieben.“
 „Mmmh, viel Erfolg.“, murmelte ich nur und rollte mit den Augen.
 „Was stört dich eigentlich an ihn?“
 „Er trinkt Alkohol, nimmt Drogen und hat scheinbar ein sehr ausschweifendes Sexualleben.“
 Sie schnurrte. „Der Mann ist eine Maschine.“
 Ich seufzte nur tief und rieb mir über die Schläfe, wobei ich es vermied dem blauen Auge  nahe zu kommen.
 „Du solltest dich mehr darüber freuen mit ihm auszugehen.“
 „Ich gehe nicht mit ihm aus, wir treffen uns bloß. So als Freunde.“
 Sie rollte mit den Augen. „Wie auch immer, du solltest dich trotzdem freuen. Jason ist ein cooler Kerl. Er ist bei Partys immer dabei und bringt guten Alkohol mit. Und wenn man fragt kriegt man hin und wieder sogar ein bisschen Zeug, wenn du verstehst.“
 Ich rümpfte die Nase. „Ja. Klar. Er ist verantwortungslos. Kapiert.“
 „Du bist so ein Langweiler. Warum will er eigentlich mit dir ausgehen?“
 „Frag ihn doch. Ich wüsste es auch gern.“ Als sie daraufhin schmollte, sah ich erneut auf mein Smartphone. Er sollte jeden Moment hier sein.
 Keine Sekunde später hörte ich ein Auto, das vor uns anhielt. Ich versuchte gelassen zu bleiben, als Jason ausstieg, konnte jedoch nichts dagegen tun, dass mein Herz bei seinem Anblick begann wie wild zu klopfen. Er trug trotz der Temperaturen ein schwarzes Hemd und eine Sonnenbrille, die er abnahm, als er um das Auto herum kam.
 „Hey.“, begrüßte er mich und beugte sich herab, um mich auf die Wange zu küssen.
 „Hi.“, murmelte ich unsicher.
 „Was ist mit deinem Auge passiert?“ Vorsichtig berührte er das Hämatom. „Hat man dir weh getan?“
 „Das war ein Unfall beim Sport gerade eben.“, entgegnete ich und deutete auf meine beste Freundin. „Das hier ist Tara, wenn du dich erinnerst.“
 Er warf ihr einen kurzen Blick zu. „Ja, hi. Soll ich dir die Tasche abnehmen?“, fragte er dann und hielt mir bereits die Hand hin.
 „Wenn du willst.“, meinte ich daraufhin und gab sie ihm.
 „Ich wünsch euch dann viel Spaß bei eurem Date.“, bemerkte Tara lächelnd.
 Ich stöhnte gereizt. „Ich sagte doch, wir treffen uns bloß.“
 „Ja, ja, ja.“ Sie wedelte mit ihrer Hand und wendete sich ab. „Lasst es krachen.“
 Jason sah ihr skeptisch hinterher, ehe er auf mich herab sah. „Und sie ist eine Freundin von dir?“
 „Meine beste.“, gab ich zu.
 „Okay.“, murmelte er und schwieg einen Moment. „Wie geht’s dir?“
 „Ganz gut soweit. Ich bin nur etwas müde.“
 „Hast du schlecht geschlafen?“ Sanft schob er mich zum Auto, wo er meine Tasche auf den Rücksitz legte und mir die Beifahrertür auf hielt.
 „Konnte nicht einschlafen.“, antwortete ich und stieg ein.
 Als er wenig später hinter's Steuer stieg war ich bereits angeschnallt und beobachtete ihn dabei, wie er es sich im Sitz gemütlich machte, als wäre es das erste Mal, dass er in einem Auto saß. Dann startete er bereits den Motor.
 „Willst du dich nicht anschnallen?“, fragte ich ihn nervös.
 „Der Gurt nervt.“, entgegnete er nur und fuhr los. „Zu welchem Bücherhandel möchtest du?“
 Ich nannte ihm meine Lieblingsfiliale. „Und was hast du heute mit mir vor?“
 „Ich dachte, wir gehen spazieren und dann irgendwo was essen. Magst du Sushi?“
 „Ich esse kein Fisch.“
 „Okay.“, murmelte er, „Kein Fisch. Wie sieht's aus mit Pasta?“
 „Klingt gut.“
 „Also italienisch.“
 Obwohl er erst so wirkte, als sei er noch nie gefahren, wirkte er doch sehr souverän, als er den Wagen durch den Verkehr fädelte.
 „Und? Hast du dich an deinen Vorsatz gehalten?“
 Er warf mir einen verwirrten Blick zu.
 „Du sagtest, du nimmst nichts, ehe wir uns sehen.“
 „Ach so. Ja. Keine Drogen heute.“
 „Und Alk?“
 „Es ist erst 16 Uhr.“, bemerkte er amüsiert.
 „Es gibt Menschen, die trinken schon zum Frühstück.“
 „Stimmt, aber ich gehöre nicht dazu.“ Als er an einer Ampel hielt, die gerade auf rot geschaltet hatte, sah er wieder zu mir herüber. „Du hast das blaue Auge also vom Sport?“
 „Ja. Ich hab Judo gewählt und gehofft, es würde mir etwas nützen.“
 „Judo im Schulunterricht? Habt ihr überhaupt genug Zeit, um etwas sinnvolles zu lernen?“
 „Naja, ich kann einen Mann jetzt auf drei Arten auf den Boden werfen, wenn er reglos vor mir steht und sich nicht wehrt. Leider sieht die Realität anders aus.“
 „Wenn du willst, kann ich dir was beibringen.“
 „Kannst du denn eine Kampfsportart?“
 „Keine Techniken, nein. Aber ich brauche auch keine. Ich kann dir aber zeigen, wie du einen Gegner mit wenig Kraftaufwand kampfunfähig machst.“
 „Sowas kannst du?“
 „Ja. Ich bin mit ähm... Also, ich hab schon in jungen Jahren Probleme gehabt und kam an die falschen Leute. Da musste man lernen sich zu verteidigen. Die beste Möglichkeit ist es da manchmal den Gegner einfach auszuschalten.“
 „Hast du... Hast du schon mal jemanden... umgebracht?“
 „Nein. Ich könnte es, aber nein.“
 „Mit bloßen Händen?“
 „Es reicht eine.“
 Da fiel mein Blick auf die Hand, die er auf die Gangschaltung gelegt hatte. „Bist du Rechts- oder Linkshänder?“
 „Beidhänder.“ Als die Ampel auf grün schaltete fuhr er weiter. „Warum fragst du?“
 „Neugierde.“ Ich schürzte die Lippen. „Mit welcher Hand schreibst du?“
 „Rechts. Ich schneide aber mit Links. Bei den meisten Dingen kommt es darauf an, was praktischer ist. Wenn es egal ist, ist es ganz unterschiedlich. Wenn ich zum Beispiel einen Ball werfen muss, kommt es darauf an, in welche Richtung ich werfe. Wenn ich aber koche, ist es völlig irrelevant, welche Hand ich nehme.“
 „Verstehe.“ Ich schürzte die Lippen. „Also kannst du kochen?“
 „Ich bin kein Profi, aber ich denke, dass ich nicht schlecht bin. Wenn du mal zu Besuch bist, koche ich dir was.“
 „Klingt spannend.“, bemerkte ich ehrlich, denn ich war wirklich neugierig, wie gut er war. „Was machst du so für Sport?“
 „Also, aktiv mache ich eigentlich nichts. Zuhause hängt ein Boxsack, aber ich benutze ihn nur, um... meine Aggressionen auszulassen oder mich ein bisschen zu erschöpfen.“
 „Hast du Aggressionsprobleme?“
 „Ein wenig.“, gab er zu und warf mir noch einen kurzen Blick zu, als mache er sich Sorgen, wie ich es aufnahm. „Ich möchte, dass du weißt, was du wissen musst, um den richtigen Eindruck von mir zu bekommen.“
 „Okay.“ Das klingt vernünftig. „Ich höre.“
 „Weißt du, ich... hab nie gelernt mit meinen eigenen Emotionen umzugehen. Meine Mutter starb sehr früh und mein Vater war mir gegenüber immer sehr gleichgültig. Ich bekam einen Privatlehrer, deshalb hatte ich als Kind auch kaum Freunde und verbrachte die meiste Zeit im Haus. Ich versuchte etwas anderes als Gleichgültigkeit aus meinem Vater herauszuholen, aber das einzig andere, das ich bekam, war Wut und Ärger. Zum Totentag meiner Mutter schimpfte er mich aus. Also dachte ich, dass sei eine normale Art und Weise seine Trauer auszudrücken und so verband ich irgendwann mit jedem negativen Gefühl nur das eine.“
 „Wut?“
 „Ja.“
 „Und positive Gefühle? Bist du je glücklich?“
 Als er daraufhin auflachte, wurde ich rot. „Der Tag, an dem ich glücklich bin wird wahrscheinlich der Tag sein, an dem ich sterbe.“
Schockiert riss ich die Augen auf. „Was?“
 Er zuckte mit den Schultern. „Mein Leben hat viele dunkle Seiten, Skaisa. Das ist vielleicht der Grund, warum ich dich so mag. Du... leuchtest.“
 „Wie meinst du das?“
 „Du bist volle Gefühle. Und man sieht sie dir alle an. Dein Gesicht ist sehr ausdrucksstark.“
 „Ist das gut?“
 Er lächelte mich von der Seite an. „Mir gefällt es. Ich mag Menschen nicht, die einem nur etwas vormachen. Zu lügen bringt dich nicht voran.“
Das war tatsächlich eine Einstellung, die ich bei ihm nicht vermutet hätte. „Willst du damit sagen, dass du nicht lügst?“
 „Nicht, wenn es sich vermeiden lässt.“ Kurz darauf manövrierte er den Wagen gekonnt in eine Parklücke. „Ich hoffe, ich habe dich jetzt nicht abgeschreckt.“
 „Nein. Ich finde es gut, ehrlich zu sein. Aber es tut mir leid, dass du so aufwachsen musstest.“
 Als ich daraufhin zu ihm herüber sah, stellte ich fest, dass er erstaunt wirkte. Kannte er sowas nicht? Mitgefühl? Was auch immer der Grund für sein Staunen war, er sagte nichts weiter dazu. Stattdessen stieg er aus und ging um den Wagen herum, um mir die Tür zu öffnen, während ich Schwierigkeiten mit dem Sicherheitsgurt hatte.
 „Kriegst du ihn nicht auf?“, fragte er und beugte sich zu mir herein.
 „Ich glaub, er klemmt. Mein Shirt hängt daran fest.“
 „Lass mich mal.“
 Gehorsam nahm ich die Hände weg und hielt sie dicht an meine Brust, damit er genug Platz hatte, als er sich weiter hinein beugte und daran herumnestelte. Kurz darauf war mein Shirt mit einem Ruck frei und der Sicherheitsgurt gelöst.
 „So.“, meinte er, zog sich zurück und hielt mir die Hand hin. „Vorsicht, Bordstein.“
 Ich ließ mir von ihm helfen, einfach, weil er so nett war, und wartete bis er den Wagen abgeschlossen hatte. Dann sah ich mich um. „Hier war ich noch nie.“, bemerkte ich überrascht.
 „Ich war hier schon oft, keine Sorge.“ Sanft nahm er meine Hand und ging voran. „Der Bücherhandel ist gleich da vorn.“
 Ich überlegte kurz, ob ich ihn bitten sollte meine Hand loszulassen, warf dann aber einen Blick vor uns und fand, dass es vielleicht keine schlechte Idee war, mich an ihm festhalten zu können. „Ist das ein Markt?“ Es war ziemlich voll.
 „Ja. Der ist hier dreimal die Woche. Willst du dich umschauen?“
 „Später vielleicht.“ Dennoch sah ich mich neugierig um, als wir an den Ständen vorbei gingen. „Oh, da vorn gibt es gebrannte Mandeln!“
 Er warf mir ein kleines Lächeln zu. „Wenn du lieb bist, kaufe ich dir gleich welche.“
 „Ich bin immer lieb.“, entgegnete ich und warf ihm einen unschuldigen Blick zu.
 „Oh, meine Hand erinnert sich aber an ganz andere Sachen.“ Dann zog er mich näher und küsste die Hand, die er hielt. „Was für ein Buch möchtest du kaufen?“
 Noch etwas verdattert wegen dem Kuss brauchte ich einen Moment, um zu antworten. „Ähm, heute erscheint der neuste Band der Morgan-Reihe.“
„Worum geht’s da?“
 Er hatte wahrscheinlich nicht damit gerechnet, dass ich daraufhin anfing wie ein Wasserfall über die Story zu sprechen, wobei ich die Geschichten jedes einzelnen Bandes aufgriff und ihm erklärte, was ich so faszinierend an den Teilen fand. Überraschenderweise schien es ihm nichts auszumachen, dass ich ihm damit tot reden musste. Stattdessen... lächelte er. Er begann sogar Fragen zu stellen und wirkte wirklich interessiert. Als wir schließlich im Buchhandel waren, atmete ich entzückt den Duft der Bücher ein und ging mit federndem Schritt in die entsprechende Ecke, um das heißersehnte Buch zu finden.
 „Brauchst du sonst noch was?“, fragte Jason.
 „Ähm... Moment.“ Neugierig starrte ich auf die Rückseite, um mir den Klapptext durchzulesen. Nur wenige Sekunden später wurde ich vor Aufregung ganz hibbelig. „Nein!“, rief ich dann erstaunt aus und sprang beinahe auf und ab. „Oh mein Gott!“
 Im nächsten Moment schlang Jason die Arme um mich und lachte leise an meinem Ohr. „Worüber freust du dich so?“
„Ich hab ja erzählt, dass Henry lange von seinen Geschwistern als Verräter betrachtet wurde, weil sie die Wahrheit nicht kannten.“
 „Ja.“
 „Bei dem Ereignis damals ist eine Frau ums Leben gekommen, die ihm viel bedeutet hat und der er kurz vor dem Vorfall ein Medaillon geschenkt hat, das sie aber verlor. Er trägt es die ganze Zeit. In diesem Buch trifft er zufällig auf eine Frau, die behauptet dieses Medaillon zu kennen, weil es ihr gehöre, also entführt er sie, um herauszufinden, was sie weiß und- Ich will es unbedingt lesen!“
 Er legte die Arme etwas enger um mich, drückte mich an sich. „Was war das für ein Vorfall?“
 „Sie lebten in einem kleinen Ort voller Rebellen, die sich weigerten dem König zu folgen und sich dort versteckten. Jemand verriet das Dorf und es wurde angegriffen. Frauen und Kinder sollten eigentlich verschont werden, aber das Gebäude, in dem die Frau lebte, fing Feuer und sie verbrannte.“
 „Das klingt sehr grausam.“
 „Ja. Und da Henry an besagtem Abend nicht im Dorf war, dachten alle, dass er der Verräter sei.“ Wohlige Wärme umfing mich. „Das war fünf Jahre vor diesem Buch.“
 „Ich schenke es dir.“
 Überrascht sah ich zu ihm auf. „Was?“
 „Ich schenke es dir.“
 „Oh, das musst du nicht, wirklich.“
 „Keine Widerrede. Ich will es dir schenken. Außerdem hast du dein Geld gar nicht dabei.“
 Blinzelnd fiel mir ein, dass es sich ja in meiner Tasche befand, die noch in dem Auto lag. „Stimmt.“
 „Möchtest du noch ein anderes Buch haben?“
 Unwillkürlich ließ ich den Blick schweifen und blieb kurz darauf an einem anderen Buch hängen, das offenbar ebenfalls eine Fortsetzung war. Ich kannte die Reihe und hatte gar nicht mit einer Fortsetzung gerechnet.
 Offenbar merkte er bereits, dass ich hibbelig wurde und lachte sanft. „Na los, nimm schon.“
 „Aber ich will nicht, dass du Geld für mich ausgibst.“
 „Welches ist es?“
 Ich schmollte.
 „Skai, wenn du mir nicht sagst, welches es ist, kaufe ich das ganze Regal.“
 Sofort griff ich danach und hielt es an meine Brust. „Nur noch dieses hier, wirklich.“ Dann zog ich die Brauen zusammen. „Würdest du wirklich das ganze Regal kaufen?“
 „Jepp.“
 „Aber das wäre ziemlich teuer.“
 „Das ist mir egal. Wenn es dich glücklich macht kaufe ich die ganze Filiale.“
 Meine Augen weiteren sich. „Du hast niemals so viel Geld! Ich meine, ein ganzes Geschäft?“ Ich schüttelte den Kopf. „Das sind doch mehrere tausend Dollar.“
 „Ein Schnäppchen. Für dich würde ich's machen.“
 „Das ist zu viel. Mit dem Gedanken könnte ich nicht leben.“
 „Andere Frauen würden an die Decke gehen vor Freude.“
 „Ich bin nicht andere Frauen.“
 „Das stimmt.“
 Als ich merkte, wie er sein Gesicht an meinem Haar rieb, zog ich die Brauen zusammen. „Was machst du da?“
 „Ich genieße. Dein Haar ist so weich und es riecht gut. Es ist irgendwie seidig. Ich mag das.“
 „Danke.“ Erst da realisierte ich so richtig, dass er mich eng umschlungen hielt und spürte Hitze in mein Gesicht steigen. Offensichtlich hatte mein Verstand kein Problem damit Jason nahe zu kommen. Allerdings wusste ich noch nicht, ob das gut oder schlecht war. „Wir-wir sollten zur Kasse.“
 „Gibt es sonst kein Buch mehr, das du haben möchtest?“
 Ich warf unauffällig einen kurzen Blick hinüber zu den erotischen Büchern und dachte darüber nach, was es wohl für einen Eindruck auf ihn machen würde, wenn ich mir eins davon aussuchen würde.
 „Schau dich um so viel du willst.“
 Unsicher sah ich auf die beiden Bücher in meinen Händen herab, ehe ich vorsichtig aus seiner Umarmung trat, dann aber inne hielt. „Wärst du so nett ganz kurz hier zu warten und mir nicht hinterher zu schauen?“
 Seine Braue hob sich. „Ich soll dir nicht hinterher schauen?“ Dann legte er sich eine Hand aufs Herz. „Und den hinreißenden Anblick deines perfekten Hinterns verpassen? Du machst mich traurig.“
 Ich konnte nicht anders als amüsiert zu lachen und schlug ihm mit eines der Bücher auf den Oberarm. „Sieh nur, zwozu du mich treibst! Ich schlage dich mit den armen Büchern. Das haben sie nicht verdient.“
 „Entschuldigt bitte vielmals, ihr lieben Bücher.“, meinte er daraufhin an die beiden Exemplare, „Ich werde das in Zukunft tunlichst vermeiden. Zu meiner Verteidigung kann ich nur sagen, dass sie etwas sehr gemeines von mir verlangt. Bitte verzeiht mir.“
 Ich konnte kaum aufhören zu lachen und versuchte mein Gesicht mit einer Hand zu verstecken, da ich bereits merkte, wie ich vor Lachen rot wurde.
 „Atmen, Skaisa.“, bemerkte Jason amüsiert.
 Ich wedelte nur mit der Hand und atmete abgehakt ein, musste dann aber wieder lachen, wobei ich mir alle Mühe gab leise zu sein. Ihm war anzusehen, dass er sich darüber freute, mich zum Lachen gebracht zu haben.
 „Komm schon.“, meinte er nach einer weiteren Minute, „Die Leute gucken schon. Ich kann nicht allen erklären, wie albern ich war.“
 „Das ist deine Schuld.“, entgegnete ich und fächerte mir Luft zu, weil mir vor Lachen ganz warm geworden war.
 Als ich mich so langsam erholte, bemerkte ich, dass er mich mit einem seltsamen Blick ansah. Ganz als ob er... mich küssen wollte.
 „Wartest du dann kurz?“
 „Na gut. Aber beeil dich.“
 „Ich versuch es.“
 Damit drehte er sich um und ich ging hastig hinüber zu den erotischen Büchern, wo ich die einzelnen Reihen durchging. Als ich tatsächlich die Fortsetzung einer Reihe fand, die mir sehr gefiel, warf ich Jason einen kurzen Blick zu, der sich gerade ein paar Lesezeichen ansah. Vielleicht würde es ihm nicht auffallen. Unentschieden überflog ich den Klapptext und erinnerte mich an das Ende des letzten Bandes.
 Dann fiel es mir ein. Ich hatte ein Jahr auf genau dieses Buch gewartet. Mit einem Stöhnen sah ich auf die anderen beiden Bücher in meinen Armen. Ich wollte nicht, dass Jason dachte, dass ich die Gelegenheit ausnutzte. Allerdings wollte ich mich auch von keinem davon trennen.
 Noch immer unentschieden trug ich also alle drei Bücher zu ihm. „Ich kann mich nicht entscheiden.“, jammerte ich, woraufhin er zu mir herüber sah. Dann fiel sein Blick auf die Bücher.
 „Warum entscheiden? Nimm doch alle drei.“
 „Aber ich hab nicht so viel Geld.“
 „Ich bezahle sie dir.“
 Ich rümpfte die Nase. „Aber ich will nicht, dass du so viel Geld für mich ausgibst.“
 Er rollte mit den Augen, seufzte tief und nahm mir zwei der Bücher ab. „Dann kaufe ich die beiden eben für mich und leihe sie dir aus. Na los, lass uns zur Kasse gehen.“ Er legte noch ein Lesezeichen auf die Bücher, nahm dann meine Hand und zog mich mit sich. „Oder möchtest du noch stöbern?“
 „Nein, nein. Drei Bücher reichen.“, entgegnete ich sofort.
 An der Kasse angekommen legte er alle drei Bücher mit dem Lesezeichen auf die Theke und wartete geduldig, bis alles eingescannt war.
 „Haben Sie eine Mitgliedskarte?“, fragte die Verkäuferin freundlich.
 „Ähm...“ Fragend sah Jason mich an.
 „In meinem Portmonee.“, antwortete ich, „Aber das ist im Auto.“
 „Hmmm...“ Nachdenklich sah sie auf den Bildschirm und tippte etwas herum. „Können sie die vielleicht holen?“
 „Das würde 10 Minuten dauern.“, entgegnete Jason, „Draußen ist einiges los. Wofür ist denn die Karte?“
 „Für jeden Einkauf gibt es Punkte und mit jedem Meilenstein gibt es Boni. Ein kostenloses Buch Ihrer Wahl, permanente Rabatte, Gutscheine und kleine Geschenke.“
 „Hmmm... Geht das nicht ohne Karte?“
 „Ich bräuchte wenigstens die Kundennummer.“
 „Die kennst du nicht zufällig auswendig?“, fragte er mich.
 „Ich hab ein sehr schlechtes Zahlengedächtnis.“, entgegnete ich zerknirscht.
 Er dachte kurz nach. „Wie viele Punkte gibt denn dieser Einkauf? Lohnt sich das?“
 „Je nachdem wie viele Punkte Ihre Freundin schon gesammelt hat, kann es sich sogar ziemlich lohnen. Welchen Rang haben Sie denn?“, fragte sie mich.
 „Ich glaube 7 oder 8.“
 „Dann lohnt es sich ganz bestimmt.“
 „Okay, machen wir's so.“ Er sah zu mir. „Ich gehe kurz zum Wagen und hole dein Portmonee und du setzt dich hier hin und liest schon mal eines der Bücher. Wenn das geht, solange man sie nicht gekauft hat.“
 „Das geht, wenn man beabsichtigt sie zu kaufen.“
 „Sehr gut. Einverstanden?“
 Als er mich fragend ansah, nickte ich einfach nur hektisch, woraufhin er mir eines der Bücher gab und die Verkäuferin den Rest zur Seite legte.
 „Dann bis gleich.“, meinte er und küsste mich auf die Wange, eher er ging.
 „Einen sehr lieben Freund haben Sie da.“, bemerkte die Frau und lächelte. „Das sieht man selten heutzutage.“
 „Oh, wir sind nicht zusammen.“, entgegnete ich schnell, „Wir sind nur Freunde.“
 „Ach so? Es sah ganz so aus, tut mir leid.“
 „Nicht der Rede wert.“
 Sie lächelte sanft. „Wenn Sie möchten, können Sie sich gleich hier vorn hinsetzen.“
 „Vielen Dank.“
 Als Jason wiederkam war ich ganz vertieft in das Buch und bekam kaum mit, wie er sich neben mich an die Couch lehnte. Erst die Berührung seiner Hand an meiner Wange ließ mich aufschrecken und zu ihm aufschauen.
 „Oh! Entschuldige, ich hab dich nicht bemerkt.“
 „Kein Ding.“, entgegnete er und reichte mir mein Portmonee. „Ist das Buch gut?“
 „Und wie!“
 Es lief alles glatt an der Kasse und ich erfuhr sogar, dass ich einen Rang aufgestiegen war, womit ich einen permanenten Rabatt von 40% auf alle Bücher bekam. Mein Leserherz begann vor Freude zu weinen.
 „Hier.“, meinte Jason, als wir den Laden verließen und reichte mir das Lesezeichen, dass er soeben aus der kleinen Verpackung geschält hatte. „Ich dachte, wenn man neue Bücher kauft, gehört ein neues Lesezeichen dazu.“
 Ich sah auf das Lesezeichen herab und begann zu lächeln. Es war eins mit elastischem Band und auf dem Lesezeichen selbst stand von oben nach unten Bücher sind zum Träumen da. „Dankeschön.“, entgegnete ich daraufhin von ganzem Herzen, „Auch für die Bücher. Vielen Dank!“
 Er lächelte zurück und hielt überrascht inne, als ich mich spontan auf die Zehenspitzen stellte, um ihm einen Kuss auf die Wange zu geben. Dann stöhnte er auf. „Ich glaub, ich schenke dir jeden Tag etwas.“
 Daraufhin lachte ich amüsiert. „Nein, das darfst du nicht, sonst verliert es an Bedeutung.“
 Auch die Stunden danach stellte ich zunehmend fest, dass Jason ein wirklich toller Mann war. Er hatte Humor, war aufmerksam und zögerte nicht seine Meinung kund zu tun, wenn ihm etwas nicht passte. Er ließ beim Italiener sogar meine Pasta zurück gehen, als ich bemerkte, dass es nicht die Sorte Nudeln war, um die ich gebeten hatte. Er kümmerte sich darum, dass ich mich wohl fühlte und gab mir nicht einen Moment die Möglichkeit ihn nicht zu mögen, auch wenn er hin und wieder dezent aufdringlich wurde.
 Ich vermutete, dass er das nicht tat, um sich aufzudrängen, sondern, dass er einfach die Nähe des anderen sehr genoss, wie ich es gerne mit Menschen tat, die ich sehr gern hatte. Obwohl ich nicht mit ihm zusammen war, fühlte es sich nicht seltsam an seine Hand zu halten und es machte sogar Spaß mit ihm zu diskutieren. Er hörte mir immer geduldig zu und schien, egal was ich sagte, ehrlich interessiert.
 Um Punkt 20 Uhr, wie er versprochen hatte, stand er neben mir vor unserer Haustür. Es war das erste Mal, dass ich nicht wollte, dass ein Treffen endete. Für gewöhnlich hatte ich Menschen ziemlich schnell satt, doch mit Jason zusammen zu sein hatte überraschend viel Spaß gemacht.
 „Es war toll heute.“, hob er an, „Ich hoffe, dir hat es Spaß gemacht.“
 Ich nickte. „Ja. Ich will eigentlich noch gar nicht nach hause.“
 Erleichtert lächelte er. „Freut mich, dass du es so schön fandest. Wir können uns ja die Tage nochmal treffen und weitermachen, wo wir aufgehört haben.“
 „Wir müssen unbedingt zusammen in den Zoo!“, bat ich ihn, „Dad muss viel arbeiten und hat deshalb keine Zeit mit uns in die Nachbarstadt zu fahren.“
 „Zoo klingt gut und das Wetter ist auch schön. Wie klingt Samstag?“
 „Findet da nicht irgendwo eine Party statt?“
 Er zuckte mit den Schultern. „Die sind erst abends. Außerdem werden sie es schon überleben, wenn ich mal nicht da bin. Wir können uns ja hinterher ein paar Filme ansehen.“
 Ich lächelte begeistert. „Würdest du?“
 „Klar. Bei mir oder hier?“
 „Wir haben nicht so viele Filme.“, gab ich zu bedenken.
 „Dann schlage ich vor wir fahren zu mir, denn ich hab eine ziemlich große Sammlung und einen sehr großen Fernseher mit Surround Anlage.“
 „Dann definitiv bei dir.“ Ich piekte ihm bei diesen Worten bekräftigend in die Brust. „Und vergiss nicht, dass du für mich kochen wolltest.“
 „Stimmt.“ Er tippte sich nachdenklich an das Kinn. „Ich denke mir was gutes aus.“
 „Klingt toll.“
 „Eine letzte Frage noch.“
 „Mhm?“
 Er zögerte ein wenig. „Möchtest du dann übernachten? Ich bringe dich auch gerne abends nach hause.“
 Unsicher dachte ich darüber nach. „Ist es in Ordnung, wenn ich das spontan entscheide? Ich lege mich bei solchen Dingen ungern so lange im Voraus fest.“
 „Kein Problem. Sag mir aber bitte noch Freitag Bescheid.“
 „Geht Freitagabend?“
 „Ja.“
 „Dann... brauche ich deine Nummer.“
 „Ja, klar... Moment.“ Er holte sein Mobi hervor, tippte etwas darauf ein und hielt es mir hin. „Gib deine kurz ein, dann klingel ich dich an.
 „Okay.“, murmelte ich und tippte die Ziffern ein, ehe ich nickte. „Gut, das wars.“
 Daraufhin tippte er noch ein paar Sachen ein, ehe er wartete, bis mein Smartphone zu hören war. „Okay.“, murmelte er, legte auf und steckte sein Mobi wieder ein. „Dann lass ich dich mit deiner Beute mal allein.“
 Ich lächelte auf die Tüte in meiner Hand herab. Neben den Büchern und dem Lesezeichen hatte er mir noch die versprochenen gebrannten Mandeln und ungefähr 2000 verschiedene Sorten Pralinen zum probieren gekauft, damit ich ihm sagen konnte, welche ich am liebsten mochte.
 „Ja, das ist in der Tat ein sehr erfolgreicher Beutezug gewesen.“, bemerkte ich und sah wieder zu ihm auf.
 Er wirkte überaus zufrieden, bis sein Blick auf meinen Mund fiel. Dann atmete er tief durch, sah zu seinem Wagen zurück und fuhr sich mit der Hand durchs Haar. „Dann wünsche ich dir viel Spaß und eine gute Nacht.“, verkündete er schließlich und trat einen Schritt zurück. „Schlaf gut. Und ich hoffe deinem Auge geht es bald besser.“
 „Danke, Jason. Dir auch eine gute Nacht und süße Träume.“
 „Wenn ich Glück habe, träume ich von dir.“, entgegnete er mit einem anzüglichen Lächeln, „Bis Samstag.“
 „Bis dann.“
 Damit drehte ich mich um und trat ins Haus, wo ich nochmal zurück sah. Jason war zwei weitere Schritte zurück getreten, schaute aber immer noch zu mir. Mit einem letzten Lächeln winkte ich ihm zu und spürte ein aufgeregtes Flattern, in meinem Bauch, als er die Geste erwiderte. Dann schloss ich die Tür, atmete durch und ging fröhlich summend zum Wohnzimmer, wo ich meine Eltern reden hörte.
 „Ich bin wieder da.“, verkündete ich gut gelaunt und setzte mich auf die Couch.
 „Ah, da ist ja meine vermisste Tochter.“, bemerkte Dad amüsiert, „Was ist mit deinem Auge?“
 Hätte Jason es eben nicht noch einmal erwähnt, hätte ich es vergessen. „Ich hatte einen kleinen Unfall beim Sport.“, erklärte ich.
 „Und was hast du da mitgebracht?“, fragte Mom, „Mit wem warst du eigentlich unterwegs? Mit Adrian?“
 „Oh, nein. Mit einem Freund. Er heißt Jason.“
 „Hattet ihr ein Date?“
 Ich schüttelte den Kopf. „Nein, wir haben uns nur getroffen. Adrian wäre nicht so begeistert, wenn ich ein Date mit anderen Männern hätte.“
 „Impliziert die Wortwahl andere Männer nicht, dass Adrian auch ein Mann sein müsste?“, fragte Dad skeptisch, woraufhin Mom leise lachte.
 „Leo, sei nicht so gemein.“ Dann sah sie wieder zu mir. „Wann lernen wir denn diesen Jason kennen?“
 „Ach, ich weiß nicht. Samstag gehen wir in den Zoo und dann fahren wir zu ihm, um ein paar Filme zu schauen.“
 „Übernachtest du dann bei ihm?“, wollte Dad wissen.
 „Ich weiß noch nicht. Ich kenne ihn ja noch nicht lange. Bis Freitagabend soll ich ihm Bescheid sagen.“
 „Das klingt doch vernünftig.“, stimmte Mom zu, „Denk in Ruhe darüber nach und sag uns dann Bescheid, damit wir uns keine Sorgen machen.“
 „Mach ich.“
 „Und jetzt zeig mal, was du da hast.“
 Lächelnd begann ich die vermeintlichen Geschenke aus der Tüte zu holen.

 Am nächsten Tag pochte mein Auge ein wenig schmerzhaft, doch es war erträglich. Tara löcherte mich im Unterricht unentwegt wegen des Treffens und wollte alle Details erfahren, doch ich blieb zurückhaltend und erzählte ihr lediglich von Kleinigkeiten, wie den gebrannten Mandeln und dem Spaziergang.
Nach der Schule nahm ich sie mit zu mir da wir dieselbe Frauenärztin hatten und die Termine immer auf den selben Tag legten. Bei mir angekommen fiel ihr Blick als erstes auf die neuen Bücher und die Schokolade.
 „Oh, wow. Du hast dir ja einen richtigen Vorrat angelegt.“, bemerkte sie amüsiert und sah sich die Schokolade durch.
 „Die war ein Geschenk von ähm... Dad. Ich soll ihm sagen welche ich am liebsten mag.“
 „Wo hat er die her?“, fragte sie neugierig, „Oh, die da sind mit Marzipan! Du magst doch kein Marzipan, oder?“
 Ich trat näher und betrachtete die Schokolade. „Stimmt.“ Vorsichtig nahm ich eine davon und probierte vorsichtig, ehe ich ihr den Rest gab. „Ja, die kannst du haben, wenn du willst.“ Es sind ja nur drei Pralinen. Ich hätte sie eh nicht gegessen, also muss ich kein schlechtes Gewissen haben. Trotzdem fühlte es sich seltsam an Tara Schokolade zu geben, die Jason mir geschenkt hatte. Den Rest esse ich selbst, egal ob ich sie mag oder nicht. Der Gedanke munterte mich bereits wieder auf und ich stellte meine Tasche ab, ehe ich zu meinem Regal trat. „Welches wolltest du dir ausleihen?“
 „Hm?“ Sie sah zu mir. „Oh, ja. Ähm...“ Sie trat näher und betrachtete die Bücher. „Mist, welches hab ich denn zuletzt gelesen?“
 Ich brauchte nicht lange, um das gemeinte Buch zu finden und tippte darauf. „Hier. Sidney und Carter.“
 „Stimmt. Du erinnerst dich wirklich an alles, was?“
 „Wenn das nur so wäre.“ Erst heute Morgen hätte ich fast vergessen einen BH anzuziehen. Das war mir immer noch peinlich, obwohl es niemand erfahren hatte. „Das hier ist dann das nächste.“ Ich gab ihr das Buch daneben, woraufhin sie mich dankbar anlächelte, das Buch herausholte, dass ich ihr zuletzt geliehen hatte und das andere einsteckte.
 „Jetzt erzähl mir mehr über dein Treffen mit Jason.“, bohrte sie weiter nach und sah zu den Büchern. „Hat er dir die gekauft?“
 Ich zögerte kurz. „Ja. Ich hatte nur Geld für ein Buch und das war auch noch im Auto, also...“ Mit einem tiefen Seufzer zuckte ich mit den Schultern. „Er ist... nett.“
 „Hat er dir alle drei gekauft?“
 „Also, offiziell gehören zwei davon ihm und er leiht sie mir, aber ja. Er hat sie gekauft.“
 „Das ist aufmerksam.“ Sie warf mir einen bedeutungsvollen Blick zu. „Adrian würde das bestimmt nicht machen.“
 „Rian hat dafür auch nicht das Geld.“ Er gab es lieber für andere Dinge aus.
 „Hat er dir eigentlich mal was geschenkt?“
 „Ja, zu meinem Geburtstag.“ Ich ließ mich auf mein Bett sinken. „Reizunterwäsche.“
 Sie machte große Augen. „Ernsthaft? Sieht sie hübsch aus?“
 „Sie ist... gelinde gesagt... gewagt. Ich meine, die wichtigsten Stellen liegen offen. Warum trägt man sowas?“
 „Das sagt doch das Wort Reizunterwäsche schon aus. Es soll den Partner reizen.“
 „Ich fühl mich damit entblößter, als wenn ich nichts tragen würde.“, gab ich zu, „Dazu gehören auch so Netzstrümpfe und das Oberteil ist aus Spitze. Man kann es schnüren und hat so Stäbe, die echt unangenehm in das Becken drücken.“
 „Wer schön sei will muss leiden, Skai.“
 „Ich bin dann wirklich lieber nicht schön. Ich sehe keinen Sinn darin mich für Dinge zu quälen, wenn man mich doch einfach mögen kann wie ich bin.“
 „Du hast so eine naive romantische Art zu denken, weißt du das?“ Sie tätschelte mir den Kopf. „Aber so ist die Realität nicht. Ich hoffe das weißt du.“
 „Ja, ich weiß. Ich sterbe Kinderlos und unverheiratet ohne zu wissen wie es sich anfühlt wirklich von einem Mann geliebt zu werden.“ Ich seufzte tief. „Aber immerhin bin ich ehrlich zu mir selbst. Ich genieße das Leben.“
 „Wirklich? Du verbringst fast die ganze Zeit in deinem Zimmer.“
 „Oh, ich liebe es hier. Wirklich. Die Bücher zu lesen, Bücher zu schreiben. Eigentlich will ich gar nichts anderes tun als lesen und schreiben.“
 „So funktioniert das Leben nicht.“
 „Ich weiß.“
 „Und was willst du stattdessen machen?“
 „Ich habe nicht die geringste Ahnung, Tara.“
 „Hmmm...“ Sie presste die Lippen aufeinander. „Vielleicht solltest du was wie deine Mutter machen. Was arbeitet sie nochmal?“
 „Sie ist Friseuse.“
 „Oh. Das erklärt, warum deine Haare immer so hübsch sind.“
 „Danke.“, murmelte ich und sackte etwas zusammen.
 „Und wenn du... keine Ahnung... etwas mit Mathe machst?“
 „Ich versage in Mathe gerade auf ganzer Linie.“
 „Aber du warst letztes Jahr doch noch eine 1er-Schülerin.“
 „Das war bevor wir die neue Lehrerin bekommen haben, die jedes Thema innerhalb einer Woche durchnimmt.“ Frustriert ließ ich mich auf den Rücken fallen und sah an die Decke. „Ich hab ja noch ein paar Jahre Zeit mich zu entscheiden. Vier oder so.“
 „Vier? Was willst du in deinem Alter denn noch machen, bevor du arbeitest?“
 „Erst mal habe ich noch drei Jahre Highschool vor mir.“
 „Du bist schon 17.“, bemerkte Tara überrascht, „Das ist mir bis eben nie so richtig klar geworden. Warum bist du zwei Jahre älter als der Durchschnitt?“
 „Ich bin hängen geblieben.“, antwortete ich nur wage und vermied die Gründe. „Ich glaub, wir müssen gleich los.“
 „Ja, stimmt. Du hast diesmal vor mir den Termin, oder?“
 „Ja. Soll ich warten?“
 „Nein, passt schon. Ich bin danach mit Lush verabredet?“
 „Mit wem?“
 „Lush.“
 „Wer hat denn so einen Namen?“
 Sie lächelte schräg. „Er ist cool, wirklich. Würde es dich eigentlich stören, wenn ich mich an Jason ran mache?“
 „Warum sollte es mich stören?“, fragte ich zurück und sah sie verwirrt an.
 „Naja, ihr habt doch was.“
 Genervt stöhnte ich auf und sprang vom Bett, um mich fertig zu machen. „Haben wir nicht, das sage ich dir schon den ganzen Tag. Wir waren spazieren, haben was gegessen und-“
 „Und er hat dir Geschenke gemacht und Samstag habt ihr wieder ein Date.“
 Perplex sah ich sie an. „Woher weißt du von Samstag?“
 „Ich hab eine SMS von jemandem bekommen, dass es Samstag nicht meinen Lieblings-Vodka gibt.“ Schmollend schob sie die Unterlippe vor. „Musst du ihn ausgerechnet an einem Samstag treffen? Und was macht ihr, dass er nicht zur Party kommt?“
 „Nichts großartiges, wir-“
 „Treffen uns nur?“
 „Ja!“
 Sie rollte mit den Augen, folgte mir aber hinunter. „Er hat noch nie eine Party verpasst, seit er dabei ist. Noch nie. Also erzähl mir nicht, da würde nichts laufen.“
„Aber da läuft nichts, Tara. Meinst du nicht, es würde mich sonst stören, wenn du mich fragst, ob du dich an ihn ran machen kannst?“ Als ich es jetzt so aussprach bemerkte ich tatsächlich einen kleinen Stich der Eifersucht, ignorierte es aber einfach.
 „Bist du ganz sicher?“
 „Ja!“
 „Na gut.“ Sie schürzte die Lippen. „Aber er ist Samstag nicht auf der Party.“ Einen Moment zögerte sie, ehe sie mich mit bittenden Augen ansah. „Kannst du nicht absagen?“
 „Was- Nein!“
 „Oh, bitte!“
 „Nein. Frag ihn doch Sonntag. Oder Freitag. Ist Freitag nicht auch irgendwo eine Party?“
 „Die wurde abgesagt.“, entgegnete sie weinerlich, „Außerdem hatte ich gehofft, dass du mir Freitag mit Latein hilfst.“
Ich stöhnte frustriert auf. „Ich helfe dir gerne, aber ich habe mit ihm schon alles durchgesprochen, wegen Samstag. Ich wüsste gar nicht, was ich machen soll, wenn ich absage.“
 „Oh, bitte, Skaisa. Bitte bitte bitte.“
 Es nagte an mir, dass ich weiterhin nein sagen wollte. Andererseits, vielleicht störte es ihn ja gar nicht. Dann erinnerte ich mich an den Blick, den er mir zugeworfen hatte, als wir uns verabschiedet hatte.
 Na gut, es würde ihn vielleicht doch stören. Allerdings wollte Tara ihn offenbar sehr gerne um ein Date bitten. „Frag ihn doch Sonntag. Ihr könnt ja dann was am Montag machen.“
 Sie murrte daraufhin, bis wir zur Tür heraus traten und schmollte, schwieg aber glücklicherweise auch. Wenn sie so weiter gemacht hätte, wäre ich wahrscheinlich irgendwann doch noch eingeknickt. Wenig später holte sie ihr Handy heraus, weil sie eine Nachricht bekam und ihr Gesicht hellte sich auf.
 „Oh, sieht so aus, als hätte ich Freitag doch keine Zeit.“, bemerkte sie, „Können wir stattdessen morgen lernen? Wir schreiben Montag einen Test, weißt du.“
 „Einen Test? Bist du sicher, dass morgen da reichen wird?“
 „Ja, ganz sicher, wirklich.“
 Ich hatte so meine Zweifel.

















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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Sa 5 Mai 2018 - 2:45

Kapitel 5

 Freitagabend ließ ich mich mit einem Stöhnen ins Bett fallen. Obwohl ich Dienstag viel unterwegs war, ist heute definitiv der anstrengendste Tag der Woche gewesen. Gestern hatte ich den ganzen Tag mit Tara über Latein gehangen, bis sie eingesehen hatte, dass sie doch noch einen Tag zum lernen benötigte, also hatte sie ihrem Freund, den sie eigentlich hatte treffen wollen – ein Kerl namens Gerard, oder so – abgesagt, um vorbeizukommen. Mom hatte uns leckere Snacks gebracht und alles in allem war ich wohl sehr erfolgreich mit meinem Lateinunterricht, allerdings gehörte Tara zu der Art Mensch, die überhaupt kein Gefühl für Sprachen hatte und die meiste Zeit nicht wusste, was sie überhaupt tun sollte. Sie hatte schon Probleme damit, dass feminine Worte auf a endeten.
 Als nun mein Smartphone vibrierte stöhnte ich auf, enttäuscht, dass meine Ruhe unterbrochen wurde, und griff nach dem kleinen Gerät, in der Hoffnung, es sei nicht Tara.

 Jason: Hey, Schönheit. Ich hoffe, ich störe dich nicht.

 Ein kleines Lächeln stahl sich in mein Gesicht.

 Skaisa: Du störst nicht. Hab endlich meinen wohlverdienten Feierabend.
 Jason: Hast du einen Job?
 Skaisa: Ich hab Tara Nachhilfe gegeben.
 Jason: Ich wusste doch, dass du ein Streber bist.

 Ich lachte überrascht auf und tippte eifrig eine Antwort.

 Skaisa: Ich bin kein Streber! Es ist nun wirklich nicht schwer in Latein besser zu sein als Tara.
 Jason: Latein auch noch? Doppel-Streber!
 Skaisa: *schmoll* Ich kann eben gut mit Sprachen. Gibt es einen Grund, warum du schreibst?
 Jason: Ich wollte dich fragen, ob du dich schon wegen morgen entschieden hast. Übernachtest du bei mir oder soll ich dich dann nach hause fahren?

 Nachdenklich betrachtete ich die Frage ein paar Sekunden, ehe ich auf mein Bett sah. Für gewöhnlich schlief ich eigentlich ziemlich ungern woanders. Zuhause fühlte ich mich sicher und geborgen. Andererseits kannte ich mich und wusste, wenn ich mich entspannte und es spät wurde, hatte ich wenig Lust noch irgendwohin zu fahren.

 Skaisa: Na gut. Aber wehe, du fängst an mich zu befummeln.
 Jason: Ich bleibe brav.
 Ein paar Sekunden später: Schläfst du eigentlich angezogen oder nackt?

 Ich verschluckte mich an meiner eigenen Spucke und brauchte eine Weile, um mich wieder einzukriegen.

 Skaisa: Also, wie auch immer ich schlafe, wenn ich zuhause bin – wenn ich bei dir übernachte, ziehe ich mir definitiv ein Shirt und eine Shorts an!
 Jason: Heiß. Wie wäre es, wenn du eins meiner Shirts tragen würdest?
 Skaisa: die wärrn doch fiel zugroß.
 Jason: Du machst ja Fehler! Wirst du nervös?

 „Grrr...“, machte ich daraufhin und klopfte mir mit der Hand auf die Wange. „Blödes Handy! Ich hab einfach zu fette Finger.“ Hatte ich nicht, aber ich tat gerne so, als hätte ich welche, damit ich eine Pseudo-Ausrede hatte, wenn ich mich vertippte.

 Skaisa: Ich bin etwas erschöpft vom Tag.
 Jason: Na gut, dann quäle ich dich nicht weiter. Was hast du an?
 Skaisa: Jason!
 Jason: Okay, okay, du hast gewonnen. Wann soll ich dich morgen abholen? Wir brauchen etwa eine halbe Stunde mit dem Auto.
 Skaisa: Wie klingt 10 Uhr?
 Jason: Ich werde da sein. Jetzt schlaf schön und träum süß.
 Skaisa: Vielen Dank, Mr. … Wie ist eigentlich dein Nachname?
 Jason: Whitaker. Und deiner?
 Skaisa: Misullis. Ich sag dir noch, wie man das richtig ausspricht. Also dann... Vielen Dank, Mr. Whitaker. Schlaf du auch schön. Gute Nacht.
 Jason: Gute Nacht. Träum von mir.

 Dümmlich vor mich hin grinsend hängte ich das Smartphone an mein Ladekabel, ehe ich nochmal hinunter ging. Mom und Dad schauten sich gerade noch eine romantische Komödie an, aber wie es aussah, gab es eine Werbepause.
 „Hey, Skai. Wolltest du nicht schlafen?“, fragte Mom überrascht.
 „Ja, ich gehe auch gleich ins Bett. Ich hab nur noch eben mit Jason gesprochen und mit ihm ausgemacht, dass ich dann morgen bei ihm übernachte.“
 „Okay. Wann holt er dich ab?“
 „Um 10.“
 „Soll ich euch ein paar Snacks vorbereiten?“
 „Oh, das wäre lieb von dir Mom. Deine Sandwiches sind die besten!“
 Sie lächelte erfreut. „Danke, mein Schatz. Dann geh jetzt schlafen.“
 „Mach ich. Gute Nacht, Mom. Nacht, Dad.“
 „Nacht, Liebes.“, antwortete Dad mit einem warmen Lächeln, ehe ich wieder hinauf ging.
 Da ich wusste, dass ich es vergaß, wenn ich es nicht sofort tat, packte ich bereits meinen Rucksack für den nächsten Tag, ehe ich mich für's Bett fertig machte und schlafen ging.

 Mein Wecker klingelte um 9:30 Uhr, damit ich etwas Zeit hatte. Für gewöhnlich reichten mir 15 Minuten, um mich fertig zu machen, aber heute würde es wahrscheinlich etwas länger dauern. Ich zog mir etwas gemütliches an, das nicht zu lang war und packte, zur Sicherheit, einen kleinen kompakten Regenschirm ein. Die Sonne schien bereits die ganze Woche und ich war mir sicher, dass es bald regnen würde.
 Mit der fertig gepackten Tasche ging ich dann hinunter und blieb an der Küche überrascht stehen, als ich Jason bereits am Tisch sitzen sah.
 „Guten Morgen, Skai.“, begrüßte mich Dad, der gerade ebenfalls herunter kam.
 „Morgen, Dad.“
 „Ich hab deinen Freund vor der Tür gefunden, als er vor einer Viertelstunde ankam. Hat wohl die Klingel nicht gefunden.“
 Jason räusperte sich. „Ich wollte nicht zu früh da sein und habe gewartet.“, entgegnete er, ehe er mich kurz musterte. Dann warf er meinem Vater einen kurzen Blick zu. „Bist du schon fertig?“, fragte er mich dann.
 „Oh, ähm...“ Ich sah auf meine Tasche herab. „Ich glaube, ich hab alles eingepackt.“
 „Regenschirm?“, fragte Mom am Küchentresen.
 „Ja.“
 „Wechselkleidung?“
 „Ja.“
 „Zahnbürste?“
 Nachdenklich zog ich die Brauen zusammen. „Ich... glaube schon.“, entgegnete ich, ging dann aber doch nochmal ins Bad, um sicher zu sein. Kurz darauf kam ich zurück und steckte sie hastig ein. „Jap.“
 Im nächsten Moment hielt sie mir bereits eine Dose hin. „Snacks.“
 „Danke, Mom.“
 „Und etwas zu trinken solltest du mitnehmen.“, bemerkte Dad, „Es ist echt heiß heute.“
 „Ich hoffe, es regnet bald.“, bemerkte ich und nahm mir zwei kleine Flaschen Wasser. „Haben wir noch Ananas?“
 „Die ist leider aus. Deine Mutter hatte gestern eine ihrer Heißhungerattacken.“
 „Leo!“, lachte Mom tadelnd.
 „Lüge ich etwa?“, fragte er neckisch und zog sie für einen Kuss an sich.
 „Iiih, macht das bitte, wenn ich weg bin!“, rief ich dazwischen, lächelte aber.
 „Na, auf die zwei Minuten kommt es doch auch nicht mehr an.“, entgegnete Dad amüsiert.
 „Hast du Taschentücher dabei?“, fragte Mom weiter.
 „Ja.“
 „Pflaster?“
 Da hob ich einen Finger. „Die sind mir ausgegangen.“
 „Was, schon wieder?“, fragte Dad überrascht, „Kind, was machst du immer?“
 „Ich will eben nicht, dass meine Wunden sich entzünden.“
 Er rollte belustigt mit den Augen und küsste mich im Vorbeigehen auf die Stirn. „Ich hol dir welche.“
 „Danke.“
 Die ganze Zeit saß Jason einfach nur geduldig am Tisch und hielt sich die Hand vor den Mund, als würde er das alles sehr genießen.
 „Möchtest du noch wenigstens einen Apfel bevor du gehst?“, fragte Mom nebenbei, „Ihr seid ja eine Weile mit dem Auto unterwegs, wenn ich das richtig verstanden habe.“
 Nachdenklich fuhr ich mir mit der Hand über den Bauch. „Ich glaub nicht, danke. Ich will nicht, dass mir noch schlecht wird, oder so.“
 „Wird dir bei Autofahrten schlecht?“, fragte Jason daraufhin.
 „Nicht bei Autofahrten generell. Nur, wenn es sehr früh am morgen ist und ich etwas gegessen habe. Und da ich gerade aufgestanden bin...“
 „Hier sind sie.“ Dad erschien neben mir und hielt mir ein kleines Päckchen hin. „Drei Größen, von jeden vier.“
 „Danke, Dad.“
 „Aber nicht alle auf einmal verbrauchen.“
 „Keine Sorge.“
 „Es ist auch eine kleine Rolle Pflasterstreifen dabei.“
 „Perfekt.“ Ich steckte sie in das Fach, in der ich meine Pflaster immer aufbewahrte.
 „Oh, was ist mit deinem Eisen?“, bemerkte Mom, „Und deine Pille.“
 „Alles schon eingesteckt.“, entgegnete ich und klopfte vorn auf das kleine Fach.
 „Dann hast du alles, denke ich.“
 „Sehr gut.“
 Jason stand auf, trat zu mir herüber und nahm mir sanft die Tasche ab. „Dann können wir?“
 „Ja.“ Ich gab meinen Eltern einen Kuss auf die Wange. „Ich bin morgen Mittag wieder da.“
 „Nachmittag.“, korrigierte Jason, „Ich bringe sie um 14 Uhr zurück.“
 „Pass auf sie auf.“, ermahnte ihn Dad.
 „Das mache ich, Sir.“
 „Und behalte deine Hände bei dir. Sie ist vergeben.“
 „Das weiß ich, Sir.“ Er lächelte schräg. „Vielen Dank, dass ich Ihre Tochter bis morgen haben darf.“
 Dad seufzte, ehe er zu Mom sah. „Warum klingt das so, als hätte ich irgendwas falsches getan?“
 Um nicht zu lachen hielt ich mir die Hand vor den Mund. „Bis morgen.“
 „Bis dann. Viel Spaß.“
 „Mach Fotos!“, rief Mom mir noch nach.
 „Mach ich!“
 Dann fiel die Tür hinter mir ins Schloss und Jason atmete erleichtert auf, sagte aber erst was, als wir ein paar Meter gegangen waren.
 „Du sieht toll aus heute.“ Er küsste mich auf die Wange. „Ich hatte Angst, dein Vater würde mich raus werfen, wenn ich dich vor seinen Augen auf die Wange küsse.“
 „Ach nein. Er weiß ja, dass ich glücklich mit Adrian bin.“
 „Bist du?“
 Ich rollte mit den Augen und stieg mit ihm in den Wagen. „Aber danke für dein Kompliment.“
 „Ich bin nur ehrlich.“, entgegnete er und fuhr an, wobei er mir noch einen Blick zuwarf. „Was meinte deine Mutter eigentlich mit deinem Eisen?“
 Ich seufzte tief. „Ich nehme Eisenpräparate. Mein Körper hat Probleme damit Eisen durch Nahrung aufzunehmen, also brauche ich eine Ergänzung.“
 „Ach so? Und was passiert, wenn man zu wenig Eisen hat?“
 „Im schlimmsten Falle stirbst du. Der Körper benötigt Eisen unter anderem um rote Blutkörperchen zu produzieren und die sind dafür zuständig den Sauerstoff zu transportieren.“
 „Okay.“
 „Wenn man nun, wie eine Frau, regelmäßig blutet, muss der Körper regelmäßig sehr viele rote Blutkörperchen produzieren. Es gibt deshalb viele Frauen, die an Eisenmangel leiden.“
 „Was gibt es für Symptome? Also, wenn man mal davon ausgeht, das man nicht stirbt.“
 „Man wird sehr träge, vergesslich und müde. Langfristig werden auch Haare und Nägel dünner.“ Ich warf einen Blick auf meine Hände. „Meine Nägel waren schon immer sehr dünn.“
 „Und wie hat man rausgefunden, dass dir Eisen fehlt?“
 „Ganz zufällig. Ich war vor ein paar Jahren bei meinem Arzt und ließ ein Blutbild machen, weil ich Krank war und er herausfinden wollte, was ich habe. Dabei bemerkte er dann, dass mein Eisenwert sehr niedrig war. Ich hab immer gedacht ich wäre einfach sehr vergesslich und würde mich zu wenig bewegen.“ Ich rieb mir über den Oberarm. „Ich lasse den Wert alle halbe Jahre überprüfen.“
 „Das klingt vernünftig. Nicht, dass dir noch etwas passiert.“
 Ich lächelte schräg.
 „Und was hat es mit dieser Übelkeit auf sich, wenn du frühstückst?“
 „Oh, ich habe keine Ahnung. Mir wird einfach schlecht, wenn ich frühstücke und dann irgendwo hin gehe.“
 „Das klingt nicht gesund.“
 „Ja, aber ich kann damit gut leben. Ich esse generell nicht so viel.“
 „Das klingt ebenfalls nicht gesund.“, entgegnete er amüsiert.
 „Sagt der Mann, der Drogen nimmt.“
 „Ich bekenne mich als schuldig im Sinne der Anklage.“
 So unterhielten wir uns weiter, bis wir den Zoo erreichten und er den Eintritt bezahlte. Wir diskutierten einen Moment darüber, wer von uns beiden meine Karten zahlen sollte, bis er schließlich sagte, dass er sofort mit mir zurück fahren würde, wenn er die Karte nicht zahlen dürfe, also ließ ich ihn schmollend gewähren.
 Keine zehn Minuten später stand ich bereits am ersten Gehege und machte ein Foto von einem Braunbären, der an einem großen Eisklotz leckte, in dem Fische eingefroren waren. Jason machte sich über fast jedes Tier lustig, das wir sahen, woraufhin ich jedes einzelne vehement verteidigte und ihn dazu zwang sich bei dem Tier zu entschuldigen. Als wir gegen 14 Uhr das Raubtiergehege erreichten, schlug meine Begeisterung in pure Aufregung um.
 „Oh mein Gott, sie haben Tigerbabys!“, rief ich aus und packte Jason am Arm, um ihn zu schütteln. „Sieh nur, Jason!“
 „Ich seh's ja.“, entgegnete er belustigt.
 „Oh, sie sind so süß. Schau her, kleines Bébé!“
 „Bébé?“, hakte er nach, „Ist das nicht Französisch, für Baby?“
 Ich warf ihm nur ein Lächeln zu, ehe ich begann dutzende Fotos von den Miniaturausgaben eines Tigers zu machen. „Oh, du glaubst gar nicht, was ich alles dafür geben würde so ein Tier mal streicheln zu dürfen.“
 „Hmmm...“ Nachdenklich sah er auf mich herab, woraufhin ich eine Braue hob.
 „Was?“
 „Angenommen... Angenommen, ich könnte so etwas arrangieren-“ Er unterbrach sich selbst, als er meine Reaktion sah. „He, du musst ja nicht gleich hyperventilieren.“, lachte er amüsiert.
 „Ka-Kannst du das?“, fragte ich daraufhin, „Sowas arrangieren, meine ich.“
 Er hob eine Schulter. „Nun, mit der richtigen Motivation würde ich schauen, was sich machen ließe.“
 Meine Augen weiteten sich und ich sah auf das Tigerbaby herab, das in meiner Nähe am Gitter des Geheges schnupperte. „Also, wenn du das wirklich schaffst...“ Zu gerne würde ich ihm einen Kuss anbieten, damit er es wirklich versuchte, allerdings hatte ich Angst davor, was passierte, wenn er es wirklich schaffte. Natürlich hätte er sich den Kuss dann verdient...  Wahrscheinlich würde ich mich sofort an seinen Hals werfen... „Hmmm...“
 „Wie wäre es, wenn wir dann zusammen in meinem Bett schlafen würde.“, schlug er vor.
 Ich blinzelte überrascht. Tatsächlich hätte ich eher damit gerechnet, dass er von sich aus einen Kuss vorschlug oder etwas anderes sexuelles, aber mit ihm im Bett zu schlafen war so... harmlos. „Okay.“, murmelte ich. Eigentlich hatte ich das eh vor, aber wenn er es als Belohnung betrachten will...
 Mit einem schrägen Lächeln bedeutete er mich zu warten und ging zu einer Pflegerin. Unruhig beobachtete ich, wie sie sich unterhielten und die Frau ein Mobi hervor holte, um zu telefonieren, als wäre sie die Vermittlung zwischen Jason und jemand anderen. Kurz darauf zuckte sie schließlich mit den Schultern, woraufhin Jason irgendwas sagte, dass sie weiter gab und... Plötzlich weiteten sich ihre Augen und sie nickte einige Male, ehe sie auflegte und Jason mich zu sich winkte.
 Mein Herz begann wie verrückt vor Erwartung zu pochen, als er mich an der Hand nahm und wir der Frau über einen Weg, der mit einem Schild, auf dem Nur für Personal stand, abgesperrt war, durch einer Tür folgten, auf der dasselbe stand.
 „Ich denke, der Untersuchungsraum eignet sich dafür am besten.“, bemerkte die Frau und führte uns in einen Raum mit einer leeren metallenen Liege. „Wartet kurz hier, ich schau mal, ob ich einen einfangen kann, ohne, dass die Mutter was merkt.“
 „Vielen Dank.“, entgegnete Jason freundlich.
 Sobald sie gegangen war, sah ich mit großen Augen zu ihm auf. „Was hast du ihr gesagt?“, wollte ich wissen.
 „Nur, dass mein Vater in den letzten Jahren einige große Summen gespendet hat.“
 „Verdammt seien die wohlhabenden mit ihren erkauften Rechten.“, jammerte ich.
 „Hey, jetzt kennst du einen, der dafür sorgt, dass du dieselben Rechte hast.“
 „Ja, aber ich fühle mich unwohl dabei dich dafür auszunutzen.“
 „Ich kriege doch was dafür.“, entgegnete er.
 Einen Moment zögerte ich. „Ehrlich gesagt bin ich von Anfang an davon ausgegangen, dass wir im selben Bett schlafen würden. Deshalb hatte ich kein Problem damit, dass du das als Belohnung aussuchen würdest.“
 „Wirklich?“
 „Ja.“
 Er schürzte die Lippen. „Jetzt fühl ich mich ein bisschen übers Ohr gehauen.“
 Ich lachte amüsiert auf und sah zu der Tür, die wohl zum Gehege führte, als die Frau wieder herein kam. Diesmal hielt sie eines der Tigerbabys auf dem Arm.
 „So, das hier ist Thunder.“, stellte sie das Kleine vor und kam näher. „Ein Weibchen. Sie ist erst sieben Wochen alt.“
 Unwillkürlich kam mir ein entzücktes Geräusch über die Lippen. „Darf ich- Darf ich sie streicheln?“
 „Natürlich. Machen Sie nur.“
 Vorsichtig hielt ich der kleinen Thunder meine Hand hin, damit sie meine Witterung aufnehmen konnte, ehe ich sachte ihr Fell berührte. Im nächsten Moment begann ich aufgeregt zu zappeln.
 „Das Fell ist so weich!“ Dann sah ich zu Jason. „Ich streichle gerade ein Tigerbaby!“
 Er lächelte und freute sich offensichtlich für mich.
 „Wenn Sie möchten, können Sie sie auch auf den Arm nehmen.“, bot die Pflegerin an.
 „Wirklich? Also, so wirklich?“
 „Natürlich.“
 Also nahm ich Thunder vorsichtig entgegen und lächelte begeistert, als sie ihren Kopf an meiner Schulter rieb. Mein Herz zerfloss regelrecht vor Entzücken und ich hatte das Gefühl jeden Moment vor Freude kollabieren zu müssen. Ich konnte nicht anders, als das Gesicht an das weiche Fell zu schmiegen und Jason hingerissen anzuschauen.
 „Ein Tigerbaby!“, hauchte ich atemlos.
 Dieser hatte sein Mobi herausgeholt und schien das alles gerade aufzunehmen.
 „Ich will sie gar nicht mehr loslassen.“, bemerkte ich einige Minuten später und streichelte das Tier liebevoll.
 „Sie scheint Sie auch sehr zu mögen. Sie ist ganz ruhig.“
 „Wenn ich könnte würde ich sie am liebsten mit nach hause nehmen. Aber ich denke, das wäre unzumutbar für das Tier.“
 „Oh ja. Sie könnten ihr Pate werden, wenn Sie wollen.“
 „Gehen damit nicht Verpflichtungen einher?“
 „Das stimmt.“
 Ich zögerte. „Ich glaub, dann muss ich leider ablehnen. Ich komme nicht aus der Stadt und wäre Jason nicht, könnte ich heute nicht einmal hier sein.“
 „Verstehe. Schade eigentlich.“
 „Ja.“
 Ich hielt das kleine Fellknäuel noch eine Weile fest und streichelte ihr einfach nur übers Fell, kraulte sie hinterm Ohr und unter dem Kinn, bis ich sie schließlich wieder abgeben musste.
 „Das war so schön.“, hob ich an, als die Pflegerin den Raum verließ, und legte mir die Hände an die Wangen, als ich zu Jason aufsah. „Wirklich, Jason... Danke.“
 „Du warst ganz aus dem Häuschen.“, bemerkte er, „Ich hab mir schon gedacht, dass du dich freuen würdest, aber mit so einer Reaktion hab ich dann doch nicht gerechnet.“
 „Das war einer meiner Herzenswünsche. Ich hätte nie auch nur gewagt daran zu glauben, dass ich irgendwann mal ein Tigerjunges streicheln oder gar in den Armen halten würde. Ein Tigerjunges, Jason!“
 Er streichelte mit über die Schläfe. „Du bist echt schön, wenn du dich freust.“, bemerkte er und lächelte mich hinreißend an.
 Im nächsten Moment warf ich mich ihm bereits an den Hals und drückte ihm meine Lippen auf den Mund, woraufhin er überrumpelt ganz still hielt. Es war kein leidenschaftlicher Kuss, bei dem man sich die Zunge in den Hals schob. Es war eher ein zarter, leichter Kuss, bei dem ich immer wieder seinen Mund berührte, mich immer wieder bei ihm bedankte.
 Nach ein paar Sekunden und etwa zweitausend kleinen Küssen entspannte er sich etwas, beugte sich ein wenig herab, damit ich ihn besser erreichen konnte, und erwiderte die Küsse. Gerade so weit, dass ich spürte, dass er es mochte, es wollte, er aber nicht die Führung übernahm.
 „Ich könnte dich dafür stundenlang so küssen.“, bemerkte ich irgendwann.
 „Du darfst gerne so lange weiter machen, wie du willst.“, entgegnete er hingerissen und rieb seine Nase an meiner.
 Mit einem bedauerlichen Seufzen löste ich mich von ihm. „Fast schon schade, dass du nicht mein Typ Mann bist.“
 Er stöhnte auf, als habe er das völlig vergessen. „Warum hast du einen verdammten Freund?“
 „Weil ich ihn liebe?“
 „Wenn das wirklich Liebe ist, sollte ich vielleicht eine Beziehung mit einem Kaktus eingehen.“
 „He.“, beschwerte ich mich, „Adrian ist kein... Kaktus.“
 „Ich freue mich irgendwie auf den Tag, an dem du merkst, dass er doch einer ist.“
 Tatsächlich wusste ich es.
 „Wahrscheinlich weißt du es schon.“
 Aber ich verdrängte es.
 „Aber du verdrängst es einfach.“
 Kann er jetzt Gedanken hören? Nachdenklich sah ich zu ihm auf.
 „Was?“
 „Ach nichts.“, entgegnete ich.
 Als die Pflegerin zurück kam, brachte sie uns zurück zum eigentlichen Weg und verabschiedete sich freundlich. Jason warf unterdessen einen Blick in den Himmel.
 „Sagtest du nicht heute Morgen, du wünschst dir, dass es bald regnet?“, fragte er dabei.
 „Ja, warum?“
 „Sieht so aus, als würde es gleich anfangen.“
 Wenige Sekunden später fielen bereits die ersten Tropfen.
 „Na komm, lass uns gehen. Ich glaube, eine Kuschelrunde mit einem Tierbaby reicht für heute. Nicht, das Adrian noch eifersüchtig wird, weil du dich so viel bei mir bedankst.“
 Röte bedeckte meine Wangen. „Sag ihm ja nichts davon!“
 „Du kannst meine Lippen ja mit deinen versiegeln.“ Er wackelte anzüglich mit den Brauen.
 „Nein.“, entgegnete ich, „Das eben war... einmalig. Wie der Schmuseakt mit Thunder.“ Leider. Ich kuschelte gern mit dem kleinen Tiger.
 Als der Regen stärker wurde, holte ich hastig den Regenschirm heraus, woraufhin wir uns zu zweit darunter zwangen und den Weg zum Auto so schnell es ging hinter uns brachten. Dort angekommen hielt er mir die Beifahrertür auf und hielt für mich den Schirm, ehe er den Wagen umrundete, einstieg und den Schirm auf die Rückbank warf.
 „Jetzt werden die Sitze ganz nass.“, bemerkte ich mit einem Blick nach hinten und griff nach dem Schirm, um ihn zusammenzufalten und dann in den Fußraum zu legen, während Jason den Motor startete. „Möchtest du etwas kleines essen, bevor wir fahren?“
 Er sah zu der Box, die ich herausholte. „Sind das die Sandwiches?“
 Ich hatte bereits anderthalb gegessen und ihn probieren lassen. „Ja.“
 „Fütterst du mich, wenn ich ja sage?“
 „Kannst du nicht selbst essen?“
 „Laut Gesetz darf ich die Hände nur vom Steuer nehmen, wenn ich den Gang schalten möchte.“
 Ich lachte amüsiert. „Na gut. Aber wehe du baust einen Unfall.“
 „Ich hab auch keinen gebaut, obwohl du neben mir sitzt. Du hast echt hübsche Beine.“
 Ich trug zwar eine kurze Hose, hatte aber eine schwarze Leggins darunter angezogen. „Danke.“, murmelte ich verlegen, auch wenn ich das Kompliment nicht so richtig ernst nehmen konnte.
 Ich hörte mir schon mein ganzes Leben lang an, dass ich nicht hübsch sei, zu viel wog und mehr Sport machen müsse. Da fiel es mir schwer solchen Worten Glauben zu schenken.
 Die Fahrt zu Jason verlief recht ruhig. Ihn zu füttern entpuppte sich als recht witzige Angelegenheit, da er offensichtlich große Bisse bevorzugte und mit jedem Mal versuchte meine Finger zu erwischen. Als er sie einmal gestreift hatte, hatte ich ihm verspielt auf den Oberschenkel gehauen, was ihn dann doch etwas abgelenkt hatte, dem Schlenker nach zu urteilen, den er danach gemacht hatte.
 „'tschuldige.“, hatte er danach gemurmelt und sich etwas mehr auf die Straße konzentriert. Trotzdem hatte er nicht darauf verzichtet die Hand zu nehmen, mit der ich ihn geschlagen hatte, um einen Kuss auf meinen Handrücken zu drücken.
 Eine Dreiviertelstunde, nachdem wir den Zoo verlassen hatten, parkte er schließlich vor einem Gebäude, von dem ich unmöglich glauben konnte, dass das sein Zuhause war. Es war so... groß.
 „Hier wohnst du?“, fragte ich vorsichtig.
 „Ja. Also, eigentlich gehört es meinem Vater, aber er ist praktisch nie zuhause.“
 Verdutzt stieg ich mit ihm aus, wartete, bis er meine Tasche vom Rücksitz geholt hatte, die ich während der Fahrt dort verstaut hatte, und ging mit ihm zur Tür. „Wie wohlhabend ist dein Vater eigentlich?“
 „Äh...“ Er dachte ein paar Augenblicke nach, als er aufschloss und sich drinnen an die rechte Wand wendete, um die Alarmanlage auszuschalten. „Reich.“, antwortete er schließlich nur und zog mich herein, um die Tür zu schließen. „Fühl dich ganz wie zuhause. Du kannst die Schuhe ausziehen, an lassen, wie du möchtest.“
 Also zog ich die Schuhe aus. Er tat dasselbe und bat mich kurz zu warten, während er meinen Regenschirm irgendwo zum Trocknen hin hängte.
 „Bringen wir erst Mal deine Sachen hoch.“, meinte er, als er zurück kam und deutete zur Treppe, die in den ersten Stock führte.
 „Wie viele Etagen hat das Haus?“
 „Vier. Wir haben ein Kellergeschoss und zwei Obergeschosse. Wenn man den Dachboden mitzählt haben wir fünf. Mein Zimmer ist gleich hier vorn.“ Er bog direkt in das erste Zimmer auf der rechten Seite ein.
 Es war nicht so groß, wie ich es bei so einem Haus erwartet hatte. Natürlich war es größer als mein Zimmer. In der Mitte der rechten Wand stand ein großes Bett, in das wahrscheinlich fünf Personen passten. Etwas weiter hinten in der Ecke hing der Sandsack, den er erwähnt hatte. Etwas links davon war ein breites Fenster, dessen dicke Vorhänge keine Sonne herein ließen, und unter dem eine breite Couch stand. Gegenüber dem Sandsack befand sich eine Tür, die wahrscheinlich in ein Badezimmer führte. Daneben stand eine Kommode und ein Schrank. Alles war in dunklen Grautönen gehalten, sogar das hölzerne Bettgestell. Das Bett selbst war jedoch nicht bezogen.
 „Hübsch.“, bemerkte ich schließlich.
 „Ich hab heute morgen noch schnell aufgeräumt.“, gab er zu, „Und das Bett abbezogen. Ich muss es noch frisch beziehen, aber das dauert nicht lange.“
 „Ich kann dir helfen, wenn du willst.“, bot ich an.
 „Nein, kein Problem.“ Er legte meine Tasche auf der Couch ab. „Ich mach das später. Möchtest du etwas gemütliches anziehen?“
 Ich sah an mir herab. Der Regen hatte meinen Oberkörper zwar nicht getroffen, aber meine Unterschenkel waren nass geworden. Glücklicherweise waren meine Füße noch trocken.
 „Ich würde gerne, aber ich habe nur etwas für morgen mitgenommen.“
 „Du kannst eine Jogginghose von mir haben. Ich hab welche mit Gummizug.“
 „Die sind bestimmt viel zu lang. Bei meinem Glück stolpere ich und falle die Treppe hinunter.“
 Sein Mundwinkel hob sich. „Dann hab ich einen Grund dich zu tragen.“
 Daraufhin stammelte ich irgendwas vor mich her, was ihn offensichtlich amüsierte. Ungeachtet dessen, was ich sagte, reichte er mir kurz darauf eine gemütlich aussehende Jogginghose und ein Shirt.
 „Das Bad ist gleich da.“ Er deutete auf die Tür, von der ich bereits vermutet hatte, dass sie in ein Bad führte. „Ich ziehe mir schnell selbst etwas anderes an.“
 „Okay.“, murmelte ich und ging langsam auf das Bad zu.
 Als ich seine Gürtelschnalle hörte, beeilte ich mich dann doch. Ich brauchte nicht sehr lange, um mich umzuziehen und rechnete eigentlich damit, dass Jason schon lange fertig war. Als ich allerdings aus dem Bad kam, stand er oben ohne in Jogginghose vor dem Schrank und sah auf sein Mobi, tippte schnell etwas ein. Sein Blick hob sich zu mir, als er mich hörte.
 „Ich bin gleich soweit, Moment.“, meinte er und sah wieder auf das Gerät herab, woraufhin ich mich geduldig auf die Couch setzte.
 „Nimm dir ruhig Zeit.“
 „Hmmm...“, machte er daraufhin und brauchte tatsächlich noch einige Minuten, ehe er mit einem Kopfschütteln das Mobi beiseite legte. „Du hast eine seltsame Freundin.“
 Verwirrt zog ich die Brauen zusammen. „Wen meinst du?“
 Er griff nach einem Shirt und zog es sich an, während er erzählte: „Diese Tara. Malcom hat ihr meine Nummer gegeben und jetzt versucht sie mich dazu zu überreden auf die Party zu kommen, auf der sie gerade ist. Ich sagte ihr, ich hab was besseres zu tun, also fing sie an herum zu jammern, ich solle meine Bettgenossinnen doch mal für eine Stunde liegen lassen und rüber kommen.“
 Ich riss die Augen auf. „Deine was?“
 „Ich weiß nicht, wie sie auf die Idee kommt, ich hätte gerade irgendwelche Bettgenossinen zu Besuch.“
 „Hat sie das wirklich so geschrieben?“, fragte ich schockiert.
 „Ja. Willst du's lesen?“
 Langsam schüttelte ich den Kopf. Wie konnte sie sowas sagen? „Ich bin bloß... Ich meine... Sie weiß, dass ich hier bin.“
 Seine Miene erstarrte. „Sie... weiß, ganz sicher, dass du hier bist?“
 „Ja. Wir haben Mittwoch geredet und sie ließ beiläufig fallen, dass ich dich heute sehe. Als ich sie fragte, woher sie das wisse, sagte sie, dass man ihr geschrieben hat, dass es ihren Lieblings-Vodka nicht gibt, den du offenbar immer mitbringst, also ging sie davon aus, dass wir uns treffen. Also, eigentlich weiß sie nicht, dass ich hier übernachte. Das habe ich erst gestern Abend entschieden, aber sie weiß, dass du wegen mir nicht auf der Party bist.“
 „Blöde Tusse.“, murmelte er mit einem finsteren Blick auf sein Mobi. Als es kurz darauf wieder vibrierte, nahm er es wieder zur Hand und schnaubte, ehe er es, ohne zu antworten, wieder hinlegte. „Na komm, lass uns runter gehen.“
 „Willst du nicht antworten?“, fragte ich, als er meine Hand nahm und mich aus dem Zimmer zog.
 „Nein. Ich hab die Nummer gerade blockiert.“
 „Weißt du, sie hat letztens erwähnt, dass sie gern mal mit dir ins Bett gehen würde.“
 „Du kannst ihr ausrichten, ich hab kein Interesse. Es ist echt nicht cool von ihr so etwas zu sagen, wenn sie weiß, dass du da bist. Du solltest darüber nachdenken, ob du wirklich mit ihr befreundet sei willst.“
 Unten angekommen führte er mich ins Wohnzimmer, wo er mich direkt zu einem Regal schob, das vor lauter Filmen geradezu überquoll.
 „Du suchst etwas aus und ich hole etwas zu trinken und zu knabbern, okay?“
 „Okay.“, entgegnete ich und sah bereits die Titel durch, als er mir einen Klaps auf den Hintern gab. „He.“, beschwerte ich mich und sah zu ihm herüber, doch er grinste nur unbeschwert und ging hinaus. „Männer.“, murmelte ich daraufhin nur, musste aber grinsen.

 Vier Stunden später warf Jason Erdnussflips nach dem Fernseher. „Jetzt küss sie doch einfach, du Trottel.“
 Ich hatte herausgefunden, dass er offenbar nicht in der Lage war still dazusitzen und den Film zu genießen. Es war bereits der dritte Film und er lief erst eine halbe Stunde. Trotzdem lag wahrscheinlich bereits die Hälfte unserer Snacks vor dem Fernseher auf dem Boden.
 „Hör auf das Essen herum zu werfen und sei still.“, tadelte ich ihn lachend.
 „Warum schauen wir nicht etwas mit Leuten, die nicht so dämlich sind?“
 „Er ist nicht dämlich. Er wartet bloß auf den richtigen Moment.“
 „Was. Für. Ein. Weichei.“ Die Art, wie er jedes Wort einzeln betonte, brachte mich zum Lachen.
 „Er ist verliebt und will es richtig machen.“, erklärte ich kurz darauf, „Jetzt sei still.“
 Er stöhnte auf und lehnte den Kopf an die Rückenlehne, während er weiter schaute. Zehn Minuten später, als der Mann, den er eben noch ausgebuht hatte, endlich die Protagonistin küsste, warf er erneut mit Erdnussflips nach ihm.
 „Warum diesmal?“, wollte ich wissen.
 „Das ist doch kein Kuss!“, protestierte er, „Der küsst sie ja, als hätte sie Herpes.“
 „Ich hab dich auch so geküsst.“
 „Das ist was anderes. Du hast mich nicht geküsst, um mich zu küssen, sondern um mir zu zeigen, wie viel dir meine Geste bedeutet hat. Oder der Tiger. Ich bin mir noch nicht ganz sicher.“
 „Macht das einen Unterschied?“
 „Scheiße, ja! Wenn es der Tiger war, muss ich ein Gehege bauen und herausfinden, wo ich so ein Tier herkriege. Es wäre viel einfacher, wenn es meine Geste war.“
 Ich tätschelte ihm beruhigend den Unterarm. „Keine Sorge, Tiger. Es war beides.“
 Er hob eine Braue. „Hast du mich grad- Hast du-“
 „Pssst!“, unterbrach ich ihn und deutete auf den Fernseher, woraufhin er erneut schwieg.
 Als der Film endete, atmete er erleichtert auf und sprang auf die Beine.
 „Wie wäre was zu Essen? Ich verhungere.“
 „Essen klingt gut. Kochst du heute oder morgen?“
 Er schnalzte mit der Zunge. „Morgen, ich hab Lust was zu bestellen. Worauf hast du Appetit?“
 Nachdenklich ließ ich mich seitlich auf die Couch fallen und drehte mich auf den Rücken. „Hmm... Ich mag asiatisch.“
 „Hühnchen?“
 „Ente.“
 „Klingt gut. Also weißt du schon, was du möchtest?“
 Einen Moment dachte ich darüber nach ob ich lieber Wan Tan oder Yakitori als Vorspeise wollte. „Ich weiß schon, was ich möchte.“
 „Gut, dann hole ich eben das Telefon.“
 Ich sah ihm ein wenig hinterher, als er barfuß hinaus ging – er hatte irgendwann sogar seine Socken nach dem Fernseher geworfen, weil ihm die Erdnussflips ausgegangen waren – und seufzte leise auf. Es war wirklich schade, dass er Drogen nahm und mit allen möglichen Frauen schlief. Optisch war er genau mein Typ und abgesehen von den drei Dingen, die ich an Männern überhaupt nicht mochte, war er eigentlich ein toller Kerl.
 Naja, wenn man mal davon absah, dass er bei Filmen nicht still sein konnte. Daran sollte er arbeiten.
 Als er mit dem Telefon zurück kam, hatte ich mich bereits etwas weiter gedreht und nun die Beine über die Rückenlehne gelegt, während mein Kopf von der Couch hing.
 „Was machst du da?“, fragte er neugierig und trat vor meine Füße, um sich dort über die Lehne zu beugen.
 „Ich betrachte das Wohnzimmer aus einer anderen Perspektive.“, entgegnete ich, „Das solltest du auch mal versuchen.“
 „Und was bringt mir das?“
 „Ganz viel Blut im Kopf, ein seltsames Gefühl, das sich ein bisschen anfühlt wie Kopfschmerzen und einen schmerzenden Nacken.“
 „Klingt ja großartig.“ Er sprang über die Rückenlehne, aber statt sich hinzulegen wie ich, machte er es sich so auf der Couch gemütlich, dass sein Kopf auf meinem Bauch lag. „Was möchtest du essen? Ente und weiter?“
 „Mit Reis, ohne Soße. Als Vorspeise.. Mh... Wollen wir uns die Vorspeise teilen? Ich kann mich nicht entscheiden.“
 „Gerne.“
 „Dann Yakitori und Wan Tan. Als Nachspeise gebackene Bananen mit Honig.“
 „Du haust ja ganz schön rein.“
 „Ich werde niemals alles schaffen, also musst du mir helfen.“
 „In Ordnung.“
 Ich lauschte seiner Stimme, als er bestellte und schaukelte ein wenig mit den Beinen in der Luft, bis er fertig war. „Hilfst du mir auf?“, bat ich ihn dann, „Wenn man eine Weile so liegt wird der Kopf so schwer.“
 „Heißt das, du kommst nicht hoch?“
 „Doch, aber es wäre leichter, wenn du mir hilfst.“
 „Hmmm...“ Er kroch etwas höher, beugte sich über mich und schob sein Gesicht vor meines. „Eigentlich wäre das der ideale Zeitpunkt, um alles zu machen, was mein unanständiges Hirn sich so ausmalt.“
 „Aaaaaber du wirst es nicht tun.“, entgegnete ich.
 „Nicht?“
 „Nein.“
 „Warum nicht?“ Er klang wie ein kleiner Junge, dem man sagte, dass er nicht mit dem Nachbarsjungen spielen durfte.
 „Weil... du möchtest, dass ich... es erwidere. Dass ich es mag.“
 „Hmm... Stimmt. Aber es wäre so einfach.“ Sein Daumen glitt über den Rippenbogen ein paar Zentimeter unter meiner rechten Brust.
 „Wenn du das tust, gehe ich.“
 „Überredet.“
 Ohne ein weiteres Wort stand er auf und half mir wieder auf die Beine, woraufhin ich mich einen Moment an ihm festhielt, während mein Blut wieder hinab floss.
 „Danke.“, murmelte ich.
 „Kein Ding. Das Essen ist in spätestens 50 Minuten da.“
 „Okay. Schauen wir danach noch einen Film?“
 „Na gut, einen letzten. Und was machen wir bis das Essen da ist?“
 „Du... könntest mir das Haus zeigen.“
 „Das oder“ Er setzte sich auf die Couch und zog mich auf seinen Schoß. „wir setzen und hier hin und kuscheln.“
 „Aber kuscheln tun nur Pärchen.“, gab ich zu bedenken.
 „Können Freunde nicht auch kuscheln?“
 „Nicht, wenn der eine was von dem anderen will.“
 „Oh, komm schon.“ Er vergrub das Gesicht an meinem Hals. „Ich hätte so gern den Kuss, den ich mir letzten Samstag verdient habe.“
 „Jetzt?“
 „Ideal wäre natürlich im Bett, bevor wir schlafen, aber wenn es mich davor rettet dich durch dieses langweilige Haus zu führen...“
 „Magst du das Haus nicht?“
 „Ich habe nicht gerade die besten Erinnerungen an die anderen Zimmern des Hauses.“
 „Dann bleiben wir hier. Du musst mir nichts zeigen, das schlechte Erinnerungen wach ruft.“
 „Danke.“, murmelte er und drückte mich etwas enger an sich.
 „Hat dein Vater dich als Kind eigentlich geschlagen?“
 „Hin und wieder, ja.“
 „Das tut mir sehr leid.“
 „Das ist schon lange her.“ Er zog meine Beine neben sich auf die Couch, sodass ich seitlich auf seinem Schoß saß und ihn besser ansehen konnte. Dann lehnte er sich nach hinten, drückte mich aber noch immer an sich, weshalb ich mich unweigerlich an seine Brust schmiegte. „Deine Eltern sind ganz anders als mein Vater.“
 „Sieht so aus. Sie haben nie die Hand erhoben. Ich habe immer gespürt, dass sie mich lieben.“
 „Wie fühlt sich das an?“
 „Was genau?“
 „Geliebt zu werden?“ Er sah auf mich herab. „Wie ist das so?“
 Ich zögerte ein wenig und merkte, wie mir Tränen in die Augen steigen wollten. „Also, das ist... Wie beschreibe ich das? Es ist wie... Wärme. Du fühlst dich sicher und geborgen. Und es wärmt dich von innen heraus. Du fühlst dich leicht und... unbeschwert. So geht es zumindest mir.“
 „Verstehe.“ Er zupfte an meinen Haaren. „Fühlst du dich auch so bei Adrian?“
 Ich seufzte tief. „Adrian ist... speziell. Hin und wieder haben wir solche Momente, in denen ich mich so fühle, ja.“
 „Und sonst? Was ist mit dem Rest?“
 „Ich- Ich rede nicht gern darüber.“
 „Du kannst mir alles erzählen. Ich verstehe das schon.“
 „Ich mache mir keine Sorgen, dass du mich nicht verstehen könntest.“, entgegnete ich und bettete meinen Kopf an seiner Schulter. „Ich mache mir eher Gedanken darüber was du über mich denkst, wenn... wenn ich es dir erzähle.“
 „Also im Moment kann ich an nichts anderes denken als dich von oben bis unten zu küssen und jeden Zentimeter von dir zu berühren.“
 Ich hielt überrascht den Atem an und spürte tausende kleine Schmetterlinge in meinem Bauch. „Jason-“
 „Ich weiß, ich weiß. Du bist mit Adrian zusammen, ich vögel zu viel herum, nehme Drogen, trinke Alk, und so weiter.“ Er seufzte tief. „Ich hab seit Samstag keine Drogen mehr genommen.“
 „Tatsächlich?“
 „Ja. Also, ich gebe zu, Donnerstag hatte ich einen Joint, also sollte ich eher sagen, dass ich seit Donnerstag nichts mehr hatte, aber ein Joint ist was ganz anderes als das, was ich sonst nehme.“
 „Oh.“ Das brachte mich irgendwie durcheinander. „Aber... du hast trotzdem geraucht.“
 „Ja, aber... ich... Ich hör damit auf.“
 „Wegen mir?“, fragte ich überrascht.
 „Nun ja... Da war so eine kleine süße Frau mit hellbraunem Haar und den schönsten grauen Augen, die ich je gesehen habe und meinte, das Drogen doch tatsächlich ungesund seien.“
 „Ach wirklich?“, fragte ich gespielt überrascht.
 „Ja. Ich wollte es erst nicht glauben, aber sie sagte, man wird davon süchtig und kann an einer Überdosis sterben. Und dass es einen sowieso langsam umbringt, wenn man nicht an einer Überdosis stirbt.“
 „Tatsächlich?“
 „Ich schwör's dir! Das hat sie gesagt.“
 „Und glaubst du ihr?“
 „Ja, ich glaub da ist wirklich was dran. Sie ist so eine Streberin, weißt du? Eine Doppel-Streberin, aber sie ist echt schlau. Ich glaub, die weiß, was sie da sagt.“
 „Also hörst du auf?“
 „Ja.“
 „Weil sie dir das erzählt hat?“
 „Pff, scheiße, nein! Ich hör auf, weil sie sich sonst nicht von mir küssen lässt.“
 Ich gab mir alle Mühe ein Lächeln zu unterdrücken und vergrub das Gesicht an seiner Brust, aus Angst er könnte es sehen. „Wie kommst du damit zurecht?“
 „Ich sag's mal so... Hätte der Sandsack Gefühle, hätte ich sie sehr oft verletzt.“
 „Oh, der arme Sandsack!“
 „Ja, ich kann nicht so gut mit denen. Sind mir zu trocken. Zu kalt. Die verstehen einfach keinen Spaß und haben überhaupt keinen Humor.“
 „Wir sind gerade total albern.“
 Er lachte leise. „Es macht doch Spaß, oder nicht?“
 „Das tut es.“, antwortete ich und lehnte mein Kinn an seine Brust, um zu ihm aufzuschauen. „Was ist mit dem Alkohol?“
 „Eins nach dem andern.“, entgegnete er, „Ich kann nicht alles auf einmal sein lassen. Es ist für mich schon ein großer Unterschied, dass ich die Drogen sein lasse.“
 „Hast du Entzugserscheinungen?“
 „Hin und wieder, aber damit komme ich zurecht. Hab eine gute Motivation.“ Er zwinkerte mir zu.
 Wenn er so weiter macht, verliebe ich mich in ihn. Ich seufzte. „Du wirst die Frau, die du später irgendwann heiratest, sicher sehr glücklich machen.“
 Seine Lider senkten sich ein wenig. „Wenn du mich lässt wirst du das sein, Skai.“
 Sprachlos sah ich zu ihm auf, während er mit einer Hand über meinen Rücken glitt und sie langsam in meinen Nacken schob. Ich war wie hypnotisiert, als er langsam den Kopf zu mir herabsenkte und spürte bereits wie mir die Lider schwer wurden, als es plötzlich an de Tür klingelte.
 Mit einem frustrierten Stöhnen schloss er die Augen, während ich zusammen zuckte und hastig aufsprang. Plötzlich war mir das alles nur noch peinlich.
 „Das muss das Essen sein.“, bemerkte ich und trat noch einen Schritt zurück.
 Er rieb sich mit der Hand übers Gesicht, betrachtete mich einen Moment und stand dann auf, um an die Tür zu gehen. Ich sah ihm hinterher und dachte darüber nach, was gerade passiert war.
 Verdammt, Skaisa, ihr hättet euch fast geküsst! Natürlich hatten wir uns bereits im Zoo geküsst, aber wie er schon gesagt hatte, was es kein Kuss um des Kusses willen. Es war... Weil... Verdammter Mist! Mein Blick glitt zur Couch, wo wir eben noch gesessen hatten und unwillkürlich fragte ich mich, wie es gewesen wäre, wenn es nicht geklingelt hätte. Ich erinnerte mich an den Kuss im Zoo. Erinnerte mich daran, wie sich seine Lippen angefühlt hatten, als er den Kuss erwidert hatte. Wäre es genauso gewesen? Oder anders? Nachdenklich berührte ich meine Lippen. Vielleicht...

















Isalija "spricht",
denkt und handelt.
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Isalija
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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Sa 12 Mai 2018 - 1:49

Kapitel 6

 „Skai.“
 Ich zuckte zusammen und riss den Kopf hoch. „Hm? Ja?“
 Zögerlich stand Jason an der Tür. „Ich... hab in der Küche alles vorbereitet. Möchtest du Stäbchen oder eine Gabel?“
 „Ähm...“ Gedanklich ruderte ich hastig zurück, bis ich mich erinnerte, dass es asiatisches Essen gab. „Stäbchen klingen gut.“, entgegnete ich dann und kam näher.
 „Okay.“ Er zögerte ein wenig. „Alles in Ordnung?“
 Ich nickte. „Ja, es ist nur...“ Als nun mein Smartphone begann zu klingeln, erschreckte ich mich so heftig, dass ich einen kleinen Satz machte, was Jason abrupt zum Lachen brachte. „Oh Gott, verdammt.“, fluchte ich und legte mir vor Scham die Hand vors Gesicht.
 „Was war das denn?“, fragte er amüsiert und nahm meine Hand herunter.
 „Ich hab mich bloß tierisch erschreckt.“
 „Tierisch trifft es hier echt gut.“
 „Hör auf mich auszulachen.“, jammerte ich und holte mein Smartphone hervor. „Das ist Adrian. Und wenn er dich hört, rastet er aus.“
 „Ja, tut mir leid, es war nur... Es war so süß.“
 Ich stieß ihm gegen die Schulter und hielt ihm eine Hand vor den Mund als ich abhob. „Hallo, Rian.“
 „Hey Baby.“, raunte er, „Bist du noch wach?“
 „Ähm, ja. Und wenn ich es nicht wäre, hätte das Handy mich geweckt, also wäre ich so oder so wach.“
 Er schnurrte. „Bist du zuhause? Kann ich vorbeikommen?“
 Ich verzog das Gesicht und Jason beruhigte sich, nahm sanft meine Hand herunter.
 „Alles okay?“, fragte er leise.
 Ich hob einen Finger. „Das wäre keine gute Idee.“, meinte ich dann an Adrian, „Es ist schon etwas spät und du klingst, als hättest du getrunken.“
 „Nur ein bisschen.“, entgegnete er, „Komm schon. Ich bin ganz in der Nähe.“
 „Ich bin eh nicht zuhause. Ich bin bei... ähm... einem Freund.“
 „Bei einem Freund? Einem Jungen?“
 „Du solltest nach hause gehen. Du klingst nicht gut. Wie viel hast du getrunken?“
 „Nur ein paar Becher.“
 „Und wovon?“
 „Ein wenig von allem.“
 „Dann waren es sicher mehr als nur ein paar.“
 Er stöhnte auf. „Alter, Skai, du bist nicht meine Mutter.“
 „Nein, aber deine Freundin. Ich mache mir Sorgen um dich. Hast du etwas gegessen?“
 „Ich hab keinen Hunger und jetzt lass das. Das nervt.“
 „Gut zu hören, dass du meine Fürsorge zu schätzen weißt.“
 „Skaisa.“, murrte er, „Ich will dich grad einfach nur vögeln, okay.“
 „Oh, schön für dich. Ich will aber nicht.“
 „Wo bist du?“
 „Das ist meine Sache.“
 „Du bist meine Freundin.“
 „Ach, jetzt bin ich deine Freundin.“
 „Skai.“, murmelte Jason, „Das Essen wird kalt. Wenn er getrunken hat wird er eh nicht einsichtig.“
 „Er ist nie einsichtig.“, entgegnete ich halblaut.
 „Mit wem redest du da?“, wollte Adrian wissen, „Und wer ist nie einsichtig.“
 „Du.“, entgegnete ich direkt, „Aber das weißt du sicher. Es gibt jetzt Essen, also muss ich auflegen.“
 „Skaisa, warte! Sag mir wo-“
 Ich legte einfach auf und seufzte schwer. „Tut mir leid. Er-“ Als er wieder anrief, wies ich den Anruf ab und stellte mein Smartphone auf lautlos. Im nächsten Moment zeigte das Display noch einen Anruf an. Genervt steckte ich es ein. „Er ist etwas anstrengend, wenn er betrunken ist.“
 „Kann ich mir vorstellen.“, bemerkte Jason und ging mit mir in die Küche. „Was wollte er?“
 „Mich sehen.“
 „Du hast aufgebracht ausgesehen. Weil er getrunken hat?“
 „Er hat mich angerufen, obwohl er betrunken ist. Das endet nie gut.“
 „Das klingt, als würde er das öfter tun.“
 „Hin und wieder.“, gab ich zu und setzte mich hin, während er zu einem der Schubladen ging, um mir Stäbchen zu holen. „Können wir das Thema wechseln?“
 „Klar.“ Er selbst nahm sich eine Gabel und setzte sich zu mir. „Kannst du mit den Dingern wirklich essen?“, fragte er neugierig, als er mir die Stäbchen reichte.
 Ich hob nur eine Braue, nahm sie entgegen und aß etwas von dem Reis.
 „Cool. Du siehst damit fast asiatisch aus.“
 „Danke.“
 „Wie lange kannst du das schon?“
 „Mh...“ Nachdenklich hielt ich einen Moment inne. „Seit 12 Jahren oder so.“
 „So lange schon?“
 Ich zuckte mit den Schultern.
 „Du musst dann 3 gewesen sein, als du es gelernt hast.“
 „Oh, danke aber ich bin nicht 15. Ich bin 17.“
 Sein Mundwinkel zuckte. „Dann bin ich ja fast nicht pädophil.“
 Ich prustete amüsiert, als mir das Gespräch einfiel. „Ich hätte auch nicht gedacht, dass du pädophil bist.“
 „Ich hätte wirklich ein Problem, wenn du noch 15 wärst. Manchmal versuch ich mir vorzustellen, wie du nackt aussiehst.“
 Ich sah ihn mit großen Augen an. „Was?“
 „Es ist gar nicht so einfach.“
 Hitze stieg mir ins Gesicht. „Jason! Sag sowas nicht.“
 „Warum nicht?“
 „Das ist... Das ist komisch.“
 „Ich würde aber echt gerne mit dir schlafen.“
 Ich deutete mit den Stäbchen auf ihn. „Noch ein Wort dazu und ich rufe meinen Vater an.“
 Er schürzte die Lippen, als würde er darüber nachdenken, ob es das wert war. „Na gut. Aber eine Frage musst du mir beantworten.“
 „Muss ich Angst haben?“
 „Findest du mich wirklich so abstoßend?“
 Verwundert zog ich die Brauen zusammen.
 „Immer wenn ich darauf anspiele, dass ich mit dir zusammen sein will, benimmst du dich, als wäre ich eine schleimige Ratte.“
 „Also, nur um das klarzustellen...“ Ich legte die Stäbchen hin und griff nach seiner Hand. „Wärst du eine schleimige Ratte, würde ich dich nicht anfassen oder in deine Nähe kommen wollen.“ Dann aß ich weiter.
 „Danke.“, bemerkte er trocken, „Aber ich meine es ernst. Bin ich für dich wirklich... abstoßend?“
 „Nicht du generell. Es ist... einfach...“ Nachdenklich drapierte ich meine Ente um meinen Reis herum. „Die Vorstellung, dass du an einem Tag mit drei fremden Frauen ins Bett gehst und am nächsten Tag diese Hände auf meinen Körper legen willst, mich küsst...“ Ich verzog das Gesicht. „Das ist abstoßend. Diese Hände haben schon sicher über hundert Frauen berührt. Auch intim. Ich finde es schon unangenehm mich an Haltestangen festzuhalten, an denen sich am Tag tausende andere festhalten. Aber von Händen berührt zu werden, die schon in hunderten Frauen waren...“ Ich schüttelte den Kopf. „Verschone mich damit.“
 „Ich kann an dem, was ich getan habe, nichts ändern. Damals kannte ich dich noch nicht.“
 „Das verstehe ich auch. Ich selbst versuche immer Dinge zu tun, die ich später nicht bereuen würde. Vielleicht bereust du auch gar nicht all die Dinge getan zu haben und das ist okay. Wirklich.“
 „Aber es stört dich.“
 „Ja.“ Da es keine andere Antwort gab, seufzte ich schwer. „Sieh mal, ich werde dich nicht dafür verurteilen, wenn du mit Frauen schläfst oder Alkohol trinkst. Für die Drogen schon, aber du hörst ja damit auf und das ist gut. Vielleicht gibt es ja irgendeinen Grund für all das und du bist noch nicht bereits es zu sagen. Völlig okay. Ich werde dich zu nichts drängen. Aber du darfst mich auch nicht drängen. Ich bin gerne mit dir befreundet. Ich mag dich, wirklich. Nur kann ich mir einfach nicht vorstellen mit dir zusammen zu sein.“
 Er nickte langsam. „Denkst du, du könntest es irgendwann?“
 „Ich weiß nicht.“, gab ich zu, „Wirklich.“
 Mit einem leichten Seufzen sah er mich einfach nur an, ehe er den Rest aufaß, der sich auf seinem Teller befand. Ich hatte gerade mal die Yakitori, ein paar Wan Tan und etwas von dem Reis geschafft.
 „Du isst ziemlich schnell.“
 „Schlimm?“
 „Nein, gar nicht. Isst du die anderen Wan Tan?“
 „Wenn du sie nicht mehr willst.“
 „Wahrscheinlich schaffe ich auch nicht den ganzen Reis oder die ganze Ente. Was echt schade ist, weil die echt lecker ist.“
 Neugierig beobachtete er mich ein wenig beim Essen. „Isst du alles nacheinander?“, bemerkte er irgendwann.
 „Oh... ähm... ja.“ Ich zögerte. „Eine Spezielle Essangewohnheit, wie meine Therapeutin sagt.“
 „Du hast eine Therapeutin?“
 „Ja. Ich hab erst vor ein paar Monaten angefangen.“
 „Warum? Also, was ist passiert?“
 Ich hatte gerade etwas von der Banane essen wollen, hielt nun aber inne und betrachtete sie etwas. „Willst du das wirklich wissen?“
 „Ich will alles von dir wissen.“
 „Isst du dann den Rest?“
 „Klar.“
 Sofort schob ich ihm meinen Teller hin und er begann die Sachen zu verschlingen, während ich begann zu erzählen.
 „Ich hatte früher drei echt gute Freunde. Wir machten jeden Tag etwas zusammen und ich verstand mich mit ihnen besser als mit sonst jemandem. Wir haben über alles mögliche geredet und teilweise sehr peinliche Dinge geteilt. Irgendwann kam ich in die Schule und die anderen begannen zu tuscheln. Es nahm von Tag zu Tag zu, bis die ganze Klasse begann mich zu mobben. Die drei waren nicht so gute Freunde, wie ich gedacht hatte und haben alles, was ich ihnen erzählt habe, anderen erzählt. Also begann ich mich zurück zu ziehen. Mein Vater schenkte mir mein erstes Buch und ich begann zu lesen. Ein paar Monate später versuchte ich mich am Schreiben.“
 Als er fertig war, schob er die Teller beiseite und wendete sich mir zu, schenkte mir seine volle Aufmerksamkeit.
 „Ich verbrachte zunehmend mehr Zeit in meinem Zimmer und begann die Schule regelmäßig zu schwänzen. Meine Eltern machten sich Sorgen und sagten, ich müsse zur Schule. Ich habe ihnen nie erzählt, was dort passierte.“ Ich atmete leicht durch. „Die Schüler zogen über mich her, bewarfen mich im Unterricht mit Papierkugeln, wenn die Lehrer nicht hinsahen und machten schlechte Witze.“
 „Haben alle mitgemacht?“
 „Die Schüler die neben mir saßen waren immer recht nett und es gab natürlich auch immer ein zwei stille Personen in der Klasse. Einer von ihnen schenkte mir mehr Aufmerksamkeit, als ich wollte. Ich war erst 15 und hatte noch nie einen Jungen geküsst, als er mich bat mit ihm auszugehen. Damals bestand mein Selbstwertgefühl und mein Selbstbewusstsein nur noch aus einem kleinen Haufen Asche.“ Ich machte eine kurze Pause, um meine Gedanken zu ordnen und mich zurück zu erinnern. „Ich weiß nicht mehr genau, wie alles letztendlich ablief. Er hat mich abgeholt und wir sind zu einem hübschen Platz im Ort gegangen, haben uns unterhalten. Bis zu dem Tag hatte ich ihn nie wirklich wahrgenommen. Ich meine, ich wusste wer er war und wusste, er war in meiner Klasse, aber er sagte nie etwas. Und dann saßen wir da und er gestand mir plötzlich seine Liebe.“
 Verwundert zog Jason daraufhin die Brauen zusammen, sagte aber nichts und hörte einfach nur zu.
 „Ich hab ihm so nett wie möglich einen Korb gegeben und er sagte, er würde mich gerne küssen. Also habe ich ihm gesagt, dass ich noch nie geküsst wurde und meinen ersten Kuss gern mit jemanden hätte, den ich liebe und mit dem ich zusammen bin.“ Ich hielt einen Moment inne und schloss die Augen. „Anders herum. Er bat erst um den Kuss und in Folge dessen gestand er mir seine Gefühle.“ Ich rollte mit den Augen. „Wie auch immer. Nach dem Korb unterhielten wir uns über andere Dinge und ich dachte, er hätte es aufgegeben, also ging ich mit, als er mich zu sich eingeladen hat.“
 „Zu ihm nach hause?“
 „Ich war sehr naiv.“, entgegnete ich, „Das weiß ich heute. Bitte keine Vorwürfe.“
 „Nein, nein. Erzähl weiter. Ihr seid zu ihm nach hause gegangen.“
 Zustimmend nickte ich und nahm seine Hand, um meine eigenen Hände zu beschäftigen. „Wir haben ein Spiel an einer Konsole gespielt, wobei er mich auf die schlechteste Art und Weise gewinnen ließ, die ich je erlebt habe und fragte dann, ob wir etwas anderes spielen wollen. Ich dachte an... Gesellschaftsspiele wie Monopoly. Er dachte an Strip-Würfel-Spiele.“
 „Was?“
 „Ich erinnere mich, dass er mich noch gefragt hat, ob wir uns küssen oder kuscheln wollen, aber ich weiß einfach nicht mehr wann er gefragt hat. Ich habe jedenfalls abgelehnt. Als er die Spiele vorgeschlagen hat und ich nichts gesagt habe, holte er einen Würfel.“ Als mir etwas einfiel, zog ich nachdenklich die Brauen zusammen. „Irgendwann hatte sein Vater kurz herein geschaut, weshalb er die Tür abgeschlossen hat.“
 Er ballte seine freie Hand zu einer Faust, ehe er sich die Augen rieb. „Und weiter?“
 „Er... holte diesen Würfel und sagte mir, es gäbe zwei Regeln. Regel Nummer eins: Wir würfeln abwechselnd und wer eine 6 würfelt, zieht sich ein Kleidungsstück aus.“
 Der Druck an meiner Hand wurde etwas fester.
 „Regel Nummer zwei: Jeder würfelt so lange, bis er eine 6 gewürfelt hat.“
 „Bitte sag mir, dass du abgelehnt hast.“
 Ich seufzte und er erstarrte. „Ich hab gehofft, wenn ich einmal würfle, lässt er mich in Ruhe. Er hat angefangen und immer wieder gewürfelt, bis er eine 6 bekam. Dann zog er sich das Shirt aus. Ich hab mich nicht mehr getraut ihn anzuschauen und als er mir den Würfel gab, habe ich einfach gewürfelt.“ Zögerlich biss ich mir auf die Lippen. „Ich hab in meinem ganzen Leben nie so viel Glück mit einem Würfel gehabt wie in dem Moment.“
 „Du hattest beim ersten Versuch eine 6?“
 Schamerfüllt nickte ich. „Ja.“
 „Was dann?“
 „Ich... habe mich nicht bewegt. Ich saß völlig verkrampft auf seinem Bett und konnte mich nicht bewegen. Ich konnte nichts sagen.“
 „Was hat er gemacht? Hat er dich angefasst?“
 „Ja... Nein. Nicht so. Er- Er hat auf mich eingeredet, hat mich angebettelt wenigstens die Jacke auszuziehen. Irgendwann setzte er sich neben mich und umarmte mich. Er streichelte mir über den Oberschenkel. Und dann-“ Ich unterbrach mich selbst und schloss die Augen.
 „Was? Scheiße, Skai.“
 Ich fuhr mir mit beiden Händen übers Gesicht. „Hast du vielleicht Wasser für mich?“
 „Natürlich.“ Sofort sprang er auf und ging herüber zum Kühlschrank, wo er mir eine gekühlte Flasche heraus nahm. Ohne an ein Glas zu denken öffnete er sie und hielt sie mir hin, wobei er sich neben mich hockte. „Hier.“
 „Danke.“, murmelte ich und trank einige Schlücke, ehe ich sie ihm zurück gab und er sie zuschraubte. „Weißt du, ich bin ein wirklich echt netter Mensch. Sehr tolerant. Bis zu diesem Punkt hätte ich ihm alles irgendwie verzeihen können. Wir waren beide jung und die Hormone spielen verrückt.“
 Er wartete geduldig, stellte die Flasche beiseite und nahm meine Hände in seine.
 „Er fing an mir Dinge dafür anzubieten, damit ich mich ausziehe. Es begann völlig banal mit Süßigkeiten und ich ließ mir die seltsamsten Ausreden einfallen, weil ich so gehofft habe, dass er einfach aufhört.“ Tränen traten mir in die Augen. „Das höchste, das er mir angeboten hat waren zwei Dollar.“
 „Skai... Baby...“ Vorsichtig, als würde ich ihn von mich stoßen, rieb er mir mit einer Hand über die verkrampfte Wade.
 „Ich habe mich so... gedemütigt gefühlt. So... billig, als wäre ich irgendeine wertlose Nutte, die er am Straßenrand aufgegabelt hat.“
 „Fuck. Das bist du nicht. Skai, du bist viel mehr wert. Du bist... Du bist unbezahlbar. Es gibt nichts um zu beschreiben, wie wertvoll du bist. Er war ein kleiner Junge, dem ich am liebsten- Er war ein Idiot.“
 „Ich weiß.“ Ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. „Ich weiß das ja alles. Aber es ändert nichts an diesem Gefühl. Ich hatte schon vorher immer das Gefühl wenig wert zu sein. Irgendwann hatte ich sogar an der Liebe meiner Eltern gezweifelt. Ich fühlte mich ungeliebt und so... wertlos. Ich habe mich noch immer nicht richtig davon erholt.“
 Er seufzte und schien ein bisschen hilflos, wie er da vor mir kniete, meine Hand hielt und meine Wade rieb. „Wie bist du da weg gekommen? Aus seinem Zimmer.“
 „Oh, er kam irgendwann auf die Idee Fragen zu stellen. Ob ich was essen wolle, etwas trinken. Ob ich vielleicht nach hause möchte. Ich bin sofort gegangen und er fuhr die ganze Zeit mit seinem Fahrrad neben mir her und bat mich etwas zu sagen.“
 Er schloss die Augen und ließ seinen Kopf auf meinen Schoß fallen.
 „Er folgte mir bis zur Kreuzung an unserer Straße und drehte dann um, als er meinen Vater sah, der gerade in unsere Richtung kam.“ Ich seufzte schwer. „Ich lief ihm weinend in die Arme und habe ihm grob erzählt, was passiert ist. Danach sind wir wieder zu ihm gegangen. Ich brachte kaum ein Wort heraus, als Dad mit der Mutter sprach. Wir waren kaum zur Tür rein, als ich meinen Schulkameraden rufen hörte, er habe nichts gemacht. Wir setzten uns ins Esszimmer und die beiden redeten. Mein Mitschüler sollte irgendwann dazu kommen und saß neben ihr, sah auf die Tischplatte. Irgendwann entschuldigte er sich und Dad verlangte, dass er mich dabei ansehen sollte.“ Ich schnaubte abfällig. „Er sah mich kurz an, sagte Es tut mir leid und sah wieder auf den Tisch.“
 „Das tut mir so leid.“ Er vergrub sein Gesicht an meinen Oberschenkeln.
 „Du kannst ja nichts dafür.“ Ich atmete tief durch und fuhr ihm mit den Händen durchs Haar. „Ich sollte mich kurz mit der Mutter allein unterhalten und sie schlug vor, dass wir das erst einmal ruhen ließen und er mit mir in ein paar Wochen nochmal drüber sprach. Er hat mich nie wieder auch nur angesehen.“
 „Ein Gespräch hätte helfen können.“, bemerkte Jason und drehte den Kopf, sodass es seitlich in meinem Schoß lag.
 „Ja. Stattdessen wurde alles nur schlimmer. Ich wollte nicht mehr in die Schule. Also zogen meine Eltern mit mir her.“
 „Geht es dir hier besser?“
 „Naja, die Leute kennen mich kaum. Ich gehe wieder regelmäßig in die Schule, aber weil ich zwei mal sitzen geblieben bin, bin ich viel älter als meine Klassenkameraden. Tara ist... war meine einzige Freundin.“
 „Wie hast du Adrian kennen gelernt?“
 „Durch meinen Ex.“
 „Das ist deine zweite Beziehung?“
 „Meine dritte. Sie halten bei mir nicht sehr lang, wie es aussieht.“ Ich zögerte ein wenig und fuhr mit dem Finger über seinen Nacken, während ich nachdachte. „Das damals war nicht das erste Mal, dass ich sexuell belästigt wurde.“
 Nun hob er den Kopf und sah wieder zu mir auf. „Wie oft... Was ist passiert?“
 „Nur zwei Mal. Und das erste Mal war für mich nicht so schlimm, wie das zweite Mal, obwohl ich jünger war und es irgendwie... naja...“ Ich zuckte mit den Schultern. „Weißt du, der Ort aus dem ich komme ich nicht sehr groß. Jeder kennt jeden. Meine Freunde und ich gingen hin und wieder gern zum Bürgermeister, weil er Süßigkeiten hatte.“
 Seine Miene erstarrte von neuem, diesmal jedoch auf eine andere Art.
 „Eines Tages durfte ich auf seinem Schoß sitzen und war ganz begeistert, weil ich hinter den Schreibtisch durfte.“ Ich verzog den Mund. „Er ging mir mit der Hand unter den Pullover und in den Slip.“
 „Er... Er war pädophil?“
 „Ja.“
 „Hat er noch irgendwas gemacht? Was ist mit deinen Freunden?“
 „Die haben davon nichts bemerkt, glaube ich. Nein, warte. Einer von ihnen sagte es meiner Mutter, deshalb hat sie Anzeige erstattet und ich musste bei der Polizei eine Aussage machen. Aber er hat nicht mehr gemacht. Es stellte sich jedoch heraus, dass er bei anderen Kindern mehr getan hat.“
 „Wurde er verurteilt?“
 „Ja, er ist wahrscheinlich noch im Gefängnis.“
 „Gut.“, murmelte er und schloss die Augen. „Gut.“ Dann seufzte er tief. „Missbrauch durch eine pädophile Autoritätsperson.“, murmelte er und schüttelte den Kopf. „Und du machst Witze über Pädophilie.“
 „Das ist wahrscheinlich meine Art damit umzugehen.“
 „Deine Bewältigungsstrategie, meinst du?“
 „Ja. Oder... eine Art... Schutzmechanismus.“
 „Ist dir noch irgendwas passiert?“
 „Naja, meine Ex-Freunde waren Ärsche und Adrian ist bisher der Vorreiter, aber... nein.“
 „Du bist eine echt starke Frau.“
 „Es ist lieb, dass du das sagst.“
 „Ich meine es so. Diese Dinge sind passiert, aber statt dich damit zu quälen redest du darüber.“
 „Es hilft darüber zu sprechen. Dir würde es vielleicht auch helfen.“
 „Ich kann Menschen nicht so einfach vertrauen, weißt du.“
 Ich hob eine Braue. „Das kann ich auch nicht. Die meiste Zeit verlasse ich mich auf mein Bauchgefühl.“
 „Was sagt dein Bauchgefühl über mich?“
 „Dass du nicht so schlecht bist, wie ich anfangs dachte.“
 Das hob sein Mundwinkel endlich wieder. „Ich denke, ich verstehe so langsam, warum dich die Frauen stören.“
 Ich rümpfte die Nase. „Denkst du?“
 Er seufzte. „Aber das mit dem Alkohol kann ich irgendwie nicht nachvollziehen. Du sagtest, du hast Angst vor Betrunkenen.“
 „Ich war mal auf der Geburtstagsparty einer Cousine mütterlicherseits. Sie hat jemanden abgefüllt und der hielt es für eine tolle Idee mit mir zu tanzen. Er wäre fast auf mich gefallen.“
 „Bist du so scheu?“
 „Ja.“ Ich zuckte mit den Schultern.
 „Tut mir echt leid, dass ich letzten Samstag so aufdringlich war.“
 „Das war okay. Du hast ja nichts schlimmes getan. Bei dir hatte ich eher das Gefühl, als... würdest du mich einfach nur wollen.“
 „Oh, nicht einfach nur. Ich hätte alles getan, um mit dir ins Bett zu kommen.“ Er lächelte verlegen. „Keine Drogen mehr.“
 „Das ist wirklich aufmerksam von dir.“
 „Langsam bin ich froh, dass du nicht so leicht zu haben bist. Ich hätte, ohne es zu merken, meine Chance auf das Beste in meinem Leben versaut.“
 Ich spürte, wie ich verlegen rot wurde und biss mir leicht auf die Unterlippe, während ich seinem Blick auswich. „Wollen wir dann noch einen Film schauen?“
 „In Ordnung. Leg du schon mal was ein und ich räum das hier weg.“ Er deutete auf die Teller.
 „Okay.“
 Ich wartete, bis er mich losgelassen und aufgestanden war, bis ich hinüber ins Wohnzimmer ging und mir nachdenklich zum vierten Mal die Filme ansah. Weil ich es mochte, wie er sich über die Männer in Liebesfilmen aufregte, suchte ich auch dieses Mal etwas romantisches aus und kniete gerade vor dem CD-Player, als es wieder an der Tür klingelte.
 „Hast du jemanden eingeladen?“, fragte ich überrascht laut genug, dass Jason es hören konnte.
 „Nein.“, entgegnete er im Flur und ging bereits an die Tür.
 Ich sah neugierig zur Wohnzimmertür und hörte ihn mit jemanden sprechen, ehe Jason an der Tür erschien.
 „Ich brauch noch ein paar Minuten. Warte einfach hier, ja.“
 „Okay.“, entgegnete ich daraufhin und erblickte hinter ihm einen der Jungs, mit denen er in der Schwimmhalle war.
 Jetzt, angezogen und trocken, machte er einen ganz anderen Eindruck. Er wirkte eher wie ein durchaus erwachsener Mann, der schon Probleme mit den Gesetzen hatte, als wie ein Junge, der sich einen Joint genehmigt hatte.
 „Hey, ist das nicht die Kleine aus dem Schwimmbad?“, bemerkte er amüsiert.
 „Lass sie in Ruhe, okay.“, fuhr Jason ihn daraufhin nur an und eilte die Treppe hinauf.
 Unsicher, wie ich mich verhalten sollte, saß ich einfach nur herum, während der Fremde mich anstarrte.
 „Ich bin Damien.“, stellte er sich irgendwann vor.
 „Skaisa.“
 „Hast du was mit Jason?“
 „Nein.“
 „Hättest du gern was mit ihm?“
 Ich zögerte. „Ich wüsste nicht, was dich das angeht.“
 Er grinste. „Du siehst nicht aus, wie die Frauen, mit denen er sich sonst trifft.“
 „Ich hab wahrscheinlich eine andere Haarfarbe.“, entgegnete ich trocken und rollte mit den Augen. Herrje, hat man diesen Kerlen denn nie gesagt, dass es mehr als eine Sorte Frau gibt?
 Ganz beiläufig kam er herein und setzte sich auf die Couch. „Kennst du Jason schon länger?“
 „Ein bisschen.“ Genau eine Woche. „Und du?“
 „Seit 'nem halben Jahr. Ist 'ne Weile her, dass ich ihn nüchtern gesehen hab.“
 „Ach so?“
 „Für gewöhnlich hält er immer ein Bier in der Hand.“
 Einen Moment zog ich die Brauen zusammen, schüttelte aber den Kopf und sah weg.
 „Bist du öfter hier?“
 „Ist das erste Mal.“
 „Du hast übrigens echt gut ausgesehen in dem Bikini.“
 „Ähm...“ Verwirrt warf ich ihm einen kurzen Blick zu. „Danke.“
 „Du gehst wahrscheinlich nicht oft schwimmen, oder?“
 „Nur, wenn ich gerade mal Lust drauf habe.“
 „Dafür bist du erstaunlich gut. Ich hab dich zwei Bahnen tauchen sehen.“
 Er... hat mich beobachtet? Unsicher räusperte ich mich. „Ähm... Ja, ich... hab das geübt.“
 „Hast du Lust mal was mit mir trinken zu gehen?“
 „Hör auf sie anzubaggern.“, ging Jason dazwischen, als er herein kam. „Sie ist mein Kätzchen.“
 „Du lässt das so klingen, als hättest du mich gefunden.“, bemerkte ich.
 „Hab ich auch.“, entgegnete er, woraufhin ich leise lachte.
 „He, ich war es, der dich gefunden hat. Schlafend auf dem Boden eines Badezimmers.“
 „Ich hab wahrscheinlich unterbewusst gewusst, dass du dahin kommen würdest.“
 „Ganz sicher.“, entgegnete ich.
 „Hier.“, meinte er an Damien und reichte ihm eine Tasche und eine Jacke. „Mehr hab ich nicht gefunden. Wenn noch was fehlt frag mal bei Traver nach.“
 „Ist mein Stoff dabei?“
 „Keine Ahnung, ich hab deine Tasche nicht durchwühlt.“
 „Hast du denn so noch was?“
 „Nein, ich hör damit auf.“
 „Kein Scheiß?“
 „Nein.“
 Damien schnaubte. „Gut, ist ja deine Sache. Wir sehen und Dienstag.“
 „Bis dann.“
 „Man sieht sich, Häschen.“, meinte Damien an mich, ehe er das Wohnzimmer verließ.
 Jason verzog den Mund. „Hat er irgendwas gesagt?“, fragte er vorsichtig.
 „Was soll er gesagt haben?“, fragte ich zurück, woraufhin er mit den Schultern zuckte.
 „Irgendwas unangebrachtes oder so.“
 „Oh, er erwähnte irgendwas mit einem halben Dutzend Frauen und Gleitgel und-“
 „Was?“ Er wirkte entsetzt.
 Ich lachte leise über sein Gesicht. „Das war nur Spaß. Er hat sich benommen“
 „Wirklich?“ Unsicher ließ er sich auf die Couch sinken, woraufhin ich die CD einlegte und herüber kam. „Er hat nichts unanständiges gesagt?“
 „Nur, dass ich im Bikini wohl gut ausgesehen habe.“
 „Oh, du warst heiß. Ich konnte nicht anders, als dir an deinen Arsch zu gehen.“ Er untermalte seine Worte, indem er sich vorbeugte und beide Hände auf meinen Hintern legte. „Der ist echt toll.“
 „He, nimm die Finger weg.“
 Er schmollte. „Aber ich mag ihn.“
 „Jason.“
 „Ist hier besser?“ Er ließ die Hände etwas höher wandern, schob sie dabei aber unter das Shirt, dass er mir geliehen hatte. Dann zog er mich zu sich herunter, sodass ich rittlings auf seinem Schoß saß. „Viel besser.“, stimmte er zu, noch ehe ich etwas dazu sagen konnte.
 „Du wirst langsam ganz schön übermütig.“
 „Ich bin eben ein hoffnungsloser Fall.“, seufzte er.
 Seine Finger streichelten sachte meine Haut, was mir eine Gänsehaut verursachte. Ich wollte ihm eigentlich sagen, dass er mich loslassen sollte, dass ich das nicht wollte. Aber irgendwas an der Art und Weise, wie er mich ansah, ließ mich schweigen.
Bitte, lass mich das nicht bereuen, Jason. „Und was hast du jetzt vor?“, fragte ich zaghaft.
 „Jetzt...“ Er betrachtete mich einen Moment, ehe er sich so weit vor beugte, dass er seinen Kiefer an mein Schlüsselbein legen konnte und umschlang mich eng mit seinen Armen. „Jetzt will ich kuscheln.“
 Mit diesen Worten rollte er sich mit mir herum, sodass ich unter ihm auf der Couch lag. Ich hielt mich überrascht an ihm fest, hatte dafür die Arme um seinen Kopf geschlungen. Nun lachte er erfreut auf, schob sich etwas höher und vergrub das Gesicht an meinem Hals.
 „Du riechst so gut.“, bemerkte er dort und nippte ein wenig an meiner Haut.
 „He, das kitzelt.“, beschwerte ich mich kichernd.
 Daraufhin nahm er seine Zähne zur Hilfe und knabberte. „Nachtisch.“, murmelte er dabei, „Lecker.“
 Ich dagegen begann zu zappeln, kicherte noch mehr und zog hilflos die Schulter hoch. „Hör auf!“
 „Niemals!“
 „Jason.“, rief ich aus.
 „Skaisa.“, hauchte er. Dann hob er den Kopf und sah auf mich herab. „Darf ich dich küssen?“
 „Nur, wenn es der Kuss ist, den ich dir schulde.“
 „Den heb ich mir noch auf.“ Damit knabberte er an meinem Kiefer herum. „Für später.“
 „Hast du irgendwas bestimmtes vor?“
 „Ich will unbedingt mit dir in meinem Bett rummachen.“
 „Sie sind ein sehr unanständiger junger Mann, Mr. Whitaker.“
 „Och, ich hoffe doch sehr, Sie haben Gefallen daran, Miss... Also... Wie sagtest du, spricht man das aus?“
 Ich lachte leise. „Misullis.“
 Verwirrt zog er die Brauen zusammen und wiederholte es. Er brauchte fünf Versuche und ich musste es zwei Mal wiederholen, ehe er es schaffte.
 „Das ist nicht Englisch.“, bemerkte er, „Ist das litauisch? Du sagtest doch, du sprichst Litauisch.“
 „Ja. Mein Vater ist aus Litauen.“
 „Ah, Geheimnis gelüftet. Ist dein Vorname auch litauisch?“
 „Ja.“
 „Hmmm...“ Wieder legte er seinen Kopf an meinem Schlüsselbein ab. Ich konnte seinen Atem an meinem Hals spüren. „Hast du eigentlich noch mehr Verwandte? Bis auf die eine Cousine mütterlicherseits.“
 „Ich... Ich glaube schon. Leider habe ich meine Familie väterlicherseits nie kennen gelernt.“
 „Warum?“
 „Ich... weiß nicht. Ich habe nie gefragt. Vielleicht haben sie sich auseinander gelebt oder es gab einen Streit. Vielleicht wohnen sie auch in Litauen und Dad ist der einzige hier in Amerika. Ich weiß es wirklich nicht.“
 „Hmmm...“ Nachdenklich sah er zu mir hinauf. „Skaisa Misullis. Haben die Wörter auch Bedeutungen?“
 „Skaisa ist... Soweit ich weiß bedeutet es Schönheit oder Glanz. Und Misullis ist das Wäldchen. Also, es ist keine Übersetzung, aber-“
 „Ich weiß schon, schönes Wäldchen.“
 Ich lachte leise.
 „Es gibt wahrscheinlich keine Übersetzung, oder?“
 „Nein, es sind Eigennamen.“
 „Verstehe.“
 „Wollen wir den Film sehen?“
 „Ich will eigentlich so liegen bleiben.“
 „Mit der Zeit wirst du schwer.“
 Ohne auch nur eine Sekunde zu verschwenden rollte er sich erneut mit mir herum, bis ich auf ihm lag. „Besser?“
 Ich seufzte leise. „Na gut. Aber nicht fummeln.“
 Er verzog enttäuscht das Gesicht. „Aber Skai...“
 „Nein.“
 „Mist.“
 „Darf ich den Film sehen, wenn wir so liegen bleiben?“
 Er seufzte schwer, als würde ich von ihm verlangen mich in seinem Wagen bis zu mir nach hause zu schieben. „Na gut.“
 Sobald ich den Film abspielte, machte ich es mir gemütlich und bettete meinen Kopf auf seiner Brust. Er hielt mich einfach nur fest, streichelte mir hin und wieder über den Rücken, machte aber keine Anstalt irgendwas aufdringlicheres zu tun, als mich eng umschlungen zu halten.
 Es war schön.
 Nach der Hälfte des Filmes wunderte ich mich, wie ruhig er blieb und als der Film vorbei war, stellte ich fest, dass er einfach eingeschlafen war. Seine Miene war ruhig und entspannt, obwohl seine Arme sogar im Schlaf angespannt waren, als hätte er Angst, ich würde gehen. Sein Mund war einen kleinen Spalt geöffnet und die Versuchung, ihn zu küssen, war mit einem Mal sehr groß.
 „Jason.“, versuchte ich ihn sanft zu wecken und hob die Hand um ihn an der Wange zu berühren, doch er blieb ganz ruhig liegen. Er wirkte, als würde er sogar einen Bombenanschlag verschlafen.
 Von einem tieferen Instinkt geleitet, streckte ich mich ein wenig und küsste ihn auf die Wange, woraufhin er sich mir zuwendete und mit dem Mund über meine eigene Wange glitt.
 „Jason.“
 „Mmmh?“, machte er verschlafen und ließ die Zungenspitze über meinen Kiefer schnellen.
 Eine kleine Welle der Erregung überrollte mich. „De-der Film ist zu- ist zu Ende. Wir... sollten ins Bett ge-gehen.“
 „Okay.“, murmelte er, bewegte sich aber nicht.
 Zumindest nichts unterhalb seiner Schultern. Sein Mund dagegen glitt weiter über meine Wange und meinen Kiefer. Küsste mich hier, knabberte dort, leckte an einigen Stellen. Ich schnappte überrascht nach Luft, als er seine Nasenspitze plötzlich über meinen Hals gleiten ließ und er kleine heiße Küsse hinterließ.
 „Jason.“, versuchte ich es erneut, „Wir liegen noch auf der Couch. Es- Es wird spät.“
 Seine Brust hob sich unter mir, ehe er sich von mir löste. „In Ordnung.“ Er ließ seine Hände noch einen Moment von meinem unteren Rücken über meinen Hintern und meine Oberschenkel gleiten, ehe er sie auf meine Hüften legte. „Soll ich dich tragen, damit du nicht über die Jogginghose stolperst?“
 „N-n-nein, geht schon.“
 „Okay.“
 Etwas ungeschickt kletterte ich von ihm herunter und ging hinüber zum Fernseher, um die CD aus dem CD-Player zu holen und den Film zurück zu stellen. Jason schaltete unterdessen die Geräte aus und legte mir dann eine Hand an den Rücken, als wir hinauf gingen. Unterwegs schaltete er die Lichter aus und blieb an seiner Zimmertür stehen.
 „Ich muss noch das Bett beziehen.“, bemerkte er und kratzte sich über die Wange.
 „Ich kann mich ja solange umziehen.“
 „Gut. Ich brauche wahrscheinlich etwas länger, also lass dir Zeit.“
 „In Ordnung.“
 Damit ging ich hinüber zu meiner Tasche und nahm sie mit ins Bad, wo ich die Tür hinter mir abschloss und erst einmal tief seufzte. Ich fühlte mich noch ein wenig erhitzt von seinen Küssen und als ich meinen Hals berührte, fühlte er sich ganz sensibel an.
 Ob er diese Wirkung wohl auf alles an mir hat?
 Meine Gedanken schweiften zu der Vorstellung ab, wie es wohl wäre von ihm woanders geküsst zu werden. Woanders berührt zu werden. Bei Adrian fühlte ich mich stets ungeliebt, als wäre ich eine Puppe, die er erst aufziehen musste, aber das, was ich bisher mit Jason erlebt hatte, fühlte sich besser an als alles, was Adrian getan hatte.
 Doch mit meiner Neugier kam auch Verbitterung. Ich war mit Adrian zusammen und Untreue war das letzte, was ich mir nachsagen lassen wollte.
 Aber... ist es nicht schon irgendwo untreu jemand anderen zu küssen? Sich von jemand anderen so halten zu lassen?
 Allerdings hatte ich diverse Grenzen nicht überschritten und Jason akzeptierte meine Wünsche.
 Müde rieb ich mir über die Wange und öffnete meine Tasche, um meine Schlafsachen herauszuholen, stöhnte fünf Minuten später jedoch frustriert auf. Ich hatte an Wechselkleidung gedacht, jedoch nicht an Kleidung zum Schlafen.
 So ein Mist. „Jason!“, rief ich unsicher.
 „Ja?“
 „Kannst du mir vielleicht etwas zum Schlafen leihen?“
 „Hast du nicht was eingepackt?“
 „Ich hab's wohl vergessen.“
 Einen Moment Stille. Dann schien er direkt an der Tür zu stehen. „Was hättest du denn gern?“
 „Hast du Shorts? Weite Shorts?“
 „Ein paar. Soll ich dir auch ein anderes Shirt geben?“
 „Das wäre fantastisch.“
 Wieder schwieg er einen Moment. „Sag mal... wäre es unangebracht dich zu fragen, ob du das Shirt trägst, dass ich heute an hatte?“
 Mein Hals brannte vor Verlegenheit. „Ich... ähm... hab eigentlich nichts dagegen.“ Er roch tatsächlich ziemlich gut.
 Ein paar Augenblicke klopfte er. „Machst du kurz auf? Oder bist du... ähm...“
 Statt zu antworten schloss ich auf und öffnete die Tür. „Bin ich nicht. Danke dir.“
 „Kein Problem.“
 Er reichte mir das Shirt, dass er sich wohl gerade ausgezogen hatte, und die Shorts und wendete sich dann hastig wieder dem Bett zu, als wäre ihm das alles peinlich. Ich sah ihm ein paar Sekunden lang zu, schloss dann aber die Tür, um mich umzuziehen.
 Fünf Minuten später kam ich samt Tasche wieder in sein Zimmer und setzte mich geduldig auf die Couch, während er mit der Decke kämpfte. Kurz darauf strich er sich das Haar aus der Stirn und warf die Decke aufs Bett, ehe er zu mir sah.
 „Fertig.“, verkündete er und machte große Augen, als ich aufstand. Dann wendete er hastig den Blick ab und hob die Hand vor den Mund, wobei eine leichte Röte auf seinen Wangen erschien. „Das ähm... steht dir.“
 Schüchtern sah ich an mir herab und betrachtete das schlichte schwarze Shirt und die karierte Shorts. „Danke.“
 „Ich hab hier gerade nur die eine Decke, aber wenn du eine zweite haben willst kann ich noch eine holen.“
 „Klaust du sie mir in der Nacht?“
 „Ich denke nicht.“, meinte er mit einem schiefen Lächeln und sah vorsichtig herüber, als ich näher kam. „Trägst du- Nein, warte. Ich frag besser nicht.“
 Argh, verdammte Neugier. Was wollte er fragen? Ich musste mir fest auf die Lippe beißen, um die Frage nicht laut zu stellen und kletterte ins Bett, als er die Decke beiseite zog. „Es ist ja ganz weich.“, bemerkte ich überrascht und setzte mich direkt in die Mitte.
 Als er nicht antwortete, sah ich zu ihm herüber und stellte fest, dass er mich mit halb geöffneten Augen einfach nur ansah. Dann schien er meinen Blick zu bemerkten und schüttelte hastig den Kopf.
 „Was? Was hast du gesagt?“
 „Nichts weiter.“, murmelte ich daraufhin und zog mir die Decke über die Beine, weil es mir unangenehm war, dass sie nackt waren. „Kommst du?“
 „Ja.“ Dennoch stand er weiterhin einfach nur da und starrte mich an.
 „Jason?“
 Wieder schüttelte er den Kopf. „Tut mir leid, meine Gedanken driften ab.“ Damit kam er ebenfalls ins Bett und schlüpfte neben mir unter die Decke. „Und es stört dich wirklich nicht?“
 „Nein, ist okay.“ Ich legte mich hin und machte es mir auf der Seite, ihm zugewandt gemütlich. Kurz darauf fröstelte ich ein wenig, da es überraschend kühl war.
 „Darf ich dich festhalten?“
 „Tatsächlich wollte ich gerade fragen, ob ich näher rücken darf. Es ist irgendwie... kalt.“
 „Oh, entschuldige. Ich schalte im Sommer immer die Klimaanlage an. Ich könnte sie ausschalten, aber dann wäre es morgen echt heiß hier drin.“
 „Schon okay. Dann musst du mich eben warm halten.“
 Ohne auch nur einen Moment zu zögern rückte er heran und schlang die Arme um mich, zog mich eng an seinen Körper.
 „Ich mag es dich festzuhalten.“, bemerkte er und schob eine Hand an meinem Rücken unter das Shirt.
 „He, ich hab nicht gesagt, dass du fummeln darfst.“
 Provokativ drückte er mit der anderen meinen Hintern. „Ich fasse dich aber so gerne an. Deine Haut ist so weich.“
 „Das liegt an dem vielen Speck.“
 „Behaupte nicht du wärst fett.“, warnte er mich, „Sonst fass ich dich noch mehr an.“
 Sofort schloss ich meinen Mund wieder, den ich trotzig geöffnet hatte. „Wolltest du nicht rummachen?“
 „Willst du auch?“
 Ich wäre geneigt mitzumachen. „Ich hätte wahrscheinlich ein komisches Gefühl, wegen Adrian.“
 Er schnaubte. „Vergiss den Kaktus einfach.“
 Unvermittelt lachte ich auf und schlang die Arme um ihn, wobei mir wieder einfiel, dass er ja kein Shirt trug. Er fühlte sich so stark an. Und sein Körper war wie eine Heizung.
 „Du bist ganz schön heiß.“, bemerkte ich beiläufig.
 „Endlich bemerkt sie es! Danke, Gott.“
 Wieder lachte ich leise. „Ich meine deine Körpertemperatur. Du bist ja wie ein Hochofen.“
 „Ja, das kommt von der vielen Bewegung.“
 „So viel hast du doch gar nicht gemacht.“
 „Heute. Aber die letzten Tage habe ich gelegentlich geboxt. Der Sandsack ist sicher ganz traurig.“
 „Oh, der Arme. Wir sollten ihn mit ins Bett nehmen, damit er sich nicht einsam fühlt.“
 „Vergiss es, ich teile dich nicht.“ Prompt drückte er mich fester an sich und begann wieder an meinem Hals zu knabbern. „Ich will dich küssen, Skaisa.“
 „Das tust du doch schon den ganzen Abend.“
 „Auf den Mund.“
 „Du hast doch einen Kuss frei.“
 „Mit Zunge und allem drum und dran?“
 „Wie definierst du dieses drum und dran?“
 „Ich mag deinen Arsch. Und ich frag mich wie sich deine Titten anfühlen.“ Seine Nasenspitze kitzelte mein Schlüsselbein und sein Atem glitt über den Ansatz meiner Brüste. Im nächsten Moment nahm er mein Kinn zwischen die Zähne, drückte ein Kuss darauf und rieb mit der Nase über meine. „Sag nicht nein.“
 „Meine Brüste sind tabu und deine Hände dürfen nicht in den Slip.“
 „Was immer du willst.“
 „Es wird nichts ausgezogen.“
 Seine Lippen streiften meine. „Also darf ich?“
 Ich dachte darüber nach, ob ich irgendwas vergessen hatte. Oh, ach ja... „Kein Trockensex.“
 „Und da schwinden all meine Hoffnungen.“, neckte er mich und leckte über meine Unterlippe.
 Es war, als hätte er mich damit in Brand gesetzt. Im nächsten Moment drückte er bereits seine Lippen auf meine, küsste mich auf eine Art, wie ich sie von meinen Ex-Freunden und Adrian gar nicht kannte. Er rieb seine Lippen an meinen, knabberte und leckte daran, bis ich leise stöhnte.
 „Fuck, Skai... Baby.“, stöhnte er daraufhin und drang mit seiner Zunge vor.
 Er schob mein Shirt bis direkt unter meinen Brüsten hoch und presste seinen Körper an mich, während seine andere Hand zwischen Shorts und Slip auf meinen Hintern glitt, um mich dort ebenfalls an sich zu drücken. Ich spürte seine Erektion an meinem Unterleib, spürte, wie sich die Erregung in mir ausbreitete.
 Ich erwiderte das Spiel, das er mit meiner Zunge spielte, ließ meine Hände über seinen Rücken gleiten und vergrub darauf eine in seinem Haar. Mit einem heiseren Stöhnen rieb er seine Hüften ein wenig an meinen, ehe er sich besann und sie still hielt, nur um kurz darauf mit einem weiteren Stöhnen weiterzumachen, als ich meine Nägel in seine Schulter grub.
 „Oh, Gott verdammt, Skai.“, stöhnte er wenige Minuten später und ließ den Mund über meinen Hals gleiten. „Ich will Liebe mit dir machen.“
 Völlig benebelt von seinen Küssen lag ich einfach nur in seinen Armen und genoss seine Zuwendung, bis mir auffiel, was er da eigentlich gesagt hatte.
 „Liebe?“, hakte ich überrascht nach und seufzte, als er kleine weiche Küsse auf meine Lippen drückte.
 „Liebe.“, bestätigte er unterdessen und massierte meine Pobacke. „Heiße, innige Liebe.“
 „Aber ich-“
 „Sch sch.“ Er knabberte etwas an meiner Unterlippe. „Ich weiß schon. Auch, wenn es mich wahnsinnig macht. Auch wenn ich unbedingt wissen will welche Farbe deine Nippel haben.“ Er stöhnte erneut auf. „Du hast Bedingungen gestellt. Ich halte sie ein. Auch wenn ich, glaube ich, langsam daran sterbe. Jetzt... Gleich.“
 Dann küsste er mich weiter, mit derselben Intensität, demselben Elan wie vorhin. Mir wurde ganz schummrig von all den Endorphinen und der Erregung, die meinen Körper überschwemmten. Ob ich ihm sagen sollte, dass meine Zehen vor Lust prickelten?
 „Ich glaube, ich könnte davon kommen dich einfach nur zu küssen.“, murmelte er kurz darauf, ehe er knurrte, weil ich zur Abwechslung ihm auf die Unterlippe biss. „Ich will dich so gern kommen lassen.“
 Ich schüttelte nur völlig vergessen mit dem Kopf, ließ mich von ihm aber weiter küssen.
 „Hiernach hab ich wahrscheinlich eine Dauererektion.“, murmelte er an meinen Lippen.
 Irgendwie schaffte ich es daraufhin nichts anderes zu tun als zu schnurren wie eine zufriedene Katze.
 „Scheiße... Ich will, dass du kommst, Baby. Bitte.“ Als er das sagte schob er mein Bein über seine Hüfte und ließ die Hand auf meinem Slip von hinten zwischen meine Beine gleiten. „Bitte bitte.“
 „N-n-nicht, Jason.“
 Er berührte mich nicht, ließ seine Hand lediglich auf meinem Oberschenkel nahe meiner Mitte liegen. „Oh bitte. Ich will es so unbedingt sehen.“
 Fiebrig schüttelte ich erneut den Kopf.
 „Der Slip bleibt auch wo er ist. Ich krieg das durch den Slip hin.“
 „Nein.“
 Frustriert knurrte er ein wenig und streichelte die Innenseite meines Schenkels. „Du bist so heiß.“
 So fühlte ich mich gerade auch. Wie in Feuer getaucht.
 „Warum darf ich dich nicht zum Orgasmus bringen?“
 Da mir die Antwort gerade nicht einfiel, schüttelte ich wieder einfach nur den Kopf.
 „Baby. Nur einmal.“
 Seine Finger gruben sich in meinen Schenkel. Ich merkte, wie ich irgendwas unverständliches über Untreue und Beziehungen nuschelte und für einen ganz kurzen Moment fragte ich mich, wie wohl erst Sex mit Jason sein musste, wenn bereits Küsse so etwas auslösten.
 „Baby, er hat dich so überhaupt nicht verdient.“, murrte dieser gerade, „Wenn du ihm nichts sagst, sag ich auch nichts. Niemand muss das erfahren.“
 „Aber ich weiß es.“, widersprach ich, „Und mir ist nicht wohl bei dem Gedanken.“
 „Es macht mich ganz verrückt. Du liegst hier und ich sehe, dass du willst, aber du weigerst dich. Wegen jemandem wie ihm.“
 „Jason...“
 „Es macht mich einfach fertig.“
 „Küss mich noch etwas.“
 Das tat er. Ich vergaß in all dem Eifer sogar wo ich war und fühlte mich desorientiert, als er sich auf mich rollte. Er schob mir die damit freie Hand in den Nacken, um meinen Kopf in eine Position zu bringen, in der er mit der Zunge tiefer in meinen Mund kam. Mein ganzer Körper zitterte. Jason stöhnte.
 „Skaisa. Ich fang an zu betteln, wenn ich muss. Du sollst kommen, bitte.“ Er knabberte an meinem Ohr und ich schnappte nach Luft. „Bitte!“
 „Ja.“, hauchte ich.
 Ohne auch nur eine Sekunde zu vergeuden schob er seine Hand genau dort hin, wo sie benötigt wurde und rieb mich durch den Stoff meines Slips hindurch, bis mir ganz schwindlig wurde.
 Als mein Stöhnen als Lautstärke gewann, drückte er mir immer wieder Küsse auf den Mund und knabberte an meiner Unterlippe, während er mir allerlei Dinge zuflüsterte. Ich sei die Erfüllung all seiner Träume und er wünschte sich nichts sehnlicher als mich sein nennen zu können.
 Ehe ich mich versah presste ich meinen Mund an seine Schulter und grub leicht meine Zähne hinein, während er meinen Hals mit feurigen Küssen bedeckte. Kurz bevor ich kam, als würde er genau wissen, wann es soweit war, schob er mich zurück ins Kissen und sah auf mich herab, als sei er neugierig auf jede kleinste Regung.
 Ich explodierte ich winzig kleine Teile, drückte mich schamlos an ihn und für ein paar Sekunden wünschte ich mir er wäre in mir. Tatsächlich suchte sich eine meiner Hände sogar einen Weg hinab, aber er war weitsichtig genug sie neben mir in die Matratze zu drücken.
 Kurz darauf lag ich atemlos, verschwitzt und träge unter ihm. „Das war... Das...“
 „Sch sch.“, machte er nur und gab mir einen nahezu ehrfürchtigen Kuss auf den Mund. „Du solltest jetzt schlafen.“
 „Mmmh...“, machte ich daraufhin und blinzelte verwundert, als er sich zurück zog. „Wohin gehst du?“
 „Ich bin gleich wieder da.“
 Den Geräuschen nach zu urteilen ging er ins Bad, also würde ich nicht weiter nachfragen. Stattdessen starrte ich an die Decke und fragte mich unwillkürlich, ob mich das Erlebnis eben zu einer Schlampe machte. Der Gedanke erschütterte mich so sehr, dass mir Tränen in die Augen stiegen und ein Schluchzer aus mir heraus brach.
 „Skai?“, hörte ich kurz darauf Jason, „Was hast du?“ Im nächsten Moment beugte er sich über mich. „Was ist los?“
 „Ich- Ich hab bloß- Entschuldige, ich weiß auch nicht. Ich glaube, ich reagiere bloß über.“
 „Erzähl es mir.“
 „Ich hab mich bloß gerade gefragt, ob...“
 Als ich nicht weiter sprach, wischte er mir die Tränen aus dem Gesicht und seufzte. „Geht es um die Sache mit der Treue?“
Verlegen nickte ich und er verzog nachdenklich den Mund. „Hätte ich- Scheiße, daran hätte ich denken müssen.“ Er wischte sich über das Gesicht. „Tut mir leid, dass ich dich dazu überredet habe. Ich halte dich zwar nicht für untreu, immerhin haben wir nicht miteinander geschlafen, aber... Fuck... Entschuldige.“
 Ich schüttelte den Kopf. „Nein, es ist... ich mochte es. Es war das erste Mal, dass... also...“
 Er hob eine Braue. „Dass?“
 „Dass ich bei jemandem gekommen bin.“, nuschelte ich leise.
 Da sackte er plötzlich zusammen, sodass sein Gesicht an meinem Hals lag. „Heilige Scheiße... Das war so süß.“ Dann hob er den Kopf und sah mir ins Gesicht. „Also bist du bei Adrian nie gekommen?“
 Ich schüttelte verlegen den Kopf.
 „Was für eine Lusche.“
 Unwillkürlich begann ich zu kichern und presste mir eine Hand auf den Mund. „Du bist böse.“
 „Nein, ich bin ehrlich. Was ist er denn für ein Kerl, dass er seine Freundin nicht befriedigen kann?“ Da zog er die Brauen zusammen. „Ganz zu schweigen von deinen anderen beiden Ex.“
 „Du willst doch jetzt nicht darüber reden, oder?“
 „Dass deine Ex-Freunde Schlappschwänze sind?“ Er schnaubte. „Keine Sorge. Aber du solltest ernsthaft darüber nachdenken, ob es nicht besser wäre sich von der Hühnerbrust zu trennen.“
 Ich erstickte fast an meinem Lachen, was ihn ganz offensichtlich amüsierte.
 „Na komm, lass uns schlafen.“ Er kletterte über mich herüber, sodass er zwischen mir und der Tür lag, kroch unter die Decke und zog mich an sich. „Du musst müde sein.“
 „Und du erst. Du bist während dem Film eingeschlafen.“
 Er schnaubte. „Es war furchtbar langweilig.“
 „War er nicht!“
 „Doch. Ich meine, mal im Ernst... Wer, auf diesem ganzen Planeten, kommt auf die Idee in die Antarktis zu reisen, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung von dem Kontinent zu haben, nur damit er bei seiner Angebeteten sein kann?“
 „Romantiker?“
 Er rümpfte die Nase.
 „Was hättest du denn getan?“
 „Ich hätte mir wenigstens ein paar Bücher darüber durchgelesen.“
 „Ach Quatsch. Du liest Bücher?“
 „Stell dir vor, ich kann wirklich lesen.“
 Amüsiert rollte ich mit den Augen. „Stört es dich die Lichter aus zu machen? Ich meine, sie sind schon irgendwie cool...“ An der Wand über meinem Kopf waren Lampen angebracht die die Wand selbst in ein dämmriges blaues Licht tauchten, während zwei weitere Lampen die Wand gegenüber den Anblick von Wellen simulierten. „Aber leider kann ich mit Licht nicht so gut schlafen.“
 „Kein Problem.“ Er rollte sich zur Seite und betätigte wohl irgendwelche Schalter, woraufhin es stockdüster wurde. Dann schmiegte er sich wieder an mich. „Besser?“
 „Mhm...“ Mit einem leisen Seufzer genoss ich die Nähe, die er mir bot und schlief irgendwann ein.

















Isalija "spricht",
denkt und handelt.


Zuletzt von Isalija am So 20 Mai 2018 - 0:59 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Isalija
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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   So 20 Mai 2018 - 0:59

Kapitel 7

 Es war ein seltsames regelmäßiges Geräusch, das mir irgendwie bekannt vor kam, was mich am nächsten Morgen weckte. Irgendwie erinnerte es mich an die Judomatten im Sportunterricht, wenn wir uns fallen lassen und auf die Matte schlagen mussten.
 Verschlafen wälzte ich mich herum, in der Hoffnung, dass das Geräusch leiser wurde. Es war tatsächlich ein paar Sekunden lang still, doch dann ertönte es erneut, woraufhin ich frustriert die Augen öffnete. Erst dann erinnerte ich mich daran, dass ich gar nicht zuhause war.
 Müde und zerknautscht vom Schlaf drehte ich mich erneut herum, weil ich Jason nicht sehen konnte und entdeckte ihn vor seinem Sandsack. Dieser kam gerade zur Ruhe, ehe Jason heran trat und eine Reihe seltsam kontrollierter Schläge... augenscheinlich unkontrolliert auf den Sandsack prasseln ließ, bis dieser begann zu schaukeln. Da trat er zwei Schritte zurück und wartete, bis er wieder zur Ruhe kam, ehe er heran trat und von neuem begann.
 Fasziniert und noch träge vom Schlaf sah ich ihm dabei zu und bemerkte, dass er nach fünf weiteren Runden begann zu schwitzen. Drei Runden später bemerkte ich erst Veränderungen in seiner Atmung und sieben zusätzliche Runden später war er gänzlich verschwitzt und atmete schwer, wirkte aber noch immer voller Energie.
 Als ich unwillkürlich gähnte, weil ich Sauerstoff benötigte, sah er überrascht herüber. „Oh. Habe ich dich geweckt?“, fragte er besorgt.
 „Halb so schlimm.“, entgegnete ich und kuschelte mich ins weiche Kissen. „Ich hab gerne zugesehen.“
 Dabei, wie er zuschlug. Mit erstaunlicher Brutalität, die mich für gewöhnlich schockiert hätte. Dabei, wie seine Muskeln arbeiteten, denn er trug dasselbe, wie letzte Nacht, hatte sich kein Shirt über gezogen. Am meisten faszinierten mich tatsächlich die Schläge.
 „Wieso sieht es sowohl kontrolliert, als auch unkontrolliert aus, wenn du zuschlägst?“, fragte ich nachdenklich.
 Er ließ den Blick ein wenig über mich gleiten und lächelte schräg. „Du siehst zum anbeißen aus, wenn du gerade aufwachst.“, bemerkte er, kam herüber und küsste mich auf die Wange. „Die Schläge selbst sind kontrolliert.“, erklärte er dann, „Allerdings ist es nun mal nur ein Sandsack. Es gibt keine bestimmten Stellen, die ich treffen muss, also schlage ich einfach irgendwo hin und hoffe, dass er nicht anfängt zu schaukeln. Was natürlich jedes Mal passiert.“
 „Verstehe.“
 Noch immer etwas müde streckte ich mich ein wenig und bemerkte, dass die Sachen, die ich trug im Schlaf wohl verrutscht waren. Der Bund der Shorts berührte fast meinen Nabel und noch ein paar Millimeter höher und das Shirt würde die Unterseite meiner Brüste entblößen. Jasons Blick nach zu urteilen war ihm das nicht entgangen.
 „He, sei wenigstens so anständig wegzuschauen.“, tadelte ich ihn und zog die Kleidung zurecht.
 „Und diesen Anblick verpassen? Komm, da kennst du mich aber besser.“ Er schob die Hand unter das Shirt, das ich gerade erst herunter gezogen hatte und streichelte über meine Seite, wobei er an meinem Kiefer knabberte. „Wahrscheinlich hätte ich mir den Kuss für jetzt aufbewahren sollen. Wenn ich dich so sehe klopft mein Herz wie verrückt und ich will dich überall küssen und anfassen.“
 „Dann ist es doch gut, dass du deine Finger bei dir behalten musst.“, entgegnete ich atemlos.
 Er seufzte traurig. „Möchtest du frühstücken?“
 „Ich frühstücke nie.“
 „Na gut. Wie wäre stattdessen Mittagessen? Ich koche.“
 „Wie spät ist es denn?“
 „Mittag. Also, 12 Uhr nochwas.“
 Ich verzog das Gesicht. „Wie lange waren wir wach?“
 „Bis Mitternacht oder 1. Keine Ahnung.“
 „Dann habe ich ganz schön lang geschlafen.“
 „Ich hab versucht dich schlafen zu lassen, aber ich musste mich bewegen, also hab ich auf den Sandsack eingeschlagen.“
 „Ist schon okay.“
 Ich gähnte noch ein letztes Mal und stand dann auf, um mit ihm hinunter zu gehen. Er kochte ein fantastisches Mittagessen – Kartoffeln, gefüllt mit einer leckeren Schmand-Schinken-Zwiebel-Füllung – und wir unterhielten uns eine Weile, bis es schließlich Zeit war mich nach hause zu fahren. Es war fast schon schade, dass die Zeit so schnell vergangen war, doch man sollte ja bekanntlich aufhören, wenn es am besten war.
 Also zog ich mir meine Wechselsachen an, packte alles ein, wobei ich mir, nachdem ich sichergegangen war, dass Jason nicht im Raum war, eines seiner Shirts stibitze – eine schlechte Angewohnheit – und stieg mit Jason in seinen Wagen.
 „Wie wäre es, wenn wir sowas öfter machen?“, schlug er irgendwann vor.
 „Wie oft ist öfter?“
 „So... einmal die Woche?“
 Ich zögerte etwas, ehe ich mich ihm ein wenig zudrehte. „Ich hoffe, du sprichst jetzt nur von dem schönen Samstag und der Übernachtung und nicht von dem, was... ähm... letzte Nacht passiert ist.“
 Er seufzte schwer. „Nein. Mir ist bewusst, dass ich es zu weit getrieben habe. Und es tut mir leid. Beim nächsten Mal... Ich werde einfach auf der Couch schlafen.“
 „Auf der Couch ist es doch aber sicher sehr unbequem.“
 „Es ist bequemer als der Boden. Ich kann sie ausklappen, also ist alles in Ordnung.“
 „Nun, dann... Ich wäre mit jedem zweiten Samstag zufrieden.“
 „Warum nur jeden zweiten?“ Unsicher warf er mir einen kurzen Blick zu.
 „Zum einen willst du sicher noch immer hin und wieder auf eine Party.“
 „Wenn ich auf eine Party will, kann ich auch an einem anderen Tag gehen.“
 „Und zum anderen halte ich es für sicherer, wenn wir uns nur alle zwei Wochen sehen.“
 „Was? Wie meinst du das? Sicherer.“ Ihm war anzumerken, dass er unzufrieden mit meiner Entscheidung war.
 „Sicherer für mich und meine Beziehung.“
 „Was findest du an diesem Kerl?“
 „Nun, zuallererst ist er mir treu und vögelt nicht irgendwelche Frauen.“
 Er zuckte zusammen. „Verdammt nochmal!“, brüllte er dann und schlug auf das Lenkrad.
 „Jetzt reg dich doch nicht gleich so auf. Ich kenne Adrian nun mal auch schon bedeutend länger als dich. Er ist sehr aufmerksam und ist für mich da, wenn ich ihn brauche, wenn es mir schlecht geht.“
 „Und wenn das nicht der Fall ist bringt er dich zum weinen und ist nicht mal in der Lage es dir ordentlich zu besorgen.“
Das saß. Resigniert wendete ich mich ab. „Weißt du, ich muss mich gar nicht vor dir rechtfertigen. Vielleicht wäre es auch besser das einfach zu lassen.“
 „Nein, was- Nein! Warte.“
 „Warum? Willst du noch mehr auf unwichtige Details einhacken, die dich nichts angehen?“
 „Es ist nicht unwichtig, dass er dich zum weinen bringt. Und ein gutes Sexualleben ist wichtig in einer Beziehung.“
 „Wie viele Beziehungen hattest du schon in deinem Leben? Eine? Zwei? Die hundert Frauen, mit denen du es getrieben hast nicht mitgezählt.“
 „Ich will doch nur, dass es dir gut geht.“
 „Du mischt dich in etwas ein, das dich nichts angeht. Ich habe dich nicht um deinen Rat gebeten. Ich habe nicht einmal diese Freundschaft gewollt. Ich war bereit ihr eine Chance zu geben, dir eine Chance zu geben mir zu zeigen, dass du kein Arschloch bist. Und das ist deine Art das umzusetzen? Du kritisierst meine Beziehung mit einem Mann, den du nicht einmal kennst?“
 „Ich habe mich nur auf die Dinge beschränkt, die ich gesehen oder von dir gehört habe.“
 „Wir kennen uns gerade mal eine Woche und haben uns drei Mal gesehen.“
 Er atmete tief durch. „Okay, warte. Gib mir einen Moment.“
Ich hätte ihm am liebsten noch irgendwas um die Ohren gehauen, presste stattdessen aber die Lippen aufeinander und gab ihm seine Zeit.
 „Lass es... Lass es mich so formulieren.“, hob er vorsichtig an, „Jedes Mal, wenn ich mitbekommen habe, wie ihr miteinander umgeht, habe ich nicht das Gefühl gehabt, als würde er sich wirklich Gedanken um deine Gefühle machen. Ich weiß.“, schob er hastig hinterher, als ich bereits zum Protest ansetzte. „Ich weiß, dass ich ihn eigentlich gar nicht kenne und auch dich noch nicht lange kenne. Das war jetzt nur eine Beobachtung. Kann ich das so nennen?“
 Obwohl ich gereizt war ließ ich mir das einen Augenblick durch den Kopf gehen. „Na gut.“
 „Es tut mir leid, dass meine Formulieren eben etwas... ähm... ungünstig war. Ich wollte dich nicht... bloßstellen.“
 „Mich nicht bloßstellen?“
 „Ich meine, ich wollte nicht- Ich-“ Er fuhr sich nervös mit der Hand durchs Haar. „Egal was ich sage, irgendwie mache ich alles nur noch schlimmer.“
 „Dann solltest du vielleicht einfach den Mund halten.“
 Ein paar Sekunden schwieg er einfach nur, öffnete den Mund, schloss ihn dann aber wieder. „Skaisa...“
 „Was?“
 „Es tut mir leid, okay. Ich war bloß aufgeregt, weil du es für nötig hältst eine Art Sicherheitsabstand einzuhalten.“
 „Nur mal so nebenbei. Ich halte das für nötig, weil Adrian ein sehr misstrauischer, eifersüchtiger und lauter Mann ist, nicht weil ich Angst habe, dass du plötzlich versuchst mich ins Bett zu kriegen.“
 Er atmete lange aus und ließ den Kopf gegen die Kopflehne sinken. „Entschuldige.“
 „Hast du dich wieder abgeregt?“
 „Ja. Auch wenn ich deinen Freund nicht leiden kann.“
 „Das wird sich wahrscheinlich nie ändern.“
 „Also sehen wir uns alle zwei Wochen?“, fragte er hoffnungsvoll.
 „Lass mich etwas darüber nachdenken, okay. Ich... brauche jetzt erst mal ein paar Tage.“
 „Okay, aber... Also... Können wir wenigstens schreiben? Oder telefonieren?“
 „Ich denke drüber nach.“ Ich sah, wie er die Lippen aufeinander presste und die Schultern sacken ließ. „Es hat mir trotzdem sehr gefallen. Der Samstag.“
 „Mir auch. Ich... Ich hab dich gern in meiner Nähe. Und ich weiß, du musst nachdenken, aber... Ich möchte, dass du weißt, dass... wenn du jemanden brauchst, egal wofür, du kannst dich immer melden oder vorbei kommen. Ich bin da.“
 „Danke.“
 „Ich hoffe, du weißt, dass du mir vertrauen kannst.“
 „Das werde ich noch sehen.“
 Wenig später hielt er vor unserem Haus und wendete sich mir zu. Er wirkte wirklich geknickt.
 „Tut mir leid, dass ich es versaut hab.“
 „Du darfst es einfach nicht übereilen. Und vor allem musst du begreifen, dass ich mit Adrian zusammen bin. Ich werde nicht fremd gehen und ich lasse mich auch nicht ausspannen. Wenn ich denke, dass du das verinnerlicht hast, können wir uns gerne wieder treffen, aber fürs Erste...“
 „Ich weiß. Dann... lass ich dich jetzt mal besser.“
 „Vielen Dank, dass du mich nach hause gebracht hast und... Vielen Dank für den schönen Tag.“
 Er lächelte schräg. „Ich bin froh, dass es dir gefallen hat.“
 Ich erwiderte das Lächeln und stieg aus, stellte dann aber die Tasche ab und beugte mich nochmal hinein. „Jason?“
 „Ja?“ Es war ein schönes Gefühl, festzustellen, dass er bereits in meine Richtung sah.
 „Woher hast du eigentlich das Auto? Sagtest du nicht, du fährst Motorrad?“
 „Ich hab es gekauft, damit ich dich abholen kann.“
 „Einfach so?“
 Er zuckte mit den Schultern. „Du fährst ja nicht Motorrad.“
 „Tust du mir einen Gefallen?“
 „Jeden.“
 „Komm hier rüber.“
 Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, schaltete er den Wagen ab, stieg aus und kam um den Wagen herum. „Und nun?“
 Ich musste mich etwas strecken, um seinen Hals mit dem Armen zu umschließen, weshalb er sich herab beugte. Dann drückte ich ihn einfach nur an mich. „Du bist gar kein so schlechter Kerl.“, bemerkte ich dann.
 „Freut mich, dass du so denkst.“
 „Willst du die Umarmung gar nicht erwidern?“
 „Ich war mir nicht sicher, ob du das willst.“ Dennoch schlang er die Arme um mich, drückte mich an sich. „Wofür ist das?“
 „Du hast einsam ausgesehen.“, entgegnete ich und verschwieg das Detail, dass ich gerne von ihm umarmt wurde. „Was machst du jetzt?“
 „Dich festhalten?“
 Ich kicherte. „Du weißt, was ich meine.“
 „Die Frage einfach zu beantworten wäre doch langweilig gewesen.“ Er fuhr mir mit der Hand durchs Haar. „Ich werde nach hause fahren, noch ein wenig den Sandsack verprügeln und dann werde ich mich mit den Jungs treffen.“
 „Pass auf, sonst gründe ich eine Organisation zum Schutz der Sandsäcke.“
 „Ich werde dich in allem unterstützen was du tust, aber ich glaube damit würdest du nicht viel Gehör bekommen. Versuch es mit einer Unterschriftensammlung, bei der du die Menschen ansprichst.“
 „Vielen Dank für den Tipp.“
 Diesmal war er der erste, der anfing zu lachen. „Okay, jetzt musst du wirklich rein, sonst lässt dein Vater dich nie wieder zu mir.“
 Einen Augenblick drückte ich ihn nochmal an mich und küsste ihn auf die Wange, ehe ich mich von ihm löste. „Wirklich vielen Dank. Auch für...“ Ich errötete. „Du weißt schon.“
 „Wenn du noch mehr davon willst, musst du nur fragen.“
 „Jason!“
 „Ich weiß, der Kaktus und so weiter.“ Er gab mir einen Klaps auf den Hintern, als ich mich beugte, um meine Tasche zu nehmen. „Sag deiner Mom, dass ihre Sandwiches die besten sind, die ich je gegessen habe.“
 „Komisch, das sage ich ihr auch immer.“, entgegnete ich und schlug ihm auf die Finger. „Ich melde mich.“
 „Lass dir nicht zu viel Zeit, sonst denke ich noch, es war ein One-Night-Stand.“
 Rückwärts begann ich die Auffahrt hinauf zu gehen. „Du bist ein Blödmann.“
 „Ein dir völlig verfallener Blödmann.“ Er legte sich die Hand aufs Herz. „Sei nicht zu hart mit mir.“
 „Du übertreibst.“
 „Du hast ja keine Ahnung, Baby.“
 „Nenn mich nicht so.“
 „Ist dir Darling lieber?“
 Ich schürzte einen Moment die Lippen. „Vielleicht.“
 An der Tür angekommen hob ich zum Abschied die Hand, während er darauf wartete, dass ich im Haus war. Sobald ich die Tür hinter mir geschlossen hatte, lehnte ich mich dagegen und atmete tief durch.
 Wir treffen uns, sobald er Dinge verinnerlicht hat? „Wie naiv und dumm ich doch bin.“, murmelte ich, ehe ich weiter ins Haus trat. „Ich bin wieder da!“

 Die Monate verstrichen. Die Beziehung mit Adrian wurde zu einer Achterbahnfahrt. Mal wurde sie besser, nur um dann schlimmer zu werden, als zuvor. Und jedes Mal, wenn ich darüber nachdachte die Beziehung zu beenden, schaffte Adrian es die Kurve zu kriegen und wir steuerten auf ein neues Hoch zu. Es war anstrengend und ich hörte mir oft von Jason an, dass mich das kaputt machen würde.
 Er dagegen hielt sich überraschend gut zurück und hatte sich im Griff. Ohne sich auch nur einmal zu beschweren hörte er sich alles an, was ich sagte, ob ich mich dabei wiederholte oder nicht und er gab mir jeden Tag das Gefühl bei ihm nicht nur willkommen sondern erwünscht zu sein.
 Entgegen Adrians wünschen hatte ich also im August zugestimmt Jason jeden Samstag zu besuchen und den Tag mit ihm zu verbringen. Dieser war schon glücklich, wenn ich einfach nur auf seiner Couch saß und ein Buch las und ich würde mich nicht beschweren. Er kümmerte sich um mich, wenn es mir schlecht ging, hielt aber auch nicht mit seiner Meinung hinterm Berg.

 Mit den Monaten kam die Kälte. Der Winter und Weihnachten rückten näher. Ich hatte mit Jason abgesprochen im Dezember jedes Wochenende ganz bei ihm zu verbringen, weil er sonst allein wäre, bis auf den letzten, da es sich da um den zweiten Weihnachtsfeiertag handelte, den ich bei Adrian verbringen sollte. Meine Eltern waren mit allem einverstanden, Jason hatte darauf bestanden, dass ich am Sonntag, direkt nach Weihnachten zu ihm kommen sollte und Adrian...

 Adrian benahm sich wie das größte Arschloch.
 Es war Dienstag und Donnerstag war Heiligabend. Ursprünglich hatte ich vorgeschlagen den Tag bei meinen Eltern, Freitag bei Adrian und Samstag und Sonntag dann bei Jason zu sein, doch Adrian bestand darauf, dass ich nach der Bescherung bei meinen Eltern am Donnerstagabend bis Sonntagmittag bei ihm sein sollte.
 Frustriert sah ich auf mein Smartphone und tippte eine Antwort. Uneinsichtig wie er war hatte er nichts anderes zu tun als sich darüber aufzuregen, dass ich so viel Zeit mit Jason verbrachte und mir an den Wochenenden keine Zeit für ihn nahm.

 Skaisa: Wir könnten uns jeden Tag sehen, Rian, wenn du in der Schule mal auf den Hof kommen würdest. Jason hat niemanden der ihm nahe steht. Er hat neben seinem Vater, der nie da ist, nur mich. Ich will für ihn da sein.
 Adrian: Es ist nicht deine Aufgabe für jemanden wie Jason da zu sein. Du führst eine Beziehung mit mir, nicht mit ihm.
 Skaisa: Und genau deshalb verbringe ich Weihnachten auch bei dir und treffe dich drei Mal die Woche. Dass wir uns in letzter Zeit so selten gesehen haben lag weder an mir, noch an Jason.
 Adrian: Ich hab manchmal das Gefühl, dass du lieber mit ihm zusammen wärst.
 Skaisa: Meinst du nicht, ich hätte dann schon die tausenden Möglichkeiten genutzt, die du mit dir deinem Scheiß-Verhalten gegeben hast, um Schluss zu machen?
 Adrian: Hör auf so zu reden. Der Kerl hat einen schlechten Einfluss auf dich.
 Skaisa: Er hat mein Vokabular erweitert. Solltest du auch mal versuchen. Jetzt reg dich nicht so auf. Wenn du mich sehen willst, dann komm einfach her!
 Adrian: Ich will nicht, dass du so viel mit ihm unternimmst.

 Ich stöhnte auf und rieb mir über die Stirn, ehe ich einfach ein paar Sätze weiter oben kopierte und einfügte.

 Skaisa: Jason hat niemanden der ihm nahe steht. Er hat neben seinem Vater, der nie da ist, nur mich. Ich will für ihn da sein.

 Er bemerkte nicht einmal, dass ich das bereits gesagt hatte, sondern regte sich von neuem darüber auf. Es war ermüdend, sodass ich mich wie verrückt freute, als ich zur Abwechslung eine Nachricht von Jason bekam.

 Jason: Hey, Herzchen. Wie läuft das Gespräch mit dem Kaktus? Sticht er schon wieder?
 Skaisa: Er ist wie eine Tarantula! Er schießt damit!
 Jason: Wow, Cactulas sind offenbar gefährlicher als ich dachte.

 Ich brach prustend in Gelächter aus.

 Skaisa: Cactulas? Ist das dein Ernst?
 Jason: Hatten wir uns nicht darauf geeinigt, dass ich alles ernst meine, was ich dir sage?

 Amüsiert hob sich mein Mundwinkel, ehe ich seufzte, weil ich einen Anruf von Adrian bekam. Ich hob ab und stellte ihn auf laut, während er anfing sich zu beschweren.
 „Verdammt nochmal, Skaisa!“, brüllte er in sein Smartphone, „Was soll der ganze scheiß? Bedeutet dir die Beziehung so wenig?“

 Skaisa: Oho, die Cactula steigt auf Verbalattacken um. Halte den Erste-Hilfe-Kasten bereit!

 „Das stimmt nicht und das weißt du ganz genau.“, entgegnete ich und massierte mir das Nasenbein. „Ich verstehe nicht, warum du so ein großes Problem mit Jason hast.“
 „Der Kerl versucht dich mir auszuspannen!“
 „Also vertraust du mir nicht?“

 Jason: Soll ich mich auf dem Weg zu dir machen?
 Skaisa: Noch nicht, aber bleib dran, für den Fall, dass ich dich anrufe.

 „Ich kenne Jason.“, donnerte Adrian, „Er lässt nicht locker, bis er dich hat.“
 „Wir sind Freunde, Rian. Zwei Menschen, die sich an Wochenenden treffen, um gemeinsam abzuhängen.“
 „Warum erzählst du mir dann nie, was ihr zusammen tut?“
 „Ich erzähle dir ständig, was wir machen. Du hörst mir nur nie zu.“
 „Erzähl keinen Mist!“, fuhr er mich an.

 Jason: Lass dich nicht unterkriegen.
 Skaisa: Leichter gesagt, als getan.

 „Ich erzähl keinen Mist.“, murmelte ich und lächelte leicht über Jasons Versuch mich aufzumuntern. „Erst gestern habe ich dir erzählt, dass Jason und ich Schlittschuh laufen waren und du hast dich darüber aufgeregt, dass wir nie solche Ausflüge machen. Dann fingen wir an darüber zu streiten, dass ich dir das bereits seit Wochen vorgeschlagen habe und du nie wolltest.“
 Nun seufzte er gereizt und fluchte halblaut vor sich hin.

 Jason: Lagebericht?
 Skaisa: Sir, die Front ist gefallen. Die linke Flanke hat schwere Schäden davon getragen, aber die rechte Flanke ist intakt. Das Zentrum ist sicher.
 Jason: Greift er dich frontal an?
 Skaisa: Er startete eine Belagerung und schnitt die Versorgung ab.
 Jason: Ich bin mir sicher, du kannst trotzdem gewinnen. Kein Rückzug.
 Skaisa: Aye, Sir. Kein Rückzug. Ich versuche es mit einem Waffenstillstand.

 „Hör mal, Rian, warum lassen wir das nicht einfach ruhen? Bald ist Weihnachten und ich will nicht streiten. Das wird uns nur die Laune und die Freude auf das Fest verderben. Deine Mutter wäre davon sicher auch nicht begeistert.“
 Er seufzte schwer. „Ja, du hast Recht. Lassen wir das, es bringt eh nichts.“
 „Wir stehen beide unter Stress wegen der Vorbereitungen. Das zerrt an unseren Nerven und macht uns reizbar. Und dann hängst du auch noch in den Silvestervorbereitungen. Du solltest dich ein bisschen ausruhen.“
 „Ja.“ Ich hörte ihn tief durchatmen. „Ja. Gut, okay. Tut mir leid. Ich hau mich etwas aufs Ohr und lass mir dann alles nochmal in Ruhe durch den Kopf gehen.“
 „Nein, mach das nicht, wirklich. Das regt dich nur wieder auf.“
 „Willst du nun, dass ich das verstehe, oder nicht?“
 „Doch natürlich, will ich, dass du es verstehst, aber ich wünschte, du würdest dich jetzt mehr auf Weihnachten konzentrieren.“
 Er seufzte erneut.
 „Bitte, Rian.“ Ich setzte noch einen drauf, indem ich mit meiner unschuldigsten Stimme sprach.
 „Na gut, ich... versuch's, okay.“
 „Danke. Wirklich.“
 „Ja ja.“, murrte er, „Ich muss jetzt auflegen. Janne kommt gleich vorbei.“
 Ich zögerte. „Moment. Janne? Die Janne, die dich letztens angebaggert hat? Die Janne, mit der du geknutscht hast, als du betrunken warst?“
 „Wir haben nicht geknutscht.“
 „Es gibt Fotos! Erzähl mir keine Märchen.“
 Diesmal stöhnte er auf. „Gott, Frau.“
 „Was will sie überhaupt bei dir? Du hast gesagt, du brichst den Kontakt mit ihr ab!“
 „Willst du mich verarschen? Das habe ich nie behauptet!“
 „Und ob du das behauptet hast. Wir haben darüber geschrieben und ich habe die Nachricht noch. Wenn du willst, schicke ich dir einen Screenshot.“
 „Du bist doch krank!“
 Ich verstummte, weshalb es ein paar Sekunden lang still war. „Okay.“, entgegnete ich schließlich, woraufhin er seufzte.
 „Skaisa, warte...“
 „Nein, ist schon okay. Ich nehme es nur noch hin, wenn du mich beleidigst. Es tut kaum noch weh, wirklich.“ Dennoch konnte ich nichts dagegen tun, dass man mir die Tränen in den Augen anhörte.
 „Scheiße. Ich... hab's nicht so gemeint.“
 „Aha.“
 „Es tut mir leid.“ Einen Moment war er still, ehe er erneut fluchte. „Janne ist da.“, murmelte er.
 „Gut. Hab einen schönen Tag mit ihr.“
 „Skaisa, jetzt... bitte, sei nicht sauer.“
 „Mir ist nicht entgangen, dass du mir nicht gesagt hast, was sie bei dir tut, also...“ Ich seufzte. „Vielleicht sollte ich über Weihnachten doch nicht zu dir fahren.“
 „Nein... Nein, bitte. Ich will dich bei mir haben. Zwischen mir und Janne ist nichts, das schwöre ich dir.“
 „Mhm...“, machte ich daraufhin resigniert und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht.

 Jason: Wie läufts?
 Skaisa: Hab verloren.

 „Hör mal, ich... lege jetzt auf, okay.“ Die Tränen rollten mit bereits über die Wangen.
 „Skai, Baby-“
 „Nein bitte. Lass es einfach. Ver- Verbring Weihnachten einfach mit ihr.“
 „Scheiße, man, Skai, ich will nichts von ihr.“
 „Du hast mit ihr rumgemacht.“
 „Ich war hackedicht!“
 „Glaubst du, das interessiert mich? Ich sage dir seit Monaten, du sollst nicht so viel trinken.“
 „Ich lass mir doch von dir nicht vorschreiben, was ich zu tun und zu lassen habe.“
 „Und genau so sind wir hier gelandet. Grüß deine Mutter von mir. Ich bin mir sicher, sie hätte sich über meine Anwesenheit gefreut.“
 Damit legte ich auf und wählte Jasons Nummer. Er hob sofort ab und ich fühlte mich sofort besser, als ich seine Stimme hörte.
 „Hey, Kätzchen.“, begrüßte er mich, „Wie schlimm ist es?“
 Ich schniefte.
 „Klingt wirklich schlimm. Soll ich für Weihnachten die Couch fertig machen?“
 „Du kannst Gedanken hören.“, bemerkte ich jämmerlich.
 „Das betrachte ich als Ja. Jetzt musst du herkommen.“
 „Danke, dass du ein so guter Freund bist.“
 „Ich tue das gerne. Wann kommst du dann her?“
 „Wie klingt Donnerstagabend? Dann muss ich meinen Eltern nicht erklären, warum ich nicht bei Adrian bin.“
 Er schwieg einen Moment. „Ich würde mich freuen. Ich weiß nur nicht, ob du Freitag dann so begeistert wärst.“
 „Steht was an?“
 „Tut mir leid. Aber ich kann dir meinen Zimmerschlüssel geben. Du musst ja nicht raus kommen und die Tür vom Bad zum Flur lässt sich auch abschließen. Und ich schaue alle zwei Stunden vorbei und bringe dir Snacks und Getränke.“
 „Wenn ich all inclusive buche, bist du dann enthalten?“
 „Du kannst von mir alles haben, was du willst.“
 „Dann buche ich gleich für fünf Tage!“
 „Also gehst du erst Montag?“
 Ich zögerte. „Steht da auch was an?“
 „Nein nein.“, antwortete er schnell, „Ich wollte bloß sicher gehen.“
 „Gut. Also, ja. Wenn es dir nichts ausmacht.“
 „Du darfst kommen und gehen, wann du willst und das weißt du auch.“
 „Ja.“, stimmte ich zu und lächelte sanft. „Das weiß ich. Danke.“
 Er atmete kurz durch. „Und du willst mir immer noch nicht erzählen, was die Cactula dir gesagt hat?“
 Ich prustete erneut und wischte mir die letzten Tränen aus dem Gesicht. „Wie kommst du auf so ein Wort?“
 „Du bist hier die Autorin. Sag du es mir.“

 Am nächsten Abend stand ich zögernd vor einem Haus, in dem eine Party gefeiert wurde und rieb mir zögerlich über die Oberarme.
 „Nun komm schon.“, bat Tara und zog an meinem Arm.
 Ich seufzte schwer. „Na gut. Aber nicht lange.“
 „Versprochen!“
 Ich war mir nicht sicher, wie ich hier gelandet war. Tara hatte mich angerufen und gefragt, ob wir etwas unternehmen wollten, also hatte ich zugesagt. Wir waren bummeln, haben uns bei ihr etwas entspannt und dann hatte sie vorgeschlagen auf diese Party zu gehen. Ihr Freund Matthew würde uns auch fahren.
 Als ich ihr nun herein folgte, hatte ich ein echt schlechtes Gefühl dabei, doch sie hatte schon vorher gut argumentiert. Sie würde an meiner Seite bleiben, als seien wir siamesische Zwillinge, wir würden nur ein oder zwei Stunden bleiben, es sei keine große Party, Adrian und Jason waren nicht dort und es gab kaum Alkohol.
 Sagte sie zumindest.
 Mir war nicht klar, für wie naiv sie mich hielt. Bereits als wir durch die Tür kamen, hörte ich Adrian lachen und neben mir trank jemand Vodka.
 Ich sollte mir vielleicht einfach neue Freunde suchen, wie Dad gesagt hat. Seufzend folgte ich Tara durch die Menge, bis sie begeistert aufschrie und mich hinter sich her zu einem Mann zog, der gerade mit einer Frau flirtete.
 „Gustavo!“, rief sie aus und umarmte den Mann, sobald er lächelnd aufsah.
 „Tara. Schön, dass du hier bist.“, begrüßte er sie, „Ich dachte schon, du kommst nicht mehr.“
 „Ja, ich bin mit einer Freundin hier.“ Sie deutete auf mich. „Skai, das ist Gustavo. Gus, das hier ist Skaisa. Sie geht eigentlich nie auf Partys.“
 Er nahm meine Hand und drückte einen Kuss auf den Handrücken. „Freut mich dich kennen zu lernen, Schönheit.“
 Ich gab mir alle Mühe, das Gesicht nicht vor Ekel zu verziehen. „Ja. Ebenso, danke.“
 Sobald er nicht mehr zu mir sah, wischte ich mir unauffällig die Hand an meiner Hose ab und sah mich beiläufig um. Ich hörte mit einem Ohr zu, wie die zwei sich unterhielten und lehnte ab, als er mir ein Getränk anbot.
 Ein paar Minuten später verabschiedete sie sich endlich und erzählte mir von ihm und seinen Partys, während sie mich weiter durchs Haus führte. Als wir die Küche erreichten, blieb ich abrupt stehen und machte einen Schritt zurück.
 „Du sagtest, Adrian wäre nicht hier.“, wiederholte ich verärgert.
 Verwundert zog sie die Brauen zusammen und sah herein. „Oh.“, machte sie dann und verzog den Mund. „Das wusste ich nicht. Als ich ihn fragte, sagte er, er träfe sich woanders mit Freunden.“
 „Um dann wahrscheinlich mit ihnen zusammen herzukommen.“
 „Tut mir leid.“, entgegnete sie zerknirscht.
 Ich wendete mich gerade gereizt von ihr ab, als mein Blick auf Jason fiel, der, gefolgt von einer Frau, die überaus zufrieden aussah, die Treppe hinunter kam.
 „Das darf doch nicht wahr sein.“
 Beide, Tara und Jason, sahen mich überrascht an. Tara mit Verwirrung, Jason mit Schock. Ich schloss einen Moment die Augen, als die Frau sich von hinten an ihn schmiegte und seinen Hals küsste, rieb mir über die Stirn und ließ Tara los.
 „Ich gehe nach hause.“
 „Nein, warte.“, bat Tara sofort, „Wir können doch einfach woanders hingehen.“
 „Ich will nicht.“, entgegnete ich und bemerkte am Rande, wie Jason die Frau von sich schob und sich in meine Richtung bewegte.
 „Skai!“, rief er mich. Die Leute machten es ihm nicht einfach.
 „Du hast mich angelogen.“, fuhr ich an Tara fort und steuerte die Haustür an. „Nur damit du deinen Spaß hast.“
 „Ich-ich habe nicht gelogen. Wirklich.“
 „Und deshalb hältst du schon den zweiten Becher Vodka in der Hand.“
 Sie verzog das Gesicht. „Ich wusste das nicht.“
 „Ja, klar.“ Als ich das Haus verließ, fröstelte ich kurz. Da dieser Matthew uns gefahren hatte, war ich davon ausgegangen, dass wir auch mit dem Auto nach hause fahren würden und hatte keine Jacke mitgenommen. „Ich gehe jetzt.“
 „Komm schon.“, versuchte Tara es erneut.
 „Nein. Ich will nicht in Adrians Nähe sein.“
 „Und Jason?“
 Vor mir blitzte der Augenblick auf, als diese Frau ihn auf den Hals geküsst hatte und mein Magen verknotete sich. „Es ist alles in Ordnung, ich will nur nicht in der Nähe sein, wenn er Frauen und Alkohol huldigt.“
 Erneut verzog sie das Gesicht. „Und wenn wir auf eine andere Party gehen?“
 „Ich war nie ein Partymensch. Wir sehen uns.“
 Ich war gerade fünf Meter gegangen, als Jason sich vor mich schob.
 „Skaisa.“, brachte er hervor und atmete schwer. „Was du gesehen hast-“
 „Ist schon okay.“, beruhigte ich ihn, „Ich weiß ja, dass du mit vielen Frauen schläfst. Du musst dich nicht vor einer Freundin rechtfertigen.“
 „Nein nein nein.“, widersprach er, als ich weitergehen wollte und verzog das Gesicht, als ich seiner Hand auswich. „Ich hab keine angefasst. Ich habe heute gar keine Frau angefasst. Ich hab nicht einmal Alkohol getrunken.“
 Verdutzt schnupperte ich. „Du riechst danach.“
 Er schloss kurz die Augen. „Ein Depp hat sein Bier auf mir verschüttet.“, erklärte er dann.
 „Aber du bist trocken.“
 „Die Jacke ist in meinem Auto, aber es haftet an der Haut.“ Er deutete auf seinen linken Arm. „Ich meine es ernst, ich hab nichts gemacht.“
 Einen Moment zögerte ich und verzog den Mund. „Aber sie sah so aus.“
 „Wer?“, fragte er verwirrt.
 „Die Frau. Sie hat deinen Hals geküsst.“
 Ein paar Sekunden schwieg er, ehe er aufstöhnte. „Keine Ahnung, mit wem sie es getrieben hat. Aber Quinn ist hier und ich hab ihm etwas vorbei gebracht. Sie ist mit ihm befreundet, hat sich gefreut und ist mir aus irgendeinem Grund hinunter gefolgt. Ich vermute, sie dachte, dass ich noch länger bleibe und wollte sich an mich ran machen.“
 „Also bleibst du nicht?“
 „Eigentlich nicht.“, antwortete er vorsichtig, „Erst recht nicht, als ich dich gesehen habe.“
 Langsam nickte ich. „Aber... Was meintest du dann?“
 „Was?“
 Ich seufzte. „Du hast mich mit den Worten angesprochen Was du gesehen hast. Was soll ich dann gesehen haben?“
 „Du... hast nichts gesehen?“
 „Nur eine Frau, die offenbar was von dir wollte.“
 Erleichtert ließ er die Schultern sinken. „Gut.“
 „Was soll ich gesehen haben?“
 Er rieb sich über den Mund. „Was dagegen, wenn ich dich nach hause fahre? Ich erkläre es dir unterwegs.“
 „Bist du okay? Du wirkst etwas... zerstreut.“
 „Ich... glaube schon. Darf ich...“ Er hob die Hand, hielt aber inne, ehe er meine Hand berührte.
 Ich zögerte ganz kurz, erinnerte mich aber, wie er sagte, er habe heute keine Frau angefasst und ergriff dann seine Hand. „Okay.“
 Mit einem leisen Seufzen drückte er meine Hand kurz an seine Brust, ehe er mich ein Stück die Straße herab zu seinem Auto führte.
 „Wie kommt die Jacke in dein Auto, wenn du sie drinnen getragen haben musst?“
 „Oh, das ist nicht die erste Party, auf der ich heute vorbei fahren muss.“ Er rieb sich die Nase, blieb kurz stehen und musste niesen. Ein paar Sekunden später nieste er erneut, ehe er weiter ging. „Entschuldige.“
 „Geht es dir wirklich gut?“
 „Ja, alles in Ordnung.“ An seinem Auto klopfte er seine Taschen ab, bis er seinen Schlüssel fand und hielt mir die Beifahrertür auf.
 In dem Moment, in dem er wenige Sekunden später zu mir ins Auto stieg und die Innenbeleuchtung an ging, fielen mir seine Pupillen auf.
 „Jason?“
 „Ja?“ Er sah zu mir auf.
 Ich zögerte etwas, wartete ein paar Sekunden, doch sie blieben wie sie waren. „Du sagtest, du hast heute nichts gemacht.“
 „Ja.“
 „Kannst du das etwas ausführen?“
 „Ich hatte keine Frauen und habe kein Alkohol getrunken.“
 „Und Drogen?“
 Er zog die Brauen zusammen. „Damit habe ich aufgehört, das sagte ich dir doch.“
 Unsicher zupfte ich an meiner Unterlippe. „Weißt du, ich hab mich etwas belesen und herausgefunden, dass man geweitete Pupillen hat, wenn man … ähm... was genommen hat.“
 „Bei einigen ja. Worauf willst du hinaus?“
 Ohne etwas dazu zu sagen, drehte ich den Rückspiegel in seine Richtung, woraufhin er automatisch einen Blick hinein warf. Kurz darauf begann er zu fluchen.
 „Dieser Mistkerl.“
 „Wer?“
 „Quinn.“ Er massierte sich das Nasenbein. „Tut mir leid.“
 Ich seufzte schwer. „Es ist ja nett, wenn du dich entschuldigst, aber ich weiß nicht wofür.“
 Er startete den Motor und fuhr an. „Heute Mittag rief mich Damien an und bat mich ihm ein paar Flaschen Whiskey zu bringen. Er sagte, er zahlt mir das doppelte, wenn ich innerhalb von einer halben Stunde da bin, also bin ich zu ihm gefahren. Wir haben uns ein paar Stunden unterhalten, während er seine eigene Party vorbereitet hat. Gegen 18 Uhr bekam ich eine Nachricht von Traver. Seine Schwester hätte Schwierigkeiten und er braucht jemanden mit Erfahrung mit Drogen. Also bin ich zur nächsten Party gegangen.“ Er stöhnte. „Sie hatte ein bisschen zu viel genommen und saß besinnungslos im Bad auf dem Boden. Ich hab ihm erklärt, was er machen soll, worauf er achten muss und wollte gehen, als irgendein Idiot sein Bier auf mir verschüttet hat.“ Er deutete auf die Rückbank, wo seine Jacke lag.
 „Du bist ja ganz schön viel unterwegs.“
 Sein Mund verzog sich. „Ich wollte nach hause fahren, um ein bisschen Dampf abzulassen. Am Sandsack. Da bekam ich die nächste Nachricht von Connor. Er hätte noch etwas für Quinn, könne aber nicht weg, weil er getrunken hatte. Also spielte ich den Botenjungen.“
 „So bist du auf die Party gekommen?“
 „Ja. Ich wollte bloß Quinn finden, ihm das Zeug geben und wieder verschwinden. Das habe ich ihm auch gesagt. Ich stehe total unter Strom.“
 Jetzt wo er es sagte, bemerkte ich, wie verkrampft er das Steuer hielt. „Geht es?“
 „Ja, keine Sorge.“, entgegnete er verärgert, „Er hat mir angeboten sich kurz zu ihm zu setzen und holte ein Glas Wasser. Ich wollte ja noch Auto fahren. Wie es aussieht hat er mir was rein gemischt.“
 „Oh.“ Vorsichtig berührte ich seinen Unterarm. „Tut mir leid.“
 Er seufzte. „Ich komme damit schon irgendwie klar. Aber ich wollte dir zu Liebe nichts mehr nehmen.“
 „Es ist nicht deine Schuld.“
 „Ich hätt's merken müssen.“ Er blinzelte ein paar Mal, ehe er plötzlich rechts ran fuhr. „Moment.“
 „Was ist los?“
 Nach ein paar Sekunden, in denen er nur geschwiegen hatte, stöhnte er auf. „Fuck.“
 „Jason?“
 „Er hat mir LSD gegeben.“
 Ich zögerte. „Und... Was bedeutet das nun?“
 „Dass ich besser kein Auto fahren sollte.“ Er rieb sich über das Gesicht, ehe er begann mir die Wirkung und Symptome der Droge zu schildern.
 „Hast du das schon öfter genommen?“
 „Als ich noch welche nahm, ja.“ Er zog die Handbremse an und schaltete den Wagen aus, ehe er mir den Schlüssel reichte. „Nimm du ihn bitte.“
 Zögerlich nahm ich ihn entgegen und steckte ihn ein. „Was machen wir jetzt?“
 „Hast du dein Handy dabei?“
 „Ja.“
 Er blinzelte einige Male. „Kannst du... ähm...“ Nachdenklich sah er hinaus auf die Straße. „Damien? Kannst du Damien anrufen? Du hast doch seine Nummer, oder?“
 Es war eine Weile her, dass Damien sie mir zugesteckt hatte. Jason hatte sich darüber aufgeregt, aber ich hatte sie behalten, für den Fall, dass ich sie mal brauchen sollte. Nun war so ein Fall, also zögerte ich keine Sekunde sie zu wählen.
 „Ja.“, meldete er sich kurz darauf.
 „Hey, Damien. Skaisa hier.“
 „Hallo.“ Seine Stimme hatte sich sofort verändert und war von abweisend und kalt zu warm und charmant gewechselt. „Wie kann ich dir helfen?“
 „Ich bin grad mit Jason im Wagen und... Wir haben da ein Problem.“
 „Schieß los.“
 Ich schilderte ihm so schnell wie möglich die Situation und warf Jason immer wieder prüfende Blicke zu, der einfach nur ruhig auf dem Fahrersitz saß und hinaus starrte. „Er sagte, es löst Glücksgefühle aus, aber so sieht er nicht aus.“
 „Ja, Jason reagiert etwas anders auf Drogen. Kannst du mir sagen wo ihr seid?“
 „Ähm...“ Ich sah mich etwas um. „Von hier nicht, warte. Jason.“
 Er sah zu mir. „Hm?“
 „Ich steige kurz aus, okay. Ich bin gleich wieder da.“
 „Wohin gehst du? Kann ich mitkommen?“
 „Nein, du solltest hier bleiben.“
 „Aber ich will bei dir bleiben.“ Er seufzte. „Du hast so schöne Augen. Heiratest du mich?“
 „Dafür ist es noch zu früh, findest du nicht?“
 „Find ich nicht.“ Er beugte sich herüber. „Bleibst du lange weg?“
 „Nein, ich brauche nur ein oder zwei Minuten.“
 „Ich will nicht, dass du weg gehst.“
 „Ich bin gleich wieder da.“
 „Skaisa.“, hörte ich Damien am Smartphone, „LSD löst nicht nur Glücksgefühle aus. Es verstärkt auch die Emotionen. Lass dich davon nicht beeinflussen, auch wenn er anfängt zu weinen.“
 Die Vorstellung einen weinenden Jason zu sehen verstörte mich irgendwie. „Okay.“, antwortete ich, „Ich ruf gleich zurück.“
 „Gut.“
 Ich legte auf, steckte das Smartphone wieder ein und griff nach der Tür. „Ich möchte nur schauen, wo wir hier sind, okay.“
 Prompt griff Jason nach meiner Taille und zog mich an sich. „Bleib hier. Bitte.“
 „Ich bleibe direkt neben dem Auto.“
 „Das ist zu weit!“
 „Jason.“ Ich versuchte mich aus seinem Griff zu lösen. „Lass mich los.“
 „Ich halte dich so gerne fest. Das ist immer so schön. Du bist so warm und weich und riechst gut.“ Da vergrub er das Gesicht in meinem Haar.
 „Jason.“, beschwerte ich mich, „Du wolltest doch, dass ich Damien anrufe.“
 „War eine blöde Idee.“
 „Aber du willst mich doch nach hause bringen.“
 „Wir können auch zu mir fahren.“
 „Nein!“
 Er zuckte zusammen.
 „Ich will nicht zu dir. Ich will nach hause.“
 „Aber ich hab dich so lange nicht gesehen.“
 „Wir waren Sonntag unterwegs.“
 „Das ist viel zu lange her.“ Er gluckste. „Wir könnten in den Garten gehen und einen Schneemann bauen.“
 „Einen Schneemann?“
 „Ja. Ich wollte auch schon immer mal ein Iglu bauen. Seit ich klein bin.“
 „Ich weiß nicht, ob heutzutage noch genug Schnee für ein Iglu fällt.“
 „Also kommst du mit zu mir?“
 „Wir können den Schneemann doch morgen Abend bauen.“
 „Das dauert aber so lange.“ Er klang tatsächlich weinerlich.
 „Jason, ich muss jetzt wirklich aussteigen.“
 „Es ist kalt draußen. Du wirst dich erkälten. Ich halte dich warm.“
 „Ich bin nicht lange draußen.“
 Er murrte und klang einen Moment wie ein mürrisches Kind. „Skai, ich will nicht.“
 „Lass mich los.“
 „Nein.“
 „Jason, lass mich sofort los!“
 „Nein!“
 „Jason!“
 „Ich mag dich zu sehr, um dich loszulassen.“
 Ich konnte nicht anders als wegen der Aussage zu glucksen. „Deine Arme, Jason. Ich meine deine Arme. Du musst mich nicht für immer gehen lassen oder so. Ich möchte bloß aussteigen, um zu schauen wie die Straße heißt.“
 „Bist du sicher?“
 „Ja.“
 „Und du kommst wirklich wieder?“
 „Versprochen.“
 „Aber du musst dich beeilen.“
 „Mach ich.“
 Langsam lockerte er seinen Griff. „Krieg ich dann einen Kuss?“
 „Auf die Wange, ja.“
 „Auf den Mund!“
 „Jason.“, hob ich warnend an.
 „Nur einen.“
 „Beim letzten mal ist es eskaliert.“
 „Wir sind nicht in einem Bett.“, gab er zu bedenken.
 Ich seufzte schwer und tätschelte ihm die Wange. „Du wirst die Hände auf den Rücken legen und dich nicht bewegen, während ich dich küsse, okay.“
 „Okay.“
 „Wirklich nur einer. Versprich es.“
 „Versprochen, versprochen!“
 „Okay.“
 Nun ließ er mich ganz los, sodass ich aussteigen konnte. Neben dem Auto rief ich wieder Damien an und ging ein Stück hinab, um ein Straßenschild zu finden.
 „Das hat ganz schön gedauert.“, bemerkte Damien.
 „Ich musste ihn erst überreden mich aus dem Auto zu lassen.“, entgegnete ich und gab ihm die Straße durch. „Wir sind nur ein paar Meter von der Kreuzung entfernt. Ich schalte die Innenbeleuchtung ein.“
 „Okay. Ich fahr mit einem Freund rüber, damit ich Jasons Wagen fahren kann.“
 „Klingt gut, danke.“
 „Pass auf ihn auf und bring ihn irgendwie auf die Rückbank.“
 Ich seufzte. „Ich lass mir was einfallen.“
 „Okay. Wir brauchen etwa... eine halbe Stunde oder so. Bis gleich.“
 „Bis gleich.“ Als ich zurück zum Auto ging, stieg ich direkt auf der Rückbank ein, woraufhin Jason verwirrt nach hinten sah.
 „Warum bist du da hinten?“
 „Hier ist mehr Platz.“ Seine Jacke, die ziemlich unangenehm nach Bier roch, warf ich über die Rückbank in den Kofferraum. „Kommst du zu mir?“
 „Warum?“
 „Du wolltest doch, dass ich dich küsse.“
 „Aber das können wir auch hier vorn.“
 Ich klopfte neben mir auf die Bank. „Wenn du nach hinten kommst, darfst du mich beim Küssen auch umarmen.“
 Er betrachtete mich einen Moment nachdenklich, ehe er nach hinten kletterte. Hastig schaltete ich noch die Innenbeleuchtung an, ehe er mich bereits an sich zog.
 „Wofür das Licht?“, wollte er wissen und schmiegte seine Wange an mein Haar.
 „Ich will dich sehen.“
 „Na gut.“
 „Vergiss nicht, es soll nur ein Kuss werden. Kein Gefummel. Nur ein Kuss.“
 „Aber ich darf dich umarmen.“
 „Das ist okay.“
 Da zog er mich bereits an sich und senkte den Kopf. Nichts hätte mich auf den Moment vorbereiten können, als seine Lippen auf meine trafen. Ich erinnerte mich daran wie leidenschaftlich unser Kuss in seinem Bett gewesen war, wie sanft und leicht ich ihn im Zoo geküsst hatte. Das hier war etwas ganz anderes. Es fühlte sich an, als würde er mit jeder Bewegung seiner Lippen versuchen mir etwas mitzuteilen. Er war überaus vorsichtig, so sanft und liebevoll.
 Nach einigen Sekunden, in denen er mich einfach nur küsste und festhielt, seufzte er wohlig auf. „Ich liebe dich, Skaisa.“
 Tausende kleine Schmetterlinge flatterten in meinem Bauch und mein Atem stockte. „Was?“
 „Du bist so wunderhübsch und... liebenswert, klug, intelligent und... du bist so süß. Du hast so eine... Art, die mich magisch anzieht.“
 Mein Herz klopfte, meine Knie wurden weich. Für einen Moment dachte ich, dass es gut war, dass ich bereits saß. „Ich- Ich fühle mich sehr geschmeichelt.“
 Er schnurrte und verteilte kleine Küsse auf meinen Lippen. „Ich will, dass du meine Freundin bist.“
 „Das will ich aber nicht.“
 „Warum nicht?“
 „Du schläfst mit anderen Frauen.“
 „Wenn du meine Freundin bist, schlafe ich nur mit dir.“
 Mein Körper erzitterte, als er an meiner Unterlippe knabberte, als wäre es eine Süßigkeit. „Du trinkst Alkohol.“
 „Ich hör damit auf.“
 „Du kannst gerade nicht klar denken. Du stehst unter Drogen.“
 „Mhm...“, machte er daraufhin.
 „D-d-das reicht jetzt. Lass mich los.“
 „Noch nicht.“
 „Jason bitte. Ich fühle mich unwohl.“
 „Du lügst.“
 Mein Atem zitterte bereits. Wenn er weiter so machte, würde ich mich nicht mehr wehren können. Er war einfach so... Er war die Versuchung pur. Schon seit Wochen bekam ich allein bei dem Gedanken an ihm ein wohliges Kribbeln im Bauch. Ich wusste, wenn ich nicht aufpasste, würde ich mich in ihn verlieben, aber das wollte ich nicht.
 „Lass mich bitte los.“, japste ich.
 „Stimm' erst zu meine Freundin zu sein.“
 „Wir sind Freunde.“
 „Du weißt, was ich meine.“
 Verdammt, wie lange braucht Damien noch? „Ich habe bereits einen Freund.“
 „Keiner will eine Cactula als Freund haben, Skai. Die sind tödlich. Und sie tun weh.“
 „Wenn die Wirkung der Droge nachlässt wirst du dich wieder über dich selbst ärgern.“, bemerkte ich.
 „Hast du Angst vor mir?“
 Nein. „Ja.“
 Er erstarrte. „Wirklich?“
 „Ja.“
 „Wa... Warum?“
 „Du bist aufdringlich. Ich hab Angst, dass du etwas tust, das ich nicht will.“
 Als er sich von mir löste, zitterte er plötzlich. „Ich würde dir nie etwas antun.“
 „Du stehst unter Drogen, Jason. Ich würde mich wohler fühlen, wenn du versuchen würdest dich zu entspannen und wartest bis Damien da ist.“
 „Er kommt her?“
 „Ja. Er fährt deinen Wagen.“
 „Er baggert dich nur wieder an. Er will dich mir wegnehmen.“, widersprach er.
 „Niemand nimmt dich mir weg, Jason.“, versicherte ich ihm.
 „Versprochen?“
 „Versprochen.“
 „Darf ich dich nochmal küssen?“
 „Nein.“
 Traurig senkte er den Blick. „Aber ich will so gerne.“
 „Du darfst deinen Kopf auf meinen Schoß legen.“
 Plötzlich griff er nach meine Beinen und zog sie auf die Rückbank, bis sie darauf ausgestreckt lagen. Dann legte er sich daneben, umschlang meine Knie und bettete seinen Kopf auf meinem Schoß. „Geh nicht weg.“, bat er.
 „Ich bleibe.“ Sanft begann ich ihm durchs Haar zu fahren.
 Es vergingen mehrere Minuten, in denen ich einfach nur hier saß und Jason neben mir lag. Irgendwann klopfte jemand an der Scheibe neben meinem Kopf, woraufhin ich überrascht aufsah. Ich hielt meinen Finger vor den Mund und bedeutete Damien leise zu sein, ehe ich auf Jason deutete, der eingeschlafen war. Er ging um den Wagen herum, stieg so leise wie möglich auf den Fahrersitz und sah zu uns nach hinten.
 „Was macht er da?“, flüsterte er.
 „Er hat Angst, dass ich weggehe.“, antwortete ich leise. Dann reichte ich ihm den Schlüssel.
 „Danke. Ich fahr dich nach hause und kümmere mich dann um ihn.“
 „Ich weiß nicht, ob es eine gute Idee ist, wenn ich gehe.“
 „Die Wirkung hält mehrere Stunden, Skaisa.“
 „Was, wenn er aufwacht, die Wirkung noch anhält und ich bin nicht da?“
 „Ich bleibe bei ihm.“
 „Aber er will nicht, das ich gehe. Er sagte, du würdest mich ihm wegnehmen. Denkst du nicht, er würde dich angreifen, wenn ich weg bin und du da?“
 Daraufhin schwieg Damien einen Moment, ehe er seufzte. „Dann bringe ich euch beide zu dir. Kannst du das deinen Eltern erklären?“
 „Ich versuche es.“
 „Gut.“
 Er startete den Motor und fuhr vorsichtig an, während ich ihm meine Adresse gab. Dann wählte ich die Nummer meines Vaters.
 „Hallo Skai.“, meldete er sich.
 „Hallo Dad.“
 „Warum flüsterst du?“
 „Das ist eine schwierige Geschichte. Ist es in Ordnung, wenn Jason heute Nacht bei uns schläft?“
 „Klar. Soll ich das Gästezimmer fertig machen?“
 „Können wir stattdessen das Gästebett in meinem Zimmer aufstellen?“
 „Das geht auch. Ist alles okay?“
 Ich zögerte etwas. „Ihm geht’s nicht gut.“
 „Ist er krank?“
 „Naja, nicht direkt. Morgen geht’s ihm besser, denke ich. Darf er bleiben?“
 Er schwieg einen Moment. „Ich werde mit deiner Mutter noch darüber reden, aber er kann über Nacht bleiben.“
 „Danke.“
 „Erklärst du mir jetzt was los ist?“
 Mit einem Seufzen sah ich auf Jason herab. „Einer seiner Freunde hat ihm was in sein Wasser gegeben. Er schläft gerade.“
 „Er hat ihm was gegeben?“
 „Ja.“
 „Soll ich einen Arzt holen?“
 „Nein, nein. Nicht nötig.“, entgegnete ich hastig, „Wie gesagt, morgen wird es ihm besser gehen.“
 „Ganz sicher?“
 Fragend sah ich Damien an, der daraufhin zustimmend nickte. „Ja.“
 „Na gut. Aber sollte sich sein Zustand verschlimmern rufst du sofort den Arzt. Du bist für ihn verantwortlich.“
 „In Ordnung.“
 „Gut. Bis gleich.“
 „Bis gleich.“

 Es dauerte eine Stunde zu mir zu fahren, Jason zu wecken und ihn dann in mein Zimmer zu bringen, wo er sich einfach nur auf das Gästebett fallen ließ und mich mit sich zog, um sich an mich zu kuscheln, als sei ich sei Lieblingsstofftier. Damien beobachtete das amüsiert und machte sogar ein paar Fotos.
 „Kommst du dann jetzt allein klar?“, fragte er und kicherte, als ich versuchte mich von Jason zu lösen, der daraufhin protestierend die Arme um mich legte und quasi unter sich begrub.
 „Du willst mir nicht zufällig helfen ihn dazu zu bringen mich loszulassen?“, fragte ich hoffnungsvoll.
 „Ich hab dir angeboten mich um ihn zu kümmern.“
 „Er hätte dich vielleicht verprügelt.“
 „Wer hätte wen verprügelt?“, fragte Dad, als er ins Zimmer kam und hob eine Braue, als er sah, wie Jason das Gesicht an meinem Hals rieb. „Was hat man ihm gegeben?“
 „Ähm... LSD.“, antwortete Damien vorsichtig und fuhr sich mit der Hand durchs Haar. „Das sagte mir Skaisa am Telefon.“
 „Jason sagte, es sei LSD gewesen.“, bestätigte ich und schlug auf Jasons Arm, in der Hoffnung, dass er mich losließ. Er war ein bisschen wie ein kuschelbedürftiger Kater, den man nur loswurde, indem man ihm weh tat, der allerdings viel zu süß war, um ihm das anzutun. „Ich hoffe er würgt Quinn dafür ordentlich eine rein.“
 „Ich wusste gar nicht, dass du Gewalt befürwortest.“, bemerkte Dad skeptisch.
 „Seit ich Jasons Freunde kenne sehe ich ein, dass es Menschen gibt, die erst dann verstehen, einen Fehler begangen zu haben, wenn man Gewalt anwendet und- Jason, nimm deine Finger da weg!“
 Dieser murrte enttäuscht, zog aber die Finger zurück, die er an meinem Gesäß in die Hose geschoben hatte und schob sie stattdessen unter meinem Shirt auf meinen Rücken.
 „Wenn du willst, kann ich ihn bewusstlos schlagen.“, bot Damien an.
 „Nein!“, fuhr ich ihn an und schlang ganz automatisch beschützend die Arme um Jasons Kopf, was diesem ganz offensichtlich gefiel.
 „Seid ihr sicher, dass er LSD bekommen hat und nicht irgendwas anderes?“, fragte Dad, „Er ist ja ganz benommen.“
 „Er reagiert etwas anders auf Drogen.“, entgegnete Damien und beobachtete verwirrt, wie Jason mich packte und mehrfach mit mir hin und her rollte.
 „Jason, hör auf, mir wird schlecht.“, bat ich ihn.
 „Gib mir ein Kuss!“, forderte er und blieb mit mir auf ihm auf dem Rücken liegen.
 Ich stöhnte auf, küsste ihn aber auf die Wange. „Da!“
 Zufrieden rieb er seine Wange an meinem Schlüsselbein.
 „Vielleicht...“, hob Damien an, „War das doch kein LSD. Ich werde Quinn anrufen und ihn fragen, was für ein Zeug er ihm da gegeben hat.“
 „Danke.“, murmelte ich und versuchte Jasons Arme von meiner Taille zu lösen.
 „Ich melde mich, sobald ich was weiß. Hat mich gefreut Sie kennen zu lerne, Sir.“
 „Ebenfalls, Damien. Komm gut nach hause.“
 „Mach ich, danke.“
 Damit verließ Damien das Zimmer und überließ mich Jasons Launen.
 Das blieb noch zögernd an der Tür stehen. „Nun dann... Wenn du etwas brauchst, sag Bescheid.“
 „Mach ich.“, antwortete ich.
 „Viel Glück.“
 „Danke.“
 Dann ging auch er und ließ mich mit Jason allein. Müde entspannte ich mich einen Moment und blieb einfach auf ihm liegen, ehe ich zu ihm aufsah.
  „Jason.“
 „Hmmm?“
 „Ich würde gerne schlafen.“
 Er rollte sich auf die Seite. „So?“
 „Nein. Ich möchte in mein Bett. Aber du musst hier bleiben.“
 „Ich will bei dir schlafen.“
 Ich schloss die Augen. „Na gut. Aber dann musst du jetzt wirklich schlafen.“
 „Mhm.“
 „Zieh dich erst mal aus.“
 „Du auch?“
 „Ich gehe mich später umziehen.“
 „Ich dachte, du willst schlafen.“
 Ich stöhnte erneut auf. Das würde eine lange Nacht werden.

















Isalija "spricht",
denkt und handelt.
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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Fr 1 Jun 2018 - 23:52

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Da ich letztes Wochenende nicht daheim war und dementsprechend kein Kapitel hochgeladen habe, gibt es dieses Wochenende zwei Kapitel!
Viel Spaß beim Lesen c:

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Kapitel 8

 Ich stöhnte auf, als mich ein Poltern aus dem Schlaf riss. Müde blinzelte ich einige Male und sah mich um. Das Gästebett neben meinem war leer, doch die Decke bewegte sich noch, als wäre Jason gerade erst aufgestanden. Auch meine Tür bewegte sich noch ein wenig.
 Besorgt stand ich auf und rieb mir übers Gesicht, als ich aufstand. „Jason?“, rief ich halblaut und trat in den Flur.
 Als ich seltsame Geräusche aus dem Bad hörte, zog ich die Brauen zusammen und trat näher. Jason kauerte gerade über der Toilette und würgte trocken.
 „Jason! Alles okay?“
 Als ich näher kam, streckte er die Hand aus, um mich abzuhalten, doch ich schob sie nur beiseite, woraufhin sein Körper erzitterte und er noch heftiger würgte.
 Scheiße. Okay. Kein Körperkontakt. „Jason.“, hob ich leise an und kniete mich neben ihn. „Kommt das von den Drogen?“
 Er schüttelte nur den Kopf und keuchte ein paar Mal, ehe er erneut würgte. „Geh bitte.“, brachte er irgendwann hervor, „Ich... krieg das hin.“
 „Du musst das nicht allein durchmachen.“, entgegnete ich und hob bereits die Hand, um sie ihm auf die Schulter zu legen, besann mich aber eines besseren und sah mich stattdessen um. Wie konnte ich ihm helfen?
 Als ich sah, wie sich Schweiß auf seinem Körper bildete, griff ich nach einem Waschlappen und befeuchtete ihn mit kaltem Wasser, ehe ich ihn ihm in den Nacken schob.
 „Hilft das?“, fragte ich leise.
 Er zögerte etwas, würgte erneut, nickte dann aber. Als er ein weiteres Mal würgte, schien in seiner Nase eine Ader geplatzt zu sein, denn plötzlich tropfte Blut daraus.
 „Ist hier alles in Ordnung?“
 Ich sah abrupt auf, als ich Moms Stimme an der Badezimmertür hörte. „Oh, ja. Ihm geht’s nicht gut.“
 „Ist gleich besser.“, murmelte Jason, als er eine kurze Atempause hatte.
 Kurz darauf zog sich alles in mir vor Sorge zusammen, als er wieder würgte.
 „Soll ich einen Arzt rufen?“, fragte Mom.
 „Nein, ist nicht nötig.“, entgegnete ich schnell.
 „Sicher? Das klingt nicht gut.“
 „Ja, wirklich. Danke, Mom.“
 „Na gut. Wenn du das sagst. Ich bereite das Frühstück vor.“
 „Danke.“
 Als sie uns allein gelassen hatte, befeuchtete ich den Waschlappen erneut, ehe ich ihn Jason erneut in den Nacken schob.
 „Hast du vielleicht... irgendwas... geträumt?“
 Seine Arme, die bereits vor Anstrengung zitterten, verspannten sich. „Nicht.“, stöhnte er und schloss die Augen.
 „Okay, okay. Ist gut. Ich frage nicht weiter. Zumindest nicht im Moment.“
 Er würgte noch etwa zwei Mal, ehe er sich beruhigt hatte. Ich gab ihm Wasser, damit er nicht dehydrierte und wischte ihm mit dem kalten Waschlappen über den erhitzten Oberkörper.
 „Passiert das häufig?“
 „Hin und wieder.“, murmelte er und hielt sich vornüber gebeugt ein Taschentuch unter die Nase.
 „Wirst du... es mir irgendwann erzählen?“
 „Ich weiß nicht.“ Ein paar Sekunden schwieg er. „Danke.“
 „Ich habe kaum etwas gemacht.“
 „Es hat geholfen. Für gewöhnlich... Für gewöhnlich dauert es länger. Manchmal eine ganze Stunde.“
 „Und es waren nicht die Drogen?“
 „Nein.“
 Ich seufzte leise. „Hat Damien sich schon gemeldet?“
 „Er sagte, dass Quinn selbst nicht so genau weiß, was das für ein Zeug war. Aber es war ganz offensichtlich kein LSD.“
 „Wirkt es noch?“
 „Nein.“
 „Und wie geht’s dir jetzt?“
 „Besser, danke.“
 „Kann ich... wieder...“ Ich hob vorsichtig eine Hand und legte sie auf seinen Arm, als er nickte. Dann schob ich mich vor und schlang die Arme um ihn. „Du hast mir einen Schrecken eingejagt.“
 „Tut mir leid, das... passiert auch nicht oft. Wirklich, also- Weinst du etwa?“
 Ich schniefte. „Nein.“
 Er atmete bedächtig aus. „Skai, Kleines... Darling, du musst nicht weinen.“
 „Aber irgendwas schlimmes ist dir passiert.“
 Sein Körper versteifte sich ein wenig, aber er wehrte sich nicht gegen meinen Griff. „Ich bin okay. Mir geht’s gut.“ Mit diesen Worten setzte er sich auf und schlang die Arme um mich.
 „Blutest du noch?“
 „Nein, hat aufgehört.“
 Es liefen noch vereinzelnd Tränen über meine Wangen, als ich das Gesicht an seine Schulter lehnte. „Ich hab mir Sorgen gemacht, als ich dich da kauern sah.“
 „Es sieht schlimmer aus als es ist.“
 „Ich will mir gar nicht vorstellen wie... schlimm es innerlich ist.“ Ich legte ihm die Hand auf die Brust über dem Herzen.
 „Findest du das auch... abstoßend?“
 „Nein! Ich finde es furchtbar, dass du denkst, ich könnte so empfinden.“
 „Wie denkst du dann darüber?“
 „Es macht mich traurig und wütend. Wenn ich so höre, wie deine Kindheit war, wünsche ich mir, ich könnte dein jüngeres Ich einfach festhalten. Ich will dich einfach nur festhalten und... vor allem beschützen.“
 Es war nicht lange her, dass er mir anvertraut hatte, dass sein Vater ihn oft geschlagen hatte. Er tat es noch heute und Jason schlug nie zurück. Auf meine Frage, warum er es nicht tat, hatte er gesagt, dass er Angst hat eine Grenze zu überschreiten und nicht mehr in der Lage zu sein, das rückgängig zu machen. Er wollte nicht seine Zurückhaltung verlieren, in dem er begann auf Menschen loszugehen, die mit ihm verbunden waren. Er... wollte kein wildes Tier sein.
 „Tut mir leid, dass ich dir Sorgen bereitet habe.“, murmelte er in mein Haar
 Ich nickte langsam. „Denkst du, du kannst was essen?“
 „Ein wenig. Außer deine Mom macht wieder Sandwiches, dann hätte ich gern ein ganzes Tablett.“
 Leise lachend stand ich mit ihm auf, ehe wir in mein Zimmer gingen, um uns etwas ordentliches anzuziehen. Ich vertraute ihm gut genug, um zu wissen, dass er nicht herüber schaute, als ich meine Unterwäsche wechselte. In der Küche angekommen lächelte Mom Jason freundlich an.
 „Es freut mich übrigens, dass ihr zur Abwechslung hier übernachtet.“
 Dad seufzte leise.
 „Skai hat viel von dir erzählt.“
 „Nur gutes.“, versicherte ich Jason, als ich mich mit ihm setzte.
 „Sonst würden sie mich wahrscheinlich nicht hier schlafen lassen.“, bemerkte Jason leise.
 „Was du nicht sagst.“, bemerkte Dad daraufhin und sah ihn prüfend an. „Kommst du öfter mit Drogen in Kontakt?“
 „Ich habe früher regelmäßig welche konsumiert, hörte aber auf, nachdem ich Skaisa kennen gelernt habe.“ Er verzog den Mund. „Sie war die erste Frau, die mich als abstoßend bezeichnet hat.“
 „Glaub nicht, dass sich so viel daran geändert hat.“, ermahnte ich ihn.
 „Hey, ich arbeite dran.“
 „Ich weiß.“
 Mom lächelte sanft. „Wie kommt es, dass du nicht so ein schönes Verhältnis zu Adrian hast?“
 „Cactulas sind von Natur aus nicht kompatibel mit Menschen wie Skaisa.“, entgegnete Jason, woraufhin ich anfing zu lachen.
 „Du bist unmöglich.“ Ich sah zu Mom. „Adrian ist schwierig und eigensinnig, während Jason...“ Er tut alles, was notwendig ist, damit ich ihn mag.
 „Ich himmle Ihre Tochter einfach an.“, beendete Jason meine Erklärung, „Sie ist absolut hinreißend.“
 „Ja, Leo und ich sind sehr stolz auf unsere Tochter.“
 Röte überzog mein Gesicht. „Mamytė, du übertreibst.“, murmelte ich auf Litauisch.
 „Tue ich nicht.“, entgegnete sie in derselben Sprache, „Wir könnten nicht stolzer auf dich sein, Skaisa.“
 Ich seufzte daraufhin nur und rollte mit den Augen.
 „Hey, kein Augenrollen bis das Frühstück vorbei ist.“, bemerkte Dad auf Englisch.
 „Ja, Dad.“
 „Und kein Litauisch vor Menschen, die das nicht verstehen.“
 „Aber dann macht es doch nur halb so viel Spaß die Sprache zu sprechen.“, entgegnete Mom amüsiert und berührte beiläufig Dads Hand.
 Er lächelte ebenso amüsiert zurück.
 „Müsst ihr vor meiner Nase so flirten?“, neckte ich sie, „Das ist so eklig schleimig.“
 „Du kannst dir dabei was abschauen.“, entgegnete Dad, „Deine Mutter ist Meisterin im Flirten.“
 „Das ist eine Lüge.“, widersprach Mom.
 „Ich hab mich Monate lang nicht getraut sie anzusprechen und sie hat jedem Mann den Kopf verdreht, mit dem sie gesprochen hat.“
 „Das stimmt doch gar nicht!“
 „Als ich mich endlich traute, war ich so nervös wie ein kleiner Junge vor seinem ersten Date und habe kaum ein Wort raus gekriegt. Da sagte sie drei Sätze und ich war ihr völlig verfallen.“
 „Jetzt übertreibst du aber!“ Sie schlug ihm lächelnd auf die Schulter, ehe sie zu mir sah. „Jede Frau an der Uni ist deinem Vater hinterher gelaufen.“
 „Okay, das stimmt.“, gab Dad zu, „Aber du warst nicht jede Frau. Das kratzte an meinem Ego.“
 „Oh, du armer.“ Sie tätschelte seine Wange, woraufhin er einen Kuss auf ihre Handfläche drückte.
 Jason grinste neben mir in sich hinein, ehe er zu mir sah. Was er wohl dachte?

 Dad war so liebenswert und hatte Jason erlaubt Heiligabend bei uns zu feiern, bis ich ging. Damit sie sich nicht wunderten, dass ich später in seinen Wagen steigen würde – eines der Dinge, die ich ihnen über Jason erzählt hatte, war, dass er Adrian nicht leiden konnte – hatte ich ihnen doch von meinem Streit mit Rian erzählt und ihnen erklärt, dass ich stattdessen zu Jason fahren wollte, damit er über die Feiertage nicht allein war.
 „Das ihr zwei kein Paar seid ist schon verblüffend.“, bemerkte Mom irgendwann, als wir abends im Wohnzimmer saßen, und beobachtete wie ich mich zufrieden an Jason lehnte, der einen Arm um meine Taille geschlungen hatte.
 Ich rümpfte die Nase. „Ich weiß nicht. Jason weiß schon, warum ich nein sage.“
 Er stöhnte auf. „Erinnere mich nicht daran.“
 „Jetzt bin ich neugierig.“ Mom setzte sich etwas weiter auf und sogar Dad sah überrascht herüber.
 „Skai ist fest davon überzeugt, dass ihre Beziehung mit der Cactula irgendwann gut wird.“
 Als Mom ihn verwirrt ansah, stieß ich ihm in die Seite. „Sie kennt das Wort nicht.“, merkte ich an und erklärte: „Jason bezeichnete Rian eine Weile als Kaktus und als ich ihn einmal Tarantula nannte, verband er die beiden Wörter zu Cactula.“
 „Wie eine... Kaktus-Tarantel?“, hakte sie vorsichtig nach.
 Ich nickte. „Ganz genau.“
 „Klingt nicht sehr schmeichelhaft.“, bemerkte Dad.
 „Das ist auch der Sinn der Sache.“, entgegnete Jason trocken.
 „Aber Adrian wird wohl kaum der einzige Grund sein, warum ihr beide nicht zusammen seid. Sonst... hättest du doch sicher mit ihm Schluss gemacht.“
 Ich seufzte schwer und Jason legte den Kopf in den Nacken. „Jason macht Dinge, die ich einfach nicht mag. Die ich bei meinem Partner nicht dulde.“, versuchte ich es vorsichtig zu formulieren, „Ich... verstehe langsam warum, aber das bedeutet nicht, dass es mir nichts ausmachen würde. Außerdem habe ich keine derartigen Gefühle für ihn.“
 „Derartigen?“, wiederholte Jason, „Nenn das Kind beim Namen, Skai. Du liebst mich nicht.“
 „Ich will dich nicht verletzen.“
 „Wenn du es so beschreibst klingt es aber, als wäre es irgendwas... widerliches.“
 „Also, so rein hypothetisch...“
 Er seufzte frustriert. „Hab's kapiert.“
 „Hey, nur weil ich ein paar deiner Eigenschaften ekelhaft finde, heißt das nicht, dass ich dich im ganzen nicht mag.“
 „Sonst wäre ich ja nicht hier, oder?“
 „Ganz genau.“
 „Was macht Jason denn schlimmes?“, fragte Mom verwundert, „Ich meine, dass du so darauf reagierst...“
 Ich zögerte etwas und knabberte an meiner Unterlippe herum.
 „Ich habe Probleme.“, erklärte Jason irgendwann, „Ich habe viel überschüssige Energie und wenn ich die nicht loswerde neige ich dazu etwas aggressiv zu werden.“
 „Etwas, ja?“, hakte ich trocken nach, „Das werde ich Damien zitieren.“
 Er schnaubte. „Mit den Jahren hab ich drei Möglichkeiten gefunden Dampf abzulassen ohne jemanden zu verprügeln und... Skaisa mag keine davon.“
 Meine Eltern warfen sich besorgte Blicke zu.
 „Er- Er hat mir nie etwas getan.“, erklärte ich schnell, „Wirklich. Er würde mir nie etwas tun.“
 „Bist du dir ganz sicher?“, fragte Dad.
 „Ich hab mich schon zwischen Jason und Damien geworfen, als sie sich in Rage geprügelt haben. Jason ist sehr gut in der Lage sich zu kontrollieren.“
 „War das der Tag, an dem du mit diesen riesigen blauen Fleck am Kiefer nach hause gekommen bist?“, fragte Mom.
 „Das war Damien, nicht Jason. Jason hat mich nie auch nur zu hart angepackt. Also, ja. Ich bin mir ganz sicher, dass er mir nie etwas tun würde.“
 „Und was sind diese drei Dinge, die unsere Tochter an dir nicht mag?“, fragte Dad nachdenklich.
 Jason seufzte und ich merkte ihm an, wie unangenehm es ihm war zu antworten. „Frauen, Drogen und Alkohol.“
 „Die ganze Palette, hm.“, bemerkte Mom, „Aber du hast mit den Drogen aufgehört.“
 „Ja. Es wäre zu viel für mich alles auf einmal sein zu lassen, also versuche ich es Schritt für Schritt. Ich trainiere regelmäßig an meinem Sandsack, um meine Aggression und Energie abzulassen, statt- Jedenfalls funktioniert es ganz gut. Ich mache mir nur Sorgen, was passiert, wenn ich mit allem ganz aufhöre. An Tagen, an denen ich nicht trainieren kann bin ich wie eine tickende Zeitbombe. Und... ich freue mich, dass Skaisa mir so sehr vertraut, aber letztendlich habe ich wirklich Angst davor ihr weh zu tun. Sie... zu verletzen.“
 „Das würdest du nie tun.“, wiederholte ich überzeugt.
 „Zur Zeit bin ich noch sehr ausgeglichen. Aber langfristig betrachtet sehe ich einen Unterschied zwischen... der Zeit mit und ohne Drogen.“
 „Wie geht es dir heute?“, fragte Dad aufmerksam, „Ich meine, wir haben keinen Sandsack, also konntest du auch nicht trainieren.“
 „Das stimmt.“, murmelte Jason und zögerte etwas. „Aber solange mich nichts reizt gibt es keinen Grund auszurasten, richtig?“
 Als hätte Adrian nur auf diesen Moment gewartet, rief er in just diesem Augenblick an. „Ich bin gleich wieder da.“, erklärte ich und sprang hastig auf, um in den Flur zu gehen und abzuheben. „Ja?“
 „Hey, Baby, ich hab nachgedacht.“
 Ich seufzte schwer. „Und?“
 „Es tut mir leid, wie es bei unserem letzten Gespräch gelaufen ist. Ich hab mit Janne gesprochen und ihr gesagt, dass ich sie nicht wiedersehen will.“
 „Wann hast du ihr das gesagt?“
 „Noch vorgestern, als sie bei mir war.“
 Ich schnaubte und lachte unwillkürlich auf. „Du verarscht mich.“
 „Nein, ich mein es ernst.“
 Leise ging ich ein Stück den Flur entlang, entfernte mich vom Wohnzimmer. „Und wie kann es dann sein, dass ich dich gestern auf der Party mit ihr gesehen habe? Knutschend. Mal wieder.“
 Stille. Dann fluchte er leise. „Ich weiß nicht, was gestern war. Ich hab einen Filmriss.“
 „Aha. Ab wie viel Uhr?“
 „Keine Ahnung, ich hab nicht nachgeschaut.“
 „Du musst ja echt viel geblecht haben, denn ich war um 18 Uhr da. Und zwar nicht länger als eine halbe Stunde.“
 Diesmal stöhnte er auf. „Skai, ich... Ich verspreche dir, ich sehe sie nicht wieder.“
 „Schön.“
 „Darf ich dich später abholen?“
 „Nein, ich fahre zu Jason.“
 Wieder trat eine seltsame Stille ein, ehe er nun doch ausrastete. „Du fährst wohin?!“, brüllte er mich an.
 „Du musst gar nicht so laut werden.“
 „Du bist sauer auf mich weil ich im Suff mit ihr geknutscht habe und du fährst schon wieder zu Jason? So wie du es seit Monaten tust?“
 „Ich knutsche nicht mit ihm rum.“
 „Da hat mir Tara gestern aber was ganz anderes erzählt.“
 „Ich weiß nicht was sie dir erzählt hat, aber ich habe selbst langsam begriffen, dass sie gerne lügt.“
 „Sie hat Fotos von dir und Jason in seinem Wagen, wie er dich geküsst hat.“
 Ich massierte mein Nasenbein. „Er stand unter Drogen.“
 „Er hat damit aufgehört. Das hast du doch selbst gesagt.“
 „Man hat sie ihm untergemischt. Daran hat er keine Schuld.“
 „Wusstest du, dass er gestern Abend zwei Frauen gevögelt hat, als er auf der Party war?“
 Plötzlich wurde mir kalt. „Hat er nicht.“, widersprach ich. Jason lügt mich nicht an. „Das hat er nicht.“
 „Bist du dir sicher?“
 „Und ob ich das bin.“
 „Dann frag doch mal Gustavo, warum er sich noch gestern Abend von seiner Freundin getrennt hat.“
 Ich presste die Lippen fest aufeinander. „Hör auf solche Gerüchte zu verbreiten.“
 Er lachte humorlos. „Du bist total in ihn verknallt, was?“
 „Nein.“
 „Du glaubst ihm mehr als mir.“
 „Er lügt mich nicht an. Ganz im Gegensatz zu dir.“
 „Ich sagte doch, ich werde sie nicht mehr wiedersehen.“
 „Das ändert nichts daran, dass du mich bereits belogen hast.“
 „Und dein ach so toller Jason tischt dir nie eine Lüge auf. Natürlich. Hast du mal darüber nachgedacht was er in der Woche so treibt, wenn du nicht da bist? Er vögelt auf jeder Party.“
 „Das kann er doch auch tun. Ich bin nicht mit ihm zusammen. Bei dir ist das was anderes.“
 „Du hast trotzdem mit ihm geknutscht.“
 Ich atmete tief durch und bemerkte, wie meine Hände vor unterdrückter Wut und Aufregung zitterten. „Ich hab keine Lust mir das Weihnachtsfest mit meinen Eltern von dir versauen zu lassen, Rian.“
 Er atmete ebenfalls durch. „Okay. Lassen wir das. Reden wir einfach nicht mehr darüber. Ich hab Fehler gemacht und es tut mir leid. Lass uns das für heute vergessen, okay.“
 „Okay.“
 „Ich... komme dann in zwei Stunden und hole dich ab.“
 Daraufhin stöhnte ich auf. „Hörst du mir jemals zu?“, fuhr ich ihn aufgeregt an, „Ich habe nein gesagt.“
 „Ich will dich sehen und du hast gesagt, wenn ich dich sehen will, soll ich vorbei kommen. Und das werde ich auch.“
 Und ehe ich noch etwas dazu sagen konnte, legte er auf. Scheiße. Ich fuhr mir mit der Hand durchs Haar und steckte mein Smartphone wieder ein, ehe ich begann im Flur auf und ab zu gehen.
 Jason war nicht ausgeglichen und hatte selbst gesagt, dass er an Tagen wie heute wie eine tickende Zeitbombe war. Wenn Adrian hier auftauchen würde, würde Jason an die Decke gehen und das würde niemandem gefallen.
 Fuck, fuck, fuck. „Jason?“ Eilig ging ich ins Wohnzimmer. „Ist es okay, wenn wir etwas früher gehen?“
 Er wirkte überrascht. „Ähm... Klar. Warum?“
 „Das erkläre ich dir später.“
 „Ich wüsste das gerne jetzt schon.“, warf Dad ein und wirkte nicht gerade zufrieden.
 Ich verzog das Gesicht und antwortete auf Litauisch. „Adrian will herkommen und wenn Jason ihn sieht rastet er aus.“
 „Dann sag ihm, er soll nicht herkommen.“, entgegnete Mom in derselben Sprache.
 „Das habe ich ja, aber er besteht darauf.“
 Dad betrachtete Jason nachdenklich. „Er wirkt entspannt.“
 Ich seufzte tief und sah zu Jason herab, ehe ich auf Englisch begann: „Mal angenommen, Adrian würde heute herkommen...“
 Jasons Kiefer spannte sich an. „Verstehe.“, murmelte er, „Vielleicht sollte ich gehen.“
 „Nein nein. Adrian ist gar nicht eingeladen, du schon.“
 Mom seufzte tief. „Ich werde mit seiner Mutter sprechen. Er kann nicht einfach an Heiligabend herkommen, wenn du es ihm ausdrücklich verboten hast.“
 Ich fuhr mir mit der Hand durchs Haar.
 „Also hast du eben mit ihm gesprochen?“, fragte Jason vorsichtig.
 „Ja. Halb so wild.“
 „Aber du bist aufgebracht. Ihr habt gestritten.“
 Ich presste die Lippen aufeinander. „Können wir bitte später darüber reden?“
 „Ich hab so das Gefühl, dass mir nicht gefallen wird, was du zu sagen hast.“
 „Es gefällt mir ja selbst nicht.“ Ich zögerte einen Moment, schüttelte aber den Kopf. „Lass uns nicht weiter darüber reden, ich will erst einmal den Feiertag genießen.“
 „Okay. Komm her.“
 Als er mich zu sich winkte, umrundete ich die Couch, um mich neben ihn zu setzen und an ihn zu schmiegen. Ich spürte, dass er nun angespannter war als zuvor, aber er würde damit umgehen können.

 Eine Stunde später bedankte ich mich gerade bei Mom und Dad für meine Weihnachtsgeschenke – ein Gutschein für meinen Lieblings-Buchhandel, ein neuer Laptop und eine Leselampe, die am Einband des Buches befestigt wurde, ohne die Seiten zu beschädigen – als es an der Tür klingelte. Dad verließ das Wohnzimmer, um zu öffnen, während ich mich wieder neben Jason setzte und den Laptop auf den Schoß nahm, um ihn einzuschalten und genauer anzuschauen.
 „Er hat das neuste Betriebssystem und 48 Stunden Akkulaufzeit.“, bemerkte Mom nebenbei, „Der Verkäufer sagte, dass die interne Festplatte außerdem ein neueres Modell ist, bei dem wohl eine andere Mechanik zum Lesen der Daten verwendet wird. Das erhöht wohl die Lebenserwartung der Festplatte und somit es Laptops.“
 „Danke.“, wiederholte ich nun zum fünften Mal.
 „Dein Vater hat bereits das meiste eingerichtet. Du musst nur noch ein Passwort einstellen.“
 „Danke, Dad!“, rief ich laut genug, dass er es hörte, doch er antwortete nicht.
 Stattdessen hörte ich ihn leise mit jemandem diskutieren. Ich seufzte leise, zuckte mit den Schultern und studierte ein wenig die Features des Laptops.
 „Ich glaub, der hat auch Touch.“, bemerkte Jason, als er einen kleinen Schiebeschalter an der Seite des Bildschirms fand.
 „Denkst du?“ Ich berührte testweise den Bildschirm. Als nichts passierte, schob er den Schalter in die andere Position, woraufhin ich ihn erneut berührte. „Oh, cool. Das erleichtert so einige Spiele.“
 „War ja klar, dass du bei sowas an Spiele denkst.“
 „Woran dachtest du denn?“
 „Markierung von Texten oder Nutzung der Scrollbar. Erstellung von Notizen per Hand.“
 „Stimmt.“, murmelte ich nachdenklich, ehe ich heftig zusammen zuckte, als ich Adrian im Flur schreien hörte.
 „Skaisa, komm verdammt nochmal an die beschissene Tür!“
 „Du musst nicht hingehen.“, bemerkte Mom daraufhin nur, während der Körper neben mir sich langsam verspannte.
 „Ihre Tochter ist mir gestern mit diesem Kerl fremd gegangen und ich will eine Erklärung von ihr!“
 Ich seufzte genervt, klappte den Laptop zu, legte ihn neben mir ab und wollte gerade aufstehen, als Jason den Arm um mich legte und festhielt.
 „Gib ihm nicht auch noch, was er will.“
 „Ich will nicht, dass er das Haus zusammenschreit.“, entgegnete ich und zuckte erneut vor Schreck zusammen, als Adrian wieder laut wurde.
 „Mir ist es nun mal nicht scheißegal, dass sie sich von so einer männlichen Hure flach legen lässt, wie eine Nutte von der Straße!“
 Ich schnappte verletzt nach Luft, woraufhin Jason aufsprang und geradezu in den Flur stürmte.
 „Wag es nicht nochmal sie eine Nutte zu nennen, du kleiner Pisser!“, fuhr er ihn an.
 „Ich hätte mir ja gleich denken können, dass sie dich mit nach hause genommen hat. Hast du es der Schlampe ordentlich besorgt, wie den anderen Frauen gestern?“
 Nur wenige Sekunden später ertönten Kampfgeräusche und ich hörte wie Dad auf die beiden Jungs einredete. Mom wirkte vollkommen schockiert von der ganzen Situation und sah nur mit großen Augen zur Tür.
 „Skaisa, sagt er öfter solche Dinge?“, fragte Mom, „Adrian, meine ich.“
 Ich zögerte. „Also... Hin und wieder sagt er ein paar Sachen, aber...“
 Sie schloss die Augen und rieb sich die Stirn. „Ich will ihn. Nie. Wieder. Im Haus haben. Du wirst dich von ihm trennen.“
 „Aber- Mom.“
 „Nein, Skaisa. Nach dem, was du vor unserem Umzug durchmachen musstest, möchte ich nicht, dass du mit jemandem zusammen bist, der solche Dinge zu dir sagt.“
 „Mom-“
 „Ich sagte nein. Spricht Jason auch so mit dir?“
 „Tut er nicht!“
 „Sei ehrlich zu mir.“
 „Er würde niemals sowas zu mir sagen, das schwöre ich dir.“
 „Leo, ich will das Adrian nicht nochmal in dieses Haus kommt!“, rief sie nun in den Flur.
 Ich beugte mich frustriert und gedemütigt vor und vergrub das Gesicht in meinen Händen. Irgendwann fiel die Haustür mit einem lauten Knall zu, ehe ich bruchstückhaft Dad hörte, wie er mit Jason schimpfte, weil er sich in unserem Flur mit Adrian geprügelt hatte. So wie ich Jason kannte war es wahrscheinlich eher so, dass er ihn einfach nur zusammengeschlagen hatte, während Adrian am Boden lag und kaum die Möglichkeit hatte sich zu wehren.
 „Ich lass ihn doch nicht so eine Scheiße über sie reden.“, sagte Jason gerade, als er herein kam, um sich zu mir zu setzen.
 „Wenn du es für notwendig hältst dich dann mit ihm zu schlagen, dann tu das gefälligst nicht in unserem Haus!“, entgegnete Dad verärgert.
 Jason schnaubte daraufhin nur und schlang die Arme um meine Taille, um mich an seine Brust zu ziehen. „Ist schon gut.“, flüsterte er mir zu, „Nimm dir die Worte der Cactula nicht zu Herzen. Er ist ein riesen Arschgesicht mit Segelohren.“
 Ich lachte stockend, weil ich sofort das von ihm beschriebene Bild vor Augen hatte und das wusste er ganz genau.
 „Er ist jetzt weg und wenn er nochmal sowas zu dir sagt, dann gib mir Bescheid, okay.“
 „Ich will einfach nicht, dass jemand weiß, was...“ Ich brach mein Geflüster ab und hörte, wie Mom aufgebracht mit Adrians Mutter telefonierte.
 „Was?“, fragte Jason, „Was er dir sagt?“
 Langsam nickte ich und spürte Tränen auf meinen Wangen. Mal wieder.
 „Du musst mir nicht sagen, was genau er gesagt hat. Aber sag es mir, wenn er dich wieder so verletzt. Dieser Käfer hat dich nicht verdient.“ Sanft streichelte er mir übers Haar. „Er hat keinen einzigen Funken deiner Aufmerksamkeit oder deiner Liebe verdient.“
 Ich barg mein Gesicht an seiner Brust. „Können wir jetzt bitte gehen?“
 „Wenn du das möchtest?“
 Zaghaft nickte ich.
 „Okay. Dann geh deine Sachen packen. Ich sag deinen Eltern Bescheid.“
 „Danke.“
 Stumm weinend stand ich auf und vermied es in die Richtung meiner Eltern zu sehen, als ich das Wohnzimmer verließ.

 Der ganze Tag war die reinste Katastrophe gewesen. Ich hatte mir nichts anderes gewünscht als ein schönes Heiligabend mit meinen Eltern zu verbringen, doch Adrian hatte erfolgreich alles verdorben.
 Ich weinte noch immer aufgrund der ganzen Situation, als ich mit Jason sein Zuhause betrat, als mir auffiel, dass bereits jemand hier war.
 Jason versteifte sich abrupt neben mir. „Geh schon mal hoch in mein Zimmer, ja. Ich komme gleich nach.“
 „Jason?“, ertönte direkt danach eine männliche Stimme aus dem Herzen des Hauses. Wir standen in der Nähe der Treppe. „Bist du das?“
 Dieser seufzte schwer. „Ja, Vater, ich bin's.“
 Noch ehe ich der Treppe näher kommen konnte, erschien ein Mann im Flur, der ohne Zweifel Jasons Vater war. Er hatte die selben Haare, die selben Augen, sogar den selben Mund. Doch dieser Mann dort wirkte kalt wie Eis, während Jason eher ein Inferno war.
 „Bringst du immer noch diese Nutten mit nach Hause?“, fragte der Mann kühl.
 Jason schloss einen Moment die Augen. „Das ist keine Nutte, Vater. Das ist Skaisa und sie ist meine beste Freundin.“
 „Nun, wenn du sie flach legst, wie die anderen, unterscheidet sie sich ja kaum von denen.“
 „Selbst wenn ich mit ihr schlafen würde bedeutet sie mir mehr als die anderen Frauen, also hör bitte auf über sie zu sprechen, als wäre sie nicht anwesend, obwohl du sie direkt anschaust.“
 „Ich gebe zu, sie sieht nicht aus wie deine Nutten.“, bemerkte er trocken, „Also hast du sie wahrscheinlich wirklich nicht gevögelt.“
 Sein Sohn wirkte, als würde er jeden Moment auf irgendwas einschlagen. „Was willst du hier?“
 „Ich wollte Heiligabend mit meinem Sohn verbringen. Muss ich mich dafür jetzt rechtfertigen? Ich bin jedes Jahr zu Weihnachten hier, das weißt du.“
 „Warum bleibst du nicht bei deiner Freundin, wie letztes Jahr?“
 „Wir haben uns einvernehmlich getrennt, auch das habe ich dir gesagt. Zeig ein bisschen mehr Respekt deinem Vater gegenüber.“
 „Ich würde mehr Respekt zeigen, wenn du dich wie ein Vater verhalten würdest.“
 Der Mann verpasste Jason daraufhin eine heftige Ohrfeige.„Achte auf deinen Ton!“, tadelte er ihn dann, ehe er zu mir sah. „Ich hoffe, du bist vernünftiger als die anderen Frauen, die er ständig herbringt.“
 Noch schockiert davon, dass er seinen Sohn vor meinen Augen geschlagen hatte, starrte ich ihn einfach nur mit großen Augen an und hatte Angst irgendwas zu sagen.
 „Du musst nichts sagen.“, meinte Jason und drückte sich den Handrücken an seine Unterlippe, die offenbar aufgeplatzt war. „Geh einfach in mein Zimmer und warte da.“
 „Willst du mich nicht einmal vorstellen?“
 „Wieso sollte ich? Nach heute Abend sieht sie dich doch eh nicht wieder. Du kommst ja nie nach hause.“
 Da bekam Jason eine weitere Ohrfeige. Diese musste stärker gewesen sein, als sie letzte, denn Jason stolperte und ging zu Boden, woraufhin ich besorgt aufschrie und mich neben ihn kniete.
 „Jason.“ Ich berührte ihn an der Schulter. „Geht’s?“
 „Ja.“, entgegnete er, „Tut mir leid, aber sowas wie Liebe kennt dieser Mann nicht.“
 Sein Vater packte ihn daraufhin am Arm, zerrte ihn auf die Beine und schlug ihn erneut.
 „Hören Sie auf!“, fuhr ich ihn daraufhin an und fing Jason auf, als er gegen die Wand taumelte.
 „Halt dich daraus, du vorlautes Weib!“, fuhr der Mann mich daraufhin an.
 „Lass sie in Ruhe!“, fauchte Jason.
 „Jason ist Ihr Sohn!“, rief ich im selben Moment aus, „Wie können Sie Ihren eigenen Sohn schlagen? Er ist erwachsen und wenn er so mit Ihnen redet, dann ist es ohne Zweifel eine Folge Ihrer Erziehung.“
 „Skaisa, lass nur.“, versuchte Jason mich zu beruhigen.
 „Es lassen? Dieser Mann schlägt dich vor meinen Augen! Ich kann doch nicht zusehen wie er sein eigenes Kind misshandelt!“
 „Das ist eine Familienangelegenheit, in die du dich nicht einzumischen hast.“, ging Jasons Vater kalt dazwischen.
 Ich schob mich daraufhin zwischen die beiden. „Jason ist mein Freund! Er bedeutet mir sehr viel und ich lasse nicht zu, dass ein Mensch wie Sie ihn so behandelt, weil Sie nicht in der Lage waren Ihre Pflichten als Vater zu erfüllen und für Ihren Sohn da zu sein!“
 „Pass auf, was du sagst, Weib.“, sagte der Mann beunruhigend leise und kniff leicht die Augen zusammen. „Jason ist alt genug sich seines Handelns bewusst zu sein und-“
 „Ihm ist nichts anderes bekannt!“, unterbrach ich den Mann, „Wie soll er in der Lage sein sich anders zu benehmen, wenn er nie kennen gelernt hat, wie er das tun soll? Sie sind ja offensichtlich nicht in der Lage gewesen es ihm beizubringen!“
 Der Schmerz, der daraufhin in meiner Wange explodierte, war so heftig, dass meine Beine einknickten und mir noch mehr Tränen in die Augen schossen.
 „Fass sie nicht an, du Dreckskerl!“, fuhr Jason seinen Vater an und stieß ihm so heftig vor die Brust, dass er zwei Schritte zurück weichen musste. „Schlag mich so viel du willst, aber fass sie nicht noch einmal an, wenn du nicht willst, dass dein verkackter schniecker Anzug mit deinem eigenen Blut beschmutzt wird!“
 Die Stille, die daraufhin eintrat, war so kalt, dass ich fröstelte. Irgendwann richtete der Mann seinen Anzug und sah auf seine Armbanduhr.
 „Ich muss wieder gehen.“, verkündete er dann, als sei nie etwas passiert.
 „Entschuldige dich wenigstens bei ihr!“
 „Ich bin mir keiner Schuld bewusst, die es zu entschuldigen gäbe.“ Mit diesen Worten verließ er das Haus.
 „Dieser... widerliche Mistkerl!“, brüllte Jason und schlug gegen die Wand, bis seine Hand begann zu bluten, ehe er gegen einen Beistelltisch trat, der nur wenige Sekunden später in Trümmern am Boden lag. „So eine Kacke!“
 Er war völlig außer Kontrolle geraten und tobte wie ein wild gewordener Tiger, während ich wie betäubt auf dem Boden saß und mir die schmerzende Wange hielt. Ich wusste, er hatte sich noch lange nicht abreagiert, als er sich neben mich kniete, obwohl es kein einziges Möbelstück mehr im Flur gab, dass er nicht zerstört hatte – er hatte sogar das hölzerne Treppengeländer auseinander genommen. Sein ganzer Körper zitterte vor unterdrückter Wut.
 „Hat er dich verletzt?“, fragte er so sanft er konnte und zog meine Hand beiseite.
 „Nein, es tut nur weh.“, antwortete ich und schluchzte leise auf. „Was ist dein Vater nur für ein Mann?“
 „Es tut mir so leid. Ich habe nicht damit gerechnet, dass er noch hier ist. Normalerweise taucht er hier um 10 auf und ist um 18 Uhr wieder verschwunden. Wir haben schon 20 Uhr. Ich- Ich wusste nicht, dass er noch hier ist, ich- Es tut mir so verdammt leid.“
 Ich schüttelte den Kopf. „Dafür kannst du ja nichts, ich...“ Die Hand vor den Mund gepresst schluchzte ich erneut auf. „Er war so kalt und...“
 Vorsichtig zog er mich in seine Arme und drückte meinen Körper an sich. „Er ist weg. Und er kommt nicht wieder.“
 „Hat er dich immer so behandelt?“
 „Früher sogar schlimmer. Ich habe es mir damals zur Aufgabe gemacht ihn zur Weißglut zu treiben.“ Er seufzte leise und half mir dann auf die Beine. „Komm, ich bringe dich hoch.“
 „Okay.“ Ich ließ zu, dass er meine Tasche nahm und mich nach oben führte, wo er mich auf seine Couch setzte und meine Tasche daneben lagerte.
 „Ich hol noch eben etwas zum Kühlen, okay.“ Sanft strich er über meine schmerzende Wange. „Dann muss ich mich dringend abreagieren. Hast du ein Buch dabei oder deinen Laptop?“
 „Mein Laptop.“, antwortete ich.
 „Gut. Dann mach es dir so bequem du kannst, ja.“
 Stumm nickte ich und schloss kurz die Augen, als er mich auf die Stirn küsste, ehe er hinunter eilte. Den Rest des Abends verbrachte er an seinem Sandsack, während ich versuchte irgendwas sinnvolles in meinen Laptop zu tippen. Irgendwann klappte ich den Laptop mit einem schweren Seufzen zu und schob ihn neben mir auf die Couch. Jason hielt mit den Schlägen inne und sah herüber.
 „Alles okay?“, fragte er.
 „Ja.“, antwortete ich ehrlich, „Ich kann mich nur nicht konzentrieren.“
 „Beschäftigt dich irgendwas?“
 Hilflos zuckte ich mit den Schultern. „Ich weiß auch nicht. Ich fragte mich, was jetzt mit Adrian und mir ist. Theoretisch weiß ich, es wäre besser sich von ihm zu trennen, aber...“
 Er schlug ein paar mal halbherzig zu. „Liebst du ihn wirklich so sehr?“
 Nachdenklich ließ ich mir die Frage ein wenig durch den Kopf gehen, ehe ich unsicher die Schulter hob. „Im Moment weiß ich gar nichts mehr.“ Ich rieb mir über die Wangen, die sich vom Weinen noch geschwollen und irgendwie gespannt anfühlten.
 „Wie fühlst du dich, wenn du an ihn denkst?“
 Mein Blick glitt über meine Oberschenkel, ehe ich die Knie anzog. „Ich fühle mich... verletzlich, denke ich. Und ich bin wütend. Traurig und enttäuscht.“ Ein schweres Seufzen glitt mir über die Lippen. „Als ich ihn kennen gelernt habe war er unglaublich aufmerksam, überhäufte mich mit Zuneigung und schien an allem, was ich tat, interessiert zu sein. Ich hatte das Gefühl er würde sich für mich als Person interessieren. Für meine Fähigkeiten. Es fiel mir leicht ihn zu mögen und später zu lieben und war gern mit ihm zusammen. Es ging sogar ziemlich schnell.“
 „Du sagtest, du hättest ihn über deinen Ex kennen gelernt.“
 „Ja. Also, eigentlich... ehrlich gesagt, kann man nicht sagen, er sei mein Ex gewesen. Es war eine seltsame verdrehte Situation.“ Ich atmete kurz durch. „Ich weiß, ich sagte, ich musste nur zwei Mal in meinem Leben sexuelle Belästigungen erleben. Und das stimmt auch.“, schob ich hastig hinterher, „Aber was er getan hat... das war... keine Belästigung.“
 Ich warf Jason einen kurzen Blick zu und stellte fest, dass er verwirrt aussah.
 „Also hat er etwas getan? Etwas sexuelles, aber es war keine Belästigung?“
 „Ja.“, antwortete ich langsam, „Wenn ich so drüber nachdenke, glaube ich... war es Manipulation und emotionale Erpressung, vielleicht. Ich bin mir nicht sicher, wie man das nennen soll.“
 „Also, nur damit ich nichts verwechsle. Wir reden jetzt von dem Ex vor Adrian, richtig?“
 „Ja.“
 „Hat der auch einen Namen?“
 Ich blies die Wangen auf. „Bestimmt.“
 „Heißt das... du weißt nicht, wie er heißt? Du musst ihn doch irgendwie angesprochen haben.“
 Langsam nickte ich und ließ den Blick gleiten. „Ich nannte ihn Josse.“
 „Hat er sich nicht vorgestellt?“
 „Doch, mit dem Namen.“
 „Das schreit nach einem Aber.“
 Für ein paar Momente presste ich die Lippen aufeinander. „Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass das nicht sein Name ist.“
 „Hat er nie irgendwo unterschrieben? Wurde er nicht von anderen angesprochen?“
 „Hmmm...“, machte ich daraufhin, „Ich habe nie Unterschriften gesehen und wenn er mit mir sprach war nie jemand in der Nähe.“
 „Was?“
 Ich verzog den Mund und zögerte etwas. „Bitte verurteile mich nicht.“
 „Du weißt, dass ich das nicht tue.“
 „Ich... Ich kannte ihn aus dem Internet.“
 Nun zeichnete sich Verständnis auf seinem Gesicht ab. „Ah, okay. Er war also ein Fake.“
 „Davon gehe ich aus. Ich... habe ihn nie gesehen oder gehört. Er hat immer nur geschrieben und von mir verlangt zu reden und die Webcam einzuschalten.“
 Er leckte sich über die Lippen und wischte sich übers Gesicht. „Du sagtest, er hätte etwas getan. Dich zu manipulieren ist nicht zwangsläufig etwas sexuelles.“
 Ich räusperte mich. „Er... Es war in einer Phase meines Lebens, in dem ich ein wenig zu Depressionen neigte. Kurz vor unserem Umzug habe ich das erste mal mit ihm Kontakt gehabt. Er war freundlich und nachdem, was an meiner Schule passiert ist, war ich wie eine Süchtige. Ich wollte Freundlichkeit. Ich wollte, dass mich jemand wertschätzte. Ich wollte Zuneigung.“
 „Und er hat sie dir gegeben.“
 „Ja.“
 „Aber du hast nie irgendwelche Beweise für seine Existenz gehabt.“
 „Nein.“ Ich umfasste meine Oberschenkel. „Ich schäme mich sehr für die Dinge, die ich getan habe. Wenn ich daran zurück denke, ekle ich mich vor mir selbst.“
 „Du musst es mir nicht erzählen.“
 „Ich muss es irgendjemandem erzählen, Jason. Ich habe nie auch nur ein Wort zu jemandem gesagt, nicht einmal zu meiner Therapeutin und ich weiß, ich muss es jemandem sagen.“
 Wortlos wischte er sich mit seinem Shirt das Gesicht ab und kam herüber, um sich neben mich zu setzen. „Soll ich dich in die Arme nehmen?“
 Langsam schüttelte ich den Kopf. „Hör bitte einfach nur zu.“
 „Okay.“
 Ich schluckte schwer und bemerkte den Kloß in meinem Hals, als ich mit mir selbst kämpfte, versuchte mich zu überwinden. „Er fing mit kleinen Sachen an.“, begann ich irgendwann, „Er wollte, dass ich ihm Küsse zuwarf oder mein Shirt hochziehe, um ihm meinen Bauch zu zeigen. Wir sprachen darüber, ob ich mich selbst anfasste und ob ich...“ Hitze stieg mir ins Gesicht, machte alles nur schwieriger zu ertragen. „Ob ich masturbierte. Er-er wollte wissen wie, ob ich Gegenstände benutzte und solche Sachen.“ Ich machte eine Pause und schluckte einige Male. „Ich dachte mir, dass es nicht so schlimm sei mit ihm darüber zu reden. Wir mochten uns ja. Und er redete davon, dass er mich gern treffen würde. Er beschrieb mir, was er gern tun würde, wenn wir uns das erste Mal sahen.“
 Tief atmete ich durch und rieb mir mit zitternden Händen über das Gesicht. Jason war ganz still neben mir und bewegte sich nicht, als hätte er Angst, es würde mir Probleme bereiten darüber zu reden. Ich war ihm dankbar dafür.
 „Obwohl ich ihm nicht davon erzählt hatte, was ich mir wünschte, war das, was er beschrieb genau das richtige. Er kam meinem eigenen Wunsch sehr nahe. Mit der Zeit fing er an mich um Dinge zu bitten und versprach mir dafür etwas. Einmal sollte ich ihm ein spezielles Programm aus dem Internet suchen und er wollte dafür die Cam einschalten. Ich habe eine ganze Stunde nach dem gesucht, was er beschrieben hat, aber es gab so ein Programm einfach nicht. Er sagte, ich solle weiter suchen und dass ich nicht ordentlich suchen würde. Er gab mir Schlüsselwörter, um die Suche zu präzisieren. Aber ich fand einfach nichts. Ich fing an an meinen Fähigkeiten zu zweifeln, denn er war sich ganz sicher, dass es so ein Programm gab.“
 Jason seufzte schwer, sagte aber nichts.
 „So etwas tat er immer mal wieder. Irgendwann sagte er, er sei enttäuscht von mir und schrieb einige Tage nicht mit mir. Ich dachte, er wolle nicht mehr mit mir reden, weil ich nicht in der Lage war ein einfaches Programm im Internet zu finden.“ Wieder machte ich eine Pause, um mich zu sammeln. „Als er sich wieder meldete, sagte er, er sei bereit mir zu verzeihen, wenn ich mein Shirt für ihn auszog. Ich hatte lange darüber nachgedacht, ob ich das wirklich tun sollte, aber er setzte mich unter Druck. Gleichzeitig machte er mir Komplimente und umschmeichelte mich. Also zog ich mein T-Shirt aus. Wir schrieben wieder täglich und er wollte jedes Mal, dass ich mein Shirt auszog. Einmal hätte Dad es fast gesehen und ich hatte panische Angst davor, was passieren würde, wenn er es sah. Also fing ich an meine Tür abzuschließen.
 Wie du dir denken kannst, hat das Shirt irgendwann nicht mehr gereicht. Nach und nach bearbeitete er mich so lange, bis ich anfing mich vor der Cam auszuziehen, klopfte mich weich, bis ich mich sogar anfasste. Ich fühlte mich mit jedem Tag schlechter und sagte irgendwann, dass ich das nicht mehr wollte. Ich weigerte mich die Cam einzuschalten. Dann fing er an Dinge zu sagen, die mich verletzten.“ Ich schlang eng die Arme um mich selbst, weil ich das Gefühl hatte langsam auseinanderzubrechen. „Er sagte, ich sei zu fett und er hätte mich von Anfang an hässlich gefunden. Meine Kleidung sei zu eng und er fände mich unhygienisch und abstoßend. Es gab Zeiten, da verließ ich mein Zimmer für mehrere Tage nur, um etwas zu Essen und auf Toilette zu gehen. Schon früher. Ich habe Probleme mit alltäglicher Routine und muss mich ständig an alles mögliche erinnern.
 Er nutzte das Wissen darüber und verletzte mich damit. Er sagte, meine Haare seien fettig, meine Haut würde vor Fett glänzen und er würde sich ekeln, weil ich unreine Haut habe. Ich war wie betäubt und blockierte alle Möglichkeiten mit ihm in Kontakt zu treten.“
Wieder seufzte Jason. „Du klingst nicht, als wäre das bereits alles gewesen.“
 Langsam schüttelte ich den Kopf. „Kurz danach hatte ich meinen ersten Freund aber nach drei Monaten ging es wieder zu Ende. Ich war verzweifelt und traurig.“
 „Also hast du ihn wieder kontaktiert?“
 Diesmal nickte ich langsam. „Ich hatte mir gesagt, ich wolle nur ein paar Tage mit ihm reden. Drei oder vier. Und ich bat ihn mich einfach nur abzulenken.“ Als ich diesmal schluckte hatte ich das Gefühl ein Stein würde sich durch meine Speiseröhre zwängen. „Aus Tagen wurden Wochen und Monate. Er begann das Spiel von vorn, aber diesmal hatte ich das Programm, über das wir sprachen, mittlerweile auf meinem Handy installiert. So zwang er mich auf seine Nachrichten zu reagieren, in dem er immer wieder anrief, sodass ich mit meinem Handy nichts tun konnte, denn die App blockierte einfach alles. Ich musste sie vollkommen blockieren und dafür brauchte ich wenigstens 10 Sekunden. Er rief aber in einem 3 Sekunden Takt an, sodass ich überhaupt nicht reagieren konnte. Und das nur, weil ich den Anruf nicht entgegen nahm.“
 Ich vergrub für ein paar Sekunden mein Gesicht in den Händen.
 „Er setzte mich noch mehr unter Druck als vorher und begann mir abwechselnd zu schmeicheln und mich zu zerstören, bis ich irgendwann beinahe zerbrach. Damals tat ich fast alles, was er von mir wollte. Ich zog mich aus, fasste mich an, ich... ich begann mich meinen Eltern gegenüber anders zu verhalten und... kaufte sogar Spielzeug. Er brachte mich jedes Mal von neuem dazu mich zu demütigen und wenn ich versuchte mich zu weigern nannte er mich eine Schlampe, eine Hure. Er sagte, ich sei doch zu ihm gekommen und hätte den Kontakt gesucht. Ich sei es, die sich vor einem fremden Mann auszog, von dem ich nicht einmal wusste, wie er aussah. Ich sei es, die sich schamlos vor der Cam berührte. Er behauptete, er hätte Fotos und Aufnahmen und er drohte mir sie meinem Vater zu schicken.“
Ich musste mich dazu zwingen weiterzuatmen und bemerkte erst jetzt, dass meine Knie ganz nass von meinen Tränen warm, weil ich mein Gesicht daran gedrückt hatte. Hastig wischte ich mir über die Wangen.
 „Ich kann mir nicht erklären, warum ich den Kontakt nicht einfach beendet habe. Ich ließ all das einfach mit mir machen, als wäre ich wirklich eine billige Nutte. Sogar eine kostenlose.“ Mein Hals war wie zugeschnürt, brannte von den Tränen, die meine Stimme rau machten. „Ich fühlte mich, als sei ich einfach nichts wert. Als wäre ich irgendwas wertloses, wie ein Kaugummi an deiner Schuhsohle. Irgendwann als wir gerade nicht miteinander redeten blockierte ich ihn und meldete mich mit dem Account ab. Wochenlang kämpfte ich gegen das Verlangen mich anzumelden, um mit ihm zu reden.“ Ich blinzelte heftig gegen weitere Tränen an. „Ich gab zwei Mal der Versuchung nach. Das zweite Mal war nach einer Klausur, die ziemlich schlecht verlaufen ist. Ich war auf dem Weg nach hause und Josse setzte wieder alles daran mich kaputt zu machen. Irgendwann ging ich einen Stück in den Park und setzte mich abseits vom Weg ins Gras und weinte. Da hat Adrian mich gefunden.“
 „Du bist also quasi von einer Abhängigkeit in die nächste gerutscht.“
 Langsam nickte ich. „Nachdem ich so lange Schwierigkeiten hatte mich einem Menschen anzuvertrauen neige ich dazu all mein Vertrauen in eine einzige Person zu setzen. Dummerweise war es bisher immer die falsche.“
 Zittrig atmete er tief ein und legte dann sanft die Arme um mich. „Ich schwöre, ich lasse dich niemals bereuen mir vertraut zu haben.“ Fest drückte er mich an seine Brust, sodass ich das Gefühl hatte, dass mir nichts und niemand je wieder etwas antun könnte. „Ich werde dir niemals etwas antun.“
 „Ich fühle mich so schmutzig.“, murmelte ich und versteckte mein Gesicht an seinem Hals, drückte meine Nase an seine Halsbeuge.
 „Ich kenn das.“ Beruhigend streichelte er mir über den Rücken. „Es ist schwierig das Gefühl abzuschütteln.“
 Ich zog einige Male die Nase hoch und brauchte eine Weile, um mich zu beruhigen, ehe ich meinen Kopf seitlich an seiner Schulter bettete. „Was ist dir passiert?“, fragte ich dann mit belegter Stimme und schlang die Arme um seine Taille.
 „Du meinst, abgesehen davon, dass mein Vater mich regelmäßig verprügelt hat? Abseits davon, dass ich, wie du selbst sagtest, hunderte Frauen gevögelt und allerlei Drogen in mich hinein gepumpt habe?“ Er atmete tief durch. „Bis du kamst ist mir nie bewusst geworden, wie dreckig ich eigentlich wirklich bin.“
 „Du bist nicht dreckig.“, widersprach ich.
 Er ignorierte das. „Mein Vater war nach dem Tot meiner Mutter mit meiner Erziehung überfordert. Nach drei Jahren stellte er einen Erzieher für mich allein ein. Er checkte ihn von vorn bis hinten, wollte nur den besten und er achtete sehr genau darauf, dass dieser Erzieher männlich war, weil Frauenherzen viel leichter von einem Kind zu erweichen waren. Er suchte einen strengen Lehrer für einen Wildfang.“
 „Warst du wirklich so schlimm?“
 „Oh, du hast ja keine Ahnung. Ich hatte vorher dutzende Kindermädchen und entweder habe ich sie zum Weinen gebracht, bis sie kündigten, oder ich dachte mir irgendwas anderes aus, um sie loszuwerden. Ich wollte keine Kindermädchen.“
 „Du wolltest einen Vater.“
 „Ja.“ Einen Moment schwieg er, ehe er sich räusperte. „Also bekam ich mit 8 Jahren einen Erzieher. Er war wirklich ziemlich streng und mein Vater gab ihm die Erlaubnis mich zu schlagen, wenn es nötig war. Ihm war alles recht, solange das Resultat stimmte. Doch es half alles nichts. Wenn ich etwas anstellte, wurde ich bestraft, doch statt mich zu benehmen stellte ich beim nächsten Mal etwas schlimmeres an. Natürlich wurde meine Strafe dementsprechend schlimmer. Das Spiel spielten wir etwa drei Jahre und mein Vater wurde immer ungeduldiger. Da der Mann aber noch immer da war, wollte er ihn nicht entlassen, denn das zeugte von einem sehr starken Willen.“
 Nachdenklich zog ich die Brauen zusammen. Irgendwas konnte nicht stimmen, denn sonst würde er mir nicht davon erzählen. Er wurde von seinem Vater geschlagen, also sollte es ihn nicht schlimmer traumatisiert haben auch von seinem Erzieher geschlagen zu werden. Oder doch?
 „Kurz vor meinem elften Geburtstag hatte ich meinen ersten Samenerguss.“
 Ich blinzelte perplex. „Mit 11 Jahren?“
 „Ja. Im Schlaf. Die Putzfrau fand die Spuren, erzählte es meinem Vater und der bat meinen Erzieher mit mir darüber zu reden und mich aufzuklären.“
 „Ich hab echt ein ungutes Gefühl dabei.“, murmelte ich.
 Diesmal war er es der schlucken musste. „Er brachte es nur wenige Stunden später zur Sprache, als alle anderen aus dem Haus waren. Die Putzfrau war fertig, mein Vater war auf der Arbeit und unsere Haushälterin hatte einen Termin und wollte danach einkaufen gehen. Er setzte sich mit mir ins Wohnzimmer und begann ganz normal mit mir über die Sache zu reden. Dass ich erwachsen wurde und ich mich damit verändern würde. Er sagte, es sei ganz normal, was ich durchmachte. Das hätte er auch.“
 Plötzlich wurde mir ganz eng um die Brust und ich erinnerte mich, wie er darauf reagiert hatte, dass ich ihn von meiner sexuellen Belästigung vom Bürgermeisters erzählt hatte. Wir machten beide Witze über Pädophilie obwohl wir beide wussten, dass damit keine Witze gemacht werden sollten.
 „Nachdem er mich aufgeklärt hatte bot er mir an mir alles zu zeigen. Er ging nicht weiter darauf ein. Ich habe abgelehnt, weil ich nun mal ein trotziger Junge war.“ Er atmete tief ein. „Zwei Tage später ging mein Vater auf Geschäftsreise. Mein Erzieher und die Haushälterin wohnten in einem kleine Haus am hinteren Teil des Grundstückes hatten aber beide einen Schlüssel für das Haupthaus. Es war das erste Mal, dass er nachts zu mir kam.“
Unwillkürlich versteifte ich mich.
 „Ich schlief bereits und so konnte ich mich nicht wehren, als er mich anfasste. Ich wachte von meinem eigenen Orgasmus auf.“
 Ganz langsam zog ich einen meiner Arme zurück, um mir die Hand auf den Mund zu legen. Ich wollte ihn nicht unterbrechen.
 „Er tat das wochenlang. Schlich zu mir, wenn ich schlief und fasste mich an, bis ich kam. Irgendwann, als ich einmal etwas ganz besonders schlimmes angestellt hatte, wartete er bis wir wieder allein waren und zerrte mich in mein Zimmer. Diesmal bestand meine Strafe darin von ihm berührt zu werden, bis ich kurz davor war zu kommen. Er brachte mich dazu es zu wollen, ehe er mich schändete. Ich begann mich zu wehren. Es war das erste Mal, dass ich jemanden schlug und ich habe ihm die Nase gebrochen. Mein Vater stellte mich zur Rede und ich erzählte ihm, was mein Erzieher tat. Anfangs glaubte er mir nichts und hielt es für eine ausgedachte Geschichte. Es dauerte vier Monate, bis er begann zu zweifeln und mich untersuchen ließ.“
 „Es tut mir so leid.“
 „Es ist mehr als 10 Jahre her. 13, um genau zu sein. Danach schleifte er mich von einem Psychologen zum anderen, aber ich weigerte mich mit ihnen darüber zu sprechen.“
 „Es könnte dir helfen.“
 „Ich weiß nicht, ob es noch irgendwas gibt, das man retten kann. Damals ist etwas in mir gestorben, so wie in dir etwas gestorben ist, als Josse diese Dinge mit dir tat.“
 „Deshalb die vielen Frauen?“, fragte ich vorsichtig.
 „Ich vermute, dass ich unterbewusst versuche mich davon zu überzeugen, dass ich das damals nicht wollte. Aber eine Gegenfrage...“ Er sah auf mich herab. „Deshalb Adrian?“
 Ich verzog das Gesicht. „Beide sind wie Stacheln mit Widerhaken, die sich tief in mein Fleisch gebohrt haben. Sie raus zu ziehen ist schwierig und tut irgendwie weh. Und wenn sie draußen sind ist da ein Loch, dass ich unbedingt füllen muss.“ Meine Finger gruben sich in sein Shirt. „Ich habe Angst mich auf dich einzulassen, Jason.“
 „Ich weiß. Das verstehe ich.“ Er küsste mich auf die Stirn. „Und ich werde warten.“
 „Ich kann das nicht, wenn du diese Frauen hast.“
 „Es wird schwierig mit ihnen aufzuhören.“, gab er zu, „Hauptsächlich habe ich sie wirklich nur wegen meiner Aggressionen, der Energie. Wegen dem Bedürfnis irgendwas zu tun und Dampf abzulassen. Ehe ich damit angefangen habe war ich ein ewig pfeifender Dampfkessel.“
 Ich schnaubte amüsiert bei dieser Metapher. „Und es wäre schwierig sich auf eine einzige Frau zu konzentrieren.“
 „Oh, ich hätte damit kein Problem, wirklich. Aber wie fändest du es, wenn ich dich zwei bis drei Mal am Tag eine Stunde lang vögeln würde. Und zwar jeden Tag.“
Ich atmete tief durch. „Also... Ich... Ich weiß nicht.“
 „Du wärst nach zwei Tagen wund und würdest wahrscheinlich anfangen mich zu schlagen, wenn ich versuchen würde dich nochmal anzufassen.“
 „Bräuchtest du wirklich insgesamt drei Stunden täglich?“
 „Wenn ich daran denke wie du mein Blut in Wallung bringst, kann ich mir sogar gut vorstellen dich die ganze Nacht lang zu vögeln. Oder gleich den ganzen Tag.“ Er seufzte. „Scheiße, ich weiß gar nicht, ob ich aufhören könnte.“
 Ich war mir ganz sicher bereits vom Scheitel bis zur Sohle rot angelaufen zu sein. „Verstehe.“, murmelte ich mit einem Räuspern, „Also sollte eine Alternative zu Sex gefunden werden.“
 „Denkst du gerade wirklich darüber nach, wie du mit mir zusammen sein kannst?“
 „N-n-nein! I-ich denke darüber nach, wie du- wie du die Frauen- Wie du aufhören kannst mit ihnen zu schlafen.“
 „Wirst du eifersüchtig?“
 „Warum sollte ich eifersüchtig sein?“
 „Ich meine, in einer Beziehung. Bist du eher der eifersüchtige Typ?“
 „Ich denke schon. Warum?“
 „Hmm...“ Er betrachtete mich etwas. „Nur so.“ Dann warf er einen Blick auf die Uhr. „Na komm, lass uns schlafen.“
 Unzufrieden murrend umschlang ich ihn fester. „Ich will nicht.“
 „Es ist spät.“
 „Aber ich will bei dir bleiben.“
 „Du weißt, es ist keine gute Idee, wenn wir beide im selben Bett schlafen.“
 „Und hier auf der Couch?“
 Resigniert sah er auf mich herab. „Nein.“
 „Legst du dich dann zu mir, bis ich eingeschlafen bin?“
 „Okay, aber dann gehe ich auf die Couch.“
 „In Ordnung.“
 Ich half ihm alles vorzubereiten, zog mich dann im Bad um und kuschelte mich in sein Bett, ehe ich eng an ihn rückte, als er sich auf der Decke neben mich legte.
 An diesem Tag waren wir uns emotional deutlich näher gekommen als in den letzten Monaten.

















Isalija "spricht",
denkt und handelt.
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Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]

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