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 Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]

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Isalija
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BeitragThema: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Do 5 Apr 2018 - 19:37

Klapptext


Skaisa Misullis war erst 17 Jahre alt und hatte doch mehr erlebt, als die meisten anderen in ihrem Alter. Das Leben meinte es nicht gut mit ihr und doch ist sie voller Zuversicht. Als sie dann Jason auf einer Party kennen lernt und er nach 5 Minuten  davon überzeugt ist, dass sie die perfekte Frau für ihn ist, ahnt sie nicht, dass sich ihr Leben vollkommen ändern würde.










Isalija handelt, "spricht" und denkt.


Zuletzt von Isalija am Fr 6 Apr 2018 - 12:10 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Do 5 Apr 2018 - 19:38

Prolog

Es war spät und ich war unglaublich müde, als ich mich ins Bett legte, jedoch von meinem Smartphone gestört wurde, das neben meinem Kissen vibrierte.

Tara: Hey, Hendrics schmeißt am Wochenende eine Party. Kommst du mit?

Angewidert verzog ich das Gesicht. Ich hasste Partys. Andererseits hatte ich schon seit Wochen nichts mehr mit Tara gemacht.

Skaisa: Um wie viel Uhr muss ich wo sein?
Tara: Klasse! Ich komme um 16 Uhr vorbei und hol dich ab. Basil fährt uns.
Skaisa: Okay, klingt gut. Ich werde fertig sein.
Tara: Zieh was hübsches an!

Erneut verzog ich das Gesicht, schrieb dazu aber nichts mehr. Stattdessen zog ich mich aus und legte mich schlafen.
Es war ja nur eine Party. Ein Abend.
So schlimm würde es schon nicht sein.










Isalija handelt, "spricht" und denkt.
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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Fr 6 Apr 2018 - 12:12

Kapitel 1

 Es war Freitag. Die Sonne schien mich mit ihrer Wärme zu verhöhnen, während es viel zu wenig Wolken am Himmel gab. Wir wohnten in Kanada und es war trotzdem viel zu heiß. Verstand einer das Wetter!
 „Skaisa!“, hörte ich hinter mir die Stimme meiner besten Freundin, „Warte auf mich!“
 Ich blieb stehen, bis sie neben mir war und sah sah dann zu ihr auf. „Guten Morgen. Wie geht’s dir?“
 „Das fragst du mich jeden Tag!“
 Ich zuckte mit den Schultern. „Es interessiert mich eben, wie es dir geht.“ Versteht sie das einfach nicht?
 „Naja, egal. Du musst mir unbedingt helfen!“
 „Okay.“, murmelte ich, „Und wobei?“
 „Du verstehst doch Latein so gut!“
 Ich rümpfte die Nase. „Es geht. Warum?“
 „Ich brauche dringend Nachhilfe“
 Leise atmete ich kurz durch und ließ mir das durch den Kopf stehen. „Na gut. Was verstehst du nicht?“
 „Alles!“
 Daraufhin schüttelte ich nur den Kopf. „Du kannst nicht alles nicht verstehen.“
 „Doch. Ich verstehe kein einziges Wort.“
 „Du musst keine Vokabeln kennen, Tara. Also, du musst schon, aber das ist einfach nur lernen. Wichtig ist, dass du die Grammatik kannst.“
 „Aber das kann ich auch nicht.“
 „PPP?“, fragte ich, „AcI? Pc? Sagt dir das was?“
 „PC ist doch ein Computer, oder nicht?“
 Ich stöhnte auf. „Hast du im Unterricht denn gar nicht aufgepasst?“
 „Naja, weißt du... ich habe Latein immer in der ersten Stunde und in den letzten Wochen habe ich viel mit Basil unternommen.“
 „Du hast doch nicht im Unterricht geschlafen, oder?“
 „Latein braucht doch eh keiner!“
 „Warum hast du es dann gewählt?“
 „Ich dachte, wir wären dann im selben Kurs und dann hätte ich bei dir abschreiben können.“
 „Ich lasse dich doch nicht alles von mir abschreiben!“
 Sie sah mich vorwurfsvoll an. „Du willst also sagen, dass du mich im Stich gelassen hättest?“
 „Nein, ich hätte dir geholfen. Aber du musst im Unterricht aufpassen. Wenn du nicht aufpasst, bringt es nichts, wenn ich dir helfe.“
 „Ja, ja. In Zukunft passe ich besser auf. Hilfst du mir nun?“
 „Na gut. Wie wäre es Sonntag?“
 „Sonntag? Spinnst du? Da werde ich den ganzen Tag im Bett liegen und meinen Kater auskurieren.“
 „Deinen Kater?“, hakte ich nach und sah sie verwirrt an.
 „Ja. Du weißt doch. Von Hendrics' Party zu der wir gehen.“
 Einen Moment war mir die Überraschung wahrscheinlich ins Gesicht geschrieben, denn sie sah mich genervt an.
 „Hast du es wieder vergessen?“
 „Das ist morgen?“
 „Ja doch. Jetzt wage es nicht abzusagen. Dein Freund freut sich schon, dass er dich endlich mal auf einer Party sieht.“
 Da weiteten meine Augen sich nur noch mehr. „Adrian geht auch hin?“
 „Natürlich geht er hin, Dummkopf. Der lässt sich doch keine Party entgehen.“
 Innerlich sackte ich zusammen. So ein Mist. Ich hasste Menschen. Ich hasste betrunkene Menschen noch mehr. Aber ein betrunkener Adrian... Das Wochenende wird so scheiße. „Er hatte versprochen mit mir Sonntag schwimmen zu gehen.“
 „Ach so? Naja, daraus wird wahrscheinlich nichts. Das könnt ihr ja noch nächstes Wochenende machen.“
 „Das sagt er auch. Seit fünf Wochen.“, murrte ich unglücklich.
 „Du kannst ja einfach ein bisschen Rücksicht auf seine Wünsche nehmen. Ich meine, ihr macht doch ständig was zusammen.“
 „Drei mal die Woche.“, murmelte ich, „Und die meiste Zeit sitze ich dann nur neben ihm, während er mit Freunden quatscht, Spiele spielt oder schläft, weil er die Nacht durchgemacht hat.“
 „Siehst du, du siehst ihn oft genug!“
 Hat sie mir gerade zugehört? Ich seufzte enttäuscht, sagte aber nichts dazu. Sie war ein wenig schwierig und hatte eine andere Ansicht als ich. „Lass uns über etwas anderes reden.“
 „Wenn du willst.“ Sie betrat mit mir den Raum, in dem unser erster Kurs stattfand. „Nächste Woche kommt der nächste Band der Morgan-Reihe.“
 „Ich weiß, ich hab das Buch auf meiner Merkliste.“, entgegnete ich und lächelte, „Ich bin gespannt, was die Autorin sich für Henry ausgedacht hat. Ich meine, jetzt, da seine Geschwister endlich wissen, dass er nicht der Verräter war, sollten sie ihn doch endlich freundlicher behandeln, oder?“
 „Denke ich auch. Ich meine, eigentlich ist er ja nicht so ein Arsch, wie alle denken.“
 Ich nickte zustimmend. „Was denkst du, kennen wir die Frau, mit der er zusammen kommt?“
 „Ich dachte, er sei schwul?“
 „Was? Nein! Er ist total hetero. Erinnerst du dich nicht an die Szene im 4. Teil, als Jeremiah ihn mit seiner Ex im Bett erwischt hat?“
 Nachdenklich starrte Tara vor sich auf den Tisch, als wir unsere Plätze erreichten. „Stimmt. Das hatte ich ganz vergessen.“
 William, der in diesem Raum immer vor uns saß, sah resigniert zu uns nach hinten. „Redet ihr schon wieder über Bücher?“
 „Was dagegen?“, fragte Tara zurück.
 Ich setzte mich nur auf meinen Platz.
 „Naja, es ekelt mich schon etwas an zu hören wer es mit wem getrieben hat.“
 Ich rollte mit den Augen. „Weil wir auch non-stop über nichts als Sex reden.“
 „So klingt es manchmal.“, beteuerte er.
 „Werd erwachsen. Nur weil sich zwei Menschen küssen, haben sie nicht gleich Sex.“
 „Streberin.“
 „Besser Streber als schlechte Noten.“, entgegnete ich nur trocken und holte mein Material für den Unterricht hervor.
 Tara setzte sich neben mich. „Und überhaupt, wenn wir dich stören, dann setz dich doch woanders hin.“
 „Das hier ist der beste Platz im Raum.“, protestierte er, „Außerdem sind die anderen besetzt.“
 „Ich bin sicher, Lorie tauscht gern mit dir.“
 „Ich sitz doch nicht neben dem Pickelgesicht.“
 „Sei nicht so gemein.“, rügte ich ihn, „So schlimm ist es nun wirklich nicht.“
 „Hast du ihn mal aus der Nähe gesehen?“
 „George ist ein lieber Kerl.“
 „Etwas anderes kann er sich mit seinem Gesicht ja auch nicht leisten.“
 „Du bist widerlich.“
 „Sagte das dicke Kind.“
 Das saß. Ich hielt mich eigentlich nicht wirklich für dick. Ich war... mollig. Nicht so schlank wie Tara, die problemlos Größe XS tragen konnte, aber ich brauchte auch keine Größe L. M saß fantastisch, war sogar hin und wieder sehr locker luftig, genau so wie ich es mochte. Doch ich fühlte mich trotzdem nicht ganz wohl, war jedoch auch nicht motiviert genug mehr Sport zu machen, um etwas daran zu ändern. Es war nicht so, dass ich meinen Körper nicht mochte. Ich wünschte mir lediglich ein wenig... weniger Speck an Bauch und Oberschenkeln zu haben.
 „Nimm das zurück.“, forderte Tara William auf, der daraufhin schnaubte.
 „Warum, Barbie? Glaubst du etwa wirklich sie würde so etwas ernst nehmen?“
 Das tat ich tatsächlich. „Wieso sollte ich auch.“, sagte ich stattdessen, „Ist ja nicht so, als würde mich seine Meinung interessieren.“
 Als aber jeder nach vorn sah, um sich auf den Unterricht zu konzentrieren, zog ich mein Oberteil ein wenig hinunter, aus Angst, meine Haut könnte hervor lugen, wenn ich mich nach vorn beugte, um zu schreiben.

 Nach Schulschluss ging gemütlich nach hause. Unterwegs hörte ich wie immer meine Lieblingsband Headache und fragte mich, wann wohl ihr nächstes Konzert in der Nähe stattfand. Wenn ich Glück hatte, könnte ich vielleicht hingehen. Allerdings waren sie bisher nie in die Stadt gekommen. Sie war einfach nicht populär genug für solche Anlässe und Dad erlaubte mir nicht für ein Konzert, auf dem es von Betrunkenen so wimmelte, in eine andere Stadt zu fahren. Erst recht nicht allein. Nicht einmal mit Tara, die er streng genommen gar nicht mochte.
 Frustriert seufzte ich auf und schrieb Adrian eine Nachricht.

Skaisa: Hey, Rian. Ich hab jetzt Schluss und bin auf dem Weg nach hause. Tara sagte mir, dass du morgen auch auf Hendrics' Party bist.

 Einen Moment wartete ich, ob er die Nachricht sofort beantwortete, steckte das Smartphone nach wenigen Sekunden aber wieder ein. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis ich zuhause war, wo ich meine Kopfhörer einsteckte, ehe ich eintrat.
 „Bin zuhause!“, rief ich herein und schloss hinter mir die Tür.
 „Hallo, Schatz!“, rief Mom zurück.
 „Ist Dad noch nicht da?“
 „Noch nicht, er kauft noch ein.“
 „Okay.“
 Ich zog meine Schuhe aus und ging hinauf in mein Zimmer, wo ich mich an meinen Schreibtisch setzte, um meine Hausaufgaben zu erledigen. Einige Zeit später nagte ich gerade an einer komplizierten Aufgabe in Mathe, als mein Handy neben mir vibrierte.

 Adrian: Hey. Klar bin ich auf der Party. Warum?
 Skaisa: Wir wollten Sonntag schwimmen gehen.
 Adrian: Wollten wir? Oh, sorry, das hab ich vergessen. Können wir das auf Montag verschieben? Meine letzten beiden Stunden fallen aus und du hast doch eh früher Schluss.
 Skaisa: In Ordnung, aber diesmal wirklich.
 Adrian: Versprochen. Was machst du grad?
 Skaisa: Hausaufgaben. Mathe.
 Adrian: Hast du Lust vorbeizukommen? Ich hab sturmfrei.
 Skaisa: Später bestimmt. Ich muss erst die Hausaufgaben machen, sonst vergesse ich das wieder.
 Adrian: Komm schon, morgen sind meine Eltern schon wieder da. Es ist viel aufregender mit dir zu schlafen, wenn du nicht immer so still bist.

 Prompt wurde ich rot und presste die Lippen aufeinander. Warum dachte er immer nur an Sex, wenn er mich zu sich einlud?

 Skaisa: Ich hab nicht so Lust auf Sex.
 Adrian: Ich hab nicht so oft sturmfrei. Na komm schon. Wir schauen uns danach auch eine Folge des Cartoons an, den du da schaust.
 Skaisa: Das heißt Anime. Und ich hab die schon vor drei Wochen gesagt, dass ich mit der Serie durch bin.
 Adrian: Ich dachte, die schauen wir zusammen.
 Skaisa: Du wolltest nie weiter schauen.

 Als er daraufhin nicht reagierte, legte ich das Handy beiseite, um mich wieder auf die Aufgabe zu konzentrieren. Eine halbe Stunde später packte ich die Sachen ein und ging kurz in die Küche, um mir einen Snack zu machen.
 „Hey, Skai.“, begrüßte mich Dad, als er ebenfalls kurz in die Küche kam, um sich etwas zu trinken zu holen.
 „Hi, Dad.“
 Ich hielt ihm die Wange hin, als er zu mir kam, damit er mich auf die Wange küssen konnte und genoss den kurzen Moment der Nähe.
 „Wann gibt es Abendessen?“, fragte ich dann und beschmierte mir eine Scheibe Brot.
 „Ich fange um 17 Uhr an.“
 „Und was gibt es?“
 „Deine Mutter hat sich Pasta Bolognese gewünscht.“
 „Klingt super.“, bemerkte ich begeistert.
 „Was machst du heute noch?“
 „Ich weiß noch nicht. Adrian hat gefragt, ob ich zu ihm komme.“
 „Ach, der lädt dich mal ein?“ Seine Stimme triefte vor Sarkasmus. „Hat er Mist gebaut und muss sich entschuldigen.“
 Ich seufzte. „Hin und wieder lädt er mich mal ein. Und er hat kein Mist gebaut.“ Zumindest keinen richtigen. „Morgen gehen wir auf eine Party.“
 Das überraschte ihn wirklich. „Du gehst auf eine Party? Eine echte? Mit Alkohol und Musik und vielen Menschen?“
 Ich verzog das Gesicht. „Wenn du das so sagst hab ich keine Lust mehr.“
 „Und warum gehst du dann hin?“
 „Weil Tara gefragt hat.“
 „Ach so.“ Er rollte mit den Augen. „Tara, natürlich. Warum suchst du dir keine Freunde, mit denen du dich wirklich verstehst?“
 „Ich verstehe mich blen-dend mit ihr.“, widersprach ich, „Sie ist meine beste Freundin!“
 „Triff dich doch öfter mit Noëlle. Sie ist viel vernünftiger als Tara.“
 „Ich verstehe nicht, wie du das denken kannst.“, bemerkte ich und knabberte an meinem Brot. „Noëlle redet ständig nur von sich selbst und kennt sowas wie Empathie nicht.“
 „Aber sie kann Verantwortung übernehmen. Sie baut keinen Unsinn, wie Tara.“
 „Tara baut keinen Unsinn.“
 Er seufzte leise. „Das behauptest du. Aber ich bin mir sicher, du weißt es besser.“
 Murrend biss ich richtig von meinem Brot ab. „Ich gehe wieder hoch. Da ist noch ein Buch, das ich lesen will.“
 „Okay. Ich rufe dich, wenn das Essen fertig ist, also hör nicht mit Kopfhörern Musik.“
 „In Ordnung.“
 Als ich mein Zimmer erreichte hatte ich bereits aufgegessen und griff als erstes nach meinem Smartphone, ehe ich das Buch nahm, das ich lesen wollte und mich auf mein Bett verkrümelte, wo ich es mir gemütlich machte. Dann sah ich nach, ob ich Nachrichten bekommen hatte und stellte fest, dass Adrian mir gleich 4 geschickt hatte.

 Kommst du heute nun noch vorbei?
 Skaisa? Bist du noch da?!?!
 Hallo-ho! Ich rede mit dir! Antworte!
 Dann bleib halt zuhause, mir doch egal.


 Ich seufzte schwer und rieb mir über die Stirn, hatte allerdings kein Nerv für einen reizbaren Adrian und legte das Smartphone beiseite, um zu lesen. Keine zehn Sekunden später vibrierte mein Handy erneut.

 Adrian: ANTWORTE MIR!
 Skaisa: Reg dich nicht gleich auf, weil ich ein paar Minuten länger brauche! Ich war in der Küche und hab mein Smartphone in meinem Zimmer gelassen.
 Adrian: Warum hast du es nicht mitgenommen?
 Skaisa: Weil ich nur ein paar Minuten brauchte. In ein paar Minuten geht die Welt nicht unter.
 Adrian: Nimm es das nächste Mal mit, verdammt!
 Skaisa: Wenn ich denke, dass ich es brauchte, nehme ich es auch mit.
 Adrian: Ich will, dass du mir immer antworten kannst.
 Skaisa: Ich kann mein Smartphone nicht überall mit hinnehmen.
 Adrian: Wir reden später darüber, wenn du hier bist.
 Skaisa: Ich komme heute nicht.
 Adrian: Aber du sagtest, du würdest später herkommen.
 Skaisa: Du hast wegen nichts schlechte Laune und meckerst mich an. Darauf habe ich keine Lust.
 Adrian: Warum läufst du jetzt vor Problemen weg? Sagst du nicht immer, wir sollen reden, statt uns zurück zu ziehen?
 Skaisa: Ja, wenn es hilft. Aber du regst dich viel zu sehr über eine Kleinigkeit auf und meckerst nur rum. Ich hab keine Lust später noch von dir runter gemacht zu werden, nur weil es dir nicht passt, dass ich mein Smartphone für den Notfall auf laut lassen will.
 Adrian: Was soll der Scheiß, Skai? Ich dachte, du liebst mich! Da kannst du doch wohl mit mir über unsere Probleme reden und dein Smartphone lautlos stellen, damit wir die Zeit zusammen genießen können.
 Skaisa: Ich liebe dich, aber ich will vorsichtig sein. Wenn du mich auch liebst, kannst du es doch einfach akzeptieren.
 Adrian: Es stört mich aber. Es unterbricht uns ständig
 Skaisa: Es stört mich auch, dass du ständig spielst, wenn ich da bin, statt etwas mit mir zu unternehmen, aber daran änderst du auch nichts.
 Adrian: Warum sollte ich auch etwas daran ändern? Du warst es doch, der damals auf mich zukam. Ich kann jederzeit eine andere haben. Glaubst du, dir fällt das auch so leicht? Mit deinem Bauch? Deinen Oberschenkeln? Und deine Stimme? Weißt du eigentlich, wie nervig die manchmal ist?
 Skaisa: Das wird mir jetzt zu dumm. Wir sehen uns morgen. Ich lese jetzt.

 Mit Tränen in den Augen schaltete ich mein Handy auf lautlos und legte es mit dem Display nach unten auf meinen Nachttisch, ehe ich das Buch zur Hand nahm und begann zu lesen. Es dauerte ein wenig, bis ich mich wirklich auf den Text konzentrieren konnte, versank dann aber völlig in der Geschichte.

 Einen Tag später sah ich mich unbehaglich in Malcom Hendrics' Haus um und versuchte Tara zu finden, die sich mit einem Schulkamerad unterhalten und die ich nur 5 Sekunden aus den Augen gelassen hatte. Nun hatte ich keine Ahnung wo sie war. Ich hatte auch wenig Lust darauf Adrian zu suchen, also drängte ich mich durch die Menge alkoholisierter Leute zum hinteren Teil des Hauses. Als ich in den Garten trat, atmete ich erleichtert die frische Luft ein und fächerte mir die Kühle ins Gesicht, ehe ich mich umsah.
 Es war fast niemand hier. Eigentlich nur ich und ein Mann, der ein paar Meter entfernt auf einer Liege lag und in den Sternenhimmel starrte. Er hielt eine fast leere Flasche Whiskey in der Hand. Ich fragte mich einen Moment, ob es ihm gut ging, hatte aber auch Angst ihn anzusprechen. Betrunkene Menschen waren unberechenbar, wie ich wusste. Außerdem kannte ich ihn nicht.
 „Skaisa.“
 Innerlich seufzte ich auf, als ich Adrians Stimme hörte und sah zu ihm herüber. Einerseits war ich noch verletzt und sauer auf ihn, wegen dem, was er am Vortag abgezogen hatte, aber andererseits unternahm er selten etwas mit mir, weshalb ich ihn nicht abwies, als er mich küsste.
 „Ich bin froh, dass du hier bist.“, murmelte er an meinem Mund.
 „Du riechst nach Alkohol.“, beschwerte ich mich und wischte mir über den Mund, weil ich den Gedanken von Alkohol auf meinen Lippen abstoßend fand.
 „Ich hab ein bisschen Bier getrunken. Die Freunde von Hendrics' Bruder haben das gute Zeug leider schon ausgetrunken.“
 „Das gute Zeug?“, hakte ich nach, „Du meinst, das hochprozentige.“
 „Sag ich doch.“
 Ich seufzte. „So viel Alkohol ist eh nicht gut.“
 „Jetzt sei nicht wieder so eine Spielverderberin. Komm rein und tanz mit mir.“ Mit diesen Worten griff er nach meinen Händen und zog mich wieder hinein.
 „Ich kann nicht tanzen.“
 „Niemand hier kann tanzen.“
 „Ich fühle mich dabei nicht wohl.“
 „Jetzt sei kein Frosch.“
 Er zog mich in einen Raum, in dem sich eine beachtliche Menge Leute zur Musik bewegte, drückte mich an sich und begann zu tanzen, wobei er sich mehr an mir rieb, als etwas zu tun, das in irgendeiner Form ästhetisch aussah.
Ich dagegen fühlte mich alles andere als wohl in meiner Haut. Ständig stieß jemand gegen mich, zwei Mal schlug man mir fast ins Gesicht und es roch einfach überall nach Alkohol. Außerdem war es unangenehm warm und stickig. Ich hielt es wahrscheinlich 20 Minuten lang aus, ehe ich nach Adrians Schulter griff.
 „Ich hab Durst!“, rief ich ihm über die unerträgliche Musik zu.
 Wer auch immer den DJ spielte... er sollte bitte aufhören.
 Adrian, der mich wohl verstanden hatte, beugte sich zu mir herab. „Nebenan gibt es Bier.“
 „Du weißt, dass ich kein Alkohol trinke.“
 Er zuckte mit den Schultern. „Was anderes außer Alkohol und Leitungswasser gibt es nicht.“
 „Dann trink ich Wasser.“
 Er rollte mit den Augen und manövrierte mich aus dem Raum, um mich in ein Wohnzimmer zu verfrachten. Dort setzte er mich auf eine Couch. „Ich bin gleich wieder da, warte hier.“
 „Okay.“, murmelte ich und sah mich misstrauisch um, als sich ein Pärchen neben mich setzte.
 Adrian machte sich umgehend auf den Weg und während ich wartete begann das Pärchen zu knutschen und zu stöhnen. Dabei machten sie sich immer breiter und stießen gegen mich, weshalb ich mir nach einer Weile ein Kissen nahm und es zwischen uns quetschte. Irgendwann kam Adrian wieder und hielt mir einen Becher mit einer klaren Flüssigkeit hin. Da ich ihn kannte und misstrauisch war, roch ich vorsichtig daran, ehe ich daran nippte.
 Wasser.
 Also trank ich ein paar Schlücke und atmete erleichtert auf. „Danke.“
 „Kein Ding.“, entgegnete er, setzte sich neben mir auf die Couchlehne und strich mir das Haar aus der Stirn. „Warum bist du eigentlich hier, wenn du nichts von alledem magst?“
 Ich zuckte mit den Schultern. „Tara hat gefragt.“
 „Sonst sagst du doch auch immer ab.“
 „Ja, aber wir haben lang nichts mehr gemacht und ich dachte, wir würden hier zusammen bleiben. Aber nach einer halben Stunde war sie weg.“
 „Verstehe.“ Nachdenklich sah er mich eine Weile an, ehe er sich umsah.   „Komm mal mit.“
 Als er das sagte, griff er nach meiner freien Hand und half mir auf, ehe er mich an allen möglichen Leuten vorbei in den Flur und die Treppe hinauf zog. Verwirrt zog ich die Brauen zusammen und fragte mich wohin er mit mir wollte.
 „Was hast du vor?“, fragte ich ihn vorsichtig. Hier oben war es glücklicherweise viel ruhiger.
 Als er eine offene Tür fand, warf er einen kurzen Blick herein, ehe er mich anlächelte. Bei diesem Anblick kribbelte mein Bauch wie verrückt. Er zog mich sanft in das Zimmer und schloss hinter uns die Tür ab, während ich überrascht feststellte, dass es sich um ein Schlafzimmer handelte.
 „Adrian? Was soll das?“
 Er umarmte mich von hinten und küsste sanft meinen Hals. „Du bist gestern nicht mehr vorbei gekommen.“, bemerkte er und griff nach meinen Brüsten.
 Zaghaft schob ich seine Hände beiseite. „Ich werde nicht hier mit dir schlafen.“
 „Kein Sex.“, beteuerte er, „Nur knutschten und kuscheln... und ein bisschen fummeln. Komm schon. Ich hab abgeschlossen, was soll also passieren?“
 Ich ließ mir das einen Moment durch den Kopf gehen. „Okay.“, murmelte ich dann und ließ es zu, dass er mich zum Bett schob und meinen Becher mit Wasser beiseite stellte. „Aber wenn du versuchst mich auszuziehen, gehe ich.“
 „Die Kleidung bleibt an.“, versprach er und schob mich auf das Bett herab, bis ich lag, damit er sich auf mich legen konnte, ehe er mich küsste. „Du siehst echt heiß aus in dem Shirt. Es ist tief ausgeschnitten.“
 „Es verrutscht ständig.“, murmelte ich und nestelte an dem Kragen, damit es mehr Schulter und weniger Brust zeigte, doch er zog prompt den Kragen wieder herunter.
 „Ich mag es so. Ich finde, es zeigt sogar ein bisschen zu wenig.“ Er senkte den Kopf, um mich auf den Hals, das Schlüsselbein und schließlich auf die Brüste zu küssen, wobei er versuchte den Kragen noch weiter hinunter zu ziehen. Als er einsah, dass das nicht funktionierte, seufzte er genervt und schob die Hände unter mein Shirt, um sie zu berühren. „Du reagierst nie, wenn ich sie anfasse.“
 „Ich bin da einfach nicht so sensibel.“, entgegnete ich beschämt und knabberte an meiner Unterlippe, während er meine Brüste knetete. Dann sah er wieder zu mir auf und drückte seine Lippen auf meine.
 Ich genoss die Küsse zwischen uns. Er war gut darin und ich fühlte mich ihm auf diese Weise nahe. Sicher, der Sex machte auch Spaß, allerdings war ich jedes Mal etwas enttäuscht davon, weil er nie an mich dachte.
 „Bläst du mir einen?“, fragte er einige Zeit später zwischen zwei heißen Küssen.
 „N-n-nein.“, stammelte ich.
 „Bitte Baby. Das hast du noch nie gemacht.“
 „Ich werde damit auch nicht anfangen.“ Allein bei der Vorstellung bekam ich einen Knoten im Magen.
 Er rieb sich an mir. „Ich bin so hart. Wenn du mir keinen bläst will ich mit dir schlafen.“
 „Ich hab nein gesagt. Du hast zugestimmt.“
 „Ich hab meine Meinung geändert.“
 Frustriert schob ich seine Hände weg, als er an meinem Hosenbund nestelte.   „Adrian, ich will nicht.“
 „Scheiße, Skai. Ich bin mega hart wegen dir. Deine Handjobs sind schlecht, du lässt dich nicht von mir ficken und einen Blowjob gibst du mir auch nicht. Warum bin ich überhaupt mit dir zusammen?“
 Ohne ein weiteres Wort zu verlieren stemmte ich mich gegen ihn, bis er neben mir im Bett lag, sprang auf und hastete zur Tür. Sofort schloss ich auf und wollte die Tür gerade öffnen, als Adrian sie mit einer Hand zu drückte.
 „Wo willst du hin?“
 „Ich gehe.“, antwortete ich, „Du benimmst dich wieder wie ein Arschloch.“
 „Bleib hier. Es hat doch Spaß gemacht.“
 „Du hast mich bedrängt. Schon wieder. Ich habe nein gesagt und- Es ist immer dasselbe. Erst stimmst du zu und wenn es dir nicht mehr passt, änderst du einfach deine Meinung. Wenn ich so etwas machen würde, würdest du mich wieder runter machen und alles zwischen uns in Frage stellen, wie eben.“
 „Ich habe nichts in Frage gestellt.“
 „Du hast gefragt, warum du überhaupt mit mir zusammen bist.“
 „Das war doch nicht ernst gemeint, Baby.“ Versöhnlich streichelte er mir über die Wange. „Du weißt doch, dass ich dich liebe, oder nicht?“
 Dem war ich mir eben nicht sicher.
 „Oder?“
 Unbeholfen zuckte ich mit den Schultern, woraufhin er seufzte.
 „Dein Ernst jetzt?“
 „Du sagst es fast nie und verhältst dich auch nicht so.“
 „Das ändert nichts daran, dass es so ist. Ich liebe dich wirklich. Bleib noch etwas. Okay?“
 Am liebsten wäre ich eigentlich nach hause gegangen. „Ich muss auf Toilette.“
 Er betrachtete mich einen Moment prüfend, ehe er gereizt den Blick abwendete, die Hände hob und einen Schritt zurück trat. „Dann verpiss dich eben.“
 „Ich- Ich hab doch nur gesagt, dass ich mal aufs Klo muss.“, entgegnete ich ebenso gereizt.
 „Ja und danach haust du sicher nach hause ab. Aber okay, mach nur. Ich vögel einfach eine andere. Dauert sicher nicht lange eine zu finden.“
 „Du bist so ein- So ein riesen Arschloch!“
 Mit diesen Worten rauschte ich aus dem Zimmer, hörte aber wie er mir folgte.
 „Skaisa, scheiße. Warte. Das meinte ich nicht ernst.“
 Eilig lief ich die Treppe hinab und sah mich nach dem Badezimmer um, denn ich hatte nicht gelogen, als ich sagte, ich müsse auf die Toilette.
 „Skaisa!“
 Als ich hörte, dass er näher kam, bog ich eilig in den nächsten Flur ein und ging hastig weiter, bis ich ein Bad mit angelehnter Tür fand. Schnell ging ich hinein, schob die Tür zu und schloss ab. Zum Glück hatte die Tür ein einfaches Drehschloss.
 Als ich mich umdrehte, hielt ich jedoch überrascht inne. Da lag jemand auf dem Bauch direkt neben der Toilette. Dem Zustand der Sanitäranlage nach zu Urteilen hatte er sich übergeben. Es dauerte nicht lange, bis ich feststellte, dass es derselbe Mann war, der vor etwa einer Stunde im Garten auf der Liege gelegen hatte. Wahrscheinlich hatte er zu viel Whiskey getrunken.
 Vorsichtig trat ich etwas näher und stieß mit dem Fuß an seine Hüfte. „Hey, du.“ Ich musste ganz dringend auf Toilette, aber das würde ich nicht tun, wenn er jeden Moment wieder zu sich kommen würde. „Bist du wach?“
 Keine Reaktion. Ich beugte mich über ihn und suchte nach seinem Puls. Der schien in Ordnung. Und er atmete. Ein wenig zögerte ich noch, doch der Druck auf meine Blase schien sich zu vergrößern, seit diese bemerkt hatte, dass ich mich in der Nähe einer Toilette befand.
 Also griff ich hastig nach dem Toilettenpapier und wischte die Toilette ab, ehe ich abzog und- Misstrauisch sah ich auf den Kerl herab, der noch immer regungslos auf dem Boden lag. Als ich sicher war, dass er sich nicht regte, öffnete ich vorsichtig meine Hose. Meine Blase hatte es offenbar sehr eilig und ich war mehr als erleichtert, dass ich es rechtzeitig schaffte. Doch gerade als ich wieder nach dem Toilettenpapier griff, begann der Kerl vor mir auf dem Boden zu stöhnen.
 Oh bitte nicht! Nicht aufwachen!










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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   So 15 Apr 2018 - 10:40

Kapitel 2
 
  Es würde der peinlichste Moment meines Lebens werden, sollte er jetzt zu sich kommen. Also wischte ich mich so schnell ich konnte ab und sprang in dem Moment auf, als er begann sich zu regen. Ich schaffte es gerade meine Hose wieder hochzuziehen, als er sich auf den Rücken rollte. Eigentlich hatte ich erwartet, dass er von seinem eigenen Erbrochenen verschmiert war, aber er war tatsächlich ziemlich sauber.
  „Licht aus.“, murrte er und griff sich an den Kopf.
 Einen Moment blieb ich einfach nur wie erstarrt stehen, die Hände an meinem Hosenbund, damit sie nicht herunter rutschte, den Blick auf sein Gesicht gerichtet.
 Ich fand, für jemanden der offensichtlich gern Alkohol trank hatte er eine viel zu wohlklingende Stimme. Und er nuschelte nicht. Er klang fast schon... nüchtern. Und als auf seine Worte keine Reaktion folgte, öffnete er die Augen und sah sich um.
 „He, du.“, murmelte er, „Mach das Licht aus.“
 „Du solltest woanders hingehen, wenn du schlafen willst.“, entgegnete ich und schloss hastig meine Hose.
 Er zog verwirrt die Brauen zusammen. „Hast du dich eben erst angezogen? Hatten wir Sex?“
 Meine Augen weiteten sich. „Was? Nein! Du bist im Badezimmer und ich musste aufs Klo!“
 Das schien ihn noch mehr zu verwirren. „Hatten wir nicht?“
 „Nein.“
 Sichtlich desorientiert kratzte er sich über die Wange und sah sich um, woraufhin ich die Toilettenspülung betätigte. Er verzog das Gesicht. „Fuck, ist das laut.“
 „Wie gesagt, du bist im Badezimmer.
 Er stöhnte und setzte sich langsam auf, wobei er sich die Schläfe rieb ehe er zu mir aufsah. „Ich hab dich wirklich nicht gefickt?“
 „Ganz sicher nicht.“
 Nun ließ er den Blick über mich wandern. „Hmm... Hast du denn Lust zu vögeln?“
 Sofort trat ich ein paar Schritte zurück. „Nein, verdammt! Das ist ja... widerlich.“
 „Du findest Sex widerlich?“
 „Nein. Ich finde Sex mit einem Betrunkenen widerlich, der sich womöglich erst übergeben hat.“
 „Ich habe nicht gekotzt. Und ich bin nicht betrunken.“, entgegnete er, „Ich hab nur einen dunklen Raum gesucht, weil mein Kopf weh tut.“
 „Das Licht war aber schon an, als ich rein kam.“
 „Dann hat es wohl der Kerl angemacht, der hier gekotzt hat.“ Er betrachtete mich erneut. „Und du willst wirklich nicht vögeln?“
 Ich rollte mit den Augen. „Männer sind doch echt alle gleich.“
 Plötzlich lachte er auf. „Wenn das nur so wäre!“ Er kämpfte sich mühselig auf die Beine, wirkte aber sicher, als er erst einmal stand. Erst da fiel mir auf, wie groß er eigentlich war. „Wie heißt du?“
 „Ähm... Skaisa.“, antwortete ich zaghaft und machte nervös noch einen Schritt zurück. Warum bin ich eigentlich noch hier? „Ich- Ich wollte gerade gehen.“
 Sein Mundwinkel zuckte. „Hast du Angst, dass ich dich beiße?“ Er rieb sich über den Mund. „Ich gebe zu, das würde ich vielleicht sogar machen. Du bist nicht so ein Kauknochen.“ Bei diesen Worten machte er einen Schritt auf mich zu.
 Ich machte noch einen Schritt zurück. „I-i-ich wollte eh gehen. Ich wollte nur auf Toilette, ehe ich- ähm... gehe.“
 „Es ist echt spät.“, bemerkte er mit einem Blick zum Fenster, „Ich könnte dich fahren.“
 „Und uns um einen Baum wickeln? Nein Danke.“
 „Oh, glaub mir, ich bin schon stockbesoffen unfallfrei gefahren. Und außerdem bin ich nüchtern.“ Er trat noch einen Schritt auf mich zu und als ich zurück wich, spürte ich die Wand im Rücken.
 Verdammt. „Wie heißt du überhaupt?“
 „Jason.“, murmelte er, „Du siehst gar nicht aus, wie die Tussen, die Malcom sonst immer einlädt.“
 „Welche Tussen?“
 „Na, die Tussen.“ Er rollte mit den Augen. „Ich hab doch keine Ahnung, wie die Knochen heißen, die ich da vögel.“
 Ich rümpfte die Nase. „Du schläfst mit ihnen?“
 Er zuckte mit den Schultern. „Ein Mann hat eben Bedürfnisse.“
„Ja, wie schon gesagt. Männer sind eben gleich.“, murrte ich und sah zur Tür. Sie war nur vier, vielleicht fünf Schritte entfernt.
„Du hast ja ein echt gutes Bild von Männern.“, bemerkte er ironisch und befand sich mit einem Mal direkt vor mir. „Ich hab echt Bock dich zu vögeln.“
 „Ich passe.“, entgegnete ich und stemmte die Hände gegen seine Brust, als er sich an mich drückte. „Ich hab kein Interesse.“
 Sein Mundwinkel zuckte. „Du bist echt süß. Erfrischend nach all den Tussen da draußen. Wie alt bist du?“
 „Warum? Hast du Angst dich als pädophil zu outen?“
 „Du bist ja wohl kein Kind.“, entgegnete er mit gehobener Braue und sah an mir hinab. „Nicht mit den Titten.“
 Sofort hob ich die Hände, um mein Shirt zu richten, was er sofort nutzte, um noch näher zu rücken. Er war bereits so nahe, dass ich seinen Atem an meiner Stirn spüren und den Duft riechen konnte, der zweifellos von ihm kam. Ich hatte gedacht er würde nach Alkohol riechen, wie all die anderen Idioten im Haus, aber er roch tatsächlich angenehm.
 „Du bist doch keine Jungfrau, oder?“
 „Ich wüsste nicht, was dich das angeht.“, entgegnete ich und stemmte mich wieder gegen seine Brust. „Du bist zu nahe.“
 „Ich finde, es ist noch nicht nahe genug. Gehst du noch zur Schule?“
 „Lässt du mich in Ruhe, wenn ich ja sage?“
 „Highschool?“
 „Lass mich einfach gehen, okay?“
 „Wenn du Malcom kennst gehst du sicher auf seine Schule. Hast du was dagegen, wenn ich dich küsse?“
 „Ja.“
 „Aber ich würde gerne.“
 „Ich aber nicht, verdammt nochmal.“ Warum bewegte er sich eigentlich nicht, wenn ich versuchte ihn wegzudrücken?
 „Ich lass dich gehen, wenn du mich küsst.“
 „Nein!“
 „Na, dann kuscheln wir eben weiter.“ Er legte eine Hand auf meine Taille und ließ sie auf meinen Rücken gleiten.
 „Das ist sexuelle Belästigung.“ Ich hatte Mühe mir die Spur Angst, die sich in mir regte, nicht anmerken zu lassen.
 „Es sind genug Menschen im Haus. Du kannst schreien, wenn du willst. Ich bin mir sicher, man würde dich hören.“
 Ich zog es tatsächlich in Erwägung, konnte jedoch nicht genug Mut zusammen fassen. „Lass mich einfach gehen.“
 „Kannst du etwa nicht schreien?“, neckte er mich, „Du hast ein so zartes Stimmchen.“
 Hitze stieg mir ins Gesicht. „Ich kann sehr wohl schreien.“
 „Also willst du nicht? Vielleicht magst du es, wie es gerade ist.“
 „Tue ich nicht.“, widersprach ich sofort und schlug ihm gegen die Brust. Er zuckte nicht einmal. Nicht so wie Adrian, der mich deshalb sofort runter machte, mich beleidigte und im schlimmsten Fall sogar zurück schlug. Jason aber sah einfach nur auf mich herab und hob eine Braue.
 „Was war das denn?“, fragte er erstaunt, „Hast du- Hast du gerade versucht mich zu schlagen?“
 Noch mehr Hitze stieg mir ins Gesicht. „Ich habe es nicht versucht. Ich habe es getan.“
 „Verdammt.“, murmelte er, „Sei meine Freundin.“
 „Wa- Nein! Einfach nein! Warum sollte ich deine Freundin sein wollen? Das ist ja- Nein!“
 Er murmelte ein paar Mal meinen Namen. „Das klingt nicht englisch. Aber auch nicht französisch.“
 „Gut erkannt, Sherlock.“, entgegnete ich gereizt und versuchte erneut ihn wegzuschieben. Irgendwie hatte er es geschafft aus meiner Angst Wut zu machen.
 „Wenn du so weiter machst, bekomme ich noch den Eindruck, du wollest fummeln.“
 „Was zur Hölle ist mit dir schief gelaufen?“
 Er lachte einfach. Lachte! So ein Dreckskerl! „Oh, Baby, du bist echt süß.“
 „Nenn mich nicht so.“
 „Aber sowas sagt man zu seiner Freundin.“
 „Ich bin nicht. Deine. Freundin!“
 „Nicht so schüchtern.“ Er rieb seine Nase an meinem Haar. „Hast du morgen schon was vor?“
 „Ja!“
 „Was denn?“
 „Ich treffe mich mit meinem Freund.“
 „Ach, du bist vergeben?“
 „Bin ich so hässlich?“
 „Scheiße nein.“, entgegnete er lachend, „Du bist nur so schüchtern. Willst du deshalb nicht mit mir zusammen sein? Weil du einen Freund hast?“
 „Ich mag dich nicht, deshalb.“
 „Warum?“
 „Du bist aufdringlich, trinkst Alkohol, schläfst scheinbar mit allem was weiblich ist und wer weiß, vielleicht nimmst du auch noch Drogen.“
 „Hey, du bist gut.“
 Ich sah schockiert zu ihm auf. „Was?“
 „Hast du mich gestalkt oder so?“
 „Nein! Nimmst du etwa wirklich Drogen?“
 Er zuckte mit den Schultern. „Hin und wieder.“
 „Das ist- Das ist doch-“ Abscheu überfiel mich. „Nimm deine Hände von mir.“
 Überrascht hob er nun beide Brauen. „Was, stört dich das etwa so sehr?“
 „Das ist doch widerlich. Wer weiß, wo du die Hände heute schon überall hattest, was du in deinem Blut hast? Du warst dir ja nicht mal sicher, ob du mit mir geschlafen hast.“
 „Ich vergesse schnell die Gesichter der Frauen, mit denen ich schlafe. Wärst du so ein Kauknochen, hätte ich keine Zweifel gehabt, aber du bist nicht so mager. Deshalb war ich mir nicht
sicher.“ Erneut zuckte er mit den Schultern.
 „Du bist widerlich.“
 „Das höre ich nicht oft.“, bemerkte er.
 „Jetzt lass mich gehen.“
 „Wenn du mich küsst, lasse ich sofort los.“
 „Als ob!“
 „Denkst du, ich würde dich sonst vergewaltigen?“ Er schnaubte. „Das würde mir jede Chance bei dir zerstören.“
 Und obwohl ich ihn gar nicht kannte, nahm mir diese Aussage den Rest Angst, der sich noch in mir eingenistet hatte „Du hast gar keine Chance. Jetzt geh weg.“
 „Ein Kuss, Skaisa. Nur einer.“
 „Nein.“
 „In Ordnung. Ich mag es so nahe bei dir zu sein. Was wird wohl dein Freund davon halten?“
 „Er würde dir sagen, dass du deine dreckigen Finger von mir nehmen sollst.“ Würde er nicht. Er würde mich dafür verantwortlich machen, mir Untreue vorwerfen, mich runter machen, mein Selbstwertgefühl untergraben und mir damit drohen Schluss zu machen, ehe er betonen würde, dass ich mit meinem Aussehen keinen anderen kriegen würde. Dann würde er sagen, ich solle aufhören mich an Jason ran zu machen.
 Der erheiterte Ausdruck in Jasons Gesicht schwand, als hätte er jeden meiner Gedanken gehört, und wich ein wenig zurück. „Alles okay?“
 „Ja.“
 „Und warum siehst du dann aus, als würdest du gleich weinen?“
 „Vielleicht, weil mich ein riesiger schwarzhaariger Mann in einem Badezimmer an die Wand drückt und sich weigert mich loslassen, wenn ich ihn nicht küsse?“
 „Ich bin groß, aber nicht riesig.“, bemerkte er amüsiert und legte mir eine Hand an die Wange, fuhr mit dem Daumen unter meinem Auge entlang. „Was ist los?“
 „Das sagte ich doch gerade.“
 „Ich kauf dir das nicht ab. Bis ich deinen Freund erwähnt habe warst du noch aufmüpfig und hast dich gewehrt. Jetzt bist du traurig.“ Er zog die Brauen zusammen. „Habt ihr gestritten oder so?“
 „Es geht dich nichts an, was zwischen mir und meinem Freund ist.“
 „Und ob es mich was angeht. Er ist mir im Weg.“
 „Das wäre nur der Fall, wenn du bei mir landen könntest. Bilde dir nicht zu viel auf dich ein. Menschen wie dich mag ich nicht.“
 „Du weißt von mir bisher nur, dass ich Alkohol trinke, Drogen nehme und oft mit Frauen schlafe.“
 „Und dass du aufdringlich bist.“, ergänze ich, „Das sind alles Dinge, die ich nicht mag.“
 „Und äußerlich? Stoße ich dich optisch ab?“
 Da die Frage so ganz anders war, als die anderen, nahm ich mir einen Moment Zeit ihn zu mustern. Seine schwarzen Haare waren mittellang und völlig zerzaust, als käme er gerade aus dem Bett. Seine Augen, blau, waren klar, das linke heller als das rechte. Das helle hatte außerdem einen seltsamen grünen Fleck am rechten unteren Rand der Iris, der so groß war, dass er fast die Pupille berührte. Er war nicht kreisrund sondern sah eher aus, als hätte jemand grüne Farbe darauf tropfen lassen. Alles wurde von schwarzen dichten Wimpern umrahmt, die trotzdem nicht weiblich aussahen. Seine Nase war schmal und überraschenderweise gerade. Irgendwie hatte ich damit gerechnet, sie sei schief von einem Bruch.
 Als mein Blick auf seinen Mund fiel, konnte ich nicht anders, als ihn einen Moment einfach nur anzustarren. Immerhin wollte er mich küssen. Beinahe konnte ich mir vorstellen wie es wäre von ihm geküsst zu werden. Die untere Lippe war etwas voller als die obere. Als ich aber spürte, wie mir Hitze ins Gesicht stieg, ließ ich den Blick hastig weiter wandern.
 Er hatte kleine Narben. Eine zog sich direkt durch seine rechte Augenbraue, war aber kaum zu erkennen. Eine weitere befand sich an seinem Mundwinkel, war jedoch bereits sehr blass. Eine dritte fand ich an seinem Kiefer, etwas weiter hinten. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er sich beim Rasieren geschnitten hatte, denn ich hatte Narben von Rasierklingen bei Adrian gesehen und die sahen irgendwie anders aus. Dünner. Viel dünner.
 Das letzte, das mir auffiel, war, dass er sehr schlank sein musste. Er hatte kaum ein Gramm Fett im Gesicht, sodass sich beinahe sein Jochbein abzeichnete.
 „Dein Gesicht sieht ganz nett aus.“, verkündete ich irgendwann.
 „Nett?“, wiederholte er, als habe er das Wort noch nie gehört.
 Ich kann ihm schlecht sagen, dass er attraktiv ist. Das würde seinem Ego nur schmeicheln und seine Hoffnung schüren. „Du hast Narben.“, bemerkte ich stattdessen, „Woher hast du die?“
 „Von übermütigen Idioten, die denken, sie könnten sich mit mir anlegen.“
 „Dann bist du also auch noch ein Schläger.“, murmelte ich und sah auf seine Schultern.
 Er trug ein schwarzes Shirt, das recht eng anlag. Daher fiel es mir nicht schwer zu erkennen, dass er viel trainieren musste. Wahrscheinlich würde ich sein Bizeps nicht einmal mit beiden Händen umfassen können.
 „Ich wehre mich, wenn man mich angreift.“
 Ich hob eine Braue. „Daran zweifle ich nicht.“
 „Und für gewöhnlich schlage ich nicht ohne Grund zu.“
 „Für gewöhnlich.“, wiederholte ich.
 „Du hast ja wohl keine Angst vor mir, oder?“ Er wirkte fast schon besorgt, als er das fragte.
 Vielleicht lässt er mich gehen, wenn ich so tue als ob. „Du könntest mich ohne große Mühe zweiteilen. Oder vergewaltigen.“
 Er zögerte. „Ich könnte.“, gab er zu, „Aber ich will nicht. Ich habe noch nie eine Frau geschlagen oder zu irgendwas gezwungen und ich habe nicht vor anzufangen.“
 „Du zwingst mich gerade zu bleiben.“, widersprach ich.
 „Du hast Möglichkeiten, aber du nutzt sie nicht.“
 „Welche Möglichkeiten habe ich denn, wenn du-“ Der Klingelton meines Smartphones unterbrach mich. Mit einem schweren Seufzen stemmte ich mich gegen seine Brust, damit er etwas Platz machte, doch er regte sich keinen Millimeter. Dennoch holte ich mein Smartphone hervor und sah auf das Display.
 Als ich feststellte, dass es mein Vater war hob ich sofort ab. „Hallo.“, meldete ich mich auf litauisch, damit Jason nicht mithören konnte.
 „Tut mir leid, wenn ich dich störe.“, hob Dad an, „Ich hab darauf bestanden dich erst morgen zu fragen, aber deine Mutter möchte unbedingt heute noch wissen, ob du irgendwelche Möbel brauchst.“
 „Möbel?“, wiederholte ich verwundert, „Warum denn Möbel?“
 „Wir fahren demnächst los und holen eine neue Couch und einen neuen Couchtisch. Brauchst du etwas?“
 „Ach so, also... vielleicht ein neuer Drehstuhl. Und ein weiteres Regal.“
 „Ist es wieder voll?“
 „Ja.“
 Als Jason sich plötzlich dafür entschied mich auf die Wange zu küssen, schlug ich ihn ein weiteres Mal.
 „Lass das.“, zischte ich ihm zu.
 „Was?“, fragte Dad verwirrt.
 „Nicht du.“, entgegnete ich sofort, „Hier ist nur ein, äh... ein Freund, der es witzig findet an meinen Haaren zu ziehen.“
 Das tat Jason gerade wirklich. Er wickelte sich ein paar dünne Strähnen um seinen Zeigefinger und zupfte daran, als wäre ihm langweilig, wenn ich nicht mit ihm sprach.
 „Es ist bei dir auch erstaunlich still. Ich dachte, du seist auf einer Party.“
 Ich stehe hier allein mit einem aufdringlichen Kerl im Badezimmer an die Wand gepresst, aber mach dir keine Sorgen, Dad, ich hab alles im Griff. „Ja, aber ich bin in einem anderen
Zimmer. Hier ist keine Musik und wir sind nicht so viele.“
 „Wer ist das?“, fragte Jason schließlich leise, „Und was sprichst du da?“
 Ich schlug ihn erneut. „Halt dich Klappe.“, zischte ich so leise ich konnte.
 „Aber du brauchst so lange. Wann küsst du mich endlich?“
 Dad räusperte sich. „Skaisa. Ist das Adrian?“
 „Äh, ja. Ja, genau. Er ist etwas betrunken.“
 Er stöhnte auf. „Du solltest dich von diesem Kerl trennen.“
 Ich verzog das Gesicht. „Müssen wir jetzt darüber reden?“
 Ein Zögern. „Nein. Tut mir leid. Hab viel Spaß auf der Party und pass auf dich auf.“
 Dafür ist es vielleicht schon zu spät, überlegte ich mit einem Blick auf Jason, der meine Lippen anstarrte. „Werde ich, danke.“, murmelte ich, ehe ich schließlich auflegte und das Smartphone einsteckte.
 „Du hast schöne Lippen.“, bemerkte Jason im nächsten Moment.
 Ich seufzte schwer.
 „Was war das für eine Sprache?“
 „Jason, bitte. Ich habe dir gesagt, ich habe kein Interesse. Und ich will nach hause.“
 „Der Wegzoll ist nicht teuer.“
 „Ich küsse nicht einfach so irgendwelche Kerle.“
 „Ich will ja auch nur, dass du mich küsst.“
 „Ich will nicht.“
 Er zuckte mit den Schultern. „Hier nur zu stehen gefällt mir auch.“
 „Und wie lange hast du vor das zu tun?“
 Da erschien wieder dieser erheiterte Ausdruck. „Willst du es aussitzen? Oder hoffst du, dass irgendwann jemand in ein abgeschlossenes Badezimmer schaut?“
 Mein Blick fiel auf die Badezimmertür und mit einem Mal fand ich mich ziemlich dumm. Warum schloss ich auch eine Tür ab, wenn ein anderer Kerl mit mir im selben Zimmer war? Als mein Smartphone erneut begann zu vibrieren zuckte ich erneut zusammen. Diesmal erkannte ich bereits anhand des Rhythmus', dass es Adrian war.
 „Könntest du mich bitte loslassen?“, fragte ich Jason, wohl wissend, dass seine Antwort Nein war.
 „Für einen Kuss würde ich es tun. Willst du nicht an dein Handy?“
 Ich zögerte kurz, zog es dann aber langsam hervor. Ich starrte ein paar Sekunden reglos auf das Display, ehe ich abhob. „Ja.“, murmelte ich halblaut.
 „Wo bist du?“, wollte Adrian sofort wissen, „Niemand hat gesehen, wie du die Party verlassen hast. Bist du noch hier?“
 „Ja.“
 „Und wo?“
 Mit Jason allein im Bad. Er würde ausrasten, wenn er das wüsste. „Ich- Also-“
 „Skai. Sag schon.“
 „Ich möchte dich gerade nicht sehen.“
 Es war ein paar Augenblicke bedrohlich leise. Im Hintergrund hörte ich andere Gäste reden. „Bist du allen ernstes sauer auf mich wegen eben?“
 „Natürlich bin ich sauer.“
 Jason, der mich neugierig beobachtete, hob überrascht die Braue. „Ist das etwa dein Freund?“
 „Halt die Klappe.“, zischte ich ihm zu und schlug auf seinen Arm ein, mit dem er mich an der Taille hielt. „Und lass mich gefälligst los!“
 „Mit wem redest du da?“, wollte Adrian wissen.
 „Ich führe Selbstgespräche.“, entgegnete ich sofort.
 „Ist da jemand bei dir? Ein Mann?“
 „Hier sind viele Menschen, Rian. Wir sind auf einer Party.“
 „Und wo bist du nun? Ich will dich sehen.“
 „Ich dich aber nicht. Ich gehe gleich nach hause.“
 „Verdammt, Skaisa.“ Nun hatte er seine Stimme gedämpft. „Ich bin immer noch verdammt hart. Ich muss ständig an dich denken.“
 „Dann mach eben was dagegen.“
 „Ich würde ja, aber du lässt mich nicht.“
 Ich werde keine persönlichen Details vor Jason ansprechen. Ganz sicher nicht. Nein. „Ich lege jetzt auf.“
 „Scheiße nochmal, Skai! Wenn du jetzt auflegst such ich mir wirklich eine andere zum vögeln. Dann war's das mit uns, darauf kannst du Gift nehmen! Du weißt genauso gut wie ich, dass du das nicht willst, nicht wahr?“
 Einen Moment dachte ich darüber nach, was er gesagt hatte. Er klag, als sei es ihm ernst und das tat weh. „Du erpresst mich.“
 „Du hast mich seit zwei Wochen nicht ran gelassen.“
 „Ich hatte meine Gründe.“
 „Fuck. Man. Wo bist du, verdammt? Lass uns das in Ruhe unter vier Augen klären.“
  „Ich sagte, ich will dich nicht sehen. Außerdem klingst du, als wärst du betrunken.“
 Er murmelte etwas unverständliches vor sich hin. „Bist du taub oder so? Ist es dir so scheiß egal, ob ich eine andere ficke? Ich hab hier eine große Auswahl, weißt du? Und die sind bei weitem nicht so fett oder hässlich wie du.“
 Mein Atem stockte. Ich hatte mir schon einiges immer wieder anhören müssen, aber er hatte mich nie hässlich genannt.
 „Jetzt sag mir wo du bist.“
 Aus Angst, ich würde in Tränen ausbrechen, wenn ich etwas sagte, schwieg ich einfach nur.
 „Skaisa. Wo bist du?“
 Als mir einfiel, dass Jason mich beobachtete, hob ich die freie Hand und versuchte mein Gesicht zu verdecken.
 „Sag mir, verdammt nochmal, wo du bist, du kleine Schlampe!“
 „Bist du dir sicher, dass du mit so einem Kerl zusammen sein willst?“, hörte ich Jason trocken fragen.
 „Bist du grad mit einem anderem Kerl zusammen? Hast du dich von ihm ficken lassen?“
 Ich merkte, dass ich begann zu zittern und versuchte mich mich herum zu drehen, doch Jason hielt mich fest.
 „Du solltest einfach auflegen.“, riet er mir.
 „SKAISA!“, brüllte Adrian derweil am Handy.
 „Lass mich los.“, bat ich Jason nur mit gebrochener Stimme, „Bitte, lass mich los.“
 „Wenn du mir nicht sofort sagst, wo du bist-“
 Jason hatte mir das Smartphone aus der Hand genommen, aufgelegt und steckte es nun ein. „Dein Freund ist ein größerer Mistkerl als ich.“
 Ich schniefte nur, woraufhin wir einen Moment nur schweigend herum standen. Irgendwann rieb er sich über die Wange, als würde er nachdenken.
 „Mmmh... Weißt du was? Vor ein paar Jahren, als ich meine Grenze noch nicht kannte und zu viel getrunken habe, bin ich mal irgendwo außerhalb der Stadt auf einem Feld
aufgewacht.“
 „Wen interessiert das?“
 „Ja, wen nur?“, stimmte er zu, redete dann aber weiter, als hätte ich nichts gesagt. „Ich wusste nicht, wie ich dahin gekommen bin und trug nicht einmal eine Hose. Eigentlich trug ich nur meine Shorts. Ich weiß bis heute nicht wo mein T-Shirt abgeblieben ist.“ Er schwieg einen Moment. „Jedenfalls ging ich nach hause und rief meinen besten Freund an, mit dem ich zusammen trinken war. Er sagte mir, wir hätten gewettet, dass ich mich nicht trauen würde fast nackt durch die Stadt zu laufen und Ich bin dumm und kann gar nichts zu schreien.“
 Ich spürte, wie meine Mundwinkel zuckten. „Deshalb werde ich niemals Alkohol trinken.“
 „Es wurde noch schlimmer. Hinterher sind wir in ein Schnellimbiss gegangen, wo ich der Kellnerin wohl einen Lap-Dance angeboten habe, damit sie mir etwas zu Essen spendiert. Damals konnte ich nicht einmal tanzen. Sie hat wohl abgelehnt, uns rausgeworfen und mir lebenslänglich Hausverbot erteilt. Blöderweise gibt es da die besten Burger der Stadt.“
 „Du hast die Kellnerin vom Devils angebaggert?“
 „Sieht so aus.“
 „Aber sie ist doch sicher 60 Jahre alt!“
 „Unglaublich, dass sie dann einen Lap-Dance von einem Jungspund wie mir ausschlägt, was?“
 „Du bist arrogant.“ Ich zögerte kurz. „Was ist dann passiert? Wie kamst du auf das Feld?“
 Offenbar zufrieden, weil er meine Neugier geweckt hatte, lächelte er mich an. „Ich hatte Hunger. So richtig großen Hunger. Und weil ich nicht mehr ins Devils konnte, sind mein bester Freund und ich zu seiner Freundin gefahren. Sie ist zwei Jahre jünger als er, also etwa fünf Jahre jünger als ich und war sehr extrovertiert. Sie hat einen Blick auf mich geworfen und gesagt ich würde ihrem Freund Konkurrenz machen, also solle ich mir gefälligst etwas anziehen. Allerdings passen mir seine Sachen nicht, deshalb musste ich einen Rock von ihr und ein großes Shirt anziehen. Es gibt Fotos davon, warte.“
 Mit großen Augen beobachtete ich, wie er ein sehr modernes Mobi hervorzog – ein fortgeschritteneres Mobiltelefon, das mehr Kernfunktionen besaß, als ein Smartphone – und ein wenig darauf herum tippte, ehe er es zu mir herumdrehte. Daraufhin brach ich in Gelächter aus. Seine Haare waren sichtbar länger und er trug einen knallroten Minirock. Das Shirt war der Frau wohl zu groß, saß ihm aber wie angegossen, sodass er aussah wie ein Transvestit. Das ganze hatten sie abgerundet, indem sie ihm kniehohe Stiefel angezogen und geschminkt hatten. Seine Lider waren knall pink, wie seine Lippen. Seine Pose sollte vermutlich aufreizend sein und er warf der Kamera eine Kusshand zu.
 Ich musste so sehr lachen, dass mir irgendwann Tränen über die Wangen liefen.
 „Irgendwann fand Travis, dass wir nach hause gehen sollten, also machten wir uns auf dem Weg. Seiner Aussage nach war ich eine bezaubernde Frau, die heftig mit ihm geflirtet hat, auch wenn ich wohl unglaublich hässlich war.“
 Mein Bauch schmerzte vor Lachen und ich musste mich an ihm festhalten, um mich zu Boden zu gehen. „Hör auf, ich kann nicht mehr. Es tut weh!“
 „Wie ich aber letztendlich auf das Feld kam, weiß ich nicht mehr. Offenbar musste ich irgendwann dringend pissen, also hat er mich zwei Minuten allein gelassen. Als er mich gesucht hat, fand er nur noch die Schuhe. Ein paar Meter weiter den Rock und noch etwas weiter entfernt die Fetzen von dem Shirt. Seine Freundin war sehr sauer, weil es eines ihrer Lieblingsteile war.“
 Ich japste nach Luft und schlug ihm leicht auf die Schulter, ehe ich erneut in Gelächter ausbrach. „Du siehst auf dem Foto so albern aus.“
 „Ja, nicht wahr? Immer wenn ich denke, dass ich noch nie so tief in meinem Leben gesunken bin, sehe ich mir das Bild und denke mir, dass ich nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen bin.“ Er zauste mir das Haar. „Du siehst, egal wie scheiße deine Situation gerade ist, es gibt immer jemandem, den es schlimmer erwischt hat.“
 Langsam verebbte mein Lachen und ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. „Was?“
 „Hmmm... Ich wollte eigentlich nicht, dass du aufhörst zu lachen. Du hast ein schönes Lachen.“
 Nach einem kurzen Zögern seufzte ich nur und entspannte mich etwas. „Danke. Dafür, dass du mich abgelenkt hast.“
 „Immer wieder gern. Bekomme ich dafür eine Belohnung?“ Er schob mir sein Gesicht entgegen, aber ich hielt meine Hand davor.
 „Ich küsse dich nicht.“
 Daraufhin stöhnte er enttäuscht. „Aber wieso nicht?“
 „Du trinkst Alkohol. Du nimmst Drogen. Du gehst mit jeder ins Bett. Und du bist ein Schläger.“
 „Angenommen, ich würde all diese Sachen nicht tun. Würdest du mich dann küssen?“
 Unsicher zögerte ich. „Ich habe noch immer einen Freund.“
 Er schnaubte. „Wenn du noch immer mit ihm zusammen sein willst, musst du dich wirklich selbst hassen. Der benutzt dich doch nur. Du bist für ihn nur eine Puppe.“
 Ich zuckte zusammen. „Ich weiß.“
 Ungläubig sah er auf mich herab. „Du weißt das? Weshalb bist du dann noch mit ihm zusammen?“
 Daraufhin zuckte ich mit den Schultern. „Ich liebe ihn. Und er ist mir treu.“
 „Ach, ist er das? So klang er aber nicht.“ Er schüttelte den Kopf. „Der wartet doch nur auf eine Möglichkeit dich vor seinen Freunden bloßzustellen.“
 „Das stimmt nicht.“
 „Ich kann verstehen, wenn du das nicht glauben willst. Wirklich. Das ist immerhin eine Art sich selbst zu schützen. Aber so wird es nur schlimmer, wenn es soweit ist.“
 Finster blickte ich zu ihm auf. „Ich denke, es wäre besser, wenn ich jetzt gehe.“
 „Skaisa-“
 „Du kennst weder mich noch ihn, Jason. Nicht ein bisschen.“
 „Ich weiß, dass du eine aufmüpfische, loyale, junge Frau bist, die die schönsten Augen hat, die ich je gesehen habe, und weniger selbstbewusst ist, als sie sein sollte. Die Frau hier vor mir ist ziemlich stark, witzig und liebenswert. Und außerdem ist sie verdammt süß.“
 „Das sagst du nur, damit ich nicht sauer auf dich bin.“
 „Ich sage das, weil ich das so meine. Mir ist es egal, ob du sauer auf mich bist.“
 „Ach, ist das so?“
 „So ist das, Baby.“ Mit diesen Worten griff er mir schamlos an den Hintern, woraufhin ich wieder begann auf ihn einzuschlagen.
 „Nimm deine Hand da weg, du perverser Arsch!“
 Mit einem heiteren Lachen tat er diesmal, was ich von ihm wollte. „Na komm, ich bringe dich nach hause.“
 „Nur über meine Leiche.“
 Als er meine Hand nahm, wollte ich sie ihm entwinden, doch er hielt sie in einem stählernen Griff und löste sich von mir.
 „Lass mich los!“
 „So hab ich dich viel lieber, als traurig und widerstandslos.“ Er schloss die Tür auf und trat mit mir hinaus.
 „Loslassen!“, schrie ich ihn an.
 Natürlich tat er das nicht. Stattdessen grinste er nur in sich hinein und lotste mich durch den Flur, durch eine stinkende Menschenmasse, zur Haustür hinaus. Die ganze Zeit beschimpfte ich ihn, zog an meiner Hand und sagte ihm, er solle endlich seine schmierigen Finger von mir nehmen. Einige Gäste sahen uns mit Entsetzen zu, wie wir uns durch das Haus bewegten, bis wir es schließlich verlassen hatten.
 „Wenn du mich nicht augenblicklich loslässt, dann beiße ich dir in die Hand!“
 Mit großen Augen drehte er sich zu mir an. „Würdest du das wirklich tun?“
 „Und wie ich das tun würde.“
 Er stöhnte auf. „Fuck, Skaisa. Sei doch bitte meine Freundin!“
 Frustriert knurrte ich und stampfte tatsächlich mit dem Fuß auf. „Nein, verdammt! Ich mag dich ja nicht einmal!“
 „Hält Jason wirklich ihre Hand?“, hörte ich jemanden tuscheln.
 „Wer ist die?“
 „Ist das nicht Skaisa?“
 „Skaisa? Die aus Malcoms Klasse?“
 „Wirklich die?“
 „Skai?“
 Überrascht sah ich auf, als ich Taras Stimme hörte und war augenblicklich erleichtert. „Tara! Bitte, sag diesem Irren hier, dass er mich loslassen soll und ich kein Interesse an ihm habe.“
 Mit großen Augen kam sie näher und sah von mir zu Jason und zurück. „Ich soll dem da von dir einen Korb geben? Vergiss es. Sonst krieg ich nie wieder guten Vodka.“
 „Ist dir Alkohol wirklich wichtiger als mein Wohlergehen?“
 „Mir ist beides wichtig.“ Nachdenklich sah sie nochmal zwischen uns hin und her. „Was hast du mit ihr vor, Mister Jason?“
 Dieser bedachte sie misstrauisch. „Kennen wir uns? Sag mir bitte nicht, dass ich dich gevögelt habe.“
 Das ließ sie die Stirn runzeln. „Nicht, dass ich wüsste.“
 Erleichtert ließ er die Schultern sinken. „Gut. Ihr scheint Freunde zu sein. Das hätte zu Schwierigkeiten führen können.“
 „Es gibt keinen Grund für Schwierigkeiten.“, fuhr ich ihn an und zerrte erneut an meiner Hand. „Jetzt lass mich endlich los, du Affe!“
 „Um deine Frage zu beantworten...“ Er sah zu Tara, als würde ich nicht gerade versuchen mir die Hand auszureißen. „Ich bringe sie jetzt nach hause und versuche sie davon zu überzeugen meine Freundin zu sein.“
  „Du weißt, dass sie einen Freund hat?“
 Er zuckte mit den Schultern. „Den werde ich schon los, sobald ich sie überzeugt habe.“
 „Darauf kannst du lange warten.“, ging ich dazwischen und begann nun auf seine Hand einzuschlagen, bis ich aus Versehen meinen eigenen Finger traf und vor Schmerz das Gesicht
verzog. „Verdammt!“
 „Entschuldige.“, murmelte er, als wäre er daran Schuld. „Hat es sehr weh getan?“
 „Jason.“, tadelte ich ihn, als er den schmerzenden Finger auch noch küsste. „Lass das!“ So muss ich mir vorstellen, wie es wäre, wenn du mich küsst. Hör auf!
 „Kannst du mir sagen, wo sie wohnt?“, fragte er Tara freundlich.
 „Nope.“, entgegnete sie, „Sonst wird sie sauer auf mich.“
 „Na gut. Schönen Abend noch.“
 „Bye.“
 Damit ging er los und zog mich hinter sich her. Ich versuchte weiterhin mich von ihm los zu machen, aber er ignorierte mich einfach.
 „Verdammt, du weißt ja nicht einmal wo du hin musst.“, beschwerte ich mich irgendwann und zog verwirrt die Brauen zusammen, als er mich auf einen Spielplatz zog. „Was hast du vor?“
 „Sei nicht so misstrauisch. Ich tue dir nichts.“ Stattdessen blieb er mit mir mitten auf dem Spielplatz stehen und zog mein Smartphone hervor. Kurz darauf schürzte er die Lippen. „Wie ist dein Wischcode?“
 „Das sage ich dir doch nicht.“
 „Na gut, dann...“ Er sah nachdenklich darauf herab, ehe er es wieder einsteckte und sein Mobi hervor holte.
 „Du könntest es mir wieder zurück geben, weißt du?“
 „Aber dann läufst du einfach weg, wenn du es schaffst deine kleine Hand aus meiner zu ziehen.“, entgegnete er.
 Ich sah ihn ungläubig an. Er macht ja wohl Witze. Dann beobachtete ich, wie er ungeduldig etwas in sein Mobi eingab, wartete und wieder etwas eingab. Irgendwann nickte er und hob das Gerät an sein Ohr. Wen ruft er denn um diese Uhrzeit an?
 „Hallo, spreche ich da mit dem Vater von Skaisa?“, fragte er irgendwann.
 „Du rufst meinen Vater an? Bist du noch ganz bei Trost?“, fuhr ich ihn an.
 Er ignorierte mich. „Naja, es ist spät und ich würde sie gern nach hause bringen, damit sie nicht allein gehen muss. Aber ich kenne die Adresse nicht und sie ist ein bisschen... ähm... aufgebracht.“
 „Verdammt nochmal! Was soll der Mist?“, wollte ich von ihm wissen, während er lauschte.
 „Nein, ihr geht’s gut. Ist nur ein bisschen zickig.“
 „Zickig? Ich trete dich gleich!“
 Sein Mundwinkel hob sich und sein Mund formte tonlos das Wort Versprochen.
 „Grrrr, verdammt, Jason!“
 „Ja, tut mir leid für die späte Störung. Ich habe leider kein Auto, deshalb dauert es eine Weile, bis wir da sind, aber ich passe auf sie auf.“ Einen Moment schwieg er. „Natürlich. Ich würde niemals etwas tun, was sie nicht will.“
 „Dann lass mich endlich los!“
 „Sexuell, meine ich.“
 Als ich schließlich seine Hand an meinen Mund hob und tatsächlich, wie angedroht, hinein biss, riss er die Augen auf und sah auf mich herab.
 „Fuck, Skai.“, murmelte er, sich des Mobis an seinem Ohr sehr bewusst. „Was muss ich tun, damit du endlich zustimmst meine Freundin zu sein?“
 „Sei nicht so ein Arschloch.“, spie ich ihm entgegen und trat ihm so fest ich konnte vors Schienbein.
 „Sir, Ihre Tochter ist die hinreißendste Frau, die ich je kennen gelernt habe. Vielen Dank für die Adresse, ich bringe sie wohlbehalten nach hause. Sie haben mein Ehrenwort.“ Mit diesen Worten legte er auf und steckte sein Mobi ein, ehe er mich an sich zog. „Und jetzt zu dir, Kätzchen.“
 „Kä-Kätzchen?“, krächzte ich mit vor Schreck geweiteten Augen. Was hat er jetzt vor?
 „Lass mich dich küssen.“
 „N-n-nein!“
 „Bitte.“
 „Ich sagte nein!“
 Er stöhnte frustriert, löste sich aber von mir. Was jedoch nicht bedeutete, dass er meine Hand los ließ. „Dein Vater ist ein interessanter Mann.“, bemerkte er, als er weiter ging.
 „Ich werde nicht mit dir über meine Familie sprechen.“
 „Hast du Geschwister?“
 „Hörst du mir nicht zu?“
 Daraufhin schwieg er. Nach zehn Minuten gab ich es auf ihm meine Hand entziehen zu wollen, denn mir tat langsam das Handgelenk weh. Als Jason das merkte, erweichte sich sein Griff so weit, dass es aufhörte unangenehm zu sein.
 „Danke.“, murmelte ich irgendwann später.
 „Wofür?“, fragte er zurück.
 „Dafür, dass du mich nach hause bringst.“
 „Bekomme ich einen Kuss zur Belohnung?“
 „Nein!“
 Enttäuscht seufzte er.
 „Ich verstehe nicht, warum du so besessen davon bist. Wir kennen uns seit vielleicht einer Stunde.“
 „Damit kenne ich dich länger als fast alle anderen Frauen.“
 Skeptisch hob ich eine Braue.
 „Wie schon gesagt, ich vergesse meistens die Gesichter der Frauen, die ich-“
 „Hör auf das ständig zu sagen, das ist ekelhaft.“
 Verdutzt sah er mich an. „Du bist eine interessante Frau. Erklär mir das.“
 „Was gibt es da zu erklären?“
 „Warum findest du das ekelhaft?“
 „Denk mal darüber nach. Mit wie vielen Frauen schläfst du pro Woche? Drei? Vier?“
 Er überlegte einen Moment. „Eher so zwölf.“
 Ich rümpfte die Nase. „Was?“
 Ein Schulterzucken. „Ich habe jede Menge Energie und die muss irgendwo hin.“
 „Zwölf Frauen in sieben Tagen? Das sind fast zwei Frauen pro Tag.“
 „An manchen Tagen sind es drei, an einigen keine.“
 Ich gab ein angewidertes Geräusch von mir. „Wie findest du die Vorstellung aus einer Flasche zu trinken, die hunderte Leute vor dir angesabbert haben?“
 Er wirkte verstört. „Das ist wirklich ekelhaft.“
 „So fühle ich mich, wenn du mich bittest dich zu küssen.“
 Es war offensichtlich, dass ihm das zu denken gab. „Aber ich putze mir regelmäßig die Zähne.“
 „Würdest du aus einem geputzten Hundenapf essen?“
 „Hmmm...“ Nachdenklich rieb er sich über die Unterlippe. „Ich verstehe, wie du das betrachtest. Das ist natürlich ein Problem. Aber eine Sache musst du noch erklären.“
 Ich seufzte tief. „Schieß los. Ich hab eh nichts zu tun.“
 „Du sagtest, es stört dich, dass ich Alkohol trinke.“
 „Korrekt.“
 „Aber im Gespräch mit deinem Freund sagtest du, er klänge betrunken. Es stört dich also nicht, dass er trinkt?“
 „Das ist was anderes. Ich meine...“ Ich rieb mir über den Nacken. „Es stört mich nicht, wenn jemand trinkt. Jeder kann mit seinem Leben tun was er will, solange er andere nicht negativ beeinflusst. Wirklich. Wenn mein Partner das tut ist es für mich aber nur in Ordnung, solange ich keinen Kontakt zu ihm haben muss, wenn er getrunken hat.“
 „Aber du hast mit ihm telefoniert.“
 „Und das fand ich auch nicht toll. Ich würde es vorziehen, wenn er mich nicht anruft, wenn er betrunken ist. Einer meiner Ex Freunde hat etwas wirklich verletzendes in einem Gespräch gesagt, als er betrunken war. Das war der Grund für die Trennung.“
 „Willst du es deshalb nicht? Weil etwas verletzendes gesagt werden könnte?“
 „Nein. Also, auch. Ich... Ähm... Ich habe Angst vor betrunkenen Menschen.“
 Diesmal blieb er überrascht stehen und drehte sich zu mir um. „Angst?“
 „Ja.“
 „Ist dir mal etwas passiert?“
 Einen Moment dachte ich darüber nach mit ihm darüber zu reden, seufzte dann aber. „Jason, ich kenne dich erst eine Stunde und in dieser Zeit hast du nicht gerade viel getan um dir mein Vertrauen zu verdienen.“
 „Okay, dann merke ich mir die Frage für später.“ Damit ging er weiter und sah nachdenklich vor sich auf den Weg.
 „Warum nimmst du eigentlich Drogen?“
 „Es entspannt mich.“
 „Das verstehe ich nicht. Es gibt doch etliche andere Methoden sich zu entspannen ohne seinem Körper dabei zu schaden.“
 „Ich habe echt viel ausprobiert. Vielleicht erzähle ich dir das irgendwann. Nicht heute, okay.“
 Ist ihm vielleicht mal etwas passiert? Ich sollte mir darüber keine Gedanken machen, sonst wurde er mir vielleicht noch sympathisch.
 Plötzlich klingelte wieder mein Smartphone. Ich hörte diese Melodie jeden Tag, deshalb wusste ich ganz genau wofür sie stand.
 „Ist es schon 22 Uhr?“
 „Ja.“, antwortete Jason und holte mein Smartphone hervor, um es mir zu reichen. „Eine Erinnerung?“
 „Ja.“, murmelte ich daraufhin und schaltete den Alarm aus.
 „Für die Pille?“
 „Die nehme ich morgens.“
 „Wofür dann?“
 Ich zögerte etwas. Wahrscheinlich hätte ich eben mit ja antworten sollen, damit er nicht weiter nachfragte. Ich wollte ihm nicht meine ganze Geschichte erzählen. „Nicht weiter wichtig.“
 „Wenn du das sagst.“ Er warf mir einen Blick zu, wobei mir auffiel, dass ich mittlerweile neben ihm her lief, statt hinter ihm. „Bist du müde?“
 „Noch nicht. Mir ist bloß etwas langweilig.“
 „Wie wäre es mit einem Spiel?“
 Ich sah misstrauisch zu ihm auf. „Ein Spiel?“
 „Ja.“
 „Was für eins?“
 „Mmmmh...“ Er schürzte nachdenklich die Lippen. „Wer bin ich?“
 „Was?“
 „Du denkst dir eine Person aus, die ich bin und ich muss mit Fragen versuchen herauszufinden, wer ich bin. Dasselbe mache ich mit dir. Und wir stellen die Fragen abwechselnd. Es müssen Fragen sein, die mit Ja oder Nein beantwortet werden können. Wenn eine Frage mit Ja beantwortet wurde, darf die Person eine weitere Frage stellen. Bei Nein ist die andere Person dran.“
 „Okay. Das klingt witzig.“
 „Für den Anfang sollten wir Personen nehmen, die so ziemlich jeder kennt, sonst raten wir uns dumm und dämlich.“
 „Gut.“ Ich dachte eine Weile nach und stöberte in meinem Gedächtnis, bis ich mich für Napoleon entschied. Den müsste er kennen. „Okay, ich hab jemanden.“
 „Gut. Soll ich anfangen?“
 „Ja, bitte.“
 „Okay, also... Bin ich... fiktiv?“
 „Nein.“ Ich zögerte einen Moment. „Bin ich männlich?“
 „Nein. Ähm... Bin ich also real?“
 „Ja.“
 „Lebe ich noch?“
 „Nein, du bist tot.“
 „Wie herzlos von dir.“
 Ich konnte nicht anders, als leise zu lachen. „Bin ich etwa noch lebendig?“
 Er tippte sich an die Lippen. „Ich denke schon.“
 „Also bin ich weiblich und lebendig. Bin ich... ähm... bin ich populär?“
 „Ja.“
 „Ein Star?“
 „Kommt darauf an wie du Star definierst.“
 „Verstehe, also... Bin ich Schauspielerin?“
 „Nein.“ Als ich schmollte, lächelte er sanft. „Ich bin tot, also kennt man mich aus Geschichten.“
 „Ja.“
 „Weil ich real bin aus richtiger Historik denke ich. Also war ich weltbekannt?“
 „Ja.“
 „War ich...“ Er zupfte an seiner Unterlippe, während er nachdachte. Eine Geste, die mir recht bekannt war, weil ich es hin und wieder selbst tat. „Bin.“, korrigierte er sich dann, „Bin ich eher Krieger oder Denker?“
 „Du sagtest Ja oder Nein.“
 „Bin ich Krieger?“
 „Ja.“
 „Attila?“
 Ich lachte amüsiert auf. „Nein, tut mir leid. Obwohl ich überrascht bin, dass du ihn kennst.“
 „Macht du Witze? Er hat das alte Rom beinahe in die Knie gezwungen. Ein Hunne!“
 „Ich finde er war eher ein Denker. Ein Stratege.“
 „Na gut, da stimme ich dir zu. Wie auch immer, du bist dran.“
 „Ja.“, murmelte ich und dachte über das nach, was ich wusste.
 So ging es eine ganze Weile, bis Jason herausfand, dass er Franzose war. Direkt danach ging ihm auf, dass es Napoleon sein musste und neckte mich damit, dass ich meiner eigenen Figur nicht einmal nahe gekommen war. Er hatte sich für eine sehr bekannte Sängerin entschieden, an die ich nicht gedacht hatte, weil ihre Musik mir nicht sonderlich gefiel und ich sie daher nur selten hörte, wenn es gerade irgendwo lief.
 „Du hörst also kein Pop?“, bemerkte er überrascht, als ich ihm das erzählte, weil mich das ärgerte.
 „Nicht so gern.“
 „Was dann?“
 „Naja, ich mag Rock und Metal und Classic sehr gern.“
 „Interessante Kombination. Wie kommt man denn dazu?“
 „Naja, es... klingt einfach sehr schön, um es schlicht zu formulieren. Ich mag den Klang von fast allen Musikinstrumenten. Elektronik dagegen ist nicht so mein Ding.“
 „Was sind denn deine Lieblingslieder?“
 Ich zögerte kurz. „Kennst du die Band Headache?“
 Er blinzelte. „Never say, 'That was the last time'.“, sang er nur und mein Herz begann sofort vor Aufregung zu rasen.
 Nicht nur, dass er die Band und dieses Lied kannte. Er hatte auch eine unglaubliche Stimme. „Du kennst sie wirklich?“
 „Ich kenne keine bessere Rockband.“, gab er zu, „Aber sie sind nicht sehr bekannt.“
 „Tatsächlich ist es ein ziemlicher Zufall, dass ich sie kenne. Ich war auf Klassenfahrt in New York, als die Band noch sehr jung war. Damals hatten sie ein Open Air Konzert und wir waren in der Nähe bummeln. Ich habe es gehört und mich sofort in die Musik verliebt.“
 „Die Band war der Grund, weshalb ich gelernt habe Gitarre zu spielen.“
 „Bist du gut?“
 „Es geht, denke ich. Ich bin kein Jaydon. Aber ich denke, ich kann mich hören lassen.“
 Nachdenklich schürzte ich die Lippen. „Darf ich mal was hören?“
 Dass er deshalb errötete erfüllte mich mit erstauntem Entzücken. „Nur, wenn ich dafür wirklich einen Kuss bekomme. Du bist die Erste, die überhaupt erfährt, dass ich spielen kann.“
 „Oh. Und... warum hast du es mir erzählt?“
 „Ich fand es passend. Wir mögen beide dieselbe Band. Meine Freunde interessieren sich nicht für Musik.“
 „Hmmm...“ Ich betrachtete ihn einen Moment. „Was magst du so für Musik?“
 „Ich wollte dich eigentlich gerade fragen, was du für klassische Musik magst, aber...“
 Ich winkte ab. „Es kommt immer ganz auf den Klang an. Ich mag das Piano, aber nicht alle Lieder klingen schön. Auch Violinen und Cellos können sehr schön sein, aber einige Lieder bereiten mir Kopfschmerzen.“
 „Verstehe. Jedenfalls mag ich neben Rock eigentlich nichts weiter. Früher hörte ich ausschließlich Death Metal, aber heute bereitet mir das nur noch Kopfschmerzen, wie dir schlechte Kompositionen.“
 Mein Mundwinkel hob sich. Verdammt, jetzt finde ich ihn doch sympathisch. „Was magst du noch so?“, fragte ich in der Hoffnung, dass er etwas sagte, dass ich nicht mochte und ihn unsympathisch machte.
 „Ich fahre gern Motorrad. Wenn du willst, nehme ich dich mal mit.“
 Ich verzog ein wenig das Gesicht. „Tut mir leid, ich passe. Obwohl es schon cool ist, dass du Motorrad fährst.“
 „Liegt es an mir oder an dem Motorrad, dass du passt?“
 „Eigentlich müsste ich behaupten, dass es an dir liegt, aber das stimmt nicht. Ich fuhr mal bei meinem Vater mit und... Gelinde gesagt, es ist nicht mein Ding.“
 „Verstehe. Naja, es ist nicht für jeden was. Was machst du gerne? Lass mich raten.“ Er betrachtete mich ein wenig. „Du schminkst dich nicht und ziehst dich auch nicht so aufreizend an wie die Kauknochen.“, dachte er laut, „Ich weiß, dass du nicht gern auf Partys gehst. Du hast schönere Kurven, also machst du wahrscheinlich nicht so viel Sport. Liest du gern?“
 Ich gab mir alle Mühe nicht die Mundwinkel zu heben, doch es schien mir nicht zu gelingen, woraufhin er triumphierend lächelte und ich ihm gegen die Schulter schlug. „Wie kommst du darauf?“
 „Wenn man ungern auf Partys geht ist man meist besser in der Schule. Und es ist ein Klischee, dass gute Schüler gerne lesen. Dass du dazu noch eher weniger Sport machst unterstützt diese These. Liege ich richtig?“
 „Ja.“, schmollte ich, „Aber Tara liest auch gerne.“
 „Wer ist Tara?“, fragte er verwirrt.
 „Meine Freundin, mit der wir vor dem Haus gesprochen haben.“
 Er dachte einen Moment darüber nach. „Ach so, die. Ja, ich erinnere mich, dass du sie so genannt hast. Sie sah nicht sonderlich helle aus. Ich vermute, du liest mindestens doppelt so viele Bücher wie sie.“
 Ich rief mir in Erinnerung wie viele Bücher in ihrem Zimmer standen und wie viele ich bereits besaß und musste ihm ein weiteres Mal Recht geben. „Aber ich wette, du errätst niemals, nicht in einer Million Jahren, was mein liebstes Hobby ist.“
 „Herausforderung angenommen.“ Er betrachtete mich erneut, schwieg aber diesmal. „Was bekomme ich, wenn ich es herausgekriegt habe?“
 „Kommt darauf an, wie schnell du bist. Und du darfst niemanden fragen.“
 „Okay. Dann... was ist meine Belohnung nach einer Woche?“
 Ich dachte ein wenig darüber nach. „Wenn du dann nicht so ein Arsch bist, gehe ich dann mit dir einen heißen Kakao trinken.“
 „He, knüpf es nicht an weitere Bedingungen. Das ist nicht fair.“
 „Na gut. Ich werde dann definitiv mit dir einen heißen Kakao trinken.“
 Er lächelte. „Bei fünf Tagen?“
 „Ein Kinobesuch.“
 „Vier Tage?“
 „Ähm... Ein Essen zu zweit?“
 „Drei Tage?“
 Ich rümpfte die Nase. „Dann gehe ich richtig mit dir aus.“
 Er schürzte die Lippen. „Und wenn ich es Montag schon weiß?“
 „Wirst du nicht etwas übermütig?“
 „Ich warte darauf, dass du endlich den Kuss erwähnst.“
 „Okay, also... Ich küsse dich, wenn...“ Ich tippte mir nachdenklich auf den Mund. „Wenn du das herausfindest, bevor wir bei mir zuhause sind, du dich den ganzen Weg lang vorbildlich benimmst und... Ähm...“ Noch irgendwas wirklich schwieriges, komm schon. „Du musst... Du musst mir eine vernünftige Erklärung dafür geben, warum du unbedingt mit mir zusammen sein willst.“
 „Puh.“, machte er daraufhin und sah nachdenklich in den Himmel. „Das ist ganz schön viel für so wenig Zeit. Dann lass mich nachdenken.“
 Dann schwieg er. Und zwar ziemlich lange. Irgendwann kamen wir an einer Ecke vorbei, die ich kannte und wusste, er hatte nur noch etwa eine halbe Stunde. Ein Teil von mir hoffte, dass er es niemals herausfand, während ein anderer Teil fiebernd darum bettelte, dass er es schaffte. Immer wieder sah er auf mich herab, als wolle er etwas an mir prüfen, schüttelte dann den Kopf und dachte weiter nach. Hin und wieder äußerte er Vermutungen, bat mich aber nichts dazu zu sagen, solange er sich nicht ganz sicher war. Allerdings war er jedes Mal sehr weit davon entfernt richtig zu liegen. Also war es einfach zu schwer.
 Der aufgeregte Teil in mir war enttäuscht, während der andere unendlich erleichtert war. Aber ich wollte ja, dass es möglichst schwierig war, damit er es nicht schaffte. Ich wollte nicht von ihm geküsst werden. Ich mochte ihn nicht und ich war mit Adrian zusammen.
 Genau. Jason zu küssen ist das letzte, was ich will.
 „Oh, na klar.“, kam es irgendwann von Jason und er lächelte mich mit einem so warmen Lächeln an, dass es in meinem Bauch wie verrückt kribbelte. „Du schreibst Bücher.“
 Ich starrte ungläubig zu ihm auf. „Das... Du hast gemogelt“
 „Habe ich nicht.“
 „Das glaub ich dir nicht!“
 „Es war deine Wortwahl.“, erklärte er, „Es hat ein bisschen gedauert, bis es mir aufgefallen ist, aber du hast eine Art zu reden, wie sie nicht jeder nutzt.“
 Unschlüssig sah ich zu ihm auf.
 „Keiner sagt heutzutage zweiteilen, Skaisa.“
 Röte schlich in mein Gesicht. „Doch bestimmt.“
 „Man sagt auseinander reißen, spalten, halbieren oder am ehesten in zwei Teile teilen, aber zweiteilen ist für die meisten Mensch zu intellektuell. Und du sagtest gelinde gesagt. Sowas sagt nun wirklich keiner. Und ich bin mir ganz sicher, dass du sagtest, und ich zitiere: Der Antwort nicht einen Hauch nahe gekommen zu sein ist eine Schmach.“
 „Mach dich nicht darüber lustig.“, murmelte ich mit erhitztem Gesicht.
 „Das tue ich nicht. Ich mag das. Das zeugt von deinem Intellekt.“
 „Aber wie kommst du dann ausgerechnet darauf, dass ich Bücher schreibe. Niemand kommt auf sowas, egal wie gewählt ich mich ausdrücke.“
 „Ich hatte einen guten Anreiz. Mir ging alles mögliche durch den Kopf, die abwegigsten Dinge. Dann versuchte ich es mit offensichtlicheren Sachen.“ Er zuckte mit den Schultern. „Du liest Bücher. Also hab ich darüber nachgedacht und... Nun ja.“
 „Irgendwie kann ich nicht glauben, dass du nicht gemogelt hast.“
 „Ich gebe zu, ich war mir nicht hundertprozentig sicher. Ich habe gerade alles auf eine Karte gesetzt. Aber das erschien mir sehr schlüssig. Es... schien einfach zu dir zu passen.“
 „Zu mir zu passen?“
 „Ja. Du bist sehr zurückhaltend, auch wenn du mich gebissen hast und...“ Er seufzte. „Ich kann viele Dinge aufzählen, Skaisa. Aber ich möchte mir wirklich diesen Kuss verdienen, also... liege ich richtig?“
 Ich dachte einen Moment darüber nach, ehe ich zerknirscht nickte. „Ja.“
 Plötzlich wendete er das Gesicht ab und legte sich eine Hand vor die Augen.
 „Wehe, du lachst mich jetzt aus.“
 „Ich lache nicht.“, antwortete er, „Es ist nur so... wie kann man sagen? Entzückend wie du reagierst.“
 „Jetzt machst du dich doch darüber lustig.“
 „Nein, ich versuche mich dir anzupassen, in dem ich mich gewählter ausdrücke. Ich will, dass du verstehst, wie ich mich fühle, wenn ich dich sehe.“
 „Du bist so seltsam, Jason.“, bemerkte ich und seufzte tief, „Ich verstehe dich einfach nicht.“
 „Das tut kaum jemand.“
 „Und wie willst du mir dann erklären, warum du unbedingt mit mir zusammen sein möchtest?“
 „Das ist eigentlich ziemlich einfach. Ich finde dich perfekt dafür. Und je mehr wir uns unterhalten, umso perfekter finde ich dich.“ Er sagte das mit solch einer Entschlossenheit, dass ich keinen Moment zweifelte, obwohl ich es sollte. Ich kannte ihn immerhin kaum.
 „Perfekt für...“
 „Eine Beziehung mit mir. Ich suche schon lange nach einer Frau, die mich anspricht. Hin und wieder dachte ich, ich hätte eine gefunden, aber dann entpuppte sie sich als... naja... Dummy. Einige taten auch nur so, um mir zu gefallen. Du bist herrlich ehrlich, hältst mit deiner Meinung nicht vorm Berg und mir gefällt deine Einstellung.“
 „Obwohl sie gegen gefühlt alles steht, was du tust?“
 „Ich werde schauen, wie sich das entwickelt und wenn ich feststelle, dass du wirklich so perfekt bist, wie ich gerade denke...“ Er bedachte mich mit einem nachdenklichen Blick. „Dann werde ich alles daran setzen, Skaisa.“
 Mein Herz setzte einen Schlag aus. Es lag pure Aufrichtigkeit in seinem Blick. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er nur so tat als ob. „Also bist du dir noch nicht ganz sicher.“, bemerkte ich schließlich, als wir in meine Straße einbogen.
 „Ich gebe zu, das bin ich nicht. Im Moment wüsche ich mir natürlich nichts anderes als dich einfach zu packen und zu küssen, bis du nicht mehr weißt wo du bist, aber das kann auch einfach an der Aufregung liegen.“ Er sah sich ein wenig um. „Wir müssten gleich da sein.“
 „Ja.“, murmelte ich, „Das Haus da vorn mit dem Vordach.“
 „Ah, ja.“ Da es sich auf der anderen Straßenseite befand, wechselten wir schnell die Seite. „Habe ich alle Kriterien erfüllt?“
 Er klang so hoffnungsvoll, dass ich beinahe Angst davor bekam ihn zu küssen. Und je mehr ich darüber nachdachte, um so näher kam die Angst. Ich war scheu, das wusste ich. Tatsächlich war ich so scheu, dass ich engen Kontakt zu Menschen vermied, obwohl ich mich eigentlich danach sehnte umarmt zu werden. Gehalten zu werden. Ich ertrug so viel Nähe nur von wenigen Menschen und es in dem Maße, in dem ich es brauchte, von ihnen zu verlangen schien mir etwas zu viel, also genoss ich einfach was ich bekam und ließ es zu, dass mich die Sehnsucht überkam.
 Aber jemanden küssen, den ich erst zweieinhalb Stunden kannte? Jason küssen? Ich musste gestehen, er war tatsächlich sehr sympathisch geworden, doch ich wusste nicht, wie er sonst drauf war. War er immer so? Ist er nur auf Partys so? Wie ist er in Gesellschaft anderer?
 „Du grübelst.“, bemerkte er plötzlich und blieb mit mir stehen.
 Als ich überrascht aufsah, stellte ich fest, dass wir vor der Auffahrt meines Zuhauses standen. „Oh, entschuldige.“
 „Es ist okay, wenn du nervös bist. Du hast immerhin nicht damit gerechnet, dass ich es tatsächlich errate.“
 Ich verzog den Mund.
 „Sag einfach, hab ich alle Kriterien erfüllt?“
 „Theoretisch ja.“, antwortete ich ehrlich.
 Er atmete auf. „Gut.“, murmelte er und starrte ein paar Sekunden auf meine Lippen. „Ich würde dich gerne jetzt küssen, aber...“ Einen Moment dachte er nach, sah einfach nur meinen Mund an. „Darf ich mir den Kuss aufheben?“
 Überrascht weiteten sich meine Augen. „Was?“
 „So gern ich dich jetzt küssen würde, ich glaube es ist schon eine ganze Menge passiert, deshalb würde ich mir den Kuss für ein anderes Mal aufheben.“
 „Oh.“ Es verblüffte mich selbst, wie enttäuscht ich klang.
 Er schien es zu merken und lächelte. „Hast du Montag schon was vor?“
 „Tatsächlich wollte ich da mit Adrian schwimmen gehen.“
 „Hmmm...“, machte er und dachte nach, „Nein, wie ist Dienstag?“
 „Lange Unterricht.“
 „Wann hast du denn Schluss?“
 „So gegen 16 Uhr?“
 Seine Augen verengten sich ein wenig. „Ja, das sollte reichen. Ich hole dich ab und bringe dich noch vor 20 Uhr abends nach hause. Reichen zwei Tage, um alles sacken zu lassen?“
 „Bestimmt.“
 „Gut, dann...“ Wieder landete sein Blick auf meinen Lippen und er senkte sogar den Kopf. Dann hielt er plötzlich inne, seufzte und küsste mich stattdessen auf die Wange. „Dann sehe wir uns Dienstag.“
 „Okay.“
 Und dann, nach anderthalb Stunden, ließ er meine Hand los. Sie fühlte sich plötzlich ganz kalt an.
 „Schlaf gut.“, murmelte er, als ich mich umdrehte und nicht anders konnte, als zurück zu sehen, während ich die drei Stufen zur Veranda hoch stieg.
 Er wartete, sah mir nach. Als er merkte, dass ich nicht weiter ging, lächelte er wieder so liebenswürdig. Wie ein kleiner Junge, der herausgefunden hat, dass das Mädchen, dass er mochte, ihn ebenfalls mag.
 Was mache ich hier eigentlich?
 Hastig drehte ich mich wieder um und ging weiter. Zwei Schritte. Die Tür. Zwei weitere Schritte. Dann schloss ich die Haustür hinter mir und lehnte mich dagegen.
 Was für ein Abend. Mir brummte der Schädel. Es war so viel passiert.










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BeitragThema: Re: Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]   Do 19 Apr 2018 - 23:39

Kapitel 3

 Den Sonntag hatte ich genutzt um zu lesen und einfach nur faul zu sein, während ich Montag mal wieder eine Auseinandersetzung mit Adrian hatte.
 Die Schule war vorbei und er hatte mir eigentlich versprochen nun wirklich mit mir schwimmen zu gehen, doch es sah ganz so aus, als hätte er andere Pläne.
 „Du hast es mir versprochen.“, beschwerte ich mich und ließ mich auf mein Bett fallen, während er genervt seufzte und mit den Augen rollte.
 „Wir machen das ein andern Mal.“, versuchte er es wieder, „Ganz sicher.“
 „Das wirst du beim nächsten Mal wieder sagen. Und beim Mal danach und danach auch. Du sagst das ständig, wenn wir geplant haben was zu unternehmen. Langsam denke ich, dass du gar nichts mit mir unternehmen willst.“
 „Das stimmt doch nicht.“ Versöhnlich kam er herüber, kniete sich hin und zog mich an sich heran, um sanft meine Lippen zu küssen. „Es macht Spaß, etwas mit dir zu unternehmen.“
 „Und warum machen wir dann so selten etwas?“
 „Morgen, ganz sicher. Ich sage alles ab, was morgen ansteht, damit wir schwimmen gehen können.“
 Ich verzog das Gesicht. „Morgen habe ich schon etwas geplant. Und ich habe einen langen Schultag.“
 Überrascht hob er die Brauen. „Triffst du dich mit Tara oder was hast du vor?“
 „Nein, ich-“ Ich treffe mich mit einem Kerl, der mich wahrscheinlich für perfekt hält, um mit ihm zusammen zu sein und dann alles daran setzen wird, damit ich seine Freundin werde. „Morgen gehe ich shoppen.“, log ich, „Es sind neue Bücher von meinen Lieblingsautoren herausgekommen und ich möchte sie mir unbedingt holen. Ich warte seit einem Jahr darauf, dass die Fortsetzung der Morgan-Reihe veröffentlicht wird. Und diesmal ist mein Lieblingscharakter einer der Protagonisten.“ Dieser Teil war gar nicht mal gelogen. Vielleicht würde ich Jason wirklich in eine Buchhandlung schleifen, um mir das Buch zu kaufen. Es war tatsächlich der Tag der Veröffentlichung. Hoffentlich hat er keine strengen Pläne.
 „Okay, also ist morgen Buch-Tag.“, murmelte Adrian desinteressiert, „Wie ist Mittwoch?“ Während er das fragte, warf er einen Blick auf die Uhr.
 „Ich hab einen Termin bei meiner Gynäkologin.“
 Er rollte mit den Augen. „Wann hast du das nächste Mal Zeit?“, fragte er nun hörbar genervt.
 Mit zusammen gepressten Lippen sah ich schweigend auf ihn herab, woraufhin er sich das Nasenbein massierte.
 „Hör mal, ich will wirklich mit dir schwimmen gehen.“ Wieder glitt sein Blick zur Uhr. „Können wir später den Tag ausmachen? Ich muss langsam los, sonst komme ich zu spät.“
 Enttäuscht seufzte ich. „Lassen wir das einfach. Ich merke doch, dass du eigentlich nicht willst.“
 „Ich sagte doch gerade, dass ich mit dir schwimmen gehen will.“
 „Ja, du sagst es, aber du meinst es nicht so. Geh einfach zu deinen Freunden.“ Ich griff nach dem Buch, das auf meinem Nachttisch lag und wollte mich auf mein Bett zurück ziehen, doch er hielt mich fest.
 „Ich meine es ernst, ich will wirklich.“
 „Ja, klar.“, entgegnete ich sarkastisch, „Musst du nicht weg? Na los, du kommst zu spät.“
 „Ich verstehe manchmal wirklich nicht, was mit dir falsch ist. Da sage ich dir schon, dass ich wirklich möchte und du glaubst mir nicht. Ich hab gedacht du würdest mir vertrauen, aber offenbar habe ich mich damit getäuscht.“
 „Oh, ich vertraue dir.“, widersprach ich und rückte zurück, bis ich es mir im Bett gemütlich machen konnte. „Aber ich bin nicht dumm, auch wenn du das denkst. Ich merke doch, dass du nicht mit mir schwimmen willst.“
 „Und die Möglichkeit vertun dich in einem sexy Bikini zu sehen?“
 „Zum einen habe ich keine sexy Bikinis...“ Ich schlug das Buch auf. „Und zum anderen findest du mich doch fett, also würde dich der Anblick von mir im Bikini doch eh abturnen.“
 Er stöhnte genervt auf. „Meine Fresse. Du hast echt Probleme, weißt du das?“
 „Ja und du wirst eins davon.“
 „Dann geh eben allein schwimmen. Dann muss ich wenigstens nicht deinen Rettungsring ertragen.“
 Ich presste die Lippen aufeinander und zwang mich nicht darauf zu reagieren, während er fortfuhr mich zu beleidigen. Letzten Endes nahm er sich seine Tasche und rauschte davon. Nachdem ich die Haustür hörte wartete ich noch ein paar Augenblicke, ehe ich das Buch zuschlug, mein Portmonee und Bikini in einen leeren Rucksack packte und damit hinunter ging.
 „Ich gehe schwimmen.“, informierte ich Mom, „Ich nehm die Inliner.“
 „Okay. Pass auf die Autos auf.“
 „Mach ich.“
 „Brauchst du Geld?“
 „Ähm... Ich müsste noch genug haben. Obwohl...“ Ich zögerte. „Kannst du mir zehn Dollar geben? Ich möchte mir morgen noch ein Buch kaufen.“
 „Natürlich, warte kurz.“
 Geduldig blieb ich an der Tür stehen und wartete, während sie ins Schlafzimmer ging und wenig später zurück kam.
 „Hier hast du zwanzig. Kauf dir was Süßes und nimm dir deine Streits mit Adrian nicht so zu Herzen.“
 Ich verzog das Gesicht. „Hast du uns gehört?“
 „Nein, aber ich sehe, dass du traurig bist. Er tut dir nicht gut, Liebes.“
 Ich ließ die Schultern sinken. „Ich liebe ihn, Mom.“
 „Hmmm....“ Nachdenklich betrachtete sie mich einen Moment. „Ich möchte, dass du dir selbst zwei Fragen stellst und ehrlich mit dir bist. Frage Nummer eins: Liebst du ihn wirklich? Nicht antworten.“ Sie hob eine Hand, als ich bereits den Mund öffnete. „Du sollst dich das selbst fragen. Frage Nummer zwei: Ist er es wirklich wert?“ Liebevoll streichelte sie mir über die Wange. „Du versteckst dich immer mehr. Ich frage mich hin und wieder, was er zu dir sagst, dass du das tust, aber ich habe das Gefühl, dass du nicht mit mir oder Leonas darüber reden willst.“
 Ich seufzte schwer.“
 „Pass bitte auf dich auf, Skaisa.“ Sanft küsste sie mich auf dir Stirn und streichelte mir übers Haar. „Wir lieben dich.“
 „Mach ich, Mom. Und ich liebe euch auch.“
 Das zauberte ihr ein warmes Lächeln ins Gesicht. „Dann amüsier dich schön.“
 „Danke, mach ich.“
 Damit verließ ich das Haus und zog mir meine Inline Skates an, um zum nächsten Schwimmbad zu fahren. Ich brauchte vielleicht eine halbe Stunde und war erleichtert, als ich endlich ankam. Die Schlange vor der Kasse war glücklicherweise nicht sehr lang, sodass ich 20 Minuten später im Bikini mit Badeshorts mein Handtuch an mich drückend die Schwimmhalle betrat.
 Es war mir etwas unangenehm allein hier zu sein, auch wenn ich die Bahnen selbst ausschließlich allein zog. Das war immerhin schlecht etwas, das man zu zweit tun konnte.
 Ich suchte mir gerade einen Platz, an dem ich mein Handtuch lagern konnte, als ich eine vertraute Stimme hörte.
 „Mach Platz da unten, sonst lande ich auf dir!“
 Ich erstarrte mitten im Schritt und drehte mich zum Sprungturm um. Da stand er auf dem 5-Meter-Turm und sah höhnisch auf jemanden herab, ehe er mit einem Sprung, den ich wahrscheinlich mit zehn Jahren Übung nicht so gut hätte absolvieren können, im Wasser landete. Zehn Sekunden später tauchte er wieder auf, strich sich sein schwarzes Haar aus der Stirn und lachte über etwas, das ihm ein Kerl gesagt hatte, der in seiner Nähe im Wasser trieb.
 Aus Angst, er könnte mich sehen, trat ich hastig an die Seite und stellte mich hinter eine Säule. Ganz ruhig, Skai. Das ist nur ein Zufall. Die Stadt ist groß, es gibt drei Schwimmbäder. Ich schluckte schwer und zog es ernsthaft in Erwägung mich umzuziehen, um in ein anderes Schwimmbad zu fahren, doch das wäre Geldverschwendung. Verdammt! Tief durchatmend drückte ich das Handtuch fester an mich, ehe ich vorsichtig an der Säule vorbei sah.
 Er zog sich gerade aus dem Wasser und ließ den Blick einen Moment über das Becken gleiten, ehe er eine Braue hob und etwas rief, das klang wie: „Mogelei wird mit einer gebrochenen Nase bestraft, du Waschlappen!“ Dann wischte er sich über die Nasenspitze und verschränkte die Arme vor der Brust.
 Da der Wasserstand etwas unterhalb des Beckenrandes lag, konnte ich nicht erkennen, wen oder was er beobachtete, doch solange er da stand, würde er mich wahrscheinlich bemerken, sobald ich heraus kam. Andererseits konnte ich nicht hier stehen und warten, bis er endlich ging.
 Verdammt, verdammt! Frustriert seufzte ich und knetete das Handtuch in meinen Händen. Dann muss ich es eben riskieren. Aufmerksam ließ ich den Blick durch die Halle gleiten, bis ich einen Platz für mein Handtuch fand, atmete kurz durch und ging dann zielstrebig darauf zu. Ich versuchte Jason aus dem Augenwinkel zu beobachten und bemerkte erleichtert, dass er den Blick nicht von dem Becken vor sich nahm. Dann erst realisierte ich, dass er nur eine enge Badehose trug und blieb neben der erhitzten Steinplatte, auf dem man es sich gemütlich machen konnte und auf dem ich mein Handtuch liegen lassen wollte, stehen und betrachtete ihn kurz.
 Sehr kurz.
 Denn in dem Moment, in dem ich mein Handtuch hingelegt hatte, bewegte er sich plötzlich. Schnell wendete ich mich ab und schob mein Handtuch an den linken Rand der Platte, ehe ich ein Haargummi von meinem Handgelenk über meinen Handteller schob und mir einen Pferdeschwanz band. Als ich zu den Startblöcken ging zwang ich mich den Blick zu Jason zu vermeiden und griff nach der Schwimmbrille, die an meinem Hals hing.
 Es hatte mich etwas angewidert, als meine Schwimmlehrerin vorletztes Jahr in der Schule gesagt hatte, ich solle in die Brille spucken, um zu vermeiden, dass sie von innen beschlug, aber... nun ja, es funktionierte. Zehn Sekunden später stand ich auf dem Startblock einer freien Bahn und beugte mich vor, bis meine Finger den Block berührten, während ich mir durch den Kopf gehen ließ, was ich damals gelernt hatte.
 Ich war kein Profi, aber ich wollte wenigstens versuchen es richtig zu machen. Diesmal wollte ich zwei Bahnen durchgehend tauchen, also musste der Sprung gelingen.
 Ich atmete tief durch und schloss die Augen. Nicht zu viel Luft anhalten. Noch ein tiefer Atemzug. Dann wippte ich ein paar Mal vor und zurück, ehe ich schließlich absprang und einen Bogen machte, ehe ich ins Wasser eintauchte.
 Tief genug, stellte ich zufrieden fest und tauchte, so schnell ich konnte.
 Die Wende hatte ich damals tagelang geübt und war nun mehr als froh endlich in der Lage zu sein eine fehlerfreie Rollwende darlegen zu können. Dann tauchte ich bereits zurück, spürte allerdings ein vertrautes Ziehen in der Brust, dem ich etwas Abhilfe schuf, indem ich ein wenig ausatmete.
 Etwa drei Meter vor Ende der Bahn tauchte ich auf und schnappte nach Luft, ehe ich mir die Brille vom Kopf riss und leise vor mich hin fluchte, wobei ich darauf achtete, dass sie von innen nicht nass wurde. Dann schwamm ich die letzten drei Meter, hielt mich an der eigens dafür angebrachten Stange unter dem Startblock fest und sah zurück auf die Bahn, während ich darüber nachdachte, was ich falsch gemacht hatte.
 Ich konnte die Luft zweieinhalb Minuten lang anhalten, also sollte ich genug Zeit haben. War ich vielleicht zu langsam? Vielleicht sollte ich es mit einer anderen Schwimmtechnik versuchen. Oder ich versuchte es so wie eben nochmal. Vielleicht hatte ich zu wenig Luft geholt, ehe ich sie anhielt.
 Nochmal. Mit dem Gedanken zog ich mich aus dem Wasser und setzte die Brille wieder auf, ehe ich auf den Startblock stieg. Nur ein bisschen tiefer einatmen. Ich trommelte nachdenklich an das kalte Gestein, als ich die Finger wieder daran legte. Vielleicht sollte ich erst ein paar Bahnen ziehen, ehe ich es nochmal mit Tauchen versuche. Doch dann schüttelte ich langsam den Kopf. Dann wäre ich erschöpft und nicht mehr schnell genug.
 Also sprang ich. Diesmal berührten meine Brüste einen Moment den Beckenboden, weshalb ich ein paar Zentimeter höher schwamm. Zu tief. Es sollte eigentlich kein zu tief geben, doch wenn ich zu tief schwamm, bekam ich Ohrenschmerzen und das lenkte mich ab. Die Rollwende verlief fehlerfrei und der Weg zurück schien vielversprechend. Ich spürte gerade, wie meine Lunge begann zu protestieren, als ich weit genug getaucht war, um wieder aufzutauchen. Die Nase direkt vor dem Startblock schnappte ich wieder nach Luft und lehnte meine Stirn dagegen, ehe ich die Brille hochschob und mich umdrehte, um die Bahn zu betrachten.
 Geschafft. Ich hab's geschafft! Ein Lächeln legte sich auf mein Gesicht und ein Glücksgefühl durchfuhr mich. Ich hatte hart mit mir selbst kämpfen müssen, um das zu schaffen, auch wenn ich keinen wirklichen Grund für dieses Ziel hatte. Ich hatte es einfach nur getan, weil ich es wollte.
 Nun setzte ich die Brille wieder auf und stieß mich entspannt vom Rand ab, um gemütlich ein paar Bahnen zu ziehen. Leider spürte ich bereits schon nach der dritten, wie mir die Puste ausging, weshalb ich aus dem Wasser stieg und mir mein Handtuch holte, ehe ich zu dem kleinen Kiosk herüber ging, der in der Nähe der Sprungtürme stand, um mir etwas zu trinken zu kaufen. Das Armband an meinem Handgelenk sorgte dafür, dass ich bezahlen konnte, wenn ich die Schwimmhalle verließ, sodass ich nicht ständig Geld mit mir herum tragen musste.
 „Skaisa?“
 Scheiße. Ich hatte Jason bereits wieder vergessen. Langsam sah ich zu ihm auf. „Äh... Hi.“ Ich zog mir die Schwimmbrille herunter, sodass sie um meinem Hals lag und wickelte mich fester in das Handtuch, da er begann mich zu mustern. „Du auch hier?“
 „Ja, ich- Ähm...“ Er sah zum Becken zurück. „Ein paar Freunde haben mich her geschliffen.“ Er machte keinen besonders begeisterten Eindruck. „Ich dachte du wolltest mit Adrian schwimmen gehen.“
 Ich blinzelte überrascht. „Ich wollte, ja. Ihm kam was dazwischen.“
 „Also bist du allein hier?“
 „Ja.“ Ich zog verwirrt die Brauen zusammen. Irgendwas war anders an ihm. „Alles in Ordnung?“
 „Ja, wieso?“
 „Du wirkst irgendwie... anders.“
 Er rieb sich den Nacken, als sei ihm etwas unangenehm und er warf erneut einen Blick zurück. „Hast du... zwei Minuten? Ich muss dir da was sagen.“
 „Naja, ich wollte mich gerade anstellen.“ Ich deutete auf den Kiosk, woraufhin er mich dorthin begleitete. „Worum geht’s denn?“
 „Um Samstagabend.“
 Ich hob eine Braue. „Warst du doch betrunken und weißt nicht mehr, was passiert ist?“
 „Ich war nicht betrunken und ich erinnere mich an alles.“, widersprach er, „Aber ich war high.“
 Wie von allein kniffen sich meine Augen misstrauisch zusammen. „Aha.“
 „Ich... wollte mich dafür entschuldigen, dass ich so aufdringlich war. Ich meine, alles was ich sagte, war ernst gemeint, aber eigentlich bin ich nicht so ein... übertrieben positiver Mensch.“
 „Übertrieben positiv?“
 Er fuhr sich mit der Hand durchs nasse Haar. „Ich habe dich an die Wand gedrängt und dich genötigt, ohne mir Gedanken darüber zu machen, ob du dich in meiner Nähe überhaupt wohlfühlst. Ich wollte dir das eigentlich schon gestern erklären, aber dann hab ich gemerkt, dass ich dich nicht nach deiner Nummer gefragt habe und... Du hättest sie mir wahrscheinlich auch nicht gegeben.“ Er rieb sich mit dem Daumen über den Kiefer und starrte auf meine Schulter.
 „Okay.“
 „Also... Tut mir leid. Ich hoffe, du bist mir nicht böse.“
 Ich dachte einen Moment darüber nach. „Ich fand es nicht schön von dir herumgeschubst und an die Wand gedrängt zu werden.“, gab ich zu, woraufhin er die Brauen zusammen zog.
 „Ich hab dich nicht geschubst.“
 „Das meine ich im übertragenen Sinne. Du hast mich immer wieder aufgeregt. Aber als du mich nach hause gebracht hast war alles in Ordnung.“
 „Obwohl ich dich dazu zwang meine Hand zu halten?“
 „Ich hätte darauf verzichten können, aber daran kann man jetzt auch nichts mehr ändern.“
 Er nickte langsam und ich bemerkte, was anders war. Samstag war er entspannt und ausgelassen, hatte überschwänglich gute Laune, wie ein kleiner Junge, der ein bisschen zu viel Süßes hatte. Nun war er angespannt und wirkte irgendwie... düster, als wäre er wütend.
 „Bist du mir sauer oder so?“
 „Was?“ Verwirrt sah er mich an. „Warum sollte ich?“
 „Ich hab dich ständig abgewiesen.“
 „Oh, nein. Das war gut so. Wenn ich high bin, denke ich nicht darüber nach, ob eine Frau wegen dem, was ich tue, sauer auf mich wird. Ich hätte dir nichts getan oder so, aber... Ich hätte wahrscheinlich- Also eigentlich ganz bestimmt versucht mehr als nur einen Kuss zu kriegen.“
 „Verstehe.“, murmelte ich verdutzt.
 „Ich hoffe, morgen steht noch. Ich verspreche auch, ich nehme vorher nichts.“
 Unsicher knabberte ich an meinem Mundwinkel. „Du solltest damit vielleicht aufhören. Das macht dich kaputt.“
 Er rollte mit den Augen. „Du bist nicht der erste Mensch, der mir damit kommt. Glaub mir, wenn ich sage, das die Alternative schlimmer wäre.“ Sanft schob er mich am Rücken an, als die Schlange vor mir aufrückte.
 „Hast du für morgen eigentlich etwas geplant?“
 „Musst du noch etwas erledigen?“
 Einen Moment verzog ich schüchtern den Mund. „Ich hatte gehofft einen kurzen Abstecher in einen Buchhandel machen zu können.“
 „Kein Problem.“
 „Wirklich?“
 Als ich ihn voller Vorfreude ansah, legte sich ein Lächeln auf sein Gesicht. Ein Lächeln, dass mich diesmal vom Hocker warf. Samstag war er verspielt und jungenhaft gewesen, aber heute war er erwachsen und reif.
 „Wirklich.“, beteuerte er amüsiert, „Kommst du oft zum Schwimmen her?“
 „Eher selten. Ich gehe ungern allein schwimmen. Und Lust darauf habe ich auch nicht sehr oft.“
 „Nächstes Mal kannst du gerne mich fragen.“
 „Nett von dir.“
 Als ich an der Reihe war kaufte ich mir eine Flasche Mineralwasser mit Kohlensäure und ließ es zu, dass er mich zu dem Platz begleitete, an dem ich mein Handtuch gelagert hatte.
 „Schwimmst du gern?“, fragte er unterwegs.
 „Schon. Ich tauche lieber, aber ich kann die Luft nicht so lange anhalten, wie ich möchte.“
 „Was ist denn dein Ziel?“
 „Oh, das habe ich heute erreicht.“ Ich legte mir eine Hand auf den Brustkorb. „Zwei Bahnen durchtauchen.“
 „Wow, das ist gut. Die meisten schaffen gerade mal eine halbe.“
 „Ich habe es viel geübt.“
 Er betrachtete die Bahnen, als wir an dem Becken vorbei kamen, in dem ich getaucht war und nickte anerkennend. „Hast du vor mal etwas derartiges später beruflich zu machen?“
 „Nein, das wäre mir zu anstrengend. Das hier ist nur zum Spaß, zur Entspannung und um Frust abzubauen.“
 Ein Muskel in seinem Kiefer zuckte. „Frust? Streit mit deinem Freund?“
 Ich seufzte. „Kommt dir gelegen, was?“
 „Nein.“
 Überrascht sah ich ihn an. „Nicht?“
 „Nein. Er verletzt dich. Ich sähe es zwar gern, wenn ihr euch trennt, aber nicht, dass er dich verletzt. Du warst Samstag den Tränen nahe. Was hat er gesagt?“
 Einen Moment zögerte ich, trank dann aber einen Schluck Wasser. „Ich werde jetzt noch ein paar Bahnen schwimmen, ehe ich wieder gehe.“
 Sein Kiefer mahlte und er verschränkte die Arme vor der Brust. „Skaisa.“
 „Ich werde dir nicht sagen, was er gesagt hat.“
 „Warum nicht?“
 „Weil es dich nichts angeht.“
 Er dachte darüber nach und nickte dann zu meiner Überraschung. „Das stimmt. Aber es interessiert mich, weil ich dich gern kennen lernen will.“
 Ich blickte auf die Flasche herab. „Ich möchte nicht darüber reden.“
 „Allgemein oder nur im Moment?“
 „Eher im Allgemein.“
 Er hob eine Braue. „So schlimm?“
 Ja. „Nein, ich- Ich mag es nur nicht die Angelegenheiten von Adrian und mir vor anderen auszubreiten.“
 Tatsächlich würde ich genau das gerne tun, aber ich wusste, was man mir dann sagen würde. Und wahrscheinlich hatte jeder Recht, der es sagte. Der aussprach, was ich dachte. Dass Adrian mich nur benutzte und ich mich um meiner selbst Willen von ihm trennen sollte. Manchmal wusste ich selbst nicht so genau, warum ich an der Beziehung so fest hielt. Aber ich wusste, wenn ich jemandem erzählen würde, was Adrian zu mir sagte, wäre es, als würde ich mein Innerstes entblößen. Allein die Vorstellung, das zu tun, ertrug ich kaum.
 „Wie auch immer, ich sollte wieder zu den anderen.“ Er deutete auf das Becken, in dem ein paar Kerle bereits versuchten seine Aufmerksamkeit zu bekommen.
 „Hör auf hübsche Frauen anzubaggern und beweg deinen Arsch hier rüber!“, rief einer herüber, als er merkte, dass Jason herüber sah.
 „Tut mir leid, die haben gekifft.“
 „Die haben- Ist das nicht gefährlich?“
 „Deshalb bin ich hier. Um sie davor zu bewahren unterzugehen wie Steine.“ Er zuckte mit den Schultern. „Ich freu mich jedenfalls schon auf morgen und... ich hoffe du bereust es nicht, dich mit mir verabredet zu haben. Auch hinterher.“ Einen Moment betrachtete er mich schweigend. „Viel Spaß noch beim Schwimmen.“
 „Danke. Viel Erfolg beim Babysitten.“
 Prompt begann er belustigt zu grinsen und ich spürte tausende kleine Schmetterlinge in meinem Bauch. „Vielen Dank, Skai.“ Als er sich herunter beugte, dachte ich einen Moment er wolle mich auf den Mund küssen. Doch stattdessen streifte er mit den Lippen meine Wange. Dafür packte er aber meinen Hintern und griff ordentlich zu, ehe er sich von mir löste. „Denk an mich.“
 Damit schlenderte er zurück zu den anderen Kerlen und warf sie ins Wasser, als sie begannen ihm Kommentare zuzuwerfen. Noch etwas aufgeregt von seiner plötzlichen Nähe setzte ich mich auf die beheizte Steinplatte und trank etwas Wasser, ehe ich das Handtuch zur Seite legte und wieder zum Startblock ging. Ich wollte mir gerade die Schwimmbrille aufsetzen, als mich jemand von hinten umarmte.
 „Hey, Baby.“
 Überrascht sah ich mir über die Schultern. „Adrian?“
 Er lächelte mich an und ich konnte nicht anders als vor Freude, dass er doch noch hergekommen war, zu lächeln und mich umzudrehen, um ihn zu umarmen.
 „Was machst du hier?“, fragte ich ihn und rieb meine Wange an seiner Schulter.
 Leise lachte er zufrieden und drückte mich an sich. „Ich hab nachgedacht und... naja, du warst schon im Recht, als du dich so aufgeregt hast. Ich wollte dir beweisen, dass ich es ernst meinte und hab den Jungs gesagt, dass ich früher gehe, um zu dir zu fahren, aber deine Mutter sagte, du seist schwimmen, also bin ich hergekommen.“
 „Wirklich?“ Ich sah zu ihm auf und er nickte zustimmend. „Das ist lieb von dir.“
 „Tut mir leid, was ich gesagt habe. Du siehst toll aus im Bikini. Wirklich.“
 Da biss ich mir verlegen auf die Unterlippe, woraufhin er sich herab beugte und mich küsste. Als ich ihn erwiderte, seufzte er erleichtert auf und schob mir eine Hand in den Nacken, löste sich bald aber wieder von mir.
 „Warst du heute schon tauchen?“, fragte er neugierig und löste sich langsam.
 „Ja, ich hab die zwei Bahnen geschafft.“
 „Gratulation!“ Ein weiterer kurzer Kuss. „Möchtest du die Strecke verlängern oder hörst du jetzt auf?“
 „Nein ich denke, ich werde hin und wieder einfach nochmal versuchen zwei Bahnen zu schaffen, um es zu halten.“
 „Das klingt gut.“ Er nahm meine Hand und verschränkte seine Finger mit meinen. „Wollen wir in den Whirlpool?“
 „Aber du bist noch nicht geschwommen.“ Er war noch trocken. „Lass uns erst noch etwas schwimmen, okay?“
 „Na gut. Wer zuerst vier Bahnen schafft?“
 „Du gewinnst sowieso.“, beschwerte ich mich und stellte mich auf den Startblock, während er den der Bahn daneben nahm.
 „Ich war lange nicht mehr schwimmen.“
 „Ja, aber du machst anderen Sport. Ich bin schon froh, wenn ich nach der dritten Bahn nicht ertrinke.“
 „Na gut. Dann schwimmst du vier Bahnen und ich schwimme, bis du fertig bist.“
 „Okay.“
 Kurz darauf sprangen wir ins Wasser. Er war natürlich viel besser in Form als ich und schwamm gut doppelt so viele Bahnen, bis ich erschöpft die vierte hinter mir hatte.
 „Kommst du raus?“, fragte er sanft, als ich mich an der Stange einhakte, um nicht einfach ins Wasser zu sacken.
 „Gib mir einen Moment.“, keuchte ich, woraufhin er herüber kam und von hinten ein Bein zwischen meine schob, damit ich darauf sitzen konnte und in der Lage war mich zu entspannen. „Danke.“
 „Du solltest vielleicht hin und wieder mal joggen. Es hört sich nicht gesund an, wie du gerade keuchst.“
 „Ist gleich wieder vorbei. Ich muss nur kurz atmen.“
 Er schien nicht überzeugt, sagte aber nichts weiter und wartete, bis ich nickte. Dann stieg er aus dem Wasser und hielt mir eine Hand hin, um mir zu helfen. Ich holte noch mein Handtuch und mein Wasser, ehe ich mit ihm den Whirlpool ansteuerte. Erst da merkte ich, dass er hinter den Sprungtürmen war und wir somit direkt an Jason und seinen Freunden vorbei mussten.
 Zumindest dachte ich das. Sie waren nicht mehr in dem Becken. Stattdessen hörte ich sie bereits, als wir uns dem Whirlpool näherten.
 „Ist wohl schon besetzt.“, murrte Adrian, als er die Gruppe Männer sah, die darin nichts als Unfug trieben.
 Jason hatte gerade jemanden in den Schwitzkasten genommen, während dieser versuchte ihm in den Bauch zu schlagen. Die anderen saßen im Kreis um die beiden herum und feuerten sie an. Als der arme Kerl Jason schließlich auf den Oberarm klopfte, pfiffen die anderen laut und Jason ließ ihm los. Offenbar hatte er gerade einen Kampf gewonnen. Oder eine Rangelei. Wie auch immer, der Verlierer sah ziemlich sauer aus, während Jason ihm warnende Blicke zuwarf.
 Also doch eine Auseinandersetzung.
 „Hmmm...“, machte Adrian neben mir und sah sich um.
 Ich sah zu ihm auf, während ich wartete, was er als Alternative aussuchen würde, und löste meine nassen Haare aus dem Zopf. „Wie wäre es, wenn wir etwas essen?“
 „Hattest du etwa noch nichts?“
 „Ähm... nein.“
 Er sah mich vorwurfsvoll an. „Du musst essen, Skaisa.“
 „Ich hab's vergessen.“
 „Du kannst das doch nicht einfach vergessen.“ Als er mir einen spürbaren Klaps auf den Hinterkopf gab, zuckte ich zusammen.
 „Au! Das tat weh.“
 „Vergiss nicht immer zu essen.“, tadelte er und schob mich an dem Kiosk vorbei zu dem kleinen Café. „Was möchtest du?“
 Ich rieb mir den Hinterkopf, der tatsächlich noch weh tat. „Milchreis.“, nuschelte ich.
 „Mit Zimt?“
 „Nein danke.“
 „Okay. Such schon mal einen Tisch, ich komme dann gleich. Willst du noch was trinken?“
 „Eine Coke vielleicht.“
 „In Ordnung.“ Damit griff er in meinen Nacken und zog mich zu einem Kuss heran, ehe er sich in die Schlange stellte.
 Da der vermeintliche Klaps recht schmerzhaft gewesen war, murrte ich vor mich her, ehe ich mir einen mit vier Stühlen aussuchte und Platz nahm, ehe ich mein Handtuch auf dem Stuhl neben mir legte. Einen Moment fragte ich mich, wie Jason wohl reagieren würde, wenn er Adrian sah, hoffte dann aber, dass diese Situation nie entstehen würde und sah zu meinem Freund herüber, der wohl gerade bestellte.
 Ich wartete geduldig. Da das Essen erst zubereitet wurde, dauerte es eine Weile und ich vertrieb mir die Zeit damit ein paar Badegäste zu beobachten, bis ich, mal wieder, Jason sah, der mit einem misstrauisch Blick zu seinen Kumpanen, die wahrscheinlich noch immer im Whirlpool waren, den man von hier aus nicht sehen konnte, die Umkleidekabinen ansteuerte.
 Das verwirrte mich. Hatte er nicht gesagt, er müsse auf die Jungs aufpassen? Warum ging er dann? Oder hatten sie vielleicht beteuert, die Wirkung der Drogen hätte nachgelassen?
 Er kennt sich wahrscheinlich aus und weiß, wann er ihnen glauben kann. Warum also ging er?
 Fünf Minuten später kam er aber wieder, also hatte er vielleicht nur telefoniert. Weit kam er aber nicht, denn einer seiner Kollegen kam ihm entgegen gelaufen und rammte ihm die Schulter in den Bauch, woraufhin er auf dem Rücken auf dem Boden landete. Ich rechnete bereits damit, dass einer der Aufsichtspersonen der Schwimmhalle eingreifen würde, doch es sah nicht einmal jemand herüber, als sie miteinander rangen.
 Es dauerte nur etwa 20 Sekunden, bis ich Blut sah. Und das schockierte mich. Die Rangelei hatte nicht sehr gewalttätig ausgesehen und doch wischte Jason sich gerade Blut aus dem Mundwinkel und stieß seinem Gegner das Knie in den Magen, ehe er ihn von sich schob und aufstand. Er murmelte irgendwas auf die am Boden kauernde Gestalt und wendete sich dann dem Kiosk zu, als er mich bemerkte.
 Er hielt inne, sah kurz auf seinen Kollegen am Boden und dann wieder zu mir, ehe er den Blick abwendete.
 „Tut mir leid, hat etwas gedauert.“, ertönte neben mir plötzlich Adrians Stimme, ehe er mir meinen Milchreis und die Coke hinstellte und mit seiner eigenen Mahlzeit vor mir Platz nahm.
 „Kein Problem.“, entgegnete ich und setzte ein Lächeln auf. Dennoch machte ich mir Gedanken um die Dinge, die ich gerade gesehen hatte. Ob es dem Mann gut ging, der da am Boden kniete?
 Ein vorsichtiger Blick an Adrian vorbei offenbarte mir, dass er sich gerade auf die Beine gekämpft hatte und nun auf die Umkleidekabinen zuging. Weshalb hatte er Jason wohl angegriffen?
 Ich schüttelte schnell den Kopf und konzentrierte mich auf Adrian.
 „Hast du was dagegen, wenn ich gleich noch mit zu dir komme?“, fragte er vorsichtig, „Ich weiß, wir haben gestritten, aber...“ Er griff nach meiner Hand. „Ich mach es wieder gut.“
 Ich seufzte schwer und dachte einen Moment darüber nach. Es konnte ja nichts schlimmeres passieren, als wieder mit ihm zu streiten, also... „Na gut.“, murmelte ich, „Aber meine Eltern werden zuhause sein.“
 „In Ordnung.“
 Wir begannen zu essen und unterhielten uns ein wenig. Es war lange her, dass wir einfach nur zusammen saßen und miteinander redeten. Als wir fertig waren, brachte er das Geschirr zurück und wir sahen nach, ob der Whirlpool nun frei war.
 Da stellte ich fest, dass Jason mich beobachtete. Nicht vom Pool aus, denn von dort hatte er uns nicht sehen können. Er befand sich in dem Becken der Sprungtürme an einer Ecke und hatte die Arme vor sich auf dem Beckenrand verschränkt, um seinen Kopf darauf zu legen. Sein Blick war alles andere als begeistert und als er merkte, dass ich ihn erwischt hatte, hielt er meinen Blick, als wolle er mich von Adrian wegzerren.
 Ich sah mich einen Moment um, weil er allein war und stellte fest, dass seine Freunde nicht zu sehen waren. Als ich den Blick daraufhin wieder zu ihm gleiten ließ und die Braue hob, zuckte er mit den Schultern und deutete in Richtung der Umkleidekabinen.
 „Rian.“
 „Hm?“ Er sah auf mich herab.
 „Wartest du kurz?“, bat ich ihn und sah kurz zu ihm auf. „Ich hab einen Freund gesehen und möchte kurz hallo sagen.“
 „So?“ Er wirkte überrascht. „Okay. Aber beeil dich.“
 „Geh schon mal vor und halt uns Plätze frei.“
 Er drückte mir noch einen leichten Kuss auf die Lippen, ehe er weiter ging und ich mich an Jason wand, der nun aus dem Wasser kam.
 „So, so.“, hob er an, als wir uns auf halbem Weg trafen, weil ich ihm entgegen kam. „Das ist also dein Freund, hm?“
 Ich folgte seinem Blick zu Adrian, sah dann aber wieder zu ihm auf. „Eigentlich wollte ich mit dir über etwas anderes sprechen.“
 Er schnalzte kurz mit der Zunge. „Und worüber?“
 Einen Moment ließ ich den Blick über ihn gleiten, was ich bisher versäumt hatte. Ich hatte bereits am Samstagabend einen guten Eindruck davon bekommen können, dass er kräftige Bizeps hatte und erkannte nun, dass sein ganzer Körper gut trainiert war.
 Plötzlich spürte ich seinen Atem an meinem Ohr. „Wenn du mich weiter so anstarrst, denke ich noch, du willst mich vernaschen.“
 Prompt stieg mir die Röte ins Gesicht und ich stieß ihm vor die Brust. „Jason!“
 Ein amüsiertes Lachen brach aus ihm heraus und er sah mit funkelnden Augen auf mich herab. „Na los, was willst du wissen?“
 „Ich... bin bloß neugierig.“
 Wartend neigte er den Kopf ein wenig zur Seite.
 „Dieser Typ, mit dem du dich da... ähm...“
 „Connor.“, merkte er an, „Er hat mich angegriffen, weil einer der anderen Idioten ihm gesagt hat, ich hätte seine Schwester gevögelt.“
 „Hast du?“
 Er verzog den Mund. „Bist du sauer, wenn ich dir sage, dass ich es nicht weiß?“
 Wenn ich so darüber nachdenke, ging es mir durch den Kopf, sollte mich das nicht wundern. Er sagte ja selbst, dass er sich an die meisten Gesichter nicht erinnert. „Also ist sie ein Kauknochen, hm?“
 Sein Mundwinkel kräuselte sich belustigt. „Ja. Ich merke, du verstehst mich.“
 „Wenn ich dir rate nicht willkürlich mit irgendwelchen Frauen zu schlafen... sagst du dann auch, das sei besser als die Alternative?“
 Sein Lächeln verblasste und er seufzte. „Du willst nicht erleben, wie ich bin, wenn ich...“ Er rieb sich über den Mund und warf einen Blick an mir vorbei. „Ich glaube, dein Freund wartet. Er hat sicher was dagegen, wenn du mit mir redest. Ich würde ihn wirklich gern reizen, aber ich will nicht, dass er dir weh tut.“
 „Jason-“ Ich fuhr mir mit der Hand durchs Haar. „Ich hab dir bestimmt schon zehntausend Mal gesagt, dass ich nicht mit dir zusammen sein will. Nicht nur, weil ich mit Adrian zusammen bin, sondern auch wegen... deiner Art.“
 „Lass das nur meine Sorge sein.“
 „Ich meine es Ernst. Wir können Freunde sein, aber ich werde nicht mit jemandem wie dir zusammen sein.“
 „Je öfter du das sagst, umso mehr hab ich das Gefühl, du willst dir das nur selbst einreden.“, merkte er vorsichtig an, „Ich habe dir bereits beim ersten Mal verstanden. Mach dir darum also keine Gedanken, okay?“
 Ich seufzte leise und nickte schließlich.
 „Wenn du dich von mir wirklich bedrängt fühlen solltest, dann sag es mir. Aber raste bitte nicht jedes Mal aus, wenn ich dich umarmen möchte.“
 Zögerlich öffnete ich den Mund. „Naja, das... ist... ähm...“ Mit geschlossenen Augen schüttelte ich kurz den Kopf. „Ich erkläre dir das ein andern Mal. Wir sehen uns morgen.“
 „Okay. Darf ich dich auf die Wange küssen? Dein Freund schaut nicht her.“
 Verlegen wich ich seinem Blick aus. „Aber... wirklich nur auf die Wange.“
 Das zauberte ein hinreißendes Lächeln auf sein Gesicht, ehe er sich herab beugte und sanft einen zarten Kuss auf meine Wange hauchte. Dabei legte er mir eine Hand an die Hüfte und strich mit dem Daumen über meine Haut.
 „Nicht wieder an den Arsch gehen.“, ermahnte ich ihn hastig, woraufhin er leise prustete.
 „Schade.“, murmelte er, ehe er sich löste. „Ich freu mich schon auf morgen. Ich hol dich dann an der Schule ab.“
 „In Ordnung.“, entgegnete ich und trat einen Schritt zurück. „Bis dann.“
 Er hob zum Abschied noch die Hand, woraufhin ich zurück winkte und zu Adrian eilte. Als ich den Whirlpool erreichte, drehte er sich gerade nach mir um und wirkte etwas misstrauisch.
 „Wer war der Kerl?“, wollte er wissen, als ich mich neben ihn setzte und an ihn schmiegte.
 „Nur ein Freund.“, entgegnete ich.
 „Er ist dir ziemlich nahe gekommen. Hat er dich geküsst?“
 Hat er es doch gesehen? „Zum Abschied auf die Wange.“, gab ich dann zu.
 „Und davor? Er hat sich zu dir herunter gebeugt.“
 „Er hat mir nur etwas zugeflüstert. Ein Scherz. Das ist alles.“
 Er wirkte noch unschlüssig, seufzte dann aber und schlang die Arme um mich. „Na gut. Was wollen wir heute Abend machen?“

 Zwei Stunden später lag ich mit Adrian in meinem Bett und kuschelte mich an ihn, während seine Hände auf Wanderschaft gingen.
 „Darf ich hier übernachten?“, fragte er halblaut und glitt mit dem Daumen unter mein Shirt, um damit über meinen Bauch zu streicheln.
 „Ich glaube nicht, dass meine Eltern das erlauben. Morgen ist Schule.“
 „Und wenn sie nicht wüssten, dass ich hier bin?“
 Ich hob eine Braue. „Das geht nicht. Erstens, sie würden es raus kriegen. Zweitens, wenn sie es rauskriegen, bekomme ich Ärger.“
 „Willst du dann bei mir schlafen?“
 „Ich darf unter der Woche nicht woanders übernachten. Und das weißt du.“
 Er seufzte. „Deine Eltern sind zu streng.“
 „Sind sie nicht. Du denkst das nur, weil du willst, dass es anders ist.“
 „Nein, es ist so. Du bist 17. Warum verbieten sie dir in der Woche bei jemandem zu übernachten oder jemanden hier übernachten zu lassen?“
 „Damit ich mich auf die Schule konzentriere.“
 Er seufzte genervt, schob dann aber eine Hand unter meinem Shirt auf meinen Rücken, ehe er mich küsste. Es war ein süßer Kuss. Ein Kuss, bei dem mir wohlig warm wurde und ich irgendwann begann mich an ihn zu drängen. Nach und nach zogen wir uns aus, während er meinen Körper liebkoste und sich auf mich rollte. Er küsste mich für eine Weile tief und drängend, streichelte mir über die Seite und schob seine Hüften dann an meine Lenden, um sich an mir zu reiben.
 „Du nimmst die Pille noch?“, fragte er mit heißem Atem an meinem Ohr.
 „Mhm.“, machte ich darauf mit einem Nicken und stöhnte leise auf, als er eindrang.
 Ich wusste, wie es werden würde, noch ehe er überhaupt anfing. Er begann sich zu bewegen, küsste meinen Hals und fummelte an meinen Brüsten herum. Dann bewegte er sich schneller, griff an meine Hüfte und knabberte an meinen Ohr, bis er schließlich kam und auf mich sank.
 Es machte Spaß mit ihm zu schlafen. Das tat es tatsächlich. Zumindest bis er kam. Ich blieb, wie immer, frustriert zurück und biss mir auf die Unterlippe, zu schüchtern, um irgendwas zu sagen. Dann rollte er sich von mir herunter, bedeckte meine Schulter mit   Küssen und griff zum Nachttisch, um Taschentücher aus der Schublade zu holen. Eins davon reichte er mir, ehe er sich um sich selbst kümmerte.
 Die Lippen aufeinander gepresst wischte ich mich notdürftig ab, ehe ich aufstand und mir etwas anzog. „Ich gehe kurz ins Bad.“
 „Okay.“, murmelte er daraufhin und machte es sich in meinem Bett gemütlich.
 Im Bad machte ich mich schließlich richtig sauber und ärgerte mich über meinen eigenen Frust. Ich sollte froh sein überhaupt ein Sexleben zu haben, auch wenn es alles andere als erfüllend war.
 Ist er es wirklich wert?
 Nachdenklich sah ich in den Spiegel und dachte über die Frage meiner Mutter nach. Ich wusste, dass ich ihn liebte. Aber liebte er mich genauso?
 Es war nicht das erste Mal, dass ich darüber nachdachte und es beschäftigte mich, als ich wieder in mein Zimmer ging. Adrian, der offenbar ein Nickerchen gemacht hatte, sah verschlafen auf, als ich mich aufs Bett setzte.
 „Alles okay?“, fragte er träge und rollte sich auf den Rücken.
 „Können... Können wir reden?“
 „Jetzt?“ Er rieb sich über die Wange.
 „Es wäre mir sehr wichtig.“
 Als er mit den Augen rollte, als wäre ich kindisch, brach irgendwas in mir auseinander. „Wenn es denn sein muss?“
 Geduldig wartete ich, bis er sich etwas angezogen und mir gegenüber gesetzt hatte.
 Er gähnte schläfrig „Worum geht’s?“
 Unsicher knabberte ich wieder an meiner Unterlippe. „Liebst du mich eigentlich?“
 „Ja klar.“
 Ich wusste nicht warum, aber irgendwie fühlte es sich nicht richtig an das so zu hören. Als... hätte er es zu schnell gesagt, zu locker, als... würde er das nur so dahin sagen. „Was liebst du an mir?“
 „Deine Augen, deine Haare, deine sanfte Art, deine Nachgiebigkeit. Und du bist süß, wie... wie ein Welpe oder so.“
 „Wie ein Welpe?“
 „Ja, du weißt schon. Manchmal will ich dich halten und irgendwie drücken.“
 „Du willst mich... manchmal halten?“ Ich wünschte, ich könnte dich ständig halten.
 „Ja. Ich meine... Man, Skai, müssen wir das jetzt klären? Gibt es irgendein Problem?“
 Etwas unklar zuckte mit den Schultern. „Es ist irgendwie seltsam mit uns, oder nicht?“
 „Was meinst du mit seltsam? Willst du etwa Schluss machen?“
 Ich seufzte. „Ich sagte, ich will reden. Ich würde gerne versuchen eine Lösung zu finden, damit wir uns beide wohl fühlen und voran kommen.“
 „Aber ich fühle mich wohl. Du etwa nicht?“
 „Deshalb will ich ja mit dir reden.“
 Sichtbar verwirrt kratzte er sich über die stoppelige Wange. „Okay. Und was ist nun das Problem?“
 Ich brauchte ein paar Sekunden, um mich zu sammeln und eine Möglichkeit zu finden mich richtig auszudrücken. „Hin und wieder... habe ich das Gefühl, dass unsere Beziehung nicht... ausgewogen ist.“
 „Ausgewogen?“
 „Ja. Du forderst sehr viel von mir, aber ich fühle mich immer, als würde ich den kürzeren ziehen.“
 „Und was soll ich da machen?“
 „Es wäre nett, wenn... also, wenn du vielleicht ein bisschen mehr Rücksicht auf meine Gefühle und Wünsche nehmen würdest. Mehr Rücksicht auf mich.“
 Er blinzelte langsam. „Das tue ich doch.“
 „Ja, aber ich meine, etwas mehr. Wenn dir etwas nicht gefällt wirst du immer schnell ausfallen und fängst an mich zu beleidigen. Das ist sehr verletzend und... ähm... Naja, es schadet unserer Beziehung.“
 „Ich entschuldige mich doch immer dafür.“
 „Eigentlich entschuldigst du dich fast nie für das, was du gesagt hast.“, korrigierte ich vorsichtig.
 Er stöhnte auf, als wäre ihm das alles lästig und setzte sich anders hin. „Was genau willst du jetzt von mir?“
 „Das sagte ich doch. Ich möchte, dass du mehr Rücksicht nimmst.“
 „Kannst du nicht etwas genauer werden?“
 „Naja, du... Also, ich würde mich besser fühlen, wenn du...“
 Als ich nicht weiter sprach, hob er ungeduldig eine Braue. „Wenn ich was?“
 „Wenn du mich nicht mehr beleidigen würdest oder so. Wenn wir... mehr unternehmen. Zu zweit. Allein. Und wenn du vielleicht... beim Sex...“
 Nun hob sich auch die zweite Braue und für den Moment hatte ich seine ungeteilte Aufmerksamkeit. „Beim Sex?“, wiederholte er langsam.
 „Wenn du vielleicht...“ Verlegen druckste ich herum und schluckte, während ich rot wurde und meine Finger begannen zu zittern. „Etwas aufmerksamer wärst.“ So. Schritt eins erledigt.
 „Ich soll aufmerksamer sein? Macht es dir etwa keinen Spaß?“
 „D-d-doch, schon, nur... ich, ähm... Ich bin noch nie...“
 Ungeduldig atmete er durch. „Raus damit, Skai. Du bist noch nie, was?“
 „Gekommen.“, murmelte ich. Da hast du's! Schritt zwei erledigt. Ich hab's ihm gesagt. Jetzt ist er dran.
 „Na und?“
 Verdattert wusste ich nicht, was ich sagen sollte.
 „Du sagst doch selbst, du bist nicht sehr sensibel. Was soll ich da machen? Spielzeug kaufen?“
 Hitze stieg mir ins Gesicht und Scham breitete sich in mir aus. „N-n-nein. Ich dachte bloß-“
 „Was? Soll ich irgendwelche magischen Techniken anwenden? Ich kann doch nichts dafür, wenn du ein bisschen frigide bist.“
 „Ich-ich bin n-n-nicht frigide!“
 „Schau mir in die Augen und sag Penis.“
 Schamerfüllt wich ich seinem Blick aus. „Wir sind doch nicht im Kindergarten.“
 „Siehst du? Du kannst es nicht mal sagen und fängst schon an zu stottern, wenn ich eine andere Stellung vorschlage.“
 „Für sowas bin ich eben noch nicht bereit.“
 „Ich sag doch, du bist frigide.“
 Ich seufzte schwer. „Weißt du, vielleicht war es einfach eine blöde Idee zu denken, es würde etwas bringen mit dir über Probleme zu reden.“
 „Ja, klar, jetzt liegt der Fehler wieder bei mir.“ Mit einem Blick auf die Uhr stand er auf und zog sich an. „Ich gehe besser nach hause und lass dich mit deinen Problemen allein. Wir sehen uns morgen in der Schule.“
 „Okay.“, murrte ich nur und wich weiter seinem Blick aus, lehnte mich sogar weg, als er mich zum Abschied küssen wollte.
 „Man, wirklich?“, stöhnte er genervt und ging.
 Ist irgendwas falsch mit mir oder versteht er mich einfach nicht?
 Mit dieser Frage im Kopf machte ich mich fertig für's Bett und legte mich hin.










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Schwer Verliebt [Roman] [FSK 16]

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